Zarathustra, ein Denker oder ein Prophet? (1)

Von: Dr. Nurialâ
Übersetzung: ©Fartâb Pârse

Der 6. Farvardin (25.03.) ist der angenommene Geburtstag [1] von Zarathustra (vermutet, vereinbart aber bedeutend, angebracht und gesegnet), der legendären und weltberühmten Persönlichkeit Irans. Zu diesem einmaligen Anlass befasse ich mich mit einigen interessanten Themen über Zarathustra. Ich sehe mich nicht als einen “Zarathustra Forscher”, auch hege nicht die Absicht, im Bereich der Theologie neue Fragen und Themen aufzustellen; denn die Religion ist die Sache der Theologen und der Gläubigen, die an das Himmlische glauben, diejenigen, die das Prophetentum, die Verkündigungen der Propheten, das heilige Wort und die göttliche Führung für wahr halten und an ihre Echtheit glauben. Und ich habe – glücklicher oder unglücklicher Weise – mich schon längst von allem distanziert. Was ich jetzt ausarbeiten werde, ist nur ein Einblick in die phänomologische und soziologische Auswirkung des “Rätsels Zarathustra”. Ein Rätsel, weil über diese historische und legendäre Person, die vor etwa 3500 Jahren in Groß-Xorâsân [2] lebte, sehr Vieles und sehr Widersprüchliches gesprochen, geschrieben und überliefert wurde (wie Einige vermute auch ich, dass er in “Mazâr Šarif” in Afghanistan begraben ist).

Aber bevor ich mit dem eigentlichen Thema beginne, halte ich es für wichtig zu erläutern, wie die Veränderung der Erscheinung historischer Personen auf zwei Arten geschieht. Die erste Art des Phänomens betrifft die Person selbst; man befasst sich mehr mit der Psyche und dem Wesen als mit der soziologischen Rolle. Die Studien von Sigmund Freud über Leonardo Da Vinci und des Propheten Moses z. B. sind wissenschaftliche Versuche, die komplizierte Psyche und das Wesen der betreffenden Personen, die zwischen real und legendär schweben, zu analysieren. Die zweite Art betrifft “UNS”, wie wir über die berühmten Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte sprechen. Wir sind es, die aufgrund unlogischer und fundamentloser Annahmen aus einer klaren und vernünftigen Person, einen komplizierten und rätselhaften Menschen machen können. Meiner Meinung nach ist die Mystifizierung der Person Zarathustra eben aus dem zweiten Grund entstanden. Um diese Mystifizierung näher zu beleuchten, werde ich einige weitere Aspekte in Betracht ziehen.

Geschichtliche Persönlichkeiten können wir ungefähr in vier Persönlichkeitsgruppen aufteilen: Der Mensch als Denker, als Denker und Gläubiger, als Denker und Religiöser und als Prophet. Die Mystifizierung der Person Zarathustra fängt hier an, da alle diese Gruppierungen für ihn verwendet werden.

Bronze-Plastik von Hans-Jörg Limbach; am Börsenplatz in Stuttgart beim Friedrichsbau

Der Mensch als Denker ist jemand, der versucht, durch das “bewusste Denken” das Wenn und Aber des Daseins zu erforschen, um zu einem “Existenzbewusstsein” zu gelangen, um dadurch seine eigenen Fragen und die Fragen anderer zu beantworten. Er legt sein Fundament auf die Basis der Vernunft und der Logik, seine Instrumente sind nur das Experiment, der Irrtum, die Theorie, die Praxis und ihre rationalen Bestandteile wie die Induktion, die induktive Ableitung, pro positio minor und pro positio major (der Syllogismus) und die Deduktion. Er weiß aber auch, dass diese Gesamtheit von einer anderen Gesamtheit bestehend aus der Fiktion, der Schimäre, schnellem und unüberlegtem Resultat, den menschlichen Bedürfnissen wie der Drang, die Neigung, die Sympathie, Gefühle und dergleichen ständig bedroht werden; diese Gesamtheit hat eine massive Kraft, um in jedem Schritt der Vernunft aufzutauchen und damit die Resultate der logischen Vorgehensweise zu manipulieren und diese völlig inadäquat darzustellen. Diese Art Denker wurden schon im antiken Griechenland “Philosoph” genannt, d. h. “Freund der Weisheit und Wahrheit”; und die griechischen Philosophen hatten sich ständig bemüht, die richtige Denkweise und das Nutzen des Verstandes und all den logischen Methoden zu systematisieren.

