In Erinnerung an Dr. Kourosh Aryamanesh

Dr. Kourosh Aryamanesh

Dr. Kourosh Aryamanesh  کوروش آریامنش * 1934- † 1996

Dr. Kuroš Âriyâmaneš wurde 1934 in Mashhad / Iran geboren, absolvierte dort seine Schulausbildung und ging nach dem Militärdienst nach Tabriz, um an der Universität Tabriz Literaturwissenschaften zu studieren. Er heiratete ihre Königliche Hoheit Dr. Azadeh Nikbakht, ging 1968 mit seiner Familie nach Frankreich und promovierte in Paris in den Fachbereichen Literatur, Soziologie und Kriminologie. Nach seiner Rückkehr in den Iran lehrte er an verschiedenen Hochschulen und wurde Dekan. 1974 wurde er Finanzchef des Bildungsministeriums. Er verhalf in dieser Zeit unter dem Shah vielen Studenten zu einem Stipendium für ein Auslandsstudium. Ab 1976 war er stellvertretender Bildungsminister bis zur iranischen Revolution 1978. Danach floh er, um sein Leben zu retten, nach Frankreich.  Zum Schutze der iranischen Kultur vor der Zerstörung durch das fremde islamische Dogma gründete er zusammen mit seinem Freund Dr. Âle Dâl Fak die Organisation „Pâsdârâne Farhange Irân“ [Wächter der Iranischen Kultur].  In Frankreich veröffentlichten sie dann zusammen folgende Werke:

  • Farhange Vâžehâye Tâzi be Pârsi (Wörterbuch Arabisch-Persisch)
  • Sanješe Farhange Pârsi bâ Farhange Tâzi (Vergleich iranischer und arabischer Kultur)
  • Ganjineye Nâmhâye Šokuh Âfarine Irâni (Iranisches Namenslexikon 40.000 Namen)

Neben dem Newsletter „Payâme Mâ Âzâdegân“ der weltweit mit beträchtlichem Erfolg vertrieben wurde, schrieb er zahllose Artikel über die iranische Kultur und veröffentlichte sein hoch geschätztes Buch Sangsâr (Steinigung). Über 160 Artikel schrieb er über Kriminologie und Forensik in persischer Sprache sowie 18 Artikel in französischer Sprache, darüber hinaus veröffentlichte er 13 Fachbücher.

Viele nannten ihn den modernen Ferdousi. Genau wie Ferdousi im 11. Jhd. fand durch die Werke von Kuroš Âriyâmaneš eine Wiederbelebung der persischen Kultur und Sprache statt. Unter seinem Namen durfte er keine Bücher in Iran veröffentlichen, so dass  er verschiedene Pseudonyme  benutzte, um seine Werke im Iran zu publizieren: In einer Gesellschaft, in der man nicht äußern kann was man will, ist das der einzige Weg das Wort zu verbreiten. Geboren wurde er als Reza Mazlooman und er wechselte seinen Namen auf Grund der für ihn unerträglichen Situation, einen Namen der Vergewaltiger seiner Ahnen tragen zu müssen zu Kourosh Aryamanesh, um einen reinen persischen Namen  anzunehmen. So vermied er den Konflikt zwischen seinem arabischen Geburtsnamen und dem was er  in seinen Werken lehrte.

Dr. Âriyâmaneš wurde am 27. Mai 1996 (2555 iranischer Zeitrechnung) von muslimischen Antiiranern im Auftrag der Islamischen Republik in seinem französischen Exil in Paris ermordet.  Die Islamische Republik wusste, welche Gefahr von diesem Mann mit seinen Werken ausging und so beschlossen sie seine Ermordung: Das steigende Bewusstsein vieler Iraner, die seine Werke kennen, für die iranische Kultur, wurde für die muslimischen Fremdherrscher zum Risiko. Seine Mörder ließ er ins Haus und nachdem sich die Mörder  iranischer Gastfreundschaft erfreut hatten und sich bewirten ließen, ermordeten sie ihren Gastgeber mit  zwei Schüssen in die Brust und einen Schuss in den Kopf. Was war sein Verbrechen gewesen, für das er den Tod verdient hatte? Er war Publizist und jemand der dafür stand die persische Kultur und Sprache zu erhalten, deshalb musste er sterben. Keine große Organisation stand hinter ihm und seine Werke über Iran druckte er zuhause und verschickte sie per Post an interessierte Iraner.

