Die Nuže-Verschwörung in Iran (3)

Die Gerichtsverhandlung_zweiter von rechts General Âyat Mohaqqeqi

Der Teil 2 dieser Reihe

Der Plan

Der erste Schritt des Planes wurde für indigene Gruppen in verschiedenen Teilen des Landes entwickelt, um Ablenkungsmanöver in Form von Aufständen in den Wochen vor dem 09. – 10. Juli zu inszenieren, um die iranische Regierung dazu zu bewegen Einheiten der Revolutionsgarden aus Teheran abzuziehen, wodurch die Durchführung des Staatsstreichs einfacher werden sollte. Diese Stammesgruppen bestanden aus Baxtiyâris, Boyr-Ahmadis, Balucis und Qašqâyis, die von Bani Ameri, Qeddisi und Rokni rekrutiert worden waren und für ihre Dienste bezahlt wurden. Bakhtiar soll auch Ablenkungsangriffe des Irak an verschiedenen Orten entlang der irakisch-iranischen Grenze angeordnet haben, ohne die Führer der Neqâb davon in Kenntnis gesetzt zu haben.


Nachdem die Revolutionsgarden durch diese Aktivitäten abgelenkt worden waren, waren ein Team von rund 300 im aktiven Dienst und im Ruhestand befindliche Fallschirmjäger mit Sitz in Teheran, angeführt von Major Âzartâš, in kleinen Gruppen an Orte in der Nähe der Air Base Nuže in der Nacht vom 09. auf den 10. Juli angereist, um die Basis zu übernehmen. Gleichzeitig trafen sich etwa 20 Piloten der iranischen Luftwaffe, angeführt von General Mohaqqeqi und Leutnant Rokni, im Lâle Park in Teheran und reisten nach Nuže, um sich dort mit etwa dreißig anderen ausgewählten Piloten zu verbinden. Die Piloten sollten sich dann F-4 und F-5-Jagdbomber an der Nuže Basis bemächtigen und eine Reihe von Zielen in der Morgendämmerung, einschließlich Ayatollah Khomeinis Haus in Teheran, das Feyziye Priesterseminar in Qom, das Hauptquartier des revolutionären Gerichtssystems, das Büro des Premierministers, die Revolutionsgarden des Geheimdienstes, zwei weitere Basen der Revolutionsgarden in Teheran, mehrere Basen der Komitees in Teheran und Start- und Landebahnen der iranischen Air Force (IAF) in Teheran und anderen Städten bombardieren. Khomeinis Haus, das Feyziye Priesterseminar und das Hauptquartier der Revolutionsgerichte wurden als Angriffsziele ausgewählt, um so wichtige Symbole des islamischen Regimes zu zerstören, und um so die Unterstützer des Regimes zu demoralisieren.

Das Feyziye Priesterseminar in Qom

Um sicherzustellen, dass Khomeini getötet werden würde, wurden drei Ebenen des Planes zugeordnet sein Haus zu bombardieren und ihn zu töten. Die Revolutionsgarden und Komitee Basen wurden ausgewählt, weil die Führer der Nuže Verschwörung erwarteten, dass die meisten der regulären Streitkräfte, sie versuchen würden zu schützen, so dass sie die Revolutionsgarden und die Komitees als ihren Hauptgegner ansahen. Sie erwarteten die meiste Hilfe für das islamische Regime von der iranischen Air Force (IAF), so planten sie, ausgewählte Air-Force-Start- und Landebahnen zu bombardieren, um dem islamischen Regime loyal ergebene Piloten davon abzuhalten, die Operation zu stören. Einige der Flugzeuge in Nuže sollten in Reserve gehalten werden, um die Basis vor Angriffen von loyalen Luft- oder Bodeneinheiten der islamischen Republik zu schützen.

