Die Export Braut


Von: Â. Samimi
Übersetzung: ©Fartâb Pârse

Die Geschichte von Sudâbe erfüllt einen mit einer Mischung aus Trauer, Leid und Wut. Sie ist eine junge Frau am Anfang ihres  Lebens, erlitt eine Niederlage und leidet immer noch. Ihr Ex-Mann und seine Familie haben sie schikaniert, betrogen und erniedrigt. Die herrschende Lage in Iran einerseits und andererseits die Aufenthalts- und Migrationsgesetze in den Ländern wie Schweden sind die Ketten, die an die Füße der Frauen angebracht werden, und sie zwingen, entweder sich zu unterwerfen und zu fügen, oder wie Sudâbe verwirrt und umher irrend zu sein. Indes ist die Geschichte von Sudâbe, die Geschichte vieler Mädchen und junger Frauen, die heiraten und ins Ausland kommen, um jede Art der Schikane und Probleme in Iran zu entfliehen.

Erzähle von Dir!
Ich bin 25 und vor weniger als einundhalb Jahren nach Schweden gekommen. Ich wurde in einer mittelständischen Familie geboren. Mein Vater ist Angestellter und meine Mutter eine Friseurin. Ich lebte mit anderen drei Schwerstern in einem Mietshaus in Tehrân. Nach dem Abitur studierte ich an der Universität das Studienfach Puppentheater. Nach meiner Zwischenprüfung, weil es keine Möglichkeit besonders für Mädchen in Iran gibt, die Kunstfächer zu studieren, mit der Berücksichtigung der finanziellen Lage der Familie ging ich nach Indien, um dort weiter zu studieren.

Erzähle von Deiner Bekanntschaft und Heirat!
Als ich in den Sommerferien in Iran war, machte ich die Bekanntschaft mit der Familie meines Mannes, sie haben entfernte Verwandtschaft mit meiner Familie. Ich kannte Erfân von früher, oder besser gesagt, ich dachte, ich kannte ihn. Wir hatten schon drei Jahre vorher miteinander gechattet.

Du meinst, die Heirat mit ihm war nicht der Grund ins Ausland zu gehen, sondern deshalb, weil Du ihn geliebt hast?
Es ist besser, wenn ich mich so ausdrücke; Erfân besaß viele Eigenschaften, die ich mir für den Mann meiner Träume gedacht hatte, wie die Wahrheitstreue, Ehrlichkeit, Liebenswürdigkeit; außerdem war es mir wichtig, dass er sich fürs Studieren und Lernen interessiert, und er besaß auch diese Eigenschaften.

Ab wann hast Du bemerkt, er sei nicht der Mann, den Du wolltest?
Etwa zwei, drei Monate nach meiner Ankunft in Schweden sah ich Eigenschaften in ihm, die dann nicht zu meinen ersten Eindrücken und Vorstellungen von ihm passten. Z. B. er war sehr abhängig von seiner Mutter; trotz seiner Versprechungen meiner Familie und mir gegenüber, lebten wir immer noch im Hause seiner Mutter.

Erzähle mehr über sein Verhalten und dem seiner Familie.
Du weißt ja schon, dass jeder hier eine staatliche Unterstützung bekommt, wenn man arbeitslos ist. Die monatliche Unterstützung, die ich von der Bank abholte, gab er  immer sofort seiner Mutter. In Wahrheit gaben sie mir von 3.000,- Kronen, die ich im Monat bekam, nur 100,- Kronen zurück. Ich hatte keine Anziehsachen, und als ich  meine Schwiegermutter drauf ansprach, gab sie mir die Altklamotten ihrer Tochter und die von sich selbst. Sie waren nicht mal bereit mir Unterwäsche zu kaufen. Erfân und ich hatten keine Privatsphäre, und seine Mutter erfuhr alles, was zwischen ihm und mir ablief, von Erfân. Ich war sehr einsam. Mir wurde untersagt Kontakt zu jemanden sogar zu meinen eigenen Verwandten, die in Schweden leben, zu pflegen. Alles musste so laufen, wie seine Mutter sich wünschte, und Erfân, der keinen Willen besitzt, war ihr unterwürfig. Die Einzige, die keine Rechte in diesem Haus hatte, war ich. All meine Interessen wurden verspottet, und man erniedrigte mich mit jedem Vorwand. Abgesehen von all dem, hatte er mich wegen jeder Kleinigkeit angeschrien; er schlug mich auch ein paar Mal.

