Woher stammt das Wort?

Dies ist eine häufig gestellte Frage, wenn ein Wort nicht bekannt ist. Viele machen sich dann sofort im Internet auf die Suche nach der Bedeutung des Wortes.

Seit einiger Zeit stoße ich bei meinen Recherchen nach guten Artikeln im Internet immer wieder auf etymologisch falsche Angaben zu Wörtern. Die iranischen Sprachen sind sehr mächtige Sprachen und als solche müssen sie sich dennoch behaupten. Das Wort Taifun ist beispielsweise ein persisches Lehnwort [arab.: Altifun]. Dieses Wort ist aus dem Persischen ins Arabische gegangen [Almonajjad Wörterbuch]. Das Wort Taifun wird aber auf den Wikipedia-Seiten als ein griechisches Fremdwort ausgegeben, dessen Wurzel gleich dem griechischen Gott „Thyphonos“ ist. Es wird statuiert, dass es den Eingang in die arabischen und persischen Sprachen gefunden hat [1]. Es mag im Wesentlichen stimmen, dass das Wort mit dem griechischen Gott etwas gemein hat, aber die These der Entlehnung in andere Sprachen ist falsch.

Im Persischen gibt das Wort Taifun nicht, sondern das Wort “Tufân”, welches seinen Ursprung im Verb tufidan (lärmen; erschüttet werden; donnern; poltern) [Dehxodâ Wörterbuch] hat, das wiederum aus dem Nomen tuf (Donner; Gebrüll; Lärm aus dem Innern eines Berges) und dem Infinitivsuffix idan zusammengesetzt ist. Auch das Wort Tufân hat die Wurzel tuf (tuf + Attributsuffix ân [i.e.S: „alles, was mit tuf zutun hat“]). Es ist also falsch, die Wurzel des Tufân im Thyphonos zu suchen. Der Unwissende, der gerne sein Leben mit Wikipedia-Wissen bereichert, kommt aber leider nicht auf die Idee, nach weiteren Informationen zu suchen.

Leider Gottes gibt es zuhauf ähnliche Beispiele und sie werden von Tag zu Tag mehr. Besonders im Zeitalter des Internets meint jeder, der Teilwissen angesammelt hat, diese sofort mit anderen teilen zu müssen, um in einer virtuellen Welt den Unwissenden gegenüber zu prahlen. Eine gute Plattform hierfür sind die Wikipedia-Seiten und Ihresgleichen. Daher habe ich mir zur Aufgabe gemacht, im deutschen Sprachraum falsche Erläuterungen, egal ob aus Unwissenheit oder Bosheit, zu korrigieren und auf dem Pârse & Pârse Blog gut recherchierte Auslegungen zu veröffentlichen.

Die persische Sprache ist das Vermächtnis der medischen, sogdischen, chusischen, avestischen, dravidischen Sprachen und des Pahlavi. Aus diesem Grund ist die Persische Sprache reich und mächtig, bei weitem mehr als die Sprachen der Nachbarschaften. Viele Wörter aus dem Persischen wurden in anderen Kulturen und Sprachen übernommen; auch in europäischen Sprachen darunter auch in die slawischen Sprachen.

Darüber hinaus erklären so einige Sprachwissenschaftler der westlichen Welt – aus Mangel an genügendem Wissen über orientalische Sprachen- viele Fremdwörter in ihrer Sprache als lateinische, griechische, arabische ja sogar germanische Lehnwörter, ohne grundlegende Analysen und Recherchen über die Herkunft der Wörter anzustellen. Hier sind einige, weitere Beispiele aufgeführt:

Algebra: Das Wort Algebra wurde fälschlicherweise als ein arabisches Wort dargestellt. Richtig ist jedoch, dass es einen persischen Ursprung hat. Im Zuge der Islamisierung der Araber vor 14 Jahrhunderten wurden die antiken Perser kâfer (arab.: „Ungläubig“; „Heiden“; „Ketzer“) genannt, weil sie eine andere Religion als die Araber hatten. Die Perser übernahmen das Wort kâfer; aufgrund der Aussprache änderte sich das Wort kâfer zu gabr. Als gabr ging das Wort wieder in die arabische Sprache zurück. Die Araber wiederum übernahmen das Wort gabr und änderten es aufgrund ihrer Aussprache zu jabr. Fortan nannten sie alles Wissen, die die Perser in allen Bereichen der Wissenschaft gesammelt hatten, als Aljabr [Al ist der arab. Artikel und jabr], was soviel wie „das Wissen der Heiden“ bedeutet. Also ist die Aussage, dass „al-gabr (von arab.: „das Ergänzen“/„das Einrichten“)“ [2] stammt, falsch.

