Irans Parlamentswahlen 2012

Dieser Artikel wurde ins Russische übersetzt

Dieser Artikel wurde ins Spanische übersetzt

Bis 22.00 Uhr waren die Wahllokale am vergangenen Freitag in Iran geöffnet, damit mehr als 48 Mio. wahlberechtigte Iraner wählen könnten. Doch wenn 85% der Wahlberechtigten zu Hause sitzen und am Fernsehen beobachten wie angeblich 67% der Wahlberechtigten an den Wahlen teilnehmen, hat man ein mathematisch unlösbares Problem.

Die Wahl sollte ein Kampf sein zwischen konservativen Befürwortern und Gegnern Mahmud Ahmadinedschads. Für Ahmadinedschad waren die manipulierten Wahlen eine Wahlschlappe, denn die Loyalisten um das Lager Ayatollah Ali Khamenei hatten die Wahlen für sich entschieden. Auch die Schwester des Präsidenten scheiterte bei der Wahl. Parwin Ahmadinedschad hatte für einen Sitz in Garmsar, der Heimatstadt des Präsidenten, kandidiert und wurde von einem anderen konservativen Kandidaten geschlagen. Ihre Niederlage wird als empfindlicher Schlag für den Präsidenten gewertet. Sein Lager konnte Ahmadinedschad  nicht in Stellung bringen.

Die Behörden in Teheran hatten versucht, ein Land inmitten von Kriegsdrohungen und westlichen Wirtschaftssanktionen darzustellen als ein Land mit großer Wahlbeteiligung. Das staatliche iranische Fernsehen zeigte ab 8.00 Uhr Ortszeit Hunderte von Menschen vor ausgewählten Wahllokalen Schlange stehen. Irans oberster Führer, Ayatollah Ali Khamenei, dessen Autorität als der Mann mit der ultimativen Macht im Land zu beschreiben ist, war einer der ersten, der vor laufenden Fernsehkameras seine Stimme abgab. Das politische Lager um Ayatollah Ali Khamenei weiß um die politische Unzufriedenheit im Land und um den internationalen Druck die das Regime gefährdet, und sah die Wahlbeteiligung als einen Lackmustest für die Legitimität ihrer Führer an.

Irans “Opposition”, hatte vor den Wahlen, zu einem landesweiten Boykott der Abstimmung aufgerufen. Viele Aktivisten und Sympathisanten der Grünen-Bewegung agierten auf Social-Networking-Websites, um Iraner zu bewegen, bei den Wahlen zu Hause zu bleiben und das Regime in Verlegenheit zu bringen. Einige verteilten Flugblätter auf denen zu lesen war: “Ich werde nicht wählen”. Für die “Opposition” war es ein Ereignis, das nicht stattfindet, auch wenn einige iranische Politiker, die noch 2009 angegliedert an die “Opposition” waren, darunter die ehemaligen Präsidenten Mohammad Chatami und Akbar Haschemi Rafsandschani, teilgenommen hatten. Einige glauben, dass sie gezwungen wurden.

Human Rights Watch, eine in New-York ansässige Organisation, die die Situation der Aktivistinnen und Aktivisten in Iran überwacht, hat eine Erklärung am Donnerstag vor den Wahlen abgegeben und warnte, dass eine faire Wahl in Iran unmöglich ist. “Irans Parlamentswahlen … sind grob unfair”, sagte HRW. Hunderte von Kandidaten wurden auf vage und schlecht definierte Kriterien hin bereits im Vorfeld der Scheinwahlen disqualifiziert.

Die Wahlurnen wurden von Haus zu Haus gebracht, damit wenigstens so gewählt wird

Es war ein ruhiger Tag in Teheran, auch im staatlichen Fernsehen konnte man sehen, dass nur alte Menschen und linientreue Basidji abgestimmt haben, wo sind die 67% der Wahlbeteiligung in einem Land, indem 70% der Bevölkerung unter 30 Jahre alt ist? Im Vorfeld der Wahlen sagte Ayatollah Makarem Shirazi, ein einflussreicher Geistlicher, in einer Fatwa, “dass ein Boykott an der Teilnahme an den Wahlen eine Sünde sei und die Teilnahme so wichtig wie das Gebet sei”. Auch die Frau eines ermordeten Atomwissenschaftlers forderte im Vorfeld die Menschen auf, ihre Stimme abzugeben. Die Führung warnte die Menschen, sie würden jeden Versuch, die Menschen zu einem Wahlboykott zu bewegen als Verbrechen betrachten.

