Der kalte Krieg um Hormoz

Dieser Artikel ist auch in Spanisch zu lesen

Auf die von Iran jüngst angedrohte Schließung der Meerenge von Hormoz [تنگه ی هرمز] (Tangeye Hormoz), für den Fall, dass der Westen seine Sanktionen weiter verschärft, haben die USA mit einer Warnung reagiert. Eine Behinderung des Schiffsverkehrs würde „nicht toleriert“, sagte eine Sprecherin der 5. Flotte der US-Marine. Die US-Navy sei „immer bereit, böswilligen Aktionen zu kontern, um die Freiheit der Schifffahrt zu gewährleisten“. Der iranische Vizepräsident Mohammed Rezâ Rahimi hatte nämlich gesagt, „wenn der Westen nicht von seinen neuen Sanktionsplänen ablasse, werde „kein Tropfen Öl“ mehr die Meerenge passieren.“ Die USA haben einen Flugzeugträger in den Persischen Golf geschickt. Das Säbelrasseln wird auf beiden Seiten praktiziert, so wird in diesen Tagen Iran Seemanöver im Persischen Golf abhalten und Mittel- und Langstreckenraketen testen. Iran wird es aber nicht wagen die Meerenge zu blockieren.


In seinem Magazin veröffentlichte das Council on Foreign Relations (CFR) vor Kurzem einen Artikel von Matthew Kroenig mit dem Titel „Time to Attack Iran“. Wer Kriegshetze genießen will, ist bei diesem Artikel gut aufgehoben. Leider muss man ernst nehmen, was das CFR, indem namhafte US-Politiker Mitglied sind, von sich gibt. Dass die Welt von Wahnsinnigen regiert wird, die uns zu einem wahnsinnigen Ende führen werden, macht dieser Artikel wieder einmal deutlich. Kroenig schreibt in seinem Artikel, „dass die Vereinigten Staaten vor einem Angriff den Iranern klar machen müssten, dass es nur um die Zerstörung des Nuklearprogramms und nicht um den Sturz der Regierung geht. Sie sollten deshalb mit massiver Vergeltung drohen, wenn Iran als Reaktion auf den Angriff die Meerenge von Hormoz schließt oder die arabischen Staaten am Persischen Golf, US-Truppen oder Schiffe in der Region angreift. Sie können mit einer totalen Vernichtung mit Atomwaffen dann rechnen.“ Was heißen soll, Iran soll sich angreifen lassen, ohne sich zu verteidigen, sonst droht die totale Vernichtung der Zivilbevölkerung mit Atomwaffen.

Die Bundeskanzlerin Merkel erklärte schon 2007 vor der UN Vollversammlung: „Nicht die Welt muss Iran beweisen, dass Iran die Atombombe baut. Iran muss der Welt beweisen, dass es die Atombombe nicht will.“ Doch noch kurz vor dieser Pervertierung des Rechtstaatsprinzips, durch Umkehrung der Beweislast durch die Bundeskanzlerin,  war es die Supermacht USA selbst, die 2007 einen eigenen Geheimdienstbericht veröffentlichte, der die Bedrohung der Welt durch das iranische Atomprogramm relativierte: Die US-Geheimdienste gingen in ihren Berichten davon aus, dass das militärische Atomwaffenprogramm Irans schon seit 2003 eingestellt ist. Damit wird zum einen behauptet, dass es einstmals ein militärisches Atomprogramm gegeben habe und andererseits, dass das Programm jetzt nicht mehr existiert. So heißt es in manchen Berichten: „In einem gemeinsamen Bericht über das iranische Atomprogramm haben die US-Geheimdienste in wichtigen Punkten der Regierung in Washington widersprochen.“ Zeit online schrieb am 04.12.2007: „Der öffentlich zugängliche Teil des Berichtes, stellt weiter fest, dass Iran nicht auf Teufel komm raus nach der Bombe greife. Zitat: Teherans Entscheidungen folgen eher einer Kosten-Nutzen Rechnung, statt einem ungezügelten Drang nach Atomwaffen.“

