Aufstieg und Niedergang der Arsakiden (15)

Carrhae Krieg

Der Teil 14 der Reihe

Crassus und Ariamnes [Âriyârâmna]

Crassus war sich nicht sicher, ob er den Einmarsch ins Zweistromland fortsetzen solle, oder eher ein Lager aufschlagen und der Armee eine Pause einräumen solle. Ariamnes, ein arabischer Vasallenkönig der Parther, eilte mit viertausend leichtbewaffneten Fußsoldaten und Reitern zum Lager Crassus und erklärte sich zu seinem Verbündeten im Kampf gegen den Parther König Orodes I.

Plutarch nannte den Araber in seinem Buch Crassus Ariamnes und in einigen anderen Quellen wurde dieser Araber Abgarus genannt, und in armenischen Quellen wurde er Avag-Ayr, der König von Orrhoene/Osrohone [Xosrovâne] genannt. Âriyârâmna (griechisch Ariamnes) ist ein iranischer Name, den die parthischen Könige ihren nichtiranischen Vasallenkönigen gaben, in diesem Fall bekam der semitische König Abgarus (Abgar II) den Titel Âriyârâmna, d. h. „der, der den Ariern die Ruhe und den Frieden garantiert“.

Ein parthischer Reiter der schwer Kavallerie

Einer der alt gedienten Bekannten von Pompeius, der jetzt mit Crassus unterwegs war, erkannte den Scheich und sagte Crassus, dass dieser Scheich einen besonderen Platz bei Pompeius habe und er könne ihm vertrauen! Ariamnes war so raffiniert, dass niemand den Verdacht schöpfte, dass er eher den Auftrag hatte die Armee von Crassus vom Euphrat abzulenken und diese in Richtung Wüste in die Irre zu führen, damit die parthischen Reiter die Armee von Crassus vernichtend schlagen können. Ariamnes konnte mit seiner Schmeichelei Crassus hinters Licht führen und sagte ihm, er fühle sich Pompeius gegenüber sehr ergeben und hasse die Arsakiden und würde gerne im Dienste Crassus stehen und seiner Armee als Wegweiser den Weg zum Sieg weisen. Er sagte Crassus: „Ihr sollt nicht mit so einer großartigen und mutigen Armee den Krieg in die Länge ziehen und den Krieg womöglich verlieren. Ihr habt mit einem Volk (Parther) zutun, das all ihre Güte und Habe mitnahm und sich auf und davon machte und bereit ist zu den Skythen und Hyrkaniern zu fliehen; und wenn Ihr wirklich kämpfen wollt, dann solltet Ihr euch beeilen und nicht zulassen, dass der Arsakiden König durch euer Hinauszögern ermutigt wird; der Parther König hält jetzt Surenas und Syllaces [ein parthischer Offizier und Statthalter von Mesopotamien] zwischen sich und euch, damit Ihr ihn nicht verfolgen könnt“. Er sagte Crassus, dass durch den Wüstenmarsch die Armee vier bis fünf Tage sparen würde, und außerdem würde es keine Parther in diesem Gebiet geben.

Nach diesen verführerischen Worten hatte Ariamnes Crassus schon soweit, dass er sich entschied dem Euphrat fern zu bleiben und die weite Wüste zu suchen. Kaiser Orodes I wusste über jeden Schritt von Crassus bescheid, denn dafür hatte Ariamnes schon gesorgt, und Orodes I war ein bei weitem besserer Stratege als der arme, geldgierige Marcus Licinius Crassus.

Der iranische Kaiser Orodes teilte seine Armee in eine Haupt- und Nebenarmee. Die Hauptarmee bestand aus Leicht- und Schwerkavalleristen und wurde zum Schutz des Zweistromlands von Pahlawi Surenas, dem Oberbefehlshaber der iranischen Armee geführt. Die Armee Surenas bestand außerdem aus zehntausend Bogenschützen und zweitausend Kataphrakten – alle zu Pferd, und die Nebenarmee bestand aus einem Heer, dessen Führer Kaiser Orodes I selbst war und marschierte in Richtung Armenien, um König Artavasdes eine Lektion zu erteilen, um ihn zu warnen, nicht mit dem Feind zu kollaborieren.

