Die Etymologie des Begriffs Tâzi

Tâzi! [1] Dieses Wort bezeichnet in sehr vielen Schriften die Menschen, die in unserer Nachbarschaft als Araber leben. Wenn Sie außer den religiösen und geschichtlichen Texten, die in ihren Lernbüchern sind, Zugang zu anderen Büchern und Texten hatten, ist Ihnen bestimmt der Begriff „tâzi“ bekannt. Nach der iranischen Revolution wurde das Wort „tâzi“, das auch als der Name einer Hunderasse [2] in der iranischen Sprache benutzt wird, nicht mehr in den formellen Texten und Schriften und Lernbüchern von der Seite der Regierung veröffentlicht, um damit auch manch kontra arabische Gefühle der iranischen Bevölkerung etwas mehr zu besänftigen. Andererseits benutzen diejenigen, die sich geschichtlich über die Invasion der Araber in den Iran informiert haben, häufiger das Wort „tâzi“, um ihren Gefühlen Arabern gegenüber mehr Ausdruck zu verleihen. [3]

Ich erinnere mich sehr gut, wie mich vor einiger Zeit ein junger Freund, der sich sehr für geschichtliche Texte interessiert, gefragt hat, ob der Begriff „tâzi“, mit dem wir Araber bezeichnen, nun ein Schimpfwort sei?

Was bedeutet eigentlich der Begriff „tâzi“ und woher stammt die Wurzel dieses Wortes?
Wie viele andere geschichtliche und antike Wörter haben Sprachwissenschaftler schon einige Wurzeln gefunden, aber es ist noch nicht klar, welche von diesen der Ursprung des Begriffs ist. Die Wörterbücher Ânandrâj [4] und Anjoman Ârâ [5] erläutern das Wort „tâzi“ so: „Der weise Bahrâm war der Sohn des weisen Farhâd Sohn von Tâz, der einer der Söhne von Siyâmak war; und „tâziyân“ (Araber) stammen von ihm (Tâz der Sohn von Siyâmak)“. In anderen antiken Erzählungen wird Siyâmak als den Sohn Miši [6], der wiederum selbst der Sohn von Kayumars ist, bezeichnet und er (Tâz) ist der Vater aller Araber, genau wie „ajam“ (Iraner), deren Ahn Hušang Šâh ist.

Aber im Wörterbuch Serâjolloqat [7] wurde der Begriff „tâzi“ deswegen für Araber benutzt, weil jene in der islamischen Eroberungsepoche in Iran sehr gewütet, geplündert und das Land überfallen hatten. [8]

Einige der Sprachwissenschaftler glauben, dass das Wort „tâzi“ ursprünglich „der Nomade“ heißt. Als Begründung ihrer Behauptung nennen sie die Wörter „tâž“ und „tâz“ mit der Bedeutung „das Zelt“. Diese Sprachwissenschaftler erklären, das Wort „tâzi“ sei für „den Nomaden“ und das Wort „dehgân“ für den Bauern; den Dorfbewohner; denn das erste Wort wird für Nomaden benutzt und das zweite für Umsiedler und Ansässige. (Du hast die Welt bereist und gesehen, du hast alles von Nomaden und Bauern gehört und ausprobiert. Nâser Xosrou [9]). Aus diesem Grund war zuerst der Begriff „tâzi“ ein allgemeiner Begriff für Nomaden, aber im Laufe der Zeit wurde die Bedeutung und Nutzung des Wortes eher auf den arabischen Nomaden übertragen. In der chinesischen Sprache wird das Wort „tâš“ für Araber verwendet, das Wort ist die Ableitung aus den iranischen Wörtern „tâž“ und „tâz“. Das ist auch ein Beweis dafür, dass die Chinesen zum ersten Mal Araber durch iranische Seefahrer und Kaufleute kennengelernt haben.

Die Erklärung von Malekoššo’arâ Bahâr [10] ist auch sehr lesenswert. Er schrieb in seinem hochwertigen Buch Sabkšenâsi (Stilistik): „Iraner benutzten schon von jeher die Wörter „tâcik“ oder „tâžik“ für Fremde; Ausländer; diejenigen, die nicht iranischsprachig waren, genau wie Griechen, die zu nicht Griechen „Barbar“ sagten und Araber zu nicht Araber „ajam“. Im Laufe der Zeit wurden die Wörter „tâcik“ und „tâžik“ in der Dari Sprache [11] „tâzi“ ausgesprochen und wurde nach und nach speziell für Araber verwendet. Die alte Sprechweise blieb aber in Turân (Turan) und Transoxanien unberührt und man benutzte „tâcik“ und „tâžik“ für Fremde und nicht iranischsprachige Völker. Später nach der Völkerwanderung der Türken aus dem Torkestan Gebiet in China in Richtung Mittlerer-Osten und der Völkermischung der altaischen Türken mit den iranischsprachigen Völkern dieser Gebiete wurde das Wort „tâcik“ genauso von der türkischen Bevölkerung dieser Gebiete für Fremde und Ausländer und nicht türkischsprachige Völker übernommen. Ab da wurde die Kombination der beider Wörter „tork“ und „tâjik“ sehr in den literarischen Werken der damaligen Zeit gängig, mit der Bedeutung „Türke“ und „nicht Türke“ (wie auch das Beispiel „fârs“ Perser und „arab“ Araber)“.

