Die Nuže-Verschwörung in Iran (1)

Einleitung

In der Nacht vom 09. auf den 10 Juli 1980, machten sich mehrere hundert Soldaten der iranischen Armee und im Ruhestand befindliche iranische Fallschirmjäger auf den Weg zur Nuže [نوژه] Luftwaffenbasis nahe der Stadt Hamadân, um einen Staatsstreich gegen das junge islamische Regime in Iran zu initiieren. Viele der Fallschirmjäger wurden festgenommen, als sie an der Basis angekommen waren. Mehrere Hundert weitere Teilnehmer an der Verschwörung wurden in den folgenden Tagen festgenommen. Die Verhafteten wurden bald vor Revolutionsgerichte gestellt, und viele von ihnen wurden hingerichtet. Aus Angst davor, dass andere Personen des militärischen Personals sich der Verschwörung anschließen könnten oder mit ihr sympathisieren, führte die Regierung eine umfassende Säuberung der Streitkräfte in den folgenden Monaten durch. Hunderte weitere Teilnehmer an der Verschwörung wurden aber nie gefasst und viele von ihnen haben auch danach den Kampf gegen das islamische Regime weitergeführt, doch von ihnen ging nie wieder eine ernsthafte Bedrohung für die Islamische Republik aus. Die Namen dieser tapferen Soldaten, glänzen noch immer auf der Stirn der iranischen Armee und der Mut dieser Blumen blüht für immer in den Herzen vieler Iraner. Man kann Blumen eben töten, ihr Duft aber bleibt immer in unserer Erinnerung.

Der Nuže Putsch [کودتای نوژه] war in mehrfacher Hinsicht bedeutsam. Erstens stammten die meisten ihrer Führer und auch Teilnehmer der unteren Ebene aus zwei unterschiedlichen Segmenten der iranischen politischen Landschaft, die auf entgegengesetzten Seiten in den politischen Kämpfen der vorangegangenen Jahrzehnte in Iran kämpften: Die Streitkräfte und die säkularen demokratischen-Nationalisten. Die Streitkräfte waren eine Säule des monarchischen Regimes, das in der Islamischen Revolution von 1978 bis 1979 gestürzt wurde, und die säkularen demokratischen Nationalisten hatten noch vor Kurzem gegen den Schah opponiert. Dass gerade diese beiden Segmente der Gesellschaft in der Eigenschaft als gemeinsame Verschwörer gegen das neue islamische Regime zusammenarbeiten konnten, zeigt, dass sich die säkulare Opposition gegen das islamische Regime im Juli 1980 mit Teilen der Streitkräfte verschmolzen hatte, und dass sie das tiefe Misstrauen, das sie getrennt hatte, überwunden hatten, um den gemeinsamen Feind zu stürzen.

Die Nuže Verschwörung beeinflusste die iranische Politik und die regionalen Angelegenheiten in signifikanter Weise. Tatsächliche oder vermeintliche Bedrohungen gegen die Islamische Republik Iran, die in dieser Zeit entstanden sind, überzeugten Irans radikal-islamische Staats- und Regierungschefs davon, dass starke Kräfte versuchten, das islamische Regime zu zerstören. Dies führte dazu, dass das islamische Regime immer härtere Maßnahmen ergriff, um ihre Gegner zu schwächen und das Regime zu festigen. So führte die Nuže Verschwörung in dieser Zeit zu einer weiteren Radikalisierung von Irans islamischen Fundamentalisten. Darüber hinaus wurde die irakische Regierung an der Nuže Verschwörung beteiligt, und während der Verhaftungen und Säuberungen der Streitkräfte, die in dieser Zeit deutlich geschwächt waren, bereitete der Irak seine Invasion in den Iran im September 1980 vor. Deshalb spielte die Nuže Verschwörung eine bedeutende Rolle bei den Ereignissen des Iran-Irak-Krieges, einem verheerenden Konflikt, der die Region acht Jahre lang erschütterte und die iranische Politik in eine tiefe Hysterie und Betroffenheit geführt hatte.

