Die zwei Phasen einer Ideologie

Dr. Nurialâ
Von: ©Fartâb Pârse

Wenn wir diese „Beschreibung“ annehmen, nämlich dass die „Ideologie eine Sammlung dogmatischer Überzeugungen mit der Neigung zum Handeln ist, und sie beabsichtigt, die Welt und die Menschheit nach ihren zusammengebastelten Maßstäben, nach ihrer Norm und Art zu gestalten“, dann können wir ohne Mühe erkennen, die Geschichte der Menschheit ist immer wieder das Opfer der ideologischen Wellenschläge gewesen; und in jeder Epoche der Unterwerfung der Gesellschaft durch die enormen Regelwidrigkeiten fanden sich allmählich solche dogmatischen Überzeugungen zusammen und trieben die Gesellschaft in Richtung „eines zwanghaften Auszugs aus der Krise“ nach vorne.

Damit meine ich, dass wir es mit einem Phänomen mit zwei Charakteren zu tun haben. Einerseits ist der erzeugende Motor der Ideologie nicht auf der Vernunft, der Logik und der Wissenschaft basierend, auf Praktiken und Fehltritten dieser; obwohl jede Ideologie alle diese Elemente zu ihren Gunsten (miss)braucht/(aus)nutzt; andererseits hat die Ideologie wie alle anderen gesellschaftlichen Erscheinungen/Phänomene eine „gesellschaftliche Funktion“; daher kann ihre Entstehung, Entwicklung und ihr in eine Sackgasse geratener Weg nicht dem Zufall zuzuschreiben und unsinnig/vergeblich sein. Aber im Kern einer Ideologie gibt es eine erstaunliche Dualität, mit der ich mich befasse:

Es ist bekannt, dass die elementarsten Forderungen, die zur Entstehung einer Ideologie beitragen – d. h. „die gesellschaftlichen Krisen“ – ihre Notwendigkeit im Sturz der Regelwidrigkeiten, Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten sehen. Aber sobald eine Ideologie und ihre Anhänger und Sympathisanten die Herrschaft über die Gesellschaft bekommen, würde dieselbe Ideologie aufgrund ihrer diskriminierenden Natur, die zwischen ihren Anhängern und allen anderen unterscheidet, die Quelle der Entstehung neuer Regelwidrigkeiten, Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten werden, und wiederum langfristig gesehen, in sich die Gegenideologien aufziehen. Die Gesetze „These“ und „Antithese“ würden nirgendwo eine bessere Funktion als bei der Ideologie haben.

Erstmal widmen wir uns der ersten Stufe der Entstehung einer Ideologie und den organisierten Kämpfen auf der Basis dieser Ideologie: Wenn wir die Geschichte durch „eine ideologische Brille“ (wie in meiner Beschreibung) betrachten, werden wir sehen, dass alle Aufstände, Rebellionen und Revolutionen im Namen und mit der Hilfe der Ideologie agierten ; und diese Ideologien kündigten sich bis zur modernen Epoche in den meisten Fällen als die Entstehung der Religionen und Sekten, und nach der modernen Epoche eher als die Entstehung der politischen Doktrine und Dogmen „dieser Welt“ oder „weltliche“; in Wahrheit ist die Modalität dieser „weltlichen“ Ideologien der zweiten Art [Anm. des Übersetzers: Die ersten sind die Religionen], dass man den Begriff „Ideologie“ nur für diese Gruppe benutzt; obgleich es keinen Unterschied in der Modalität und der Mission von beiden Arten/Gruppen gibt, auch wenn die Ideologien der ersten Art/Gruppe den Anspruch erheben, sie hätten ihre Gesetze und Anordnungen direkt vom Himmel und der göttlichen Weltherrschaft erhalten, und die Ideologien der zweiten Art hätten keine Verbindung zu dieser verborgenen/unsichtbaren Welt Gottes. Sicherlich gibt es die Ausnahme, die „Persönlichkeiten“ und „Wertigkeiten“ bei den beiden Arten heilig und unsterblich zu sprechen; hier agieren sie beide gleich.

Meiner Meinung nach könnte man einer der ersten Hinweise auf die gesellschaftliche Funktion/Mission einer Ideologie und das Anschließen der funktionellen Gesichtspunkte der Religionen dazu im langen Brief von Marx (und Engels) mit dem Namen „deutsche Ideologie“ finden. Gleichzeitig als die beiden, die die Ideologie als das Ergebnis des Idealismus bezeichneten, sich daran machten, um eine Definition für die Entstehung der Religion Islam abzugeben, versuchten sie diese Erklärung aus der Sicht der gesellschaftlichen Funktionen der Religion Islam zu definieren, und zu erläuterten, warum das was sie als „Mohammads Revolution“ bezeichnen (ohne, dass in deren Aufsatz „die Revolution“ als eine heilige Handlung betrachtet wurde) eine der elementarsten Funktionen einer religiösen Ideologie war, um eine gesellschaftliche Revolution zur Befreiung der Gesellschaft aus den tiefen Krisen zu verwirklichen. Sie konnten es richtig einschätzen, dass dreizehn Jahrhunderte vor ihrer Zeit die kleine Gemeinde von Mekka sich in einem großen Dilemma befand, und die Lösung formte sich in der Gestalt von „Mohammads Revolution“.

Gleicherweise können wir mit der Unterstützung solcher Analysen zeigen, dass die Entstehung der Kaste „Karawanen Besitztum“ und „Karawanen Besitzer“ in der mekkanischen und Hochebene (Nadschd) arabischen Gesellschaft die traditionelle Ordnung durcheinander brachte, es entstanden neue gesellschaftliche Kräfte, die Unterdrückung der herrschenden Kaste wurde erhöht, mit einem Wort wurde eine erfolgversprechende Atmosphäre für eine neue Ideologie erschaffen; eine religiöse Ideologie, die dann in der Lage wäre die Krise zu überwältigen/lösen, alte und neue Kräfte zusammenzubringen, und die Weiterentwicklung der Gesellschaft zu einem besseren Weg zu lenken.

Somit können wir uns aus dieser Sicht „der zweiten Entwicklungsstufe der Ideologie“ widmen, und um etwas mehr Licht auf das Thema zu werfen, fangen wir mit dem halben Jahrhundert der Entstehung des Islams an. Es muss drauf geachtet werden, dass die Verse des Korans in zwei Teilen aufgeteilt sind, ein Teil sind „Mekkanisch“ (in Mekka dem Propheten herabgesandten Verse) und der andere „Medinesisch“ (in Medina dem Propheten herabgesandten Verse) – obwohl die Koran Editoren mit einer offensichtlichen Absicht diese Aufteilung und die geschichtliche Reihenfolge nach den „Herabsendungen“ durcheinander gebracht hatten – mit der Berücksichtigung der erstaunlichen Inhalte der Verse in diesen Perioden (Mekkanisch, Medinesisch) zeigt genau, wie die islamische Ideologie vor dem Auszug aus Mekka, eine Sammlung von Egalität, Gerechtigkeit, und – auch noch – revolutionär war; und danach, mit der Übernahme der Macht in Medina, änderte sich dieselbe Ideologie allmählich und fing an mit der neuen Regelwidrigkeit und Ungerechtigkeit, auf der Basis der Vorteile der Kaste/Schicht, die an die Macht kam; so dass, meiner Meinung nach, wenn die „Eroberungen“ (fotuhât) nicht stattgefunden hätten, und die Muslime sich nicht mit dem Annektieren und Plündern anderer Länder befasst hätten und die Religion Islam nur in der Hochebene (Nadschd) geblieben wäre, hätte es nicht lange gedauert und diese Ideologie hätte in sich ihr Gegenteil aufgesogen und anschließend sich dem Gegenüber als der Besiegte erklärt. Wenn wir zum Beispiel, den Lauf der Entstehung der schiitischen Ideologie (tašayyo’) innerhalb der breiteren/größeren Ideologie „Islam“ betrachten, erkennen wir, dass der Schiismus die Ideologie der Schichten und Kasten, die durch die herrschende Schicht/Kaste unterdrückt wurden, war und ist. Die permanenten Hinweise der Schiiten beziehen sich – vom Anfang des Islam bis heute – auf die Verse, die gegen die Diskriminierung sind und das Verlangen nach der Rückkehr zu den „Lektionen der Epoche des Propheten„, ist selbst Zeuge, dass die islamische Ideologie schon Jahre vorher ihre „Phase“ der Gerechtigkeit beendet hatte und in die nächste „Phase“ der Regelwidrigkeit und Diskriminierung eingetreten war.