Einer unserer Fehler in heutiger Zeit ist, dass wir annehmen, ein “Philosoph” sei ein Mensch ohne Glauben; d. h., er glaube nicht unbedingt an das Himmlische und den Schöpfer selbst; während der Einblick in die Biographien der Philosophen uns anderes lehrt und entsprechend – besonders vor den etablierten und vertretenen wissenschaftlichen Errungenschaften der Aufklärungszeit – waren die Mehrheit der Philosophen Menschen, die an das Himmlische und die Schöpfung Gottes glaubten. Um Thesen und Theorien zu beweisen, hatten sie anstatt sich an Verse der heiligen Bücher und an Überlieferungen der religiösen Institutionen zu wenden, das Fundament ihrer Argumentationen auf der Basis der Vernunft und des gesunden und freien Verstandes gebaut, und somit ihren eigenen “Theologie” Apparat hergestellt. Daher ist die Bezeichnung “gläubiger Denker” nicht unbedingt falsch, auch wenn diese “Gläubigkeit” dazu führt, dass die Gedanken eines Denkers von den wissenschaftlichen Ergebnissen abweichen und eher in Entsprechung zur Wissenschaft betrachtet werden. Wie dem auch sei: woran er glaubt, ist das Produkt seiner eigenen Forschung und Gedanken.

Die Entstehung der “Glaubensrichtungen” innerhalb der verschiedenen Religionen der Welt hatte mit sich auch die religiösen Institutionen und ihre Diener und Bewacher genauso wie “die Fixierung” der Quellen und Gedankenannahmen gebracht. Aus diesem Grund kann unmöglich der Gedanke eines “religiösen Denkers” für gültig und richtig anerkannt werden, denn die Art der Denker wird nicht vom Punkt “Zweifel” anfangen (so wie z. B. Descartes angefangen hatte), um frei zu denken und aufgrund seiner eigenen Schlussfolgerungen und Ergebnisse zu einer göttlichen “Weltanschauung” (wie Descartes) oder einer negierenden Erkenntnis (wie Marx) zu gelangen.

Die vierte Sorte sind “Propheten” und Erbringer der Religionen. In diesem Fall gibt es keine Diskussion darüber, ob ein “Prophet” ein Denker ist. Innerhalb der theologischen Lehren wird das Einmischen der Persönlichkeit des Propheten mit den vom Himmel abgestiegenen Versen als eine Art Blasphemie betrachtet. Gott erlaubt seinem Gesandten keine eigenen Interpretationen der himmlischen Botschaften; Gott erinnert die Gläubigen und den Propheten daran, dass sie nicht vergessen dürfen, dass die abgestiegenen Botschaften ihm gehören und nicht dem Propheten. Ein “Prophet” ist nach der theologischen Auffassung so zu sagen ein Briefträger, der nur die Briefe dem Empfänger überbringt, ohne jegliche Erlaubnis zu haben, den Inhalt des Briefes zu ändern.

Manchmal wird aber auch (seitens der Gläubigen und Ungläubigen) behauptet, dass die offenbarten “Botschaften” Worte des Propheten selbst wären, welche er im Trancezustand durch sein “Unterbewusstsein” gesprochen hätte (einige der schiitischen Neo-Theologen wie Soruš [3] und Ganji [4] behaupten diese These), trotzdem kann nicht die Rede vom “bewussten Denken des Propheten” sein; insofern kann der Prophet für das, was er gesagt hat, nicht als ein “Denker” bezeichnet werden.

Aufgrund dieser Aufteilung können wir sehen, welche Rätsel um Zarathustra erschaffen werden, wenn wir ihm verschiedene und konträre Eigenschaften (vom Denker bis zum Propheten) zuschreiben. Ich bin mir darüber im Klaren, dass mein Artikel hier auch eine gewöhnliche Meinung ist, nur mit dem Unterschied, dass ich versuche meine Behauptung mit ausgewogenem und wissenschaftlichen Denken zu begründen. Mein Ziel ist es, zu zeigen, warum ich glaube, dass Zarathustra eher ein “Denker und Gläubiger” war, als ein Religiöser oder ein Prophet.

