Auszüge aus „Al-Muqaddima von Ibn Khaldun“

Quelle: Das Buch Nach 1400 Jahren, S. 299-301

Von: Dr. Šojâ’eddin Šafâ

Obwohl Historiker der islamischen Welt schon zu Beginn der Entstehung des Islam im Unklaren darüber waren, ob die anfänglichen islamischen Eroberungen der Araber auf religiösen Gründen basierten, vermieden sie dennoch strikt die Geschichte so zu schreiben, wie sie geschehen war, weil sie entweder zu fromm waren oder berechnend handelten, um nicht als Gottlose oder Abtrünnige zu gelten.

Aber es können über die bekannten und unzweifelhaften Geschehnisse jener Araber in den Schriften des Historikers der arabischen Welt, Ibn Khaldun, nachgelesen werden. Er war ein Denker, islamischer Rechtsgelehrter und tunesischer Forscher des 15. Jahrhunderts n. Chr., ein Religionsprofessor an der Al-Azhar Universität in Kairo, der Oberrichter (Qadi) der Stadt Kairo und der größte arabische Geschichtsschreiber.

Der bedeutendste Historiker des 20. Jahrhunderts Arnold J. Toynbee sieht in Ibn Khaldun den wahren Begründer der Geschichtsphilosophie. Es ist interessant zu wissen, dass einige kurze Passagen des berühmten Buches Al-Muqaddima von Ibn Khaldun, dessen persische Übersetzung von Mohammad Parvin Gonâbâdi [1] stammt, schon 150 Jahre zuvor im Buch des Aufklärungspioniers des 19. Jahrhunderts in Iran, Fath Ali Âxund Zâde [2], in der Originalsprache Arabisch zitiert wird:

„Das natürliche Talent der Araber ist die Plünderung und Ausbeutung anderer; was sie im Besitz anderer sehen, veranlasst sie zu Diebstahl und Raub. Sie ernähren sich durch ihre Lanzen und Schwerter; sie kennen keine Grenze bei der Beraubung und Plünderung anderer; im Gegenteil, rauben sie alles aus, von Reichtümern, Hab und Gut bis zu den Werkzeugen.

Wenn sie ein Land bei ihren Eroberungszügen besetzen und ihre Herrschaft und Macht in diesem Land geltend machen, achten sie nicht auf die Erben der Menschen; deswegen werden die Besitztümer aller durch die Besatzer mit Füßen getreten und geraubt. So wird der Wohlstand verringert und die Zivilisation stirbt aus. Sie sind auch der Grund, weshalb der Wohlstand und die Gesellschaft verdorben wird; denn sie ignorieren die Künstler, Handwerker und verachten diese […] Der Wohlstand in einer Gesellschaft kann durch die Vernichtung solcher Berufe zugrunde gerichtet werden.

Die Araber bemühen sich nicht um Gesetze oder Regeln, die den Diebstahl und die Aggressivität den Menschen gegenüber verbieten, sondern sie bemühen sich nur darum, die Besitztümer der Menschen durch Raub und Erpressung an sich zu reißen. Wenn sie ihr Ziel erreichen, walten sie keine Gnade um des Volkes und seines Wohlergehens. Sie achten nicht darauf, die Menschen unter Ihrer Führung den richtigen Weg zu weisen und halten die Missetäter nicht davon ab, weiterhin Verderbtheit über das Volk zu bringen.

Wie so oft veranlasst ihre Habsucht und Raffgier sie dazu, Geldstrafen zu verhängen, aber ihr Ziel dabei ist nicht, die Gemeinschaft zu verbessern, sondern höhere Abgaben und Kopfsteuern zu erzielen und durch die Art der Methoden, die eigenen Reichtümer zu vergrößern. Denn Strafen zu verhängen, um die Täter zu bestrafen, halten keinen davon ab, das verbrecherische Verhalten zu ändern. Im Gegenteil, helfen die Strafen, welche eher Bestechung sind, ihnen, weiter zu machen. Letzten Endes, lebt das von Arabern in Chaos und Anarchie beherrschte Volk so, als ob es keine gesetzliche Macht mehr gäbe. Chaos und Anarchie sind ebenso Ursache für die Vernichtung und Verderbtheit eines Wohlstands und einer Zivilisation.

Dieses Volk ist von Natur aus bestimmt, zu plündern und zu vernichten; was sie finden, nehmen sie als Beute […] Aufgrund ihrer Eigenschaft der Barbarei, wäre die Herrschaft über sie ebenso nur mit Grobheit, Habsucht und Rivalität verbunden, weshalb sie ungern beherrschen werden wollen. Es ist selten, dass sie wegen einer Sache übereinstimmen. Wenn es aber um ihren Glauben oder irgendein neues Land geht, lässt dieses hindernde und herrische Gefühl, und die Anmaßung und Konkurrenz nach. Sie verbünden sich leichter und begehen gemeinsam den Weg zur Errungenschaft eines Sieges oder einer neuen Eroberung.