Alkohol: Das Wort Alkohol hat seine Wurzeln im persischen Wort gol („Blume“). Im arabischen Alphabet ist der Buchstabe g nicht vorhanden, daher wird dieser Buchstabe mit k ausgetauscht. Das Wort Alkohol ist eine Zusammensetzung aus dem Präfix des arabischen Artikels al und Suffix kohol. Warum nun wird das Ursprungswort gol bei den Arabern für etwas anderes als Blumen verwendet? Es ist ein alter Brauch, dass im Iran durch das Verfahren der Destillation die Essenz mancher Blumen extrahiert wird. Dieses Verfahren heißt im Allgemeinen golâbgiri („Rosenwasser destillieren“). Dieses Verfahren wurde dann von denn Arabern schlicht und einfach alkohol genannt, und der große iranische Chemiker Zakariyâ Râzi lässt grüßen.

Kuchen: (engl.: cake; arab.: ka’ak) Dieses Wort hat seine Wurzeln im persischen Wort kâk. Kâk ist eine Brotsorte im Iran, die gesüßt gebacken wird. Das Wort kâk hat -so zu sagen- eine Runde gemacht, in dem es in die arabische und dann in die englische Sprache einging, und das englische Wort wieder in die persische Sprache aufgenommen wurde.

Magazin: Das Wort Magazin, welches im europäischen Raum als ein Begriff für Lager, oder Speicher- und Vorratsraum verwendet wird, hat seine Wurzeln in der persischen Sprache und ist aus dem Wort ganjine (Buchmagazin; Speicher; Magazin; Schatz) entstanden. Das Wort ganjine wurde in der arabischen Sprache in xazine umgeändert. Aus diesem Wort wurde dann das Nomen maxzan gebildet, was in der arabischen Sprache soviel bedeutet wie „Raum zur Aufbewahrung“. Anschließend übernahm der Europäer das Wort aus dem Arabischen. Noch heute steht in einigen Wörterbüchern, dass das Wort aus dem Arabischen sei!

Admiral: Dieses Wort stammt von den persischen Wörtern amir âb („Herr des Wassers“) ab. Es wurde im Arabischen dann zu amirolbahr. Im Englischen wird admiral benutzt und im Französischen amiral. Erstaunlich ist, dass die Schreibweise unverändert übernommen wurde, aber die Herkunft des Wortes dem Arabischen zugeschrieben wird.

Gurke: Im Englischen verwendet man das Wort cucumber, das aus dem Persischen xiyâr canbar [xiyâr cambar ausgesprochen] entlehnt ist. In der arabischen Sprache verwendet man unverändert das Wort xiyâr.

Commander: Die Herkunft des Wortes Commander wird in den englischen und deutschen Wörterbüchern als lateinisch bezeichnet. Es soll aus dem Wort „Commendator“ entstanden sein. Die Wurzel des Wortes ist aber aus dem persischen Wort kamândâr („Bogenschütze“) entlehnt.

Paşa [Pascha]: Dieses türkische Wort hat seinen Ursprung im persischen Wort pâdešâh („Kaiser“; „König der Könige“). Interessanterweise wird im Türkeitürkischen das Wort pâdešâh [tr.: padişah] auch verwendet.

Beispiele sind zuhauf und in diesem kurzen Text können all diese Beispiele nicht genannt werden. Wichtig ist die Kenntnis, dass in vielen Wörterbüchern diverse entlehnte Wörter meistens als arabischen Ursprungs vermerkt sind, obwohl sie in Etymologien der arabischen Sprache selbst nie arabisch bezeichnet werden!

