Prostitution in der Safawiden Zeit

Von: Royâ Fathollâh Zâde
irancpi

Einleitung

So wie in der Einleitung erwähnt wird, ist die Bedeutung der Safawiden Epoche indes so wichtig, da die erste schiitische Staatsform im Iran gegründet worden ist. Dieser Punkt erweckt den Eindruck, dass in so einer Gesellschaft die Prostitution den Gesetzen der Scharia entsprechend verurteilt und verboten ist. Nach Meinungen der Gläubigen müsse sie verdrängt und abgeschafft werden. Im Buch die Medizin in der Safawiden Zeit wird die Prostitution aber als ein eher reges und gut laufendes Geschäft beschrieben. Es ist zu lesen, dass „obwohl die Gesetze des Islams, die Polygamie und die Zeitehe [siqe] befürworten, um die Prostitution niedrig zu halten,  sich Männer aufgrund ihres ungesättigten Appetits, nebst dieser Möglichkeiten der Prostituierten bedient hätten“ [1].

Die Bezugsquellen zeigen auf, dass die Prostituierten einen königlichen und staatlichen Schutz genossen, denn sie zierten den Hof mit ihrer Tätigkeit und waren eine Einnahmequelle für den Staat. Der berühmte Reisende Chardin erzählt einiges über die Künste der Prostituierten: „Im Jahr 1637 als Holstein [der französische Botschafter im Hofe König Safi] nach Qazvin reiste, in etwa einem halben Kilometer Entfernung zur Stadt, hatten 15 junge Frauen mit glamouröser Bekleidung, in Gold- und Silbergeschmücken den Botschafter zur Begrüßung empfangen. Sie sangen und spielten Instrumente auf dem Weg nach Qazvin, und verabschiedeten sich von dem Botschafter an der Pforte der Stadt. Es ist Brauch, dass solche Frauen bei allen gloriosen Gästebewirtungen und Empfängen eingeladen und engagiert wurden. Sie unterhielten die Gäste mit ihrer Musik und ihren Gesängen und ihre Performanz war erotischer und romantischer Natur“ [2].

Olearius schrieb in seinen Memoiren über seine Reise in den Iran: „Immer, bei Hof- Banketten und Festen, bedient man sich der Prostituierten. Sie werden zur Unterhaltung der Gäste benutzt und den willigen Gästen zur Verfügung gestellt. König Safi hatte eine Anzahl solcher Frauen in seinem Dienst, die dann zu wichtigen Anlässen zur Verfügung stehen mussten; er benutzte sie aber eher zu Tanzaufführungen und um seine Gäste zur Ekstase zu bringen und sie zu erregen; aus dem Grund mussten diese Frauen nicht nur sehr hübsch sein, sondern auch in Künsten wie Musik, Gesang und Tanz ausgebildet sein. König Safi hat sogar diese Frauen mit in die Kriege genommen“ [3]. Don García berichtet: „Üblicherweise wurden diese Frauen in den Kriegen mitgeschickt; sie haben die Armee begleitet, um mit ihren Gesängen und Tänzen die Soldaten bei Laune zu halten und noch dazu ihre sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen, und praktisch dadurch ihnen die Kraft zu geben zu kämpfen, denn ohne sie hätten die Soldaten nicht eine sehr lange Zeit bei den Kämpfen durchgehalten“ [4].

Das Prostituierten-Viertel

Obwohl diese Frauen die Gunst des Königs, des Hofes und einiger einflussreicher Männer genossen, duldete das Volk diese Frauen nicht als Nachbarn in ihrer Nähe; die Prostituierten hatten so ihr eigenes Viertel errichtet. Auf Befehl des Staates wurden in solchen Vierteln Häuser gebaut, die „xayl“ [Freudenhäuser] hießen, die auch als eine Kneipe zum Vergnügen dienten. In jener Zeit wurden diese Viertel, in denen die Prostituierten lebten im Allgemeinen „xarâbât“ [Weinschenke] genannt, was auch abwertend „der Ort zur Zuhälterei“ bedeutete [5]. Es wird sicher angegeben, dass solche Orte nach der Gründung unabhängiger regionaler Mächte gebaut wurden, um die Sicherheit der jungen Mädchen und Frauen zu garantieren, in der Annahme der Mangel an solchen Plätzen könne die Männer dazu verführen, sich an junge Mädchen und Frauen zu vergreifen. Somit wurden außerhalb der Städte solche Viertel für Soldaten und Männer, die sich vergnügen wollten, gegründet, damit diese nicht andere keusche Frauen belästigten. In der Safawiden Zeit wurden einerseits solche Prostituierten-Viertel gebaut, andererseits wurden große und harte Strafen für die Vergewaltiger der keuschen Frauen verhängt [6].