Heute ist auch diese Dualität des Islam, mit Mekkanisch und Medinesisch die Ursache, dass „fundamentalistische“ und „mit der Zeit denkende“ Muslime in der Lage sind, von einer einzigen Quelle und Referenz zu profitieren, aber jeder von ihnen würde die Hinweise zu Gunsten seiner Ideologie herauspicken. Die, die so genannten „mit der Zeit denkenden“ genannt werden, versuchen zum Islam, der vor der Machtergreifung (der so genannten „mekkanischer“ Islam) war, zurückzukehren; sie wollen somit zeigen, der Islam strebe nach Gerechtigkeit und Gleichberechtigung und Rechte, und er sei gegen die Unterdrückung und Zensur; und die „Fundamentalisten“ können sich auf den Teil der „medinesischen“ Ideologie des Islam beziehen und damit zeigen, dass der Islam diskriminierend, unterdrückend und grob sei; die Klassenschichten seien erlaubt, der Mann habe einen höheren Wert als die Frau, Helfer (Ansâr) [1] und Emigranten (Mohâjer) [2] würden anderen Muslime vorgezogen, Nichtmuslime würden als unvollkommenene Menschen bezeichnet, und ihnen würden viele Rechte genommen und verweigert und und und …

In dieser Hinsicht kann man sehen, dass zum Beispiel die Funktion des Wächterrats des islamischen Verfassungsgesetzes in Iran genau mit der Hinwendung der Quellen des islamischen Rechts (feqhe) zusammenpasst. Wenn wir uns an die Gesetzesvorlage „Behebung der Frauendiskriminierung“ in der sechsten Parlamentsperiode erinnern, erkennen wir, dass der Wächterrat den Grund der Auflehnung gegen „Behebung der Diskriminierung“ als ein Widerspruch zu den Grundsätzen und Zitaten und Gesetzen der Scharia wissen, und damit findet der Wächterrat die Diskriminierung der Frauen als eine göttliche und heilige Angelegenheit.

Zugleich können wir schlussfolgern, die Langjährigkeit der „abgrenzenden Ideologie“ (oder die „Ideologie in ihrer zweiten Entwicklungsphase“) sei einerseits abhängig von ihrer Belebtheit, die sie im gesellschaftlichen Leben der Menschen schafft, und andererseits sei diese abhängig von der Gewährung der ansteigenden Erwartungen der Menschen.

Wir können die Umstände der Langjährigkeit/Langlebigkeit der zweiten Entwicklungsphase – das in der früheren islamischen Zeit als „Eroberungen“ agiert hat – auch in unserer Zeit auf andere Art und Weise beobachten. In Wahrheit, wenn genau dieselbe „islamische Revolution“, die bei uns im Jahr 1979 im eigenen Hause passierte, mit all ihren Gerechtigkeitsparolen, in einem armen muslimischen Land stattgefunden hätte, wären drei Jahrzehnte mehr als die benötigte Zeit, um eine Gegenideologie in sich zu tragen, die dann die herrschende Ideologie stürzen würde. Aber das, was die Langlebigkeit der zweiten Entwicklungsphase der islamischen Ideologie von heute in Iran langwierig machte/macht, ist der Faktor „Erdöleinkommen“, der – genau wie die Ausbeutung der reichen nördlichen Länder in den ersten Jahrhunderten des Islam – die Langlebigkeit der Religionsaufwiegler in unserem Lande verursacht; und ihre Methode der Regelwidrigkeit/Diskriminierung nimmt mehr und mehr Platz. Nehmen Sie das „Erdöleinkommen“ den herrschenden Religionsaufwieglern in Iran weg, dann werden Sie sehen, wie, in einer Nacht, eine anscheinend neue nach Gerechtigkeit schreiende Ideologie aus genau demselben schiitisch-alavitischen, nach dem Imam Hoseyns und Imam Zamâns [3] Islam angefertigt und fertig geschliffen heraus sprudelt, und sich an die erzürnten Gefühle des unterdrückten Volkes stützt und das Regime stürzt.

In der früh islamischen Zeit hatten die in Kufa (eine Stadt in Irak) stationierten jemenitischen Söldner – die die letzten zum Islam Konvertierten und das „ideale Opfer“ für alle anderen Muslime, und nicht so sehr an den Beuten beteiligt waren – nicht umsonst anstatt in den Iran weiter einzumarschieren, eher den Weg nach Medina gewählt, um mit einem „Fememord“ (e’dâme enqelâbi) an dem Kalifen Uthman ibn Affan (Osman) den Schwiegersohn des Propheten, Ali als der neue Kalif zu wählen. Sie waren an den Folgen der Unterdrückung durch die „zweite Phase der Ideologie“ erkrankt; und die übertriebene Habgier der Herrschenden erlaubte diesen nicht, die Wucht der Explosion durch die Unzufriedenheit zu sehen, und am Ende, mit ihren fortlaufenden und steigenden Unterdrückungen hatten sie den Weg zur Entstehung der schiitischen Ideologie geebnet. Nach all dem, kam aus dem Leibe derselben sozusagen eine „revolutionäre“ schiitische Ideologie, das Abbasiden Kalifat heraus, um mit der Machtübernahme mit der „zweiten Phase“ dieser neuen Ideologie zu beginnen.

Dieselbe Geschichte spielte sich wieder bei der Machtübernahme des Safawiden Stammes ab. Die schiitische Ideologie, die als ein Vorwand benutzt wurde, um damit diesen Stamm an die Macht zu verhelfen, hatte dann sofort mit ihrer zweiten Phase angefangen und somit die Basis ihrer Unterdrückung aufgebaut. Fakt ist, das, was Ali Šari’ati als so zusagen „alavitischer Schiismus und safavidischen Schiismus“ (ši’eye alavi va ši’eye safavi) prägen wollte, ohne dass es ihm über die Gesetze/die Natur der Entwicklung der Ideologien und ihre zweiphasigen Natur bewusst war, war die Festsetzung und die Offenbarung dieser Phasen inmitten der Geschichte des Schiismus.

Jetzt werde ich mich mit einem anderen Aspekt befassen, und das ist die Verbindung und die gleichzeitige Erscheinung der „Religionsaufwiegler“ (Dinkârân) {bei den religiösen Ideologien} und „Partei Theoretiker“ {bei den unreligiösen Ideologien} mit dem Eintritt in die zweite Phase einer Ideologie: Wenn die Ideologie der unterdrückten und diskriminierten Menschen, dessen Ideologie der Motor der Revolutionen und Aufstände ist, sich zur herrschenden Ideologie entwickelt (d. h., die zweite Phase ihrer Entwicklung), wird mit der Anlehnung an der Gruppe der „Experten“ und „Theoretiker“ die Macht dann nur für sich beanspruchen; diese Theoretiker und Experten werden die herrschende Ideologie dann zu ihren Gunsten und dem ihrer Jünger und Anhänger interpretieren, und auf diesem Weg die Gerechtigkeit und ihre Position der Unterdrückung gegenüber dem Volk für ihre Zwecke steuern, und in der Gesellschaft mehr Stress verursachen, um sie dann zu spalten.

Die sunnitischen religiösen Aufwiegler entstanden mit der Omayyaden- Herrschaft; sie waren soweit gegangen, dass sie Hoseyn Ebne Ali [4] als „Ketzer“ bezeichneten und erklärten das Vergießen des Blutes des Enkelsohnes des Propheten als erlaubt. Die zwölferschiitischen Aufwiegler kamen nach Jahren des Umherirrens in der Tracht der Mullahs aus der Region „Jabal Âmel“ in Libanon nach Iran, um die Verbrechen und die Tyrannei der Safawiden zu legalisieren und zu festigen. Die Theoretiker der  kommunistische Partei Stalins waren auch Jahrzehnte lang damit beschäftigt die Kommunisten in zwei Gruppen „mit/von uns“ und „nicht von/gegen uns“ zu kategorisieren, und somit wurden die treuesten Kommunisten in der Partei massakriert.

