Alexander „der Große“ – Eskandare gojastak (8)

Eskandarea Ggojastak

Obwohl Alexander ein unermüdlicher Soldat und von königlichem Geblüt war, war er nicht zum Führen und Herrschen geboren. Wenn er ein Gebiet eroberte, überließ er es einem seiner Offiziere, damit dieser dann mit seinen Soldaten in diesen Gebieten für Unruhe, Plünderung, Verwüstung und Vergewaltigung sorgte. Während der ganzen Zeit, in der er mit der Eroberung Persiens beschäftigt war, waren seine Offiziere in den eroberten Gebieten nur damit beschäftigt, die Menschen auszurauben und Aufstände niederzuschlagen; sie kamen nie zur Ruhe.

Der Mittlere Osten nach Alexander

Diese Offiziere hatten keine Ahnung von politischem Scharfsinn und von Staatskunst, durch die sie wenigsten den Besiegten und vom Schicksal verfolgten Menschen etwas Mitgefühl zeigen und dadurch ihre Sympathien für sich gewinnen konnten, um damit ihre Macht in diesen Gebieten festigen zu können und den eroberten Gebieten wieder zur wirtschaftlichen Blüte verhelfen zu können. Der Feldzug Alexanders in Persien hatte den Griechen bewiesen, dass die Welt nicht mit nichtsnutzigen Theorien und dem Geschwätz ihrer großen Redner, sondern nur mit Taten und nur mit einem ausgeklügelten System, das in Persien seit mehr als zwei Jahrhunderten geherrscht hatte, beherrscht werden konnte.

Alexanders Raubzug

Alexander hatte in Bezug auf seine Nachfolge, seinen Offizieren keine brauchbaren Anweisungen gegeben. Er hielt keinen seiner Feldherren für würdig genug, als sein Nachfolger in Frage zu kommen und schließlich glaubte er an seine Göttlichkeit und Unsterblichkeit und an seine Wiederkehr, um über die Menschen zu herrschen. Es gibt sehr viele Berichte darüber, dass die Griechen sehr abergläubig waren, daher handelte Alexander aus seiner Abergläubigkeit heraus. Die antiken Griechen glaubten, dass alle ihre Gottheiten in Wahrheit einmal sterbliche Menschen waren.  Aus diesem Grund behielten diese Gottheiten auch menschliche, negative Eigenschaften, wie Bosheit, Rache, Eifersucht, Hass, Egoismus, Leidenschaft und Begierde bei. Diese Götter kämpften untereinander ihre antiphilosophischen Kämpfe und vergewaltigten sogar Frauen und junge Männer. Alexander handelte auch nach seinem Glauben und dachte, er würde jetzt zu einer Gottheit aufsteigen und unsterblich werden und da er jetzt im Sterbebett lag, dachte er, verbringt er die Zeit in einer Art „Metamorphose“, nach der er dann in seine endgültige Unsterblichkeit eintreten würde.

Seine Feldherren, die genau wie er, wild und grob waren, stritten sich am Tag seines Todes an seinem Leichnam um das Erbe. Einer seiner Offiziere namens Perdikkas behauptete, Alexander hätte ihm seinen Ring, der das königliche Siegel trug, gegeben. Vielleicht hatte Perdikkas den Ring von seinem Finger abgenommen, während Alexander im Koma lag. Mit dieser Behauptung wollte er allen sagen, er wäre nach Alexander derjenige, der den Vorrang hatte. Perdikkas schlug vor, die Griechen sollten nun unter sich einen Führer auswählen und warten, bis Roxane, die jetzt im sechsten Monat schwanger war, das Baby auf die Welt bringt, dann würde das Kind später den Platz des Vaters übernehmen. Perdikkas erwartete nun von den Griechen, weil Alexander ihm seinen Ring gegeben habe, seine Führerschaft zu akzeptieren, denn damit wollte Alexander ihn zu seinem Nachfolger ernennen und er könnte dann als Regent, bis Alexanders Kind in der Zukunft alt genug war, im Persischen Reich herrschen.

Achämenidischer Soldat

Alexander hatte aber noch einen Sohn von Barsine [Barsina], der Witwe von Memnon, der aber unehelich war; denn Alexander hatte in Damaskus Barsine vergewaltigt und sie anschließend -wie einige andere adelige Perserinnen- zu seiner Sexsklavin gemacht. Alexander nannte diesen Sohn Herakles. Einer der makedonischen Offiziere, der nicht Perdikkas als Regent akzeptieren wollte, schlug den Makedoniern vor, Herakles zum König zu ernennen. Aber seine Worte stießen auf heftige Proteste seitens der Anhänger von Perdikkas, so dass beide Seiten sich prügelten und stritten. Ein anderer Feldherr namens Ptolemaios war gegen beide Vorschläge und sagte unterdessen, „die Makedonier würden auf gar keinen Fall die Herrschaft eines Sohnes, dessen Mutter eine Perserin war, akzeptieren, egal, ob dieser Sohn von Roxane oder Barsine wäre; denn so würden die Makedonier in Zukunft wieder die Diener derer werden, die Alexander zu ihren Sklaven gemacht hatte.“ Ptolemaios schlug daher vor, dass ein Regentschaftsrats durch hohe Offiziere gegründet werden sollte.

Einer der Offiziere und  Anhänger von Perdikkas, schlug den Offizieren vor doch den Vorschlag von Perdikkas anzunehmen. Aber ein anderer Offizier namens Meleagros stand auf und sagte, Perdikkas wolle in Wahrheit unter dem Vorwand, der stellvertretende Regent des  Sohnes von Roxane zu sein, selbst regieren. Meleagros sagte, falls Alexander seinen Ring Perdikkas gegeben hätte, sollten die Makedonier gegen diese Entscheidung Alexanders etwas unternehmen. Er sagte, die Makedonier und Griechen seien mit der Absicht nach Persien gekommen, um die Reichtümer und Schätze Persiens zu plündern, daher müssten sie alles, was Alexander in seinen Schatzhäusern angehäuft hatte, unter sich aufteilen und in die griechischen Stadtstaaten zurückkehren. Er hetzte die Soldaten und Offiziere auf und nahm sogar sein Schwert und machte sich auf den Weg, um das was er vorschlug zu tun. Meleagros hatte mehr Anhänger als alle anderen gefunden und eine große Anzahl der Griechen und Makedonier schlugen sich auf seine Seite, um die Reichtümer und Schätze zu nehmen und sich nach Griechenland zu begeben. Ein makedonischer Offizier schrie, die Soldaten sollten sich nicht untereinander streiten und kämpfen. Dieser Offizier schlug vor, sie sollten Arrhidaios, den Bruder Alexanders, zum König wählen und in Persien bleiben. Um Perdikkas aus dem Rennen zu werfen, akzeptierte Meleagros den Vorschlag; er ging persönlich zu Arrhidaios, nahm ihn an der Hand, brachte ihn ins Zelt und sagte zu den streitenden Offizieren: „Das ist der wahre Erbe von Alexanders Königtum.“