Khomeinis Haus

Wenn die Flugzeuge aus Nuže Teheran erreicht hätten, sollte eines von ihnen die Schallmauer durchbrechen, um den Bodeneinheiten, die von Oberst Izadi angeführt wurden, zu signalisieren, dass sie ihre Aktivitäten beginnen konnten. Ein Team von rund 200 Kommandos, bestehend aus im aktiven Dienst und im Ruhestand befindlichen Armee-Kommandos, angeführt von Kapitän Gouhari, waren zuständig den Teheraner Fernsehsender, der normalerweise von etwa 60 Männern bewacht wurde anzugreifen. Sie sollten Standard-Uniformen tragen und so tun, als ob sie zur Sicherung des staatlichen Fernsehsenders anwesend und gegen einen Putschversuch wären. Ein ähnliches Team von 20 Mann sollte den staatlichen Radiosender, der leicht bewacht wurde besetzen. Ein Team von 50 Mann sollte zu Khomeinis Hause gehen und ihn für den Fall töten, sollte er die Bombardierung überstanden haben, weil er das zentrale Symbol des islamischen Regimes und des islamischen Terrors war.

Teheraner Fernsehsender_IRIB

Andere Einheiten sollten alle prominenten revolutionären Führer verhaften, aber nicht töten und kleinere Ziele, wie z. B. Kommunikations-Einrichtungen und wichtige Ministerien angreifen und besetzen. Sobald diese Aktivitäten im Gange gewesen wären, sollten gepanzerte Einheiten aus der 1. Division strategische Standorte in ganz Teheran besetzen und Einheiten der Armee Basis würden den Teheraner Flughafen Mehrabad besetzen. Diese Einheiten, unterstützt von Polizei-Einheiten würden dann die Revolutionsgarden, Komitee- oder loyale Armee Elemente, die sich dem Putsch widersetzen könnten, entwaffnen. Hubschraubereinheiten aus der Militär Basis in Isfahan sollten in jedem Kampf der auftreten könnte unterstützend einschreiten. Bani Ameri hatte offenbar auch Hunderte Menschen aus der zivilen Bevölkerung in Teheran aktiviert, um vom Süden Teherans in zentrale Teile der Stadt zu marschieren und Parolen gegen das Regime zu skandieren und zu versuchen, andere Anti-Regime-Demonstranten zu gewinnen. Er wies die Armee-Einheiten an, die Stadt Teheran zu besetzen, und alle anderen Demonstrationen niederzuschlagen.

Nachdem die Radio-und Fernsehsender beschlagnahmt worden wären, hätten die Mitglieder des zivilen Zweiges der Neqâb sie übernommen und Statements ausgestrahlt, die besagen, dass das Kriegsrecht im Land verhängt wurde. Dies wäre dann ein Signal für die Teilnehmer des Staatsstreiches in anderen Teilen des Landes gewesen, um ihre Aktivitäten zu beginnen. Die Panzerdivision in Ahvâz sollte zusammen mit Marine-Einheiten Irans Öl-Produktionsanlagen und die Dezful Air Force Base besetzen. Armee-Einheiten in Isfahan, Mashad und Zâhedân sollten diese Städte übernehmen. Bani Ameri hatte auch einen Notfallplan entwickelt, falls die Vorgänge in Teheran erfolglos sein sollten. Nach diesem Plan würden die Teilnehmer der Verschwörung in Ahvâz und an der Dezful Air Base ein großes Gebiet im südwestlichen Iran besetzen und es als Basis für Operationen zur Übernahme von Teheran und dem Rest des Landes nutzen.

Die Dezful Air Force Base

Nachdem die militärischen Einheiten die Kontrolle über Teheran erzwungen hätten, würde der zivile Zweig der Neqâb beginnen, Radio-und Fernsehsendungen zur Stabilisierung des Landes auszustrahlen. Der Ausschuss hatte Informationsprogramme vorbereitet, die die langfristigen Ziele der Neqâb erklärten, und die Bürger beruhigen sollten und sie auffordern in ihren Häusern zu bleiben, worin die Bâzâris und Unternehmer aufgefordert werden sollten, ihre Geschäfte und Firmen offen zu halten und die Revolutionsgarden und andere Sicherheitskräfte ermutigt werden sollten, sich den Putschisten anzuschließen. Diese Programme würden immer wieder ausgestrahlt werden, genau wie Ayatollah Šari’atmadâris Rede für die Unterstützung des Putsches werben würde. Flugzeuge oder Hubschrauber würden Flugblätter in Teheran abwerfen und die Menschen dazu drängen den Straßen fern zu bleiben. Neqâb Mitglieder würden die Ministerien übernehmen und sie in Betrieb halten. Telefonlinien in bestimmten Bereichen würden abgeschnitten werden. Ein Team von medizinischem Personal der Neqâb würde dazu beitragen, die Verwundeten zu versorgen und Mitglieder der zivilen Neqâb Niederlassungen in anderen Teilen des Landes würden ähnliche Aktivitäten durchführen. Bakhtiar würde innerhalb weniger Tage in den Iran zurückkehren und den Vorsitz in einem provisorischen Kabinett, bestehend aus Mitgliedern der Neqâb übernehmen, und der militärische Rat würde das Land unter Kriegsrecht regieren. Danach, wäre ein Referendum abgehalten worden, in denen die Iraner gebeten worden wären, die Art des Regimes, welches sie sich wünschten, zu wählen. Freie Wahlen würden dann für eine neue Regierung stattfinden. Die revolutionären Führer der islamischen Republik würden während des Putsches verhaftet und ihnen würden faire Gerichtsverfahren unter internationaler Aufsicht gewährt werden.

