Alexander „der Große“ – Eskandare gojastak (7)

 

Nachdem Persepolis für die Krönungszeremonie, nach der Vernichtung der Stadt, nicht mehr in Frage kam, beschloss Alexander sich in Pasargadai [Pâthragâda], 87 km Nord-östlich von Persepolis, nach altem Brauch der achämenidischen Könige, krönen zu lassen; an dem Ort, an dem das Persische Imperium durch Kyros den Großen [Kuruš], mehr als zwei Jahrhunderte zuvor gegründet wurde.

Plutarch schrieb: „Als Alexander in Pasargadai mit der goldenen Krone den goldenen Thron bestieg, wurde ein alter Makedonier, der einer der Freunde von Alexanders Vater war so sentimental, dass er anfing zu weinen und sagte: Schade, dass unsere Ahnen nicht mehr am Leben sind, um mit eigenen Augen zu sehen, wie Alexander den Thron von Darius besteigt“. Die wenigen zoroastrischen Priester die nach dem Sturm Alexanders, der über Persien herein gebrochen war, noch am Leben waren, wagten es nicht Alexander zu berichten, dass die Griechen das Mausoleum Kyros des Großen entweiht, geplündert und seinen Leichnam auf den Boden geworfen hatten, denn sie dachten, dass diese Handlung auf Befehl von Alexander geschehen wäre, um das Heiligste der Perser zu verschmähen. Die qualvolle Pein und der Minderwertigkeitskomplex, die Alexander und die Griechen gegenüber der glanzvollen persischen Zivilisation entwickelt hatten, konnten nur durch die Vernichtung der persischen Kultur und allen Spuren der persischen Zivilisation und durch die Erniedrigung des persischen Volkes geheilt werden.

Das Mausoleum Kyros des Großen, so wie die Griechen es beschrieben haben, bestand aus einer prachtvollen Dachkappe als Abschluss eines großes glanzvollen Bauwerks, das wiederum von königlichen Gärten in Pasargadai umgeben war. Um das Bauwerk herum gab es mit Blumen bepflanzte Grünanlagen und mit Wasser gefüllte Becken, die aus bunten gemeißelten Steinen gefertigt waren. Das Mausoleum war aus großen Steinen gebaut und die Mauern waren wunderschön verziert. Der Eingang war eng und niedrig gebaut, so dass der Eintritt nur in gebückter Haltung möglich war, um schon beim Eintritt in das Mausoleum Achtung und Respekt Kyros dem Großen gegenüber entgegen zu bringen. Der mumifizierte Leichnam Kyros des Großen wurde in einem goldenen Sarkophag auf einem Tisch, dessen Füße aus purem Gold bestanden, aufbewahrt. Der Tisch selbst war mit kostbaren babylonischen Stoffen bedeckt und auf dem Boden lagen purpurne Teppiche. Neben dem Sarkophag lagen seine Bekleidung, der königliche Mantel und der königliche Schmuck. Wenn man ins Bauwerk eintrat, stieg man die Treppen hoch, deren Ende der Saal der zoroastrischen Priester war, die Tag und Nacht über den toten König wachten und für das Wohlergehen seiner Seele bei den Gotteshelfern, den Izadân, beteten. Anscheinend gab es an dem Eingang zu seiner Gruft einen Fries mit einer Inschrift, auf dem folgende Sätze zu lesen waren:

„Mensch, ich bin Kyros, der Sohn des Kambyses, den Persern Gründer des Reiches und der König Asiens. Du aber, missgönne mir nicht dieses Fleckchen Erde.“

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Als Alexander die Gruft betrat, stellte er fest, dass nichts außer dem nackten mumifizierten Leichnam Kyros des Großen zu finden war und dass der Leichnam nur noch aus zerbrochenen Knochen bestand, die durch die verbrecherischen Hände der Griechen auf dem Boden überall verstreut waren. Als er Nachforschungen anstellte, fand er heraus, dass der Übeltäter und Dieb, ein makedonischer Offizier namens Polymachos war, der das Verbrechen begangen hatte. Auf Befehl von Alexander wurden die Knochenreste in einen hölzernen Sarg gegeben und der Eingang der Gruft mit Rohziegel verschlossen.