Arrhidaios war der uneheliche Sohn von Phillip II und einer Prostituierten, namens Philinna von Larissa. Arrhidaios war geistig behindert. Meleagros und seine Anhänger ernannten an dem Tag diesen geistig behinderten Jungen, mit dem Titel Phillip III, zu ihrem König. Sie zogen ihm den Königsmantel Alexanders an, der einst der Königsmantel der persischen Könige war und setzen einen Geisteskranken auf den Thron der persischen Könige. Meleagros, der nun fürchtete, dass Perdikkas und seine Anhänger nicht zulassen würden, dass seine Idee Früchte tragen würde, sagte Phillip III, er solle den Befehl geben, Perdikkas gefangen zu nehmen, um ihn zu exekutieren, denn sonst würde Perdikkas Phillip III entmachten und entthronen. Arrhidaios [Phillip III] schickte einige Soldaten, um Perdikkas zu verhaften; aber Perdikkas und seine Anhänger bewaffneten sich und waren bereit zu kämpfen. Als Perdikkas erfuhr, dass Meleagros der Drahtzieher war, sagte er: „Ich werde Meleagros töten“. Er befahl seiner Kavallerie, die unter seinem Befehl stand sich vorzubereiten, um Meleagros zu verhaften. Meleagros setzte Phillip III auf einen Elefanten, und brachte seine Infanterie vor Perdikkas in Stellung. Um Meleagros und seinen König einzuschüchtern, befahl Perdikkas 300 der Soldaten und Offiziere, die einen Tag vorher mit dem Vorschlag von Meleagros einverstanden waren, vor die Elefanten zu werfen, die dann unter den Füßen der Elefanten zerquetscht wurden. Meleagros wusste, falls er nur mit seiner Infanterie gegen Perdikkas kämpfen würde, würde er gegen ihn keine Chance haben und bei einem Kampf würde er getötet werden. Daher fand er keinen anderen Ausweg als zu flüchten.

Er erreichte einen Ânâhita oder Mitra Tempel und versteckte sich darin, aber die Soldaten von Perdikkas fanden ihn und töteten ihn unter Folter. Nachdem Meleagros geflüchtet war, machte sich Perdikkas mit seiner Armee auf den Weg nach Babylonien und nahm Babylonien ein. Er berief eine Ratsversammlung der Offiziere ein, und weil jeder dieser Offiziere auf Sonderrechte und Vergünstigungen bestand, beschlossen sie bei dieser Versammlung, dass nun Arrhidaios [Phillip III] der König bliebe und Perdikkas der Regent von Roxanes Kind sein sollte und das große Achämenidische Reich, dass Alexander erobert hatte, zwischen diesen Offizieren aufgeteilt wird. Jeder sollte ein Stück von diesem großen Land als sein eigenes Landgut, zur lebenslänglichen Nutzung bekommen. Ptolemaios bekam Ägypten, Antipater bekam Makedonien und Griechenland, wobei Nordafrika Makedonien unterstellt wurde; Syrien [Abr Nahr] und Mesopotamien bekam ein Offizier namens Seleukos, Philotas [nicht der Philotas, der von Alexander getötet wurde] bekam Kilikien, Antigonos bekam Phrygien und Lykien, Kassander bekam Karien [Kâriya] und Menander bekam Lydien [Lidiya]. Die Region an der Küste Anatoliens, am Ägäischen Meer, bekam Leonnatos, den östlichen Teil Anatoliens, der aus Kappadokien [Kat Patuka] und Trabzon [Terâpizunt] bestand, bekam Eumenes von Kardia und schließlich bekam Lysimachos Kleinasien und Thrakien [Tarâkiya].

Der südliche Teil der Region der Meder wurde einem Offizier namens Pithon/Peithon versprochen. Es wurde bei dieser Sitzung beschlossen, dass die östlichen Teile des  Persischen Reiches in den Händen der Offiziere und Feldherren bleiben sollten, die Alexander schon bestimmt hatte, daher blieb der nördliche Teil der Meder Region, der von nun an Âtarpâtikân genannt wurde, unter der Herrschaft des Feldherren Atropates vom Stamm der Âtarpâtik; Parthien [Pârt/Pârth: damals Groß-Xorâsân, beinhaltete die heutige iranische Provinz Xorâsân, Afghanistan und Tadschikistan] und Hyrkania/Hyrcania [Hirakâniya, heute die iranische Provinz Gorgân im Südwesten des Kaspischen Meeres], blieben unter der Herrschaft eines von Alexander ernannten einheimischen Feldherren. Baktrien [Bâxtariya] und Sogdien [Suguda/Sugda] blieben unter der Herrschaft von Roxanes Vater. Der Rest des Persischen Reiches und Babylonien blieb in den Händen von Arrhidaios [Phillip III], dem Bruder Alexanders, aber in Wahrheit gehörten sie Perdikkas.

Während den ganzen Streitereien und all den Kämpfen blieb der Leichnam von Alexander sechs Tage lang in seinem Zelt und obwohl er am Verwesen war, fand niemand die Zeit ihn zu bestatten. Quintus Curtius Rufus schrieb: „Man behauptet, der Leichnam wäre nicht verwesen. Aber ich glaube kein Wort davon“. Ptolemaios, dem nun Ägypten gehörte, nahm die sterblichen Überreste von Alexander mit nach Ägypten, dort angekommen, ließ er ihn dann in der Stadt Memphis begraben und ein paar Jahre später, als er die Hauptstadt nach Alexandria verlegt hatte, ließ er die sterblichen Überreste von Alexander nach Alexandria überführen. Trotz dieser Aufteilung der Hinterlassenschaft Alexanders, fürchtete Perdikkas die Verschwörung seiner Konkurrenten; er fürchtete, dass nun einige der makedonischen Offiziere sich auf die Seite von Stateira [Estâtirâ], der Tochter von Darius III, unter dem Vorwand schlagen könnten, dass sie den wahren Anspruch auf das Erbe der Darius Krone und des Throns hätte und die würdigste Thronfolgerin nach ihrem Ehemann Alexander wäre und deswegen würden sie Stateira unterstützen und damit Perdikkas außer Gefecht setzen. Er beauftragte Mörder, um Stateira und ihre Schwester zu ermorden, dann ließ er die Leichname von Stateira und ihrer Schwester in einen vertrockneten Brunnen werfen und mit Erde bedecken; danach ließ er die Lüge verbreiten, dass Roxane eifersüchtig auf Stateira gewesen wäre und von Perdikkas ihren Tod verlangte, daher hätte Perdikkas wegen Roxane, Stateira töten lassen.

