Freundin (Dust) von Sohrab Sepehri

[1]
Sie war erhaben
Und lebte in unserer Zeit
Sie war vertraut mit dem weiten Horizont
Sie kannte die Sprache des Wassers und der Erde wohl sehr gut

[2]
Ihre Stimme war der verwirrende Kummer der Wahrheit
Ihre Augenlider führten uns zu unseren Wurzeln
Und ihre Hände schwebten in der reinen Brise der Selbstlosigkeit,
Um uns Freundlichkeit zu bescheren

[3]
Sie selbst war ihre Einsamkeit
Und sie vertraute dem Spiegel die liebevollen Rundungen ihres Daseins an
Sie war erfüllt, wie die Tropfen des Regens von ungetrübter Wiederholung
Sie war wie ein Baum, der wie ein Prisma das wohlige Licht der Sonne streut
Sie rief immer die unbesorgte Brise des Windes.
Sie knotete immer die Schnur der Worte an die Haspe des fließenden Wassers
Eines Nachts erläuterte sie uns was Liebe ist und wie man liebt so klar,
Dass wir die Huld der Erde zärtlich berührten; und wir wurden wie die Sprache eines Bottichs voll frischen Wassers wieder rein.

[4]
Und wie oft beobachteten wir sie,
Mit wievielen Körben sie unterwegs war,
Um die Ähre der frohen Kunde zu ernten

[5]
Es war ihr aber nicht gelungen vor der Klarheit der Tauben zu sitzen,
Und sie ging bis ans Ende des Nichts,
Und sie legte sich hinter die Geduld der Lichter;
Und sie dachte keinen Augenblick daran,
Wie verwirrt wir zwischen den Türen zurückgeblieben sind,
Um einen Apfel zu essen, wie einsam und verlassen wir ohne sie sind.

von ©Fartâb und Ardašir Pârse

Aus dem Buch Hajme Sabz [Die grüne Dimension]: Freundin

******

DUST

[1]
Bozorg bud va az ahâliye emruz bud
va bâ tamâme ofoqhâye bâz nesbat dâšt
va lahne âbo zamin râ ce xub mifahmid.

[2]
Sedâš be šekle hozne parišâne vâqe’yat bud
va pelkhâš masire nabze anâser râ be mâ nešân dâd.
Va dasthâš havâye sâfe saxâvat râ varaq zad
va mehrabâni râ be samte mâ kucând.

[3]
Be šekle xalvate xod bud
va âšeqânetarin enhenâye vaqte xodaš râ
barâye âyene tafsir kard.
Va u be šiveye bârân por az tarâvate tekrâr bud.
Va u be sabke deraxt
miyâne âfiyate nur montašer mišod.
Hamiše kudakiye bâd râ sedâ mikard.
Hamiše rešteye soxan râ
be cefte âb gereh mizad.
Barâye mâ, yek šab sojude sabze mohabbat râ
conân sarih adâ kard
ke mâ be âtefeye sathe xâk dast kešidim
va mesle lahjeye yek satle âb tâze šodim.

[4]
Va bârhâ didim ke bâ ceqadr sabad
barâye cidane yek xušeye bešârat raft.

[5]
Vali našod
ke ruberuye vozuhe kabutarân benešinad
va raft tâ labe hic
va pošte houseleye nurhâ derâz kešid
va hic fekr nakard
ke mâ miyâne parišâniye talaffoze darhâ
barâye xordane yek sib
ceqadr tanhâ mândim.

Az naske Hajme Sabz: Dust

******

دوست

بزرگ بود و از اهالی امروز بود

و باتمام افق های باز نسبت داشت

و لحن آب و زمین را چه خوب می فهمید.

 

صداش به شکل حزن پریشان واقعیت بود.

و پلک هاش مسیر نبض عناصر را به ما نشان داد.

و دست هاش هوای صاف سخاوت را ورق زد

و مهربانی را به سمت ما کوچاند

 

به شکل خلوت خود بود

و عاشقانه ترین انحنای وقت خودش را

برای آینه تفسیر کرد.

و او به شیوه ی باران پر از طراوت تکرار بود.

و او به سبک درخت

میان عافیت نور منتشر می شد.

همیشه کودکی باد را صدا می کرد.

همیشه رشته ی صحبت را

به چفت آب گره می زد.

برای ما ، یک شب سجود سبز محبت را

چنان صریح ادا کرد

که ما به عاطفه ی سطح خاک دست کشیدیم

و مثل لهجه ی یک سطل آب تازه شدیم.

 

و بارها دیدیم که با چه قدر سبد

برای چیدن یک خوشه ی بشارت رفت.