Crassus in der Wüste

Crassus und seine Armee marschierten in die heißen und trockenen Wüsten Shams; nach einer Weile erreichten sie ein sandiges Gelände, in dem keine Bäume, kein Wasser und kein Ende der Wüste zu sehen war. Die Römer waren sehr müde und fanden kein Wasser und fingen an Verdacht zu schöpfen, dass der Araber sie betrügen will und beauftragt war, sie auf diese Weise in den Tod zu schicken. Zur selben Zeit hatte Orodes I  Armenien erobert und Artavasdes schickte einen Boten zu Crassus, er möge nach Armenien marschieren und ihm helfen, denn die Parther haben sein Land besetzt. Crassus war sehr wütend und schrie den Gesandten an: „Sage Artavasdes, ich habe jetzt keine Zeit an Armenien zu denken, aber bald, sehr bald werde ich nach Armenien kommen und mich an Artavasdes rächen“. Der Feldherr Gaius Cassius Longinus und seine Begleiter fingen an mit Ariamnes zu schimpfen und sagten zu ihm: „Du, unehrenhaftester unter den Menschen, welcher Dämon hat dich geschickt, um unsere Armee durch deine Hexerei in den Tod und ins Verderben zu schicken? Das ist ein Weg, den arabische Diebe und Banden beschreiten und nicht der Weg einer ordentlichen Armee!“ Ariamnes verteidigte sich und sagte ihnen spottend: „Was habt ihr erwartet? Dachtet ihr, ihr würdet in den schönen und grünen Feldern Kampaniens (Campania) marschieren; ihr wollt überall, wohin ihr auch geht Wasser und Brunnen sehen, Bäume mit üppigen Schatten, oder Karawansereien mit Bädern! Warum denkt ihr nicht daran, dass ihr in den syrischen und arabischen Wüsten marschiert?“ Ariamnes schaffte es sie mit diesen Worten zu beruhigen und sie von der Notwendigkeit, sie in die Wüsten zu führen, zu überzeugen. Er wusste aber, dass er seinen Auftrag erfüllt hatte, daher verschwand er plötzlich und unbemerkt mit seinen viertausend Mann aus dem Lager und ritt zum Lager des iranischen Oberbefehlshabers der parthischen Armee Surenas.

Der Beginn des Krieges

Der Verlauf des Krieges von Carrhae

Am ersten Kriegstag zog Crassus eine schwarze Robe an und zeigte sich damit seinem Heer. Da es bei den Römern Gang und Gäbe war, dass die Feldherren während des Krieges eine rote Robe trugen, empfanden die Heerführer von Crassus Armee die schwarze Robe als ein schlechtes Omen. Als Crassus bewusst wurde, was er getan hatte, zog er sofort eine rote Robe an und befahl den Fußsoldaten, sie sollen mit den Kavalleristen zusammen marschieren. Während des Marsches kam die Vorhut der Armee zurück und brachte die Nachricht, dass ihre Mitkämpfer getötet wurden und sie es auch nicht leicht hatten zum Heer zurückzufinden und der Feind wäre ganz in der Nähe und bereit zu kämpfen.

In diesem Moment war in der Ferne ein lautes Brüllen zu hören, sodass Crassus mit Mühe und Not sein Heer wieder zur Ruhe brachte. Es war das parthische Heer, dessen Brüllen von weitem die Angst in Crassus Armee schüren sollte. Crassus Armee erreichte dann den Fluss Balisus (Belik). Obwohl der Fluss ein kleiner Fluss war, war er für die Armee Crassus ein Segen; viele der Armeeführer schlugen vor, die Armee möge lieber die Nacht am Fluss verbringen, damit die Armee sich ausruhen kann und dazu auch die feindlichen Linien auskundschaften kann. Aber Crassus hatte es sehr eilig und erlaubte nicht dort zu rasten, und befahl den Soldaten beim Marsch zu essen und zu trinken. Am Nachmittag des 9. Juni 53 v. Chr. erreichte die Armee von Crassus den Spähtrupp der Armee Surenas.

