Iraner haben demokratische Werte

Pârse und Pârse – Neue Forschungen zeigen, dass die iranische Gesellschaft eine pro-liberale Werte-Struktur aufweist, die tief im Widerspruch zum fundamentalistischen Regime steht.

In den High-Stakes internationalen Diskussionen um das iranische Streben nach Atomwaffen, werden in Iran die 80 Millionen Menschen oft vergessen. Also habe ich, zusammen mit einem kleinen Team von Israelis, beschlossen, die treibenden Kräfte der iranischen Gesellschaft zu erforschen. Es gab Anzeichen, auf den Straßen und im Internet von einer Schlacht die zwischen islamischen Fundamentalisten und den Verfechtern der Freiheit tobt. Die Frage, die zu erforschen war, war, wo die Mehrheit der Bevölkerung steht?

Bald wurden wir mit führenden Experten auf dem Gebiet der Sozialpsychologie, der interkulturellen Forschung, der schiitischen islamischen Religion, mit Statistiken, und mit Dutzenden von persisch sprechenden Freiwilligen verbunden.

Zur Umgehung von Irans „elektronischen Vorhang“, wie Präsident Obama die Bemühungen der iranischen Regierung den Kontakt mit der Außenwelt zu kontrollieren bezeichnete, führte unser Forschungsteam telefonische Interviews Ende 2011 und Anfang dieses Jahres mit fast tausend Iranern. Letztere bildeten eine genaue repräsentative Stichprobe der iranischen Gesellschaft, einschließlich aller 31 Provinzen des Iran sowie einer repräsentativen Verteilung aller ethnischen Gruppen, Altersgruppen und Bildungsstufen. Die Interviews wurden anonymisiert, um die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten.

Um die Herausforderung der Messung des Potentials für Freiheit und Demokratie in einem autokratischen Land wie dem Iran zu überwinden, mussten wir innovieren. In der Regel verwenden die Forscher Fragebögen, die Fragen beinhalten wie „Sind Sie für oder gegen die Demokratie?“ Oder „Haben Sie jemals eine Petition unterzeichnet enthalten?“ Allerdings haben die Bürger in autoritären Staaten oft Angst, auf solche expliziten Fragen zu antworten, und wenn sie reagieren, antworten sie wahrscheinlich aus Angst verzerrt.

Deshalb verwendeten wir einen psychologischen Fragebogen, der die grundlegenden Werte der Gesellschaft misst, ohne das damit eine einzige Frage in politischer Hinsicht gestellt wurde. Die Fragen beschrieben die Ansichten einer fiktiven dritten Person und fragten dann den iranischen Befragten, inwieweit diese Person ihnen ähnlich war. Die dritte Person wurde in Sätzen beschrieben wie: „Es ist ihm wichtig, seine eigenen Entscheidungen über sein Leben zu machen“, „kreatives Denken ist ihm wichtig“ und „es ist ihm wichtig derjenige zu sein, der anderen sagt, was sie zu tun haben. „

Der Fragebogen, der in Iran eingesetzt wurde, wurde von dem interkulturellen Psychologie-Experten Shalom Schwartz als Teil seiner „Theorie der grundlegenden menschlichen Werte“ entwickelt und findet breite Verwendung bei Psychologie-Forschern. In Zusammenarbeit mit Prof. Schwartz erstellte unser Team einen Index, der das Potential einer Gesellschaft, Maßnahmen zur Förderung der Demokratisierung auf der Grundlage ihrer Werte misst.

Wir bewerteten den Index von repräsentativen Stichproben aus 64 Ländern und 162.994 Befragten, aus den Vereinigten Staaten und Schweden bis nach Indonesien und Ghana. Dabei zeigte sich eine starke Korrelation zwischen der Punktzahl einer Gesellschaft auf dem Index und dem Grad ihrer Demokratisierung.

Bei der Durchführung der Interviews in Iran, waren wir erstaunt, über die Fortschrittlichkeit des iranischen Volkes.

