Der iranische Genozid (3)

Britischen Offiziere Während der Besatzungszeit in Iran

Britischen Offiziere Während der Besatzungszeit in Iran

Der Teil 2 der Reihe

Die Gründe für die Verstärkung von Wucherei und Hortung

Im Frühling des Jahres 1918 verhärtete sich die Situation. Am 01.03.1918 schrieb Caldwell in einem Telegramm: „Das Kabinett tritt wegen der politischen Lage und der Hungersnot zurück.“ [Caldwell telegram, 891. 00/928, March 1, 1918] In einem anderen Telegramm, am 04.05.1918, schrieb er: „[…] Die Hungersnot ist unerwarteterweise angestiegen. Typhus hat sich zu einer Epidemie entwickelt. In anderen Städten herrscht dieselbe Situation. Die Lebensmittelversorgung ist ziemlich unmöglich geworden; die Preise sind unglaublich hoch und die Menschen ernähren sich von Gras, Hunden, toten Tieren und Menschenkadavern.“ [Caldwell telegram, 891. 48/44, May 4, 1918] Dann weiter am 13.05.1918: „Die wirtschaftliche Situation ist katastrophal. Die Hungersnot überschattet das ganze Land. Die Frühlingserzeugnisse sind gut; Falls sie innerhalb der nächsten 6 Wochen geerntet werden, würde die Lage sich verbessern.“ [Caldwell telegram, 763. 72/9977, May 13, 1918]

Während des Sommers und des Herbstes 1918, dauerte trotz der guten Ernte die Hungersnot mit aller Härte an. Caldwell gab am 22 Juni 1918 die Preise für primäre Nahrungsmittel wie folgt an: Weizen je bushel (etwa 25 kg) für 15 $, Gerste je bushel zwischen 7 und 9 $ und Reis je 500 Gramm für 0,55 Cent. Caldwell schrieb: „Die arme Schicht der iranischen Bevölkerung leidet deshalb unter Hungersnot, trotz guter Ernte, weil die Ernte im Jahr 1917, die der iranischen Bevölkerung zustand, von Besatzungstruppen aufgekauft wurde, und obendrein gibt es keine starke und stabile Regierung, in Wahrheit gibt es gar keine Regierung! Die Ernten von Weizen und Gerste, die die Hauptnahrung der Armen sind, wurden von Wucherern gehortet, und dadurch sind die Preise exponentiell gestiegen.“

Ahmad Šâh der größte Wucherer von Getreide während der Hungersnot

Schlimmer als alle anderen Katastrophen war die Beteiligung des Kaisers und einiger seiner Vertrauten an der Wucherei der wichtigsten Lebensmittel, das seine Ignoranz und Unfähigkeit der Armut seines eigenen Volkes gegenüber zeigt. Währenddessen arbeitete sein Premierminister Mostoufiyolmamâlek (Hassan Mostofi) mit unglaublicher Entschiedenheit und größter Mühe, trotz der ständigen Vorgehensweise seiner Gegner, die verdeckte oder offene Handlanger der Briten und Russen waren an einem Plan, seine Landsleute von dieser schrecklichen Lage zu befreien, gegen Wucherer und diejenigen, die horten vorzugehen, und für die wichtigsten Lebensmittel wie Weizen, Gerste und Reis faire Preise festzusetzen. Ahmad Šâh war nicht bereit, trotz der anhaltenden Hungersnot, den gehorteten Weizen in der Bevölkerung zu verteilen. Er antwortete sogar auf den Vorschlag seines Premierministers, den gehorteten Weizen von ihm durch faire Preise abzukaufen, so: „Außer zum Tagespreis verkaufe ich nichts!“