Er formte seine gesamten Infanteristen zu einer einzigen quadratischen Phalanx, die sehr tief gebildet wurde und mit jeder Seite dem Feind gegenüberstand; jede Seite des Quadrats wurde dann von derselben Menge an Reitern unterstützt. Er gab die Führung über die linke Flanke dem Feldherrn Gaius Cassius Longinus, die Führung über die rechte Flanke seinem Sohn Publius Licinius Crassus und er übernahm die Führung in der Mitte des Heeres und eilte mit dieser Aufstellung in aller Geschwindigkeit in Richtung des Parther Heeres.

Carrhae Krieg_die Aufstellung der Truppen von Crassus und Surenas

Tarn schreibt in seinem Buch Parthia, auf der Seite 611: „Crassus hatte seine Armee in 48 Bataillonen unterteilt und stellte sie in einem Quadrat mit kleineren Reitergruppen zwischen jedem Bataillon; die linke Flanke seiner Armee stand in Richtung des Flusses und die rechte Flanke, die von seinem Sohn Pubilius geführt wurde, bestand aus 300 galatischen Reitern und 500 leichtbewaffneten Soldaten; 8 Bataillonen ließ er außerhalb des Quadrats als Reserve“. Aber Surenas hatte eine Front mit seinen leichtbewaffneten Kavalleristen aufgebaut und die schwerbewaffneten Kavalleristen, die den Großteil der parthischen Armee bildeten, hinter ihnen so aufgebaut, dass die Römer sie nicht ausmachen konnten. Plutarch schrieb über diesen Kampf, wie raffiniert Surenas war, er war ein genialer und wahrer Kriegsstratege: Damit die Römer die schwerbewaffneten Kavalleristen nicht ausmachen und sie nicht sehen konnten, befahl Surenas diesen Soldaten sich (ihre Panzerung) und ihre Waffen mit Tierhäuten und Stoffen zu tarnen. Als die Schlacht begann, schlugen die leichtbewaffneten Kavalleristen auf Trommeln die auf ihre Sattel gestellt waren, sie schrien und brüllten schrecklich, und manövrierten und schossen Pfeile in Richtung des Feindes. Die Schreie hörten sich wie ein Donner an und Crassus Soldaten bekamen große Angst und flohen aus ihren Reihen. Auf einmal enttarnten die Parther ihre Waffen und ihre Panzerung, die Waffen blitzten unter der heißen Sonne und die Römer waren erstarrt vor so vielen Waffen und Panzerung. Als die Parther näher kamen, glaubten die Römer skythische Soldaten zu sehen, die mit ihrer typischen Frisur und ihren gnadenlosen Gesichtern brüllend auf sie zu stürmten; es waren aber keine skythischen Soldaten, sondern die Parther selbst, denn sie hatten eigens dafür auch wie die Skythen die Haare lang wachsen lassen und banden sie nicht, ließen sie einfach offen und düster über die Schulter hängen, den Tod verheissend. Der Ort der Schlacht war in der Nähe der Stadt Ichnae in der Nähe des Flusses Balisus (Belik), 30 Meilen entfernt von der Stadt Carrhae, deren Name in der Thora und in islamischen Büchern „Harrân“ lautet.