[…] Und so versammeln sich diese Araber, die stolz darauf sind, Skorpione und Zecken [3] zu verzehren, an Tagen, die nicht besser als in Qorayš [4] sind, unter der Fahne des Propheten und unternahmen Eroberungszüge in Richtung des persischen und römischen Reiches. Sie besetzten diese und fingen an sich mit den weltlichen Angelegenheiten zu befassen; sie häuften große Reichtümer, dass sie bei manchen Kriegen jedem arabischen Reiter an die Tausend Goldmünzen oder im selben Wert Silber verteilten und raubten unermessliche Beuten.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass die Eroberungen der Araber immer die Zerstörung der jeweiligen Zivilisationen mit sich brachten, denn die kultivierten, blühenden und bebauten Städte wurden von ihren Bewohnern verlassen. Die Felder änderten sich zu Ödland. Das Land Jemen hat sich außer ein paar seiner Städte zu einer Ruine entwickelt. Die iranische Zivilisation im Lande Irak [5] wurde völlig zerstört und dieselbe Situation herrscht in Šâm [6]. Banu Hilal und Banu Sulaym [7], die bis nach Tunesien und Marokko eingedrungen waren und annähernd 350 Jahre für ihre Vorherrschaft gegeneinander Kriege geführt haben, sich in diesen Ländern niederließen und grüne Landflächen vernichteten . Die Gebiete zwischen dem Mediterranen Meer und dem Sudan, die vorher bebaut und besiedelt waren, sind heute nur noch eine Wüste, worin übrig gebliebene Ruinen, Flachreliefe und ein paar Dörfer nur noch  an eine Zivilisation erinnern“. [Aus dem Buch Al-Muqaddima von Ibn Khaldun, Kapiteln in der Reihe nach 27, 28 u. 21]

Diese Passagen, die aus Al-Muqaddima entnommen sind, sind nur wenige Kritiken des Ibn Khaldun an die Araber. Es ist aber auch interessant zu erwähnen, dass schon vor dem großen Historiker der arabischen Welt über die Natur der Araber im Koran, worin das Wort an den Propheten gerichtet ist, geschrieben steht: „Doch wenn sie eine Ware sehen oder ein Spiel, dann brechen sie sogleich dazu auf und lassen dich stehen“. [62:11]

Anmerkungen von ©Fartâb Pârse:

[1] Mohammad Parvin Gonâbâdi (*1903 – †1978) war einer der größten Kenner der persischen und arabischen Sprache und Literatur. Aufgrund seiner enormen Sprachkenntnisse schlug der große Meister Dehxodâ ihm vor, ihm bei seinem großen Werk Louqatnâme zu helfen, was er auch mit Ehrfurcht und Ehre übernommen hatte. Er hatte einige bedeutende arabische Werke ins Persische übersetzt, darunter das Al-Muqaddima in zwei Bände.

[2] Fath Ali Âxund Zâde (*1812 – †1878) war ein aserbaidschanischer Schriftsteller, Aufklärer und einer der ersten Pioniere der Änderung des arabischen Alphabets ins Lateinische. Schon zu seinen Lebzeiten verlor Iran nach dem Turkmantschai Vertrag im Jahr 1828 einige Regionen an Russland, die heute fälschlicherweise als die Republik Aserbaidschan bekannt ist, daher war er bis zu seinem 15. Lebensjahr iranischer Bürger. Mirzä Fätäli Axundov, so wird er heute in Aserbaidschan genannt, war der erste, der das erste lateinische Alphabet im Jahr 1863 geschrieben hatte und seinen Entwurf der Osmanischen Wissenschaftsgesellschaft in der Türkei vorgestellt hatte. Seine Aufklärungswerke hatten großen Einfluss auf die Denker der Konstitutionellen Revolution in Iran zwischen 1905 bis 1911, genannt Mašrute Epoche.

[3] gem.: Elhez/Elhaz; bedeutet auf Arabisch „große Zecke“. In der vorislamischen Zeit aßen Araber auf der arabischen Halbinsel, während der Dürre und Hungersnot große Zecken, die sich vom Blut des Kamels ernährten, sie zermalmten diese mit Kamelwolle und stillten somit ihren Hunger. Ob die Art Ernährung heute noch praktiziert wird, ist unklar.

[4] Qorayš [Quraisch] ist der Stamm, von dem Mohammad abstammt.

[5] Zur Zeit der arabischen Invasion in Persien lag die Hauptstadt Ktesiphon im heutigen Irak.  Viele historische Denkmäler und Monumente aus der Zeit der Sassaniden Dynastie befinden sich auf dem Gebiet des heutigen Irak.