Neben den iranischen Wurzeln, die die Sprachwissenschaftler für das Wort „tâzi“ erklären, gibt es noch das ins Iranische übernommene Wort „tâyi“ (aus dem Stamm Tay) wie das iranische Wort Râzi, das für jemanden benutzt wird, der aus der Stadt Reyy in Iran kommt. Das Wort „tâyi“ ist die Andeutung auf die Beliebtheit und den guten Namen des arabischen Stammes Tay*. In der Geschichte finden wir solche Namenbezeichnungen sehr oft, wie zum Beispiel wir Iraner das Land Hellas/Ionier/Yunan (Yunân in iranisch) das heutige Griechenland oder die hellenische Republik wegen seines berühmten Stammes Yunan nennen, genauso wie die Griechen das Land Iran Persia und Araber den Iran Faras nennen (die Verallgemeinerung des Teils auf das Gesamte).

*Der weise Doktor Mohammad Mo’in (* 1914 † 1971) schrieb bei der Kommentierung und Deutung des Buches Borhân, warum der arabische Stamm Tay einen guten Ruf bei den Iranern besaß. Er schrieb: „Der Stamm Tay ist ein arabischer Stamm, der in Jemen ansässig war. Das Land Jemen gehörte schon zur Zeit des sassanidischen Kaisers Nuširvâne Dâdgar auch Chosrau I. (Anuschirvan 531–579 n. Chr.) genannt zum iranischen Imperium, aus diesem Grund wurden Araber allgemein mit dem Namen dieses Stammes benannt“ [12].

Quellen:
Das Wörterbuch Loqatnâme von Ali Akbar Dehxodâ
Sabkšenâsi von Mohammad Taqqi Bahâr, Amir Kabir Verlag

Anmerkungen von Fartâb Pârse:
[1] Der Buchstabe „z“ wird in diesem Wort wie der Buchstabe „s“ in Deutsch ausgesprochen, Beispiel: „s“ beim Wort Hase
[2] Windhund; Rennhund
[3] Diese Art Erniedrigung beschränkt sich nicht auf manch iranische Landsleute; sondern es gibt auch arabische Faschisten, die mit denselben Gefühlen Iranern gegenüber handeln. Es genügt, wenn man über ausreichend Arabischkenntnisse verfügt und die arabischen Weblogs und Internetseiten besucht.
[4] Das Wörterbuch Ânandrâj wurde vom Inder Mohammad Pâdešâh mit dem Künstlernamen „Šâd“ in Indien im Jahre 1888 veröffentlicht. Dieses Wörterbuch ist eins der wichtigsten und besten Wörterbücher der iranischen Sprache und beinhaltet iranische, arabische, türkische, mongolische, indische, römische und sanskritische Wörter.
[5] Anjoman Ârâye Nâseri ist das Wörterbuch in persisch-persisch und wurde von Rezâ Qoli Xân Hedâyat (* 1804 – † 1872) verfasst.
[6] Miši ist der Urmensch Adam in der iranischen Mythologie
[7] Serâjolloqat ist ein persisch-persisches Wörterbuch, das als Cerâqe Hedâyat bekannt ist und wurde im Jahr 1735 von Serâjoddin Alixân Ârezu † 1756 verfasst.
[8] Tâz ist die präs. von tâxtan (reiten; jagen; eilen). Tâzeš bedeutet Angriff; Überfall; Einfall. Târâj bedeutet Diebstahl; Plünderung; Raub
[9] Nâser Xosrou Qobâdiyâni (* 1003 † 1088) auch Nāsser Chosrau Qobadiāni oder Nāser Khosrow genannt war ein iranischer Abenteurer, Theologe, Dichter und Philosoph.
[10] Malekoššo’arâ Bahâr ist der Titel des Dichters Mohammad Taqqi Saburi (* 1887 † 1951). Er bekam schon zu Lebzeiten den Titel, der etwa „Bahâr, König der Dichter“ bedeutet. Er war einer der größten Dichter der konstitutionellen Epoche in Iran zu Anfang des 20 Jahrhundert. Er war Sprachwissenschaftler, Professor an der Universität Tehrân, Journalist, Dichter und vor allem Politiker seiner Zeit. Er beherrschte die Pahlavi Sprache sehr gekonnt und hatte in seinem Buch Sabkšenâsi in drei Bänden die alten und sehr antiken Wörter aus dem Pahlavi ins Neuiranische übersetzt und aus diesen Wörtern kombinierte er eine große Zahl neuer Wörter. Seine Mühe für die Wiederbelebung der alten iranischen Wörter wird sehr geschätzt. Er ist einer der Pioniere auf diesem Wege.
[11] Dari Sprache ist die alte Form der neuiranischen Schrift- und Umgangssprache Nordostirans in früh-neuiranischer Zeit.
[12] Der Stamm Tay hatte in der Sassaniden Epoche die Aufgabe eines Grenzschützers inne.

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