Gewiss war Alexander in das Mausoleum des Großkönigs gegangen, um anmaßend dem Geist des edelsten und ehrwürdigsten Mannes der Menschheitsgeschichte zu sagen: Ich bin aus Makedonien hierher gekommen und beraubte das Land deiner Kinder. Ich warf deine Töchter [und im übertragenen Sinne alle Frauen des persischen Territoriums] in die Arme derjenigen, die vor kurzem noch stolz darauf waren, deinen Kindern als Söldner zu dienen. Ich plünderte deine und deiner Kinders Schätze und erlaubte es auch anderen zu tun. Ich ließ die Perser, die du als deine Kinder so liebtest gefangen nehmen und ließ sie als Sklaven für Makedonier zu Tode arbeiten. Und jetzt bist du derjenige, dessen Knochenstücke wie ein Einsamer und Verlassener auf dieser Welt auf dem Boden verstreut sind. Aus Furcht vor mir wagt es jetzt niemand mehr sich dir zu nähern und zu helfen. Du warst derjenige, vor dem die Könige der Welt mit ihrer Stirn den Boden berührten, schau dir jetzt an, wie elendig deine Knochen von barfüßigen Makedoniern, die vor kurzem stolz auf die Dienste für deine Kinder waren, zertrampelt sind.

Pierre-Henri de Valenciennes -Alexander at the Tomb of Cyrus the Great, 1796

Danach ging Alexander nach Persepolis, um seine Verbrechen die er begangen hatte zu betrachten und um zu sehen, was von der Stadt durch sein absichtlich gelegtes Feuer übrig geblieben war und wie der Palast Darius des Großen und Xerxes, der einst der Ort war, an dem die Könige  mit ihrer Stirn den Boden berührten und ihn küssten, jetzt aussah. Er musste feststellen, dass auch dort die Felsgräber der Achämeniden Könige von seinen Soldaten geplündert und die kunstvollen Verzierungen an ihren Innen- und Außenwänden geraubt worden waren. Sie hatten die Felsgrüfte von innen zerstört und nichts mehr außer Steine übrig gelassen. Er musste feststellen, dass alles, was dem Brand entkommen war, durch seine Soldaten geplündert und zerstört worden war. Obwohl Quintus Curtius Rufus schrieb, „dass er die Zerstörer der Grüfte von Darius dem Großen, Xerxes und Artaxerxes I, die die Leichname geschändet hatten, bestrafte“, ist es unwahrscheinlich, dass er nicht selbst der Drahtzieher gewesen war, auf dessen Geheiß diese Schandtaten begangen worden sind.

Es waren alle Felsgrüfte der Achämeniden Könige durch die Griechen entweiht, zerstört und geplündert worden. Man kann bis heute die Spuren der abgeschlagenen Hände und Gesichter der Reliefs von Darius dem Großen, Xerxes und anderen Gestalten an den Reliefs in Persepolis, die nach der Abkühlung nach dem großen Feuer, durch Makedonier und Griechen abgeschlagen worden waren, sehen. Sie billigten den Persern nicht einmal diese Abbildungen und Reliefs an den Wänden, denn der Minderwertigkeitskomplex, der sie seit je her von innen zerfraß, erlaubte ihnen nicht die Pracht und den Glanz der persischen Kultur und des persischen Ruhmes zu ertragen.

Felsgrüfte der Achämeniden

In den Jahren, in denen Alexander sich im Osten des persischen Imperiums und am Indus aufhielt, leisteten die Perser immer noch hier und da Widerstand, daher begingen die griechischen Offiziere und Heerführer in den eroberten Gebieten unvorstellbare Verbrechen, um diesen Widerstand zu unterdrücken. Sie hatten viele Dörfer und bewohnbare Städte in Brand gesteckt und vernichtet. Der verbliebene Adel und die verbliebenen Würdenträger, egal wo sie sich aufhielten, wurden aufgespürt und ermordet. Sie vernichteten überall im Lande alle, die ihnen zur Gefahr werden konnten. Aus der großen achämenidischen Familie blieb bis auf einen Teil der Kinder keiner mehr am Leben. Alle ranghohen zoroastrischen Priester [moqân] wurden ermordet. Von den meisten zoroastrischen Niederschriften auf Tierhäuten blieb nichts mehr übrig. Lediglich die beschädigten, gemeißelten Werke der Bildhauer und die gebrannten Tontafeln aus manchen unterirdischen Bunkern in Persepolis blieben für die Nachwelt mehr oder weniger erhalten, um über eine glorreiche Geschichte und Zivilisation zu berichten. Diese Ruinen und zerbrochenen Säulen von Persepolis und die gemeißelten Reliefs in den Bergen wirken heute noch majestätisch und erzählen uns von der Pracht und dem Glanz der persischen Zivilisation und von Barbarei und Zivilisationsfeinden, von Alexander, Griechen und Makedoniern.