Carrhae Krieg_Die Römer wurden von allen Seiten beschossen

Zu Beginn der Schlacht wollten die Parther mit ihren Speeren die Reihen der Römer attackieren und die ersten Reihen zerschlagen, aber die Gefechtsordnung der Römer war sehr tief und dicht, deshalb begannen die parthischen Kavalleristen mit ihren Kampfmethoden, die typisch für sie waren, durch Attacken und anschließendem Rückzug nach hinten, um so die quadratische Ordnung der Römer zu umzingeln, und dass die Römer keine Möglichkeit hatten zu wissen, was die Parther vorhatten. Crassus befahl den leichtbewaffneten Soldaten die Parther zu attackieren, aber die Pfeile der Parther hagelten über die Römer wie Blitz und Donner, so dass der Himmel sich verdunkelte, sodass überall und von allen Seiten die römischen Soldaten fielen und die leichtbewaffneten Soldaten zur Rückkehr gezwungen waren und die Unterstützung der Infanteristen in Anspruch nehmen mussten; für die Infanteristen wiederum, war die Situation ausweglos, sodass sie unfähig waren sich überhaupt nach vorne zu bewegen. Die Parther entfernten sich wieder und schossen trotzdem ihre Pfeile während des Rückzuges ab, und die Römer waren so auf engem Raum eingekesselt, dass es unmöglich war vor dem Hagel der Pfeile verschont zu bleiben. Jeder Pfeil traf, die Parther schossen so gewaltig ihre Pfeile ab, dass sie tief ins Fleisch der Feinde eindrangen; die Römer hofften, dass die Parther bald keine Pfeile mehr hätten, und sie würden dann Mann gegen Mann kämpfen können, und Crassus stand hinter einem Schutzschild und schrie immer wieder : “Haltet durch, gleich ist es vorüber, die Pfeile werden ihnen ausgehen“; aber das war nur eine vergebliche Hoffnung, denn Surenas hatte hinter seiner Armee eine große Anzahl an Kamelen, voll beladen mit Pfeilen, wartend auf ihr Entladung und ihren Einsatz, und die Pfeile gingen ihnen nicht aus.

Die parthischen Kataphrakten

Überall sah man römische Soldaten fliehen und sterben. Schließlich ließ Crassus die Trompeter zum Sammeln blasen, doch da war es bereits viel zu spät. Schon rückten die parthischen Kataphrakten vor, um den Römern den Todesstoß zu versetzen – riesige Männer auf gewaltig gepanzerten Schlachtrössern. Als sie sich im Trab näherten – sie waren zu groß und zu schwer, um zu galoppieren – klang es, als klimperten Millionen von Münzen in Abertausenden von Geldbeuteln. Die Erde erzitterte, als sie auf die Römer zustampften. Eine gewaltige Staubwolke stieg um sie herum auf, in deren Mitte sie als bedrohliche Schatten zu sehen waren. Crassus musste schnell handeln, und nachdem er von der logistischen Macht der parthischen Armee erfuhr, befahl er seinem Sohn Publius, er sollte, bevor sie alle vom Feind gänzlich umzingelt werden, den Feind zu attackieren.

Der Tod von Publius Crassus

Publius Crassus nahm viertausend Reiter und stürmte auf die parthischen Kataphrakten zu. Als sie deren Reihen durchbrachen, wandten sich die Kataphrakten zur Flucht. Die parthischen Reiter taten so, als ob sie vor ihnen flüchteten. Publius Crassus und seine Reiter setzten ihnen nach, und sofort hatte der dichte Staub im Gelände alle verschluckt. Während dieser kurzen Pause gelang es Crassus, seine Truppen in einem Viereck aufzustellen. Doch die parthischen Reiter kehrten plötzlich um und fingen an gegen Publius Truppen zu kämpfen; inzwischen wurde Publius so stark verwundet, dass er seinem Stallmeister befahl ihn durch einen Schwertstoß zu töten, um ihm die Schmerzen zu ersparen.

Carrhae Krieg_Die Truppen unter Publius Kommando

Die Parther hatten von diesen viertausend Mann nur 500 am Leben gelassen und trennten Publius Kopf von seiner Leiche. Crassus wartete unter Stoßgebeten an sämtliche Götter darauf, dass die Truppen seines Sohnes auftauchen würden. Doch es waren nur die parthischen Kataphrakten, die zurückkehrten. Den Kopf von Publius Crassus hatten sie auf eine Lanze gespießt, und anstatt das Viereck von Crassus anzugreifen, trabten sie an dessen Seite auf und ab und schwenkten den grauenvollen Kopf. Die Augen in dem fast unversehrten Gesicht von Publius Crassus schienen den Vater und seine Truppen geradezu anzustarren.