[6] Šâm; heute: Syrien.

[7] Banu Hilal und Banu Sulaym sind arabische Beduinenstämme der arabischen Halbinsel, die im 8. Jahrhundert n. Chr. in Unterägypten siedelten. Aufgrund der von ihnen verursachten ständigen Unruhen und Kämpfe, übersiedelten im 10. Jahrhundert n. Chr. die Fatimiden der beiden Stämme nach Oberägypten.

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8 Gedanken zu “Auszüge aus „Al-Muqaddima von Ibn Khaldun“

    • Und erst durch ihre Konvertierung zum Islam machten sie in jeder Hinsicht die Araber und ihre Kultur!! nach. Sie haben ja sonst nichts Historisches von sich aufzuweisen; beide Völker! Sie fügten ihren Nachbarländern, egal wo sie sich eingenistet hatten, Leid zu!

      Heute wollen sie aus Europa Türkeurabia machen! Und leider sind die Europäer [ihre Regierungen und Staatsmänner und die Wirtschaftsgeier] heute so scharf drauf, in der Wüste der arabischen Halbinsel nach Arabern und ihre Reichtümern zu hecheln. Hätten die Araber kein Erdöl, um sich Wolkenkratzer in der Wüste zu bauen und die westlichen Luxusartikel zu häufen, wüsste ich nicht, wovon sie leben sollten.

      Vor einiger Zeit habe ich einen Dokumentarfilm bei N24 gesehen, in dem es um die “deutschen Gastarbeiter” ging!!! Warum muss ein Industrieland wie Deutschland, das Nummer 1 beim Export der Industrieartikel ist, sich so weit entwickeln, um in den arabischen Ländern am Persischen Golf für die Araber zu arbeiten, und dann den Politikern dieses Landes weitere Waffenausrüstung nach Saudi Arabien genehmigen und im deutschen Mainstream die Lautsprecher der Araber werden und sie auf gut Deutsch gesagt, am Allerwertesten zu….!

      Die Europäer wissen leider nicht, dass die Araber nach und nach ihre Erde [europäischer Boden] im wahrsten Sinne des Wortes kaufen und die Besitzer werden!

  1. Vielen Dank Fartâb für Deine Übersetzung von „ Al-Muqaddima von Ibn Khaldun “ .
    Ich schrieb einen kurzen Beileidsbrief,als der große Patriot Irans Schafa starb.
    Hier könntest ihn « مردان بزرگ هرگز نمی ميرند »
    http://tavalodidigar.com/soog2.asp
    lesen,falls Du Dich dafür interessieren würdest.

    • Hamvande gerâmi @Nimâ,

      ich danke dir und fühle mich geehrt von dir den Lob zu bekommen. Ich habe auch deine Kondolenz bezüglich Ostâd Šafâ gelesen. Was mich bei deinen Beiträgen fasziniert, ist die Art in Pârsi zu schreiben, ohne Fremdwörter.

      Wir, jeder von, müssen seinen Weg gehen und aufklären, da wo wir können. Die heutige zweite und dritte Generation der Iraner in Deutschland wollen mehr über ihre Geschichte erfahren. Ostâd Šafâ hat eher für diese Generationen im Iran geschrieben. Daher ist es auch unsere Pflicht, seine Botschaft auch in anderen Sprachen zu verbreiten, auch in Deutsch. Denn ich habe schon festgestellt, dass es einen großen Unterschied zwischen der Generationen im In- und Ausland gibt. Unsere jungen IranerInnen hier möchten und wollen mehr wissen, aber der Mangel an Aufklärungsartikel hier ist ein großes Hindernis. Denn auch hier im Ausland haben sich viele der Sorte Ganji, Ebâdi, Sâzgârâ und viele andere eingenistet, die auch gut bezahlt werden, um die Stimme der Opposition zu sein!!! Ich muss leider sehr oft feststellen, wenn ich mal mit den jungen IranerInnen spreche, dass sie solchen Ekelpaketen Glauben schenken und sind ganz unschuldig dabei; denn sie kennen die Werke von Šâfâ nicht, oder Mirfetros, oder Dr. Ansâri und ein paar anderen. Sie haben nur die Namen gehört, aber gelesen, haben sie nicht. Daher ist es notwendig, wenn nicht das ganze Buch, wenigstens ein paar Seiten aus den Büchern dieser Aufklärer zu übersetzen.

  2. Wir müssen nicht nur den aggerssiv , expansiv , martialisch und aufgezwungenen Islam ,sondern die arabischen Wörtet auch an die Araber zurückgeben.

  3. Pingback: In liebevoller Erinnerung an Dr. Shojaedin Shafa | Pârse & Pârse پارسه و پارسه

  4. Pingback: Das goldene Zeitalter des Islam | Pârse & Pârse پارسه و پارسه

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