Die Massenhochzeit von Susa

Danach ging Alexander nach Susa [Šuš]. Jetzt veränderte sich seine Haltung gegenüber der persischen Kultur und Zivilisation, jetzt wollte er Perser werden und wurde dafür von den Griechen nur noch mehr gehasst. Er hatte viele der Mädchen und Frauen aus dem Adel aus ihren Häusern verschleppt und für sich behalten. Einer dieser jungen Frauen, die in Baktrien von Alexander verschleppt wurde, hieß Roxane [Roxana Roxšânak/Roušanak]. Roxane musste, wie Tausende anderer adligen Mädchen und Frauen, die verschleppt wurden, als Sklavin für die Griechen dienen und bei den Festen der Soldaten und Offiziere für sie tanzen und so ziemlich alles tun.

Massenhochzeit von Susa

Roxane war die Tochter eines baktrischen Adeligen namens Oxyartes [Vaxšuvadarva], der im Krieg besiegt wurde und sich auf der Flucht befand. Alexander beschloss Roxane, die eine atemberaubende Schönheit war, zu heiraten um seine Thronbesteigung zu legitimieren. Er ließ den Vater aufsuchen und versprach ihm sein Leben zu verschonen, dann hielt er offiziell um  Roxanes Hand an. Durch diese Heirat würde er ein persischer Staatsbürger werden und als persischer Schwiegersohn hatte er nun das Recht sich Thronfolger der  persischen Kaiser zu nennen und falls dann Roxane ihm einen Sohn zur Welt brächte, würde er den Sohn zu seinem Kronprinzen ernennen. Trotz all der Verbrechen und Verwüstungen, die er in Persien begangen hatte, war die Bedeutung und Heiligkeit  Persiens und des Perser Seins ihm nun so in seinen Gedanken verankert, dass er dachte, nur eine Gottheit wie er oder das persische Blut legitimiere einen Menschen zum Herrschen. Obwohl er sich als ein König sah, den nicht nur die Perser sondern auch ein Teil der Griechen hassten, hoffte er trotzdem, dass ein Sohn aus dieser Verbindung hervorgehen würde, der eines Tages genauso beliebt wie Kyros der Große und Darius der Große wird. Arrianus schrieb, „dass sich Alexander auch mit Stateira [Estâtirâ], der Tochter von Darius III und Parysatis [Parušyatiš], der jüngsten Tochter von Artaxerxes III vermählt hatte, in der Hoffnung, dass diese adeligen Perserinnen ihm auch Prinzen schenken, die dann würdige Thronfolger der Ahnen ihrer Mütter sein würden. Er verheiratete eine andere Tochter von Darius III mit seinem besten Freund Hephaistion. Alexander verheiratete auch einen seiner besten Heerführer mit Amastris [Amestris/Amastrine], der Tochter von Vaxšuvarda [Oxyathres], Bruder von Darius III. Einen anderen, mit einer Tochter des medischen Statthalters Artakâma, die die Tochter von Artabanos [Artabâd] war. Ebenso verheiratete er Apâma und Barsina, die Schwestern von Artabanos und einige andere adlige Perserinnen aus dem achämenidischen Geschlecht, an der Zahl etwa 80. Außer ihnen verheiratete er 10.000 griechische und makedonische Offiziere und Würdenträger mit 10.000 jungen persischen Frauen aus dem Adelsgeschlecht der Perser, die alle in Gefangenschaft waren.“

All diese Zwangsehen wurden natürlich nach persischem Brauch  geschlossen. Alexander verfolgte durch diese Massenhochzeit drei Ziele: Erstens, durch die Vermählung der Frauen aus dem persischen Adelsgeschlecht mit Griechen und Makedoniern, sollten diese Frauen mit der Zeit Zuneigung und Liebe für die Griechen und Makedonier entwickeln und später die Schätze, die sie noch besaßen und versteckt hielten, auf ihre neue Familie übertragen, damit in Zukunft alle verbliebenen Reichtümer der Perser auf die Griechen und Makedonier übertragen werden. Zweitens, durch die Liebe und Zuneigung, die diese Frauen für die Griechen und Makedonier entwickelten, würden dann die Überlebenden und Familienangehörigen dieser Frauen auch Sympathien für die Griechen und Makedonier empfinden und sich ihnen nähern, damit könnten griechische Wurzeln in Persien geschlagen werden und dadurch die Herrschaft der Griechen in Persien auf Dauer gesichert und gefestigt werden. Drittens, die persischen Frauen sollten ihre griechischen und makedonischen Ehemänner mit der persischen Kultur und Tradition vertraut machen und auch sie sollten Kinder bekommen, in deren Adern auch das persische Blut fließt, um später würdig zu sein, um das eroberte Reich von Alexander zu verwalten. Er wollte, dass die Kinder seiner griechischen und makedonischen Soldaten von persischen Frauen erzogen werden und die Griechen und Makedonier sollten selbst, genau wie ihre Kinder, die persische Zivilisation, Kultur und Tradition kennenlernen, denn er wollte, dass der zukünftige Nachwuchs achämenidischgleich wird.