 

ولی نشد

که روبروی وضوح کبوتران بنشیند

و رفت تا لب هیچ

و پشت حوصله ی نورها دراز کشید

و هیچ فکر نکرد

که ما میان پریشانی تلفظ درها

برای خوردن یک سیب

چقدر تنها ماندیم.

از نسک “حجم سبز” چکامه ی “دوست”

Dieses Gedicht hat der große verstorbene Dichter Sohrâb Sepehri seiner Dichterkollegin Foruq Farroxzâd gewidmet. Der Tod der Dichterin hinterließ eine große Lücke und großen Kummer im Leben von Sohrâb Sepehri und einigen engen Freunden aus dem Kunst- und Dichterkreis.

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18 Gedanken zu „Freundin (Dust) von Sohrab Sepehri

  1. Mir sind die Tränen gekommen … Für mich gibt es keine besseren DichterInnen in dieser Welt. Die persische Sprache ist für’s Dichten gemacht, für eine Bildgewalt hinter einem einzigen Wort. Ich liebe es. Danke. Oh Gott, was habe ich nur in meinem Leben verpasst, weil ich dieses eine Gedicht nicht kannte …

    • Sherry jân, dieses Gedicht kenne ich auswendig, den Sohrâb ist mein Vorbild und Ardašir hat sich richtig Mühe gegeben, um das Gedicht ins Deutsch zu bringen, und um die Pointe zu behalten. Die englische Version ist lachhaft und sehr schwach, denn der/die ÜbersetzerIn hat das Gedicht nicht verstanden und in der Übersetzung auch gepfuscht und es ist nicht das, was Sohrâb gedichtet hatte. Daher haben wir uns entschieden es richtig zu machen. Das könnte auch mal bei euch veröffentlicht werden.

      • Ja, im Poesieforum könnte man es veröffentlichen. Auf der Hauptseite müssten noch die Hintergründe dieses Gedichtes integriert werden, und ein paar Zeilen zu den beiden Künstlergrößen. Persisch ist eine wunderbare Sprache. Ich finde die Übersetzung auch sehr schön, sie wirkt nicht hohl, sondern kann die Stimmung des Originals sehr gut transportieren.

        • Jap mein Schatz, ich denke, dass da jeder weiß, wer diese große Dichter und Dichterin sind und am Ende habe ich nur kurz über sie geschrieben und ich fand die Erklärungen von Wiki in Ordnung, daher habe ich die Erklärungen mit Wiki verlinkt. Wir werden auch von Sohrâb und Forugh einiges übersetzen. Ich glaube, die User bei euch werden sich sehr freuen.

        • Liebe Sherry,

          es ist extrem schwierig ein persisches Gedicht vernuenftig in die deutsche Sprache zu bringen, so dass Inhalt und Stimmung richtig transportiert werden und es auch im Deutschen gut klingt. Ich habe hier Gedichte von Hafez in einem Buch, die Uebersetzung ins Deutsche ist so schlecht, dass man nicht versteht was der Dichter meint und ausserdem klingt alles sehr kitschig.

          Danke fuer den Like Button:-)

          • @Amir joon:

            Das weiß ich, mein Lieber. Ich habe selber oft {moderne} persische Gedichte ins Deutsche übersetzt {zumindest habe ich es versucht}. Und ich weiß, dass man die Waage finden muss zwischen “Nehme ich jetzt lieber das richtige Wort oder lieber mehr vom richtigen Inhalt?” Deshalb finde ich, habt ihr das sehr sehr schön hinbekommen!

            @Fartab joonam:

            Bei uns lesen sehr viele Deutsche mit, und sie kennen die beiden nicht. Und Wikipedia würden wir nur sehr ungern verlinken, bei einem so emotionalen Gedicht gehört meiner Meinung nach auf jeden Fall noch ein kleiner, einleitender, herzerwärmender Text dazu. Weißt du, was ich meine, Liebes? Überleg’s dir. Sollst dir ja keinen Stress machen. Irgendwann! Ich liebe eure Umsetzung von diesem Gedicht auf jeden Fall.

            • Ich habe schon verstanden, wir nehmen auch ungern von Wiki. Ich denke, dass einige Deutschen doch mit Sohrâb vertraut sind, mit Forugh bestimmt. Aber, bei Gelegenheit müssen wir doch selber was schreiben. Aber, kein Stress ;)

  2. Pingback: In Erinnerung an Dr. Kourosh Aryamanesh | Online-Magazin Pârse&Pârse پارسه و پارسه

  3. Ich finde übrigens keine guten Übersetzungen von Hafez Gedichten. Sie sind wirklich sehr platt. Auf Englisch sind sie erträglicher. Aber wirklich Gute habe ich noch nicht gefunden. Eine Marktlücke, wenn ihr mich fragt!

