Wenn Kriegsinvaliden Selbstmord begehen

Kriegsinvaliden_Bildquelle - alefbeAus dem Persischen von Fartâb Pârse

von: Elâhe Boqrât

„Der Selbstmord ist einer der Gründe für den Tod iranischer Kriegsinvaliden, deren Ausübung, die Todesursache bei Kriegsinvaliden im früheren Alter (unter 40 Jahre) ist, und zeigt die Notwendigkeit sich mit diesem Problem der Kriegsinvaliden zu befassen.“

Das Ergebnis, das Sie gerade gelesen haben, ist eine der Schlussfolgerungen der Forschungsarbeit einiger Experten, die den Tod von mehr als 1500 Kriegsinvaliden zwischen den Jahren 1981 bis 2003 untersucht haben. Das Forschungsergebnis wurde im Sommer 2006, vor 6 Jahren veröffentlicht. Es genügt, wenn Sie die Suchwörter „Selbstmord / Selbstverbrennung der Kriegsinvaliden“ «خودکشی/خودسوزی جانبازان» in die Suchmaschinen eingeben, um zu erfahren, welche Nachrichten Sie über dieses traurige Phänomen zu lesen bekommen.

Dazu kommt noch, dass der Hinweis des Berichtes vom „niedrigen Alter, unter dem 40. Lebensjahr“, unter Berücksichtigung, dass die Untersuchung etwa 15, 16 Jahre nach Beendigung des Iran-Irak Krieges gemacht wurde, die Altersklassifizierung, Kinder, Jugendliche und junge Männer, deren Schicksal nicht in der Schule, auf dem Spielplatz oder kindliche und jugendliche Freude oder Rebellion war, zeigt, sondern an den Kriegsfronten besiegelt wurde.

Stiftungen, die keine sind!

Viele der Kinder und Jugendlichen, die laut dokumentierten Berichten, mit Plastikschlüsseln um den Hals, als menschliche Wellen über die Mienen geführt wurden, oder gruppenweise an die vorderste Kriegsfront geschickt wurden, um sozusagen den Weg für die eigentlichen Kriegseinsätze frei zu machen, verloren ihr Leben, benebelt durch die Gehirnwäsche und die Ideologiepropaganda des Regimes, das ständig in den sicheren Schützengräben hinter der Kriegsfront präsent war.

Einige von ihnen kamen aber zurück, ohne dass sich ihre Körper und Seelen jemals erholen konnten, und ohne dass das Regime durch eine Reihe von gegründeten Stiftungen, deren Vorsitz durch die Familien-Mafia gestellt wird, ihnen Möglichkeiten zur Verfügung stellten, eine kleine Belohnung dafür zu bekommen, Islam und ihr Vaterland verteidigt zu haben.

Der Kriegsinvalid Nâser Soltâni Fard aus Ahvâz, Provinz Chuzestân, im Alter von 16 Jahren freiwillig an der Kriegsfront für 55 Monate und 26 Tage gedient. Im Kriegseinsatz Karabalâ 4 am Kopf und durch chemische Waffen verletzt. Das ist er heute. Das Bild wurde vor drei Jahren gemacht.

Der Kriegsinvalid Nâser Soltâni Fard aus Ahvâz, Provinz Chuzestân, der im Alter von 16 Jahren freiwillig an der Kriegsfront für 55 Monate und 26 Tage gedient hatte. Er wurde im Kriegseinsatz Karabalâ 4 am Kopf und durch chemische Waffen verletzt. Das ist er heute. Das Bild wurde vor drei Jahren gemacht.

Diese „Kriegsinvaliden“ kann man überall finden: Bei Militärangehörigen, Revolutionswächtern, Basij [freiwillige Kräfte], auch bei den zivilen Bürgern, die entweder freiwillig oder durch die erzwungenen Maßnahmen des Regimes in dieser Zeit, die Arbeiter und Angestellte verpflichtet hatten, an der Front zu dienen.