Die Abscheulichkeit der Briten kannte keine Grenzen

Die Lage in Chorasan und Maschhad war dermaßen katastrophal, dass die Zeitschrift Near East im Heft vom 14.04.1918 darüber berichtete. Im April 1918 zog sich die russische Armee zurück und der gesamte Osten des Iran wurde fortan von den Briten besetzt. Caldwell schrieb in einem späteren Bericht über den Winter 1917 / 1918 in Chorasan und Maschhad: „Seit mehr als anderthalb Jahren gab es in Maschhad keinen Schnee mehr und es herrscht eine starke Dürre. Der normale Preis von Weizen je 100 Kg ist von 12 Tumân auf 45 bis 50 Tumân gestiegen. Die arme Schicht, deren Lohn und Gehälter nicht gestiegen sind, muss jetzt für das Brot den vierfachen Preis bezahlen. Lebensmittel wie Zucker, Tee, Obst und andere sind nur noch ein Traum geworden. Seit Monaten haben Abertausende von Menschen kein Fleisch mehr gegessen. Ihr ganzes Geld wird für den Kauf von Brot ausgegeben, sogar dafür haben sie nicht genügend Geld. Durch zuverlässige Quellen habe ich erfahren, dass viele Babys einfach auf den Straßen zurückgelassen werden, damit sie gefunden und großgezogen werden. Es gibt noch einen anderen Fall, den ich nicht selbst bestätigen kann, und zwar, der Kadaver eines Tieres lag außerhalb der Stadt; denn wenn ein Nutztier stirbt, wird sein Kadaver außerhalb der Stadt transportiert und Hunde übernehmen den Rest. Aber, sobald dieser Kadaver vor die Tore der Stadt gelegt wurde, rannten einige der Menschen zum Kadaver und fingen an den Kadaver zu zerteilen; die Hunde warteten inzwischen geduldig, bis sie dran waren, um die Überreste zu fressen. […] In den Dörfern gibt es wenige Nutztiere, denn wegen der Dürre gibt es auch kein Gras mehr. Und je mehr von diesen Nutztieren sterben, desto teurer wird dann der Preis fürs Brot, weil sonst Getreide und Mehl nicht mehr in die Städte transportiert werden können. […] Es gibt keinen Handel mehr; jegliche Importe aus Russland sind praktisch unmöglich geworden. Ich glaube, dass die Großmächte sich nicht gerne an humanitärer Hilfe beteiligen! Manchmal höre ich aber, dass diese Mächte während der Kriege hier und da helfen. Würden die Briten Unternehmen gründen, um Waren aus Indien nach Chorasan und Maschhad zu transportieren, würden sie nicht nur humanitäre Taten vollbringen, sondern sie würden auch dadurch gute Gewinne machen.“ [Caldwell dispatch 414 and enclosure, 891. 48/116, July 9, 1918]

Caldwell stellt eine klare Frage: Warum importieren die Briten kein Getreide aus Indien? Addison E. Southard berichtete auch Caldwell darüber, dass es in Indien Weizen in Hülle und Fülle und sehr preiswert zu kaufen gab. Er schrieb auch Caldwell, dass in Irak dieselbe Situation bezüglich guter Weizenernten herrschte; aber wie kommt es dann, dass der Iran, der zwischen beiden Ländern liegt, an der Hungersnot litt? Die Briten hatten nicht nur die Lebensmittel in die Provinzen Chorasan, Gilan, Fars, Kordestan und Âzarbâygân und andere Gebiete geliefert, sondern sie hatten das ganze Getreide für ihre Truppen aus dem Iran und Russland aufgekauft! Die Hungersnot in Gilan kam daher zustande, weil die Briten nach ihrer Besatzung im Sommer 1918 in Gilan anfingen, alle Lebensmittel und Getreidevorkommen aufzukaufen und nach Baku zu exportieren; bis dahin war Gilan von der Hungersnot verschont geblieben!

Die Verbesserung der Situation in Teheran ab dem Frühling 1919

Der amerikanische Konsul, Ralf H. Bader, erwähnte in seinem Bericht vom 07.10.1918 die Ernennung des Belgiers, Lambert Molitor, zum Lebensmittelverteilungsbeobachter für die Stadt Teheran und Umgebung: „Er hat völlig freie Hand und ist bevollmächtigt die Lebensmittelverteilung zu überwachen. Es wird versucht die staatlichen Silos mit Getreide zu füllen, darüber hinaus wurde befohlen, dem Bevollmächtigten die Hälfte des Gesamtbedarfs an Getreide in Teheran durch die aktuellen Preise zu verkaufen. In allen anderen Provinzen wird sehr zügig Weizen gekauft und die Bauern, die ihre Ernten nicht der Regierung verkaufen, werden jeden Monat 10% als Entschädigung abgeben müssen.“ [Bader, report, 891. 50/1 Oktober 7, 1918] Durch die Ernennung des Belgiers Lambert Molitor, der entschieden gegen jeden Wucherpreis vorgegangen war, hatte sich endlich die Lage in Teheran verbessert und in anderen Provinzen wurden die Befehle des Bevollmächtigten befolgt.

