Persiens verschollene Armee

Kambyses II König der Welt, König der vier Himmelsrichtungen

Im September des Jahres 529 v. Chr. bestieg Kambyses II [کمبوجیه] (altpers. Kambujiya), der Sohn Kyros II [کوروش] (altpers. Kuroš), den persischen Thron. Vier Jahre später setzte er den bereits von seinem Vater entwickelten Plan um, die von Persien am weitesten entfernte aller Großmächte der damaligen Zeit anzugreifen: Das Reich der Pharaonen.

Ägypten, das einst unbesiegbare Königreich mit einer Jahrtausenden alten Kultur war bereits im Verfall begriffen, als Kambyses II seine Armee sicher über die Halbinsel Sinai führte, um der 26. Dynastie der Pharaonen ein Ende zu bereiten. Der Pharao Psammetich III war ebenso wie sein Vater in Ägypten unbeliebt gewesen, weil er Griechen und andere Ausländer gegenüber den Einheimischen bevorzugt hatte und Korruption allgegenwärtig war und so stand die Treue der ägyptischen Untertanen jener Zeit auf gläsernen Füßen. Bei Pelusien am Sinai gelang Kambyses II der entscheidende militärische Sieg. Herodot, der das Schlachtfeld ein dreiviertel Jahrhundert später besuchte, will die abgenagten Knochen der Toten noch immer dort liegen gesehen haben. Kambyses II zog weiter den Nil entlang und eroberte kurz darauf die Hauptstadt Memphis, er nahm den Pharao gefangen und marschierte mit seiner Armee triumphierend in Sais im Nildelta ein. Ägyptische Chronisten jener Zeit beschrieben Kambyses II als brutalen Berserker, dessen Truppen im Tempel eingefallen seien und diesen geschändet hätten. Udjahorresne, der Wächter vom Tempel Sais, Arzt, Hofkanzler und Oberkommandierender der ägyptischen Marine hinterließ der Nachwelt seine selbstgerechte Darstellung der historischen Ereignisse in Hieroglyphen auf einer Basaltstatue, die im Museum Gregoriano Egizio in Rom aufbewahrt wird.

Dort beklagt er das große Unglück das Ägypten mit der persischen Eroberung befallen habe, doch aus vielen Quellen wissen wir heute, dass er mit Kambyses II kollaboriert hatte und er die Herrschaft Kambyses II in Ägypten legitimiert hatte und verkünden liess, dass Kambyses II, wie alle rechtmäßigen Thronfolger Ägyptens, ein Sohn, des Mesuti Re, des ägyptischen Sonnengottes sei. In den Inschriften dieser Statue verschweigt er nicht, dass der neue Pharao ihn beförderte und mit Ehrungen überhäufte, dort schreibt er auch, dass Kambyses II alle Schäden, die seine Soldaten an diesem Heiligtum angerichtet hatten reparieren liess. Weiter schreibt er “Als Kambyses der große König und König aller Länder nach Ägypten kam, begleiteten ihn sehr viele Männer aus verschiedenen Ländern. Er wurde König über ganz Ägypten. [...] Anschließend ging der König zum Sais Tempel  und kniete nieder vor der Göttin Nit. [...] Er ernannte mich zum Großarzt, und ich gab auf Befehl des Königs den Priestern gute Felder, gab Kindern etwas zu essen, ich habe Weisenkinder und Bedürftige geholfen und auf Geheiß und Befehl des Königs befreite ich alle von ihren Sorgen”. Durch den Aufbau des neuen Verwaltungsapparates in Ägypten, indem neben der Verteilung der Last der Kosten für die Eroberung auch eine bessere Umverteilung der Finanzmittel vorgesehen war und der damit verbundenen Einschnitte in die Finanzen der ägyptischen Priesterschaft, kam es unweigerlich zum Bruch. Eine Papyrusrolle aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. erzählt uns, dass Kambyses II die Einnahmen der Tempel kürzte und Sparmaßnahmen auferlegte. Die Priester des Amun Tempels in Siwa am Rande der libyschen Wüste hatten deshalb in ihrem Unmut in einem Orakel zum Ausdruck gebracht, dass die Herrschaft des Großkönigs und neuen Pharaos in Frage gestellt sei und sie hatten den Niedergang Kambyses II prophezeit.

