Iran, die vergessene Glorie

Ein Interview mit Mahan Karandisch, der Macher von „Iran, die vergessene Glorie“
Von: Amir Fetânat

Iran erlebt derzeit einer der dunkelsten Perioden kultureller Geschichte. Der alte Baum, der einst die kälteste Jahreszeit überstanden hat, welkt langsam fort; seine Wurzeln sind durchbohrt durch innere und äußere Schwächungen. Unsere nationale Identität wurde durch die Träger der arabischen Kultur bedrängt und sie ist uns als Nation befremdlich geworden.

Es gibt aber immer wieder Iraner, die die Schwierigkeiten auf sich nehmen, uns zu erinnern, wer wir sind; sie verbinden uns mit unseren Wurzeln und erfüllen uns mit Stolz auf eine Nation, die die Kultur der Welt im Laufe der Geschichte beeinflusst hat. Es sind Organisationen, Institute, Akademiker, Historiker, Sprachwissenschaftler, Schriftsteller, Künstler, Sponsoren und sogar Unbekannte, die uns bei dieser Sache helfen. Meiner Meinung nach ist „Iran, die vergessene Glorie“ ein sehr gut ausgearbeiteter und innovativer Dokumentarfilm, der diesem Ziel ebenso dient.

Der Filmregisseur Makan Karandish [Mâkân Kârandiš] stellt sich der Herausforderung im Namen aller Iraner, indem er einen Dokumentarfilm namens „Iran, die vergessene Glorie“ mit vier Episoden produziert. Der Dokumentarfilm, der hohe Wertschätzung verdient, zeigt auf eine originelle und künstlerische Art die Geschichte Irans vor und nach der Invasion der Araber in den Iran.

Der Dokumentarfilm wurde im Jahr 2008 aus hunderten von Filmen, die beim Bogota Film Festival vom 1. bis 9. Oktober 2008 ausgestrahlt wurden, ausgewählt; seine Erstaufführung wird in drei Sprachen Pârsi, Englisch und Spanisch sein. Informationen zu diesem Projekt können unter www.farsmovie.com aufgerufen werden.

Ich hatte die einzigartige Gelegenheit mir das Projekt genauer anzusehen und ein Interview mit Makan Karandish zu führen:

Herr Karandish, können Sie uns etwas über sich selbst erzählen?

Karandish: „Ich komme aus Širâz. Bevor ich in die USA emigrierte, lebte ich bis zu meinem 15. Lebensjahr in Širâz. Nachdem ich das Gymnasium beendete, fing ich an Astrophysik zu studieren, aber nach einem Jahr interessierte ich mich für die Philosophie und änderte meinen Studiengang; später wurde ich neugierig auf die Psychologie, und anschließend zog mich die Welt der Kunst an und ich begann mit dem Filmstudium an der California State University, Long Beach. Im Jahr 2001 unternahm ich eine kurze Reise in den Iran und führte Regie und produzierte einen halbdokumentarischen, halberzählerischen Film namens „Tanze nicht mit dem Feuer“, der das Leben eines traditionellen Brotbäckers, dessen Arbeit nun durch eine Brotbackmaschine ersetzt ist, schilderte. Der Film wurde dann im Miami Film Festival im Jahr 2002 uraufgeführt und von der Jury mit einem Preis ausgezeichnet. Danach war ich der Regisseur einiger Kurzfilme wie „Schwarz und Weiß“, „Farbe“, „Grenze der Erkenntnis“ und „Entropie“, bis ich anfing mich mit diesem großen kulturellen Projekt „Iran, die vergessene Glorie“ zu befassen“.

Wie haben Sie sich entschieden, diesen Film zu machen?

Karandish: „Ich habe mich immer für Geschichte interessiert. Nach meinem Abschluss an der Universität reiste ich in den Iran. Das Wiederbesuchen der Ruinen von Persepolis erinnerte mich an das einst glorreiche, antike Perserimperium, und machte mich sehr stolz auf meine Geschichte; ich fragte mich, wie es möglich ist, dass ein Land, das einst das Zentrum der Zivilisation war, heute von vielen Menschen im Westen ja sogar unserer eigenen jungen Generation als eine rückständige und primitive Nation betrachtet wird […] Dadurch entwickelte sich eine Kettenreaktion von Gedanken, die schließlich zum festen Entschluss führten dieses Projekt zu übernehmen; aber vor 5 Jahren realisierte ich noch nicht, was für einen langen Weg ich vor mir hatte“.