Eine Analyse der iranischen Gesellschaft zeigte, dass neben den konservativen Werten, wie Konformität und Tradition, die iranische Gesellschaft durch eine starke Unterstützung pro-liberaler Werte wie den Glauben an die Bedeutung der Selbstbestimmung und dem Wohlwollen geprägt ist. Zum Beispiel, „ist die Freiheit zu wählen, was man tut ihm wichtig,“ 94% der Befragten Iraner wurden mit dem Satz identifiziert und 71% der Befragten wurden mit dem Satz identifiziert „Sei gegenüber allen Arten von Menschen und Gruppen tolerant“.

Sobald wir Befragungen aus dem Iran hatten, konnten wir sie mit globalen Befragungen unter Verwendung des neuen Index analysieren. Iran wurde auf einem Kontinuum der Messung der Neigung der Gesellschaften weltweit als eine Gesellschaft zum Hang nach einer liberalen Demokratie zu fördern platziert. Bemerkenswert ist, dass im Vergleich zu 47 in der World Values Survey befragten Ländern, sich das Potential in der iranischen Gesellschaft für die liberale Demokratie als höher erwies als die von 23 anderen Ländern auch den arabischen Ländern wie Ägypten, Marokko und Jordanien, und asiatischen Ländern wie Südkorea, Indien und Thailand. Im Vergleich zu 29 Ländern in der European Social Survey befragten, wurde Iran zu höheren Tendenzen zur liberalen Demokratie als Russland, Ukraine, Slowakei und Rumänien befunden.

Wir entdeckten auch eine ungewöhnlich große Lücke zwischen dem gesellschaftlichen Potenzial für die liberale Demokratie in Iran und dem tatsächlichen Stand der Demokratie in dem Land. In den meisten Ländern gibt es eine hohe Korrelation zwischen den beiden. Wenn solch eine Lücke existiert, gibt es eine starke Tendenz für das Land das Niveau der Demokratie im Einklang mit den gesellschaftlichen Potentialen einzustellen.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass die iranische Gesellschaft als Ganzes von einer pro-liberalen Werte-Struktur, die tief im Widerspruch zu dem fundamentalistischen Regime steht, geprägt ist. Dies stellt ein erhebliches Potenzial für einen Regimewechsel in Iran und für die Entwicklung der liberalen Demokratie dar.

Herr Porat ist ein israelischer Politikstratege. Hier sein vollständiger Bericht .

Mai 13, 2012

28 Gedanken zu „Iraner haben demokratische Werte

  1. Ja Iraner sind eben anders; das wusste ich immer, deswegen sage ich ja auch immer das das Mullah Regime von innen heraus gestürzt werden muss und nicht von aussen.

    Payandeh Iran!

  2. Soll heißen: Iran hat vielleicht jetzt schon die Reife, die für ein Funktionieren von Demokratie nötig wäre.
    Nur was braucht man, um sie zu erreichen?

    • Ja werter Jockel, der Iran hat das Potenzial, ihm fehlt die ausländische Unterstürzung, die sagt, okay, wir haben Euch gehört und wie in Ägypten, wo Tag und Nacht die Medien nur den Tahrir-Platz im Fokus hatten, bis am Ende als erster Obama sagte, dass der Mubarak weg muss und dann folgten alle andere. Aber bei der ganzen Sache vergisst man natürlich 80 Millionen Menschen, die außer 1% alle dieses Regime weg haben wollen und nur in Medien ist die Rede davon, wann sollen die Bomben über die Iraner gefallen werden. Wir sind kein barbarisches Volk, dass man so eine Frage stellt wie Deine, ob wir für die Demokratie reif sind oder nicht!!! Wir sind keine Araber, die immer noch nicht im 3. Jahrtausend was von der Demokratie gehört haben.

      • Entschuldigung!
        Ich wollte nicht das iranische Volk als unreif beleidigen.
        Ich wollte zeigen, das dies ja schon die Grafik tut.

        Ich glaube übrigens, dass in allen Ländern (einschließlich Schweden) die Menschen nicht hinreichend kritisch sind um z. B. Medienmanipulationen zu durchschauen.
        Viele wollen Demokratie und meinen eigentlich eher Wohlstand.
        Und wenn sich dieser dann nach einer Wahl nicht schnell genug einstellt, sind sie enttäuscht.
        Demokratie ist zu einem so schönen Wort geworden, dass sich alle damit schmücken.