Das waren große Sprüche, die er klopfte, nichts als närrischer Unsinn eines Alkoholikers im Endstadium! Deshalb vermählte er 10.000 Griechen und Makedonier mit 10.000 persischen Frauen. Es wurde von diversen Historikern immer wieder versucht, diesen Akt der Zwangsehen als „Verschmelzungspolitik“ oder als „Vereinigung der Menschheit“ darzustellen und sie versuchten die Zwangsehe, die für diese Frauen eine Tragödie war, nämlich mit Männern verheiratet zu werden, die die Mörder ihrer Väter und Brüder waren, als positiv darzustellen, doch Historiker wie Ernst Badian oder C. E. Bosworth in seiner Encyclopädia Iranica  lehnten solchen Unsinn selbstverständlich kategorisch ab. Was viele westliche Historiker in ihrer antiiranischen Haltung für Unsinn im Zusammenhang mit Alexander und all den Tragödien, die die Menschen damals erleiden mussten abgegeben haben, ist ein trauriges Kapitel für sich.

Der Einfluss der persischen Kultur auf Alexander

Alexander, der nun Persien hautnah erlebte, war begeistert von der persischen Kultur. Anstatt eines Rockes, begann er, wie es in Persien üblich war Lederhosen und Bekleidungstücke mit Kragen, Ärmeln und Knöpfen zu tragen. Anstelle griechischer Sandalen trug er nun persische Lederschuhe. Es war eine lange Zeit vergangen, bis er endlich lernte, nicht in der Öffentlichkeit zu spucken, zu furzen und in der Anwesenheit anderer nicht im Stehen zu urinieren. Die Perser versuchten nun aus Alexander und seinen Soldaten kultivierte Eroberer zu machen. Er selbst regte Griechen an, persische Bekleidung zu tragen und die persische Sprache zu erlernen. Alexander war  sehr beeindruckt von der Pracht und dem Glanz des verloren gegangenen Kaisertums in Persien und wünschte sich, einen würdigen Platz der Könige und Staatsmänner in der Geschichte Persiens zu bekommen, um dieselbe Beliebtheit und denselben Respekt der Menschen auf der ganzen Welt zu genießen, so wie das Achämenidische Staatswesen und das Achämenidische Kaisertum es  zwei Jahrhunderte lang genossen hatten. Er sonderte 30.000 der gefangen genommenen jungen Männer des Adelsgeschlechts aus ganz Persien ab, sammelte sie in einer Kaserne, ernannte einige der ausgezeichneten griechischen Offiziere als Lehrer für diese junge Männer. Sie sollten auch diesen Kindern die griechische Sprache beibringen. Alexander nannte diese Jungen und jungen Männer Epigonen, das so viel wie Überlebende bedeutet und die überlebenden Kinder des persischen Adels und der Würdenträger waren. Die Epigonen sollten das Benehmen der Griechen beeinflussen, indem sie ihnen die persische Kultur und Gebräuche lehrten. Die Griechen und Makedonier waren unordentlich, ungepflegt, undiszipliniert und exzessiv und Alexander hoffte, dass durch diese jungen Männer, das Benehmen  positiv beeinflusst würde. Durch diese heranwachsenden Männer lernten die Griechen, dass sie nicht vor anderen auf den Boden spucken, nicht vor anderen im Stehen urinieren, nicht vor anderen rülpsen und furzen sollten, während des Essens am Tisch und auf dem Stuhl sitzen bleiben, das Essen mit Löffel und Gabel und nicht mit ihrer Handfläche und Fingern verzehren sollten. Sie lernten, dass es während des Essens unangebracht war, von einander das Essen wegzunehmen und aus dem Teller des anderen zu essen, sie sollten nicht so viel trinken, dass sie sich übergeben, sie sollten sich nicht vor anderen nackt ausziehen, denn das war vulgär und unangebracht. Genau diese guten und feinen Manieren und die Höflichkeit waren es, die Alexander so fasziniert hatten und er wollte unbedingt, dass die Griechen von den Persern lernen. Er war regelrecht besessen von dieser Idee. Josef Wiesehöfer schrieb in seinem Buch Iranians, Greeks and Romains (2006): „Der kulturelle Einfluss der Perser bei den Griechen war so enorm, dass der griechische Adel eine Art „Persermanie“ und „Persismus“ [nicht zu verwechseln mit Parsismus] entwickelt hatte. Die Perser waren für die Athener die Vorbilder in den Bereichen der neuen Ideen, feiner Stoffe und luxuriöser Kleidung; sie bemühten sich den Mazdeyasnâ [Zoroastrismus] zu verstehen und das Buch der Avestâ zu übersetzen; 300 persische Wörter fanden in der griechischen Sprache Einzug und schon Xenophon beschrieb Kyros den Großen im Buch Xenophon als utopischen Herrscher, der die Menschenrechte einführte. Platon ernannte Darius den Großen, als „den ersten wahren Gesetzgeber“. Herodot fing sein Buch mit dem Namen Persien an und beendete es mit dem Namen Persien. Pythagoras reiste aufgrund des großen kulturellen Einflusses der Perser nach Persien. Aischylos schrieb Pérsai (Die Perser) und Platon hatte einen Teil seiner Werke den persischen Manieren gewidmet; und „persisch“ wurde ein Adjektiv für die Griechen und sie bezeichneten damit jemanden, der sich elegant anzog und gute Manieren an den Tag legte.“