Diese Artikelreihe enthält eine ausführliche Darstellung der Nuže Verschwörung und untersucht ihre Auswirkungen auf die iranische Politik und den regionalen Folgen. Über Nuže ist sehr wenig geschrieben worden und die meisten der Quellen, die erschienen waren, sind ungenau, manche sogar widersprüchlich. Dieser Artikel basiert deshalb vor allem auf vorhandene Interviews, mit fünf der wichtigsten Führer der Verschwörung und mit sechs weiteren sachkundigen Personen. Darunter ist ein ehemaliger hochrangiger iranischer Geheimdienstoffizier, der im Zusammenhang mit der Verschwörung stehende Personen verhaftet und verhört hatte; Abol-Hassan Bani Sadr [ابوالحسن بنی صدر], der ehemaliger Staatspräsident des Iran; ein Historiker, ehemals tätig im Forschungsbüro der Islamischen Revolutionsgarden, der sehr gut über sicherheitsrelevante Themen in dieser Periode informiert ist, und drei US-Beamte, die für den Iran in dieser Zeit zuständig waren. Überraschenderweise hatte keiner von ihnen mehr als nur ein begrenztes Verständnis für die Verschwörung. Die wichtigsten Details der Nuže Verschwörung waren ein streng gehütetes Geheimnis, das nur ein paar wenige, wichtige Führer kannten, ein Geheimnis, das an andere Teilnehmer nur nach dem Need-to-Know-Prinzip weitergegeben wurde.

Trotz aller Bemühungen um die Aufklärung der Hintergründe der Nuže Verschwörung im Sommer 1980, blieb eine wichtige Frage unbeantwortet: Woher wusste die iranische Regierung die wesentlichen Details der Verschwörung? Wer waren die Verräter?

Die politische Ausgangssituation

In der Folge der iranischen Revolution im Februar 1979, begannen die radikal-islamischen Anhänger von Ayatollah Ruhollah Khomeini konzertierte Anstrengungen, um ihre Gegner zu schwächen und verschiedene Einrichtungen eines islamischen Regimes zu etablieren. Sie verhafteten die meisten prominenten Unterstützer des abgesetzten Schah Mohammad Reza Pahlavi, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht ins Exil geflohen war. Im März 1979 hielten die Islamisten ein umstrittenes Referendum ab, indem die Iraner zwischen der Monarchie und einer islamischen Republik wählen durften; es wurden keine weiteren Alternativen angeboten und eine überwältigende Mehrheit soll für eine islamische Republik gestimmt haben. Die radikalen Islamisten begannen bald moderate Mitglieder der revolutionären Koalition, vor allem durch Unterminierung zu attackieren, fegten die provisorische Regierung von Ministerpräsident Mehdi Bâzargân [مهدی بازرگان] hinweg und attackierten Ayatollah Kâzem Šari’atmadâri [آیت الله کاظم شریعتمداری], ein führender moderater Geistlicher. Sie begannen auch die Mojâhedine Xalq [مجاهدین خلق], Fadâyiyâne Xalq [فداییان خلق], und andere militante linke Gruppen, die an der Revolution teilgenommen hatten, zu bekämpfen, schwächten ihre Stützpunkte und trieben sie zu einem großen Teil in den Untergrund.

Als ihre Rivalen immer schwächer wurden, verfassten die Radikalen eine neue Verfassung und sicherten sich die Zustimmung jener in einer Volksabstimmung, deren Inhalt die Schaffung der Grundlagen für einen islamischen Staat war. Selbst der Islamist Bani Sadr, der zum Staatspräsidenten der neuen Islamischen Republik im Januar 1980 gewählt wurde, war ihnen nicht radikal genug. So fegten die radikalen Islamisten ihn ebenso hinweg und brachten den politischen Korpus fest unter ihre Kontrolle. Die Radikalen hatten bereits über den größten Teil der staatlichen Bürokratie in dieser Zeit geherrscht und die Kontrolle über Medien, wie Radio und Fernsehen und einem großen Teil der Presse an sich gerissen. Ein Netzwerk von Komitees war entstanden, das die Sicherheit und die revolutionäre Doktrin durchsetzte und ein Korps der Islamischen Revolutionsgarden, eine paramilitärische Truppe war geschaffen worden, sowie eine Reihe von mächtigen revolutionären Institutionen, darunter ein Netz von revolutionären Gerichten, welche das islamische Regime gegen seine Gegner verteidigen sollten.

