Alexander „der Große“ – Eskandare gojastak (1)

Teil 1 auch in Russisch zu lesen

Einleitung

Wie soll man einen Mann beurteilen, dessen natürliches Talent die Plünderung, Ermordung, Vergewaltigung, Brandschatzung und Ausbeutung anderer war, ein Mann, der keine Grenzen bei der Beraubung und Plünderung anderer kannte? Ein Mann, der das Erbe der Menschen missachtete und die Besitztümer und die Zivilisation mit Füssen trat? Was soll man halten von einem Mann, der keine Gnade um des Volkes und seines Wohlergehens walten ließ und die Missetäter in seinem Volke nicht davon abhielt weitere Verderbtheit über die Menschen zu bringen?

Nach seinen Feldzügen lebten die beherrschten Menschen, die zwei Jahrhunderte lang im Persischen Imperium in Frieden, Wohlstand, Ordnung und Sicherheit gelebt hatten, in Chaos, Armut und Anarchie. Die Stadt Theben in Griechenland machte er dem Erdboden gleich, vergewaltigte, plünderte,  brandschatzte und mordete wie im Blutrausch. Lediglich das Wohnhaus des Dichters Pindar und den Tempel verschonte er. 6.000 Einwohner ließ er ermorden und 30.000 Einwohner Thebens wurden in die Sklaverei geführt. Die Stadt Theben hörte nach seinem Erscheinen auf zu existieren und sollte erst zwanzig Jahre später wieder aufgebaut werden, doch sie fand nie mehr zu ihrer alten Bedeutung zurück.

Alexanders Eroberungen gingen immer einher mit der Zerstörung der  Zivilisation. Die meisten der kultivierten, blühenden und bebauten Städte die von ihm überfallen worden waren, wurden von ihren Bewohnern verlassen. Persepolis [tacht-e Dschamshid], die Stadt der Perser, das damalige „New York“, wurde nach ihrer Zerstörung nie wieder aufgebaut und besiedelt und die bebauten Felder auf seinem Weg durch Asien änderten sich zu Ödland. Die Gebiete zwischen dem Mediterranen Meer und dem Indus, die vorher bebaut und besiedelt waren, waren nach ihm zu einem großen Teil nur noch eine Wüste, worin nur noch übrig gebliebene Ruinen und zerstörte Flachreliefe an eine große Zivilisation erinnerten.

Die Beurteilung dieses Mannes war trotz seiner Untaten schon seit je her umstritten, doch in Wahrheit lässt sich nichts, aber auch wirklich gar nichts Positives finden, das ihm zur Ehre gereichen würde. Er war weder ein Mensch mit einer besonderen oder erhabenen Persönlichkeit, noch ein Freund der Zivilisation. Wir werden ihn in den folgenden Artikeln als einen schamlosen, selbstsüchtigen, anbetungssüchtigen, tyrannischen, neidischen, rachsüchtigen und abergläubischen Mann kennenlernen, der selbst gegenüber einem Freund keine Gnade kannte. Und weil er und seine griechisch-makedonischen Heerscharen Feinde der Zivilisation waren, die sich durch ihre Lanzen und Schwerter ernährten, hätten auch sie wiederrum nur mit Rohheit, Grobheit und nackter Gewalt beherrscht werden können. Alexander war genau wie Dschingis Khan [Cangiz Xân], Hülegü [Holâku/Holâgu] und Omar Ibn Al Khattab عمر بن الخطّاب, nichts weiter als ein zerstörerischer Eroberer.