Vorab betone ich, dass ich nicht die Absicht hege gegen den “zarathustrischen Glauben” und “Mazdeyasnâ” [5] – der die offizielle Glaubensrichtung der Iraner in den Jahrhunderten kurz vor der Invasion der neumuslimischen Araber in Iran war – zu sein, d. h., trotz meines persönlichen Zweifels an verschiedenen Glaubensrichtungen akzeptiere ich die Tatsache, dass eine große Mehrheit der Menschen das Bedürfnis hat, an das Himmlische und die Führung durch den allerhöchsten Gott zu glauben; und sie lassen die Bedürfnisse nicht nur in ihrem Glauben an den Anfang und Ursprung, die Gebete und Huldigungen aufleuchten, sondern auch in anderen Vorkommnissen wie Grabmäler von den Imamen abstammenden Heiligen {emâmzâde}; sie zu verehren, Begräbnisstätte für Heilige zu errichten, Pilgerreisen zu unternehmen, Gebete und Formeln zur Abwehr des bösen Blicks und Krankheiten zu schreiben, die gemeinsame Lesung des Korans vom Anfang bis Ende {xatme Qor’ân} zu planen, Gelübde abzulegen, den Koran auf den Kopf zu legen [6], um Vergebung der Sünden zu bitten und zu beichten. Ich verstehe den Sinn von alledem und meiner Meinung nach spielt es keine Rolle, gen welche Gebetsrichtung die Menschen beten, oder ob sie in Richtung eines Feuertempels knien und ihre Gebete verrichten; Das ändert nichts an der Tatsache selbst. Ich akzeptiere das Ganze als eine eklatante Tatsache der menschlichen Gesellschaft und stelle mich nicht gegen sie; nur dann wenn eine Glaubensrichtung – mit Hilfe ihrer Priesterschaft – die Absicht in sich trägt, die Menschen zu beherrschen oder sie auszurotten.

Währenddessen bin ich der Ansicht, dass das Absehen und sich nicht mit der Lehre und Gedanken eines Denkers – der gleichzeitig Gottforscher und Gläubiger und Grundleger der guten Umgangsformen war, hier Zarathustra – zu befassen, ein Verrat an der jungen Generation ist; eine Generation, unter der es Menschen gibt, die die Wahrheit für wichtiger halten als ihre psychischen Bedürfnisse, und sie wünschen sich von all den Aberglauben, den Legenden und Mythen befreit zu werden. Ich schreibe für eben die Art Menschen; Menschen, die zu der Erkenntnis gekommen sind, dass die Wahrheit des Daseins nur auf der Grundlage der Vernunft und Logik aufgebaut ist; sie sind nicht bereit den Weg der Frömmigkeit und Religiosität zu schlagen; sie sehen davon ab, ohne zu forschen sich widerspruchslos den Religionen und ihren Glaubensrichtungen, der Moschee, dem Kloster {xângâh}, der Synagoge und der Kirche zu unterwerfen; Menschen, die nicht ohne einen Grund (ein erklärbarer und wissenschaftlich darstellender Grund, basierend auf Vernunft und nicht auf der Basis der Mystik á la Innerstes {qalbi}, der das Produkt einzelner Menschen gefangen in ihren neurotischen Umständen ist) – bejahen, dass Jesus der Sohn Gottes war, Moses den Nil gespalten hatte und Mohammad auf einem himmlischen Pferd bis zur siebten Stufe des Himmels geritten war; Menschen, die sich fragen, warum “das Wunder” {mo’jeze} aus “der Unfähigkeit” {ajz} und “unfähig” {âjez} [7] entstanden ist, und warum wird das Wunder mit aller Macht groß und unglaublich dargestellt, dort wo der Fuß des Verstandes und der menschlichen Macht im Schlamm landet?