Die Radikalen versuchten auch die Kontrolle über die Streitkräfte Irans in diesem Zeitraum zu übernehmen. Die Streitkräfte waren von den revolutionären Ambitionen Ende 1978 verwüstet worden und Anfang 1979, hatten schätzungsweise 60 Prozent der Mitarbeiter die Armee verlassen. Aus Angst, dass das Offizierskorps sich zu einer Bastion der Konterrevolution entwickeln könnte, führten Irans neue Führer daraufhin eine erste militärische Säuberung durch und richteten 85 Offiziere und Unteroffiziere in der ersten Hälfte des Jahres 1979 hin, obwohl sie militanten linken Forderungen widerstanden hatten, die Armee aufzulösen. Eine zweite, umfangreichere Säuberung begann dann im September 1979, was zur Entlassung von rund 8.000 – 10.000 Offiziere im Juli 1980 führte. Jung-Offiziere und Mannschaften hatten Komitees an den Militärbasen im ganzen Land während des revolutionären Aufstandes etabliert, um hohe Offiziere unter ihre Kontrolle zu bringen und brachten sukzessive die Streitkräfte in Einklang mit der Revolution. Diese Komitees wurden nach und nach durch eine politisch-ideologische Direktion und einer Reihe von Imam Vertretern von Ayatollah Khomeini ersetzt, deren Zweck es war, die Streitkräfte zu überwachen und zu indoktrinieren. Diese Aktionen, zusammen mit der wachsenden Bedeutung der Revolutionsgarden, hatten die Moral der Armee scharf untergraben und produzierten ein wachsendes Klima der Angst und Unsicherheit unter vielen Offizieren, die nicht die radikalen Islamisten voll unterstützt hatten.

Als sie ihre Kontrolle über den Staatsapparat inne hatten, führten die radikalen Islamisten umfangreiche soziale, kulturelle, wirtschaftliche und außenpolitische Veränderungen durch. Sie implementierten Elemente des islamischen Rechts, einschließlich der Verbote von Alkohol und Glücksspiel und islamische Strafen für Diebstahl, Prostitution und andere Verbrechen. Sie beschränkten die Rechte der Frauen und verhängten islamische Kleiderordnung. Sie fingen an, das Bildungssystem zu islamisieren. Sie beschlagnahmten das Vermögen von vielen wohlhabenden Familien und unternahmen weitere Maßnahmen der Umverteilung. Darüber hinaus veränderten sie Irans Außenpolitik und ihre internationalen Beziehungen durch verbale Angriffe auf die Vereinigten Staaten und den Nachbarländern in zunehmendem Maße, sie nahmen Mitarbeiter der US-Botschaft im November 1979 als Geisel, und versuchten ihre islamische Revolution zu exportieren.

Diese Maßnahmen hatten ein erhebliches Chaos bis zum Sommer 1980 produziert. Die Radikalen hatten Tausende von Menschen verhaftet, mehr als 800 Menschen bis zu diesem Zeitpunkt hingerichtet, tausende Iraner zur Flucht ins Ausland getrieben und ein Klima der Angst und Unsicherheit geschaffen. Die Streitkräfte und andere Zweige des Sicherheitsapparats waren stark geschwächt. Gesetzlosigkeit war mächtig geworden, durch linke Guerillaeinheiten, Stammes-Dissidenten, islamischen Extremisten, und gewöhnlichen Kriminellen, deren Wirken durch Zusammenstöße mit den Sicherheitskräften und untereinander gekennzeichnet war und sie führten Attentate, Bombenanschläge, Raub und Erpressung durch. Die revolutionären Institutionen duplizierten viele Funktionen von staatlichen Stellen, förderten die Korruption und Grabenkämpfe. Die Wirtschaft hatte stark gelitten, sich durch umfangreiche Kapitalflucht verschlechtert, wies einen drastischen Rückgang der Produktion auf und war von nun an durch wachsende Inflation und Arbeitslosigkeit geprägt.

