In Erinnerung an Zahra Kazemi

Wieviele verletzliche und edle Blumen aus einem Blumenmeer,  hat die Islamische Diktatur im Namen des Schleiers des Schreckens in Iran brutal vernichtet und verdorren lassen, und wieviele verletzliche und edle Blumen werden unter der islamischen Diktatur noch verwelken? 

Die Barmherzigkeit Ahura Mazdas sei mit ihr,  und ihre Ruhestätte möge erleuchtet werden.

Zahra Kazemi-Ahmadabadi (Zahrâ Kâzemi Ahmadâbâdi) berühmt als “Zibâ” [زهرا کاظمی احمدآبادی]  war eine iranisch-kanadische Fotografin, die im Gewahrsam von iranischen Beamten nach ihrer Festnahme an den Folgen von Folter, MIsshandlungen und unsäglichen Brutalitäten, die sie in den letzten Tagen ihres Lebens erlitten hatte, verstarb.

Geboren wurde sie 1948 in Shiraz / Iran, seit 1993 lebte sie in Kanada. Sie hatte in Paris Literatur und Film studiert. Als Fotografin arbeitete sie in vielen Ländern der Welt, wie in Afrika, Lateinamerika, in der Karibik und in Ländern des Nahen Ostens. In den Themen ihrer Arbeit beschäftigte sie sich in Dokumentationen mit Armut, erzwungenem Exil und Unterdrückung. Im Juni 2003 reiste sie in den Iran, um Fotos von möglichen Demonstrationen in Teheran zu schiessen.

Die Demonstrationen im Juli 2003 wurden nach sechs Tagen von Sicherheitskräften und den paramilitärischen Pâsdârân brutal niedergeschlagen. Etwa 4.000 Studenten, die an den Demonstrationen gegen das Mullah-Regime beteiligt waren, konnten nicht mehr aufgefunden werden, sie wurden ohne die Familienmitglieder zu informieren, im iranischen Evin-Gefängnis im Norden Teherans als politische Häftlinge inhaftiert. Die Eltern dieser vermissten Kinder, versammelten sich vor dem Evin-Gefängnis und wollten wissen, was mit ihren Kindern passiert ist. Am 23. Juni 2003 fuhr auch Zahra Kazemi zum Gefängnis, um Bilder der Familienmitglieder zu machen. Sie hatte einen Presseausweis der iranischen Regierung dabei, in der ihr erlaubt war rund um Teheran zu arbeiten und sie dachte, sie kann auch vor dem Evin-Gefängnis fotografieren. Ein Gefängnismitarbeiter sah Frau Kazemi fotografieren und verlangte die Herausgabe der Kamera und sagte ihr, dass das Fotografieren vor dem Gefängnis verboten ist. Daraufhin belichtete Frau Kazemi den Film. Der Wächter schrie sie wütend an: “Ich habe Sie nicht aufgefordert Ihren Film zu belichten, geben Sie mir Ihre Kamera”, “Sie können die Kamera haben”, erwiderte sie, “aber der Film gehört mir”. Sie wurde inhaftiert und wurde im Laufe der nächsten drei Tage durch Polizeibeamte, Staatsanwälte und Mitarbeiter des Geheimdienstes verhört. Frau Kazemi hatte darauf bestanden, dass sie nicht irgendeinen Teil des Gefängnisses fotografieren wollte, sondern nur die Straße und die Demonstranten und die Familienangehörigen der Aktivisten, die im Gefängnis inhaftiert waren.