Die Diadochenkriege

Alexander nahm den Traum eines neuen Königreiches unter seiner Herrschaft mit ins Grab und es gab keinen geeigneten Mann unter seinen Offizieren, der über das gewaltige Achämeniden Reich hätte herrschen können. Die Makedonier und Griechen, die nur wegen der märchenhaften Reichtümer und Schätze Persiens Alexander begleitet hatten und alles unter sich geteilt hatten, konnten nicht miteinander leben und bekriegten sich seit dem Tod Alexanders nun gegenseitig. Sie versetzten die ehemaligen achämenidischen Länder in Tumult und Unruhen, von Baktrien bis nach Griechenland, und von Mak Korân/Makrân/Mokrân [ein Gebiet zwischen Kermân und Sistân, das zu damaliger Zeit ein großes Land und Gebiet war] bis nach Ägypten.

Das Achämenidische Persien hatte bis dahin niemals derartige Unruhen erlebt und noch niemals wurden die Menschen ihrer Sicherheit und Ruhe beraubt. Die Griechen und Makedonier brachten nun durch ihre Kriege den vom Schicksal verfolgten Menschen noch mehr Tod, Plünderung und Verwüstung als zu Lebzeiten Alexanders. Während dieser lang andauernden und blutigen Kriege brachten sich viele der Feldherren von Alexander gegenseitig um. Ptolemaios, der Ägypten für sich beansprucht hatte, beschloss Großkönig zu werden. Um ihn zu entmachten, führte Perdikkas sein Heer nach Ägypten, wurde aber dort besiegt und im Jahre 322 v. Chr. getötet. Pithon/Peithon, der im südlichen Teil von Medien [Mâd] herrschte, wurde zum Vormund von Arrhidaios, dem geistig behinderten Bruder Alexanders, und dem inzwischen geborenen Sohn von Roxane, Alexander IV, gewählt. Währenddessen gab es heftige Kriege unter den Feldherren in den Regionen Anatolien und Syrien, in denen jeder das Königtum für sich beanspruchte. Nachdem einige von ihnen durch diese Kriege getötet wurden, wurde  allen klar, dass keiner von ihnen die Oberhand gewinnen und mächtiger sein konnte als der Andere, und wenn es so weiter ginge, würden sie alle getötet werden. Deshalb führten sie Verhandlungen an einem Ort namens Triparadeisos [se Baqestân: drei Gärten], in der Nähe der Stadt Aleppo im Norden von Syrien. Bei dieser Verhandlungsrunde wurde Antipater als Regent gewählt. Das Kommando über die makedonischen Streitkräfte in Anatolien bekam Antigonos, und er wurde beauftragt gegen die Streitkräfte von Eumenes von Kardias zu kämpfen, ihn zu besiegen, um schließlich Eumenes und seine Offiziere zu exekutieren. Antipater nahm Arrhidaios, Roxane und den kleinen Alexander mit sich und ging nach Makedonien, dadurch wollte er verhindern, dass jemand erneut gegen ihn intrigiert und sich als Vormund ausgeben würde.


Im Jahr 319 v. Chr. starb Antipater in Makedonien. Vor seinem Tod wählte er einen Offizier namens Polyperchon zum Regenten. Kassander, der Sohn von Antipater, sowie Ptolemaios, Antigonos und Lysimachos, die alle die Herrschaft und das Königtum für sich beanspruchten, widersetzten sich dieser Wahl. Kassander führte seine Armee nach Griechenland und kämpfte gegen Polyperchon. Währenddessen entmachtete Alexandros der Sohn von Polyperchon seinen Vater, ernannte sich zum Regenten und kämpfte weiter gegen Kassander. In Anatolien gab es ebenso erneut blutige Kriege zwischen den Feldherren Alexanders. Der Machtkampf in Makedonien setzte sich auf andere Weise fort; – der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Im Jahr 317 v. Chr. ließ Olympia, die Mutter von Alexander, ihren Stiefsohn Arrhidaios ermorden und ernannte sich zur Königin. Sie beschloss ihre Gegner, einen nach dem anderen zu vernichten, dafür ließ sie durch ihre spezielle Terrorgruppe etwa einhundert makedonische Offiziere unter verschiedenen Vorwänden ermorden. Im selben Jahr besiegte Kassander, Alexandros, den Sohn von Polyperchon, in Griechenland und eroberte den größten Teil Griechenlands. Um das Königtum in Makedonien für sich zu beanspruchen, heiratete er durch Zwangsheirat die Schwester von Alexander. Er hielt Roxane und ihren Sohn Alexander IV in Makedonien gefangen und kämpfte dann gegen Olympia, die Mutter von Alexander und besiegte sie im Jahr 316 v. Chr. Er nahm sie gefangen, ließ sie ins Gefängnis werfen und später ließ er sie unter bestialischer Folter töten.

Antigonos hatte große und glorreiche Siege in Anatolien errungen und nun drohte er dadurch seine Konkurrenten zu vernichten. Kassander und Lysimachos verbündeten sich nun gegen Antigonos und zogen dann im Jahre 315 v. Chr. gegen ihn in den Krieg. Während dieser Kriege unterstützte Seleukos, der in Babylonien herrschte, Antigonos; aber Seleukos stritt sich dann mit Antigonos wegen der geplünderten Schätze aus dem Schatzhaus von Babylon; Antigonos wollte ihn deshalb töten, aber Seleukos nahm die geplünderten Schätze des Schatzhauses und floh damit nach Ägypten und suchte bei Ptolemaios Asyl. Alexandros, der Sohn von Polyperchon, der nun schwach geworden war, wurde im Jahr 314 v. Chr. in Griechenland getötet. Zwischen den Jahren 314 bis 311 v. Chr. führte Antigonos gegen Kassander und Lysimachos heftige Kämpfe, ohne dass eine Seite den endgültigen Sieg erzielen konnte. Phönizien wurde von Demetrios, dem Sohn von Antigonos beherrscht. Ptolemaios führte im Jahr 312 v. Chr. sein Heer durch Gaza und dem Land der Philister ins Land Phönizien, das unter der Herrschaft von Demetrios war, um es zu erobern. Aber, bevor Ptolemaios das Land der Philister erreichen konnte, hatte Demetrios schon das Land der Philister durchquert und kam ihm entgegen. In Gaza führten beide einen blutigen Krieg, in dem 5.000 griechische und makedonische Soldaten getötet wurden. Demetrios wurde besiegt, konnte aber flüchten, seine Familie aber wurde gefangen genommen und Ptolemaios eroberte Phönizien. Seleukos hatte bei diesem Feldzug mit seiner Armee auf der Seite von Ptolemaios gekämpft und teilte sich nun den Sieg mit Ptolemaios. Danach führte Seleukos seine Armee, die Ptolemaios ihm zur Verfügung gestellt hatte, nach Babylonien und eroberte Babylon nach blutigen Kriegen gegen die Anhänger von Antigonos. Nikanor, der einer der mächtigsten Freunde von Antigonos war, führte seine Armee von Medien nach Babylonien, um Seleukos dort zu vertreiben. Aber Seleukos gewann den Krieg, Nikanor flüchtete und seine Soldaten liefen zu Seleukos über. Danach eroberte Seleukos Ekbatana und Chuzestan, ließ sich wieder in Babylonien nieder und ernannte sich dann zum König.