Iran sah sich auch den zunehmenden Bedrohungen aus dem Ausland zu diesem Zeitpunkt ausgesetzt. Die größte Bedrohung kam aus dem von Saddam Hussein und der Bath Partei kontrollierten Irak im Juli 1979. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern waren nach dem Sturz des Schahs auf dem Tiefpunkt angelangt. Der Irak begann die iranische, arabische und kurdische Guerilla in Iran zu unterstützen und entsandte Agenten in den Iran, um Bombenattentate durchzuführen, und beide Länder hatten seit Jahrhunderten immer wieder Grenzstreitigkeiten am Arvandrud (Shatt el Arab), die zuletzt 1975 durch seine kaiserliche Hoheit im Abkommen von Algier beigelegt worden waren. Bis Oktober 1979 hatte die iranische Regierung erkannt, dass der Irak Vorbereitungen für eine groß angelegte Invasion in den Iran trifft. Die Spannungen wuchsen im April 1980, als ein Iraker iranischer Abstammung ein Attentat auf den irakischen Vizepremier Tariq Aziz verübte, um ihn zu ermorden. Der Irak befahl daraufhin die Hinrichtung von Ayatollah Mohammad Bagher al-Sadr, ein irakischer schiitischer Geistlicher mit engen Beziehungen zu Khomeini und ordnete die Deportation von Zehntausenden irakischen Schiiten in den Iran an. Viele Beobachter vermuteten, dass der Krieg nun unmittelbar bevor stand. Iran beschuldigte die Vereinigten Staaten für die meisten dieser Spannungen verantwortlich zu sein und porträtierte den Irak als Marionette der USA, der den US- und israelischen Interessen diene.

Der Erfolg der radikalen Islamisten und das wachsende Chaos schufen eine zunehmende Unzufriedenheit und Polarisierung in Iran. Rund 75 Prozent der 20 Millionen Wahlberechtigten in Iran hatten das Dezember 1979 Verfassungsreferendum befürwortet, und ein wenig mehr als die Hälfte davon hatten gemäßigte oder radikale islamische Kandidaten bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Januar und März 1980 gewählt. Auf der anderen Seite, waren viele Iraner aus der Mittel- und Oberschicht und viele Kurden und andere Minderheiten immer tief besorgt über den Verlauf der Ereignisse und standen in zunehmendem Maße dem islamischen Regime misstrauisch gegenüber. Außerdem waren viele Mitarbeiter der iranischen Streitkräfte mit der Entwicklung in Iran tief enttäuscht. Mit den Niederlagen der Liberalen, wie Mehdi Bâzargân und Ayatollah Šari’atmadâri begannen einige Gegner des islamischen Regimes sich vermeintlich gemäßigten Islamisten wie Bani Sadr zuzuwenden, in der vergeblichen Hoffnung, sie könnten sie unterstützen die radikalen Islamisten zu stoppen. Andere unterstützten heimlich die Mojâhedine Xalq, die sich von den radikalen Islamisten distanziert hatten und für den bewaffneten Kampf eintraten, oder sie unterstützten sogar die kurdische Guerilla und Fadâyiyâne Xalq, die einen umfassenden Aufstand im Sommer 1979 vorbereitet hatten. Viele andere misstrauten den sog. gemäßigten Islamisten und der militanten Linken zu tiefst und hofften, dass ein Militärputsch oder eine ausländische Intervention die Islamisten hinwegfegen würde und die Monarchie wiederhergestellt werden würde, oder eine Demokratie westlichen Stils kreiert werden würde, oder gar eine Militärdiktatur eingeführt werden würde, die wieder Sicherheit, Ordnung und Wohlstand bringen würde.

In diesem zunehmend chaotischen und polarisierten Umfeld, begannen kleine Gruppen von iranischen Zivilisten und Militärs eine Verschwörung gegen das islamische Regime, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Landes. Viele dieser Gruppen näherten sich den Vereinigten Staaten und baten um ihre Unterstützung, wurden aber abgewiesen. Bis zum Herbst 1979 wurden mehrere dieser Gruppen in zunehmendem Maße gegen das islamische Regime aktiv.

