Das Gespenst der Jungfräulichkeit und des Hymens im Leben der iranischen Jugend!


Von: Sužâ Samimi
Übersetzung: ©Fartâb Pârse

Seit Monaten waren die junge Frau und der junge Mann auf der Suche nach einer Wohnung. Die Preise waren so hoch, dass sie keine passende Wohnung finden konnten. Sie haben sich endlich entschieden, mehr als die Hälfte ihres Einkommens für die Miete einer 50 qm² Einzimmerwohnung beiseite zu legen, damit sie schnell heiraten und diese verzweifelte Lage und den psychischen Druck los werden.

In zwei Wochen war der Trauungstermin. Alles lief so, dass sie genau in zwei Wochen an so einem Tag, nach der lächerlichen Brautführungszeremonie, in die Wohnung, deren Schlüssel sie gerade vom Vermieter bekommen haben, einziehen, und die erste Nacht ihres gemeinsamen Lebens anfangen können.

Sie schauten ganz aufgeregt auf das zerknitterte Papier mit der Adresse darauf, während sie durch die Straßen im Süden von Tehrân an den Gassen vorbei liefen. Währenddessen sprachen sie über die Zahl der Hochzeitsgäste, die Gerichte, die Miete eines Brautkleids und die Suche nach einem günstigen Friseurladen. Der junge Mann wirbelte mit dem Schlüssel in seiner Hand herum, und in seinem Kopf suchte er nach einer Lösung, um die Kosten und Kredite zu mindern.

Von dem Laden in der Nähe der Wohnung, kauften sie Wasch- und Putzmittel und ließen sehnlich die Hausnummern hinter sich. Der Schlüssel drehte sich im Schloss; nach einer Weile und zum ersten Mal, in einem Ort, an dem niemand sie sehen und kontrollieren konnte, waren sie allein. Die Putzmittel fielen aus Händen. Das Blut schoss ihnen in den Kopf und die Fingerspitzen; und die Hitze der Liebe brachte ihren Atem zum stocken. Zeitungen wurden in Windeseile auf den Boden ausgebreitet.

Am Tag darauf lief der junge Mann mit Besorgnis an der Tür der Arztpraxis hin und her. Der Hausschlüssel wirbelte in seiner Hand herum, und in seinem Kopf der Gedanke 200 Tausend Tumân zusammenzukratzen; und dazu noch die Reue und das schlechte Gewissen und andere Gedanken, deren Folge ein verworrenes Gesicht seiner Mutter war.

In der Arztpraxis wartete die junge Frau mit angeschwollenen Augen. Seit heute Morgen als eine Hebamme ihr gesagt hatte, sie habe ihre Jungfräulichkeit verloren, und ihr vorgeschlagen hat mit 200 Tausend Tumân den Hymen mit Leserstrahlen auszubessern, hatten ihre Tränen kein Ende.

Die junge Frau eilte ängstlich in die Praxis. Sie brachte den zweiten Satz noch nicht von sich heraus, da wurde sie zur Untersuchungsliege geführt. Der Arzt untersuchte fast jeden Tag eine ängstliche junge Frau, die verlegen und beschämt von ihrer „Sünde“ erzählte. Er braucht keine weitere Erklärung.

Vor ein paar Tagen kam ein junges Mädchen in Begleitung ihrer Mutter (, die beinah in Ohnmacht fiel) und zwei groben, mürrischen Frauen, die sich als die Schwiegermutter und die Schwägerin vorgestellt hatten, und wollten die Jungfräulichkeit des jungen Mädchens überprüfen lassen. Im Untersuchungsraum erzählte das junge Mädchen flehentlich dem Arzt, sie seien die Schuldirektorin und die Konrektorin. Ihrer Meinung nach, gleicht das Verlieren der Jungfräulichkeit dem Verweis aus der Schule! Sie hatten das junge Mädchen auf das Schlimmste beschimpft, nachdem sie ihre Stimme mit dem Arzt sprechend gehört hatten. Für die Mutter war das Mädchen zu jung, um sich (die Mutter) dem Ausmaß der Katastrophe bewusst zu werden. Für die Mutter wäre es eine Schande. Aus der Schule verwiesen zu werden, würde das Schicksal des Mädchens auf die islamische Art und Weise vorschreiben. Vielleicht wäre eine neue Ausreißerin dabei geboren zu werden.

Diese junge Frau tat auch dem Doktor leid. Er untersuchte sie sehr genau und war beruhigt. Er sagte der jungen Frau, die Schramme sei sehr oberflächlich und heile absolut nach ein paar Tagen und jeder Arzt attestiere die Jungfräulichkeit. Die junge Frau glaubte dies nicht. Der Doktor klärte sie auf, die Hebamme sei eine Schwindlerin und nutze ihre Situation und die, der Gesellschaft aus. Er versprach der jungen Frau, er attestiere ihre Jungfräulichkeit, wenn sie mit ihrer Schwiegermutter kommt.