Während dieser Zeit führte Antigonos sein Heer nach Syrien, um die Herrschaft von Ptolemaios über dieses Land zu beenden. Ptolemaios plünderte und verwüstete die Städte Haifa und Akkon (beide heute in Israel) und bevor Antigonos gegen ihn Krieg führen konnte, flüchtete er nach Ägypten. Kassander, der Roxane und den kleinen Alexander in Makedonien unter Arrest hielt, schickte aus Angst davor, dass Antigonos Anhänger, sie und den kleinen Alexander befreien könnten Auftragsmörder los, die Roxane und dem kleinen Alexander die Köpfe abschnitten (310 v. Chr.). Kassander ließ auch Herakles, den Sohn von Barsine, töten. Es gab nur noch eine Schwester von Alexander, die Kleopatra hieß und in Sardis/Sardes lebte; Antigonos ließ diese Schwester ebenso ermorden. Somit wurden alle Familienmitglieder Alexanders durch seine eigenen Feldherren vernichtet; sie hatten die ganze Familie Alexanders ausgelöscht.

In den Jahren 307 und 308 v. Chr. gingen die anatolischen Kriege fort und Antigonos hatte große Siege erlangt, und ernannte sich im Jahr 306 v. Chr. zum Großkönig. Ptolemaios, Kassander, Seleukos und Lysimachos, die alle den Großkönig Titel für sich beanspruchten, verbündeten sich alle gegen Antigonos, aber sie intrigierten heimlich auch gegeneinander. Antigonos führte seine Armee, bestehend aus 90 Tausend Soldaten und 150 Kriegsschiffen nach Ägypten, hatte aber keinen Erfolg. Er ließ auch die Insel Rhodos durch seinen Sohn belagern. Die Belagerung hatte ein Jahr gedauert, aber die Insel konnte nicht erobert werden, danach wurde ein Bündnis zwischen den Führern der Insel Rhodos und Antigonos geschlossen. In Anatolien gingen die Kämpfe der Alliierten [Ptolemaios, Kassander, Seleukos, Lysimachos] gegen Antigonos weiter, die auf beiden Seiten große Verluste verursachten. Diese Kriege in Anatolien dauerten mehr als 5 Jahre und am Ende wurde Antigonos im Jahr 301 v. Chr. besiegt und getötet. Danach hatten sich Ptolemaios, Kassander, Seleukos und Lysimachos, Asien, den Balkan und Ägypten unter sich aufgeteilt. Anatolien bis zum Taurusgebirge wurde Lysimachos versprochen, Seleukos bekam Syrien, Mesopotamien und das persische Kernland. Makedonien und Griechenland gingen an Kassander, und Ptolemaios erhielt Ägypten. Ptolemaios war schon offiziell der König von Ägypten und ernannte sich dort zur Gottheit, und behauptete genau wie Alexander, einst hätte der himmlische Gott Amun mit seiner Mutter geschlafen und er wäre deshalb der wahre Gottessohn.

22 Jahre lang hatten die Griechen und Makedonier, nach dem Tode Alexanders, um die erbeuteten Länder und ihre Schätze Krieg geführt und stürzten ganz Westasien, den Balkan und Griechenland ins Verderben. Das war die Neue Weltordnung, die Alexander der antiken Welt gebracht hatte und von der fanatische Historiker so schwärmen. Bis zum Jahr 301 v. Chr. kam Asien 34 Jahre lang nicht mehr zur Ruhe und war ständig in Kriege und Unruhen verwickelt; Städte wurden vernichtet und wurden zu Ruinen, bebaute Länder wurden zu Ödland, Schätze und Reichtümer wurden geplündert, Frauen, Mädchen und Jungen wurden vergewaltigt und als Sklavinnen und Sklaven verkauft. Während dieser 34 Jahre war die zivilisierte Welt praktisch ohne Führung und wurde von fremden Plünderern, die aus Griechenland und Makedonien nach Asien kamen beherrscht, und nichts Anderes im Sinn hatten als zu brandschatzen zu plündern und zu vergewaltigen.

Alexander hatte ein großes Imperium, dessen er nicht einen Tag würdig war erobert und die Griechen und Makedonier konnten dieses riesige Land nicht einen einzigen Tag beherrschen. Daher beschlossen sie die erbeuteten Länder und ihre Schätze und Reichtümer unter sich aufzuteilen. Aber ihre Natur war die Mordlust, Neid, Habsucht und Gier und sie konnten sich nicht mit dem zufrieden geben, was sie bekamen; anstatt dass jeder in seinem zugeteilten Gebiet regiert, fingen sie an unter sich Kriege zu führen und sich gegenseitig zu vernichten.

Der Grund für die Unfähigkeit der Griechen und Makedonier und der Unfähigkeit Alexanders selbst, das große eroberte Achämenidische Reich zu regieren, lag in der Unerfahrenheit der Griechen und Makedonier in der Politik. Sie kannten keine Diplomatie und die Politiktheorien bezogenen Thesen von Platon und Aristoteles waren zu nichts zu gebrauchen und nur leeres Geschwätz, das die Papyrusrollen nicht wert waren auf denen sie geschrieben standen. Traditionell kannten sie nur die griechische Demokratie, die sie auf Persischen Territorium entwickelt hatten und mit der heutigen Demokratie nichts zu tun hat und sie kannten noch das makedonische, archaische Herrschersystem. Daher hatten sie keinen Sinn für das Regieren eines riesigen Vielvölkerstaates mit seinem zentral gesteuerten monarchischen System. Daher wollte jeder Feldherr ein Stück von diesem Land für sich haben, um dort unabhängig vom Anderen regieren zu können und weil auf Grund ihrer Gier, keiner sich zufrieden geben konnte, mit dem, was er bekommen hatte, veranstalteten sie 22 Jahre lang Kriege untereinander.