Die wichtigsten dieser Oppositionsgruppen wurden von Shahpur Bakhtiar (Šâhpur Baxtiyâr) [شاهپور بختیار], ein langjähriger Kritiker des Schahs und eine Schlüsselfigur in der Iran-Partei [حزب ایران] und der Nationalen Front [جبهه ی ملی] angeführt, welche die wichtigsten säkularen demokratisch-nationalistischen Oppositions-Organisationen unter dem Schah-Regime waren. Shahpur Bakhtiar hatte zugesagt, als Ministerpräsident in den letzten Wochen der Schah-Herrschaft zu dienen, in dem Bemühen, eine islamistische Machtübernahme zu verhindern. Er ging in den Untergrund als seine Regierung im Februar 1979 gestürzt wurde und tauchte im fernen Paris im Juli 1979 wieder auf, wo er ankündigte, er werde eine Oppositionsbewegung anführen, die den Sturz des islamischen Regimes zum Ziel hat. Dann begann er sich an verschiedene Exil-Iraner in Europa zu wenden, um finanzielle Unterstützung und Rekruten für seine Bewegung zu erhalten. Er näherte sich auch den Vereinigten Staaten für eine Unterstützung an, wurde aber von ihnen abgelehnt. Allerdings hatte die Central Intelligence Agency (CIA) eine Liaison mit ihm und einigen seiner Mitarbeiter, und sie versuchten sogar, Agenten in seiner Organisation zu rekrutieren. Bis Anfang Oktober hatte Bakhtiar begonnen, finanzielle Unterstützung durch die Schwester seiner kaiserlichen Hoheit, Prinzessin Ashraf Pahlavi, und andere wohlhabende Iraner zu erhalten, so dass er eine Zeitung herausgeben und eine in Paris ansässige Organisation gründen konnte. In den folgenden Monaten, kontaktierte er den Irak und andere wohlhabende arabische Staaten, die ihm viel größere Hilfen an finanzieller Unterstützung gewährten. Der Irak versorgte ihn auch mit Sendeanlagen für seinen Sender Radio Iran [رادیو ایران], eine Radiostation, die ab Mai 1980 ihre Sendungen auszustrahlen begann. Diese Kapazitäten ließen Bakhtiar zum prominentesten Gegner des islamischen Regimes in Iran werden.

Mehrere andere Exilgruppen arbeiteten auch gegen das islamische Regime. Im Herbst 1979 begann General Qolâm Ali Oveysi [غلامعلی اویسی], der als “Schlächter von Teheran” für seine harten Anstrengungen, um die Revolution im Jahr 1978 zu zerschlagen bekannt geworden war, mit General Javad Mo’inzâde [جواد معین زاده] ein kleines Netzwerk an etablierten Exiliraner Offizieren zu gründen. Oveysi und Mo’inzâde gingen im März 1980 in den Irak und trafen dort die irakische Führung, die ihnen Geld für Stützpunkte, Waffen, und Sendeanlagen für Oveysis Radiosender Free Voice of Iran [رادیو ایران آزاد] zusicherten. Dann errichteten sie ein Netzwerk in Iran mit dem Ziel der Beschlagnahme von Gebieten nahe der irakischen Grenze, um sie als Basis für ihre Operationen zu verwenden, um landesweite Aufstände zu schüren und zu etablieren, damit ihre Radiostation verschlüsselte Botschaften dieses Netzwerks und Appelle für militärische Fahnenflucht und Volksaufstände in den Iran senden konnte. Bis zum Mai 1980 behaupteten sie, über einen Kader von 7000 pensionierten Offizieren und 90.000 weiteren Freiwilligen zu verfügen und einen bewaffneten Aufstand gestartet zu haben, obwohl es zweifelhaft ist, dass ihrem Netzwerk mehr als ein paar hundert Männer angehörten. Prinzessin Asrafs Sohn, Šahriyâr Šafiq [شهریار شفیق], ein ehemaliger iranischer Marineoffizier, fing an, eine amphibische Invasion in den Iran zu planen, er wurde aber im Dezember 1979 ermordet. General Mostafâ Pâlizbân [مصطفی پالیزبان] etablierte Beziehungen mit General Oveysi und versammelte eine kleine Gruppe der kurdischen Guerilla um sich. General Bahrâm Âryânâ [بهرام آریانا] schuf eine Organisation namens Azadegan und gründete eine Basis in der Türkei nahe der iranischen Grenze, um Angriffe in den Iran gegen die Islamisten führen zu können.