Was war Deine Reaktion auf sein Verhalten und das seiner Familie?
Ich hatte niemandem, bei dem ich mich ausweinen könnte, geschweige denn, er könnte mir helfen. Ich wollte meiner Familie in Iran auch nichts erzählen, erstens wollte ich nicht, dass sie sich meinetwegen Sorgen machen, und zweitens gab es nirgendwo eine sichere und ruhige Ecke, wo ich ohne  Kontrolle mit meiner Familie reden konnte. Das Einzige, was ich tun konnte, war  weinen. In dem Dachgeschosszimmer fiel mir immer der Film „Sara Cruise“ ein. Ich machte ab und zu Mal das Fenster auf, und wünschte mir, dass der Affe, der Sara Cruise besucht hatte,  zum Fenster hereinkommen möge.

Was ist mit Deiner Trennung und dem Ausreißen?
Eines Abends riefen er und seine Familie mich zu sich und sagten, ich dürfe nicht mehr die Sprachschule besuchen. Mein Schwiegervater sagte, wenn ich weiterhin zur Schule gehen würde, bestehe die Gefahr, dass ich einen anderen Mann kennen lerne und Erfân verlassen würde. Sie wollten die einzige Beschäftigung, auf die ich mich freute, mir wegnehmen. Sie sagten, ich müsse zu Hause bleiben, den Haushalt führen und Kinder bekommen, und es sei nicht notwendig die Sprache zu lernen und zu studieren. Außerdem schimpften sie mit meiner Familie und verboten meine Ausreise in den Iran.

In der Nacht machte ich kein Auge zu, ich wusste, wenn ich nicht mehr zur Schule gehen würde, würde es mein Ende sein, ein Ende, das mit meiner Heirat angefangen hatte. Am Morgen darauf im kalten Winter, ohne warme Kleidung, verließ ich das Haus. Ich hatte kein Geld und wusste nicht wohin. Ich ging zur Schule und bat meinem/er Lehrer/in mir zu helfen, und er/sie half mir zu einer meiner Verwandten nach Stockholm zu gehen. Aus diesem Grund beschuldigten Erfân und seine Familie mich, ich sei fremdgegangen. Später erfuhr ich, warum sie mich beschuldigten. Erfân hatte vor mich zu verstoßen, und wollte auch kein „Mahriye“** (Brautgeld) zahlen; unter dieser Beschuldigung und Erhebung einer Anklage gegen mich in Iran als Ehebrecherin (uneheliche Beziehung) als die Straftat, kann er sich weigern, meine Mahriye zu zahlen.

Wie sieht Deine jetzige Situation aus?
Ich wünschte, ich wäre in Iran bei meiner Familie, aber aufgrund der Anzeige, die Erfân in Iran gegen mich erstattet hat, und ich in meiner Abwesenheit für schuldig gesprochen und verurteilt bin, wartet in Iran nichts anderes auf mich, als die islamische Strafe und Vergeltung.

Hier ist mein Aufenthalt nicht mehr gültig, denn ich bekam meine Aufenthaltserlaubnis dadurch, dass ich mit Erfân verheiratet war, und da er jetzt sich hier von mir scheiden lassen hat, kann ich nicht bleiben, kann aber auch nicht gehen. Ich weiß nicht, was aus mir wird? Manchmal, wenn ich auf der Straße laufe, habe das Gefühl, ich würde über dem Wasser laufen, und könnte jeden Moment eintauchen und dabei ertrinken. Ich dachte immer, wenigstens würden in Europa die Rechte der Frau wichtig sein. Indes und obwohl die Behörden hier von meiner Situation und der Gesetze in Iran wissen, geben sie mir trotzdem keine Aufenthaltserlaubnis. Ich habe mein Vertrauen in allem und allen verloren; alle meine Wünsche sind getilgt.

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**Mahriye: Brautgeld: Ein Betrag, der vom Bräutigam für die Braut bei der Eheschließung bestimmt wird; es gibt zwei Arten von Mahriye, die in der Aussprache gleich ausgesprochen werden, die aber vom Inhalt sich unterscheiden und zwar:

Mahriyeye Mo’ajjal [مهریه موجل]:Ein Betrag, der im Falle einer Scheidung oder des Todes des Gatten der Frau ausgezahlt werden muss.

Mahriyeye Mo’ajjal [مهریه معجل]: Ein Betrag, der bei der Verheiratung oder zu jeder beliebigen Zeit nach der Vermählung ausgezahlt werden muss.

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