In einem anderen Forschungsbericht, der im Frühling des Jahres 2001, d. h. etwa 6 Jahre vor dem Forschungsbericht der oben genannten Gruppe, veröffentlicht wurde, wurde auf 82 Selbstmordfälle, die zwischen den Jahren 1986 bis 1999 stattfanden, hingewiesen, mit der Schlussfolgerung, dass „die meisten Selbstmorde unter jungen Männern, verheiratet, arbeitslos und mit schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen ausgeübt wurden, und der Bildungsstand der Mehrheit von ihnen als niedrig eingestuft wird.“ Es muss hinzugefügt werden, dass ihnen gemeinhin aus dem Grund des niedriges Alters keine Zeit blieb, um sich weiterzubilden; weder vor dem Kriegseinsatz, in der die praktische Zeit der Schuldbildung anzusiedeln ist, noch nach der Rückkehr von der Front, als sie psychische und physische Einschränkungen begleiteten, und aus diesem Grund in die Kategorie der „Kriegsinvaliden“ eingeordnet wurden.

Im Bericht ist weiter zu lesen: „Die am weit verbreitetesten Formen des Selbstmordes sind der Reihe nach Selbstverbrennung, Erhängung, Vergiftung und die am weit verbreitetesten psychologischen Störungen sind bei diesen kranken Menschen die Depression und Schizophrenie gewesen.“ Währenddessen hat sich der Selbstmord zu einem der gesellschaftlichen Komplexe entwickelt, und durch eine Recherche im Internet können sehr viele Berichte, Nachrichten und Forschungsabhandlungen darüber gefunden werden. Auf der anderen Seite, sind auch die Krankheiten wie Depressionen und Schizophrenie zu den meist verbreiteten seelischen und psychischen Krankheiten in Iran geworden.

Überall auf der ganzen Welt, und in jedem politischen und wirtschaftlichen System, gehören solche Abnormitäten zu den bestimmenden Ursachen, die das Leben des Menschen in der Gesellschaft beeinträchtigen, mit dem Unterschied, dass diese Abnormitäten unter natürlichen und vernünftigen Umständen, durch materielle und immaterielle Möglichkeiten der Gesellschaft, mit der Unterstützung der Regierung kontrolliert werden können, und den Opfern der Abnormitäten geholfen werden kann. Während in der jetzigen Lage Irans nicht nur nichts dagegen unternommen wird, sondern auch die Situation diejenige ist, dass die Zahl und Art der Abnormitäten zunehmen, und ein Dutzend Mafia-Stiftungen, nichts anderes tun, als in die Tasche ihrer Vorsitzenden und der ihrer Angehörigen zu wirtschaften, anstatt etwas für die Bürger zu tun, die dringend Hilfe benötigen. Das Ausmaß der Ignoranz und Unfähigkeit der Stiftungen und der kleinen und großen Organe sind anhand des Lebenszustandes der Kriegsinvaliden und Opfer sehr sichtbar.

Der Krieg geht weiter

Die neueste Nachricht über den Selbstmord der Kriegsinvaliden ist der Selbstmord von Heydar Nuri, ein Kriegsinvalid durch chemische Waffen mit 25% Invalidität. Laut dem Weblog „Iranische Kriegsinvaliden durch chemische Waffen“ hat Heydar Nuri, im aggressiven und streitsüchtigen Zustand, die Märtyrer-Stiftung [bonyâde šahid] aufgesucht, und aufgrund seiner Aggressivität hat die Märtyrer-Stiftung seinen Lebensunterhalt eingestellt. Es wird berichtet, dass finanzieller, seelischer und psychischer Druck die Gründe des Selbstmordes von Heydar Nuri waren, der sich dann vom Treppenhaus des Gebäudes, indem er mit seiner Familie wohnte, erhängt hat. Das Weblog „Iranische Kriegsinvaliden durch chemische Waffen“ schreibt, dass vor etwa einem Monat noch ein anderer Kriegsinvalide sich vor dem Gebäude der Märtyrer-Stiftung, mit Benzin übergossen hatte, verbrennen wollte, aber weil der Zündstein versagt hatte, hatte er keinen Erfolg.