Strafaktion gegen die Amunpriester

Und dann im Jahre 523 v. Chr. soll Kambyses II, der 7. Regent von Persien, eine 50.000 Mann starke persische Armee in Richtung der Oase Siwa nahe der libyschen Wüste, zwischen der Qattara-Senke im Norden und dem Ägyptischen Sandmeer im Süden gesandt haben, berichtet uns Herodot der berühmte griechische Geschichtsschreiber. Vom oberägyptischen Theben aus war die Armee aufgebrochen, um die Priester des Amun-Tempels, die in einem Orakel die Herrschaft des Perserkönigs Kambyses II über Ägypten in Frage stellten, zu bestrafen. Doch bevor die Armee das Ziel erreicht hatte, wurde sie von einem Sandsturm überrascht und die gesamte Armee kam in diesem Sandsturm um. Das Orakel von Siwa war neben dem Orakel von Delphi (Apollo) und Dodona (Zeus) die bekannteste Orakelstätte der Antike und auch der Makedonier Alexander wird sie später besuchen. Seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. befand  sich das Orakel in einem erst in dieser Zeit gebauten Tempel, der dem altägyptischen Gott Amun geweiht war. Die Archäologen sind sich jedoch heute einig, dass Siwa bereits vor dem Bau dieses Amun-Tempels schon als Orakelort bekannt war.

Ausgrabungen in der Nähe der Oase Siwa

1996 stießen Arbeiter bei Ölbohrungen nun erstmals auf Skelette in der Nähe der Oase Siwa. 4 Jahre später begannen zwei italienische Archäologen, Angelo and Alfredo Castiglionis, ganz in der Nähe der Oase Siwa mit der Bergung der Überreste von Skeletten und mit Untersuchungen an den Knochen und den Bronzewaffen im Wüstensand und sie sind sich sicher: Das ist die im Sandsturm umgekommene Armee des Kambyses II, der vor zweieinhalbtausend Jahren die Amunpriester bestrafen wollte. Prof. Ali Barakat, der ägyptische Geologe der Universität Kairo, fand mit einem Metalldetektor zwischen tausenden von Knochen antike achämenidische Waffen, wie Pfeilspitzen und Dolche.

Unter Leitung von Dr. Mohamed El-Saghir vom Supreme Council of Antiquities in Kairo, wird mit Hilfe von DNA-Tests an den Knochenfunden recherchiert und mittels Satellitentechnik die Gegend nach der verlorenen Armee weiter durchforstet. El-Saghir ist sich sicher, dass die gesamte Armee unter dem Sand der Sahara liegt. Herodot schreibt, dass nachdem die Perser den Tempel Amun geplündert hatten, sie die Libyer angegriffen und versklavt hätten und der Sandsturm ihr Schicksal besiegelt habe, so soll es Herodot von den Bewohnern Siwas erfahren haben.

Herodot und die verschollene Armee

Die Zahl von 50.000 Mann scheint mehr als zweifelhaft und wir wissen von anderen Zahlenangaben Herodots, dass er zu maßlosen Übertreibungen neigte. Tatsache ist, das es keinen einzigen archäologischen Fund in und um Siwa herum gibt, der Rückschlüsse auf einen Angriff der Perser zulässt, auch die Tempelanlage blieb unversehrt, so dass man nach heutigem Kenntnisstand davon ausgehen muss, dass die persischen Truppen Siwa nie erreicht haben. Es könnte auch aus folgendem Grund zu dieser Tragödie gekommen sein: Das persische Heer war fremd und war sicher auf einheimische Führer angewiesen, so wie auch Cäsar gallische und germanische Führer hatte, oder wie die englischen und französischen Militärs, sowie später die amerikanischen Militärs bei der Eroberung von indianischen Territorium auf indianische Scouts angewiesen waren. Möglicherweise wurde die persische Armee absichtlich von lybischen Führern in die Wüste und damit in den Sandsturm geschickt, bevor sie sich absetzten. Es steht in jedem Fall fest, dass es keine Kampfhandlungen gegeben hat und auch in den fragmentalen Inschriften der Oase Siwa sind keine Hinweise einer militärischen Auseinandersetzung zwischen Libyer und Perser zu finden. Herodot und / oder die Bewohner Siwas hatten ganz offensichtlich gelogen. Nach heutigem Kenntnisstand darf auch bezweifelt werden, dass es sich bei Kambyses II um einen verrückten Barbaren handelte, wie Herodot uns weismachen will, viel mehr zeigen neuere Forschungen, dass er ganz im Geiste seines Vaters Kyros des Großen, dem Begründer der Menschenrechte, agiert hatte. Er respektierte die religiösen Riten der Ägypter, auch die lokalen Verwaltungsorganisationen ließ er unangetastet und die Tempelanlage Amun wurde nicht nur von Kambyses II finanziell unterstützt, sondern auch später von Darius dem Großen [داریوش] (altpers. Dârayavahuš).