Europäische Historiker verehren ihn, obwohl zahlreiche griechische Quellen von seinen Schandtaten berichten, aus dem Grund, da er die westliche Welt aus ihrer historischen Außenseiter Rolle befreite. Er war derjenige, der die Tore Persiens für Europa öffnete und sich der Reichtümer Persiens und des Mittleren Ostens und seiner weit entwickelten Wissenschaften  bemächtigte. Daher brachte Alexander für Europa die entscheidende Wende und sicherte die Präsenz Europas in Westasien zunächst für weitere 9 Jahrhunderte und letztlich für immer im Mittleren Osten. Die Verwüstungen, die er dem glorreichen, zivilisierten und fortgeschrittenen Persischen Reich zufügte, waren so enorm, dass diese Verwüstungen nie wieder ganz beseitigt werden konnten und die Kultur nie wieder so belebt werden konnte, wie vor seinem Erscheinen. Durch seine Invasion nach Westasien flossen von nun an die Reichtümer und das gesammelte Wissen Persiens nach Europa und verursachten dort eine ungeahnte Evolution und Entwicklung, deren Früchte bis heute geerntet werden. Aus diesem Grund ist es verständlich, dass die Europäer diesen Mann trotz seiner Verdorbenheit und Perfidität  verehren und in ihm eine große Persönlichkeit sehen, ihm gleichzeitig zu Unrecht den Titel „der Große“  geben und unfairer Weise ihn neben Kyros dem Großen und Darius dem Großen ebenbürtig sehen. Die meisten der westlichen Autoren wissen gar nicht, weshalb sie ihn verehren und was sie seinen Raubzügen zu verdanken haben. Die Verehrung und Glorifizierung Alexanders ist nichts weiter als das Phänomen der „fanatischen Stammeszugehörigkeit“. Sie sind genau wie die Türken, die Dschingis Khan verehren; denn Dschingis Khan erwies durch seine Verwüstung  Irans und der Zerstörung und Plünderung, der nach der arabischen Invasion gerade erst neu erstarkten iranischen Zivilisation, den türkischen Wüstenbewohnern und Nomaden einen großen Dienst, denselben Dienst, den Alexander zuvor den Europäern durch die Verwüstung und Plünderung des Mittleren Osten  erwies. Deshalb werden wir in den folgenden Artikeln, diesen Mann und seine Untaten mit persischen Augen betrachten und seinen wahren Charakter offenlegen. Wir werden mit Alexander den Hellespont überqueren und der Blutspur seiner Untaten durch Asien folgen. Der Tag, an dem er den Hellespont überquerte, sollte sein letzter Tag in Europa und sein erster Tag in Asien sein, er war damals 20 Jahre alt. Er traf dort auf eine Welt, die seiner Welt Jahrhunderte voraus war. 12 Jahre lang wird er Asien verwüsten, vergewaltigen und plündern. Er führte ein Leben im Sattel seines Pferdes und starb im Alter von nur 32 Jahren; er kehrte nie wieder nach Makedonien zurück.

Für diese Artikelreihe werden verschiedene Quellen, auch persische Quellen, wie das Buch Einsicht in die iranische Geschichte [Molâhezâti dar târixe Irân], 4. Auflage, von Dr. Ali Mirfetros, Nezâmi-e Gandshawīs Werke aus dem 12. Jahrhundert   Šarafnâme im  Xamseye Nezâmi, das Werk Târixe Gardizi, des iranischen Historikers Gardizi aus dem 11. Jahrhundert, das Buch Irânzamin, von Amir Hoseyn Xonji und darüber hinaus die Aufschreibungen der römischen Historiker  Quintus Curtius Rufus und Arrianus, der griechischen Historiker Diodorus, Plutarch, Strabon, Xenophon und Herodot, dem Werk Al Mughaddimah des arabischen Historikers Ebne Xaldun aus dem 14. Jahrhundert und das Werk History of the Persian Empire aus dem Jahre 1948  des amerikanischen Historikers Professor A. T. Olmstead herangezogen.

Stabilität, Wohlstand und Sicherheit im Persischen Reich

Die Perser regierten vor Alexanders Feldzug mit ausgezeichneter und einmaliger Kompetenz für zwei Jahrhunderte die zivilisierte Welt. Sie wurden während der ganzen Epoche von den Ländern und Völkern unter ihrer Herrschaft gelobt und anerkannt und bis Darius III waren Aufstände im Reich eine Seltenheit. Während vor der persischen Herrschaft in den Ländern Armut und Chaos herrschten, herrschten nun Wohlstand und Sicherheit. Man konnte nun zum ersten Mal in relativer Sicherheit reisen und fremde Kulturen kennenlernen und alle Menschen im Persischen Reich waren Persische Staatsbürger, mit denselben Rechten und Pflichten. Die Perser waren Männer der guten Taten, sie schützten und bewahrten die Zivilisation und was für eine großartige Zivilisation. Die Aufrechterhaltung und Bewahrung von Ordnung, Wohlstand und Sicherheit, das hat es noch niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit gegeben. Die fortwährende Ordnung, Disziplin und Sicherheit, die die persischen Könige aus dem Haus der Achämeniden, schon seit Kyros dem Großen, in den Ländern unter ihrer Herrschaft garantiert und aufrechterhalten hatten, waren beispielhafte Taten, die in aller Munde der Völker der Welt waren. Wenn die Griechen, die sehr von sich überzeugt waren, über Ordnung und Disziplin sprachen, nannten sie als Beispiel „persische Gesetze“ oder „das kaiserliche Gesetz“. Diese beiden Bezeichnungen „persische Gesetze“ und „das kaiserliche Gesetz“ sind in den Schriften der antiken griechischen Autoren sehr oft zu lesen, genauso wie ihre Lobpreisung der persischen Disziplin.