Dasselbe Weblog berichtet über einen anderen Selbstmord eines Kriegsinvaliden in Tabriz, der um seine Probleme zu lösen, nicht einmal das nötige Geld besaß, um nach Teheran zu kommen. Letztes Jahr sprang auch ein pensionierter Lehrer, der ein Kriegsinvalide war, aus 64 Meter Höhe in den See hinter dem Damm Gotvande Oliyâ [die Obere Gotvand-Talsperre] in der Provinz Chuzestan und brachte sich um. Inzwischen haben die Zuständigen, darunter Mas’oud Zaribâfân, der Chef der Märtyrer-Stiftung und Stiftung für Kriegsveteranen-Angelegenheiten, gleichzeitig auch der Stellvertreter des Präsidenten Ahmadinežâd, ständig und immer wieder die Berichte über die Kriegsinvaliden geleugnet; als Beispiel hatte er im Jahr 2010 den Bericht über die Selbstverbrennung eines Kriegsinvaliden in der Stadt Qom von Grund auf dementiert. Obwohl seine Rede aus dem Internet verschwunden ist, hat aber ein Kriegsinvalid, der im Jahr 1986 an der Front war, zur gleichen Zeit, während eines Interviews mit der Nachrichtenagentur Fars, seine Situation so beschrieben:

„An der Front wurde ich während der Einsätze und Sabotagen an der linken Schulter und am linken Bein verwundet, der Splitter befindet sich immer noch oberhalb meines Herzens, und ich lebe seit 20 Jahren mit nur einer Hand und einem Bein. Trotz meiner Vorgeschichte bei der Märtyrer-Stiftung wird mir seit 15 Jahren gesagt, dass meine Akte nicht mehr zu finden ist und verloren gegangen sei. Vor 4 Jahren starb meine Mutter und ich konnte aufgrund meiner Mittellosigkeit für die Bestattungskosten nicht aufkommen; dafür suchte ich die Märtyrer-Stiftung auf; mir wurde gesagt, „auch wenn Ihre Mutter gestorben ist, können wir Ihnen nicht helfen, denn wir haben dafür keine Regelung.“ Ich habe einen 22 jährigen Sohn, der Theologiestudent ist, und noch einen 18 jährigen Sohn und eine 16 jährige Tochter, und beide haben aufgrund der finanziellen Probleme die Schule aufgegeben; währenddessen habe ich auch seit 20 Jahren keinen Lebensunterhalt von der Märtyrer-Stiftung bezogen, und arbeite seitdem mit einer Hand und einem Bein für meinen Lebensunterhalt, um niemandem zur Last zu fallen. Ich bitte die Zuständigen der Märtyrer-Stiftung und Stiftung für Kriegsveteranen-Angelegenheiten den Ort, an dem wir leben, zu besichtigen, um zu sehen, welches Wasser wir als das Trinkwasser verwenden…“

8 Jahre sinnloser Krieg

8 Jahre sinnloser Krieg

Natürlich sind das nicht Erhalten des Lebensunterhalts, das Aufgeben der Schule durch die Kinder, aus finanziellen Gründen, und das unreine Trinkwasser in seinem Wohnort, nicht nur seine Probleme. Ein Krieg, geht in dem Moment, wo er offiziell zu Ende geht, in Wahrheit für viele niemals zu Ende! Der Iran-Irak Krieg ging auch nicht im Sommer 1988 zu Ende. Das Gift, das der Krieg und die Islamische Republik dem Körper der iranischen Gesellschaft injiziert hatten, ist tödlicher als das Gift, das Khomeini durch die Annahme der UN-Resolution 598 auf sich nahm [Anm. der Redaktion Pârse & Pârse: Im übertragenen Sinne ist die Akzeptanz der Resolution 598 durch Khomeini zur Beendigung des Krieges wie das Austrinken des Schierlingsbecher, in der Art von Sokrates. Seitdem wird diese Metapher verwendet].