        Ist es überhaupt eines Menschen oder eines Volkes würdig, ihn/es zu vermessen und auf (jeweils eindimensionalen) Skalen abzubilden (du hast so und so viel Potential in der Kategorie Demokratie, Intelektualität, Wirtschaftskraft, Oberweite, Taille, …)?

        In der Grafik, die du hier wiedergegeben hast (ist glaube ich Figure 6 auf Seite 39 der Quelle) ist Deutschland gar nicht mit drauf. Deshalb nehme ich mal die sehr ähnliche Figure 5 von der Seite davor. Und dort steht:
        Deutschland hat viel mehr Demokratiepotential, als Iran, also müsste ich sagen: Ätsch-Bätsch!
        Tu ich aber nicht!
        Ich kann nicht stolz auf Deutschland sein, denn ich frage mich, wo kommt denn dieses her?
        War es nicht der zweite Weltkrieg der mit hoher Nachhaltigkeit das Bewustsein über das Boshaftigkeitspotential von Diktaturen geschaffen hat?
        Müssen wir uns jetzt beim schmalbärtigen A. bedanken?

        Das vermessen und studieren ist von Anfang an sehr gefährlich. Wenn ich eine Idee, einen Fernsehkanal, einen Panzer, oder sonst eine Voraussetzung mehr habe, dann kann ich schon gewinnen?
        Es ist nicht nur die Gefahr, die Würde zu verunglimpfen. Es birgt ein Grundsätzliches Problem. Man baut auf menschliche Weisheit und auf menschliche Kraft. Und damit nimmt man auch dem Herrn den Raum, seine ganze Kraft zu entfalten. Nur drei Beispiele:

        Gideon sollte seine Freiwilligentruppe zweimal drastisch verkleinern (Richter 7).

        David wurde es zur Sünde, seine Armee zu zählen (2. Samuel 24,10).

        Deutschland 1989: Hätte es hier genaue Studien gegeben ‚How to make a candle-revolution‘, dann wäre die Stasi wahrscheinlich viel früher energisch dazwischen gefahren.

        Die Menschen im Iran wollen ein Unrechtsregim abschütteln, das sie unterdrückt, ihre Entwicklung hemmt und ihr ganzes Menschsein beleidigt.
        Das ist nochmal ganz etwas anderes.
        Und das hat einen eigenen inneren Wert.
        Und wenn es darum geht, Leid und Unrecht jeweils vom anderen (z. B. vom Nachbarn) abzuwenden, dann fängt LIEBE an.
        Ja dann fäng etwas an, das der wahre Gott im Himmel segnen kann!
        So etwas stärkt das ‚wir‘-Gefühl.
        Sogar die Werbung weiß: Das ‚wir‘ gewinnt.

        Möglicher weise denken nicht wenige, alles ist besser als das was sie jetzt haben, und würden Demokratie oder Monarchie in gleicher weise akzeptieren. Auch so etwas muss man nicht bis zum letzten studieren.
        Aber, das hatten wir ja schon mal.

          • Doch!
            Entschuldigen muss ich mich sogar zweimal.
            Die Beleidigung ist zwar schon in der Grafik veranlagt, aber ich habe sie aufgegriffen, weiter reifen lassen und sie ausgesprochen. Schande auf mir.

            Doch die andere Schande ist noch größer:
            Wie sich damit ein Lob des Herrn und seiner Kraft herausstellen lässt, war mir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht klar. Ich entschuldigte mich mit Schuldverschiebung und mit Prahlen („Ich wollte zeigen, …“)´

            WAR GELOGEN!

            Nun muss ich vor meinem Herrn beklagen, dass du auf mich, den Lügner, nicht so hörst wie ichs gern hätte.

            Ich weiß, dass du die Wahrheit liebst, denn du schriebst einmal „wir haben geschrien und geschrieben, (dass es anders ist…)“ und dieses stieß ich vor den Kopf!

