Die Polen in Iran

Anmerkung der Redaktion von Online-Magazin Pârse & Pârse:

Bedauerlicherweise ist die Christenverfolgung durch das Mullah-Regime an der Tagesordnung. Wir Exiliraner verurteilen diese abscheuliche Politik der Einschüchterung zutiefst. Damit die Leserschaft weiß, wie die Iraner den Andersgläubigen vor der Mullah-Plage gesinnt waren und immer noch gesinnt sind, schreiben wir über die Gastfreundlichkeit der Iraner während des Zweiten Weltkriegs, bei dem zwischen 300 bis 400 Tausend Polen in Iran einen Zufluchtsort gefunden haben, um später dieses Land entweder in Richtung der freien Welt zu verlassen oder Iran für immer als die zweite Heimat zu wählen, zu heiraten und sich niederzulassen. Darauf sind wir sehr stolz. Was Iran während des Zweiten Weltkriegs geleistet hat, indem Iran eine große Anzahl der Juden in Frankreich iranische Pässe gegeben hat und sie in den Iran einreisen liess und eine großen Zahl Christen aufnahm, darf nicht vergessen werden, auch wenn heute ein barbarisches Regime leider der Repräsentant des Landes ist, von dem die erste Menschenrechtsdeklaration der Welt entstammt.

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Polen in Iran
von: Xosrou Sinâyi
Quelle: Jadidonline
Übersetzung: ©Fartâb Pârse

Die Stadt Warschau, die Hauptstadt Polens, wurde am 27. September 1939 durch die deutsche Wehrmacht besetzt. Ein Tag danach, am 28. September, einigten sich Hitler und Stalin durch einen Vertrag, der durch die jeweiligen Außenminister Molotow und Ribbentrop unterzeichnet wurde, Polen in zwei Gebiete, in West und Ost, zu teilen.

Abertausende Menschen der polnischen Bevölkerung, die im östlichen, von Russen besetzten Teil, Polens lebten, wurden in die Zwangsarbeitslager nach Sibirien geschickt [zwischen 300.000 und 400.000]. Eine große Anzahl von ihnen starb durch die sehr starken Schikanen und Arbeitslager.

Im Juni 1941 beging Hitler den Vertragsbruch und erklärte Stalin den Krieg, nachdem er die Hälfte Europas besetzt hatte. Die sowjetische Armee kämpfte gegen die deutsche Wehrmacht, was die Alliierten dazu veranlasste, die Situation auszunutzen und die polnischen Gefangenen in Sibirien aus der Sowjetunion ins Ausland zu bringen. Der erste Zwischenstopp, der für sie in Frage kam, war der Iran.

In den Jahren von 1941 bis 1942 wurden tausende Polen durch den Kaspischen Seeweg in die Hafenstadt Bandar Anzali transportiert; von dort aus wurden sie in verschiedene Städte Irans, wie Tehrân, Esfahân und Ahvâz und in einige andere Städte geschickt. In der Stadt Tehrân und in anderen Städten wurden Lager aufgeschlagen, in denen Frauen und Männer, alt und jung untergebracht wurden.

Krankheiten, wie Typhus, und die Folgen des Hungerleidens in Sibirien töteten unzählige Polen in den Lagern. Bis auf einige Wenige, die wegen der Familiengründung in Iran blieben, sind alle aus diesen Lagern in diverse Teile der Welt ausgewandert.

Nach Aussage der Polen, die Iran vor Jahren in Richtung Ausland verließen, war Iran Ihnen ein Paradies. Die Menschen waren sehr großzügig und barmherzig zu ihnen. Sie kamen jeden Tag in Scharen zum Lager und brachten Essen, Bekleidung und versorgten sie mit allem Nötigen. Sie warfen sogar in ihre Lastwagen Packungen voller Süßigkeiten und Obst.

Ich war damals ein sehr kleines Kind und habe keine Erinnerung an polnische Flüchtlinge, die in Iran gelebt hatten. Aber Jahre später, als Filmemacher, passierte mir etwas, was mein Leben mit Polen verband.

Im Herbst 1970 besichtigte ich den Christenfriedhof in Dulâb in Tehrân. Da kam mir die Idee zum Drehen des Films „marsiyeye gomšode“ [مرثیه گمشده] (die verlorene Totenmesse)** in den Sinn. Es hat 13 Jahre gedauert, bis der Film, trotz unzähliger Hindernisse, gedreht wurde. Im Jahr 1983 war die Erstaufführung des Films, welche in der Kirche der Italiener an der Neauphle-le-Château Straße in Tehrân uraufgeführt wurde. Die Zuschauer waren sehr unterschiedlich; außer Polen, die in Tehrân geblieben waren, waren einige aus dem Kino- und Filmbereich und ein paar Geschichtsforscher, darunter der große Meister Bâstâni Pârizi, dessen Anwesenheit mich sehr ehrte und mich mit Stolz erfüllte. Der Film war danach für mehrere Jahre im Archiv des Fernsehrundfunks abhanden gekommen. Nur Jahre später (im Jahr 1986) wurde der Film im Filmfestival über die Emigration in Schweden aufgeführt und danach verschwand er wieder im Archiv, um darin zu verstauben.