Diese Beispiele zeigen, dass diejenige, die mit dem Beginn der zweiten Phase einer Ideologie versuchen den Idealen der ersten Phase treu zu bleiben, seien selbst die ersten Opfer der zweiten Phase. Nicht umsonst heißt es, „die Revolution frisst ihre Kinder“. Die Deutung dieses Satzes berichtet über die Gesetze und Regeln der beiden Entwicklungsphasen der Ideologien.

Auf diese Weise kann diese Interpretation angewendet werden: „Es ist im allgemeinen Interesse, dass nie eine Ideologie die Macht an sich reißt, und damit würde nie die zweite Phase dieser entstehen“. In der Geschichte finden wir keine „an die Macht gekommene Ideologie“, die nicht Unglück, Schwierigkeiten und Renitenz in großen Maßen über die Menschen gebracht hatte.

Aber auch, wenn schon alle den Geschmack der Furcht und Angst verursacht durch die „an die Macht gekommene Ideologie“ kennen, ist die Geschichte der Menschheit voller „Heldenmut“, der verbunden ist mit den besiegten Ideologien. Von der Geschichte Ali Ebne Abitâleb und seines kurzen Kalifats bis zur Revolte Hoseyn Ebne Ali (sein Sohn), von der Spartakus Geschichte bis zur Niederlage der Ismailiten Sekte (die Anhänger Ismail, der ältere Sohn des 6. Imam Ja’far Sâdeq; Ismail führte als Protest gegen das Schweigen seines Vaters Ja’far Sâdeq den Abbasiden Kalifen gegenüber eine Revolte und kam dabei ums Leben, seine Anhänger flüchteten nach Nordafrika in sehr weite Regionen in Iran, um die Sekte der  Ismailiten [Esmâ’iliye] zu gründen), solcher „ideologischer Heldenmut“ gehört zu der Sorte, die nicht an die Macht kommt, und nicht mit ihrer zweiten Phase beginnen kann.

Heute auch zum Beispiel versucht das islamische Regime in Iran mit aller Macht die Revolte des Jahres 1979 als die Basis zur Entstehung der „heldenhaften islamischen Revolution“ zu erklären; aber man kann keinen vernünftigen Menschen, der ein Hauch des „Heldenmutes“ in der Tyrannei der Sieger der islamischen Revolution in Iran sieht, finden. Der Begriff Heldenmut ist durchtränkt von Unschuld, Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Freiheit, und resultierend, es sei unmöglich aus der „zweiten Phase einer Ideologie“ eine Sache wie den „Heldenmut“ herauszuziehen.

Diesen Vorgang können wir bei dem Begriff „Märtyrer“ (Šahid) in den beiden Phasen der islamischen Revolution beobachten. Heutzutage, wenn einer aus der islamischen Regierung getötet wird, nennt man ihn „Märtyrer“, aber die öffentliche Meinung hält ihn für einen „gefälschten Märtyrer“ (šahide qollâbi) und keiner nimmt seine Geldmünze für bares Gold, und seine Märtyrerei ist nur soviel wert, um eine Straße nach ihm zu benennen, und das wär’s. Vergleichen Sie die Geschichte der „72 Märtyrer der islamischen Regierung“ mit der Geschichte der „72 Karbela Märtyrer“, um es besser zu begreifen. Es gibt niemanden, der Âyatollâh Behešti [5] nur Ansatzweise mit einem von diesen märchenhaften Helfern und Anhängern Imam Hoseyns zu vergleichen versucht.

Kurz und gut, lassen Sie mich schlussfolgern: Aufgrund dieses Hintergrundes denke ich, der einzige Weg, um nicht in die Falle der Regierungen mit ihren regelwidrigen und diskriminierenden Ideologien, – die ja zwangsweise mit Unterdrückung regieren – hineinzutreten, sei einerseits nach anderen „unideologischen Lösungen“ den Kurs beizubehalten, um andere Ideologien, egal wie human und gerecht sie sind, nicht den Weg freizumachen, damit diese die Macht an sich reißen und mit ihrer zweiten Phase beginnen. Diese parallelen Wege sind in Wahrheit zwei Seiten eines Medaillons, das „gesellschaftlicher Wohlstand“ heißt.

Ich fasse den ganzen Marsch zu diesem gesellschaftlichen Wohlstand im Begriff „Säkularismus“ zusammen. Weil aus der Sicht des Säkularismus alle religiösen und unreligiösen Ideologien nicht die Verwendbarkeit besitzen würden an die Macht zu kommen. Das ist die Sicht, die die Trennung der Ideologie von Regierung und Macht betont, und gleichwohl erklärt die Natur die Begriffe wie Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit und Menschenrechte, und hält diese Begriffe für keine Ideologien, und sperrt diesen den Weg eine Ideologie daraus zu bilden.

Die politischen Bewegungen/Gruppierungen können nur dann etwas erreichen, wenn sie alle zusammen kommen, und dieses Zusammenkommen ist dann nur in der Form als „unideologische“ Parteien und deren „säkularen Inhalt möglich“. Dann könnten sie sich mit Ausführung und Überwachung der politischen und gesellschaftlichen Pläne, die dann auf lange Zeit den gesellschaftlichen Wohlstand garantieren, befassen; ansonsten würde das Ergebnis ihrer Taten nichts anderes als Unglück und Missgeschick/Misserfolg sein; sie würden eine Weile regieren, und abhängig von ihren Ressourcen sich über Wasser halten, und irgendwann würden sie in einer Reinigungsaktion, die alles mit sich reißt, weggefegt und in den Mülleimer der Geschichte befördert werden.

Wenn die Erfahrungen in der Geschichte uns zeigen, wie Revolutionen auf der Basis der Ideologien nicht nur nicht das Missgeschick in der Gesellschaft beseitigen, sondern es noch miserabler als vor der Revolution einrichten, würde überhaupt ein Mensch mit gesundem Menschenverstand sich unter der Fahne solcher Gruppierungen und ideologischen Parteien aufhalten und für sie den Weg zu ihrem Erfolg ebnen? Die Antwort auf diese Frage muss dann in dem Maß der gesellschaftlichen Auffassungskraft und dem Fortschritt des Verstandes der verschiedenen Gesellschaften gesucht werden.

Für wahr könnte der Austritt aus der Epoche der religiösen und unreligiösen Ideologien wie der Exodus aus der wilden und dunklen Seite der Geschichte der Menschheit werden.

Anmerkungen von Fartâb Pârse:

[1] Helfer (Ansâr): Die Bezeichnung der medinesischen Anhänger des Propheten Mohammad.
[2] Emigrant (Mohâjer): Die Bezeichnung der Anhänger des Propheten Mohammad, die nach ihm heimlich nach und nach nach Medina emigriert waren.
[3] Imam Zamân: Der Vorbeter der Zeit; die Bezeichnung für den zwölften Imam, der sogenannte Mahdi.
[4] Der 3. Imam der Schiiten.

[5] Âyatollâh Behešti: In Wikipedia unter: Attentat

41 Gedanken zu „Die zwei Phasen einer Ideologie

  1. Gesellschaftliche Gruppen die sich permanent als Opfer fühlen sind meiner Meinung nach nicht friedensfähig und tendenziell zu nichts zu gebrauchen da sie nicht bereit sind Verantwortung zu übernehmen.

  2. Eine sehr gute Beobachtung des Autors!
    Wie sehr die Menschen Ihre eigenen Lehren beugen, um sie der jeweiligen Situation anzupassen, ist in meinen Augen auch eine Frage der Wahrhaftigkeit.
    Als Negativbeispiele fallen mir ein:
    Die Wandlung der SED zur PDS und nun zur LINKEN.
    Die (vorübergehende) Aufgabe der Quellengeheimhaltung bei Wikileaks.
    Die Preisgabe der Schöpfungslehre durch die kath. Kirche.

    Der Autor erklärt Begriffe wie „Freiheit“, „Demokratie“, „Gerechtigkeit“ und „Menschenrechte“ zu natürlichen Begriffen und sondert sie damit (insbesondere auch die Demokratie) von Ideologien/Religionen ab. Doch ist die Demokratie, wie auch die anderen Ideologien ein staatstragendes Organisationsprinzip.