Die junge Frau war etwas beruhigt, aber der junge Mann bestand darauf auch andere Ärzte aufzusuchen. Er wollte von den Diagnosen anderer Ärzte auch nach der Untersuchung seiner zukünftigen Ehefrau erfahren; er war sich sicher, dass seine Mutter vor den Hochzeitseinkäufen, die zukünftige Schwiegertochter zu einem Arzt bringen würde, um ihre Jungfräulichkeit prüfen zu lassen; und ein Hauch des Zweifels im Gesicht des Arztes, würde die Heirat verhindern. Die Mutter selbst war sehr religiös, und hatte vor ihrer eigenen Heirat ihren Mann nur ein Mal gesehen; sie würde keinen Moment  zögern. Das Ganze so streng nehmen, fand der junge Mann so lächerlich, und der Gedanke daran erstickte ihn. Am Ende müsste man zur Gerichtsmedizin. Das Gerichtsmedizin besitzt auch die neueste Technik und ist laut des Gesetzes im Dienste der Familie und sehr pedantisch.

Der junge Mann konnte nicht ungehorsam sein. Er besaß keine Ersparnisse, um die Hochzeitskosten zu decken, und die Eltern der jungen Frau würden keine Heirat ohne die Erfüllung ihrer Bedingungen erlauben. Das junge Paar lief verwirrt und müde auf die Straßen im Süden von Tehrân. Sie waren traurig. Sie waren beschämt. Die junge Frau hatte einen Kloß im Hals und sagte: „Als ob in meinem Magen Wäsche gewaschen wird“ (die Unruhe).

Der Schlüssel wirbelte in der Hand des jungen Mannes, und in seinem Kopf der Gedanke, über welche Sünde sie sich schämen. Sie liefen widerwillig zu dem Haus, in dem sie in zwei Wochen nach der Brautführung wohnen würden. Im Magen der jungen Frau wusch man Wäsche; im Kopf des jungen Mannes grinste das verworrene Bild seiner Mutter.

2 Gedanken zu „Das Gespenst der Jungfräulichkeit und des Hymens im Leben der iranischen Jugend!

  1. Diese unwürdige Tradition, so meine persönliche Meinung, dürfen wir getrost in einen größeren Rahmen stellen.
    Zweifelhafte Traditionen zeichnen den Islam wieder einmal als eine Blutreligion aus. Im Islam und seinen von der Religion nicht zu trennenden Traditionen scheint Blut (als Sinnbild für Gewalt) eine wichtige Rolle zu spielen sozusagen als „roter“ Faden bei jeder Gelegenheit (Strafen, in denen Blut fließt wie Köpfen im Grabenkrieg, Steinigen, Gliedmaßenabhacken, kreuzigen = Beibehalten von unmenschlich römischen Sanktionen), landesweites Schächten von Tieren (Ausbluten = halale Speisen) während eines der höchsten Feiertage des Islam, dem Opferfest, in Massen auf Plätzen oder zuhause in der Badewanne, (vor allem für Kinder eine tolle Vorführung) Blutzeigen in der Hochzeitsnacht, um Jungfräulichkeit zu überprüfen, Beschneidung von Jungen und Mädchen, Selbstauspeitschung, bis Blut fließt im schiitischen Islam am jährlich stattfindenden Ashurafest, je mehr desto besser und Gott wohlgefälliger, Blutgeldzahlungen bei Morden, anstatt lebenslanger Freiheitsstrafe (Mord kann mit Geldstrafe,Blutgeld geahndet werden, Ehebruch mit Todesstrafe, welche pervertierte Rechsfolgen!), Ehrenmorde im weitesten Sinne aufgrund eines wahnwitzigen und übersteigerten Ehrbegriffs, Zwangsverheiratungen und damit verbundene legitimierte Dauervergewaltigung, Kämpfen gegen Ungläubige mit Gut und Blut, usw.

    In einer solchen Blutorgienreligion können sich solche subkulturellen Traditionen entwickeln. Der Wert der Jungfräulichkeit hat in vielen (oder allen?) Religionen einen hohen Stellenwert. Aber das darf nicht dazu führen, junge Menschen derartig unwürdigen Kontrollmechanismen auszusetzen. Aber das zeigt wieder die Methodik der Kontrolle (Religonspolizei). Ohne solche Zwangsmittel kann der Islam offensichtlich nicht existieren. Da muss sich die Umma befriedigt zurücklehnen dürfen. Auf die Seelenschäden Einzelner kann da keine Rücksicht genommen werden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s