Dieser Feldzug Alexanders nach Persien bewies den Griechen, dass die Welt nicht mit Theorien, sondern nur mit Taten beherrscht werden konnte. Nachdem Alexander seinen Fuß auf asiatischen Boden setzte, stellte sich heraus, dass so viele politikbezogene Theorien, die Platon und Aristoteles aufgestellt hatten, zu nichts zu gebrauchen waren, außer dem nichtsnutzigen Publikum auf den Schauplätzen von Athen vorzutragen, sie mit Worten zu begeistern und zu beeindrucken, um dann bejubelt zu werden und einige Preise zu bekommen; dann brüsteten sich diese Theoretiker, dass sie diejenigen wären, die solche Weisheiten von sich gaben, und ihre Mitbürger, die sonst keinen anderen Ruhm für sich und ihr Land erreichen konnten, waren stolz auf eine solche Geschwätzigkeit, durch die in keiner Gesellschaft der Welt für Ordnung und Disziplin gesorgt werden konnte; sie waren auch unheimlich stolz auf ihre weisen Redner und Theoretiker! Die persischen Welterbauer hatten schon damals zu Recht bemerkt, „die Griechen wären keine Männer der Taten, sie hätten lediglich nur die Kunst der Geschwätzigkeit, und sie wären sehr stolz auf ihre Predigt und Geschwätzigkeit“ Dass man mit Geschwätzigkeit und „klugen“ Reden kein Weltreich regieren kann, wird sich sowohl vor als auch nach dem Tode Alexanders noch im Detail zeigen.

Die Sitten und Erziehung in Persien vor der hellenistischen Invasion

Im Persischen Reich war schon die Erziehung der Menschen auf das Staatswesen ausgerichtet. Herodot berichtet: „…Sie lernen zu gehorchen und zu befehlen. Mit 20 Jahren verlassen sie ihre Heimat Pars und ziehen durch das Imperium für 5 Jahre und lernen die Völker und verschiedenen Kulturen im Persischen Reich kennen, bevor sie in den Dienst des Königs treten“

Sowohl die Frauen der Aristokratie, als auch die Frauen der unteren Schichten hatten im Persischen Reich eine ungewöhnlich hohe rechtliche Stellung, im völligen Gegensatz zur Stellung der Frauen in Griechenland. Gebrannte Tontafeln aus Persepolis berichten uns von Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und während der Schwangerschaft.

Eine wesentliche Säule dieses Reiches war die Treue der Untertanen zum König. Eine Tugend, die von den Griechen kritisiert, bei den Persern aber sehr hoch geschätzt war. Die Griechen interpretierten diese nahezu bedingungslose Treue der Perser zu ihrem König als einen Akt der Versklavung, wohingegen die Perser darin eine große Ehre sahen. So empörte sich Rostam der iranische Held in Ferdowsis Shahnameh gegen einen König mit folgenden Worten: “Weder fürchte ich Deinen Zorn, noch brauche ich Deine Gnade. Gehorsam diene ich Dir aus Treue.”

Im ersten Buch Herodots,  Religion und Sitten der Perser,  berichtet er folgendes: „Es ist nicht Sitte bei ihnen, Götterbilder, Tempel und Altäre zu errichten. Offenbar stellen sie sich die Götter nicht wie die Hellenen als menschenähnliche Wesen vor. Dem Zeus pflegen sie oben auf dem Gipfel der Berge zu opfern, und zwar bezeichnen sie mit dem Namen Zeus das ganze Himmelsgewölbe. Sie opfern auch der Sonne, dem Mond, der Erde, dem Feuer, dem Wasser und den Winden. Als höchsten Festtag feiert jeder Perser den Tag an dem er geboren ist. An diesem Tag will er ein reichlicheres Mahl einnehmen als sonst, und seinen Gästen jeweils ein Geschenk machen.

