Männliche Prostitution in Tehrân


Männliche Prostitution in Tehrân
Von: Monâ Farâmarzi
Übersetzung: ©Fartâb Pârse

Ich treffe Erfân in einem der Parks im Norden von Tehrân. Ein junger Mann von 28 Jahren, der ein Buch von „Kafka“ in der Hand hält und daraus Notizen macht. Erfân bietet seit 5 Jahren den Frauen, die seine Kundinnen sind, sexuelle Dienste an. Er liebt die Philosophie, Frauen und seinen Job. Seiner Meinung nach ist er ein Profi Prostituierter und Experte, und es gibt große Unterschiede zwischen ihm und seiner Verlobten, die seine Kollegin ist. Er meint, der Mann, der sexuelle Dienste anbietet, ist glücklicher und wird nicht wie die prostituierte Frau deprimiert und niedergeschlagen sein.

Die Unterhaltung mit Erfân zeigt eine Reihe von Auf und Ab zwischen Frauen und Männern. Erfân bezeichnet seinen Job als sehr speziell und einmalig und hat ein weit höheres Einkommen als seine weiblichen Kolleginnen. Er betrachtet sich nicht als erniedrigter und verschmähter; und schätzt sein Leben als modern ein, begleitet mit Glück und Wohlergehen.

Als ich ihn bitte, mir von vor 5 Jahren zu erzählen, und wie er auf eine solche Idee kam, sagt er ganz einfach: „Genau wie alle anderen prostituierten Frauen. In meiner Jugendzeit wusste ich, wie viele andere der Jugendlichen, dass ich eine gewisse Anziehung auf  ältere Frauen hatte. Damals als ich angefangen hatte, diesen Job als Profi zu tun (das heißt, für meine Dienste Geld zu nehmen), war ich ein Student an der Tehrâner Universität. Ein paar Male bekam ich von älteren Studentinnen und sogar einer Professorin den Vorschlag nur Sex mit ihnen zu haben. Und später hatte eine von ihnen mir gutes Geld gegeben und war bereit, diese Verbindung so aufrecht zu erhalten. Der Anfang von meinem Job war eben solche hie und da Beziehungen“.

Erfân bekam langsam sein Gespür für das Anlocken der Kundschaft. Er sagte: „Zwei Jahre danach, als ich ein paar Stammkundinnen für mich gefunden hatte, mietete ich ein Haus im Norden von Tehrân; und die häufigen Besuche im Norden der Stadt machten mich auf das Hupen der Autos mit Frauen darin empfindlich. Ich ging mit den Frauen, und dass sie mich die ganze Zeit wie ein Kind streicheln und bis zu 600 Tausend Tumân für eine Nacht zahlen, gab mir das Gefühl stolz auf mich zu sein“.

Er beschreibt das, was er für Frauen empfindet: „Am Anfang mochte ich Frauen nicht; ich dachte nur an den Sex und die sexuellen Eigenschaften der Frauen. Aber nachdem ich mit diesem Job angefangen habe, verliebte ich mich in die Frauen. Sie sind sehr zarte Wesen, sie besitzen Kompliziertheit, deren Entdeckung in jeder Frau ein Genuss für mich ist. Die älteren Frauen, die meine Kundinnen sind, sind wirklich schrecklich. Wenn sie mit mir reden, erschrecke ich mich vor dem Begreifen der Komplexität ihrer Gedankenwelt. Die einfachsten von ihnen sind komplizierter als die größten Männer, die ich kenne. Ich schlafe mit jeder meiner Kundinnen leidenschaftlich“.

Obwohl Erfân seit Jahren an der Straße steht und heute sein ganz teures Leben dadurch verdient, hat sich dabei aber nie gegenüber seinen Kundinnen erniedrigt und verschmäht gefühlt. Wenn er darüber spricht, sind keine Merkmale der Depression und Verschmähung einer prostituierten Frau in seinem Gesicht zu sehen. Aber die Merkmale eines humanistischen und leidenschaftlichen Blicks Frauen gegenüber lässt sich erkennen.

Er sagt: „Es sind Frauen, die mich brauchen. Frauen, von denen ich weiß, dass sie für meine Dienste sehr viel Geld bezahlen. Ich habe sie sehr oft im Bett geprüft. Sie zahlen gerne bis zum zehnfachen der Abmachung“. Am Rande dieser Unterhaltung tadelt er seine weiblichen Kolleginnen und sagt: „Diese Frauen machen unnötig aus diesem Thema etwas Unglückliches. Sicherlich entfacht die Gesellschaft dieses Feuer auch. Das ist ein Job, wie alle anderen Jobs. Wenn wir das Thema so behandeln, dann wird das Problem gelöst. Ich bin ein Spezialist (habe mich spezialisiert). Ich besitze einen guten Körper und ein schönes Gesicht, deswegen benutze ich es, um gut zu leben. Nichts kann das, was ich mache, als Schande und hässlich darstellen. Unzählige Frauen sind auf meine Dienste und meinen Service angewiesen, ich brauche auch eine Menge Geld. Dann gibt es keine Einwände. Ein fairer Handel!“

Erfân sagt, die prostituierten Frauen verbringen ihr ganzes Leben damit, sich auf ihren Job und auf ihre Probleme zu konzentrieren, während er sich um seinen Spaß, seine Musik und sein Studium kümmert. Sicher lässt er es außer Acht, dass sein Einkommen nicht mit dem einer prostituierten Frau zu messen ist. Seine Sicherheit ist nicht so in Gefahr, und keine seiner weiblichen Kolleginnen erlebt seine Zufriedenheit.

In der Gegend, in der die Kundschaft von Erfân lebt, ist der Preis für eine Prostituierte zwischen 50 – 150 Tausend Tumân, während er für jeden Service zwischen 300 bis 600 Tausend Tumân kassiert. Diese unglaubliche Zahl kann man an seiner Designerkleidung, dem teuren Auto und seinem privaten Haus einschätzen.

Erfân sagt, solange er dazu imstande ist, tut er es ohne die Schamhaftigkeit und Verlegenheit und: „Wer weiß, was Gott für einen bestimmt hat, vielleicht heirate ich auch eine meiner Kundinnen. Sie sind liebenswürdig und verdienen es geliebt zu werden“.

Das ist der Abschiedssatz von Erfân: „Jetzt glaubst du mir, der glücklichste Prostituierte der Welt zu sein!“

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