  3. Leider muss ich einen Teil der Hoffnungen zerstören: Solange dieses Mullahregime an der Macht bleibt – und es lässt sich m. E. nur durch Gewalt vertreiben – wird das nichts mit der Demokratie. Meine unmaßgebliche Meinung . Wenn es soweit sein sollte, wären nach dieser Untersuchung im Iran die besten Voraussetzungen für ein funktionnierendes Demokratiesystem gegeben.

    Zur Untersuchung:
    Da möchte ich einfach mal eine Frage stellen und niemanden damit beleidigen!!!:
    Haben im Iran alle Haushalte Telefon, auch die Landbevölkerung in allen Provinzen? Entschuldigen Sie diese Frage. Ich will jetzt nicht auf Rückständigkeit hinaus, was mit Sicherheit nicht zutrifft. Aber ein Telefonanschluss wird dort auch nicht umsonst zu halten sein. Die Arbeitslosigkeit, die sozialen Umstände auf dem Land und in den Städten der Armutsviertel, die es überall auf der Welt gibt, werden wie überall ihre Wirkung nicht verfehlen. Dazu kam in der Zeit der Wirtschaftsboykott gegen Iran, die die soziale Frage mit Sicherheit verschärft hat. Die soziale desaströse Situation von Frauen ist hier kürzlich Gegenstand von Kritik gewesen.

    Wir sollten zwar keine Luftschlösser bauen, aber war das mit der Hoffnung? Sie stirbt zuletzt.

    • Hallo Bazillus,
      zu Deiner Frage..
      „Haben im Iran alle Haushalte Telefon, auch die Landbevölkerung in allen Provinzen?“

      Die Frage finde ich berechtigt und kann sie selbst in Hinblick auf den Iran nicht beantworten.

      Aber meine Erfahrungen in diversen Ländern, darunter auch Armutsländer, sind das Vodafone überall vertreten ist und sogar die ärmsten ein Händy besitzen.

      Gruß,
      Outside-Job

    • Zu Deiner Frage und Outseid-Jobs Antwort:

      Im Moment sind es 28,5 Millionen, die einen Internetzugang haben. Es gibt 334 Universität und Fakultät, die durch Fieberglas mit Internet versorgt werden. Es sind 26.362.370, die einen Festnetzanschluss haben, und es sind 48 Millionen, die ein Mobile haben und darunter sind es 16 Millionen, die einen Mobilevertrag haben und 32 Millionen Prepaid -Karte besitzen. Es sind 1154 Groß und Klein Städte und Dörfer, die mit Internet verbunden sind. Also, so unterentwickelt ist nun mein Land nicht! 😆 Viele machen leider den Fehler und denken, der Iran ist durch und durch nur ein Dorf und ne Wüste!

      Ich hoffe, ich konnte eure Frage beantworten.

    • So sehe ich es auch Bazillus, Ich habe mit meinem Onkel ein sehr langes Gespräch gehabt. Er saß nach der Revolution im Evin Gefämgnis und wurde dort gefoltert. Er hatte davor ein unbeschwertes leben mit einem sehr guten job auf der Ölrafinerie in Bushehr. Er ist auch ein strenger Shah anhänger. Man wusste es und man hat ihm alles genommen nach der Revolution. Er sagte das dieses Regime und alle die Hinter diesem Regime stehen nur eine sprache verstehen. Gewalt! Aber wenn mit Gewalt dann nur von innen herraus. Es hätte 2009 gerreicht wenn ein einziger eine waffe in die hand genommen hätte. dann hätten wir eine kettenreaktion die man in den ganzen „arabischen frühling“ nicht gesehen hätte. wir iraner ticken anders glaub mir. nach ein oder 2 monaten hätte das volk diie mullas aus dem iran vertrieben oder sie an galgen aufgehangen. und der rest des Demokratisierungsprozesses hätte seinen lauf genommen. wie Fartaab in diesem thread auch es erklärt.

      • Âx ke delam ce andâze barâye Bušehr va garmâye damgiraš tang šode! Was würde ich alles tun, um nur für einen Moment da zu sein! Danke Sooroosh, so sehe ich auch, nur von innen heraus und einmal wirklich die Waffe in die Hand nehmen und weg mit Mullahs.