Den Wein lieben sie sehr. Sie pflegen im Rausch die wichtigsten Angelegenheiten zu verhandeln. Den Beschluss den man so gefasst hat, trägt der Hausherr, in dessen Haus die Beratung stattfindet, am nächsten Tag, wenn die Beratenden nüchtern sind, noch einmal vor. Ist man auch jetzt damit einverstanden, so führt man das Beschlossene aus. Auch ein Gegenstand, den sie nüchtern vorberaten haben, wird in der Trunkenheit noch einmal erwogen.

Brot wird wenig gegessen, viel Zukost, und zwar in mehreren Gerichten. In Gegenwart anderer sich zu erbrechen oder Wasser zu lassen ist nicht Sitte. Darin sind sie streng.

Kein Volk ist fremden Sitten so zugänglich wie das persische. Sie finden medische Kleidung schöner als die ihrige und tragen sie infolgedessen. Alle Genüsse und Vergnügungen, die sie kennenlernen, führen sie auch bei sich ein. Die Haupttugend ist Tapferkeit. Ferner gilt es als ein Verdienst, viele Söhne zu haben. Sie unterweisen die Knaben vom fünften bis zum zwanzigsten Jahre. Drei Dinge lernen sie: Reiten, Bogenschießen und Wahrheit sagen. Diese Sitte lobe ich, ebenso die andere, dass nicht einmal der König einen Menschen wegen eines Vergehens erschlagen darf; überhaupt kein Perser an seinem Knecht aus einem bestimmten Anlass eine tödliche Strafe vollziehen darf. Eine Bestrafung ist nur nach sorgfältiger Abwägung möglich.

Das Entehrendste ist bei ihnen das Lügen. An zweiter Stelle steht das Schuldenmachen, weil ihrer Meinung nach ein Schuldner notwendigerweise in die Lage kommt zu lügen.

Der Aufstieg Alexanders in Europa

Am 20. Juli 356 v. Chr. wurde in Pella in Makedonien ein Mann geboren, der die Welt nachhaltig verändern wird. Viele Einzelheiten seiner Biografie, vor allem aus der Kindheit, wurden später legendenhaft ausgeschmückt oder frei erfunden. Obwohl das Königsgeschlecht in Makedonien von den Griechen als griechisch anerkannt wurde, galten die Makedonier auch bei den Griechen als barbarisch und unzivilisiert. Aus den verfügbaren Quellen ist ersichtlich, dass das Makedonische, von dem nur wenige Wörter überliefert sind, für die Griechen wie eine fremde Sprache klang. Ob das Makedonische ein griechischer Dialekt oder eine mit dem Griechischen verwandte eigenständige Sprache war, ist immer noch umstritten. Kulturell und gesellschaftlich unterschieden sich die Makedonier  deutlich von den Griechen, denn sie hatten keine städtische Kultur und kaum Kontakte zum mediterranen Kulturraum und als Königtum war es völlig anders als die griechischen Stadtstaaten organisiert. Für viele Griechen mag die makedonische Gesellschaft archaisch gewirkt haben und erst im 6. Jahrhundert v. Chr. verstärkte sich der griechische kulturelle Einfluss in der makedonischen Oberschicht. Schon Alexanders Vater Philipp II dehnte die Macht Makedoniens aus, eroberte Thessalien und Thrakien und alle griechischen Stadtstaaten außer Sparta und zwang sie in einen Bund. An diesen Feldzügen war Alexander bereits beteiligt. Seine unsichere Thronfolge veranlasste ihn, seinen Vater Philipp II in einem Komplott im Jahre 336 v. Chr. ermorden zu lassen. Einen Monat nach der Thronbesteigung Darius III, bestieg Alexander den makedonischen Thron. Sein Wahn ein Gott zu sein, befiel in schon in jener Zeit, indem er behauptete, er sei nicht der Sohn Philipp II, sondern der Sohn des Zeus. Zeus sei eines Nachts vom Berge Olymp herabgestiegen und hätte mit seiner Mutter geschlafen und er sei das Produkt jener Nacht, daher wäre er nicht menschlich, sondern göttlich. Um diese Behauptung zu bekräftigen, ließ er die Lüge verbreiten, dass Philipp II, sein Vater, auch gesagt hätte, Alexander wäre nicht sein Sohn gewesen.