Genau wie in Irak arbeitet die Propagandamaschinerie der USA an konstruierten Gründen für die Rechtfertigung eines Angriffskrieges gegen Iran, deren Ziel es nicht  ist, das islamistische Regime zu beseitigen und  es spielt gar keine Rolle, dass Iran gar kein militärisches Atomprogramm besitzt. Kein Wunder, dass diese Politik bei den meisten Iranern keine Zustimmung findet. Wenn Iran die Meerenge blockiert, würde Iran den USA den Grund für einen Angriffskrieg liefern. Eines ist sicher: dieser Kriegsschauplatz heißt dann nicht Libyen, Irak oder Afghanistan, denn bis zu einem gewissen Grad kann sich Iran heute sehr gut verteidigen und China hat bereits seinen Kriegseintritt angedeutet, sollte Iran von den westlichen Staaten angegriffen werden, auch Russland wird in diesem Fall wahrscheinlich nicht tatenlos zusehen.

Die Straße von Hormoz und ihre Wichtigkeit unter militärrelevanten Aspekten

Teure Straßen sind nicht etwa der Broadway in New York oder die Avenue des Champs-Elysées in Paris, nein, denn wirklich profitabel und nahezu unbezahlbar sind die Wasserstraßen dieser Welt. Doch nicht ein neuer Krieg um den Suez-Kanal, sondern eine andere, natürliche Wasserstraße plagt gegenwärtig die großen Staatsoberhäupter dieser Welt: Die Meerenge von Hormoz. Die geografische Lage der fast  54 Kilometer breiten natürlichen Wasserstraße ist hochbrisant. Wer sie kontrolliert, kann seine Gegner in den Ruin zu treiben. Mehr als ein ein Viertel der globalen Ölversorgung schwimmen auf Tankschiffen durch die Meerenge von Hormoz. Laut der ZDF Dokumentation „Kalter Krieg ums Öl“ sind es etwa 80 Prozent aller Öltanker, die dieses Nadelöhr mit ihrer wertvollen Fracht durchqueren müssen. Der gesamte Schiffsverkehr Saudi-Arabiens, Kuwaits, Bahrains, Katars, der Vereinigten Arabischen Emirate und des Iraks müssen die Meerenge von Hormoz durchqueren, um auf die offene See zu gelangen. Iran im Norden und eine Landzunge des Oman im Süden begrenzen die Meerenge von Hormoz. Die geografische Lage dieser Meerenge ist hoch brisant. Die Anliegerstaaten können laut internationalem Recht ein Hoheitsrecht bis zu 12 Seemeilen von der Küste beanspruchen und dort ihr nationales Recht ausüben. Kleine Inseln, die zu Iran, beziehungsweise zu Oman gehören, lassen aus der knapp 54 Kilometer breiten Wasserstraße eine nur 3 Seemeilen breite Gasse entstehen. Folglich könnte es eng werden, wenn Iran und / oder Oman Schiffen die Durchfahrt durch ihre Hoheitsgewässer verwehrten. Die Meerenge von Hormoz, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und  dem Indischen Ozean verbindet, ist eine Lebensader der westlichen Industrie-Staaten. Dabei ist Iran nicht zuletzt wegen seiner großen Erdölvorkommen schon seit langem ins Visier der westlichen Industrienationen geraten. Eskaliert die Situation, könnte das iranische Militär die Straße von Hormoz blockieren. Versuchen könnten die Iraner es, aber ob sie damit Erfolg haben, hängt von anderen Faktoren ab. Iran weiß um die strategische Bedeutung der Wasserstraße für den Westen.