      • Das wäre wunderbar. Ich weiß, ich spamme gerade. Aber was ich auch noch interessant fände wäre, eine Interpretation der Gedichte mit dem epochalen Wissen, das ihr vermutlich aufweisen würdet. Ist nur’n Brainstorming.

        Oder auch zu jedem Gedicht die Metaphorik erklären. Was bedeutet es, wenn iranische Dichter vom “Wein” schreiben oder von “Rosen” oder von “O Geliebter” oder … Ach! Ich freue mich drauf. Ich weiß, das wird eine sehr harte Arbeit sein.

        Ach nochwas: Ich hoffe, ihr speichert alle eure Artikel auch per Datei. Wenn nicht, fangt bitte damit an!

        • Oh, die Gedichtsinterpretation war mein Fach in der persischen Literatur und da hast Du die richtige Angesprochen. I love it! Das ist etwas, was ich stundenlang machen kann und ein Gedicht Wort für Wort interpretieren und erklären kann. Das ist eine Stärke von mir. Oh man, ich hebe jetzt ab ;)

          Schatz, wir speichern immer unsere Sachen, und schon da haben wir eine Sicherheit, dass wir die Urheber sind, weil das Speicherdatum sehr wichtig ist. Und Du spammst uns nicht; Du hast uns Heute richtig die Ehre gegeben hier zu weilen *Herz*

  4. Schön geschrieben:
    dazu ein kleiner Beitrag als Geschenk !…
    wurde einst gefragt was denn das Tal der Liebe sei und wie man es Betreten könne ? er sprach:
    „Um hier einzutreten, muss man ganz in Feuer tauchen, ja man muss selber Feuer sein, denn sonst könnte man da nicht leben.
    Der wahrhaft Liebende muss dem Feuer gleich sein, entflammten Angesichts, brennend und ungestüm wie das Feuer. Um zu lieben, darf man keinen Hintergedanken haben; man muss bereit sein, hundert Welten ins Feuer zuwerfen; man muss weder Glauben noch Unglauben kennen, weder Zweifel noch Zuversicht hegen. Auf diesem Wege ist kein Unterschied zwischen Gut und Böse; wo die Liebe ist, sind Gut und Böse entschwunden. In diesem Tale ist die Liebe das Feuer und sein Rauch ist die Vernunft.
    Wenn die Liebe kommt, entflieht die Vernunft in Eile. Die Vernunft kann mit der Liebe nicht zusammen wohnen; die Liebe hat nichts zu schaffen mit der Vernunft des Menschen. Gewännest du einen rechten Blick der unsichtbaren Welt, dann erst vermöch-
    test du zu erkennen die Quelle der geheimnisreichen Liebe, die ich dir verkündige.
    Das Dasein der Liebe wird Blatt für Blatt völlig zerstört von der Trunkenheit der Liebe selbst.
    Göttlicher Funke erstrahle hinzu
    in den Menschen der Seelen deren Herz getrübt liegt entzweit
    gezeichnet durch Kummer des Leides ,
    deren Verursacher das Böse seinen Boden finden will.
    Bedenke der Sieger kann niemals gewinnen-
    Liegt Liebe jedoch tiefst verborgen in uns.

  5. Raum des Vertrauens°°

    Sich nicht scheuen,
    nichts bereuen,
    in allem die Wahrheit unsrer Göttlichkeit bewahren,
    uns täglich immer wieder neu erfahren,
    den Geist des Friedens fließen lassen,
    Anerkennung und Wertschätzung schenken in Massen,
    sich einfach annehmen und fallenlassen können
    und sich auch in Schwächen kennen,
    ohne gleich davon zu rennen,
    um hinter der Kleinheit die Größe zu erkennen –
    das ist mein Wunsch für das, was ist und wird,
    und dass nichts unser wachsendes Vertrauen stört,
    dass wir uns zeigen auch in Verletzlichkeit
    und immer sicherer werden mit der Zeit,
    dass wir behutsam unsere Grenzen erweitern
    und uns auch im scheitern oft erheitern
    mit einem liebevollen Humor,
    der zärtlich öffnet Tür und Tor
    zu kraftvollen Erfahrungen unsrer neuen Zeit
    voll Vertrauen und Lebendigkeit –
    dies sei unsre Wirklichkeit!
    Ich bin bereit.

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