    Das Herausragende an der Demokratie erklärt sich mir anders:
    Die Demokratie hat im Gegensatz zu den vielen Negativbeispielen ideologiegetragener Staatsformen so ziemlich als einzige eingebaute Machtbegrenzungsmechanismen.
    Und da die Wahlperioden absehbare Zeiträume sind, wirken diese halt schneller seegensreich, als dass man bis zur nächsten Revolution warten muss.

    Ja: Machtbegrenzung ist seegensreicher als die totale und ungezügelte Freiheit (weniger)!

    P. S.: Auch bei einer Monarchie sollte man irgendwie sicherstellen können, dass der (menschliche) Herrscher nicht zu sehr und zu lange zum Schaden seines Volkes handeln kann. Auch bei einem König, ja sogar bei einem Lebenspartner, kann man Überraschungen erleben.

    • Danke Jocke für Ihr Feedback. Und ja, ich bin eine Monarchistin, die unbedingt die parlamentarische Monarchie haben will! In manchen der europäischen Ländern, die eine Monarchie haben, funktioniert sogar die Regierung besser bei einer Republik.

    • Der Artikel ist in sich stimmig. Die erste Phase nimmt für sich Gerechtigkeit, Freiheit und die Forderung nach Gleichheit für sich in Anspruch, in der zweiten Phase werden diese Forderungen durch Revolutionen mit Gewalt grundiert und anschließend mit Dogmen unterlegt, an die sich alle halten müssen und gebiert ihrerseits nur Elend und Unterdrückung. Gute Analyse

      Die vom Autor favorisierte Demokratie (und das ist auch das richtige Fazit) hat allerdings auch ihre Tücken. Sie ist eine Konsensgesellschaft. Schnelle Lösungen werden hier m. E. eher verhindert, wenn sie denn schnell gefunden werden müssen. Die Lösungen kommen dann auch nur noch abgeschwächt in die Gesetzgebung, die vielleicht für das ein oder andere Problem eher in ihrer konsequenten Variante erforderlich gewesen wären.
      Die Demokratie ist jedoch leider sehr anfällig, mag sie noch so viele Regularien eingebaut haben, die die gegenseitige Machtkontrolle gewährleisten, wenn sie nicht „wehrhaft“ ist. Wir sehen es hier in Europa immer deutlicher. Wandern Menschen ein, die zwar vor einer Religionsideologie flüchten und hoffen, hier in einer Demokratie ein besseres Leben führen zu können, haben aber die alten von der Heimat mitgebrachten Religions- oder Politideologien im Kopf und empfinden diese als besser als diejenigen, die im Aufnahmeland als Konsens herrschen, so bringt dies die Gefahr mit sich, dass diese Ideologien sich in diesen Menschen „weitervererben“. Wenn die Demokratie nicht wehrhaft ist, werden diese Ideologien sie überrrennen und durch Mehrheitsentscheidungen diese von zu Hause aus mitgebrachten ideologien, vor denen sie geflüchtet sind, wieder einführen. DAs können sie aber nur, wenn verantwortliche Politiker alle Ideologien und Gesellschaftsordnungen einschließlich der Demokratie als gleichwertig ansehen, (die Gefahr liegt insbesondere im Bereich der Religionsideologien, aber auch der weltlichen Ideologie des Kommunismus und Sozialismus) und die Gefahren erst garnicht erkennen, die mit dieser Sichtweise verbunden ist.

      Hier entwickelt sich nämlich außerhalb der Schablonen, die der Autor richtigerweise als die Zweiphaseneinführung der Ideologien, ein dritter Weg, indem sich eine ideologie, die gedanklich bereits vorhanden ist, schleichend in einer demokratischen Gesellschaft, sei sie als direkte Demokratie (Schweiz), als Republik (Deutschland) oder monarchische Demokratie (GB, Belgien, Holland usw.) definiert, breitmacht und dabei ist durch die Zahl der Einwanderer (und hier meine ich nicht nur Muslime, sondern auch Kommunisten, Faschisten und Sozialisten) diese demokratischen Länder im Sinne ihrer jeweiligen Ideologie auszuhöhlen mit dem Ziel diese ihre Ideologien hier einzuführen, zu übernehmen.

      Die Demokratie wird dann nur noch als „Wirtstier“ betrachtet, welches nach allen Seiten hin ausgenutzt werden kann. Darum betonte ich eingangs meines Kommentars den Begriff „wehrhaft“. Durch die ideologische Mulitikulti-Brille (hier auch auf Kommunismus und Co. angewandt) gesehen, in der alle Kulturen und Ideologien (hier bis auf den FAschismus) gleich sind, nimmt durch übergroße Toleranz die Wehrhaftigkeit ab und die demokratische Gesellschaft führt nicht mehr, sondern, wie hier in Europa glänzend dokumentiert, reagiert nur noch, und zwar zunehmend hilfloser, weil die eigene Kultur als schlechter angesehen wird, als die Kulturen, die hier zunehmend einwandern, die eigene Identität untergraben wird, die eigene Kulturleistung zunehmend infrage gestellt wird und nur noch Konsens und unterwürfiges Appeasement hier als Lebensform quasi auch von der eigenen Bevölkerung wie selbstverständlich erwartet wird. Das ist auch gut und richtig, solange hier Menschen, die diegleichen demokratischen Werte gedanklich auch hochhalten. DAs klappt aber nicht mit Menschen, die ihre kulturellen Eigenarten der Aufnahmegesellschaft zunehmned aufoktroyieren wollen oder Ideologien hier installieren wollen, die der Demokratie zugunsten des Sozialismus, des Islam und Kommunismus den Garaus machen wollen, eindeutig festzustellen am einseitigen „K(r)ampf gegen rechts“. Nicht dass ich etwas gegen den Kampf gegen rechts hätte. Selbstverständlich ist der notwendig und gut. Der Kampf gegen andere totalitären Ideologien wird jedoch tunlichst vermieden, weil linke Ideologie ja nicht als so gefährlich eingestuft wird und linke Meinungsdiktatur ja hier schon lange herrscht, die den Boden für diese Ideologien, die auch irgendwie charakterverwandt sind mit dem Islam, bereitet durch übermäßiges Toleranzdenken.

      Die übermäßige Toleranz der demokratischen politischen Führungen gegenüber dem Islam und anderen Ideologien führt zur Überdehnung des Rechts. Ergebnis: Täterschutz vor Opferschutz und Co. Keine Forderungen von Einwanderern, keine Leistungserwartung, Aufbauschen der sozialen Hängematte, die auch Faulen eine Existenz bietet, keine Konsequenz bei Intensivtätern bei der Justiz, Keine Ausweisung bei wirklich gefährlichen Brandstiftern und Co. . Wer die Toleranz nicht aus einer Position der Stärke, der Eigendefinition, heraus gewährt, sondern sich nur noch von denen, gegenüber denen er Toleranz gewährt, durch übermäßige Forderungen vorführen lässt und nur noch auf diese Forderungen reagieren kann, der hat schon verloren. Er hat die Definitionshoheit der eigenen Rechtsordnung aufgegeben. Die Politiker der Demokratie sind somit zu Verrätern der Demokratie geworden, indem sie Kompetenzen an die immer zentralistischer agierende EU abgeben, indem sie zu feige sind, den Begriff „Religionsfreiheit“ im eigenen Land rechtlich zu definieren, indem sie Entscheidungen im EU-Bereich, aber auch im Nationalbereich gegen die eigene insbesondere arbeitende und Steuern zahlende Bevölkerung treffen und selber sich zunehmend der hier herrschenden linken Meinungsdiktatur aus Bequemlichkeit unter Aufgabe des geistigen Kampfgeistes und des gesunden Menschenverstandes unterwerfen, die die „Wehrhaftigkeit“ der Demokratie unterhöhlt. Sie schaffen durch ihre gesichtslose und konturlose Toleranzpolitik den geistigen Nährboden für Bürgerkriege, wenn die Wirtschaft einmal hier zusamenbrechen sollte oder aber die Mehrheiten in diesem Staate sich zu ungunsten der demokratisch denkenden Menschen, die ja durch übetriebene Emanzipation und Kinderfeindlichkeit nicht mehr geboren werden, verändert.

      Werter Jockel, eine Frage noch:

      Wieso hat die kath. Kirche die „Schöpfungslehre“ preisgegeben im Sinne von aufgegeben?
      Da kann ich mir jetzt garnix drunter vorstellen. Wir reden doch jetzt von der Schöfpungslehre der Bibel, in der Gott die Welt, Erde, den Himmel und alle Geschöpfe erschaffen hat, oder? Wieso soll die kath. Kirche Gott jetzt nicht mehr als den Schöpfer aller Dinge ansehen? Da ist mir nichts von bekannt.