Beinahe die gesamte iranische Marine ist an der Meerenge von Hormoz stationiert. Ganze Inseln sind vom iranischen Militär besetzt. Die iranische Hafenstadt Bandar Abbâs liegt direkt an der Meerenge von Hormoz und hat den größten iranischen Militärhafen. Die iranische Marine ist zwar verhältnismäßig klein, doch besitzt Iran drei Diesel-elektrische U-Boote der russischen Kilo-Klasse aus dem Jahr 1993. Die Patrouillen-U-Boote der Kilo Klasse sind 72 Meter lang und werden stets weiterentwickelt. Die U-Boote sind gemäß russischem Hersteller die leisesten der Welt und mit der deutschen U-Boot-Klasse 212 vergleichbar. Als Waffen stehen vornehmlich Torpedos zur Verfügung, die U-Boote können aber auch mit SS-N-27 (auch Klub-S genannt) Lenkwaffen ausgerüstet werden, dadurch werden die konventionell angetriebenen U-Boote zu einer ernsten Bedrohung in einem militärischen Konflikt. Nur eines der drei U-Boote soll 2006 jedoch mit modernen Batterien ausgestattet gewesen sein, was eine lange Tauchzeit ermöglicht. In Kooperation mit China und Nordkorea entwickelt man schon seit längerem neue Seestreitkräfte. China liefert dem Iran vornehmlich hoch moderne Antischiffsflugkörper vom Typ CS-801 und CS-802. Nun versuchen die beiden Staaten seit geraumer Zeit gemeinsam neue, noch effektivere Raketen gegen Seestreitkräfte zu entwickeln. Erste Erfolge gab es schon. Die Bezeichnungen der neuen Raketen lauten „Nasr-1“ und „Kosar“. Diese Raketen könnten wegen ihrer Reichweite von über 200 Kilometern auch nahe der Meerenge auf dem Festland positioniert und von dort aus gestartet werden. Mittlerweile soll Iran neue Boden-Luft Raketen entwickelt haben, die von keinem Radar erfasst werden können.

Mit Nordkorea soll die Islamische Republik neue Klein- und Kleinst-U-Boote entwickelt haben. 2005 konnte die Öffentlichkeit die neuen U-Boote der Ghadir-Klasse (Typ 948) erstmals im iranischen Fernsehen betrachten. Die neuen U-Boote sollen mit den zwar schon einige Jahrzehnte alten, aber immer noch hoch modernen VA-111 Schkwal-Torpedos ausgerüstet sein. Die Torpedos aus Sowjetbeständen können unter Wasser mit Hilfe der „Superkavitation“ eine Geschwindigkeit von bis zu 500 km/h erreichen. Dabei wird das Geschoss von einem Gas-Kegel umhüllt, der bei hohen Geschwindigkeiten im Wasser entsteht. Durch die Gashülle ist der Wasserwiderstand für den schnellen Körper äußerst gering und soll bei dieser Geschwindigkeit sogar geringer sein als in der Luft. Das Geschoss ähnelt mehr einer Rakete als einem Torpedo. Angetrieben wird das unlenkbare Geschoss von einer Feststoff-Rakete. Superkavitation entsteht, wenn sich ein möglichst stromlinienförmiger Körper unter Wasser mit mehr als 180 km/h fortbewegt. Obwohl die VA-111 schon 1977 in den Dienst gestellt wurde, ist nicht viel über sie bekannt. Der Untergang des russischen Atom-U-Bootes „Kursk“ wird mit solchen Torpedos in Verbindung gebracht. Nicht zu vergessen sind ebenso, neue entwickelte iranische Tarnkappentorpedos aus dem Jahre 2006, deren Geschwindigkeit vom iranischen Militär geheim gehalten wird.

Mit Hochdruck arbeiteten iranische Rüstungsbetriebe in den vergangenen Jahren an neuen Seeminen, dabei soll Iran schon 2006 2.000 Stück dieser heimtückischen Gefahrenkörper gehabt haben – ideal, um die Meerenge von Hormoz für Schiffe unpassierbar zu machen. Als Beweis für die erstarkte iranische Marine galt eine Militärübung Anfang 2006, bei der sämtliche neue Einheiten Irans zum Einsatz kamen. Jedoch wird Iran  nie einen Erstschlag wagen, die militärische Antwort der USA wäre für die Islamische Republik katastrophal. Sie müssten sogar mit einem atomaren Angriff rechnen. Doch die USA können auch keinen Erstschlag wagen, so gern sie es doch wollten.

Die Abhängigkeit von Öl und Gas, sowie das mögliche eingebunden sein, in einen weiteren endlosen Krieg, lässt die USA vor einem Angriff zurückschrecken. Alle Anrainerstaaten am Persischen Golf wären in einem solchen Krieg involviert und wie China und Russland tatsächlich reagieren würden bleibt ungewiss. Unter dem Iran schlummern die viertgrößten Erdölreserven und die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt. Iran steht bei der weltweiten Erdölfördermenge an fünfter Stelle, beim Erdgas an siebter. Wenn es jedoch zu einem Krieg zwischen den USA und dem Iran kommt, was unwahrscheinlich ist, wird die Eroberung der Meerenge von Hormoz wohl ein erstes Kriegsziel sein. Wer diese Meerenge kontrolliert, hat den Krieg gewonnen.