Die beide Sprachen Persisch und Arabisch haben einander sehr viele Wörter geschenkt. So sind z.B. fast alle Begriffe und Ausdrücke der islamischen Rechtslehre [feqh] aus dem Arabischen direkt übernommen worden. Umgekehrt sind unzählige Wörter, entweder in ihrer Ursprungsform oder verändert, aus dem Persischen ins Arabische eingeflossen, um eine Grundlage für Grammatik, Verben und Normen zu werden, denn die Iraner hatten ja schließlich die arabische Grammatik geschrieben!

Die iranischen Literatur- und Sprachwissenschaftler haben zurzeit nach den arabischen Eroberungszügen mit viel Fingerspitzengefühl und Erfindungsgeist mit persischem Vokabular neue Wörter für das Arabische erschaffen. Sie gaben der arabischen Sprache eine neue Morphologie und neuen Syntax, und halfen dabei die arabische Literatur zu bereichern.

Nach Einschätzung einiger arabischer und iranischer Sprachwissenschaftler sind ca. 5.000 persische Wörter in der arabischen Sprache zu finden. Der Sprachwissenschaftler Javâliqi [3] notierte in seinem wertvollen Werk Almo’arrab men alkalâm-e-a’jami 838 Wörter. Im Wörterbuch Almonajjad sind 321 persische Wörter aufgelistet. Hier unter der Erklärung für [المعجم العربي] finden Sie alle Verfasser der arabischen Grammatik, die alle persische Namen haben und einer sogar aus Armenien kam! Der Erzbischof Addi Šir [4] erläuterte in seinem Buch Alalfâz alfâresiye almo’arraba den Ursprung von 1.074 Wörtern. Zuletzt sei das Buch Mo’jam ol mo’arrabât al fâresiye erwähnt, welches 2.000 Wörter im Arabischen entdeckte, welche persischen Ursprungs sind. Es ist das Werk des iranischen Sprachwissenschaftlers Mohammad Tunji und dem arabischen Etymologen As-sabâ’i Mohammad As-sabâ’i.

Fremdwörter können auf zwei Arten in Sprachen Eingang finden, auf mündliche und auf schriftliche Art. Da es im Arabischen und Persischen, trotz des ähnlichen (arabischen) Alphabets, unterschiedliche Buchstaben gibt, wurden Buchstaben unterschiedlich wiedergegeben. Solche Buchstaben sind beispielsweise p, ž [j] (französisch gesprochen), g, c [tsch]. Diese Schriftzeichen wurden im Arabischen entweder ausgelassen oder durch andere Buchstaben, die ähnlich in der Aussprache waren, ersetzt.

Obwohl in der arabischen Sprache der Buchstabe k vorhanden ist, wurde bei einigen persischen Lehnwörtern der Buchstabe ausgelassen. Aus diesem Grund werden diese Buchstaben (p, ž, g, c, k) die Fünferbuchstaben genannt, die zweifellos in der arabischen Sprache nicht oder nur verändert vorzufinden sind.

Beispiele:

Wie bereits erwähnt, gibt es sehr viele Beispiele und es ist nicht möglich alle 5.000 Wörter hier zu nennen. Ich will mit dieser kurzen Erläuterung nur die Suchenden und Liebhaber fremder Sprachen darauf aufmerksam machen, dass sie sich nicht mit einer oder zwei Quellen begnügen dürfen und auf der Suche nach anderen Quellen sein müssen. Auch sollte man sich nicht 100% auf Webseiten verlassen, auf die jeder Zugriff hat und wo bewusst oder unbewusst Falsches erläutert wird.

Anmerkung:

[1] Taifun bei Wikipedia (Stand: 14.02.2012)
[2] vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Algebra#Wortgeschichte (Stand: 14.02.2012)
[3] Javâliqi: * 1076 – † 1147 n. Chr., einer der ersten iranischen Sprachwissenschaftler in persisch und arabischer Sprache.
[4] Addi Šir: Der Erzbischof der Assyrer, der im Jahre 1915 während des ersten Weltkriegs durch osmanische Soldaten getötet wurde.

Quellenhinweise:
Dehxodâ Wörterbuch
Pârsimân Wörterbuch

Für weitere Informationen zur Übernahme arabischer Wörter in die persische Sprache lesen Sie bitte den Artikel: Die Anpassung arabischer Wörter in der persischen Sprache

27 Gedanken zu „Woher stammt das Wort?

  1. Wird altpersisch noch gesprochen oder ist es eine eher tote Sprache wie hier im Westen “Latein”, die letztlich lediglich als Fundgrube für Wortstämme genutzt werden kann? Latein ist ja Etwas für Linguisten und Sprachwissenschaftler., Apotheker, Ärzte oder Kirchenleute.