Den radikalen Islamisten waren diese Aktivitäten bekannt gewesen und sie waren sehr besorgt darüber. Bis zum Herbst 1979 warnten Khomeini und andere Führer oft vor Anschlägen und Verschwörungen, um ihre radikalen Aktionen zu legitimieren und schürten die wachsende Angst und Hysterie. Die Studenten, die die US-Botschaft im November 1979 besetzt hatten handelten auch deshalb so, weil sie glaubten, die CIA würde einen „Putsch, wie im Jahr 1953“ organisieren. In den folgenden Monaten begannen die Studenten, Dokumente aus der Botschaft gegen Personen freizugeben, die aus ihrer Sicht, zeigten, dass sich bestimmte Personen mit Botschaftsangehörigen der US-Botschaft gegen das islamische Regime verschworen hätten, was dazu führte, dass einige verhaftet wurden und mindestens zwei Personen exekutiert wurden. Als US-Soldaten die US-Geiseln im April 1980 zu befreien versuchten, glaubten viele Iraner, dass diese Operation ein Teil einer breit angelegten Verschwörung gegen das islamische Regime mit geheimnisvollen inländischen Kollaborateuren war. Die Führung des Iran warnte häufig vor Verschwörungen und richtete sogar einen speziellen Ausschuss ein, um solche in den folgenden Wochen aufzudecken und zu untersuchen, und er trug dabei erheblich zu einer wachsenden Hysterie bei. Viele mutmaßlichen Verschwörer wurden in diesem Zeitraum verhaftet und die Streitkräfte wurden weiter gesäubert. Ironischerweise waren einige der verhafteten Personen aus dem Kreis um General Oveysi, obwohl sie nicht an der gescheiterten US-Rettungsaktion beteiligt waren. Im Mai und Juni hatte die Regierung mindestens zwei Putschversuche, die in Verbindung mit General Oveysi gebracht wurden, aufgedeckt und Dutzende von Soldaten wurden verhaftet, was zu einer weiteren Schwächung Oveysis führte und die iranische Führung noch furchterregender erscheinen ließ. Kurz bevor die Nuže Verschwörung zusammengebrochen war, erklärte Präsident Bani Sadr, dass sechs Verschwörerparzellen innerhalb der Streitkräfte während der letzten 4 Monate aufgedeckt wurden.