Damit will ich folgendes sagen: wenn jemand den Wunsch verspürt seinen Glaubens- und Interessenhorizont zu ändern, und dabei sich nur auf seinen Menschenverstand stützen möchte, der sollte den “angenommenen” Geburtstag des Zarathustra zum Tag der eigenen Aufklärung über die Wahrheit der Lehre des Zarathustra verwandeln; denn heute und jetzt ist der Augenblick gekommen, einen Blick hinter eine 3500 Jahre alte Wolke zu werfen, die vorüberzog, um etwas Licht von der wahren Geschichte ins Dunkel kommen zu lassen; es ist Zeit, das Mindeste an Informationen über die verlorene Persönlichkeit des Zarathustra, die inmitten von so viel religiösem Lärm und Unwahrheit über seine Person verbreitet ist, zu bekommen. Infolgedessen ist der Geburtstag von Zarathustra meines Erachtens der “nationale Tag des Denkens” statt “der Tag einer religiösen Gemeinschaft der gefügigen Menschen”; eine gefügige Gemeinschaft {ommat} [أمة] (Umma) [8], die bedingungslos gegen Aberglauben kapituliert hat und in der Logik entstanden aus ihrer verwirrten und ungestümen Psyche untertaucht.

Um das zu erreichen, denke ich, wäre der wichtigste Schritt, sich mit diesen Vorstellungen und Annahmen über die geschichtlichen Persönlichkeiten, die den mystischen Status “Prophet” erreichten, auseinanderzusetzen. Denn, wenn wir unser Denken mit Annahmen und Glauben anfangen, dass Zarathustra auch einen Gott hatte, und dieser Gott ihn auserwählt und ihm die Pflicht erteilt hat, seine Botschaft den Menschen zu bringen, genau wie die “Propheten der Kinder Israels” und die “größten Propheten der islamischen Religion” [9], dann werden wir in Sachen Zarathustra zu keinem Ergebnis gelangen; das Einzige, was wir dabei tun und erreichen, ist, den Namen dieser Propheten zu ändern und sie mit dem Namen “Zarathustra” zu versehen.

Um die Person des Zarathustra als “vernunftbegabtes” und “besonnenes” Wesen erforschen zu können, müssen wir zunächst im Klaren darüber sein, dass wir nicht den wahren Zarathustra vor uns haben. Wir werden sie erst durch das Fernglas sehen, welches andere Wissenschaftler uns auferlegten; diese verschwommenen Gläser dienen nicht dazu, ihr Wesen besser, klarer und deutlicher zu sehen; sie dienen höchstens dazu, sie so krumm und gebogen zu sehen, wie Andere es gern hätten. Wir müssen die verfälschenden Linsen vor unseren Augen eine nach der anderen entfernen, um das Genie der Zeit, das vor 4.000 Jahren in Groß-Xorâsân gelebt und mit seinen Gedanken die Welt seiner Zeit für immer verändert hat, zu sehen. Das bedeutet: Um Zarathustra kennenzulernen, müssen wir alle unsere Annahmen, Vorlieben, Sympathien und Vorurteile erkennen und sie beiseite schieben; gleichzeitig müssen wir die Hindernisse vor uns erkennen. Bereits Hâfez sagte: “Erlange erst die Reinheit, dann erblicke die Reinheit” {pâk šou avvalo pas dide bar ân pâk andâz}. Das ist mit Recht die erste Bedingung der Erforschung der Persönlichkeiten und Ereignisse, die in sehr ferner Vergangenheit geschehen sind. Heute betrachten wir die Ereignisse durch tausend krumme Linsen. Derjenige, der das Buch “Avestâ” in die Hand nimmt, nimmt an, dass das Buch gleichwertig einem “Koran” ist; dieses ist dem Propheten Mohammad offenbart worden und jenes dem Zarathustra. Er muss nicht nur darüber informiert werden, dass nur ein kleiner Teil der Avestâs seine eigene Dichtung und die Worte des Zarathustra sind (welche die Gathas {Gâtâhâ/Gâsâhâ} sind) [10]; sondern auch, dass der Rest der Avestâs durch die Priesterschaft, die aus seiner Lehre eine Religion und andere Glaubensrichtungen erschaffen wollten, verfasst wurde.