  4. @Fartab
    Meiner Meinung nach ist die ganze Angelegenheit sehr komplex und verstrickt. Aber alles der Reihe nach.
    Erstens: Fragen stellen darf man immer, man darf, sogar MUSS alles hinterfragen. JA, man darf die Frage stellen, ob die Iraner für die Demokratie reif sind oder nicht. Die Antwort ist meiner Meinung nach gar nicht so selbstversändlich. Schliesslich durchlebt Iran gerade eine der finstersten Phasen und rückständigsten Regierungssysteme, die es weltweit gibt. Und das ist kein Zufall. Ich denke, wenn wir uns so verhalten, wie wir uns eben verhalten, sind wir noch lange nicht reif für die Demokratie, so leid es mir tut. Es gab mindestens drei grosse Chancen in den letzten 100 Jahren, eine Demokratie auf die Beine zu stellen, und wir haben alle drei vermasselt. Ich will hier nicht den Teufel an die Wand malen, will aber auch nicht sagen es ist alles Friede, Freude Eierkuchen. Wir haben einen langen, harten Weg vor uns. Die Demokratie unter Iranern steckt in Kinderschuhen.
    Der Grad der Demokratie wiederspiegelt sich in ganz alltäglichen Situationen im Leben. Willst du wissen wie reif und wie bereit eine Nation für die Demokratie ist, dann schau einfach wie die dortigen Menschen miteinander umgehen. Wie viel Respekt sie für einander haben. Wie sie Auto fahren. Im Iran ist das alles eine Katastrophe, jeder denkt, er ist der wichtigste Mensch auf der Strasse, in der Warteschlange etc. Und noch ein Indikator: wir sind es nicht gewohnt in der Mannschaft, in der Gruppe zu arbeiten und zu harmonisieren.

    • Danke Armân, ich bin auch Deiner Meinung, besonders die negative Punkte, die Du genannt hast. Aber, wir dürfen nicht vergessen, dass wir „die Werte“ haben, aber es heißt nicht, dass wir unbedingt demokratisch sind und handeln. Diese Werte müssen in der Gesellschaft durch viele Institutionen, Gesellschaftsorgane, den Staat unterstützt werden und dazu auch eine große Arbeit im staatlichen Rundfunk und Medien.

      Natürlich wird in Iran jeder für sich sein, und im Moment haben wir eine Ellenbogen-Gesellschaft! Warum, weil von ganz ganz oben die Demokratie Werte nicht gefordert und gefördert wird und so die Hierarchie nach unten.

      Ein kleines Beispiel: Die kleinste Gesellschaft, in der die Iraner ihre Demokratie Werte ausüben und praktizieren können, ist die Familie, aber solange der Vater, also das Oberhaupt der Familie seine Frau und Töchter und Söhne „diktatorisch“ behandelt, dann können wir nicht von einer Demokratie sprechen, denn eine Demokratie heißt, dass die Mehrheit dafür sorgen muss, damit die Minderheit ihre Meinung sagen kann, ungeachtet dessen, ob es falsch ist oder richtige.

      In unserer iranischen Gesellschaft auch hier leider haben wir zwischen den Exil-Iranern die diktatorische Eigenschaft; Väter verbieten bis heute ihren Kindern vieles; Ehefrauen werden immer noch unterdrückt, und unter uns Iranern, wie Du schön geschrieben hast, will jeder nur sein Recht bekommen, egal wie und der Andere hat kein Recht, sagt alles falsch und handelt nicht, so wie man will.

      Ich will damit sagen, dass jeder von sich anfangen muss und habe ich mich verändert und es geschafft mir Deine Meinung anzuhören und zur Kenntnis nehmen, ohne dass ich unbedingt das tun soll, was Du willst/möchtest, und werde Dich nicht verbal oder physisch fertig machen und Dich als einen Menschen zu respektieren, dann wird es einfacher in meiner Familie laufen, denn andere werden auch innerhalb der Familie es praktizieren und dann kommt die Gesellschaft, die auch unzähligen Familien besteht.

      Wir können keine Veränderung von oben erwarten, solange wir uns, jeder einzelne, nicht verändert haben.