Um den Kampfgeist der Römer zu schwächen, befahl Surenas den Kopf von Pubilius, auf einer Lanze gespießt, den Römern zu zeigen. Crassus versuchte in einer Rede vor seinen Truppen sie dazu zu bringen für Rom und sein glorreiches Imperium zu kämpfen, aber die Soldaten ließen die Waffen fallen und versuchten zu fliehen. Die parthischen Reiter begannen wieder die Soldaten zu attackieren und es waren wieder die gefürchteten Pfeilhagel, die über die Römer niederkamen; die Römer versuchten eng aneinander und mit ihren großen Schilden weiter zu kämpfen. Aber einige der römischen Soldaten trennten sich von den Reihen, um sich aus dieser schrecklichen Situation zu befreien und rannten nach vorne, nicht aber, weil sie die Parther attackieren wollten, sondern um schneller durch ihre Pfeile zu sterben, denn es war eine ausweglose Schlacht gewesen, weil die parthischen Speere derart mächtig und alles durchbohrend waren, so dass sie meistens zwei römische Soldaten mit einem Wurf zu Fall brachten. Der Kampf dauerte bis in die Nacht; die parthischen Reiter und Soldaten kehrten dann zu ihren Zelten zurück und ließen Crassus den Tod seines Sohnes betrauern und sich Gedanken machen, ob er bereit wäre den Kampf nun aufzugeben und sich dem iranischen König Orodes I zu ergeben, denn andernfalls würden sie ihn hinter sich herschleppend dem König der Parther übergeben.

Carrhae Krieg_Rekonstruktion eines gepanzerten parthischen Lanzenreiters, der die römischen Soldaten angreift

Der Rückzug der Römer

Die Römer waren derart betrübt und verwirrt, dass sie ihre gefallenen Soldaten nicht beerdigten und auch nicht die Verwundeten versorgten; jeder dachte an den morgigen Tag. Octavius, der Stellvertreter von Crassus und Cassius weckten Crassus und wollten mit ihm über die Zukunft der Truppen sprechen. Aber, die Worte von beiden hatten keine Wirkung und Crassus hörte ihnen nicht zu. Daher waren sie gezwungen die anderen Offiziere zusammen zu rufen, ohne dass die Trompeten zum Sammeln blasen, und die Dunkelheit der Nacht sich zunutze zu machen und zu fliehen. Als die Verwundeten hörten, dass man sie im Stich lassen hatte und fliehen wollte, fingen sie an zu jammern und zu klagen, deswegen mussten die anderen, die Verwundeten doch auf die Pferde setzen und dadurch verloren sie kostbare Zeit und die Gelegenheit zur eigenen Flucht.

Eine Truppe aus 300 Mann unter der Führung von Egnatius trennte sich von den anderen und ritt eilend nach Carrhae [Harrân]; dort angekommen sagte er auf lateinisch der Burgwache, er solle Coponius, dem Kommandanten der Burg sagen, Crassus hätte einen sehr schweren Kampf gegen die Parther geführt; und ohne auf eine Antwort zu warten, nahm Egnatius seine Männer und machte sich auf den Weg nach Zaeugma/Zeugma (heute in der Türkei), und somit rettete er sich und seine Männer. Coponius, der Präfekt, nahm einige Truppen mit sich und suchte Crassus und brachte ihn und seine Armee in die Stadt.

Die Parther wussten vom Rückzug der Römer Bescheid, sie unternahmen aber nichts und verfolgten die Römer nicht. Bei Tagesanbruch kamen die Parther ins Lager von Crassus, und um die verwundeten Römer von ihren Leiden zu befreien, töteten sie an die viertausend Soldaten. Dann machten sie sich auf den Weg und töteten unterwegs die Römer, die müde auf der Strecke geblieben waren.