Es sei bündig gesagt: Die Forscher, welche im Laufe der Geschichte jene zu Heiligen gewordenen Persönlichkeiten machen, laufen ständig Gefahr, “das solide Seil” des gesunden Menschenverstandes zu verlieren und in eine von vielen Gruben religiöser Frömmler und Manipulanten zu fallen. Wenn wir – wie ich erwähnte – vom ersten Schritt an annehmen, Zarathustra sei auch “ein geschickter Prophet” und “einer von diesen großen Propheten”, so ist es besser mit der Erforschung  seiner Person aufzuhören, weil wir nie – im Gegensatz zu den Propheten der Kinder Israels, den des islamischen Glaubens und der Islampropheten – von Zarathustra hören werden, dass sein Gott (, den er Ahurâ Mazdâ nennt) mit ihm direkt oder indirekt gesprochen habe und ihn zu einer Aufgabe “inspiriert” hätte. Auch wenn wir wissen, dass im Laufe der Geschichte seine einzelnen Hymnen für Ahurâ Mazdâ und seine Gotteshelfer {Izadân} zu einer “Unterhaltung” umgewandelt wurden, so dass er spricht und fragt und ihm geantwortet wird.

Anmerkungen von Fartâb Pârse:

[1] Der indische Forscher und Professor Jamshid Cawasji Katrak hat in seinem erschienenen Buch The age of Zarathushtra im Jahr 1968 das Geburtsjahr von Zarathustra auf ca. 6600 vor Chr. mit größter Wahrscheinlichkeit datiert. Ein anderer Forscher abstammend aus Pârsiyân [Parsen] Einwanderer nach Indien hat nach astrologischen und astronomischen Berechnungen das Geburtsjahr von Zarathustra auf genau 7129 vor Chr. und sein Todesjahr auf 7052 vor Chr. berechnet. Da, die parsische Minderheit  zu Beginn der islamischen Zeit nach Indien ausgewandert war, die bis heute aussagekräftige und Primärquellen innehaben, beruft man sich auf ihre Quellen und Daten eher als auf die Sekundären Quellen.

[2] Groß-Xorâsân ist die historische Region in Zentralasien im Gebiet der heutigen Länder Iran, Afghanistan, Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan.

[3] Abdolkarim Soruš geb. 1945 ist ein iranischer Philosoph oder besser gesagt er bezeichnet sich als einer. Er stammt aus einer religiösen Familie und ist auch einer der schiitischen Theoretiker innerhalb der Mullahs in Iran, er lebt allerdings seit ein paar Jahren im Ausland und sprüht sein Gift weiter hier.

[4] Akbar Ganji geb. 1960 ist ein selbst ernannter iranischer Journalist, Schriftsteller und Soziologe, der jetzt im Ausland lebt und als ein Regimekritiker seitens der Reformisten innerhalb der Regierung im Iran gefeiert wird.

[5] Das Wort Mazdeyasnâ ist aus der Zusammensetzung der Wörter “mazdâ” und “yasnâ”. Das Wort “mazdâ” bedeutet “dânâ” (der Wissende) und ist einer der Namen des Gottes im zoroastrischen Glauben; “yasnâ” bedeutet “setâyeš” (Lob, Lobpreisung, Verehrung), “yasnâ” kommt aus der avestischen Sprache, also dieselbe Sprache, in der der erhabene Zarathustra seine Worte verfasst hatte. Einer der Beinamen von Zartošt Espitmân (Zarathustra) ist Mazdeyasnâ, was “der Lobpreiser des Allwissenden” bedeutet.

[6] Das Legen des Korans auf den Kopf ist ein Ritual der Zwölfer-Imam Schiiten. 1) Das Gehirn, das der Platz des Verstandes ist, soll damit verstärkt werden. 2) Der menschliche Verstand soll damit vollkommen werden. 3) Der menschliche Verstand soll sich damit gegen die Unermesslichkeit des Korans demütigen. 4) Der Glanz des Korans soll sich mit dem Glanz des menschlichen Verstandes vereinigen. 5) Der Koran auf dem Kopf bedeutet, der Koran steht über alles. Dieses Ritual sollte laut Hadithe der Imame, die in der schiitischen Rechtschule Gebrauch haben, eingeführt sein.

[7] In der arabischen Sprache ist die Wurzel des Wortes “Wunder” {mo’jeze} aus dem Wort “die Unfähigkeit” {al-ajz}, genau wie das Adjektiv “unfähig” {al-âjez}. Das Wort Wunder bedeutet eher die Verwunderung und das Erstaunen, währenddessen dieses Wort in der arabischen Sprache aus der Unfähigkeit des Menschen entsteht, das Unfassbare zu ermöglichen.