    2 oder mehr Fragen:
    1. Welche Sprache wird heute im Iran gesprochen? Ist die Sprache in Dialekte aufgeteilt? Ist da auch eine neusprachliche persische Sprache dabei?
    2. Die kath. Kirche (und ich nehme auch an die orthodoxe Kirche in ihrer jeweiligen Sprachgeschichtlichkeit) hier oder besser gesagt, in Rom, interessiert sich ja schon für die Lateinische Sprache, also für Altsprachliches und verfasst auch noch Dokumente in dieser Sprache. Gibt es Analogien auch in den Religionsstuben des Islam? Oder konzentrieren die Jungs sich nur auf den altarabischen Koran und für nichts anderes? Gibt es da feste Institutionen, die sich mit der Altsprachlichkeit sozusagen hauptamtlich beschäftigen?

    • Werter Bazillus,

      Die altpersische Sprache ist nicht tot, nur sie lebt in Mittelpersisch und die mittelpersische Sprache ist die Pahlavi Sprache, die vor 1400 noch in Iran gesprochen wurde. Die altpersische Sprache ist von achämenidischen Epoche und später nannte man dies avestische Sprache, also, die Sprache, durch die das Buche Avesta verfasst wurde, und es gibt kleine Unterschiede zwischen achämenidischen und avestischen; nur die avestische Sprache war üblich bei den religiösen Texten, die die Mubads auswendig lernten und es wurde zur keiner Zeit außer bei der religiösen Kaste gesprochen und geschrieben. Das Mittelpersisch war so zu sagen die neue Form, die im Laufe der Zeit sich veränderte, wie das Deutsch vor 500 Jahren bis heute zu Vergleich. In der Sassaniden Epoche gab es 7 verschiedene Arten der Sprache, die eine war die Hofsprache, die andere Handelssprache, dann die religiösen und auch Rechts und so weiter.

      Hier findest Du ausführlicher darüber: http://parseundparse.wordpress.com/2011/10/24/geschichte-der-sprache-parsi/

      Die avestische Sprache und die Texte in Avesta helfen uns bei der Wortschöpfung gegenüber der fremden Wörter in der persischen Sprache. Auch die verschiedenen Dialekten und Sprachen, die als Iranischen Sprachen bekannt sind, helfen uns bei der Wortschöpfung.

      Die Sprache, die heute in Iran gesprochen wird, ist eine Mischung aus arabischen, türkischen und zum größten Teil neupersischen Sprache. Daher die Bemühung anderer iranischen Linguisten und meiner Wenigkeit hier, um die Verbreitung der persischen Sprache ohne die Fremdwörter, und diese Sprache ist dann Pârsi zu nennen. Für mehr Info. lese bitte hier: http://parseundparse.wordpress.com/2011/10/16/wohin-gehen-wir/

      Und wie es mit den arabischen und türkischen Wörtern in der persischen Sprache ist, auch hier: http://parseundparse.wordpress.com/2011/09/24/die-anpassung-arabischer-worter-in-der-persischen-sprache/

      Ja, die persische Sprache, die heute gesprochen wird, ist auch in jeder Provinz anders zu sprechen, wie hier in Deutschland, wo man in Bayern Bayrisch spricht und in Hessen anders, aber alle sprechen im Enddefekt Deutsch und es wird ein einheitliches Deutsch in den Schulen beigebracht, damit alle sich mit einer Sprache verstehen und kommunizieren.

      Zu der zweiten Frage: Es gibt in der arabischen Sprache kein Altarabisch oder Neuarabisch. In allen arabischen Ländern wird ohne Ausnahme die arabische Sprache gesprochen nur z. B. in Ägypten, Algerien und Libanon mit einigen Buchstaben Unterschieden. Beispiele: Der Begriff Mond ist in Arabisch Al-qamar [القمر], was in Ägyptisch genauso geschrieben wird, aber ausgesprochen wird es Al-Amar sein, denn die Ägypter haben kein Q [ق], oder in Arabisch heißt Tyrann Al-jabbâr [الجبار], und in Ägyptisch wird zwar das wort auch Al-jabbâr geschrieben, aber ausgesprochen ist Al-gabbâr, denn die Ägypter haben kein J [ج] sondern G [گ], aber der Buchstabe [گ] wird nie geschrieben. In Libanon wird der Begriff “schön” žamil [جمیل] ausgesprochen, obwohl in Arabisch “schön” jamil [جمیل] mit J [ج] wie die Aussprache von Giordano ist.