Erzählen Sie uns über die Entstehung des Films und warum es so lange gedauert hat?

Karandish: „Zur Produktion des Films beschäftigte ich mich mit verschiedenen Themen; erstens musste ich mich mit der Geschichte der Provinz Pârs vertraut machen, dieses beanspruchte eine enorme Zeit an Forschungsarbeiten und Konsultationen mit Historikern; an und für sich war das eine immense Aufgabe. Zweitens, die Feststellung des Budgets, die Planung, die Kameraführung und andere Details von vor Abschluss der Dreharbeiten; alles war sehr mühsam und zeitaufwendig. Des Weiteren war mein Ziel einen Film mit der höchsten Bildauflösung zu produzieren; für diesen Zweck brachte ich viele Film-Ausstattungen direkt aus den USA mit. Drittens, ich wollte einen Film drehen, der in der Lage sein würde mit den westlichen Zuschauern eben so gut zu kommunizieren; und ich hatte diesen Punkt während der Informationssammlung und der Auswahl des Stils des Films mitberücksichtigt. Wegen der Kinematographie des Films musste ich drei Mal in den Iran reisen, und um diesen Film zu verwirklichen, waren wir meistens auf unsere eigenen Instrumente angewiesen; und wir wollten eine große Menge an Geschichte kommentieren; die Formatierung des Films in verschiedenen Sprachen und anderen Faktoren nahmen unweigerlich mehr als 5 Jahre in Anspruch“.

In welcher Phase ist derzeit der Film und beinhaltet welche Teile?

Karandish: „Der Film umfasst 4 Episoden, die jeweils ca. 1 Stunde dauern. Die erste Episode behandelt die Entstehung der Zivilisation im iranischen Plateau, und den Aufstieg und den Fall des Achämeniden Imperiums. Die zweite Episode schildert den Aufstieg und den Fall des Sassaniden Imperiums, und die dritte und vierte Episoden gehören zu der nach-islamischen Epoche Irans in der Provinz Pârs. Derzeit ist der erste Teil des Films fertig gestellt worden und wurde in diesem Jahr [2008] vom Bogota Film Festival unter 700 eingeschickten Filmen ausgewählt; der Film wird vom 1. bis zum 9. Oktober 2008 zeitgleich zum Mehregân Festival [Jašne Mehregân] uraufgeführt“.

Wen haben Sie im Zusammenhang zu diesem Film konsultiert?

Karandish: „Zusätzlich zu den umfangreichen Recherchen in zuverlässigen historischen Quellen, die wir im Bezug auf diesen Film pflichtgemäß übernommen haben, besonders die Werke des verstorbenen Dr. Ali Sâmi, konsultierte ich einige Geschichtsakademiker in Iran und in den USA, wie Dr. Mostafâ Nadim von der Universität Širâz und Dr. Turaj Daryâyi vom UC Irvine, und einige andere, deren Meinungen und Ansichten in diesem Film geschildert worden sind“.

Sie erwähnten, dass Sie einige der Geräte und Ausrüstungen aus den USA mitbrachten; welche Ausrüstungen brachten sie mit?

Karandish: „Weil ich darauf bestand einen Film akzeptabel zu den Weltnormen zu produzieren, brachte ich einige professionelle Ausrüstungen wie einen Filmkran, Dolly und eine Kamera mit der Möglichkeit der Aufnahme in 24p, die in Iran sehr schwer zu finden ist, mit“.

In welchen Standorten hatten Sie gefilmt?

Karandish: „Zu Beginn des Films filmten wir mehr als 60 Standorte eingeschlossen Pâsârgâdây (Pasargad) , Naqše Rostam (Tal der Könige) und die Ruinen von Firuz Âbâd wie Qal’e Doxtar (die Burg des Mädchens), den Palast des Ardašir Bâbakân, die Ruinen von Bišâpur wie den Tempel von Ânâhitâ, den Palast des Šâpur, Qâre Šâpur (Die Höhle von Šâpur), die Reliefs aus der Tange Cougân (den Engpass von Cougân) und die Ruinen von Dârâb wie die Steinmoschee und das Relief von Šâpur und andere Überreste, die zum Bereich der nach-islamischen Epoche im Film, die im zweiten Teil „Iran, die vergessene Glorie“ erwähnt werden, gehören“.