[8] Mit der  Bezeichnung “ommat” oder “omma” (Umma) werden in der islamischen Religion nach der sunnitischen Rechtschule die Gläubigen benannt, die den Brauch und die Sitten des Propheten befolgen; in der schiitischen Rechtsschule wird die Bezeichnung “ommat” für Gläubige verwendet, die dem Brauch und die Sitten des Propheten und der Imame befolgen.
[9] Die größten Propheten nach islamischer Lehre und Religion sind Abraham, David, Moses, Jesus und Mohammad.

[10] Gatha bedeutet in avestisch “Hymne”. Andere Formen sind Gâsâhâ, Gâtâhâ und Gâthâ und Gâhân. Dieses Teil des Avestâs sind die Gedichte und Hymnen von Zarathustra selbst.

Zarathustra, ein Denker oder ein Prophet? (2)

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11 Gedanken zu „Zarathustra, ein Denker oder ein Prophet? (1)

  1. Der Autor tastet sich sehr rational an die Person Zaratusthras heran, was auf wertvolle weitere Folgen dieses Artikels schließen lässt. Am Autor imponiert mir die Herangehensweise an das Thema längst verstorbener Persönlichkeiten. Er schafft es Glaubwürdigkeit auszustrahlen und verspricht das Verharren im denkneutralen Milieu. Seine Neutralität ist auffällig, er wird keine missionarische Überzeugungsarbeit leisten wollen, sondern ist ein Verstandesmensch, der es mit seiner Denkweise schaffen wird, so glaube ich, ein echtes Bild dieser großen Persönlichkeit zu zeichnen.

    • Mein Freund, schön Dich zu lesen. Der Autor ist ein Soziologe und schreibt in der Tat immer so rational, daher lese ich ihn auch gerne, weil er halt nüchtern schreibt und im zweiten Teil wird es noch besser. Ich habe schon mit Ardašir darüber gesprochen, dass dieser Artikel etwas für unseren Bazillus ist, und er wird seinen Spaß dran haben. Es freut mich.

      • Schwesterle, ich habe Dir gesagt, das ist etwas fuer unseren Bazillus, ich wusste es!:-) oder haben wir es beide gesagt? upps

        • Das hast Du gesagt ;) Ich denke, dass wir solche Beiträge öfter veröffentlichen sollen, denn die Weltanschauung von Zarathustra ist vielen der Iraner unbekannt, geschweige den für die Europäer, und ehrlich gesagt, wir berichten seit einiger Zeit nur über das Blut und die Brutalität des Islams, daher tut mir eigentlich sehr gut, wenn ich über den erhabenen Zarathustra schreibe.

          • Ja, es ist sehr wichtig, nicht nur über den bluttriefenden und Menschenverachtenden Islam zu schreiben.

            Auch Muslimen, die durch ihre Religion in die Irre geleitet werden, muss deutlicher gezeigt werden, dass es religiöse Persönlichkeiten gegeben hat, die den islamsichen Propheten gedanklich durch hervorgehobene und vor allem echte Friedlichkeit und Friedfertigkeit schon lange vor den üblichen monotheistischen Religionen in den Schatten stellten und stellen und der islam sich selbst gerade durch den Siegelpropheten bereits mental ins Abseits manövriert hat und weiterhin manövriert, wenn er so weiter macht.
            Vielfach leben Menschen von Vorbildern. Es ist schon ein gravierender Unterschied, ob religiöse Menschen ihr Leben der Barmherzigkeit und Friedfertigkeit unterwerfen und so dem wahren Charakter Gottes in realistischer Weise näherkommen und so ein leuchtendes Gottesbild schaffen, bei dem es sich auch lohnt, diesem nachzueifern und diesen Gott sein Herz zu schenken oder aber auf devoter unterwerfender Entfernung zu ihrem Gott bleiben müssen und ihn als Tyrannen erleben, der nach Blut und Gut ruft und nur dem seine Liebe schenkt, der für ihn mordet, diskriminiert und ausgrenzt.

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  3. Danke für die Übersetzung. Bis hierhin hat der Autor erst einmal dafür gesorgt, dass wir unsere Köpfe aufräumen, bevor wir zum Thema kommen.

    • Bitte mein Schatz, das mag ich bei diesem Autor, denn er erzählt sehr ausführlich und bereitet einem vor, was dann kommt. Nur seine Insider Begriffe, die für die neue Generation oder für die deutsche Leserschaft fremd kommt, wird immer ausführlich von mir als Anmerkung bearbeitet.

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