Die Herrschaft Seleukos und seiner Nachfolger

Seleukos war ein gerissener, opportunistischer und hinterlistiger Offizier Alexanders, der sehr genau wusste die Situation auszunutzen. Er wusste, wann er in Gefahrensituationen flüchten musste und wann eine gute Möglichkeit da war, um zuzuschlagen. Seine Vorgehensweise ähnelte der von nachtaktiven Raubtieren, die nachts aktiv wurden und am Tag lieber in ihren Schlupflöchern blieben. Seleukos war in den letzten Jahren Alexanders der Kommandant über eine Truppe von 1 Tausend Soldaten. Nach Alexander wurde er zum Vizeregenten unter Perdikkas gewählt. Als Perdikkas mit seinem Heer nach Ägypten marschierte, um zu kämpfen, nutzte er die Situation aus, um Perdikkas aus dem Weg zu schaffen. Er hetzte die Soldaten von Perdikkas gegen ihn auf und verursachte seine Niederlage und seinen Tod. Später bekam er Babylonien für erwiesene Dienste an Antipater.

In den Kriegen zwischen Antigonos und Eumenes von Kardias schlug er sich auf die Seite von Antigonos, aber wegen der Aufteilung der Schätze und Reichtümer in Babylon geriet er mit Antigonos in Konflikt und weil er wusste, dass Antigonos ihn töten würde, nahm er alle Schätze mit und flüchtete erst nach Syrien und von dort nach Ägypten und lebte einige Jahre bei Ptolemaios. Im Krieg zwischen Ptolemaios und Demetrios schlug er sich auf die Seite von Ptolemaios und kehrte anschließend mit Hilfe von Ptolemaios nach Babylonien zurück. In Babylonien besiegte er den Feldherrn Nikanor, der von Antigonos geschickt wurde und danach eroberte er den Westen und Südwesten  Persiens (Ekbatana und Chuzestan). Später gehörte er zu den Bündnispartnern, die gegen Antigonos opponierten und hatte später nach der Niederlage und dem Tod von Antigonos, in Ekbatana, Chuzestan und im heutigen Irak keinen Konkurrenten mehr. Danach bekämpfte er andere Offiziere von Alexander in den Gebieten Pârs, Mittel-, Nord und Ostpersien, und besiegte einen nach dem anderen. Er gründete dann ein Herrschaftsgebiet, das vom Mittelmeer bis nach Mak Korân /Makrân/Mokrân [ein Gebiet zwischen Kermân und Sistân, das zu damaliger Zeit ein großes Land und Gebiet war] reichte. Obwohl Seleukos ein guter Feldherr war und listig war, hatte auch er keine Ahnung vom Regieren und Herrschen. Ab dem Jahr 312 v. Chr., als Seleukos nach Babylonien zurückkehrte, wurde das Persische Hochland für 10 Jahre erneut zum Kriegsschauplatz von heftigen und blutigen Kämpfen zwischen den Feldherren Alexanders, die in verschiedenen Teilen des Landes ihre Lager aufgeschlagen hatten.

Seleukos war bei all diesen Kriegen immer der Sieger und die Verlierer waren vor allem das vom Schicksal verfolgte persische Volk, dessen Dörfer und Städte ständig weiter geplündert wurden, um diese Kriege zu finanzieren, dessen Frauen, Töchter und Jungen vergewaltigt und als Befriedigungsobjekte der makedonischen und griechischen Soldaten dienten. Sie waren diejenigen, dessen Dörfer und Städte ständig verwüstet wurden, damit der Gegner sie nicht mehr als Stützpunkte benutzen konnte. Alexander hatte während seines kurzen Lebens in Persien, jeden vernichtet, der vielleicht in Zukunft gegen ihn hätten kämpfen können, daher gab es auch nur noch wenige einheimische Perser, die Widerstand leisten konnten und wann immer sie es auch taten, brachte es nur noch mehr Leid für das persische Volk. Während dieser Jahre wurden viele Feuertempel und wissenschaftliche Institutionen, die noch intakt waren, durch die Feldherren Alexanders zerstört. Wurden irgendwo Magier [moq; maga: in awestisch; magu; zoroastrischer Geistlicher] oder Hirbads [Obermagier; der Vorsteher eines Feuertempels] aufgespürt, wurden sie sofort getötet, damit die Perser keine Weisheiten und Wissen durch die Moqs und Hirbads erlangen konnten, um somit in völliger Ahnungslosigkeit die Diener und Sklaven der unterpriviligierten Griechen und Makedonier zu werden. Seleukos schaffte es bis zum Jahr 301 v. Chr. das ganze Iranische Hochland zu erobern und ein Königtum zu gründen, das alle östlichen Länder des achämenidischen Imperiums beinhaltete und im Osten Grenzen zu Indien hatte. Er ließ überall im Land makedonische Kasernen errichten, um so zu versuchen das Land zu regieren.

Als Seleukos sich offiziell als König von Persien, Babylonien und Syrien ernannte, verbreitete er die Geschichte, er wäre ein Gottgeborener und er bezeichnete sich formell – genau wie Alexander – als Gott. Der Gott Apollon sei eines Nachts vom Himmel herab gestiegen, und hätte mit seiner Mutter geschlafen und ihr anschließend einen goldenen Ring geschenkt, deshalb wäre er das Kind von Apollon und nicht das seines Vaters. Seleukos zeigte sogar den geschenkten Ring den abergläubigen Griechen, damit sie ihm alle glauben, dass er die Wahrheit sagte. Der Ring war Zeuge seiner „Aufrichtigkeit“, dass Apollon tatsächlich vom Himmel herab gestiegen war und mit seiner Mutter geschlafen hatte. Seine Kinder und Enkelkinder hatten später diesen Ring immer bei sich, und benutzten den Ring, um ihre Göttlichkeit und die Gottesabstammung zu bekräftigen; sie bezeichneten sich wie ihr Ahn Seleukos als Gott und verlangten von ihren Untertanen sie anzubeten. Sein Enkelsohn Antiochos II (261 – 246 v. Chr.) ging sogar weit, dass er sich den Titel „Theos“ gab, der der höchste und mächtigste Gott der griechischen Götter im Himmel war; Antiochos II hatte sich zum Gott der Götter ernannt!