Der Krieg und seine Folgen haben sich tief im Körper und in der Seele der Gesellschaft verankert; die Kriegsruinen, die immer noch in den damaligen Kriegsgebieten stehen, die Kriegsflüchtlinge, die ihre Heimat verlassen hatten und im eigenen Land ins Exil gingen, die Familien, die alles verloren haben, bis zu denjenigen, die das Leben ihrer Kinder dem Vaterland geopfert hatten, bis hin zu den Kriegsinvaliden, die ohne jede Aussicht auf Zukunft in die Arme der Gesellschaft zurückkehrten, ohne dass diese kranke Gesellschaft die Kraft dazu hatte, sie zu pflegen. Eine Gesellschaft, deren Körper und Seele aufgebraucht und verwelkt ist, und in einem immer währenden Kreis durch das Regime und seine kontrollierenden Organe, dermaßen auseinander klafft, dass sie keine andere Möglichkeit mehr findet als Selbstmord zu begehen.

Der Kummer der Kriegsinvaliden, und der Gesellschaft sind derselbe. Die Krankheit der Kriegsfolgen und die der Islamischen Republik sind im ganzen Iran verbreitet. Eine bittere Ironie und ein phänomenales Leid hängen zwischen beiden Begriffen „Kriegsinvalid“ und „Selbstmord“!

In einem Land, dessen Kriegsinvaliden Selbstmord begehen, sind die politische Ethik, die Fähigkeit seiner Führer und die Verteidigungskraft unter Null gesunken.

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Quellen der Autorin:

Journal of Military Medicine
Scientific Information Database
Iranische Kriegsinvaliden durch chemische Waffen
Mas’oud Zaribâfâns Dementierung

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4 Gedanken zu “Wenn Kriegsinvaliden Selbstmord begehen

  1. Ein Krieg, geht in dem Moment, wo er offiziell zu Ende geht, in Wahrheit für viele niemals zu Ende!

    Das ist m. E. der Schlüsselsatz. Gleichzeitig erinnert mich dieser erschütternde Bericht über das Wort eines Psalmteiles aus der Bibel ” Suchet den Frieden und jaget ihm nach!”

    Die Gründe dieses Nachjagens macht der Bericht der werten Blogbetreiber mehr als deutlich. Krieg ist der schlimmste Zustand auf der Erde für Mensch, Fauna und Flora sowie für die Umwelt. Er ist künstlich von Menschen ersonnen und geführt. Eine unabwendbare tödliche Krankheit oder ein tödlicher Tsunami sind schon schlimm genug, sie sind aber unabwendbar. Dort können wir Menschen sehen, die heroisch anderen – egal welcher Ethnie sie angehören – helfen. Da funktioniert Solidarität, wenn es Überlebende gibt. Aber ein Krieg, in dem Männer, Frauen, Kinder, Greise vor den Augen der Menschen von Menschen massakriert, erschossen, enthauptet, gequält ,zerbombt und gefoltert werden einfach nur, weil sie dem von Politik oder Religion dem Gegner angehören, die vor Beginn des Krieges durch die Propaganda der Machthaber kanalisierend rechtfertigend zum Feindbild mutieren ließ, lässt die Seelen versteinern, das Grauen nie vergessen, obwohl der Sehende nicht einmal selbst Verletzungen erlitten haben mag. Und wieviel mehr Steigerung des Grauens erfährt ein Mensch, der im Krieg selbst verletzt worden ist und sich selbst kaum noch helfen kann und zusätzlich dieses Grauen, vorsätzlich begangen am Mitmenschen mit ansehen musste.

    Da gibt es die Einen, die nur durch bloßes Erleben des Leides von anderen Selbstmord begehen. Ein grausiges Schicksal. Ein noch grausameres Schicksal erleiden die selbst Verletzten, wobei in beiden Fällen niemand sagen kann, welche Verletzungen schlimmer sind, die seelischen oder die körperlichen, verbunden mit seelischen unbewältigten Zuständen.