      Es gibt keine Institutionen, die sich mit der Sprache in der Form beschäftigen, weil es keinen Bedarf gibt! Die Araber importieren die fremde Wörter einfach so und es wird nur in der arabischen Form geschrieben und ausgesprochen wie das Wort “Video”, in Arabisch Al-Fideo [الفیدئو]. Sie bemühen sich nicht um die Wortschöpfung!

      Ich hoffe, dass Du Deine Antworten bekommen hast und ich freu mich Deine weitere Fragen zu beantworten, auch wenn ich aufgrund meiner Sprachkenntischen in Arabisch, vielleicht wieder als Araberin abgestempelt werde!!! :lol:

  2. Ein wunderbarer Artikel! Sogar in meinem sinnlosen Orientalistikstudium damals meinten die arabophilen Dozenten, dass sehr viele Wörter aus dem Altpersischen ins Arabische eingefunden haben und heute als “arabischer Wörter in der persischen Sprache” angesehen werden, was aber so nicht stimme. Na immerhin bekamen sie das über die Lippen. Danke für den Artikel.

    • Gern geschehen mein Schatz. Ich arbeite leidenschaftlich und mit großer Liebe zur Pârsi Sprache und wenn ich mal Zeit finde, werde ich über die persische Wörter in der slawischen Sprache schreiben, dann haben wir auch in den japanischen, chinesischen und russischen Sprachen Wörter. Bei Gelegenheit ;)

      • Das wäre total toll, Fartâbam. Sag’ mal, gibt es wirklich eine Art “Verwandtschaft” oder “Verbindung” zwischen Iranern und Iren? Ich habe einmal von einer Theorie gehört, in der genau das gesagt worden ist. Dass Iraner (Kermanis) nach Irland gewandert sind und dort auch die Kultur und die irische Mythologie beeinflusst haben. Falls du darüber etwas weißt, … Ist das vielleicht eine Idee für einen Artikel. Aber bitte setz’ dich nicht unter Druck. Danke für eure Arbeit.

        • Meine Liebe, ich muss mich da schlau machen, aber vorab sage ich Dir, dass die Wurzel von Germanen schon auch mit Kermân zu tun hat und der Stamm Gaulle in Frankreich sollen auch aus Gilân kommen, denn sie beide haben sehr große Ähnlichkeiten in den Gebräuchen und Tradition! Die Franzosen essen heute noch wie unsere Gilân-Provinzler grüne Knoblauch mit Brot!

          Es gibt so viel zu berichten, dass ich ein paar wie mich wünsche, die es auch in die Hand nehmen ;)

        • Hallo Sherry,
          Ich bin seit längerem an solchen Theorien dran sie aufzuklären. Leider gibt diesbezüglich nur Theorien, welche sehr umstritten sind.

          1. Sprachlich sind irisch, wie auch Bretonisch, Walisisch wie auch andere keltische Sprachen mit dem Pârsi verwandt, da sie alle indogermanischer Herkunft sind.

          2. Es gibt wie schon erwähnt viele Theorien über die so genannte Völkerwanderung. Eine Theorie besagt, dass sich Skythen und die darauffolgenden Sarmaten (beides nordost-iranische Reitervölker) in der heutigen Ukraine angesiedelt haben, worauf sich später im Laufe der Jahre die slawische Kultur gebildet hat. Die Sarmaten wie auch die Skythen eroberten fast ganz Osteuropa und verbreiteten sich bis nach Westeuropa. Sie hatten eine gefürchtete Kavallerie und für die damalige Zeit sehr futuristische Rüstungen. Griechische Quellen bezeichnen sie als sehr kriegerisch und tapfer. Ihr Hauptmerkmal, was zur damaligen Zeit sehr einzel artig war, waren ihre 3m langen Lanzen.