Bei diesem Genozid waren die Briten nicht allein die Täter, sondern die Russen und Osmanen hatten sich bei diesem Verbrechen, jeder auf seine Art, beteiligt. Durch die ständigen Kriege zwischen den Russen und Osmanen innerhalb unserer Gebiete und Provinzen wurden auch Tausende unschuldige Menschen Opfer von beiden Seiten. Sie wurden entweder zerbombt oder aus ihren Häusern vertrieben, und währenddessen hatte die Hungersnot den Rest erledigt. Da unsere Redaktion aus Zeitgründen nicht das ganze Buch übersetzen kann, verweisen wir auf das Buch, in dem über die Ereignisse während der Besatzung durch die Okkupanten (Russen, Osmanen, Briten) sehr genau berichtet wird. Wir müssen aber auch darauf hinweisen, dass die USA während der Hungersnot dem Iran sehr geholfen haben.

Die tatsächliche Zahl der Opfer

Der Vergleich der Bevölkerungszahlen von 1914 und 1919 zeigt, dass ca. 10.000.000 Menschen durch die Hungersnot und die Epidemien ums Leben kamen. Im Widerspruch zu den Behauptungen einiger russischer Autoren, vor dem Ersten Weltkrieg, die die Zahl der iranischen Bevölkerung mit nur ca. 10.000.000 bezifferten, was natürlich einige der englischsprachigen Bücher in den 1960-gern und 1970-gern gerne wiederholt und wiedergegeben haben, war die tatsächliche Bevölkerungsanzahl nahezu 20.000.000 in Iran. Und im Jahr 1919 erreichte diese Zahl die Marke von 11.000.000 Einwohnern. Es hat 40 Jahre gedauert, bis im Jahr 1956 die Bevölkerungszahl wieder die Marke des Jahres 1914 erreicht hatte. Das heißt mit anderen Worten, die Hungersnot zwischen den Jahren 1917 – 1919 war die größte Katastrophe in der iranischen Geschichte und nicht nur einer der tragischsten Genozide des 20. Jahrhunderts, sondern einer der tragischsten Genozide aller Zeiten!

Die Bevölkerungszahl des Iran im Jahr 1914

Für die US-Beamten, in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg, sind die hinterhältigen und verschlagenen Bemühungen der Russen und Briten um die Bevölkerungszahl als gering abzuschätzen, oder gar anzugeben, par force vorstellbar. Der Amerikaner, William Morgan Shuster, der durch das konstitutionelle Parlament als oberster Finanzberater und Finanzverwalter in Iran ernannt worden war, schrieb über die Bevölkerungszahl des Iran, Anfang der 20. Jahrhunderts: „Über die Bevölkerungszahl des Iran werden merkwürdigerweise falsche Zahlen angegeben: Die Zahl der angeblichen Volkszählung von vor 60 Jahren, ist eine geringe Zahl, die in einigen Büchern steht, und anscheinend gefällt es auch den Ausländern! Natürlich wurde danach keine Statistik mehr geführt, aber die Europäer, die die Situationen hier kennen, schätzen die Bevölkerung auf 13 bis 15 Millionen. Die Bevölkerungszahl der Stadt Teheran ist während der letzten 40 Jahre von 100 Tausend auf 350 Tausend angestiegen.“ [Shuster, Strangling of Persia. New York: The Century Press, lx.]