Das Evin-Gefängnis Personal, sagte, sie sei in einem sensiblen Bereich gewesen, und hätte Teile des Gefängnisses fotografiert. Einige Tage nach ihrer Verhaftung begannen Hardliner Zeitungen von ihrer Verhaftung zu berichten und nannten sie eine Spionin, die das Land als Undercover Journalistin betreten hätte. Am 11. Juli 2003 starb Zahra Kazemi an Atemstillstand im Baghiyyatollah al-Azam Militärhospital.  Zwei Tage später berichtete die iranische amtliche Nachrichtenagentur IRNA, dass Zahra Kazemi einen Schlaganfall erlitten hätte, während sie verhört wurde und im Krankenhaus gestorben sei. Später wurde behauptet, dass Kazemi nach einem Sturz sich den Kopf angeschlagen hätte und verstorben sei. Am 16. Juli 2003 räumte, Irans Vizepräsident Mohammad Ali Abtahi ein, dass Frau Kazemi in Folge von Schlägen gestorben sei. Mohammad Ali Abtahi, der Vizepräsident des Rechtsausschusses und Masoud Pezeshkian , der Minister für Gesundheit und Medizinische Ausbildung gaben zu, dass sie an einem Schädelbruch in Folge der Schläge auf den Kopf starb.

Zwei Jahre später, am 31.03.2005 hatte Dr. Shahram A’zam, ein ehemaliger Stabsarzt im iranischen Verteidigungsministerium, der Frau Kazemi im Krankenhaus kurz vor ihrem Tod untersucht hatte, bekannt gegeben, dass er schockiert war über das Ausmaß ihrer Verletzungen, dass offensichtliche Anzeichen von Folter und schweren Misshandlungen vorhanden waren, darunter:

  • Der Nachweis einer sehr brutalen Vergewaltigung auch mit Gegenständen, die zu brutalen vaginalen Verletzungen führte, die eine Krankenschwester feststellte, denn in Iran darf ein männlicher Arzt keine Frau vaginal untersuchen.
  • Ein Schädelbruch, zwei gebrochene Finger, fehlende Fingernägel, einen gebrochenen großen Zeh und eine gebrochene Nase.
  • Starke Unterleibsschmerzen, schwere abdominale Blutergüsse, Schwellungen hinter dem Kopf und eine Prellung an der Schulter.
  • Tiefe Kratzer am Hals und Hinweise auf eine Prügelstrafe an den Beinen
  • Verletzungen durch Auspeitschung auf dem Rücken

Dr. A’zam  floh am 28. März 2005 aus dem Land, und suchte politisches Asyl in Kanada, um uns diese Geschichte zu erzählen.

Einer der beiden iranischen Geheimdienstagenten, der für ihren Tod angeklagt wurde, wurde im September 2003 freigesprochen. Ein anderer Agent, Mohammed Reza Aghdam-Ahmadi [محمدرضا اقدم احمدی], wurde wegen eines “semi-vorsätzlichen Mordes” angeklagt und sein Prozess begann in Teheran im Oktober 2003. Im gleichen Monat, verurteilte das iranische Parlament Saeed Mortazavi, einen Teheraner Staatsanwalt, für die Ankündigung, dass Frau Kazemi an einem Schlaganfall gestorben sei.  Am 25. Juli 2004 wurde Aghdam-Ahmadi freigesprochen.

Rechts im Bild Stephan Hâšemi der Sohn von Zahrâ Kâzemi bei einer Demo. in Kanada

Ihr Tod in der Haft erregte große internationale Aufmerksamkeit. Ihre doppelte Staatsbürgerschaft und die Umstände ihres Todes führten zu internationalen Verwicklungen. Im November 2003 hatten kanadische Journalisten Frau Kazemi für Meinungsfreiheit mit dem Tara Singh Hayer Memorial Award als Anerkennung für ihren Mut bei der Verteidigung des Rechts auf freie Meinungsäußerung geehrt. Ihr Leben war eine der Inspirationen für den beliebten Webcomic,  Zahra ‘s Paradise.