Mogeln bei der Wahlen – Keine Wahlkabine – Basijis schreiben tüchtig vor der Kamera

Die Ergebnisse der Scheinwahl sollten nur Khameneis Macht mehr denn je im Parlament konsolidieren und Ahmadinejad in die Schranken weisen, der sich zuletzt mit dem obersten Führer der Islamischen Republik überworfen hatte und dessen Amtszeit ohnehin im Jahr 2013 endet. Bei der Präsidentenwahl 2013 wird nun Parlamentspräsident Ali Laridschani, der ehemalige Chefunterhändler in den Atomgesprächen mit dem Westen als Geheimtipp gehandelt, der sich in Ghom mit sehr breiter Zustimmung ein Mandat sicherte. Ahmadinedschad selbst darf nach zwei Amtsperioden 2013 nicht mehr antreten.

Hier sehen Sie, wie die Stimmen in aller Öffentlichkeit erkauft werden:

Ausländischen Medien wurde nicht erlaubt, die Wahlen zu beobachten, Ausländische Journalisten, die über die Wahl in Teheran berichten wollten, wurden alle zurück in ihre Hotels geschickt und aufgefordert das Hotel nicht zu verlassen. Das erzkonservative Lager gewann in dieser Scheinwahl die Mehrheit der 290 Sitze im Parlament und hat nun auch 30 Sitze in der Hauptstadt Teheran gewonnen, sie kontrollieren nun das Parlament. 46 von 60 Ober-Hardlinern aus dem Lager Khameneis, die alle aus machtpolitischen Gründen Gegner von Ahmadinedschad sind, waren die Gewinner. Drei „liberale Kandidaten“ die ebenso linientreu sind wurden auch gewählt. Die verbleibenden elf Mandate erhielten das Lager von Ahmadinedschad und das Lager des Zentrums.

About these ads

20 Gedanken zu „Irans Parlamentswahlen 2012

  1. Ich bitte höflich um entschuldigung für das OT am Anfang, aber eine sehr wichtige Meldung aus dem Iran:
    Der christliche Pastor Youcef Nadarkhani wurde erhängt. Gelesen auf dem Dolomitengeistblog.
    MÖRDERBANDE ELENDIGE!

  2. Liebe Fartâb Pârse: Habe leider noch nichts konkretes gefunden. Nur dass sich diese Nachricht in windeseile von Blog zu Blog verbreitet ( PI SOS OESTERREICH etc. Werde Dich auf dem laufenden halten.

  3. So, jetzt mal ein Kommentar zum Thema:

    Der Klassiker ist für mich natürlich dass die Wahlurnen spazieren getragen werden damit auch die Daheimgebliebenen wählen “können”, das gab es unisono auch in der DDR.
    Ich kann mich noch erinnern dass sich meine Großeltern 1988 geweigert haben zu wählen und das Wahlkommando bei uns zuhause anrückte. Aber sie blieben standhaft :-)

    Jetzt zu Achmachmirdendschihad:
    Der war ja vor einigen Jahren mal Khameneis Liebling und ist glaube ich seit dem er im Präsidentenamt ist aufgrund des Überblicks über die Gesamtsituation des Iran auf gegenüber der Schiitenbande auf Distanz gegangen.
    Ein klassischer Fall: Man vergleiche den Wahrheitsanspruch einer totalitären Ideologie mit der täglichen Realität auf der Straße und in den Schreibstuben.
    Es musste so kommen: Man sieht natürlich wer im Iran weiterhin Koch und wer Kellner ist.
    Aber man sieht auch dass man nur mit verqueren Endzeitideologien keinen Staat führen kann.