Die Vernichtung Thebens 

Nach dem Tod Philipp II hatten die Städte Athen, Theben [Thebes] und ein paar andere Städte, die von  Philipp II vereinnahmt worden waren, ihre Unabhängigkeit gefordert und waren aufständisch geworden. Die Athener schickten eine Delegation zum Persischen Hof und baten Darius III um Hilfe, um sich von den Makedoniern zu befreien. Aber König Darius III war sehr beschäftigt mit seinem Feldzug nach Ägypten, deren Priesterschaft Aufstände angezettelt hatten, schenkte den Athenern keine Beachtung und nahm die Gefahr die von Alexander ausging nicht ernst. Griechenland war damit der Habgier und Zerstörungswut  Alexanders weiter ausgeliefert. Während Darius III mit seinem Feldzug in Ägypten beschäftigt war, schlug Alexander die Aufstände in den griechischen Stadtstaaten nieder. Darius III entschied sich nach seiner Rückkehr aus dem nunmehr befriedeten Ägypten, die Bitte der Athener zu erfüllen und ihnen zu helfen, daher schickte er 30.000 Kg Gold nach Athen und Sparta, aber es war schon zu spät.

Alexander hatte jede griechische Stadt, die es gewagt  hatte gegen ihn zu kämpfen, brutal und bestialisch bestraft. Am härtesten traf es Theben, die unter persischem Schutz stand. Nachdem sich nach erbittertem Kampf die Stadt ergeben hatte, ließ er die Stadt plündern, alle Frauen und Mädchen der Stadt vergewaltigen, er ließ über 6.000 Frauen, alte Menschen und Kinder töten und führte 30.000 Bewohner der Stadt in die Sklaverei. Seiner Armee befahl er die Mauern und Häuser der Stadt zu zerstören und die Erde der Stadt Theben in alle Winde zu verstreuen. Danach hisste er die „heilige“ hellenische Kriegsflagge gegen die Perser und bereitete sich vor den Hellespont zu überqueren um in Anatolien einzumarschieren.

Plutarch hatte aufgrund seiner übertriebenen Verehrung Alexanders in seiner Geschichte über Alexanders Tat geschrieben, dass Alexander diese Aktion später bereute, doch gibt es keine einzige Quelle, die diese Behauptung untermauert, aber die Vernichtung einer alten, kultivierten und zivilisierten Stadt und ihrer Bewohner aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum Persischen Reich, wurde nie von den Griechen vergessen und wurde auch in griechischen Schriften nach Alexander erwähnt und es wurde immer wieder darüber geschrieben.

Die Vernichtung der Stadt Theben, die in Konkurrenz zu den Städten Athen und Sparta stand, ist bis heute ein Schandfleck für die Griechen auf der Stirn  Alexanders. Das, was er der Stadt Theben und ihren Bewohnern angetan hatte, verursachte zwischen den Bewohnern der griechischen Städte in Griechenland und anderen Städten der Ägäis eine ungeheure Angst vor diesem arroganten und brutalen Bürschchen und sie hörten deshalb mit den Gedanken auf, ihn zu bekämpfen.

Der Feldzug nach Anatolien, einer Satrapie des Persischen Reiches, die viel Kriegsbeute versprach, war der Grund, weshalb eine große Anzahl an Griechen – trotz ihrer Ablehnung Alexander gegenüber – als seine Verbündeten – dennoch in den Krieg mit ihm zogen. Die Griechen dienten ständig als Söldner in den Armeen anderer Länder, so kämpften auch  im Feldzug Darius III in Ägypten auf beiden Seiten griechische Söldner gegeneinander. Und jetzt, wo Alexander sich auf den Krieg in Anatolien vorbereitete, gab es Tausende von Griechen auf seiner Seite und auch Tausende von Griechen, die in der persischen Armee im anatolischen Gebiet dienten. Wenn Alexander den Krieg gewinnen sollte, würden sie auch von der Kriegsbeute profitieren, und wenn nicht, dann könnten sie in ihre Länder zurückkehren und bei Gelegenheit wieder als Söldner in der Persischen Armee dienen und somit das, was sie nicht bei Alexander bekommen sollten, dann doch noch, durch ihren Dienst in der persischen Armee bekommen.