      • Bibel, 2. Mose 20,11: „Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist…“

        Johannes Paul II: (http://www.stjosef.at/dokumente/evolutio.htm)
        Dort im Abschnitt 3 greift er auf seinen Vorgänger Pius XII (von 1950) zurück:
        „… Evolution und das, was der Glaube über den Menschen … lehrt, stehen nicht im Gegensatz zueinander …“

        Im Abschnitt 4: „…Evolutionstheorie mehr als eine Hypothese…“

        Im Abschnitt 5: vollzieht er den eigentlichen Rückzug und beschränkt die Bedeutung der biblischen Aussagen auf das ‚Geistliche‘:
        „Eben weil sie eine Geistseele hat, besitzt die gesamte menschliche Person einschließlich des Körpers eine solche Würde. … Der menschliche Körper hat seinen Ursprung in der belebten Materie, die vor ihm existiert. Die Geistseele hingegen ist unmittelbar von Gott geschaffen“

        Im Abschnitt 6: „Die empirischen Wissenschaften beschreiben … die … Ausdrucksformen des Lebens und schreiben sie auf der Zeitachse fest.“
        —-

        Die Millionen Jahre der ‚wissenschaftlichen‘ Lebensentstehung sind ja allgemein bekannt, stehen aber im Widerspruch zu den sechs Tagen der Bibel, die NICHT nur ‚das Einhauchen des Lebensodems in den Menschen‘ (1. Mose 2,7) umfassen, sondern Himmel und Erde und alles, was darinnen ist.

        An diesem Thema hat sich international ein großer Streit entfacht. Verschiedene ‚Lehrausformungsrichtungen‘ entstanden (Kreationismus, Neokreationismus, Intelligent Design, Theistische Evolution, …), die sich mehr oder weniger gegenseitig ‚bekriegen‘.

        Meine Meinung dazu:
        Sowohl die Wissenschaft wie auch den Bibelglauben sollten wir mit ‚Verstand‘ genießen!
        1.) Die Wissenschaft prahlt mit Akuratheit, weil dort alles nachprüfbar und wiederholbar wäre.
        Das stimmt nicht ganz, denn „wir können nicht 10.000 Generationen ins Labor holen“ (diese extemen Zeiten sind per se unsicher).
        Und einige astronomische Ereignisse sowie auch Teilchenreaktionen kommen so selten vor, dass man von Wiederholbarkeit dort auch nicht mehr sprechen kann.
        Einige neuere Experimente erzeugen so große Datenströme, dass man den weitaus größten Teil (mehr oder weniger willkürlich) unausgewertet wegschmeißen muss (und monatelang auf das ‚gewünschte‘ warten muss).

        2.) Die Bibel ist kein wissenschaftliches Buch, und sollte tunlichst auch nicht in allem buchstäblich genommen werden.
        Ihre Sprache hat Bezug zu ihrern Empfängern.
        Ich sage auch: „Schau mal, was für ein schöner Sonnenuntergang!“
        und nicht: „Was für eine interessante Kombination aus Erddrehung, Metereologie und kosmischer Strahlung!“

        Dennoch glaube ich:
        Wenn es einen liebenden Schöpfer gibt, der mehr kann und weiß, als ich begreifen kann, dann:
        lügt er uns nicht an!
        Und wenn ich nicht alles verstehe, frage ich 1. ob ich es überhaupt jetzt verstehen muss und 2. ob es vielleicht auch an mir liegt.

        Außerdem:
        Diesen scheinbaren Konflikt (Schöpfung oder Evolution) muss ich weder mit einem Rückzug auf das Geistliche, noch mit einer extremen Umdeutungsbereitschaft auflösen!
        Es ist nämlich ganz einfach, für manchen vielleicht zu einfach.
        Dazu ein kurzes gedankliches Experiment:

        Gott schuf ja Adam und Eva und die Erde samt Pflanzen und Tieren.
        Adam fällte einen großen Baum und konservierte ihn.
        Später begannen Wissenschaftler (Biologen) und erarbeiteten das Wissen von den Jahresringen.
        Dann kamen die Quellenforscher (Archeologen) und zählten die Ringe von Adams Baum.
        Und: Bingo – der Baum ist älter als Adam und Eva zusammen.
        Zugegeben, das ist im Prinzip: NAIV

        Die Wissenschaft schließt von vorn herein alles Übernatürliche aus.
        Aber dann sollte sie eigentlich auch immer so sprechen:
        „Wenn nichts Übernatürliches dazwischen kam, und wir uns nicht irren, dann sieht das, was wir erkennen können so aus, als ob… (z. B. alles viel älter ist).“
        Wenn doch, ja – dann war es halt doch anders.
        Nur das wird leider so gut wie immer ‚vergessen‘.

        Jesu Wunder wurden bezeugt, aber kann man den Berichten der verstorbenen Zeugen glauben?
        Ein Muslim von neulich beklagte, dass er von seiner Warte aus sowieso immer irgend jemandem glauben muss.
        Bei Wikipedia stimmt auch nicht alles!
        Bei der Bibel gab es Menschen, die befanden: Dieses gehört dazu (und ist getreu), und jenes nicht. Soll ich diesen Menschen glauben?
        Ahmadinedschad war im Interview – so fand ich – dem ziemlich unvorbereiteten Claus Kleber rethorisch überlegen. Und leugnet den Holocaust!
        Soll ich ihm glauben?

        Beim letzten Punkt erinnere ich mich an meinen eigenen Vater, der aus seiner Kindheit berichtete, wie Synagogen brannten, die Feuerwehr daneben stand, und er sich fragte: Warum tun die nichts?
        Bei diesem Punkt glaube ich lieber meinem Vater, weil ich ihn sehr gut kannte.
        Zuletzt entscheidet das Herz!

        • Danke für die Erläuterung. Jedoch habe ich in meiner kath. Kirche, die ich sonntags besuche und das regelmäßig noch nie jemand behauptet, dass Gott nicht der Schöpfer aller Dinge ist.

          Ich verstehe die Evolutionslehre im Sinne des Papstes so, dass es nicht im
          Widerspruch steht, dass Gott die Erde nicht in Tagen geschaffen hat und sich Evolution durchsetzen konnte. ich habe gelesen, kann es aber nicht mehr belegen, dass
          a) die biblische Schöpfungssichtweise in sich, was die Reihenfolge anbelangt durchaus stimmig ist, wenn der Beobachter auf der Erde stand (und wo hätte er sonst stehen sollen)
          b) noch wichtiger: Tag soll man mit „Zeitabschnitt“ über- und gleichsetzen können. Ein Zeitabschnitt kann Sekunden, aber auch Millionen von Jahren andauern. Insofern könnte die Bibel sogar mit der Evolutionslehre, was die Zeiträume anbelangt, übereinstimmen. Da aber die Evolutionslehre atheistischen Ursprungs ist, klopfe ich sie gedanklich zunächst mal in die Tonne. Allerdings kann ich mir auch gut vorstellen, dass Gott die Erde und das Universum nicht an 7x 24 Stunden erschaffen hat. Gut Ding will Weile haben. Das gilt auch für die Schöpfung.

          Meine Meinung dazu: Evolutionslehre gerät immer mehr in die Kritik. Eine Rasse evolutioniert wohl in die Breite, weil sich für eine Rasse je nach Örtlichkeit andere Gegebenheiten für das Leben ergeben, aber eben nicht auf eine andere Spezies zu.

          So richtige Zwischenrassenfunde der Archäologie gibt es nicht, obwohl es sie zu Millionen geben müsste. Der Quastenflosser, der schon als ausgestorben galt, wurde vor einigen Jahrzehnten wieder entdeckt, hat sich aber nicht evolutioniert.
          Es ist auch unerklärlich, warum z. B. Pantoffeltierchen als Einzeller noch heute bestehen und andere sich angeblich zu neuen Rassen „entwickelt“ haben sollen, warum also das Pantoffeltierchen nicht?