Babylonien wurde während der Kriege zwischen den Makedoniern komplett zerstört, daher lebten die Griechen und Makedonier nicht mehr in der Stadt Babylon, sondern in einer Kaserne am Osten der Stadt am Westufer des Tigris. Seleukos lebte auch in dieser Kaserne und mit seiner Ernennung zum König und dem Beginn seiner Herrschaft wurde die Kaserne zu einer Stadt, die Seleukos dann Seleukia Pieria [Solukiya] nannte. Er wusste aber, dass sein Freund Ptolemaios gierig auf Syrien und Phönizien war und daher verlegte er sein Machtzentrum nach Syrien, und lebte in einer griechisch / makedonischen Kaserne, die an der Küste des Mittelmeeres – unterhalb von Issos gelegen war. Er verwandelte die Kaserne zu einer Stadt, die er dann nach seinem Sohn Antiochos Antiochia nannte. Der Name Antiochia wurde in den späteren Jahrhunderten durch die Römer in Antiokia umbenannt, denn sie hatten keinen Buchstaben „ch“ [wie im Wort Achtung, in Persisch: x]; und die Bewohner von Syrien benannten die Stadt in ihrer Sprache Syrisch-aramäisch Antakya; der Name ist bis heute geblieben und die Stadt liegt heute in der Türkei.

Die Monarchie, die Seleukos im Mittleren Osten gründete, war völlig anders geartet, als die persische Monarchie. Seine Monarchie und Herrschaft bestand aus mehreren Kasernen, die er überall in den Ländern unter seiner Herrschaft aufstellen ließ und deren Aufgabe darin bestand, von den Völkern des ehemaligen Persischen Reiches mit Gewalt und der Kraft des Schwertes Steuern einzutreiben. Die Zahl der Kasernen, die Seleukos in der iranischen Hochebene aufstellen ließ, belief sich auf 70, die alle griechischen Namen trugen und nur aus griechischen und makedonischen Truppen bestanden. Sie lebten in diesen Kasernen auf kleinen mächtigen Inseln, inmitten des Meeres der iranischen Bevölkerung. Ohne Zweifel sah die Bevölkerung in ihnen den Feind, der von weit her gekommen war und durch die Kraft des Schwertes das Volk unterdrückte und ausbeutete. Diese militärischen Stützpunkte standen entlang des internationalen Handelswegs von Balch/Balkh [Balx], Merw [altpersisch Margiyâna, heute Marv], Hyrkanien [Hirkâniya], Reyy, Ekbatana, Babylon, Nusaybin [Nisebin], Harran, Aleppo und Antiochia.

Die Griechen und Makedonier in diesen Kasernen, waren wie mächtige Banden organisiert, die an den zivilisierten und bebauten Städten gegründet worden waren und ständig die Dörfer und Städte plünderten und terrorisierten. Sie waren gegen alles, was persisch war, sie plünderten und verwüsteten alle Feuertempel und die Tempel von Ânâhita, der Göttin der Fruchtbarkeit.  In den Jahrzehnten, in denen sie in Persien blieben, ließen sie es nicht zu, dass weitere Tempel gebaut wurden und versuchten die verbliebenen Spuren der persischen Zivilisation, die nach dem Sturm Alexanders noch verblieben waren, endgültig zu vernichten.

Solange Seleukos und seine Nachfolger, die Seleukiden Könige, in Persien herrschten, durfte kein Perser seinen Kindern persische Namen, die an die Epoche der Achämeniden erinnerten, geben. Sie taten alles, um die Erinnerungen und Gedanken an die glorreichen Achämeniden aus dem Gedächtnis des Volkes zu tilgen. Die persische Schrift und Sprache wurde verboten, um damit die persische Identität auszulöschen. Das Verstecken und Aufbewahren persischer Bücher wurde mit dem Tode bestraft. Die Araber werden achthundert Jahre später genau dasselbe und noch umfangreicher tun, als es die Griechen und Makedonier vor ihnen taten – der Versuch der völligen Vernichtung der persischen Kultur. Die Bewohner in den Kasernen, die nach und nach zu Städten umgewandelt worden waren, bekamen vom persischen Volk zwei Dinge: Steuern und  Fluch, Schimpf und Schande. Diese beiden Dinge waren die einzigen Verbindungen zum persischen Volk, das die Griechen und Makedonier je hatten. Was die Invasoren mit dem persischen Volk gemeinsam hatten, war die gegenseitige Feindschaft. Sie waren Feinde der Perser und die Perser waren ihre Feinde.

Die Griechen und Makedonier unterschieden sich von den Persern darin, dass sie abergläubig waren und die Perser aber an Mazdeyasnâ, den reinen Mazda Glauben und an die Vernunft glaubten; die Griechen und Makedonier hielten nichts von Moral, Ethik und Sittlichkeit, aber die Perser hielten sich an die edle Ethik und Moral, inspiriert durch die Weisheiten von Zarathustra. Nichts konnte zwischen ihnen und den Persern eine Brücke sein auf die sie bauen konnten. Sie behandelten die Perser so schlecht und unkultiviert, dass sie stets der Hass der persischen Bevölkerung begleitete. Die Griechen konnten trotz all ihrer Bemühungen die Erfahrungen des zivilisierten Persiens nicht für sich nutzen, denn sie waren all dem nicht gewachsen. Am Versuch zur Gründung einer dauerhaften und stabilen Monarchie in den eroberten Ländern, scheiterte Seleukos grandios.

Antiochos, Seleukos & Stratonike, Gérard de Lairesse: König Seleukos übergibt dem Sohn Antiochos die Königsherrschaft und seine zweite Gemahlin Stratonike (um 1673, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe)

Er führte Kämpfe in den Jahren 282 und 281 v. Chr. gegen seinen Freund Lysimachos, besiegte und tötete ihn, und eroberte Anatolien. Nach diesem Sieg beschloss er sein Heer nach Makedonien zu führen und das Land zu erobern, aber als er die Meerenge am Bosporus überquerte, wurde er durch Ptolemaios Keraunos getötet. Nach Seleukos wurde sein Sohn Antiochos I sein Nachfolger. Antiochos war aus der Ehe von Seleukos mit Apame [Apâma], der Tochter des baktrischen Fürsten Spitamenes [Espitmân/Spitâma]. Sie gehörte zu jenen adligen persischen Frauen, die auf Befehl von Alexander mit seinen Offizieren, bei der Hochzeit von Susa, zwangsverheiratet worden waren. Antiochos I hatte 20 Jahre lang regiert und nach seinem Tod wurde Antiochos II  Thronfolger. Während der Zeit des Antiochos II hatte in Baktrien ein Offizier namens Diodotos sich von der Hauptstadt Antiochia gelöst und eine Autonomie in Baktrien ins Leben gerufen, die unter dem Namen Griechisch-Baktrisches Königreich in die Geschichte einging. Die zweite Generation der Griechen und Makedonier, die in den Kasernen in den Gebieten von Baktrien lebten, konvertierten unter den Einflüssen der dort lebenden Bevölkerung zum Buddhismus und hörten einfach auf „griechisch/makedonisch“ zu sein.