Die politische Situation im Persischen Reich vor der hellenistischen Invasion

Die Brutalität, die mit der Ermordung  Artaxerxes III [Ardašir III] einher gegangen war und ihren Höhepunkt nach dem Coup d’État von Darius III erreichte, machte viele Feldherren des Perserreiches wütend und veranlasste sie, sich gegen Darius III zu erheben. Die Missachtungen und Schmähungen der Heiligtümer in Phönizien und Ägypten, während der Niederschlagung der Aufstände, waren ein Dolch im Herzen des Persischen Imperiums, dessen Wunde nur noch mit viel Geduld, viel Zeit und durch die richtige Führungspolitik geheilt werden könnte. Aber das Glück hatte den Persischen Hof bereits verlassen und der Feind wartete an den Toren des Persischen Reiches. Darius III war ein erfahrener und erprobter Mann, aber um die Gehorsamkeit und Achtung der unzufriedenen Perser und Meder wieder zu erlangen, setzte er eher Gewalt, als diplomatisches Geschick ein und erntete dadurch nur noch mehr Wut und Unzufriedenheit und schwächte sich selbst dadurch mehr und mehr.

Die hinterhältigen Aktionen Alexanders, die den Westen Anatoliens, Phönizien und Ägypten in Aufruhr versetzten, und seine Verbindungen zu den unzufriedenen Gegnern Darius III in jenen Gebieten, waren die Vorboten einer nahenden Katastrophe, die bald passieren musste. Und Darius III musste sich vorbereiten, und sich gegen diese nahende Katastrophe  wappnen. Aber er war zu sehr im eigenen Lande mit der aufgeflammten Anarchie und dem Kampf gegen die machthungrigen Stämme und Großfamilien, die ihm den Thron streitig machten, beschäftigt. Vier Jahre zuvor wurde Artaxerxes III von seinem Hofminister Bagoas [Baga Vahuš], nach einem Coup d’État ermordet, und zwei Jahre danach wurde sein Sohn auch in einem Coup d’État ermordet. Darius III, der Sohn des Cousins Artaxerxes III, der Statthalter von Armenien war und selbst nach einem Coup d’État die Macht an sich gerissen hatte, hatte viele der unzufriedenen Mächtigen im Achämeniden Reich vernichtet.  Aber solche Aktionen, hatten nichts anderes als Unzufriedenheit im eigenen Land und Vorbereitungen für Bürgerkriege im Reich mit sich gebracht. Die Feinde Darius III, die durch ihn zu Schaden kamen, beschlossen seinen Herrscherapparat zu schwächen und seine Konkurrenten wollten ihn unbedingt vernichten, denn er war ihnen im Weg.

Phönizier und Ägypter waren sehr unzufrieden mit Persien geworden und waren geneigt bei jeder Kampagne der feindlichen Kräfte außerhalb Persiens gegen die Perser zu opponieren. Die Macht des persischen Hofes in den Gebieten Phrygien und Lykien, im Westen Anatoliens, wurde durch die unzufriedenen Perser, die gegen Darius III waren, schwächer und die persischen und medischen Statthalter dieser Gebiete, die gegen die Politik und Führung Darius III waren, herrschten für sich und unabhängig. In Kappadokien [Katpatuka] und Armenien, in Ost Anatolien, herrschte dieselbe Situation und im Gebiet der Meder träumten die medischen Statthalter davon wieder das medische Reich ins Leben zu rufen. Ägypten und Syrien [Abr Nahr] waren bereit jedem, der ihnen „Freiheit“ und Befreiung von der persischen Herrschaft des Darius III verspricht, zu folgen. In vielen der Länder des persischen Imperiums herrschte nun Aufruhr und der Wunsch nach Unabhängigkeit.

Der politische Boden für Alexanders Invasion und die Saat für den Untergang waren im Persischen Reich nun gelegt und zeitgleich überquerte Alexander den Hellespont und betrat Asien. Viele der Opponenten Darius III und die in Aufruhr versetzten Teile des Reichs glaubten, dass Alexander ihnen die Freiheit bringe, doch was dann folgte, war die größte Katastrophe, die die zivilisierte Welt bis dahin gesehen hatte. Nicht umsonst bezeichnen die Zoroastrier auch heute noch Alexander, als Eskandare gojastak, als Alexander der Verfluchte.