Caldwell schrieb: „Durch die Wahlen im Herbst 1917 wurden 75.000 Wählerstimmen in Teheran und den umliegenden Dörfern gesammelt. Die Zeitung Irân schreibt, dass 12 Kandidaten 55.131 Stimmen bekamen.“ [Caldwell, dispatch 332 and enclosure, 891.00/924, October 10, 1917] Unter der Berücksichtigung, dass Männer ab dem 21. Lebensjahr wählen durften und die damalige durchschnittliche Zahl in einer iranischen Familie mit 6 Personen pro Familie beziffert werden muss, ist die Bevölkerung der Stadt Teheran im Jahr 1917 leicht auf 500.000 einzuschätzen, was die Behauptung von Shuster untermauert. Darüber hinaus ist die Einschätzung Shusters über die Zahl der iranischen Bevölkerung um 1900, zwischen 13.000.000 bis 15.000.000, übereinstimmend zu der Einschätzung von Referent Russell, der die Bevölkerungszahl im Jahr 1914 auf 20.000.000 schätzte. Der Pfarrer Referent Russell schrieb in einem Bericht über die Beziehungen zwischen dem Iran und Russland, am 11.03.1914: „Der Iran ist von der Bevölkerungszahl genauso groß wie Australien, Deutschland und Frankreich und hat eine Bevölkerungszahl von etwa 20.000.000 Einwohner.“ [Russell, dispatch 584, 761.91/48, March 11, 1914]

Die Wiedererlangung der Bevölkerungszahl nach 40 Jahren

Nach der großen Hungersnot dauerte es 40 Jahre bis die Bevölkerung Irans die Bevölkerungszahl des Jahres 1914 wieder erreichte. Erst mit der Volkszählung im Jahr 1956 wurde eine genaue Bevölkerungszahl von 20.400.000 festgestellt. Iran war trotz seiner Neutralitätserklärung während des Ersten Weltkrieges zum Opfer, vor allem Großbritanniens, geworden. Keiner der Beteiligten Kriegsparteien im Ersten Weltkrieg, hatte weder ähnliche „relative“ noch „absolute“ Verluste in dem Ausmaß zu beklagen, denn wenn das militärische Geschick einmal ein Volk verlassen hat, vernichten die Unseligen auch ein ganzes Volk.

Bis heute nahm kaum jemand Notiz von diesem Genozid. Die Hungersnot in Iran, war Wikipedia daher nicht einmal einen einzigen Satz wert. Vor den Augen der britischen Besatzer verhungerten an die 10 Mio. Menschen. Zweifelsohne, war diese Hungersnot künstlich hervorgerufen, durch die Profitgier und beispiellose Rücksichtslosigkeit der Briten und ihrer Handlanger. Zweifelsohne, kann von einer genozidalen Absicht der britischen Besatzer gesprochen werden und diese Verbrechen sollten daher auch vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag als Völkermord angeklagt werden. Am 9. Dezember 1948 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen in der Resolution 260 die „Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes“ (Convention pour la prévention et la répression du crime de génocide, Convention on the Prevention and Punishment of the Crime of Genocide), die am 12. Januar 1951 in Kraft trat. In Artikel II wurde festgelegt, dass die absichtliche Unterwerfung unter Lebensbedingungen, die auf die völlige oder teilweise physische Zerstörung einer ethnischen Gruppe abzielen, den Tatbestand des Völkermordes erfüllt. Dabei kommt es nicht einmal auf die Anzahl der Opfer an, und der Tatbestand und die Strafverfolgung des Völkermordes verjährt niemals. Bedauerlicherweise, hat Großbritannien sich bis heute weder beim iranischen Volk für dieses Verbrechen entschuldigt, geschweige einen Beitrag zur Aufklärung, oder gar finanzielle Wiedergutmachung geleistet.