Eine letzte Einladung zur Teilnahme am Festival bekam der Film vom „internationalen Komitee der Dokumentarfilme in Los Angeles“. Aufgrund von vielen unlogischen und unerklärlichen Faktoren durch das iranische Regime wurde nicht erlaubt, dass der Film am Festival teilnimmt und wurde daher nicht veröffentlicht. Einige Ausschnitte aus dem Film wiederum wurden zweimal, aber nur kurz vom „Institut für politische und internationale Studien des Außenministeriums“ in Veranstaltungen über den Zweiten Weltkrieg und seine Auswirkungen in Iran gezeigt.

Ich bin „der verlorenen Totenmesse“ sehr dankbar, denn sie hat sehr viele Jahre meines Lebens mit Schönheit und Aufregung, die mir sehr lehrreich waren, bestückt. Der Film kann ignoriert werden, meinetwegen kann man den Film in Archiven verstauben lassen. Aber die schönsten Momente, die ich mit diesem Film verbracht habe, kann mir keiner mehr nehmen.

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** Inzwischen sind nun 30 Jahre nach dem Dreh vergangen. Im September 2008 bekam Xosrou Sinâyi die Chevalier Medaille [Ritterkreuz des Verdienstordens der Polnischen Republik] mit einer Einladung durch die polnische Regierung nach Polen.

Kurzfilm mit der Stimme von Xosrou Sinâyi selbt (7:46 min): Die Polen in Iran

Nachtrag: 26.03.2012:

Auch hier beim Blog Herz im Kopf zu lesen: Aus einem iranischen Blog

16 Gedanken zu „Die Polen in Iran

    • Mein Schatz, ich danke Dir für den Hinweis, den ich sofort als den Nachtrag unter dem Artikel veröffentlicht habe. Gott segne Dich.

  1. Pingback: Musikvideos, die den Islam entlarven – Beispiel Iran | Zukunftskinder 2.0

  2. Danke für den Artikel.

    Trotzdem hätte ich eine Bemerkung zu Ihrem Satz von oben: „Bedauerlicherweise ist die Christenverfolgung durch das Mullah-Regime an der Tagesordnung.“
    Dies ist schlicht und einfach falsch. Im Iran gibt es seit der Revolution im Iran keine Christenverfolgung. Die Christen haben sogar in bestimmte Gebiete in Tehran, Tabriz usw. mehr Rechte als Nicht-Christen; z.B. in Khalifegari. Würde man dies in Deutschland haben, würden die Deutschen Kultur-Blätter von „Parallel-Gesellschaft“ reden.
    Verstehen Sie mich nicht falsch. Es gibt in einigen Bereiche eine gewisse Diskriminierung. Die Lage der Christen muss sich meiner Meinung nach verbessern, und einige nebenstehende Nachteile für Christen müssen aufgehoben werde (z.B. die Tatsache, dass die Aussage von einem Christ vor einem Richter weniger Wert ist, als die Aussage eines Moslems). Trotzdem kann man wahrlich nicht von Christen-Verfolgung reden!

    Im Iran werden (aus religiöser Sicht) nur diejenigen VERFOLGT, die dem Islam abgeschworen haben. Das sind vor allem Bahai’s und Atheisten!

    Grüße

    • Verehrter Frage! Christenverfolgung ist Christenverfolgung! Man kann es sooft biegen und brechen, die Glaubensminderheiten in Iran leben alle mit Schreck und Angst und werden verfolgt! Ich mache nun keinen Unterschied zwischen denjenigen, die über Generationen Christen sind und denjenigen, die Neuchristen sind! Verfolgung ist Verfolgung und ich danke trotzdem für den Kommentar!

  3. Das Christentum war und ist eine anerkannte Religion. Auch wenn unsere Regierung islamisch ist, sind wir dennoch keine Araber oder Türken die andere Menschen verachten und misshandeln.

      • Seien wir doch ein wenig ehrlich: Schapur II war — solange ich es weiß — kein Araber und auch kein Türke! Noch weniger war er Mitglied der Experten-Rat der Mullah’s.
        Wer auch von Christentum als eine friedliche Religion redet, redet sich diese Religion auch nur schön. Wer so friedlich ist, geht kaum in einen Tempel und legt sich mit den Händler an, die dort arbeiten.

        • Moment, nicht alles durcheinander bringe und nicht so hastig! Als ich geschrieben hatte, dass das Fundament vom Christentum nicht auf Blut gelegt wurde, heißt es, dass Jesus niemals ein Schwert genommen und geköpft hat! Im Gegensatz hat aber der Mohammad es getan. So, richtig lesen, dann hier laut werden.

          • Ich habe Dich richtig verstanden und ich bezog mich direkt auf Jesus (stichwort Tempelreinigung). Der Mohammad hat auch am Anfang auch so friedlich wie Jesus gesprochen. Als er anfing die herrschende Klasse zu „nerven“, hat er mit Glück überleben können.
            Schwert hat Mohammad erst dann zu Nutze gemacht, als er in Madine an die Macht kam.

            • Richtig! Aber vergiss bitte nicht, dass er vorher auch in Mekka seine Organisation mit Mordaufträgen und Diebstählen an Karawanen finanziert, expandiert und etabliert hatte.

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