© Pârse & Pârse

[Quellen dieser Artikelreihe: Irânzamin“, von Amir Hoseyn Xonji, Arrianus, Diodorus, A.T. Olmstead „History of the Persian Empire“, Plutarch, Ephippos, Xenophon, Gardizi „Târixe Gardizi“ „Einsicht in die iranische Geschichte“,[ „Molâhezâti dar târixe Irân“], 4. Auflage, von Dr. Ali Mirfetros, Quintus Curtius Rufus, Herodot, 1. Buch Religion und Sitten der Perser , G. Hancock, Heavens Mirror, 1998, Michael Joseph Ltd, s. V.Gordon Childe: New Light on the most ancient East. 1928, 1958, 134 + Abbildung Plate XXI, Nezâmi Ganjavi in Šarafnâme aus seinem Werk Xamseye Nezâmi, Tom Holland „Persisches Feuer“ Alfred von Gutschmid, 1888 „Die Geschichte Irans und seiner Nachbarländer“, Hans Delbrück 1920 „Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte“, Geulen, Ebne Xaldun „Al Mughaddimah“, tagesschau.de, Josef Wiesehöfer Iranians, Greeks and Romains 2006, C. E. Bosworth Encyclopädia Iranica]

Alexander „der Große“ – Eskandare gojastak (2)

17 Gedanken zu “Alexander „der Große“ – Eskandare gojastak (1)

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  3. Zwei Sichtweisen , ja ! Interessant, Alexander von einer anderen Seite aus zu sehen. Aber muss man nicht das Tun dieses Alexanders betrachten mit der Sicht auf die Zeit von vor mehr als 2300 Jahren?

    Jedenfalls hat er einen Teil der griechischen Kultur in allen Teilen der Welt, da wo er war, hinterlassen. Es ist erstaunlich, dass man in weit entfernten Gegenden auf eine Architektur der damaligen Zeit trifft, die deutlich den griechischen Einfluss erkennen lässt. Und dies, obwohl er sich nirgendwo lange aufgehalten hat.

    • Bei dieser Artikelreihe hat mein Kollege wohl auch aus der Sicht der Menschen von vor 2300 Jahren geschrieben. Haben Sie nie was über Kyros den Großen und seine Menschenrechtsdeklaration gelesen, die älter ist als dieser Giftzwerg Alexander??? Was die zwei Jahrhunderte achämenidische Herrschaft der Welt brachte, ist doch aus der Sicht der Menschen von damals. Wollten Sie sich hier nur wichtig machen oder was? Lesen Sie bitte noch einmal die ganze Reihe! Diesmal aus der Sicht der Menschen von vor 2300 Jahren!

  4. Diese Reihe solltet ihr in eurem Blog alle Zeiten wieder hochpushen, wenn ihr mich fragt. Die ist es wert, von noch mehr Menschen gelesen zu werden. Gerade für die deutschen Mitleser/innen wird das hier eine völlig neue Erfahrung sein, Alexander von einer neuen Seite zu sehen außer von der, die sie immer in der Schule aufgestülpt bekommen.

    • Danke, dass Du Dir Zeit genommen hast und die Artikelreihe gelesen hast. Das ist ein guter Vorschlage, den wir auf jeden Fall gerne annehmen, aber verkünde ich schon hier laut, dass wir diese Reihe nicht mangels guter Beiträge wieder hochpushen, sondern aus dem Grund, dass sie immer wieder gelesen werden. Ich muss es laut sagen, weil dann in gewissen Blog würde wieder mit einer überdimensionalen Überschrift stünden: “Dem P&P Blog sind Artikel ausgegangen, deswegen wiederholen sich die Tork”, oder so einen Schwachsinn in der Richtung und dann tagelanges Argumentieren und Analysieren ein paar Schmeißfliegen darüber!

      Wir haben soviel zu berichten, dass wir manchmal die Qual haben, welches Thema behandeln wir heute?