Jetzt, wo Alexander sicher war, dass es in Persien niemanden mehr gab, der gegen ihn etwas unternehmen und kämpfen würde, beschloss er die Zahl seiner griechischen Soldaten zu reduzieren und diese durch Perser zu ersetzen. Als er von Susa abreiste, hielt er sich in einer Stadt auf, deren Name als Opis [eine antike Stadt in Babylonien] in die Geschichte einging. Er sprach zu seiner Armee und sagte, dass derjenige der denkt, er wäre jetzt zu alt und hätte genug Reichtümer gesammelt, Persien verlassen könnte und nach Hause gehen könnte, um den Rest seines Lebens in seiner Heimat zu verbringen. Arrianus und auch Quintus Curtius Rufus schrieben, „dass mit diesem Vorschlag er eine große Anzahl seiner griechischen Armee zu entlassen beabsichtigte, um sie nach Hause zu schicken. Seine Offiziere und Soldaten, die wussten, was er mit dem Vorschlag beabsichtigte, waren nicht bereit ein so reiches und zivilisiertes Land wie Persien zu verlassen und in ihre armen Heimatstädte in Griechenland zurückzukehren. Sie lehnten den Vorschlag ab und waren verärgert und einige von ihnen protestierten: „Wir bestehen darauf, dass Alexander uns alle entlässt und nach Hause schickt. Lasst den Gott, der sein Vater ist, für ihn kämpfen“. Alexander hegte so viel Zorn gegen die Ablehnung der Griechen, dass er fortan befahl, 13 der Rädelsführer,  gefangen zu nehmen und zu exekutieren, es sollte allen eine Lehre sein nicht gegen ihren König zu opponieren.” Plutarch berichtete auch von diesem Ereignis und schreibt: „Als Alexander einsah, dass die persische Kultur und Zivilisation viel reicher als die griechisch-makedonische in jeder Hinsicht war, beschloss er seine griechisch-makedonischen Soldaten durch Perser zu ersetzen und die Griechen und Makedonier nach Hause zu schicken. Die Griechen und Makedonier lehnten seinen Vorschlag ab und sagten spöttisch: „Wir gehen, lasst diese 30.000 junge Männer [die Epigonen], die keine andere Kunst als Tanzen kennen, für ihn kämpfen und die Welt für Alexander erobern“. Alexander wurde sehr wütend über solche Äußerungen der Griechen und Makedonier, ging für drei Tage auf Abstand zu ihnen und verbrachte die ganze Zeit mit den Epigonen und ernannte sie zu seiner Spezialgarde. Am Ende, fügten die Griechen und Makedonier sich doch und flehten Alexander an ihnen zu verzeihen; er verzieh einigen von ihnen und schickte auch einige andere mit Respekt und vielen Reichtümern nach Hause.“

Alexanders Tod

Von Chuzestan aus zog er nun nach Ekbatana, um von dort aus nach Babylonien zu gelangen. In jeder Stadt, in der er ankam, veranstaltete er Feste und seine Soldaten plünderten und vergewaltigten das schutzlose persische Volk. Als er in der Stadt Ekbatana sein Lager aufschlug, wurde sein langjähriger Freund und Lebensgefährte Hephaistion, der älter als Alexander war, wegen des übermäßigen Weingenusses krank. „Alexander“ – wie Plutarch berichtete – „stillte seine Trauer mit Krieg und Töten.“ Weil es niemanden mehr gab, gegen den er kämpfen konnte, beschloss er eine Menschenjagd zu veranstalten, die schon immer ein beliebter Freizeitsport der Griechen war. Durch die Ermordung der Bewohner der Dörfer in der Nähe seines Lagers wollte er seine Trauer lindern. Für diesen Zweck sammelte er einige seiner bewaffneten Soldaten und attackierte ein Dorf, dessen Namen Plutarch „Kusâyi“ [Kossäer] nannte und metzelte alle Bewohner des Dorfes nieder; erst dann beruhigte er sich. Um dieses bestialische Niedermetzeln der unschuldigen Dorfbewohner als berechtigt zu rechtfertigen, schrieb Plutarch, „um Hephaistions Heilung zu beschleunigen, opferte Alexander für ihn, denn er bekam den Befehl seines himmlischen Vaters Amun, er solle mit dieser Opfergabe Hephaistions Seele und Körper Freude bereiten.“

