Ex-Muslimbruder: Keine Herrschaft im Namen Gottes

Ein syrischer Autor und Intellektueller sagte im Interview mit dem Programm „Aufklärungen“ in einer Al-Arabiya Sendung (17.11.2011): „Das syrische Volk hat die Mauer der Angst zerstört und ist davon befreit, niemand kann sich auch  vor diese Veränderungen stellen und sie verhindern“.

Khales Jalabi, der kanadische Arzt und Autor, der vor Jahren seinen syrischen Pass, als Zeichen des Protestes gegen das syrische Regime abgegeben hat, ist der Meinung: „eine islamische Herrschaft und die Gründung eines Gottesstaates auf der Basis der Scharia besteht nur aus Aberglaube und Phantasie; denn es sind nur Menschen, die im Namen des Gottes andere Menschen beherrschen wollen und sich als Gottesvertreter, die unbeschränkter Herrscher über die Menschen verstehen“.

Khales Jalabi sagte dem Moderator, der in seiner Sendung „Aufklärungen“ mit unterschiedlichen Denkern und Intellektuellen Fragen und Antworten führt, auf die Frage des Moderators, was seine Motive als Gegner des Assads Regime waren: „Ich beabsichtige keine Rache und Vergeltung wegen der vier Male Gefangenschaft in Syrien; sehe aber meine ständige Gefangenschaft als die Spitze des Eisberges, was meine Landsleute in Syrien über sich ergehen lassen haben und sie haben regelrecht die Tyrannei satt“.

Khales Jalabi nannte die jetzige Lage und Situation, in der sich das syrische Volk befindet, „eine große Tragödie“ und sagte weiter: „Im Moment ist die Revolution des syrischen Volkes eine friedliche Revolution. Baschar Assad muss eine historische Entscheidung treffen, und das weitere Blutvergießen im Lande verhindern. Das Regime selbst ist derjenige, der die Lage in einen Bürgerkrieg und zu mehr Blutvergießen leitet“.

Er betonte in seinem Interview: „Syrien hat sich verändert; der Alptraum der Angst ist aus den Köpfen des Volkes verjagt und die Mauer der Angst ist zerfallen“. Jalabi bezeichnet die Unruhe in Syrien als Folge der Bewegung in arabischer Welt. Er sagte: “Die Welt ist in ständiger Wandlung; das syrische Volk ist durch seinen Kampf wieder  neu geborgen; das Volk hat angefangen seinen Verstand neu zu polieren und sich von dem Unterdrückungsverhältnis als Unterdrückter zu befreien”.

Selbstkritik und Abschied aus Muslimbruderschaft

Der Kanadier mit der syrischen Abstammung, der eine Zeit lang ein Mitglied der Muslimbruderschaft war, erklärte in seinem Interview darüber: „Die Parteianhänglichkeit, die ich in meiner Jugend zur Muslimbruderschaft hegte, war eine Phase, die vergangen ist und nicht mehr existiert. Seit Jahren bin ich zum Verstand und zur Kritik eigener Gedanken konvertiert”. Er verwies auf das Buch Selbstkritik, in dem er die Bewegung der Muslimbruderschaft analysiert und veröffentlicht hatte, und sagte weiter: „Heute besitze ich einen kritischen Verstand. Das passt natürlich nicht dem „Ikhwani“ [Muslimbruderschaft] Geschmack; deswegen wurde mein Buch von der Muslimbruderschaft scharf kritisiert“.

Die Islamische Herrschaft und Außeneinmischung

Jalabi sagte Al-Arabiya weiter: „Mag sein, dass ich das Veto Recht im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen als die Teilhaberschaft zur  Macht Gottes bezeichne, distanziere mich trotzdem zu Al-Qaidas Weltanschauung und bin der Meinung, dass die islamische Gottesherrschaft auf Erden überhaupt nicht machbar und akzeptabel ist. Denn es sind Menschen, die auf die Idee kommen, sich als Gottesgesandte und Vertreter zu ernennen und in seinem Namen herrschen wollen, und durch solche abergläubigen und phantasievollen Gedanken bringen sie über die Menschen nichts anderes als Verderben, Rückständigkeit und Tyrannei“.

Er sagte über die Wahrscheinlichkeit der Machtergreifung der „Islamisten“ in Syrien: „Die Syrier müssen wach sein und auf der Hut sein und sich nicht hinters Licht führen lassen. Die islamische Herrschaft würde anstatt von Gott von Menschen geführt, die ihre Vorteile suchen und würden die Diktatur diesmal auf eine andere Art wiederherstellen“.

Jalabi betonte: „Ich schlage eine demokratische Herrschaft, in der das Volk über das Volk durch die Trennung der Religion vom Staat herrscht. Die Machtergreifung der Umayyaden, die unter dem Namen Kalifat und islamischer Herrschaft gegründet wurde, ist ein klares Beispiel dafür, dass das Erlebte noch einmal erleben, fatal und falsch ist, und wir müssen aus der Geschichte lernen“.

Er sagte weiter: „Mag sein, dass das syrische Volk seit 40 Jahren nichts anderes außer Tyrannei, Unterdrückung, Unterwerfung und Alleinherrschaft, anstatt richtige Politikbetreibung und gesellschaftliche Ordnung gesehen hat, aber wenn es dazu kommt, dass das Volk wirklich zwischen der Tyrannei Assads und der Einmischung der westlichen Welt wählen muss, dann gibt es keine andere Wahl als die Zweite Variante zu wählen. Die Inlandstyrannei ist gefährlicher als die Außenpolitik (Kolonialismus). Man kann besser gegen die Einmischung und Aggression der Außenwelt kämpfen, als gegen ein Mafia Regime mit tausenden seiner Herrschaftsfamilien, in der die eine blutvergießender als die andere ist“.

Quelle

About these ads

4 Gedanken zu „Ex-Muslimbruder: Keine Herrschaft im Namen Gottes

  1. Danke an Euch beide Fartâb und Ardašir wegen dieses sehr guten Artikels .Ich hoffe , dass mehr zwangsislamisierte Menschen sich nicht nur vom Allahs Staat ,sondern auch vom barbarisch und verbrecherischen Islam abwenden .

    • Gern geschehen, wie immer. Mein Kollege möchte diesmal Syrien unter die Lupe nehmen, und das war schon ein Anfang. Wenn ich über solche Denker in der arabischen Welt erfahre, die sich vom Islam verabschiedet haben und ihre Zahl jeden Tag zunimmt, fühle ich mich gut und bekomme mehr und mehr die Hoffnung, dass diese Länder sich doch eines Tages befreien können.

      Nur in den Nachrichten habe ich gelesen, dass die Muslimbrüder in Syrien offiziell die türkische Regierung darum gebeten haben, sie solle gegen das Assads Regime militärisch vorgehen. Sie wissen bestimmt, dass vielleicht die Mehrheit der Syrier keine Anhänger der Islamisten sind oder überhaupt eine islamische Macht haben wollen, daher bitten sie schon “ein muslimisches Land” sie eher zu zerbomben, damit sie schneller alles erledigt haben.

  2. Danke für diesen Artikel auch von mir! Leider wird solch mutigen Menschen, die in demokratischen Ländern selbst zu Demokraten geworden sind, viel zu wenig zugehört. Im Gegenteil schlägt man ihre Warnungen als Miesmacherei und ‘Rassissmus’ in den Wind.

    Simple Logik und eigene Erfahrungen dürften das Meinungsdiktat aber langsam zerbröseln lassen…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s