    Die Frage ist nur wie lange es noch so weitergeht.

  4. Pingback: Iran und Syrien: Wird darüber wahrheitsgemäß berichtet? « kopten ohne grenzen

  5. Pingback: Las elecciones parlamentarias de Irán en 2012 « NUEVA EUROPA- Nueva Eurabia

    • Werter Bazillus, das Interview war dermaßen lächerlich, dass ich keinen Grund sehe dem Schrott von diesen Shamaghdari mit einer Gegendarstellung zu beantworten. Du liest schon unseren Artikel bezüglich der Lage im Iran von Nadarkhani war keine Rede, von so vielen Hinrichtungen war keine Rede, von der Barbarei im Iran ist keine Rede! Der Interviewer sollte andere Fragen stellen, die richtig unangenehm sind und nicht das Übliche, das ständig durchgekaut wird! Was will er von einem ehemaligen Regisseur (!) über den Iran wissen? Natürlich ist alles Propaganda! Mich kotzt das an, dass alle ständig nur eine Frage stellen und ständig auch dieselbe Antwort bekommen! Wo bleiben die Menschenrechte im Iran! Ob nun gegen Israel einen Kampf geführt wird oder nicht, das ist für die Deutschen viel interessanter, als die tägliche Hinrichtungen in Iran!

      Der A**** kommt hier und will uns erzählen, dass alles in Ordnung sei und die einzige Sorge der iranischen Regierung sei nur einen iranisch-deutschen Film, der hier gedreht wird, aber dass die Bevölkerung von Tag zu Tag mehr unter Druck gesetzt wird, dass es bald in Iran zu einer Hungersnot kommt, davon ist keine Rede! Hauptsache eine Menge Geld für iranischen Filme zahlen, weil die Deutschen, vielleicht die Mehrheit die Iraner und ihre Sitten nicht kennen, dann kann man in solchen Propaganda Filme ein verdrehtes Bild von der iranischen Gesellschaft abgeben, und dafür auch sogar ein Oskar nach Hause nehmen. Das Regime hat es erkannt, und seit Jahren werden Filme finanziert und produziert, die dann im Ausland Preise bekommen sollen und ein gutes Bild von Mullahs und ihre Scharia zeigen.

      Bezüglich der Existenz Israel hat der Sack auch gelogen! Ahmadinežâd hat denselben Satz von Xomeyni wiederholt, der mal sagte, Israel solle von der Landkarte getilgt werden! Ich bin selbst eine Zeitzeugin und er dreht und verdreht und biegt es, um zu sagen, dass “die Regierung” von Israel und nicht das Land Israel soll vernichtet werden! Für wie DUMM hält er uns!

      Es gibt genug bei diesem Interview was zu bemängeln, alleine der lächerliche Satz, “er ist in die Höhle des Löwen gegangen und kam wieder heile raus”!!!! Natürlich wird heile raus kommen! Was hat er sich gedacht, dass er sofort erhängt wird? Natürlich wird auf die Hände getragen und höflich empfangen, um mehr zu zeigen, dass dieses Regime mit der Welt in Frieden leben will! Dann auch der lächerliche Satz von dem A***, dass Ahmadinežâd besorgt ist über die westliche Welt, wie hier Zionisten Lobby betreiben! Er soll dafür sorgen, dass in seinem Land ein Vater seine 6 Kinder nicht wegen Hunger tötet und anschließend sich selbst, denn mit einem Nierenverkauf käme er nicht über die Runden! Er soll dafür sorgen, dass Arbeiter bezahlt werden, die seit fast 18 Monaten keinen Lohn mehr bekommen haben! Er braucht sich um die westliche Welt keine Sorge machen! Er ist der Präsident (!!!) eines Landes Iran und nicht etwa der Fürsorger der EU-Länder, die von Zionisten befreit werden sollen!!!!!!

  6. Wow, werte Fartab Parse, habe das Interview wirklich noch nicht gelesen. Hätte ich erst lesen sollen. Nach diesem Statement ist es für mich uninteressant geworden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s