          So nebenbei: Die Legende König Arthur und die 12 Tafelritter könnte ihren Ursprung in der sarmatischen Kultur haben. Lancelot, der beste Freund Arthurs hat seinen Namen womöglich durch die für sarmatische Krieger übliche Lanze bekommen.

          Später haben sich die Sarmaten durch die römische Invasion überall verteilt.
          Die Sarmaten sollen vor den Hunnen im 6/7 Jh. nach Frankreich, Deutschland und Großbritannien geflüchtet sein. Einige Sarmaten mussten ausserdem für die Römer im damaligen besetzten Gebiet Britannia Romana gegen die Sachsen kämpfen und den Hadrianwall beschützen. Nach dem Zerfall des römischen Reiches entstand im dortigen Gebiet eine Mischkultur zwischen Sarmaten, Pikten, Kelten und Anglo-Sachsen.

          Eigentlich ist die Theorie ja viel komplizierter. Ich habe sie hier nur verständlich und kurz zusammengefasst.

          Liebe Grüsse
          Pedram

  3. Werte Fartab Parse,
    ist doch toll und wunderbar, wenn jemand eine orientalsprachliche Koryphäe ist und sprachhistorisch fundierte Kenntnisse hat. Das kann doch unser aller Horizent erhellen. Danke dafür.

    Es kann doch wohl nicht sein, dass “Araberin” bei Ihnen als eine Art Schimpfwort benutzt werden kann. Ob Araberin, Iranerin, Deutsche, Polin, Senegalesin oder andere ist doch kein “Abstempeln”. Wer das Aussprechen der bloßen Nationalität jedoch als Schimpfwort oder in irgendeiner Weise negativ besetzt, beleidigend oder herabsetzend gebraucht, kann ja wohl nicht alle Tassen im Schrank haben. Über das trostlose Niveau braucht man dann wirklich kein Wort mehr zu verlieren.

    Im Übrigen haben Frauen, so glaube ich, weil sie doch mehr kommunikative Wesen sind, von Alters her ein besseres Sprachvermögen, Sprachempfinden und können so leichter verschiedene Sprachen lernen. Vielleicht ist dies ein positives Vorurteil, aber mein Bauchgefühl, und das ist sehr umfangreich, sagt mir solches.

    Da schließt sich dann auch gleich eine Frage an: Dann dürften doch die ältesten Abschriften des Koran gleich der heutigen arabischen Sprache leicht übersetzbar sein, wenn es keine Unterscheidung von alt- und neuarabisch gibt.
    Wie verhält es sich dann überhaupt mit den gängigen Übersetzungen des Koran, insbesondere der ausgrenzenden und gewalttätigen Stellen. Sind die dann auch richtig übersetzt? Ist die Bedeutung des Strafens oder des Schlagens von Frauen im Arabischen gleich drastisch zu verstehen oder aber sind die westlichen Übersetzungen irgendwie geschönt oder umgekehrt? Zur Sprache gehört ja auch ein Bewusstsein. Dieses Bewusstsein drückt sich ja auch in der jeweiligen Sprache aus. Wenn von “Strafen” die Rede ist, ist da vom Verständnis her von leichtem Strafen oder leichtem Schlagen auszugehen. Oder bei den Tötungsversen: Sie sie in der arabischen Sprache noch schärfer oder schwächer zu verstehen? Oder das Beispiel: “Juden und christen sind die schlechtesten oder abscheulichsten (zwei Übersetzungsversionen) Geschöpfe”. Sind solche Stellen auch so brutal gemeint oder sind sie nur eher sinnbildlich gemeint und möglicherweise falsch übersetzt, so wie viel Muslime ja behaupten.

    Ich kann mich da schlecht ausdrücken und hoffe, die Intention meiner Fragen ist rübergekommen?

    • Danke Werter Bazillus, dessen Kommentare wirklich Goldwert sind und es macht wie immer unheimlich Spaß diese zu beantworten.

      Mit dem Begriff “Araberin” wollte ich lediglich zeigen, wie beschränkt man sein kann, um eine Nationalität als Schimpfwort zu bezeichnen und wenn man keine richtige Argumente bringen kann, fängt man mit solchen Ausdrücken. Je mehr ich Sprachen kenne, desto unabhängiger bin ich bei meinen Recherchen und Weiterbildungen!