Das Ende der Operation Nuže

In der Nacht vom 09. auf den 10. Juli 1980 machten sich die Fallschirmjäger auf, die Nuže Air Base zu besetzen und begaben sich auf ihren Weg mit dem Auto zu Sammelplätzen in der Nähe der Luftwaffenbasis, in einem kleinen Dorf an einer Sandgrube, nahe dem Eingang an der Basis. Gegen 22.00 Uhr, stellten eine kleine Gruppe von Revolutionsgarden aus Hamadan dann einen Kontrollpunkt nahe der Basis am Eingang auf und begannen die Fallschirmjäger festzunehmen, als sie ankamen. Diese Revolutionsgarden wurden bald mit anderen Revolutionsgarden der Stadt Sâve verbunden und verstärkt. Sie verhafteten 50 bis 60 der Fallschirmjäger in der Nacht auf den 10. Juli 1980, darunter Major Âzartâš, der den Angriff auf die Basis führen sollte, und einen Ausbilder für Fallschirmjäger, namens Heydari, der viele der Fallschirmjäger rekrutiert hatte. Bani Ameri, der für die gesamte Maßnahme von der Basis Nuže verantwortlich war, sah wie einige der Fallschirmjäger verhaftet wurden. Als er sich der Basis spät in der Nacht näherte, drehte er deshalb um und raste in einem Kugelhagel davon. Die Revolutionsgarden hatten sofort Âzartâš, Heydari und andere verhört. Einer oder mehrere dieser Männer offenbarten dann die Namen der anderen Teilnehmer, vermutlich unter Folter.

Die Piloten, die von Teheran zur Nuže Basis unterwegs waren, versammelten sich im Lâle Park und fuhren mit Bussen und Autos zu einem Teehaus in der Nähe der Basis, um zwei Flugzeugtechniker aus Nuže, zu treffen. Die Techniker kamen dort nie an, wahrscheinlich deshalb, weil die Straße, die zur Basis führte bereits von Revolutionsgarden blockiert worden war. Die Piloten kehrten deshalb in den frühen Morgenstunden nach Teheran zurück, nicht wissend, dass die Fallschirmjäger verhaftet worden waren. Weil die Piloten den Bodeneinheiten in Teheran kein Signal durch das Durchbrechen der Schallmauer gegeben hatten, wurde keines der verbleibenden Schritte des Putsch-Planes umgesetzt. Leutnant Rokni, der viele wichtige Details der Verschwörung kannte und im Bus mit den Piloten war, wurde in seinem Haus verhaftet, als er dort angekommen war, und seine führende Rolle und Teilnahme an der Verschwörung wurde offenbar auf der Grundlage von Informationen, die einige Fallschirmjäger unter Folter abgaben, enthüllt. Rokni wurde verhört und gezwungen, zusätzliche Informationen preiszugeben, vermutlich ebenso unter Folter.