Quellen: [ INDEPTH: ZAHRA KAZEMI "Iran's changing story" CBC News Online , Shirin Ebadi, Iran Awakening, 2006, p.195-7, People Murdered in Iran: Masoud Alimohammadi, Zahra Kazemi, Ahmad Kasravi, Haj Ali Razmara, Hassan-Ali Mansur, Darius Forouhar, Books LLC, p 83 -89, Memphis, Tennesee, USA 2010]

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8 Gedanken zu “In Erinnerung an Zahra Kazemi

  1. Diktaturen egal welcher Couleur werden immer Menschen wegschaffen und ggf. ermordern, wenn es ihnen dient oder wenn dadurch grössere Missstände vertuscht bleiben. Das gilt für westliche, östliche oder sonstige Diktaturen.
    Was mir immer wieder auffällt, ist jedoch die starke Verquickung des Islam mit Diktaturen. Ein Menschenbild, das in der gelebten (!, nicht notwendigerweise im Koran geschriebenen) Religiion manifestiert ist – Frauen haben weniger oderf keine Rechte und müssen sich verschleiern etc – begünstigt offensichtlich auch die menschenverachtende Machtausübung einzelner: im Kleinen durch “Ehrenmord” (aus meiner Sicht ist jemand ehrlos, der mordet) oder eben im Grossen durch staatliche, mit einer “göttlich” verordneten Diktatur.
    So kann ich persönlich hoffen und beten, dass die Menschen in diesen Diktaturen so massiv aufwachen, dass endlich Freiheit entstehen kann, die dem einzelnen nicht vorschreibt, was er berichten darf oder wie er sich zu kleiden hat. Und wir – hier in einem freien Land – sollten ebenfalls intervenieren, durch Boykott von Produkten (auch wenn es wehtut), insbesondere keine Urlaubsreisen in Diktaturen, wenn nicht die Möglichkeit besteht, das wirkliche Leben dort zu beobachten und mit den Menschen Kontakt zu haben. Beobachten und berichten ist nicht nur Journalisten-Aufgabe, es geht alle an.

  2. Mir ist heute klar geworden, dass ich die Gesichter niemals vergessen werde. Ich brauche nur Menschen zu sehen auf der Straße, die Ähnlichkeiten aufweisen, und ich denke sofort an die bekannten Gesichter, die in diesem Land zerstört worden sind. Herzrasen, Brechreiz, Schweißausbrüche, nach sovielen Jahren, man kann sich nicht daran gewöhnen. Ich kann gar nicht in Worte fassen, was ich sagen will. Ich wünsche mir nur, dass all das endlich ein Ende nimmt. Endlich ein Ende. Und wenn ich ehrlich bin, gehen meine Gedanken weiter, denken an Rache … Aber wie soll das gehen, ohne selbst zum Monster zu werden?

    Möge diese Frau in Frieden ruhen. Sie tut es. Aber was sollen Angehörige tun, die sich jedes Mal die letzten Stunden ihres Lebens vorstellen müssen? Wie sollen sie ihr Leben aushalten? Wie kann man so etwas aushalten?

    • Sherry jân, das sind auch Geschichten, die es schaffen veröffentlicht zu werden, denn zuhauf gibt es solche tapferen Menschen in Iran, deren Geschichte nie nach außen sickern. Erst und später, wenn die Mullahs weg sind, werden alle Geschichten zutage kommen. Erst nach einigen Generationen wird das Leid weg sein. Aber, wir dürfen sie nie vergessen, verzeihen vielleicht, aber nie vergessen. Mögen alle diese Blumen in Frieden ruhen.

        • Ich kann Dich sehr gut verstehen. Aber, damit dieses Volk endlich zu Ruhe kommt und den Teufelskreis brechen kann, muss irgendwann anfangen. Die, die Mörder sind, müssen ab Leben bleiben, aber für immer hinter Gitter sein; sie müssen aber jegliche gemeinnützige Arbeiten errichten, mit anderen Worten, sie müssen für ihren Aufenthalt im Gefängnis bezahlen und nicht auf Kosten des Volkes. Sie müssen sehen, wie ihr Islam abgeschafft wird.

  3. Die Wächter des “Korans” werden sich eines Tages genau so verantworten müßen, wie die Nazis auf dem Nürnberger Prozess. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Am Schluß siegt die Gerechtigkeit und niemals ein Satanskult.

  4. Pingback: Was ist aus meinem Land geworden? | Online-Magazin Pârse&Pârse پارسه و پارسه

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