Die würdigste Tat, die seinem Gott Freude bereiten konnte, war in den Augen Alexanders, die Jagd und Ermordung unschuldiger Menschen. Alexander ermordete die Bewohner eines Dorfes in einem bestialischen Spiel, um seinen Gott einen Gefallen zu tun, damit er dann seinen Freund heilt. So wie den Berichten der Griechen zu entnehmen ist, waren solche Opfergaben eine gängige Praxis. Auch während der Ankunftszeit Alexanders in Babylonien hatte der makedonische Statthalter von Babylon einige der unschuldigen Bewohner der Stadt Babylon in so einem Spiel für seinen Gott geopfert, damit sein Gott befriedigt wird und ihn dann in einer Erleuchtung von seiner Zukunft berichtet. Plutarch, der über dieses Geschehen berichtete, schreibt, „als Alexander aus Ekbatana in Babylon ankam, war der Statthalter der Stadt mit seiner Opfergabe beschäftigt und es gab unzählige niedergemetzelte Menschen an der Mauer der Stadt, die entweder tot waren oder im Sterben lagen und Alexander sah mit eigenen Augen, dass eine Großzahl der Bewohner begleitet von lautem Geschrei und Jubel der Soldaten ermordet wurden.“ Es ist nicht bekannt, wie viele der vom Schicksal verfolgten Bewohner der Stadt Babylon – die sich ja freiwillig Alexander ergaben und ihre Stadt ihm überlassen hatten – für die Gunst der griechischen Götter und für die Befriedigung der Mordgelüste der Griechen und Makedonier geopfert wurden. Alexanders Verbrechen im Allgemeinen, hatten nie einen tieferen Sinn und Zweck, Alexander war einfach nur ein Völkermörder und Psychopath.

Alexanders Einzug in Babylon“ von Charles Lebrun, 1661–1665

In Babylon sollte Alexander, so wie vor ihm Kyros der Große, Darius der Große, Xerxes und andere persische Kaiser, zum Kaiser der Welt gekrönt werden, damit alle Könige der Welt, die ihm gehorchten an dieser Zeremonie teilnehmen, sich vor ihm, wie vor den achämenidischen Kaisern  verbeugen, um ihm dann die Tribute und ihre Länder zu überreichen; Kyros der Große hatte in seinem babylonischen Zylinder schreiben lassen, dass nachdem er Babylonien erobert hatte, alle Könige aus der ganzen Welt zu ihm eilten, ihm huldigten und sich tief vor ihm verbeugten. Alexander hatte davon gehört und in griechischer Literatur gelesen und wünschte sich nun denselben Ruhm. Ein chaldäischer Wahrsager jedoch, dem Alexander  vertraute und der anscheinend verhindern wollte, dass durch die Ankunft von Alexander und seiner Armee in Babylon, über die Stadt und ihre Bewohner Unglück gebracht wird, schickte Alexander die Nachricht, er solle die Stadt nicht betreten, sonst würde ihm unerwartet etwas Unangenehmes passieren. Alexander, der abergläubig war, glaubte der Prophezeiung und schlug sein Lager außerhalb der Stadt auf und verlegte alle paar Tage sein Lager an einen anderen Ort in der Nähe der Stadt und verbrachte die ganze Zeit in seinem Zelt. Nach etwa zwei Monaten, die er in der Nähe der Stadt verbrachte, wurde er im Monat Xordâd [Mai/Juni] des Jahres 323 v. Chr., bevor er die Stadt betreten und sich offiziell krönen konnte, krank und verstarb. Tagelang soll sein Leichnam im Palast gelegen haben, ohne zu verwesen. Möglicherweise hatte man ihn vergiftet oder er starb an Typhus oder Malaria. Plutarch berichtete uns über die Wahnvorstellungen dieses Geisteskranken: „Als Alexander im Sterbebett lag und keine Hoffnung mehr auf Genesung hatte, befahl er seinen engsten Vertrauten, wenn er stirbt, müssen sie seinen Tod vor allen geheim halten, seinen Leichnam in den Euphrat werfen, dann überall verbreiten, dass Alexander in den Himmel aufgestiegen sei, um seinen himmlischen Vater Amun zu besuchen, er würde für eine Weile als Gast im Himmel bleiben, um dann auf die Erde zurückzukehren, und mit seiner Göttlichkeit über die menschliche Welt weiter herrschen.“