          Ich bin geneigt, zu wissen, das aus Nichts nichts entstehen kann. Geist jedoch kann ordnen. Darum glaube ich an die Schöpfung. Die Evolutionslehre gibt mir nichts, ebenso wenig wie der „Urknall“. Am Zufallsbekanntschaften glaube ich nicht. Ob aus Geist Materie in der Größenordnung entstehen kann wie das Universum uns in seiner unendlichen Masseweite zeigt, kann ich nicht sagen.

          Aber werter Jockel, danke für die Mühe der Erläuterung. Viele Dinge sind im Labor nicht wiederholbar, ja wir z. B. vergangene Ereignisse nicht mehr ins Labor zurückbringen kann, höchstens nachstellen, mehr nicht. Wissenschaft hat auch ihre Grenzen und ist letztlich auf Glauben angewiesen. Denn was sind Hypothesen anderes als Glaubensinhalte, solange sie nicht empirisch bewiesen sind. Und einmalige Wunder schon gar nicht.

          • Kleiner Nachtrag: Im apostolischen Glaubensbekenntnis der kath. Kirche wird Gott als der „Schöpfer des Himmels und der Erde“ bezeichnet. Und ich glaube, das wird auch so bleiben.

            • Gott und der Respekt vor ihm wird dadurch klein gemacht:
              Du, Gott, Schöpfer Himmels und der Erden, hast zwar alles gemacht (super Leistung übrigens – hätte von selbst kaum schneller gehen können!), aber alles erklären, und sagen, was daraus folgt, (d. h., was man tun soll) – das tun wir.

              Tag = Zeitabschnitt?
              Ja, vielleicht. Wäre aber eine ziemliche Umdeutung, finde ich.
              Warum hat der Text in 2. Mose 20 dann nicht gleich ‚in sechs Perioden‘ gesagt?
              Richtig: Weil es in den Geboten für die Menschen um Tage gehen soll.

              Und nun: Der Herrliche, Große und Allmächtige (dem man auch gehorchen soll), muss in der Begründungsargumentation an seine eigenen Geschöpfe verdeckt einen Maßstab zu Hilfe nehmen, damit seine geringe Leistungsfähigkeit nicht so schnell auffliegt? ???

              Ehrlich gesagt: Dann glaubte ich lieber gar nichts.

              Die Schöpfung – so es sie denn gab – war einfach so außergewöhnlich, dass es unsere Erkenntnis-Methoden einfach übersteigt.

              Die Wissenschaft schließt per eigenem Dogma aus, dass es (im Rahmen der für sie relevanten Dinge) irgend etwas gibt, was sie nicht erklären kann. Und wenn doch, dann sucht sie nach Erklärungen, pusselt oder wartet, bis es wieder passt. Das ist nicht unbedingt unehrlich, nur darf man die Eingangsvoraussetzung nicht vergessen!

              Und dann merkt man, dass es eben kein Wunder ist, dass die Wissenschaft Gott nicht erklärt.
              Ich finde es ehrlicher zu sagen, dass es zwei verschiedene paar Schuhe sind. Ein wirklicher Glaube an einen wirklichen Gott und einer wirklichen Schöpfung ist mehr, als zu sagen: Wir deutens eben um, halt spirituell.

              Die Art und Weise, wie wir die Bibel hierin verstehen, hat auch eine Wirkung auf das, was Gegenwart, Zukunft und Gottes Versprechen betrifft:
              Wenn es alles mögliche der Vergangenheit im Zweifelsfall nicht wirklich (sondern nur spirituell) zu verstehen ist, was ist es dann wirklich wert?

              Beim Papst kann man sich fragen, ob hier nicht schon eine gewisse Doppelzüngigkeit vorliegt: Den Wissenschaftlern anbiedern und den einfachen Schäfchen ihr althergebrachtes Glaubensbekenntnis lassen.
              Peace!

            • Falls hier jemand des hebräischen mächtig ist würde mich wirklich mal interessieren ob es sich um Tage oder biblische Ären handelt. Auch ein Luther muss nicht immer korrekt übersetzt haben.

            • Unser Yocheved ist dem Hebräisch mächtig. Er könnte uns helfen. Yochevede! Ich rufe Dich, we need your help!

            • Da bin ich! 😀 (liebe Fartab, sie nicht er. Ich bin ja kein Mann… 🙂
              Also, im Hebräischen heißt es:“vayehyi erev vayehyi boker, yom echad“ = „und es war Abend und es war Morgen, ein TAG“
              Yom=Tag
              Allerdings steht das erst, nachdem G-tt den Himmel und die Erde geschaffen hat und zwischen Licht und Finsternis unterschieden hat. Und dieser letzte Teil, die Unterscheidung zwischen Licht und Finsternis, ist ein Tag. Wie lange die Schaffung des Himmels und der Erde gedauert hat, darüber gibt es zumindest dort direkt keine Aussage. Was auch noch erwähnenswert ist, ist die Tatsache, dass ab dem zweiten Tag „Yom sheni/shlishi/revi’i….“ (zweiter/dritter/vierter…. Tag) steht und von diesem Schema ausgehend, müsste es bei der ersten Erwähnung des Tages eigentlich „yom rishon“ (erster Tag) heißen und nicht ein Tag…
              Toll, abgeschweift. 😀
              Nochmals zum Tag, ich würde nicht davon ausgehen, dass es sich bei diesen Tagen unbedingt um 24 Stunden handeln muss. Eine Erklaerung lässt sich in Psalm 90 „Ein Gebet von Moshe“ finden. Dort steht „ki elef shanim be’eineicha ke’YOM etmol“ = denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der gestrige Tag. Mit anderen Worten: G-ttes Definition von einem Tag ist offensichtlich eine andere, als die unsere.
              Mit der Evolutionstheorie würde zwar auch diese Art der Zählung nicht übereinstimmen, aber unter uns gesagt, ich halte relativ wenig davon, die Erschaffung der Welt irgendwelchen Zufällen zuzuschreiben.

            • Gott segne Dich meine erhabene Dame! Du bist für uns eine große Quelle und Hilfe, wenn es um die hebräische Sprache geht. Sorry nochmal für die Verwechslung.

            • Damit kommen wir zu dem Schluss das wir mit unseren irdischen Tag-Nacht-Kategorien das Wunder der Schöpfung nicht begreifen können.

              Besten Dank für diese aufschlussreiche Diskussion!

            • Es liegt mir fern, Gottes Schöpfungstage auf 24h, oder gar noch genauer ‚festzunageln‘. Nur möchte ich die Angabe Tag, ganz einfach als Tag belassen (Gott gibt es uns so genau, wie wir es brauchen), solange wir keine andere ‚Herstellerinformation‘ haben. Und ich vermute, dass auch bei den späteren Schilderungen (2. Mose 20,11; + 31,17) nichts anderes steht.
              Ebenso absurd wäre es, wenn ich Gottes Leistungsfähigkeit messen wollte, heißt es doch einfach „Gott sprach … und es geschah“.
              Manchmal ist es schwer, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Ich versuchs noch mal anders:
              Wenn die Wissenschaftler sämtliche Zeiten so festlegen dürfen, dass es für sie kein Wunder mehr ist, dann ist genau damit auch das Besondere genommen.

              Das Besondere an Gott, dass bis hinein in de letzte Zeit der Weltgeschichte zur Begründung genommen wird. Heisst es doch in Offbarung 14,7: „Und betet an den, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und Wasserbrunnen!“

              Und das ist für mich eben mehr, als eine Evolution abzwarten, und zum Schluss noch schnell und fast unmerklich (jedenfalls nicht wissenschaftlich erfahrbar) dazwischenzuspringen und dem Menschen eine ‚Geistseele‘ und ‚Würde‘ zu verpassen!

      • @bazillus: kennst du das Böckenförde-diktum? Das fasst deine Analyse in bezug auf die Gefahren für die demokratie sehr gut zusammen.

        • Werter Prinz Eugen, ich kenne das Böckenförde-diktum nicht. Werde es mir, soweit es auffindbar ist, lesen. Ich danke für den Hinweis.

