Halal oder Haram?


Auseinandersetzungen zwischen den Salafiden und modernen jungen Menschen. Ein islamistischer Prediger sorgte für Unruhe und Verwirrung in einem Konzert eines berühmten ägyptischen Sängers.

Das unerlaubte Eintreten eines islamistischen ägyptischen Predigers in den Saal der Mansure [منصوره] Akademie, um das Konzert des berühmten und beliebten ägyptischen Sängers Hischam Abbas [هشام عباس] zu stoppen und für Verwirrung zu sorgen, hat für einen großen Eklat in den Kreisen der ägyptischen Intellektuellen gesorgt.

Die Kunst und Musik sind für Ägypter so alt wie die Geschichte ihres Landes; das Tanzen und Singen haben schon seit der Zeit der Pharaonen sehr alte Wurzeln in der ägyptischen Gesellschaft geschlagen, sie gehören zu ihrem Leben. Auch nach dem Einmarsch des Islam in diesem alten zivilisierten Land, waren die Dichterei und das Singen sehr beliebt und genossen große Bedeutung.

Immer, wenn die Rede über den orientalischen oder arabischen Tanz ist, denkt man sofort und automatisch an ägyptische Künstler. Ägypten wird in der arabischen Welt als Symbol und Vorbild für Musik und Lieder betrachtet und anerkannt. Dieses Land hat große Musiker wie Mohammed Abdel Wahab [محمد عبدالوهاب], Riad Sanbati [ریاض سنباطی] und gigantische Sängerinnen und Sänger wie Umm Kulthum [ام کلثوم], Abdel Halim Hafez [عبدالحلیم حافظ] und Farid al-Atrash [فرید الاطرش] der arabischen Welt geschenkt.

Heute aber, mit dem Zuwachs des Islamismus von der Sorte der politischen Salafiden, haben sich die Prediger der Salafiden entschieden die Situation in den Griff zu bekommen; sie versuchen mit der Beharrung darauf, dass die Musik Haram (Sünde) ist, den Glauben der jungen Menschen Kunst und Musik gegenüber in Frage zu stellen.

Hazem Schouman [حازم شومان] ist ein fundamentalistischer Prediger, der am vergangenen Dienstag, den 15.11.2011, ohne dass jemand ihn eingeladen hätte, in den Saal während des Konzerts platzte und anfing  hysterisch und laut zu protestieren, nachdem er junge ägyptischen Männer und Frauen zusammen tanzen und singen sah. Anfangs versuchte er mittendrin durch seine Predigt das Weiterlaufen des Konzerts zu verhindern, er stieß aber auf heftige Gegenreaktionen der Anwesenden, trotzdem machte er solange weiter, bis das Konzert endgültig unterbrochen wurde.

Dieser Prediger hat in einem telefonischen Interview in einer ägyptischen Fernsehsendung, die die Situation nach der Revolution analysiert behauptet, er wäre lediglich nur ins Konzert gegangen, um die jungen Frauen und Männer zu ermahnen und ihnen raten, sich sittlich zu benehmen, er wollte aber nicht das Konzert beenden.

Er sagte weiter: „Das Tanzen der Mädchen mit Jungen gehört zu den Sünden und verwerflichen Taten (monkarât) [منکرات], ich war schockiert, als ich die Mädchen in diesem Saal Tanzen und Singen sah, daraufhin habe ich beschlossen sie zu ermahnen und zu Sittlichkeit aufzurufen“. Nach diesem Vorfall sagte Khaled Sa’id [خالد سعید], der Sprecher der „Salafiden Front“, während er die Tat des Predigers gegenüber dem Sänger und der Musiker anerkannte: „Das, was Hazem Schouman getan hat, ist eine Einzelaktion, die aber als ein guter Dienst bezeichnet werden soll; seine Aktion ist nicht unbedingt die Sicht anderer Islamisten, trotzdem hat er glücklicherweise und mit äußerster Höflichkeit seine Pflicht erfüllt“.

Khaled Sa’id sagte weiter: „In diesem Konzert wurde eine Art der Sünde beobachtet, denn der Verkehr und die Mischung von Mädchen und Jungen werden sie erregen, und so etwas ist für uns unakzeptabel“.

Andererseits missbilligte Dr. Salim Al-Awa [سلیم العوا], einer der islamistischen ägyptischen Intellektuellen (!) das unerlaubte Reinplatzen in den Saal während des Hischam Abbas Konzerts und sagte: „Solche Einzelaktionen sind unakzeptabel und vertreten keine religiösen oder politischen Meinungen in Ägypten“. Er sagte weiter, dass als erlaubt (Halal) oder verboten (Haram) bezeichnen von Musik ist immer noch zwischen den Gelehrten der Fiqh (islamische Rechtswissenschaft) [فقه] umstritten und es gibt noch keine eindeutige Fatwa (islamisches Gutachten) [فتوى].

Dieser gemäßigte (!) Islamist betonte, im Qurán und der Sunna [سنة] (Sitten und Brüche) sei die Musik nicht eindeutig verboten, aber im Sinne der Verderbtheit und Unzüchtigkeit [hier das zusammen Tanzen von Mädchen und Jungen] ist absolut und klar verboten. Er wies auf das Singen von Anqasche [انقشه], der der Karawanenführer von Mohammed war und nennt das als ein Beispiel, dass die Musik doch erlaubt ist.

Fazit von Pârse & Pârse:

Man sieht doch, dass am Ende die Aktion des Predigers durch einen „gemäßigten“ Islamisten anerkannt und für richtig erklärt wurde, ohne dass man zunächst bemerkt, dass er  doch die ganze Aktion als richtig ansieht. Dass die gemäßigten Islamisten in Wirklichkeit dieselben Inhalte und Moralvorstellungen vertreten wie der Rest der Islamisten, wird durch diesen Sachverhalt wohl mehr als deutlich.

Quelle

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