Dies war irrsinniges Gerede, das Alexander in seinem Göttlichkeitswahn von sich gab. Er hatte jahrelang Kriege geführt, Hunderttausende Menschen getötet und eine Welt in Schutt und Asche gelegt, um sich eine fortdauernde Herrschaft zu sichern. Jetzt aber, wo er kurz davor war die Früchte seiner Verbrechen zu ernten, ließ ihm der Tod keine Zeit mehr und umzingelte ihn. Dadurch verlor er seinen Verstand und glaubte, er wäre unsterblich und würde für eine kurze Zeit im Himmel verweilen, um dann wieder auf die Erde zurückzukommen. Er konnte und wollte nicht akzeptieren, dass für ihn die Zeit, die Welt für immer zu verlassen gekommen war. Der Aufstieg eines Menschen zu einer Gottheit war in der griechischen Kultur ein glaubwürdiges Thema. Schon vor Alexander wurden viele der griechischen Helden zu Gottheiten erhoben. Einen solchen Mystizismus akzeptierte man in Persien nicht. Als Alexander seine engen griechischen Berater und Vertraute versammelte und ihnen befahl, sie sollen seinen Tod verheimlichen und seinen Leichnam in den Euphrat werfen und überall verbreiten, er wäre in den Himmel auf einem Fest bei seinem himmlischen Vater Amun, wusste Roxane, dass diese griechische Handlung närrisch ist und sie würde in Zukunft zum Spott der Menschen werden.

Daher schlug sie den Vertrauten vor, sie sollten davon absehen, närrisch zu handeln. Alexander, glaubte Roxane wäre gegen seine Göttlichkeit und er wusste, dass die griechischen Offiziere auf ihren Rat hören würden. Er wurde wütend auf Roxane und schrie sie mit Tränen in den Augen an: „Was beabsichtigst du mit deinen Worten? Was willst du damit erreichen? Bist du vielleicht neidisch geworden, auf all die Ehren und den Ruhm, die mir durch meine Göttlichkeit zuteil geworden sind?“ Als Alexander starb, fehlten nur noch wenige Wochen bis zur Vollendung seines 32. Lebensjahres. Seit seinem 20. Lebensjahr hatte er für etwa zwölfeinhalb Jahre Kriege geführt, mit seiner Armee 35.000 km zurückgelegt und sein Leben auf dem Pferd verbracht. Von diesen zwölfeinhalb Jahren, verbrachte er elf Jahre im Krieg gegen das Persische Reich. Er starb genau in dem Moment, in dem er die Früchte seiner Welteroberung, seiner Verbrechen und Zerstörungen ernten wollte. Dass ihm dies verwehrt blieb, ist nichts weiter als ausgleichende Gerechtigkeit.

Sisygambis, die Mutter von Darius III, wollte nur solange am Leben bleiben, bis sie den Tod Alexanders, der die ganze zivilisierte Welt durch seine Verbrechen in Trauer und Schmerz versetzt hatte, miterleben konnte. Als ob sie nur auf seinen Tod gewartet hätte, um dann selbst zu sterben, um nicht mehr weiter das Unglück ihres erhabenen Volkes mit ansehen zu müssen. Erst nach dem Tode Alexanders konnte sie zur Ruhe kommen. Den Tod ihres geliebten Sohnes Darius III, der Verlust eines glorreichen Persiens, die Ermordung aber tausender edler Perser, die durch die Tollwut dieses eigensüchtigen, brutalen Bürschchens starben, der Verlust wunderschöner Städte, die durch Alexander zu Ruinen wurden, die aber tausenden persischen Frauen und Mädchen aus dem Adel und dem einfachen Volk, die von Griechen und Makedoniern vergewaltigt und zur Prostitution gezwungen worden waren, hatte sie lange genug beweint. Durch den Tod Alexanders wurde sie endlich von allem befreit und konnte jetzt in Ruhe sterben. Sie starb fünf Tage nach Alexander, am 15. Juni des Jahres 323 v. Chr. durch die Verweigerung der Aufnahme jeglicher Nahrung.