      • Leider habe ich noch nicht alles gelesen, aber ich habe schon angefangen. Achwas, was interessiert euch, was andere Blogs sagen? Schaut euch doch mal euren Erfolg an. Ich habe ja selber gefragt, ob ihr das tun könntet. Ihr solltet es sogar in regelmäßigen Abständen tun. Das hier ist überaus wichtig. Sehr, sehr, sehr!

        • Danke mein Schatz, das werden wir auf jeden Fall machen. Gestern haben wir mit unserem Artikel im ganzen Netz für Diskussionen gesorgt, überall verlinkt, sogar Scientologen haben uns verlinkt! Pro und konra en masse! Viele waren entsetzt über die falsche Berichterstattung in westlichen Medien. Einige beharrten darauf, wir wären Verschwörungstheoretiker! Einige wollten sogar in uns Assad-Anhänger sehen :lol: Und wir wollten mit unserem Artikel nur die Augen aufmachen und wachrütteln, dass man nicht alles glauben und so hinnehmen darf/muss/soll, sondern die genaue Vorgehensweise der Medien, die gezielt gesteuert werden unter die Lupe nehmen soll und nicht so schnell vergesslich sein soll! Wo bleiben bis heute die angeblich bewiesene Massenvernichtungswaffen von Saddam! Das Gedächtnis der Europäer wird von Tag zu Tag kürzer, nur soviel soll da reinpassen und bleiben, wer der nächste Topmodell von Deutschland und wann wurde? Aber, dass es schon nicht so lange her ist, 2004 glaube ich, als der Krieg gegen Saddam losging!

          Mit falschen Berichterstattung bereiten die Medien für eine Zeit lang gut die Menschen vor, pumpen sie mit falschen Informationen auf, sodass der Europäer für die Rechte und Demokratie in arabischen Ländern hier auf die Straße geht und solidarisiert! Und was ist denn später? Dem Europäer wird später bewusst, dass die arabischen Länder keine Definition von “Demokratie” kennen, wie wollen sie es dann über Nacht bekommen.

          Ich glaube, ich sollte alles woanders schreiben :) Aber mit Alexander ist auch nicht anders gelaufen, seine Gräueltaten werden bis heute als zivilisationsbringende Taten in den Lehrbüchern umgeschrieben!!

  5. Wie soll man einen Mann beurteilen, dessen natürliches Talent die Plünderung, Ermordung, Vergewaltigung, Brandschatzung und Ausbeutung anderer war, ein Mann, der keine Grenzen bei der Beraubung und Plünderung anderer kannte? Ein Mann, der das Erbe der Menschen missachtete und die Besitztümer und die Zivilisation mit Füssen trat? Was soll man halten von einem Mann, der keine Gnade um des Volkes und seines Wohlergehens walten ließ und die Missetäter in seinem Volke nicht davon abhielt weitere Verderbtheit über die Menschen zu bringen?

    Da hat sich bis heute nichts geändert. In meinen Geschichtbüchern steht immer dasselbe, Könige, Kaiser, Diktatoren, Demokraten und wie auch immer die Bezeichnung sein mag brachten und bringen diese Greultaten in die Welt. Die Erde ist vom Blut der Opfer, dieser von den Eliten veranstalteten Kriege, getränkt. Gott sei gedankt, auch diese Leute sind dem Tode geweiht.
    Mir erscheinen die Menschen wie Schafe, die von Zeit zu Zeit geschoren werden müssen (Finazamt) und ab und an geschlachtet werden (Kriege) damit die Herde nicht zu groß und zu frech wird und das Ego der …………. befriedigt wird.

    Ich freue mich das ich Euren Blog gefunden habe, die Geschichte und die Gegenwart Iran und Seidenstraße sind meine Interessen.

    Grüße Manfred

      • ich danke Dir für die freundliche Aufnahme in eurer Runde.

        Alexander Teil 1 war schon mal sehr gut. Vielleicht könnte man noch seine esoterisch verkorkste Mutter und die Wirkung auf die Erziehung von Alexander einfügen. ( der Götterwahn / göttliche Astammung u.s.w. )

        In dem Artikel ist gut zu erkennen das auch in der Vergangenheit die Begehrlichkeit furchtbare Früchte getragen hat.
        Aber nun erst mal weiter mit Teil 2.

        Grüße Manfred

        Die Erde ist vom Blut der Opfer, dieser von den sogenanten Eliten veranstalteten Kriege, getränkt.

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