      Und zur Übersetzung des Korans hast Du mein Freund 100% Recht, weil in den westlichen Übersetzungen wurde einfach gepfuscht! Wenn nun im Koran steht: Tötet die Ungläubigen: [قتل الكفار] Qatal-olkoffâr, wurde es in “Bekämpfe die Ungläubigen” übersetzt! Denn das Verb “bekämpfen” ist in Arabisch auch Qetâl [قتال]!

      Du siehst, wie der Koran auch falsch übersetzt wurde, um daraus ein friedliches Buch zu machen. Und heute gibt es iranischen Sprachwissenschaftler, die die arabischen Sprache studiert haben und sogar Jahre lang in arabischem Raum gelebt haben und später den Koran ins Persische übersetzten oder in genau unter die Lupe genommen haben. Die Übersetzung des Koran ins Persische ist viel älter als die Sprachen der westlichen Welt, daher auch genau Buchstabengetreu übersetzt.

  4. Hallo allerseits, ein sehr wunderschöner Aufsatz.
    Merci.
    Apropos , der werte Bazillus schreibt, ” …Tassen im Schrank” LOL
    Etymologisch gesehen hat das Wort “Tasse ” seinen Ursprung wiederum in der persichen Sprache und heisst denn dort , soviel ich weiss , tašt ” Becken, Schale ” .

  5. Werte Fartab Parse,
    danke für die Mühe, so ausführlich meine Fragen zu beantworten. Die letzte Antwort über die Koranübersetzung habe ich so erwartet, wusste es allerdings nicht konkret.
    Dann kann ich nur sagen: “Hoch die Tasse! Ein Hoch auf den persischen Wortstamm!”. Wieder was dazugelernt.

    • Ja, werter Bazillus, es sind sehr viele deutsche Wörter, die ihre gemeinsame Wurzel mit persischer in sanskritischer Sprache haben. Aber, wie ich schon Sherry geschrieben habe, werde ich bei Gelegenheit darüber schreibt!

      Und ein Hoch auch auf Dich mein werter Freund.

  6. Danke, sehr interessant Fartabjan.
    Ich habe mich immer schon gefragt, ob das deutsche Wort “ist” aus dem Persischen “ast” abstammt. Vielleicht weißt du das?

    • Mein Seelenverwandter, gern geschehen und ja, die beide Wörter stammen aus der selben Wurzel: Sein:Astan; Hastan!

      Oder mal die Zahl 6: sechs: šeš auch in Polnisch hört sich das so an! Fünf:Panc; dann 8:acht: hašt! 9: neun: noh, 10: zehn: dah! Die Beispiele sind zuhauf! Schon die Familienverhältnisse:
      Vater: Pedar
      Mutter: Mâdar
      Bruder: Barâdar
      Schwester: Xâhar

      Ich werde mal darüber schreiben müssen. Aber, schön Dich zu lesen!

    • Wenn man in Iran die persische Fachliteratur immer mit ner Note 20 (die Note 1) bestanden hat, dann ist der Artikel in der Richtung auch das Ergebnis! Was ich weiß, teile ich gerne! Und falls irgendwelche Fragen bezüglich der Muttersprache aufkommen, stelle sie ruhig und du bekommst auch eine richtige Antwort! ;)

  7. Interessant.
    Aber wie alles darf man auch die Etymologie nicht überstrapazieren.
    Afaik leitet sich etwa die Bezeichnung Algebra ursprünglich vom Namen eines indischen Mathematikers ab (Aryabhata).
    So wie ja die Araber auch das griechische Megiste Syntaxis des Ptolemäus als al-Magest (Almagest) übersetzt haben.

    Und dass sich innerhalb einer großen Sprachfamilie, wie es das Indoeuropäische ist, zu dem ja das Persische gehört, viele Bezeichnungen ähneln ergibt sich zwangsläufig.
    Auch wenn das Persische, wie Hindi & Co, zu den sog. Satemsprachen gehören.

    • Richtig, mehr will ich hier nichts behaupten, sondern darauf beharren, dass nicht die Araber die Erbringer und Erschaffer vieler Dinge sind, sondern entweder die Inder, Perser und wie Sie schon erwähnt haben, die Wurzeln liegen in der Indogermanischen Sprache!