Im Buch Rostamottavârix ist zu lesen, dass die Bordelle auf direktem Befehl des Königs gebaut wurden: „Der König ließ einen Ort für Weingenießer und Schenken bauen; er ließ diese Viertel mit Prostituierten und bezaubernden Schönheiten bewohnen. Man nannte den Ort „xayl“. An die fünf- bis sechstausend schöne Frauen lebten in „xayl“. Eine der berühmtesten dieser Frauen hieß „Mollâ Fâteme“; Mollâ Fâteme war eine schlanke Frau, die über zwanzigtausend ausgewählte Verse von Dichtern der Vergangenheit und der Gegenwart auswendig wusste; sie sang die Gedichte je nach Lust und Laune den Hofgästen mit Musik und Tamburin vor“ [7].

Chardin beschreibt die Prostituierten-Viertel wie folgt: „Das Viertel besteht aus drei Straßen und sieben großen Karawansereien, die alle „Karawanserei der Nackten“ heißen; denn die prostituierenden Frauen werden „die Nackten“ genannt. Das ganze Viertel ist das Zentrum dieses Berufes“ [8]. Er schreibt in einem anderen Teil des Buches, dass „es in der Stadt Isfahan ein Viertel gibt, in dem  unzählig viele Prostituierten lebten; das Viertel heißt „die Gegend der Maskenlosen“. Sobald es dunkel wird, kommen diese Frauen wie Scharen an Raben hinaus; sie verteilen sich in der Gegend und suchen nach Kunden. Sie arbeiten auch als Musikantinnen und Tänzerinnen bei Festmahlen. Im Vergleich iranischer Städte ist das Leben der Prostituierten, in der Stadt Ardabil aber verboten, denn in dieser Stadt ist der Scheich Safiyoddin Ardabili (der Gründer der Safawiden Dynastie) mit einigen seiner Familienmitgliedern begraben“ [9].

Die Steuereintreibung von Prostituierten

In der Safawiden-Zeit wurde die Prostitution wie ein Gewerbe behandelt, welches steuerpflichtig war. Das Interessante daran ist, dass die Steuer je nach Grad der Schönheit bestimmt wurde! Die venezianischen Reisenden, die in der Safawiden Zeit in den Iran reisten, schrieben: Die junge Frauen der Bordelle waren meistens Tscherkessinnen und Georgierinnen. Die Prostituierten, die in den öffentlichen Lokalitäten verkehrten, zahlten Steuern; diese Steuer war abhängig von ihrer Schönheit. Je schöner sie waren, desto höhere Steuern mussten sie zahlen; diese Frauen nannte man „qahbe“ (Prostituierte) [10].

In der Zeit Königs Abbas I [Abbâs I] wurden gesonderte Vorschriften erlassen und damit die Lage der Prostituierten verbessert. Chardin schrieb: „In der Stadt Isfahan leben 12.000 Prostituierte; ihre Namen sind in Büchern registriert, denn sie zahlen eine bestimmte Art der Steuer und haben ihre eigenen Beamten und Beauftragten, die sich um ihre Angelegenheiten kümmern. Der königliche Fackelträger ist derjenige, der sich um die Bordelle, die Schenken, die Musikanten, die Artisten und Gaukler kümmert und ihre Steuern eintreibt. Die Höhe der Steuern, die von den Prostituierten eingesammelt wird, beträgt im Jahr 200.000 Écu (15 Écu sind 1 Tumân); man behauptet sogar, dass es auch genauso viele Prostituierte gibt, die vermeiden in den Büchern eingetragen zu werden, um nicht als offiziell registrierte Prostituierte gekennzeichnet zu werden; sie arbeiten heimlich, zahlen somit keine Steuern wie andere“.