Neben seinen Fachbüchern vorwiegend aus dem Fachbereich „Kriminologie und Forensik“ sind die wichtigsten Werke:

“Uninformiertheit & Fäulnis” (Nâ Âgâhi Va Pusidegi), eine Studie zu den Schriften Ruhollah Khomeini

“Enzyklopädie  Arabischer Ausdrücke in Persischer Sprache” (Farhange Važehaye Tâzi be Pârsi) in zwei Teilen

“Der Schatz der prächtigen persischen Namen” (Ganjineye Nâmhâye Šokuh Âfarine Irâni) in zwei Teilen

“Die Steinigung” (Sangsâr)

“Ermordung von Frauen im Namen des Gesetzes!” (Zankoši dar lavâye Qânun!) über die Todesstrafe für Frauen unter den barbarisch islamischen Gesetzen.

Sehr bedeutend sind auch seine Forschungsarbeiten die im In- und Ausland große Beachtung gefunden haben:

1. Forschungsarbeit über Mord in Iran, am Beispiel aktueller Fälle

2. Forschungsarbeit zur Jugendkriminalität in Iran

3. Forschungsarbeit betreffend Morde und Verbrechen gegen Frauen in Iran

4. Forschungsarbeit über Drogen und Drogensüchtige am Beispiel von 10.000   Drogensüchtigen und 2500 Gefängnisstudien in Iran

5. Forschungsarbeit über Morde in verschiedenen Stadtteilen Teherans

6. Forschungsarbeit über Verkehrsunfälle in Iran

Sein letztes großes Werk „Ktesiphon in Rauch, Feuer und Blut der Wüstenbewohner“ (Tisfun, Dar Dudo Âtašo Xune Biyâbâniyân) konnte er leider nicht mehr vollenden. Der letzte Wunsch von Dr. Âriyâmaneš wurde erfüllt, als er am 3. Juni 1996 eingeäschert und seine Asche auf den Hügeln Père-Lachaise bei Paris verstreut wurde.  Die wunderschöne Melodie khabhaye talai” (Goldene Träume), ein Klavierstück von Javad Ma’roofi wurde gespielt und das Gedicht Dust (Freundin) von Sohrab Sepehri war zu hören. Er galt als geliebter Lehrer, und die Fackel des Wissens und des Bewusstseins, die er für uns  angezündet hat, wird für immer in den Herzen der Iraner scheinen.

Nach seinem Tod gab es eine Veranstaltung zu seinen Ehren, zu der 800 Gäste geladen waren, gerade einmal 80 sind erschienen.

Sein Licht wurde erloschen und man kann eine Blume töten, ihr Duft aber, bleibt immer in unserer Erinnerung.

„Ein Iraner ist kein Moslem und ein Moslem ist kein Iraner!“ 

Kuroš Âriyâmaneš

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3 Gedanken zu „In Erinnerung an Dr. Kourosh Aryamanesh

  1. Pingback: Der Jahrestag von Dr. Kourosh Aryamanesh | Online-Magazin Pârse&Pârse پارسه و پارسه

  2. Offenbarung 14.13 : “Selig sind die Toten, die in dem HERRN sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Werke folgen ihnen nach”

    Ich will jetzt gar nichts daran heruminterpretieren, ob das hier voll und ganz zutrifft, man hier Einschränkungen machen muss oder sonst was.
    Manch einer hat sein Lebenzeugnis abgegeben und muss dies nicht bereuen.
    Es bleibt bestehen und spricht für sich.

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