14 Gedanken zu „Der kalte Krieg um Hormoz

    • 1- Er heißt Barack Hussein Obama und nicht umgekehrt.

      2- Wir werden sehen, wie er sich das erlaubt! Weil er eventuell ein Muslim ist, heißt es aber nicht, dass er nicht ein anderes islamische Land angreifen würde! Zwischen den Muslimen gibt es auch Machtkämpfe.

    • Hallo jerry,

      der Mann ist kein Moslem und er hat auch kein islamistisches Weltbild, ein Clown ist er allerdings. Ob es zum Krieg kommt entscheiden andere nicht er und so wie ich dargelegt habe kommt es nach meiner Auffassung zu keinem Krieg, keiner der beiden Seiten will ihn haben. Aber von dem ganzen Saebelgerassel profitieren jetzt beide, naemlich vom steigenden Oelpreis.

      Die Jungs (USA und Iran) haben sich 25 Jahre lang hervorragend miteinander verstanden und sie verstehen sich auch heute noch, fuer mich ist das alles eine Show fuer die Oeffentlichkeit. Wenn die Amerikaner die Mullahs weg haben wollten, waere es ein leichtes das zu tun und zwar ohne Krieg.

      • Und das ist ein Bestätigung zu dem, was Du geschrieben hast, mein verehrter Kollege:

        In Englisch

        Wer sich in Persisch auskennt, kann diese Seite lesen. Das Persische ist noch leckerer als das Englische. Im persischen Teil ist diese Datei, die in Englisch und Persisch ist. Zum Hochladen: Hier

  1. Noch ein frisch gebackener Artikel von vor paar Stunden:

    Iran overestimates strait’s importance
    From Mr Mark Lindsay

    Ich kann leider den Artikel nicht verlinken und keine Kopie hier erstellen, trotz der Quellenangaben. Daher bitte ich die Leser den englischen Titel im Google eingeben und direkt als erster Link erfolgreich den Artikel lesen. Bei der Google-Suche braucht man keine Registrierung, um den Artikel zu lesen.

  2. Die amerikanische Strategie gegenüber Iran ist genau das Gegenteil von dem, was die Amerikaner eigentlich machen sollten. Nämlich die Zivilbevölkerung schützen und die islamischen Machthaber bekämpfen. Stattdessen werden schwachsinnige Parolen ausgegeben (wie die oben zitierte). Auch habe ich gelesen, dass azeritürkische und andere Separatisten mit amerikanischem Geld unterstützt worden sein sollen. Das ist definitiv der falsche Weg.

    • Stattdessen werden schwachsinnige Parolen ausgegeben (wie die oben zitierte).

      Welche Zitierung meinen Sie? Wer hat welchen Schwachsinn hier geschrieben? Bitte den Namen des gemeinten Kommentators und seine Zitierung genau angeben! Damit es zu keinem Missverständnis kommt. Hier wird gezielt und genau argumentiert und keine pauschale Ausdrücke.

      Ich erwarte eine Antwort.

      • Nun das Zeug, was (lt. Artikel) in dem amerikanischen Blättchen steht:

        „[…] dass die Vereinigten Staaten vor einem Angriff den Iranern klar machen müssten, dass es nur um die Zerstörung des Nuklearprogramms und nicht um den Sturz der Regierung geht. Sie sollten deshalb mit massiver Vergeltung drohen, wenn Iran als Reaktion auf den Angriff die Meerenge von Hormoz schließt oder die arabische Staaten am Persischen Golf, US-Truppen oder Schiffe in der Region angreift. Sie können mit einer totalen Vernichtung mit Atomwaffen dann rechnen.“

        Das halte ich für schwachsinnig von Seiten der amerikanischen Außenpolitik.

    • Hallo jahângir,

      und genau weil das so ist wie Du beschrieben hast, deshalb waere interessant zu wissen, warum die US-Aussenpolitik genau das Gegenteil von dem tut, was man erwarten duerfte, was will man genau erreichen? Koennen sie das, was sie erreichen wollen, ueberhaupt so erreichen? Ausserst interessante Fragen!

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