          Werter Jockel, ich persönlich sehe die „Leistung“ Gottes nun überhaupt nicht geschmälert, selbst wenn er die Schöpfung nicht in Sekundenschnelle auf die Beine gestellt hätte. Als Gläubiger könnte ich sogar glauben, dass Gott seine Schöpfung sogar in Sekundenschnelle durch einen Gedankenfetzen hat erschaffen können. Selbstverständlich traue ich Gott alles Gute zu. Selbst die Tagesangabe ist relativ. Warum braucht Gott 7 x 24 Stunden? Für den Allmächtigen eine doch recht lange Zeit. Wir sehen, Zeitangaben sind relativ. Die Tagesangabe ist wohl dem Rhythmus des Menschen geschuldet. Gott braucht meines Erachtens nicht zu „ruhen“. Das alles deutet auf einen Schöpfungsakt und infolgedessen Schöpfungsbericht hin, der auf die Verstandes- und „Lebensumständewelt“ des Menschen hin ausgerichtet ist, aber eben mit wahrem Kern, den tatsächlichen Lebensgegebenheiten auf der ERde geschuldet vom Geist Gottes inspiriert. Gott mit menschlichen Gedanken erfassen zu wollen, ist immer ein Wagnis. Der beste Weg dahin ist immer das Größte und Bestmögliche im Guten zu denken, um Gottes Geist auch nur stückweise erspüren zu können. Die AT-Propheten und Jesus haben uns dabei geholfen, dies auf den Weg zu bringen. Gott voll erfassen zu wollen, wäre Anmaßung. Aber das Streben danach ist im Menschen grundgelegt, nicht umsonst hat er als einziges Geschöpf hier auf Erden die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis und zum umfassenden Selbst-BEWUSSTSEIN und die Fähigkeit trotz erlebter Schwierigkeiten lieben zu können im besten Sinne dieses Wortes.

          Das Faszinierende insbesondere am ersten Schöpfungsbericht ist m. E. neben der Schöpfungshandlung mit Adam und Eva als menschliche Hauptdarsteller ist m. E. a) die göttliche Gedankenwelt, Menschen nach göttlichem Vorbild/Ebenbild/Abbild schaffen zu wollen und so den Menschen generell aufzuwerten und ihn sogar zu segnen, eine Gottesvorstellung, die weit über dem schwebt, wie Menschen sich Gott vorstellen (Hier deutet sich schon in arachaischer Zeit der Gott der Liebe an) und b) dass Pflanzen als Nahrung dienen sollen dem Menschen u n d dem Tier. Das heißt, dass Gott im Grunde sogar die Fresskette der Tiere und letztlich auch die des Menschen nicht wollte. Erst der zweite Schöpfungsbericht spricht von Tiernahrung für den Menschen, weil der Mensch wohl – schwächlich wie er war – nicht hat den „Vegetarier“ abgeben können.

          Tierschützer z. B. sehen in diesem Ebenbild Gottes die größte Fehlleistung Gottes, da der Mensch sich ungerechterweise des Tieres in brutalster Form bemächtigt hatte. Deshalb sind Religionen für Tierschützerideologen ein Gräuel. Leider verkennen sie die tatsächliche Situation. Selbst wenn der Mensch keinen Glauben hätte, hätte der Mensch sich auch ohne Gott zum Maß aller Dinge machen müssen. Ich glaube, dass da das Tier nicht besser bei weggekommen wäre. Aber ganz abwegig ist dieser Gedanke nicht.

          Das tatsächliche göttliche Geschehen ist so wunderbar und herrlich, dass es dem Menschen glatt die geistigen Schuhe ausziehen würde, wenn er sie denn voll erfassen könnte. Der Geist, und darauf kommt es an, wirkt. Ich denke, niemand war dabei und der Schöpfungsbericht kann m. E. nur durch einen Denker oder was ich eher vermute, durch einen Visionär entstanden sein. Damit werte ich die Schöpfungsgeschichte nicht einen Deut ab. Denn Gott offenbart sich in verschiedener Weise, nicht nur in der direkten Ansprache dem Menschen gegenüber, die ja im AT an vielen Stellen dokumentiert ist, sondern auch in Visionen und Offenbarungen. Diese Interpretationsauffassung des Schöpfungsberichtes ist meine persönliche. Ob die Kirche dieser meiner Meinung ist, interessiert mich im Grunde nicht. Denn ich denke selbst und lasse nicht denken.

          Jetzt sind wir aber mächtig vom Artikelthema abgekommen. Die Blog-Betreiber mögen es mir nachsehen.

            • Ich finde für uns in Deutschland trifft das eingangs beschriebene 2-Phasenschema nicht so direkt zu, weil wir eine Demokratie mit früheren Kurskorrekturen haben.
              Das von Euch eingebrachte Böckenförde-Diktum ließe sich (in Analogie zum Sündenkomplex in meinem persönlichen, religiösem Glaubensbild) vieleicht auch noch besser, als mit politischer Bildung, mit gezieltem, ausdauerndem Säen von Liebe überwinden. Dann würde die bei Böckenförde erforderliche innere moralische Substanz sich in den Menschen auch wieder ‚regenerieren‘. – Ein langer Weg!

              Außerdem wirken bei uns bereits viele Kräfte, die dem sehr abträglich sind. Ich denke an Lobbyismus, Medienverblendung, Finanzmarkt- / Banken-Banditismus und ähnlichem, welche a) die demokratische Korrektur unterläuft, weil das Volk verspätet erkennt, und b) durch ihr Funktionieren zeigt, dass sich Egoismus mehr lohnt, als gemein- und werteorientiertes Handeln (vorausgesetzt das ‚Erkennungsschema / Bewertungssystem von lohnt oder lohnt nicht‘ beim Volk hat schon ein gewisses Niveau unterschritten).

              Ich denke, hier gibt es einen Kipp-Punkt, ab dem eine Selbstbeschleunigung einsetzt.

              So kann man schon sehen, ohne Prophet zu sein, dass auch eine Demokratie ‚ihre Zeit‘ hat.
              Salomo sagte: „Alles hat seine Zeit“, aber der HERR hält ‚die Winde‘ nach seinem letztlich unergründlichen Ratschluss.

          • Werter Freund, ihr könnt ruhig weiter schreiben, und es ist immer noch themenkonform, ich hätte mich längst gemeldet, wäre es nicht der Fall gewesen 🙂 Macht ruhig weiter, denn ich begrüße es auch, wenn die Kommentatoren untereinander kommentieren und nicht unbedingt mit uns und einseitig.

            • ich liefere es mal nach:

              „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das ist das große Wagnis, das er, um der Freiheit willen, eingegangen ist. Als freiheitlicher Staat kann er einerseits nur bestehen, wenn sich die Freiheit, die er seinen Bürgern gewährt, von innen her, aus der moralischen Substanz des einzelnen und der Homogenität der Gesellschaft, reguliert. Anderseits kann er diese inneren Regulierungskräfte nicht von sich aus, das heißt, mit den Mitteln des Rechtszwanges und autoritativen Gebots zu garantieren versuchen, ohne seine Freiheitlichkeit aufzugeben und – auf säkularisierter Ebene – in jenen Totalitätsanspruch zurückzufallen, aus dem er in den konfessionellen Bürgerkriegen herausgeführt hat.“

              Ernst-Wolfgang Böckenförde: Staat, Gesellschaft, Freiheit. 1976, S. 60.

              Das Diktum bewahrheitet sich besonders in sogenannten Multi-Kulti-Stadtteilen oder in mafiösen Strukturen.

            • zu Prinz Eugens nachgeliefertem Zitat (#3690, ich fand dort keinen Button):
              Bringt viel Klarheit finde ich und die Idee, in politische Bildung zu investieren.

            • @Jockel

              da wir uns bereits in einem konfessionellen Vorbürgerkrieg befinden wird der Ausgang wohl leider eine totalitäre Gesellschaftsordnung sein. Das ist für Böckenförde aktuell.
              Ist meine Befürchtung.

            • Ich denke auch, sogar wird alles herbeigerufen, sodass irgendwann die Situation eskaliert und man wird nach härteren Maßnahmen greifen.

            • @ Prinz Eugen (3704, wieder der falsche Button: 3705 bitte löschen!)
              Ich finde für uns in Deutschland trifft das eingangs beschriebene 2-Phasenschema nicht so direkt zu, weil wir eine Demokratie mit früheren Kurskorrekturen haben.
              Das von Euch eingebrachte Böckenförde-Diktum ließe sich (in Analogie zum Sündenkomplex in meinem persönlichen, religiösem Glaubensbild) vieleicht auch noch besser, als mit politischer Bildung, mit gezieltem, ausdauerndem Säen von Liebe überwinden. Dann würde die bei Böckenförde erforderliche innere moralische Substanz sich in den Menschen auch wieder ‘regenerieren’. – Ein langer Weg!