Die Frauen werden nach ihren Preisen genannt. Z. B. 12 Tumâni oder 2 Tumâni; sie werden nach dem Betrag, den sie für jeden Besuch verlangen, genannt, z. B. sagt man, die Eine sei die 10-Tumân-Frau, oder die andere sei die 5-Tumân-Frau. Übrigens verlangt keine Prostituierte in der Stadt Isfahan weniger als ein Tumân [11].

Das religiöse Engagement

Eines der interessanten Dinge über diese Frauen ist ihr religiöses Engagement. Don Garcia beschreibt die Art der Teilnahme solcher Frauen bei den religiösen Trauerfeiern wie folgt: „Diese Frauen genießen etwas mehr Freiheit als andere Frauen; sie sind sehr lieb und gesellig und bedecken ihre Häupter nicht wie andere Frauen mit schwarzem Tuch [Tschador], sondern bedecken sich mit einem feinen Stoff, der golden verziert ist, welcher ihr Haupt und den Körper zwar bedeckt aber durchsichtig ist. Im Hof der Moschee gibt es einige schmale Säulenhallen, die für die Frauen der Handwerker, Gewerbetreibenden und Großhändler reserviert sind und einige anderer Bereiche sind für die Prostituierten bestimmt. Man achtet und respektiert sie sehr, weil sie die Gunst des Königs genießen und eine Einnahmequelle des Königs sind. Diese Frauen halten während der verschiedenen religiösen Veranstaltungen ein kleines goldfarbenes Kästchen aus Holz und nähern sich mit Schüchternheit und Scham den Männern und ohne ein Wort zu sprechen stehen sie solange da, bis sie Almosen erhalten haben. Sie geben dann diese Almosen und Spenden den Bedürftigen, die sie ausfindig gemacht haben“ [12].

Die Strafe

Trotz all des Schutzes und der erlassenen Gesetze wurden gelegentlich, je nach Belangen (z. B. eine Prostituierte hatte ihre Steuern nicht bezahlt und genoss daher nicht den Schutz der Beamten, oder sie hatte die Aufmerksamkeit zu sehr auf sich gelenkt) einige der Prostituierten bestraft. Es war üblich eine Prostituierte auf eine Art zu bestrafen, indem man ihr den Kopf kahl rasierte, sie verkehrt herum auf einem Esel setzte und dann sie in der Stadt herumführte: „Im Jahr 1880 wurde eine allen bekannte Prostituierte, die mit einem Engländern geschlafen hatte, in einen Sack gesteckt, den Sack zugeknotet und dann in der Öffentlichkeit mit Stocken geschlagen“ [13].

Anmerkungen:
[1] Die Medizin in der Safawiden Zeit, S. 238
[2] Chardin, das Band 7
[3] Adam Olearius, Moskowitische und persische Reisen, S. 648
[4] Don García, die Reiseberichte, S. 308
[5] Râvandi, 1988, S. 471
[6] Râvandi, 1988, S. 472
[7] Rostamolhokamâ, S. 340
[8] Chardin, S. 195
[9] Râvandi, S. 491
[10] Pârsâ Dust, S. 621
[11] Râvandi, S. 490
[12] Don García, die Reiseberichte, S. 313
[13] Die Medizin in der Safawiden Zeit, S. 239

Quellen:
1- Don García (1984), Die Reiseberichte, Übersetzung Qolâm Rezâ Sami’i (Tehrân, Našre Nou)
2- Mortezâ Râvandi (1989), Die gesellschaftliche Geschichte des Irans, Band III (Tehrân, Entešârâte Âgâh)
3- Chardin (1966), Reiseberichte, Übersetzung Mohammad Abbâsi (Tehrân, Amir Kabir, Band VII)
4- Mohammad Hâšem Âref Rostamolhokamâ (1973), Rostamottavârix, (Tehrân, Câpxâneye Sepehr)
5- Manucehr Pârsâ Dust (1996), Šâh Esmâ’il I, (Tehrân)
6- Adam Olearius (2000), Moskowitische und persische Reisen, Übersetzung Hoseyn Kord Bace (Tehrân, Hirmand)
7- Die Medizin in der Safawiden Zeit (1978), Übersetzung Mohsen Jâvidân (Tehrân)

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