  5. Danke Fartab für die Stellungnahme. Ich stimmte dir praktisch in allen Punkten zu. Nur irgendwo am Anfang vom Thread schriebst du:
    „Wir sind kein barbarisches Volk, dass man so eine Frage stellt wie Deine, ob wir für die Demokratie reif sind oder nicht!!!“ Und da konnte ich mich einfach nicht verkneifen zu sagen, dass man immer diese Frage stellen kann, zumal sie eine sehr brennende und zentrale Frage ist, was unserer Gesellschaft betrifft. Ich habe etwas gegen „heilige oder unantastbare Werte“. Genau diese Werte haben uns davon abgehalten, Demokratie zu praktizieren. Heilige Gesetze, heilige Menschen, heilige Religionen usw. sind beste Werkzeuge um Menschen zu unterdrücken und zu missbrauchen. Davor müssen wir uns in der Zukunft besonders schützen. Eine gesunde, rationale und vernünftige Gesellschaft muss immer kritisch bleiben und keine Tabus kennen. Viele Iraner haben fürchterliche Angst Gott, Religion oder einen „Heiligen“ kritisch zu hinterfragen geschweige denn in Frage zu stellen. Das ist der Beginn vom Aberglaube und das Ende vom geistigen Wachstum.

  6. Hallo!
    Ich weiss nicht ob das der richtige Ort fuer meine Frage ist, aber ich versuchs trotzdem: Ich lese immer wieder, dass viele Iraner in Iran sich vom Islam abwenden. Leider ist es aus naheliegenden Gruenden schwer, dazu genauere Angaben zu kriegen. Weiss hier jemand, wieviele dem Islam den Ruecken gekehrt haben und zu welchen Religionen die uebertreten? Und ist diese Tendenz steigend oder gleichbleibend? Danke!
    PS: Dies ist ein echt guter Blog. Weiter so!

      • Ardašir, Danke fuer die Antwort! Interessant. Weisst Du wie es bei den Exil-Iranern aussieht? Ich kenne einige (alle sehr nett), und von denen ist kein einziger Muslim. Die Meisten sind Atheisten. Ein paar begeistern sich fuer die Lehren Zarathustras. Habe mit denen aber nie gross ueber Religion gesprochen.

        • Hallo Mike, und willkommen bei uns!

          Die Iraner, die hier leben, haben gelernt ihren Glauben niemandem zu zeigen, warum auch! Denn hier wird keiner den anderen Fragen, ob er Christ ist und wenn ja katholisch oder evangelisch? Es ist aber unterschiedlich geblieben, wir haben hier Konvertiten, auch diejenigen, die die Lehre Zarathustra gewählt haben, einige, die noch Muslim geblieben sind, sagen aber, dass das, was im Iran von Mullahs praktiziert wird, kein Islam ist und sie sind immer noch Gutmenschen und wollen dumm bleiben, dann gibt es einigen, die einfach den Gott für sich gefunden haben, und dieser Gott ist einfach ein großartiger Gott, der niemandem was böses antun wird.

          Ich kann bis auf die muslimischen Gutmenschen mit allen anderen verkehren, nur diese Iraner, die sich Iraner nennen und noch dazu Muslim, sie sind diejenigen, die aufgeklärt werden müssen.

          Aber, wie gesagt, es sind unterschiedlichen Iraner unterwegs, die lieber verschweigen, was ihren Glaube angeht.

  7. Hallo, super Seite – und sehr interessantes Thema!
    Auch ich kenne einige Iraner, die meisten davon Christen. Auch einige, bei denen ich mir nicht besonders sicher bin, ob sie wirklich Christen sind. Gibt es denn so etwas wie eine „Taquiya“ für die Iraner? Und ist es in dem Fall erlaubt, so weit zu gehen, nicht nur den eigenen Glauben (Islam) zu verleugnen, sondern auch vorzugeben, konvertiert zu sein?? Bitte entschuldigt, falls das irgendwie eine unpäßliche Frage sein sollte…
    Und wie ist es mit dem Zoroastrismus? Was denkt Ihr Landsleute, wieviele Iraner, auch Exil-Iraner, noch heute den Lehren Zarathustras anhängen bzw. dies zu ihrer Religion auserkoren haben?
    Ich interessiere mich sehr für den Iran, würde dort auch sehr gerne einmal hinreisen. Habe bisher nur Gutes darüber gehört. Also mal von Herrn A. abgesehen 🙂