 Quellen: [ Dr. Mohammad Gholi Majd, The Great Famine and Genocide in Persia, 1917-1919; Murray dispatch 115, 891.5018/-, June 17, 1925; Major-General Lionel Charles Dunsterville, The Adventures of Dunsterforce; Major M. H. Donohoe, London: Edward Anold, 1919, With The Persian Expedition; Brigadier-General Sir Percy Molesworth Sykes, A History of Persia; John Lawrence Caldwell, Caldwell dispatch 390, 891.48/111, May 21, 1918 and Caldwell telegram, 891. 00/956, June 4, 1918 and Caldwell dispatch and enclosure, 891.00/1008, May 13, 1918,Caldwell telegram, 891. 48/44, May 4, 1918, Caldwell telegram, 763. 72/9977, May 13, 1918; Caldwell dispatch 414 and enclosure, 891. 48/116, July 9; 1918; Caldwell, dispatch 332 and enclosure, 891.00/924, October 10, 1917; Mirzâ Xalil Xân Saqafi; Middle East Journal; Ja’far Šahri; Abolhassan Amidi Nuri, Die Memoiren eines Journalisten; Francis White; Addison E. Southard, Southard to Vickery, letter and memorandum, 891. 48/127, December 24, 1918; Zeitung Iran, Ausgabe vom 18.08.1917 und 21.09.1917; Ra’d, Ausgabe vom 11.01.1918, 20.01.1918, 28.01.1919 und 05.02.1918; Near East Ausgabe vom 14.04.1918; Ralf H. Bader, Bader report, 891. 50/1 Oktober 7, 1918; Shuster, Strangling of Persia. New York: The Century Press, lx.; Russell, dispatch 584, 761.91/48, March 11, 1914]

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9 Gedanken zu “Der iranische Genozid (3)

  1. Im Grunde kann sich der Leser das Grauen, die Perversion und den unüberbietbaren Zynismus kaum vorstellen. Die Kornkammern sind voll, Besatzer verkaufen diese Kammern restlos auf und verkaufen sie weiter ohne auch nur einen Finger für die Ernährung der besetzten Bevölkerung krumm zu machen. Dieses zutiefst Menschenverachtende System des Völkermords haben ja noch nicht einmal die Römer geschafft, die nun nicht gerade zimperlich mit den Menschen in besetzten Gebieten umgingen.

    Der 3. Teil des Berichtes hält dem Leser die Gesamtsituation der mehr als prekären und (ich finde jetzt keine Worte mehr, die diese Situation annähernd real beschreiben könnte) Lage der Bevölkerung des Iran zu jener Zeit vor Augen.

    Die Welt gewöhnt sich eh immer mehr an, an Einzelschicksalen vorbei wie Kriegsberichterstatter, die Flugzeuge abschossen, Schiffe versenkt und anderen verallgemeinernden Begriffen wie Konzentrationslagern und GULAGS oder von Juden- oder Christenverfolgungen zu berichten, in denen die Zahl der Opfer je höher, desto Aufsehen errregender, sensationslüstern und teilweise für politische und religiöse Zwecke instrumentalisiert und aufgearbeitet werden. Selbstverständlich sind diese Zahlen und die Tatsachen für das Informationsbedürfnis und die geschichtliche Wahrheit für den sich informierenden Menschen Menschen von Bedeutung.

    Die Leser vergessen aber oftmals, dass in abgeschossenen Flugzeugen, in versenkten Schiffen, in Kriegen, in KZ, in Gulags, in Morden und Verfolgung von Menschen aus politischen und religiösen Gründen einzelne Menschen wie Du und ich, Familienmütter und -väter, Kinder, Großeltern, Pflegkinder und Ungeborene wie Greise umkommen, die von der Politik als Feind gesehen werden stehen.

    Zahlen drücken im Grunde nichts und alles aus. Sie sind vom Verstehen her der Beliebigkeit unterworfen. Wir müssen uns zunehmend bewusst machen – auch wenn der Leser als Einzelner – so auch ich, dies emotional nicht schultern kann – dass hinter diesen nackten, nüchternen, mathematisch anmutenden Zahlen, die wahrscheinlich nur das Ausmaß des Schreckens am Besten für den Leser gefühlsmäßig überhaupt empfinden lassen ohne wahnsinnig zu werden, ein Methode steht, das Grauen zu kaschieren.

    Egal, welchen Genozid wir betrachten, ob diesen in diesen im wahrsten Sinne enthüllenden Artikeln beschriebenen, ob KZ, ob GULAG, ob Verfolgung oder Mord aus ideologisch, politisch oder religiöser Motivation heraus, es steht immer und es muss immer der Einzelne, das Individuum einer menschlichen Seele gesehen werden, um das Ausmaß dessen einigermaßen erfassen und verstehen zu lernen. Klar das überfordert uns und macht uns nur noch sprachlos, betroffen und im Grunde schmettert es die Seele nieder. Das sind die Dinge, die einen an seinem Glauben zweifeln lassen.