    Dieser spezielle Krieg spielt in einer GEsellschaft, in der der Staat, der solche Kriege führt, die Heilung, die Therapien und die Hilfestellungen privaten Organisationen überlässt, obwohl er selbst der Verursacher oder aber derjenige ist, in dessen Namen sich Menschen zur Verteidigung aufmachen müssen, während wie in jedem Krieg die Machthaber auf beiden Seiten in der Regel in Sicherheitsbunkern keinerlei Eigengefahr in Kauf nehmen müssen.
    Die Drecksarbeit soll doch das Volk machen. Eine mehr als zynische Handlungsweise. Erst den Menschen den Kopf für die Bestie Krieg hinhalten lassen, dann aber keinerlei organisierte Hilfe anbieten. Dieser Krieg ist noch grausamer gewesen, weil wohl dort Chemiewaffen zum Einsatz kamen.

    Da gibt es m. E. auch kaum Unterschiede. Auch in den USA ist dieses Problem mehr als bekannt. Napalm über Vietnam. diese Gräuel der Verwustungen hier wie dorf ein unendliches Thema:

    http://www.tagesschau.de/ausland/usarmee128.html

    Der Krieg ist nun einmal nicht nur physisch und psychisch die schlimmste Geisel der Menschheit. Der Krieg lässt die Entmenschlichung erkennen, zu denen der Mensch fähig ist. Abgründe des Menschen tun sich da auf wie ein elendes schwarzes Loch mit quälendem Feuer, welches man Hölle und satanisches Gedankengut nennt. Denn diese Kräfte brechen sich dann Bahn, ist der Krieg einmal entfesselt.

    Suchet den Frieden und jaget ihm nach. Treffender und insbesondere eindringlicher kann diese Zielsetzung in dieser prägnanten Kürze nicht mehr zum Ausdruck gebracht werden. Ja, er sollte mit der Liebesgebot ein Hauptgebot sein in jeder Ideologie, ob politisch oder religiös.

    Im Grunde können diese bemitleidenswerten Menschen die im Krieg ums Leben gekommenen beneiden, denn sie mussten nicht mehr die quälende verbleibende Zeit des irdischen Lebens erdulden. Diesen Menschen gehört unser ganzes Mitleiden.

    Vielen graust es bereits davor und wehren es ab in Friedenszeiten überhaupt Tote, die friedlich entschlafen sind, sehen zu können oder aus gesellschaftlichen Zwängen heraus sehen zu müssen. Die Kriegsveteranen sind dazu verdammt, sich diese Horrorszenen anschauen zu müssen in dem Bewusstsein, dass da kein Horrorfilm, keine Fiktion, vor ihnen abläuft. Das Blut, die nicht enden wollenden Schmerzensschreie von Menschen sind echt und sie können nicht einmal helfen, weil sie dann selbst unter Dauerfeuer genommen würden. Ich will diese Szenarien auch nicht noch mehr beschreiben, weil es mich im Grunde anekelt, dass Staaten mal eben einfach so an Kriegsmaterial und am großen Geschäft mit Waffen(systemen) verdienen. Ausbaden müssen es die Menschen, die genau an diesen Waffen stehen und sowohl abgeschossen werden und abschießen müssen. Das Trauma der Gedanken, nicht zu wissen, wie viel Mütter, Väter und Kinder man im Krieg wie die Hasen abgeschossen hat, wird jeden Einzelen wohl bis zum Lebensende verfolgen, wenn der Krieg die Seele nicht ganz hat absterben lassen.