Als Ergebnis dieser und den nachfolgenden Vernehmungen wurden 284 Teilnehmer der Verschwörung schließlich verhaftet, darunter mehrere Fallschirmjäger, etwa 30 Piloten, zusätzlich weiteres Luftwaffenpersonal, zehn bis zwölf der Teheran-Einsatzkommandos, 20 bis 30 Offiziere der Ahvâz Panzerdivision, ein Offizier in der Armee Basis Zâhedân, mehrere Baxtiyâri Stammesangehörige, 20 bis 30 weitere Zivilisten mit kleineren Rollen in der Verschwörung, und alle Mitglieder des militärischen Rates, außer Bani Ameri und dem Polizeichef. Bis zu zehn Menschen wurden während dieser Verhaftungen getötet. Hunderte andere, die nicht am Putsch beteiligt waren, wurden ebenso verhaftet, darunter etwa 250 Offiziere und Unteroffiziere der Ahvâz Division. Die meisten der 700 – 750 militärischen und der 300 – 400 zivilen Teilnehmer von Nuže wurden jedoch nie verhaftet. Nur wenige der 200 Kommandos einschließlich dem von Kapitän Gouhari, ein Offizier der 1. Division in Teheran von Oberst Izadi, und einer aus Zâhedân wurden verhaftet. Keiner der Teilnehmer der Teheran Basis, der Isfahan und Mašhad Armee-Stützpunkte, der Polizei oder der Marine wurden festgenommen und auch keiner der zivilen Führer der Neqâb konnte gefasst werden. Einige der Piloten und Fallschirmspringer und einige der Teilnehmer in Ahvâz überlebten. Neqâbs zergliederte Zellstruktur schützte die Identitäten von vielen Teilnehmern und befähigten sie unterzutauchen, bevor sie verhaftet werden konnten.


Der Umschlag des Buches Nuže-Verschwörung, veröffentlicht in Iran, aus dem Jahr 1989

In den Tagen nachdem die Nuže Verschwörung aufgedeckt worden war, erklärte die iranische Führung öffentlich, wie die Verschwörung aufgedeckt wurde. Ein Buch über die Vorgänge bei Nuže ist in Iran hierzu im Jahre 1989 erschienen, und ergab einen ähnlichen Bericht und lieferte zusätzliche Details. Diese Quellen behaupten, dass Irans Sicherheitskräfte schemenhafte Details des Planes in den vorangegangenen Monaten von der kommunistischen Tude-Partei und anderen Quellen bekannt geworden waren. Eine andere Quelle aus der islamischen Republik gab an, dass die Operation zunächst für Ende Juni geplant worden war, und dass 10 bis 20 Teilnehmer festgenommen worden wären, um die anfänglichen Bemühungen zu stoppen. Das in Iran veröffentlichte Nuže Buch enthielt keinen Hinweis auf derartiges und stellte fest, dass die Sicherheitskräfte gedacht hatten, die Operation würde zwei bis vier Wochen nach dem 09. bis 10. Juli erst stattfinden. Die Sicherheitskräfte erhielten erst in den frühen Morgenstunden des 9. Juli genauere Informationen darüber, nach dieser Version, soll einer der Piloten aus Teheran zum Haus des Führers des Teheraner Freitagsgebetes, Hojjatol-Islam Ali Khamenei gegangen sein und soll ihm wichtige Details der Operation verraten haben. Einige Stunden später, soll ein Unteroffizier, der an der Operation beteiligt gewesen war, angeblich Mitgliedern eines Komitees in Teheran ebenso darüber berichtet haben.

Im Nuže Buch steht, dass die Sicherheitskräfte sich vor allem auf die Aussagen des Piloten verlassen hätten, um die Verschwörung zu zerschlagen, denn die Informationen, die sie zuvor erhalten hatten, waren offenbar zu vage, um ihnen sinnvoll nachzugehen. Dennoch wurde behauptet, dass sich im Juli 1980 zeigte, dass die Verschwörung nie eine ernsthafte Bedrohung für die islamische Republik gewesen sei, denn die Sicherheitskräfte konnten sie leicht überwachen und vom 09. auf den 10. Juli 1980 die Verschwörung stoppen. Alle diese Quellen stellten fest, dass die Vereinigten Staaten, Israel, Irak und verschiedene innenpolitische Gegner des islamischen Regimes tief in die Operation einbezogen gewesen wären, obwohl sie keine konkreten Beweise für diese Behauptungen vorlegen konnten.