    Was diesen Genozid noch brutaler als die anderen erscheinen lässt, ist die lange, lange Zeit des Einzelnen zu verhungern, die lange, unendlich lange Zeit, bis sich die Erkenntnis bei jedem Kind, Greis, jeder Mutter, jedem Vater durchgesetzt hat, dass sie dem Tod anheimfallen und nicht einer für sie einen Finger rührt, am wenigsten die Verursacher. Eine übliche Hungersnot hat wenigstens noch natürliche Ursachen. Diese Hungersnot ist wie die der Ukraine von Menschen verursacht, ja gesteuert, perfide ohne Rücksicht auf Verluste aus niederer politischer und eigennütziger Motivation heraus quaie inszeniert worden.

    Aber wir müssen auch erkennen, dass die Verursacher eben nicht die Wege Gottes oder die Wege Zarathustras gegangen sind. Das hilft den Opfern, jedem einzelnen von ihnen aber nicht mehr. Darum ist es im Grunde nur verzweifelt rational und vernunftbegabt, an ein Leben nach dem Tod zu glauben, weil ich diese Gräueltaten, diese Opfer, jedes Einzelne von ihnen, immer mit dem für mich starken Wissen verbinde, dass die Jünger Jesu den von den Toten auferstandenen Herrn Jesus Christus als Zeugen wahrgenommen haben. Jesus als der von den Toten auferstandenen gibt uns nicht nur wie andere Religionen Glauben an einen unbekannten Gott, sondern er zeigt uns durch die Zeugenschaft der Jünger, dass das irdische Leben nach dem Tode weitergeht. Darum und einzig und allein darum habe ich den Glauben verbunden mit der Tatsache, dass sich diese Täter nicht an das Liebesgebot Gottes gehalten haben, sondern dieses sogar mit Füßen getreten haben, bewahrt. Wäre ich Jesus nicht im Evangelium nicht begegnet, wäre ich Atheist. Dann allerdings würde ich mit den Inhalten dieser Berichte nicht mehr klarkommen. Dann würden mich diese andere Berichte in den Wahnsinn treiben.

    So bleibt mir die Möglichkeit, die Opfer dieser Millionen von Menschen und auch da kann ich nur in Zahlen denken und nicht den Einzelnen vor Augen habend, in mein Gebet mit einzubeziehen. So kann ich diesen mir persönlich völlig unbekannten Opfern für ihr unfreiwilliges Opfer danken, ja sie in meinem Gebet gedanklich verlebendigen, die mir die Grausamkeit von entmenschlichten Menschenseelen so deutlich vor Augen führen und ich nur immer wieder schreiben kann, dass nicht die der Liebe unfähigen Gebote Allahs, sondern die Gebote des liebenden Gottes in der Inkarnation Gottes auf Erden, nämlich in Jesus, über den Tod hinaus – weil selbst irdisch vorgelebt – wirkmächtig sein kann für den, der glaubt.

    Nur so kann ich persönlich – und das ist meine Art, mit diesen Dingen umzugehen – diese außerhalb jeder menschlichen Ordnung stehenden Mordtaten durch zynisch-berechnendes-politisch-Kalkül oder auch nur durch Gleichgültigkeit des Mitläufertums, an jedem einzelnen Opfer begangen, klarkommen. Mir bleibt die Möglichkeit des Gebetes für all diese Opfer, die dann nämlich nicht umsonst gestorben sind. Ich bitte für all diese Opfer, hier in diesem Blog an Ort und Stelle, dass sie – jeder Einzelne von ihnen – ihren Platz bei Gott haben mögen. Darauf vertraue und hoffe ich.

    Zum Mittäter dieser Offiziere geraten alle, die diesen Genozid oder jeglichen Mord vertuschen, verheimlichen, schönreden oder als nicht begangen leugnen. Diese Mittäter leben somit noch heute unter uns, weil sie historische Fakten, so sie denn geschehen sind, und mich lässt angesichts der Fähigkeit und der Möglichkeit als Besatzer so zu handeln, wie hier beschrieben, daran nicht zweifeln, und vollenden im Grunde nur das, was diese britischen Offiziere angerichtet haben.

  2. Pingback: Der iranische Genozid (2) | Online-Magazin Pârse&Pârse پارسه و پارسه

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