Da die Seleukiden ihre Hauptstadt von Babylon nach Antiochia an die Küste des Mittelmeeres verlegt hatten, nahm ihr Einfluss nach und nach in den Gebieten Zentralpersiens ab und ihre Herrschaft in diesen Gebieten wurde nur noch eine formale Herrschaft, die sich auf ihre Kasernen beschränkte, die nur die Steuern einnahmen. Die ansässigen Griechen und Makedonier in den Ländern innerhalb  des ehemaligen Persischen Reiches lösten sich im Laufe der Zeit in der persischen Bevölkerung auf und das Einzige, was den folgenden Generationen vom „Griechisch sein“ übrig blieb, war lediglich die griechische Schrift. Obwohl das Achämenidische Imperium durch die Invasion Alexanders fiel und die Reichtümer und Schätze Persiens durch Alexander geplündert wurden und danach in Persien eine griechisch/makedonische Schreckensherrschaft gegründet wurde und die hellenische Welt mit all ihren unzivilisierten Eigenschaften Persien attackierte, wurde den Hellenen bald klar, dass Persien und das persische Volk ewig leben werden. Die Zivilisation, die seit dem 8. Jahrtausend in der iranischen Hochebene gewachsen war, hatte ihre stabilen und soliden Wurzeln so tief verankert, wie die Zivilisation der Menschheit alt war.

Schon lange vor der achämenidischen Epoche brachte der Mittlere Osten viele Zivilisationen hervor, die dann entweder ausstarben oder sich in anderen Zivilisationen auflösten. Nach der achämenidischen Epoche versuchten  griechische und römische Zivilisationen sich im Mittleren Osten zu behaupten und sie zeigten einander für eine Zeit lang, was jeweils der andere konnte. Aber keine Zivilisation war so standhaft und unsterblich wie die persische Zivilisation im Mittleren Osten. Die Grenzen Irans hatten seit der Invasion Alexanders bis zum heutigen Jahrhundert viele Veränderungen erlebt. Das iranische Volk wurde immer wieder durch fremde Aggressoren attackiert. Eine einzige Aggression hätte ausreichen können, um ein Volk und dessen Zivilisation völlig zu zerstören. Aber der Iraner konnte sich seit je her auf seine Zivilisation und Kultur zurück besinnen und blieb standhaft und ertrug mit beispielloser Geduld und Leidensfähigkeit auf seine Art all die Unterdrückungen, Erniedrigungen und all die Katastrophen, die sein Land heimsuchten – bis heute.

Dadurch blieb das Land Persien, das der Kern des historischen Iran ist, letztlich unberührt auf den Landkarten der Welt. Dieses Land hatte in jeder Situation der Geschichte, als Sieger oder als Besiegter, seine Rolle in best möglicher Form im Mittleren Osten gespielt, deshalb konnte es überleben. Die Tragweite der persischen Zivilisation, die in der Achämenidischen Epoche, einen Höhepunkt erreichte, ist von großer Bedeutung, wenn man sie mit den bekannten und einige Jahrtausend alten Zivilisationen in Mesopotamien und Ägypten vergleicht. Die mesopotamische Zivilisation löste sich nach der Gründung des achämenidischen Imperiums in der persischen Zivilisation auf; die ägyptische Zivilisation, die während der achämenidischen Epoche ihre Identität bewahrt hatte, ging mit der Herrschaft der Griechen zugrunde, verschwand bis zum ersten Jahrhundert v. Chr. von der Weltbühne und machte der römischen Zivilisation Platz. Die ägyptische Sprache und Kultur löste sich auf und folgte anderen aufgelösten Kulturen im Mittleren Osten nach, so dass außer des Kulturfriedhofs – d. h., die verlassenen Ruinen von Tempeln und Gräbern, die im Laufe der Jahrhunderte unter Schichten von Sand begraben worden waren, um in den nächsten Jahrhunderten wieder ausgegraben zu werden, keine Spur mehr von ihr übrig blieb. Sogar der ursprüngliche Name des Landes wurde nach der Invasion Alexanders unter der Kategorie der vergessenen Namen in der Geschichte klassifiziert, und bekam einen griechischen Namen. [Zur Info: Die Ägypter nannten ihr Land „Kemet“ oder „Kemi“, was in Deutsch „schwarze Erde“/schwarzes Land“ bedeutet. Die alten Perser zur Zeit der Achämeniden nannten das Land „Mudrayia“].

Seitdem die Perser auf der Bühne der Weltgeschichte erschienen sind, besaß das Persische Reich besondere Eigenschaften, die seine Existenz für die Ewigkeit sicherte. Die tolerante und nachsichtige Mentalität der Perser akzeptierte andere Sprachen, Kulturen, Ideen und Gedanken, sie respektierte sie und lebte mit ihnen zusammen. Diese Mentalität hatte seine Wurzel in der Mazdeyasnâ Religion, die eine Besonderheit und Einzigartigkeit der Perser war. Durch diese Toleranz und Konzilianz konnten die Perser einen Großteil der antiken Zivilisationselemente übernehmen und integrieren, um dann eine Zivilisation zu erschaffen, die all die antiken Zivilisationselemente in sich vereinte. Ein Beispiel dafür sind die Paläste von Pasargadai, Susa und Persepolis. In diesen Palästen und Monumenten, die in ihrer Gesamtheit zwar durch und durch persisch waren, können wir trotzdem Elemente der ägyptischen, assyrischen und babylonischen Kunst und Architektur erkennen und bewundern, wie sie harmonisch und konform zueinander ein persisches Gebäude darstellen.