    • Hallo khoobam, und willkommen hier! Du, die Iraner, die nicht ihren Glauben preisgeben wollen, sie praktizieren kein Taqiye, sondern haben einfach Angst vor den Mullah-Agenten und Spitzeln, die überall sind! Taqiye tut ein Muslim, der seine wahre Absicht versteckt, bis er das erreicht, was er wollte, dann zeigt er sein wahres Gesicht. Aber, bei den Iranern, die auch Muslim sind und es auch hier praktizieren, gibt es kein Taqiye, sondern sie verschweigen eher, falls sie politisch anders gesinnt sind als das herrschende System im Iran und sie schweigen eher über ihre politische Weltanschauung!

      Und bei den Konvertiten kann ich Dir nur soweit sagen, dass einige von ihnen nur hier konvertiert haben, um das Asylrecht zu bekommen, genauso gibt es Iraner und Iranerinnen, die vorgeben, sie seien homosexuell, damit sie auch das Asylrecht bekommen. Ich persönlich würde nie in einem iranischen Kreis mich bei den politischen und ideologischen Gesprächen beteiligen, denn lügen kann ich nicht und daher fange ich von vorne an mit einem Schweigen über die Themen und lasse die anderen sprechen.

      Wie viele Iraner heute die Lehre Zarathustra verfolgen oder die zoroastrische Religion? Es sind zwei verschiedene Punkte! Denn das, was Zarathustra mal gesagt hatte, wurde in zoroastrischer Religion verzerrt, daher den Unterschied. Ich z. B. habe großen Respekt vor Zarathustra, Buddha und Jesus, gehöre aber zu keiner dieser Religionsgemeinschaften, ich interessiere mich lediglich für ihre Worte und Lehre ohne die Verzerrung und Verpfuschung!

      Ich hoffe, dass Du weiterhin und immer wieder nur was Gutes über die Iraner hörst, denn wir sind wirklich ein friedliches Volk, das mit allen in Ruhe und Frieden leben will. 😉

      • Danke, Fartâb Pârse, für Deine ausführliche Antwort!
        Ich habe bei manchen der Iraner, die ich kenne, diesen leisen Verdacht, es könne sich bei den zum Christentum konvertierten um reine Vorteilsnahme handeln. Das muß dann wohl jeder vor Gott und dem eigenen Gewissen selbst verantworten.

        Auf jeden Fall mag ich die Iraner sehr. Zuvor hab eich sie immer in einen Topf mit den Arabern geworfen – dann wurde ich „aufgeklärt“ 🙂
        Sie sind, zumindest soweit ich das beurteilen kann, die am besten „integrierte“ Gruppe unter den Nah- und Mittelöstlern. Viele gehen sehr guten Berufen nach und sind überhaupt gut gebildet.

        Die, welche ich kenne, sind quasi durchweg gegen das derzeitige Regime. Allerdings erkenne ich auch oft einen – wie ich meine – ungesunden Hang zur guten alten Schah-Zeit. Und zwar bei gleichzeitiger Kritik an nostalgischen ehem. „Ost“-Deutschen 😉

        Mitreden bei Iraner-internen politischen Diskussionsrunden kann ich mir mangels ausreichendem Hintergrundwissens sowieso nicht leisten.

        • Khoobam, das kann sich ändern und wenn Du uns liest, dann kannst Du bei politischen Diskussionsrunden der Iranern mitmachen und sie sogar mit Deinem gesammelten Wissen sehr stutzig machen! Wir haben genug zu lesen. Viel Spaß dabei.

  8. Nicht alle, ich kenne einige aufrechte iranische Christen, die sich für den Herrn Jesus entschieden haben.

    Jesus Lehre ist so voller Güte und Liebe, es ist für mich somit eine Frechheit das Mohammed Jesus als seinen „Bruder“ bezeichnet hat. Mohammed liess seine Kritiker töten, heiratete die Frauen der getöten Männer, erlaubte die Sklaverei.

    Wie kann man so einem Tyrannen nachhängen? Der Islam ist keine friedliche Religion.

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