Man brachte Surenas die Nachricht, Crassus wäre mit seinen Feldherren geflüchtet und er sah seinen Sieg unvollendet, daher ließ er einen Araber, der den beiden Sprachen Lateinisch und Parthisch mächtig war, an die Stadtmauern der Stadt Carrhae gehen und laut sagen, dass Surenas mit Crassus und Cassius Verhandlungen führen wolle. Als Crassus die Botschaft hörte, akzeptierte er sofort den Vorschlag. Der Araber sagte, “Surenas will euch die sichere Passage nach Rom versichern, wenn ihr einen Friedensvertrag abschließt und eure Armee bis auf letzten Mann aus dem Zweistromland abzieht”; Cassus freute sich und sagte, “möge Surenas einen Ort wählen, damit Crassus und er Verhandlungsgespräche führen können.” Surenas freute sich auch, dass Crassus sich in der Burg von Carrhae befand und noch nicht geflohen war; er befahl die Burg zu umzingeln und stand selbst am nächsten Tag an der Mauer der Stadt. Surenas beschimpfte die Römer heftig und sagte: „Wenn ihr meine Begnadigung sucht, dann müsst ihr mir Crassus und Cassius übergeben“. Die Römer wussten dann, dass der Vorschlag mit dem Dolmetschen nur eine Falle war, und beschlossen noch in der Nacht aus der Burg zu flüchten. Crassus war naiv und vertraute das Geheimnis einem Araber namens Andromachus an, der ein Spion der Parther war. Andromachus schlug ihm vor, er würde ihm als Wegweiser dienen und sagte ihm, Crassus hätte eine günstige Zeit zum Evakuieren ausgesucht, denn die Parther kämpfen bei Nacht nicht.

[Quellen: Ferdowsi, Šâhnâme; Mas’udi, Attanbih Val-Ašrâf (at-tanbīh wa-l-ašrāf); Bâbâ Reyhân Biruni, al-Athar al-baqiya an al-qurun al-chaliya; Hasan Taqizâde, Bist Maqâle (Zwanzig Artikel); Dr. Amir Hoseyn Xonji, Irânzamin; Malcolm A. R. Colledge, Die politische und gesellschaftliche Geschichte der Parther, Arsakiden oder der antiken Pahlavi Dynastie; Saint Martin, Paris 1850, Fragments d’une Histoire des Arsacides; Saint Martin, Paris 1938, Recherches Sur L’histoire Et La Géographie De La Mésène Et De La Characène; Abdüllatif Suphi Paşa 1862, İbretlerin Eki; George Rawlinson, New York 1873 The sixth great Oriental monarchy; or, The geography, history, & antiquities of Parthia; George Rawlinson, New York 1893, Parthia; Hermann Alfred Freiherr von Gutschmid, 1888, Geschichte Irans und seiner Nachbarländer von Alexander dem Großen bis zum Untergang der Arsakiden; Neilson Carel Debevoise, Chicago 1939, History of Parthia; Malcolm A. R. College, London 1967 The Parthians; Strabon Buch XI (Kleinasien); Josef Markwart, Eranshahr; Richard Nelson Frye, The Heritage of Persia; Roland G. Kent, 1953, Old Persian; Bouchon, choix des historiens Grecs, Paris 1744; Arrianus Flavius; Marcus Iunianus Iustinus; Tarn, Parthia; Leon Diakonos, Arsakiden; Strabon; Posidonius von Rhodos; N. Debevoise, A Political History of Parthia; William James Durant, Ancient Greece [Die Geschichte des antiken Griechenlands]; Hassan Pirnia, Irâne Bâstân [Der antike Iran]; Diodorus;  E’temâdos Saltane, Târixe Aškân [Die Geschichte der Arsakiden]; Sir Percy Molesworth Sykes, A History of Persia; Dr. Mohammad Javâd Maškur, Irân dar ahde bâstân;  Isidoros von Charax, Mansiones Parthicae [Parthische Wegstationen], Das Parther Reich mit seinen Provinzen (Gebieten); Michail M Diakonov, Arsakiden; Ghirshman, L’Iran et la migration des Indo-Aryens et des Iraniens; Gnaeus Pompeius Trogus Historiae Philippicae (Buch XLII), Kapitel2; Plutarch Buch Lukullus; Plutarch Buch Sulla; Pagan-Forum, Tal der weisen Narren]

Der Teil 16 dieser Reihe

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2 Gedanken zu „Aufstieg und Niedergang der Arsakiden (15)

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