    • Vielen Dank werter Bazillus für diese Worte! Es hat mich Nerven gekostet den Artikel zu übersetzen, denn ich bin selbst ein Kriegsflüchtling, die diese hässliche Zeit erlebt hat und es verfolgt mich bis ans Ende meines Lebens! Unzählige schreckliche Bilder! Ein enges Familienmitglied von mir hat sich schon vor Jahren das Leben genommen, denn er war auch ein Kriegsinvalid. Er sah wie sein Kumpel neben ihm versucht den Schützengraben zu erreichen und im nächsten Augenblick sah er einen kopflosen Körper, der sich immer noch neben ihm auf dem Boden bewegt! Er hatte grausame Erinnerungen, die ihm in den Wahnsinn trieben und er am Ende sich erhängt hatte. Mögen sie alle in Frieden ruhen, all die tapfere Männer und Frauen, egal ob an der Front oder Zivilisten.

      Suchet den Frieden und jaget ihm nach!

      • Werte Farab Parse,
        das kann ich mir schon vorstellen, dass Dir fast jedes Wort dieses Berichtes schon fast körperliche Schmerzen bereitet hat, wenn Du selbst Kriegsflüchtling warst. Es ist dann auch kein Wunder – da meine ich jetzt nicht Dich mit – dass das Erleben solcher Grausamkeiten an Gott zweifeln lässt, dass der Glaube an den Gott der Liebe kräftig ins Wanken gerät.

        Aus diesem Grunde noch ein kräftigeres Dankeschön für diese schmerzvolle Übersetzung von meiner Seite aus. Herzlichen Dank.

        Meine Überlegungen kommen nicht von selbst und ungefähr. Ein sehr älterer Kollege, der den Krieg noch mitgemacht hatte, schilderte mir ähnliches. Er hat mir bewusst gemacht, wenn die Zeitungen schrieben, dass wieder mal 5 Schiffe versenkt und 10 Flugzeuge abgeschossen wurden, welch zynische Semantik dahinter steckte. In jedem Flugzeug saß ein Mensch, ein Familienvater oder auf den Schiffen, die dann untergingen ,passierte ähnlich Grauenvolles beim Untergang. Diesem Kollegen danke ich noch heute für die Klarlegung seiner Sichtweise. Mir würde damals als ca. 30-jähriger bewusst, dass bei jedem Unglück, bei jeder Katastrophe, eben auch bei jedem Krieg, wenn Opferzahleln genannt werden, man nicht auf die nackten Zahlen schauen soll, sondern immer hinter diese Zahlen blicken muss, um das Grauen überhaupt erfassen zu können. Da verschwimmen dann Ausdrücke wie Freund und Feind, auch wenn es sie politisch und im Krieg selbstverständlich gibt. Aber hinter diesen Begrifflichkeiten stehen halt auch Menschen mit gleichen Gefühlen und Schicksalen. Diese Begrifflichkeiten “zum Opfer fallen” und “Gefallene” und Opferzahlennennung sind im Grunde Mäntel, die das wahre Grauen bemänteln, und gar nicht erst bewusst machen wollen und auch sollen.

        • Danke. Leider nimmt die Zahl der Überlebende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland ab. Die Menschen sollte man den Weg in Mainstream schaffen, damit sie ihre Erlebnisse von damals den Generationen von heute beschreiben, bevor man den Waffenhandel mit Saudi Arabien über Milliarden im Bundestag bewilligt! Leider nehmen sich die Generationen nach dem Krieg keine Zeit für diejenige, die ihn erlebt haben, und hören sich die Grausamkeiten nicht an. Es wird in der Schule nur noch 12 hässlichen Jahre des Sozialnationalismus beigebracht, ohne über die eigene Opfer zu sprechen. Die Kindersoldaten von damals sind noch am Leben! Es gab mal bei Arte eine Dokumentarreihe, wie heute diese Kindersoldaten von damals (Nazi Zeit) mit ihren Kummer fertig werden. Es gab eine Szene, die sich bei mir tief eingeprägt hat! Ein Mann (damals etwa 65 Jahre alt) konnte für einige Momente nicht reden und versuchte sich zu beherrschen, er versuchte die Tränen zurückzuhalten. Selbst nach so vielen Jahren konnte er immer noch nicht über seine Erlebnisse sprechen. Mit anderen Worten, diese Erlebnisse verfolgten ihn immer noch!

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