              Außerdem wirken bei uns bereits viele Kräfte, die dem sehr abträglich sind. Ich denke an Lobbyismus, Medienverblendung, Finanzmarkt- / Banken-Banditismus und ähnlichem, welche a) die demokratische Korrektur unterläuft, weil das Volk verspätet erkennt, und b) durch ihr Funktionieren zeigt, dass sich Egoismus mehr lohnt, als gemein- und werteorientiertes Handeln (vorausgesetzt das ‘Erkennungsschema / Bewertungssystem von lohnt oder lohnt nicht’ beim Volk hat schon ein gewisses Niveau unterschritten).

              Ich denke, hier gibt es einen Kipp-Punkt, ab dem eine Selbstbeschleunigung einsetzt.

              So kann man schon sehen, ohne Prophet zu sein, dass auch eine Demokratie ‘ihre Zeit’ hat.
              Salomo sagte: “Alles hat seine Zeit”, aber der HERR hält ‘die Winde’ nach seinem letztlich unergründlichen Ratschluss.

  3. Übrigens an die Blogbetreiber gerichtet: Herzlichen Glückwunsch für die Bilder aus „Aufstand der Tiere“ zu diesem Artikel. Passt wunderbar zur Thematik.

    • Vielen Dank mein Freund, ich suche immer die Bilder, und ich meine, sie müssen absolut zum Thema passen, damit der Text besser verstanden wird. Und da dieses Buch das erste war, was in der Mullah-Regierung verboten wurde, dachte mir, die Szenen passen absolut zu dem Artikel. Du bist sehr aufmerksam.

      • „Und da dieses Buch das erste war, was in der Mullah-Regierung verboten wurde“

        Animal Farm von George Orwell, war in den kommunistischen Staaten des Ostblocks auch ganz schnell verboten…so etwas aber auch? 😉

      • Wow, wusste ich nicht, dass dieses Buch verboten war. Kann ich mir aber sehr gut vorstellen aus mehreren Gründen:

        a) spielen unreine Schweine die Hauptrolle und das geht im Islam nun überhaupt nicht
        b) der Inhalt des Buches wirkt ja wie ein klarer Spiegel und da sehen viele Regierungen recht hässlich aus. Und weil sie ihre eigene geistige und geistliche Hässlichkeit nur schwer ertragen kann, greift man zum einfachsten Mittel, nämlich zur Zensur.

        Das ist nun mal so, wenn jemand an die Macht kommt. Dann kennt derjenige oft nicht mehr seine Verwandten und Freunde und es geht eine seltsame
        Verwandlung in ihm vor.
        Und der werte Prinz Eugen bringt dann zutreffend die desolate Geistesverwandtschaft mit Unrechtsideologien zwinkernd zum Ausdruck. Danke.

  4. OT: Habe einen Kommentar gefunden, der es in sich hat. War mir bisher so noch nicht bekannt:

    Koran Sure 113 (vorletzte Sure)
    1 Sag: Ich suche beim Herrn der Morgenröte (falaq) Zuflucht
    2 vor dem Unheil (scharr) (das) von dem (ausgehen mag), was er (auf der Welt) geschaffen hat,

    Bibel
    Wie bist du vom Himmel herabgefallen,du Glanzstern(lat.:Luzifer),Sohn der Morgenröte,
    Jesaja 14,12

    Herr der Morgenröte ist laut Bibel ein Dämon Luzifer, in christlicher Mythologie der Chef der Hölle.

    Wenn das stimmt, ist der Islam die Religion des allgemeinhin religiös gedachten Satanschefs. Mir wäre aber auch ohne diesen Vergleich die gleiche Idee gekommen. Aber dass dies so offensichtlich ischriftlich niedergelegt ist, hätte ich nicht gedacht. Der Jesaia hatte offensichtlich echt was drauf. Verbunden mit Jesu Warnung vor falschen Propheten und dem Wort aus Johannes “ Man wird euch aus den Synagogen(/Kirchen/Tempeln) usw. stoßen. Ja es kommt die Stunde, da jeder, der euch tötet, Gott damit einen Dienst zu erweise glaubt. Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich kennen.

    Auf jeden Fall eine interessante Variante des Denkens. Damit sind im Grunde alle Unklarheiten beseitigt, oder?

    • Der Koran ist voller Ayes, die mal von Thora, Bibel und sogar Avesta geklaut sind!!! Erstaunlich, dass auch im Koran sehr oft dieser Gott (Allah) Mohammad warnt und sagt: Sag den Gläubigen, dass nach Dir alle falsche Propheten sind! Er hatte schon, um die Juden und Christen für sich zu begeistern, jeweils versucht aus ihren heiligen Büchern zu zitieren oder ähnliches hervorbringen, aber es hatte nicht geklappt, aber am Ende blieb ein gesammeltes Buch, in dem alles gibt und auch eine Menge persischen Wörter!

      • Die Luzifer-Passage ist auch schon einigen Leuten bei PI aufgefallen, die haben da vor ein paar Jahren mal einen Artikel geschrieben.

      • Werte Fartab Parse,
        also das geht ja nun überhaupt nicht. Der Koran und persische Worte? Der ist doch schon von Allah im Himmel auf arabisch getrimmt worden. Das Persische kann da doch wohl keine Rolle gespielt haben, (ich kriege wieder mal kein Zwinkerchen hin).

        Im Ernst: Wenn das wahr ist, dann ist die Behauptung der führenden Muslime ja wohl wieder einmal erstunken und erlogen. Denn dann beweist ja selbst die Linguistik, dass der Koran eben nicht vollständig auf arabisch geoffenbart wurde und nicht aus dem „Himmel“ kommen kann (könnte ich aber schon am Inhalt feststellen). Wieder ein schwerer Rückschlag für die Lügner in den Reihen der Islamgelehrten. Da wird doch eine Lüge nach der anderen offenbar. Wie kann sich der Koran solange noch halten und somit dieser pervertierte Ausgrenzungsglaube?

        • Glaub mir mein Freund, es ist keine Behauptung, sondern eine Tatsache! Es sollen an die 1000 Wörter alleine aus dem persischen sein und so wie der Prinz auch mal geschrieben hatte, eine Menge syro-aramäische, dann haben wir äthiopischen, indischen Wörter dabei und ich habe schon geschrieben, dass sobald mein PC wieder in Ordnung ist, werde ich das Buch mit kompletten Fremdwörtern hier zum herunterladen bereit stellen und das Buch hat kein Urheberrecht mehr, daher kann ich das machen und das Buch ist auch in Englische! So etwas sollte ins Deutsch übersetzt werden, und jedem auch umsonst zur Verfügung stellen, damit diese Unantastbarkeit des Korans weg ist! Da fragst Du, warum denn solange der Koran sich halten konnte, weil die Dogma und die Fundamentalisten jede Kritik und Erläuterung nicht erlauben, obwohl sie selbst wissen unter welchen Umständen dieses Buch zustande kam und wie es editiert wurde! Ständig sagen sie, dass dieses Buch direkt vom Himmel ist und dieses Buch für Andersgläubigen nicht zu verstehen ist. Ich besitze noch ein Buch eines iranischen Autors, der seinen Namen nicht preisgab, aber 5 Jahre dran gesessen hat und dieses Buch Wort für Wort wieder ganz sachlich übersetzt und interpretiert hat, sodass jeder Gläubige nachdem Lesen des Buches die Augen aufmacht, außer demjenigen, der sie nicht aufmachen will! Leider ist das Buch in Persisch und ist jedem frei es herungerzuladen. Der Urheber verzichtete auf die Rechte, Hauptsache werden die Menschen aufgeklärt! Ich denke mal, wenn ich mal Zeit habe, muss ich immer wieder einiges aus diesem Buch übersetzen und hier veröffentlichen! Die Iraner haben eine große Sammlung an Aufklärungsbücher, die dringend in Englisch, Deutsch, Französisch übersetzt werden müssen, denn der Europäer verlässt sich nur auf die Übersetzungen von Türken hier, die schön vieles zensiert haben. Die Nachfrage ist groß, aber wir sind zu wenig, um diese Bücher und Beiträgen zu übersetzen.

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