Die überlebenden Führer der Neqâb gaben eine ganz andere Erklärung für den Zusammenbruch ab. Sie leugneten, dass es anfangs geplant gewesen wäre, früher aufzutreten, und dass einige Teilnehmer im Juni 1980 verhaftet worden wären. Sie argumentierten, dass, wenn einer der Piloten die Aktion in den frühen Morgenstunden des 9. Juli verraten hätte, Irans Sicherheitskräfte mindestens 12 Stunden gebraucht hätten, um zu reagieren, und die Revolutionsgarden hätten sich mehr Mühe gegeben, um die Piloten im Lâle Park und die Fallschirmjäger auf ihrem Weg zur Nuže Basis zu verhaften. Neqâbs überlebende Führer erstellten in den folgenden Monaten eine detaillierte Expertise über den Zusammenbruch des Putsches. Sie erfuhren, dass zwei Neqâb Zentralkomitee-Mitglieder unbefugte Anrufe am frühen Abend des 9. Juli bei Bakhtiar und einem Mitglied seines Teams in Paris getätigt hätten und dabei offengelegt wurde, wann und wo die Operation beginnen würde – Informationen, für die der Ausschuss beschlossen hatte, sie erst Bakhtiar und seinem Team zu geben, wenn die Operation begonnen hatte. Sie glaubten, dass einer der Empfänger dieser Anrufe diese Informationen an eine andere Person gegeben hatte, die sie dann ohne sein Wissen weiter an die iranische Regierung übermittelt hatte, was zum Zusammenbruch der Operation führte. Zwei Quellen mit detaillierten Kenntnissen dieser Ereignisse erzählten, dass dieser Vermittler ein israelischer Geheimdienst-Offizier gewesen sei und dass die israelische Regierung diese Informationen bereitgestellt hatte, um den Iran, in der Hoffnung, dass die Zerstörung von Nuže das iranische Militär untergraben würde und damit der Irak ermutigt würde, in den Iran einzumarschieren, um damit eine Schwächung der zwei wichtigsten Gegner Israels zu erreichen. Aber diese Quellen konnten keine konkreten Anhaltspunkte für die Erhärtung dieses ungeheuerlichen Verdachtes liefern.

Wir können heute nicht mehr festzustellen, ob eine dieser Erklärungen richtig ist, und keine davon scheint überzeugend zu sein. Wenn einer der Piloten die Aktion am Morgen des 9. Juli enthüllt hätte, hätten die iranischen Sicherheitskräfte Zeit genug gehabt, sich mehr Mühe zu machen, um die Piloten und Fallschirmjäger zu verhaften, wie die Führer der Neqâb argumentieren. Es scheint daher unwahrscheinlich, dass die Aktion auf diese Weise aufgeflogen war. Nach den Angaben von zwei Neqâb Führern, waren nur etwa drei Stunden zwischen den Telefonanrufen in Bakhtiars Büro in Paris und den ersten Verhaftungen außerhalb der Nuže Basis verstrichen. So ist diese und auch die anderen Versionen der Erklärung zur Aufdeckung der Operation sehr unwahrscheinlich, denn es ist wenig glaubhaft, dass all dies innerhalb von drei Stunden nach Kenntnis der iranischen Regierung zu einer solchen erfolgreichen Reaktion führen hätte können. Darüber hinaus erscheint es zweifelhaft, dass Israel die Handlung verraten hatte, um den Irak zu ermutigen, den Iran anzugreifen.

Sehr wahrscheinlich ist, dass Irans Sicherheitskräfte nicht die wesentlichen Details der Aktion vor dem 9. Juli kannten. Hätten sie davon Kenntnis erlangt, wären Bani Ameri und die anderen Führer der Neqâb, die am Sitz ihrer Firma fast ununterbrochen die Tage vor dem 9. Juli verbracht hatten, zweifelsohne verhaftet worden. Sie hätten auch zweifellos das Kommando-Team in Teheran, das die ganze Nacht vom 09. auf den 10. Juli in einem Versteck in der Nähe des Fernsehsenders verbracht hatten verhaftet, und sie hätten entschlossene Anstrengungen unternommen, um alle Piloten im Lâle Park und die Fallschirmjäger auf ihrem Weg zur Nuže Basis zu verhaften.

Wenn es in der Tat nicht die Maßnahmen der Sicherheitskräfte waren, die die wesentlichen Details der Operation im Vorfeld von Nuže ermittelten, ist es schwer, dem Schluss zu entkommen, dass nur ein Akt des Schicksals die Befreiung Irans von den Islamisten in der Nacht vom 09. auf den 10. Juli 1980 verhindert hatte.

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