Was ist der Hauptfokus des Films?

Karandish: „Zusätzlich zu unserem Bemühen, einen Film mit hoher Qualität zu machen, war es mein Ziel die Geschichte und Kultur des Iran im Rahmen dieser antiken Ruinen und Standorte zu erzählen, anstatt nur die Standorte selbst darzustellen. Ich glaube, dass diese Standorte nur bedeutend und interessant werden, wenn Sie die Geschichten hinter den Fassaden und den historischen Zusammenhang, der diese erschaffen hat, verstehen; das ist der Hauptfokus dieses Films“.

Sind Sie auf etwaige Probleme gestoßen?

Karandish: „Wir benötigten die Erlaubnis der Kulturerbeorganisation der Provinz Pârs, um viele der Standorte zu filmen; wir waren unweigerlich gezwungen, uns mit den bürokratischen Problemen auseinanderzusetzen; unsere Arbeit verzögerte sich für ein paar Monate, bis wir endlich die Genehmigung bekamen. Aufgrund der Entlegenheit und des Mangels an ausreichenden Unterkünften bei vielen dieser Standorte waren wir gezwungen mehrere Male zu reisen, um die Aufnahmen zu vervollständigen und dies alles machte unsere Arbeit doppelt so schwer. Ebenso der Mangel an professioneller Crew in Širâz zwang uns einige Leute aus Esfahân und Tehrân für die Dreharbeiten des Films einzufliegen, und das stellte ein eigenes Problem dar; nicht zu unterschlagen, dass das Auffinden der Sponsoren zusätzlich seinen eigenen komplizierten Vorgang darstellt“.

Wurden Sie von irgendeiner Einrichtung bei diesem Projekt unterstützt?

Karandish: „Die Produktion des Films brachte sehr hohe Aufwände mit sich, sowohl aus finanzieller Sicht als auch zeitlicher; mein Ziel war von Anfang an einen objektiven und unabhängigen Film zu produzieren, ohne eine Teilhabe einer Institution, einer Privatperson oder einer Ideologie; ich habe mich auf meine eigene Motivation und Finanzierung verlassen und bin so weit gekommen; aber wir brauchen die Unterstützung unserer Freunde und Iraner, um den zweiten Teil des Films, der in der Nachproduktionsphase steht, zu produzieren“.

Wie können Leute mehr über den Film erfahren und das Projekt unterstützen?

Karandish: „Wir haben für den Film eine Website auf http://www.farsmovie.com eingerichtet, wo die Leute mehr Informationen erhalten können“.

Was ist die Intention des Films?

Karandish: „Mein Hauptmotiv bei der Produktion dieses Projekts ist die Welt und die junge iranische Generation zu fördern und sie mit unserer Kultur und unserem Kulturerbe vertraut zu machen und eine präzise Betrachtungsweise von unserer Nation darzubieten, besonders in einer Zeit, wo die Innen- u. Außenkräfte versuchen, uns und unsere nationale Identität zu untergraben*; und das ist für mich und ich glaube für jede/n IranerIn eine kritische Pflicht, die zu erfüllen ist“.

* Unter anderem sind die Produktion des Films 300 und vor einiger Zeit erschienenen Artikel in Spiegel zu nennen.

Noch mehr über Mahan Karandish: [Hier]

Trailer

Einiges aus dem Doku-Film

5 Gedanken zu „Iran, die vergessene Glorie

  1. Danke an Euch beide !
    Es ist und war immer so ,dass die iranische Kultur weiter leben wird . Die ausländischen Aggressoren – sei es die Türken , moslemischen Araber et cetera – kommen als Aggressoren in unser Land und müssen sie als Besiegten aus unserem Land gehen . Die iranische Kultur lebt und die islamische Unkultur ist am Sterben.

  2. Iran, the forgotten glory / Iran, die vergessene Glorie / ایران شکوه از یاد رفته

    Iran, the forgotten glory
    Iran, die vergessene Glorie
    ایران شکوه از یاد رفته

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