Manche Historiker wagen es zu behaupten, dass Sisygambis um Alexander, den Zerstörer der Achämeniden Dynastie trauerte und deshalb ihrem Leben ein Ende setzte. Wie verlogen diese Historiker waren, kann man an diesem Beispiel besonders gut erkennen. Welche Mutter, wird denjenigen betrauern, der verantwortlich für den Niedergang ihres letzten Sohnes war? Welche Mutter wird denjenigen betrauern,  der nur Verbrechen  im ganzen Land begangen hatte, die Menschen in Persien ins Unglück gestürzt hatte und die Tochter [Stateira] zur Zwangsheirat nötigte? Keine Mutter der Welt würde dies tun. Die Mutter von Darius III, diese feine und edle Dame aus dem Hause der Achämeniden, war eine leidgeprüfte Frau, sie hatte ihr Leben lang in Trauer und Kummer verbracht. Schon Artaxerxes III hatte ihren Vater, ihre Brüder samt ihrer Neffen gefangen genommen und geköpft. Sie hatte sieben Söhne gehabt, die alle bis auf Darius III durch Machtkämpfe getötet worden waren; nur Darius III blieb am Leben und er hatte das Unglück seit Anbeginn seiner Herrschaft, gegen eine Plage namens Alexander und gegen die innerpersischen Querelen kämpfen zu müssen.

Das Schicksal wollte es so, dass die Mutter Darius III auch die Niederlage ihres Sohnes, seine Gefangenschaft und Ermordung miterleben musste. Sie sollte mit ansehen, wie ihre Schwiegertöchter und Enkelkinder in Gefangenschaft lebten, wie das glorreiche persische Volk in Ungnade und Unglück fiel und Perser als Sklaven verkauft wurden. Sie wünschte sich bestimmt, solange am Leben zu bleiben, bis sie mit eigenen Augen den Tod dieses bösartigen Tyrannen Alexander, der nur Unheil über ihr Volk, ihre Familie und ihr Land brachte, sehen konnte. Über 70 Städte hatte Alexander gegründet, nur 40 Städte lassen sich nachweisen und heute ist keine einzige mehr griechisch. 750.000 Soldaten haben auf seinem Feldzug in den Schlachten ihr Leben verloren. In seiner Epoche (4. Jhd. – 2. Jhd.) sank zum ersten Mal in der Weltgeschichte die Entwicklung der Weltbevölkerung um 7 %. Den größten Anteil daran hatte Alexander. Um dasselbe Ausmaß der Vernichtung an Humankapital zu erreichen, müsste heute die Weltbevölkerung durch einen Krieg um 490 Mio. Menschen abnehmen!

Keinen einzigen Tag funktionierte das Staatswesen unter Alexander. In Persien bemerkte er, dass all die Staatskunst bezogenen Theorien von Aristoteles nur leeres Geschwätz waren, mit dem man nirgendwo auf der Welt einen Staat von solcher Größe regieren konnte. Seine Nachfolge hatte er nicht klar geregelt, als man ihn an seinem Sterbebett fragte, wer denn der Nachfolger werden solle antwortete er: „Der Stärkste“.  Vielleicht war der Grund für diese Aussage, dass er unter seinen Feldherren niemanden für würdig genug hielt, sein Nachfolger zu werden; vielleicht war aber auch seine Eifersucht der Grund. In seiner politischen Theorie, er wäre ein Gott, war wohl außer ihm sonst niemand mehr würdig der König zu sein und keiner von seinen Feldherren war wie er ein Gottgeborener, der nach ihm seinen leeren Platz füllen könnte und vielleicht glaubte er tatsächlich wieder auf die Erde als Weltherrscher zurückzukehren. Seine letzte Ruhestätte fand er im ägyptischen Alexandria, doch heute weiß niemand mehr, wo genau seine letzte Ruhestätte liegt.

© Pârse & Pârse

[Quellen dieser Artikelreihe: „Irânzamin“, von Amir Hoseyn Xonji, Arrianus, Diodorus, A.T. Olmstead „History of the Persian Empire“, Plutarch, Ephippos, Xenophon, Gardizi „Târixe Gardizi“ „Einsicht in die iranische Geschichte“,[ „Molâhezâti dar târixe Irân“], 4. Auflage, von Dr. Ali Mirfetros, Quintus Curtius Rufus, Herodot, 1. Buch Religion und Sitten der Perser , G. Hancock, Heavens Mirror, 1998, Michael Joseph Ltd, s. V.Gordon Childe: New Light on the most ancient East. 1928, 1958, 134 + Abbildung Plate XXI, Nezâmi Ganjavi in Šarafnâme aus seinem Werk Xamseye Nezâmi, Tom Holland „Persisches Feuer“ Alfred von Gutschmid, 1888 „Die Geschichte Irans und seiner Nachbarländer“, Hans Delbrück 1920 „Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte“, Geulen, Ebne Xaldun „Al Mughaddimah“, tagesschau.de, Josef Wiesehöfer Iranians, Greeks and Romains 2006, C. E. Bosworth Encyclopädia Iranica]

 Alexander „der Große“ – Eskandare gojastak (8)

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