Die erste iranische Wiedergeburt

Nachdem Alexander Persien erobert und dem Land seine Adels- und Würdenträger, Staatsdiener und Geistliche genommen hatte, schafften es die Perser mit ihrer Mentalität und meisterhaften Geduld, die Existenz der Unterdrücker zu erdulden und darüber hinaus auch ihre Existenz und Identität zu bewahren. Es gibt wenige Völker auf der Welt, die es geschafft haben tapfer gegen die Aggression und Unterdrückung feindlicher Völker durchzuhalten und dabei ihre historische Identität zu bewahren. Ein Beispiel dafür sind die Juden, sie konnten das ebenso. Durch eben diese Eigenschaft der Geduld und Umgänglichkeit schafften die Perser, die fanatischen und herrschsüchtigen Griechen, die aufgrund ihres völlig unbegründeten Rassismus, sich als die Krone der Schöpfung sahen und fremde Völker als wild und als „Barbaren“ bezeichneten, unter den Einfluss der persischen Kultur und Tradition zu verändern, bis die Griechen und Makedonier sich eines Tages in der persischen Gesellschaft aufgelöst hatten und sich wie Perser benahmen; ihre Nachkommen leben heute noch in Persien. Dieses beschriebene Phänomen finden wir auch bei Invasionen anderer, noch aggressiverer Völker, die Persien im Laufe der Geschichte überfallen hatten, denn wir finden genau dieses Phänomen ebenso nach der arabischen und türkischen Invasion.

Das Land Makedonien und seine Bevölkerung verschwanden von der Bühne der Weltgeschichte, so dass wir bis heute nicht wissen, wo genau dieses Land Makedonien in Süd-Osteuropa seine Grenzen hatte; wir wissen nicht einmal, wo wir die Nachfahren der Makedonier heute finden können. Das Land, das sich heute fälschlicherweise Mazedonien nennt, hat keine Verbindung zu diesem historischen Land Makedonien und darin sind sich alle Historiker einig. Eine Vielzahl der Griechen und Makedonier blieben nach dem Feldzug Alexanders im Mittleren Osten und zerstreuten sich in Iran, Mesopotamien, Syrien und Ägypten. Somit ging der Wunsch von Xenophon in Erfüllung, der einmal schrieb:Warum pferchen sich die Griechen in ein kleines Land, das wenig Nahrung aufbringt und wandern nicht in die großen und bebauten Gebiete des Mittleren Ostens“.


Viele Perser, die nach der Niederlage an der  Issos Passage und dem Fall von Phönizien und Syrien aus diesen Gebieten flüchteten, brachten sich in Anatolien in Sicherheit. Der Satrap vom pontischen Kappadokien, der ein Perser namens Ariarathes [Âriyâ Arta] war, lud diese Flüchtlinge nach Kappadokien ein. Er konnte mit Hilfe dieser Flüchtlinge Kappadokien befreien und ein neues achämenidisches Königreich im Osten von Anatolien gründen, das Grenzen zu Armenien und Âtarpâtikân (heute Âzarbâyjân) hatte. Ariarathes versuchte auch die westlichen Gebiete von Anatolien, die unter der Herrschaft der Makedonier waren, zu befreien. Aber seine Bemühungen waren wegen der Diadochenkriege in diesen Gebieten vergebens. Die Bevölkerung von Kappadokien stammte von medischen Stämmen, die sich Kimmerer/Kimmerier [Kimri/Simri] nannten ab. Das Gebiet des pontischen Kappadokiens blieb bis zum Ende der hellenischen Epoche von den Diadochenkriegen und Eroberungen verschont.

Fast 8 Jahrzehnte lang hatte Persien unter des Schicksals gnadenloser Hand gelitten, bis ab dem Jahre 250 v.Chr. die iranischen Parther die Schreckensherrschaft der Griechen und Makedonier in Persien und Mesopotamien sukzessive beenden werden. Die Reste im Westen des Seleukidenreiches werden die Seleukiden ab dem 1. Jahrhundert an die Römer verlieren. Die iranischen Parther werden den wirtschaftlichen Niedergang Persiens stoppen, Handelsbeziehungen mit China aufbauen und die Seidenstraße eröffnen, die das Wirtschaftszentrum der zivilisierten Welt für viele Jahrhunderte bleiben wird. Die Parther werden das iranische Element im Mittleren Osten stärken und werden sich als Nachkommen der Achämenidischen Könige verstehen und die Wiedererstarkung Persiens begründen. Griechenland und Makedonien, werden für immer von der Bühne der Weltgeschichte verschwinden und dort ihren alten leeren Platz wieder einnehmen. Persien aber, wird ein neues Weltreich errichten, mit dem sich nur Rom messen kann. Fast 1 Jahrtausend lang, mit einer kurzen Unterbrechung durch diese Plage namens Alexander und seiner Nachfolger, hatte das Persische Weltreich bestanden, bis es von muslimischen Horden Mitte des 7. Jahrhunderts besiegt werden wird. Die iranische Wiedergeburt unter den Parthern war genau deshalb möglich, weil im Gegensatz zu den Griechen und Makedoniern, Kultur, Zivilisation, Ideenreichtum, Identität und Substanz im ehemaligen Persischen Reich der Achämeniden so tief verwurzelt waren, dass diese nicht vom Hellenismus verdrängt werden konnten und der Hellenismus auf Grund seiner kulturellen Armut keine Wurzeln im Persischen Reich schlagen konnte. Dieser Feldzug Alexanders war nichts weiter, als ein Raubzug eines Verbrechers, der alle Menschen der zivilisierten Welt ins Unglück gestürzt hatte und deshalb nennen wir Alexander: Eskandare Gojastak, Alexander der Verfluchte.

Ungefähre Ausdehnung des Partherreiches von Captain Blood

© Pârse & Pârse

[Quellen dieser Artikelreihe: „Irânzamin“, von Amir Hoseyn Xonji, Arrianus, Diodorus, A.T. Olmstead „History of the Persian Empire“, Plutarch, Ephippos, Xenophon, Gardizi „Târixe Gardizi“ „Einsicht in die iranische Geschichte“,[ „Molâhezâti dar târixe Irân“], 4. Auflage, von Dr. Ali Mirfetros, Quintus Curtius Rufus, Herodot, 1. Buch Religion und Sitten der Perser , G. Hancock, Heavens Mirror, 1998, Michael Joseph Ltd, s. V.Gordon Childe: New Light on the most ancient East. 1928, 1958, 134 + Abbildung Plate XXI, Nezâmi Ganjavi in Šarafnâme aus seinem Werk Xamseye Nezâmi, Tom Holland „Persisches Feuer“ Alfred von Gutschmid, 1888 „Die Geschichte Irans und seiner Nachbarländer“, Hans Delbrück 1920 „Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte“, Geulen, Ebne Xaldun „Al Mughaddimah“, tagesschau.de, Josef Wiesehöfer Iranians, Greeks and Romains 2006, C. E. Bosworth Encyclopädia Iranica]

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