      • “sondern darauf beharren, dass nicht die Araber die Erbringer und Erschaffer vieler Dinge sind, sondern entweder die Inder, Perser…”

        D`accord.
        Die Arabische Sprache hatte damals ja etwa auch noch gar nicht das Vokabular um sich mit philosophischen und naturphilosophischen Themen zu befassen.
        Die Araber waren die Schüler der anderen!
        Lesetipp (aus europäischer Sicht): Aristoteles auf dem Mont Saint Michel

        • Exakt und sehr gut gesagt. Wissen Sie, die Araber hatten für das männliche Geschlecht ca. 400 Bezeichnungen, aber für philosophische Begriffe, wie man z. B. die Seele nennt und beschreibt, hatten sie kein einziges Wort.

  8. Na, also ich habe hier gelernt und insbesondere erkannt, dass ich ein sprachlich völlig Unwissender bin.

    Die Infos zum Artikel hier sind jedoch äußerst aufschlussreich, vor allem die letzte: 400 Bezeichnungen für das männliche Geschlecht. Aus der letzten Aussage der werten Blogbetreiberin wird völlig verständlich, dass der Koran nicht von Gott stammen kann, sondern von einem Menschen, der alle 400 Bezeichnungen für Kerle wohl auf sich vereint hat, ein entsprechend egomanische Bewusstsein erlangt und somit eine Religion plagiatiert hat, die dem damaligen Denk- und Sprachgefühl der arabischen Welt seiner Zeit voll entsprach. Dass bei diesem Grundlagendenken die Frau nur noch extremer ins Hintertreffen geraten musste, scheint dann ja sogar schon fast verständlich. Wenn der kleine Unterschied allein sprachlich völlig überbewertet so überproportional aufgewertet wird, kann die Denkweise, die ja mit dem Bewusstsein und der Erkenntnis einhergeht, nur den falschen Weg in Sachen Recht, Philosophie, Religion und Kultur einschlagen, welches dann auch direkte Auswirkungen im Alltagsleben haben dürfte.

    Dann darf ich aber zur Ehrenrettung der deutschen Sprache doch sagen, dass die Unterscheidung und Zuordnung von Artikeln der männlichen, weiblichen und sächlichen Art auch schon sprachlich eine gewisse Gleichwertigkeit der Geschlechter mit sich bringen könnte.

    Gibt es diese Artikelzuordnung auch im Persischen oder Arabischen?

    Ich habe im Deutschen noch nie verstanden, warum bestimmten Gegenständen enweder ein weiblicher, ein männlicher oder ein sächlicher Artikel vorangestellt wird. Wer kommt auf die Idee, den “Kamm” männlich zu denken, obwohl dieser Gegenstand doch eher bei Frauen beliebt ist sowie den “Apfel” obwohl Eva doch dieses Teil dem Adam gereicht hat und “Brille” weiblich zu denken, da diese Sehhilfe beiden Geschlechtern zuzuordnen ist. Aber vielleicht habe ich die Antwort im letzten Fall mir selbst gegeben. Denn die “Hilfe” ist ja auch weiblich gedacht so wie die “Seele”. Offensichtlich sind Frauen die besseren Menschen. Und wer kommt auf den Gedanken, das “Herz” zu versachlichen. Das ist wohl nur den Germanen oder was von denen noch übrig ist, zuzutrauen.

    Im Englischen ist es dann ja noch gleichwertiger, da das “the” letztlich sprachneutral ist.

    • Mein Freund, in der persischen Sprache haben wir keinen Artikel, jedoch aber zwei Demonstrativpronomen, durch die wir auf die Person oder Sache betonen. In der arabischen Sprache gibt es aber der Artikel für alle Geschlechter und auch neutral und die Deklination macht einem die Haare weiß, denn für alle Zeiten werden die Geschlechter anders dekliniert, etwas wie Französisch. Ahurâ Mazdâ ist zu Hälfte weiblich und zu Hälfte männlich (Ahurâ, weiblich) und (Mazdâ, männlich) und somit kann er ohne den anderen Teil nicht existieren.

      Und Deine Bemühung über die deutschen Artikel gefällt mir sehr. ;) Bestimmt ist da was dran. Erkundige Dich wegen der Artikel und lass uns mal wissen.

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