Quellen: [mo’aseseye motâle’ât va pažuhešhâye siyâsi (Foundation for Political Studies and Investigation); Kudetâye Nuže (Nuže Coup d’E´ tat), 2nd ed. (Tehran, 1989/1368); Interviews: Mohammad Bâqer, Bani Âmeri (London, 14–17 July 1999 and 7 and 30 May 2000); Parviz Qeddisi (Geneva, 13 May 2000); Sa’id Teymuri und Parvin Šeybâni (Paris, 6 July 1999 and 15 May 2000); Javâd Xâdem (Henley, U.K., 30 May 2000); Sirus Âmuzgâr (Paris, 4 January 1998, 5 and 7 July 1999, and 25 May 2000); U.S. official Gary Sick, U.S. National Security Council; Shaul Bakhash, The Reign of the Ayatollahs (New York: Basic Books, 1984); David Menashri, Iran: A Decade of War and Revolution (New York: Holmes and Meier, 1990); Mohsen M. Milâni, The Making of Iran’s Islamic Revolution, 2nd ed. (Boulder, Colo.: West view Press, 1994); Nikola B. Schahgaldian, The Iranian Military under the Islamic Republic (Santa Monica, Calif.: RAND, 1987), 20, 30–31; William F. Hickman, Ravaged and Reborn: The Iranian Army, 1982 (Washington, D.C.: Brookings Institution, 1982), 8–18; Bakhash, Reign of the Ayatollahs, 255–56; Menashri, Iran: A Decade of War and Revolution, 192–210; Washington Post, 21 March, 9 April, and 27 May 1980; Le Monde (Paris), 7 May 1980; PARS News Agency (Tehran), 7 May 1980, Foreign Broadcast Information Service, Daily Report, South Asia (hereafter, FBIS–SA), 8 May 1980; Stephen C. Pelletiere, The Iran–Iraq War: Chaos in a Vacuum (New York: Praeger, 1992), chap. 2; Washington Post, 9 November 1980; Keyhân, 18 March 1981/28 Esfand 1360; Le Monde, 17 August 1979; Moslem Students, Documents, esp. 38:5, 38:13, 38:15, 38:42, 55:93, 56: 94; Mehrdâd Xânsâri, The National Movement of the Iranian Resistance 1979–1991: The Role of a Banned Opposition Movement in International Politics (unpublished Ph.D. thesis, London School of Economics and Political Science, London, 1995), 117–35; Shahpour Bakhtiar, Ma fide´lite´ (Paris: Albin Michel, 1982); Xânsâri, National Movement, chap; Washington Post, 17 May 1980; Kudetâye Nuže, 130; Interviews mit General Javâd Mo’inzâde (London, 1 January 1998) and Ahmad Madani (San Jose, Calif., 10 August 1997); London Now! (London, 25–31 July 1980); Sunday Times (London, 18 May 1980); Le Monde, 24 June 1980; Washington Post, 17 May 1980; Menashri, Iran: A Decade of War and Revolution, 142; Le Monde, 24 June and 2 July 1980; interviews mit Mo’inzâde und Abbâs Abdi (Tehran, 23 June 1999); Washington Post, 8 May and 10 and 27 June 1980; Menashri, Iran: A Decade of War and Revolution, 143; Dilip Hiro, Iran under the Ayatollahs (London: Routledge and Kegan Paul, 1985), 155–56; Ettelâ’ât (Tehran), 14 June 1980/24 Xordâd 1359; Mark J. Gasiorowski, “The 1953 Coup d’E´ tat in Iran,” International Journal of Middle East Studies 19 (1987); Interview Bani Âmeri; Ibid Xâdem; interview Abolqâsem Xâdem; Teymuri und Šeybâni; Tehran Domestic Service, 10, 12, and 13 July 1980, in FBIS-SA, 11 and 14 July 1980; Nuže Coup d’E´ tat, 189–96; Akbar Hâšemi Rafsanjâni, Tehran Domestic Service, 13 July 1980, in FBIS-SA, 14 July 1980; General Qâsem Ali Zahirnežâd; Keyhân, 14 July 1980/23 Tir 1359; Bani Sadr, Bâmdâd, 15 July 1980/24 Tir, 1359; Bani Sadr, My Turn to Speak, 13–15; Ketâbceye Haqiqat (Booklet of Truth) (n. p., June–July 1998/Tir 1377), 9–11; Râhe Tude (Path of Tude) no. 105, March–April 2001/Farvardin 1380, 21; Amir Tâheri, Nest of Spies (New York: Pantheon Books, 1988), 137–38; Samuel Segev, The Iranian Triangle (New York: Free Press, 1988), 20–21; and Gary Sick, October Surprise (New York: Times Books, 1991); Agence France Presse, 18 July 1980; New York Times, 5 January 1981; Nâmeye Neqâb (Neqâb Letter) (Paris), 9 July 1982/18 Tir 136;  Bakhash, Reign of the Ayatollahs, 119–20, 255–56; Hickman, Ravaged and Reborn, 18–21; Andrew T. Parasiliti, Iraq’s War Decisions (unpublished Ph.D. diss., Johns Hopkins University, 1998), chap. 2; and Washington Post, 9 November 1980; Pelletiere, Iran–Iraq War, chap. 2.]

Der Teil 2 dieser Reihe

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6 Gedanken zu „Die Nuže-Verschwörung in Iran (1)

  1. Ah…auch der Iran hat seinen 20. Juli… (1944)
    Das klingt doch alles sehr ähnlich. Lest mal Artikel über die Zeit in Deutschland von 1932-1934 (Röhm-Putsch, Tod des Reichspräsidenten Hindenburgs), ihr werdet dort alles wiederfinden was im Iran von 1978-1980 geschah.

    • Tja Prinz, die Geschichte wiederholt sich! Diese Reihe, mit der wir angefangen haben, ist sehr wichtig! Ich persönlich bin eine Zeitgenossin dieses Ereignis und muss sagen, dass es eine verdammt schwarze Zeit nach der Revolution war! Die Zeitungsausschnitte, deren Fotos und Bilder ich hier im Artikel reinsetze, hielt ich einmal in der Hand und die Bilder und Berichte waren schrecklich. Vergessen kann ich die Zeit nie, aber vielleicht mit dieser Reihe etwas verarbeiten! Und noch dazu, diese Reihe ist eine sehr gute Quelle für die zweite und dritte Generation nach der Revolution, die hier aufgewachsen und wissen wollen, was eigentlich sofort und ab dem Tag der Mullah-Sieges in Iran passierte.

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  3. Die Revolution war ein Plan von England und der USA um die Wirtschaftsmacht Iran unterm Shah zu zerstören. Khomeini war nicht mal Iraner sondern ein Agent von Groß Brittanien aus Jalandhar, Punjab!

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