Nachdem Kambyses II die Vorherrschaft in Ägypten innerhalb von drei Jahren abgesichert hatte und die Nachricht erhalten habe, dass sich im persischen Kernland, in der medischen Hauptstadt Ekbatana, sein Bruder Bardiya [بردیه] gegen ihn erhoben hatte, trat er die Heimreise an und verstarb im Jahre 522 v. Chr. auf dem Heimweg unter mysteriösen Umständen. Ein im fünften Jahrhundert lebender griechischer Chronist mit Namen Kresias berichtet, dass Kambyses II an einer Blutvergiftung im heimischen Babylon verstorben ist, andere Quellen berichten, dass er an einem Ort in Syrien verstarb, der genau denselben Namen wie die medische Hauptstadt Ekbatana trug, um wohl die angebliche selbst erfüllende Prophezeiung der Amunpriester, er werde in Ekbatana sterben, Wirklichkeit werden zu lassen.

Quelle: Mehr News

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12 Gedanken zu „Persiens verschollene Armee

      • So einen aehnlichen Schwachsinn hat unser Freund im Ork-Tuerkenblog geschrieben. Ich weiss nicht was das mit dem Artikel hier zu tun hat. Hat irgendjemand behauptet Aegypten waere persisch?

        • Was ist denn ein “Ork-Tuerkenblog”?
          Der “Herr der Ringe” wurde in Neuseeland gedreht, nicht in der Türkei.

          Habe noch mal gesucht, hatte gedacht Ihr habt auch den Artikel gebracht,
          DEN hier: http://tangsir2569.wordpress.com/2011/11/20/heldin-des-counterjihad-alia-majida-al-mahdi/
          wo dick und fett steht Alia habe gesagt: „Ägypten ist nicht arabisch und islamisch, Ägypten ist nur ägyptisch“.
          Und unten drunter sind die “Like-Buttons” von Fartâb Pârse und Ardašir Pârse.
          Da habe ich vermutet, was man mag (“Like”) das merkt man sich.
          Und ich finde, mein Satz ist fast wie der von Alia. Der Satz von ihr hat euch doch gefallen. Ich habe nur “arabisch” durch “persisch” ersetzt.

          Was hat das mit dem Artikel zu tun?
          Nun, dieser Artikel hier handelt nicht vom Einmarsch der Araber, sondern vom Einmarsch der Perser.
          Wieso so böse? “So einen aehnlichen Schwachsinn hat unser Freund im Ork-Tuerkenblog geschrieben.” Da hat euer Freund doch nur Alia zitiert.
          Schon vergessen daß ihr über die auch geschrieben hattet?
          Merkwürdig.

            • Kein Problem, bin völlig andere und zwar echte paranoide Attacken gewohnt. ;-)

              Ich habe nur mitbekommen, daß sich hier und woanders welche gegenseitig plötzlich als Orks und Torks bezeichnen, die vorher gemeinsam irgendwelche anderen als Orks und Torks bezeichnet haben . . .

              Von außen betrachtet, wirkt das natürlich komisch.
              Nur, daß oben überhaupt nicht Satire drübersteht.

            • @Hessenhenker

              ja so schnell kanns gehen, vor kurzem war ich noch ein Ork und jetzt bin ich ein Tork, dem anderen ging es ebenso vom Ork zum Tork, das sind tuerkisierte Nettigkeiten die da ausgetauscht werden, auch den Orks faellt es schwer sich vom Tuerkentum zu befreien, deshalb wurde aus Orks Torks und jetzt sind alle Torks.

  1. ich danke Dir für diesen Geschichtsbaustein. In Siwa müssen zu dieser Zeit Menschen mit einen hohen geistigen Entwicklungsstand gelebt haben.
    Leider hat die Menschheit aus der Geschichte nichts dazu gelernt. Hauen und Stechen ist heute noch aktuell nur einfacher, per Knopfdruck. Das persische Reich zu Fuß und auf dem Rücken der Pferde zu etablieren, das war schon eine Leistung.
    Die geistige Verwesung in der heutigen Zeit stinkt zum Himmel und alle machen mit. Ist das der globale Fortschritt des Menschen ?

    • Ich bin ganz Ihrer Meinung, danke fuer Ihren Kommentar. In der Tat stimmt etwas in unserer Welt nicht und den sog. globalen Fortschritt kann man auch als Rueckschritt sehen.

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