Das Interview der Deutschen Welle mit dem Kronprinzen Rezâ Pahlavi (2)

Der Artikel in Spanisch

Der erste Teil des Interviews

Die Anmerkungen in [ ] sind von der Redaktion Pârse & Pârse

DW: Eines der Probleme, das politische Aktivisten selbst zugeben, ist die Zerstreutheit der Opposition. Was schlagen Sie vor, damit diese Uneinigkeit zwischen den iranischen Gruppierungen und Organisationen behoben wird?

Rezâ Pahlavi: Ich arbeite seit einiger Zeit an der Gründung eines nationalen Übergangsrats der Iraner und hatte und habe mit vielen politischen Strömungen und Gruppierungen sogar einzelnen Personen im In- und Ausland Kontakt; um einen Weg zu finden, schneller die Einigkeit zu erreichen. Früher wurde das Thema falsch behandelt. Meistens wurde über eine Koalition verhandelt, oder es gab immer Streit über die eingeladenen Person oder die einladende Person, oder darüber unter wessen Fahne und so weiter und sofort. Aber jetzt wollen wir gar keine Organisation bilden, wir beanspruchen nicht die Vertreterstellung und die Rede ist nicht über eine Koalition. Wir wollen nur sagen, dass es einige elementare Prinzipien gibt, über die die Mehrheit einstimmig ist; zum Beispiel, die Menschenrechte, die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, die Trennung von Religion und Staat voneinander, die Dezentralisierung und die territoriale Souveränität Irans.

Jedenfalls ist unsere Bemühung, auf der Basis eines gemeinsamen Nenners, eine politische Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Kräften, unter der Beibehaltung ihrer organisatorischen und ideologischen Unabhängigkeit, ins Rollen zu bringen, und nach dem Ziel dieses nationalen Rates, das einstimmig die Veranstaltung der freien Wahlen im Iran ist, eine Aufstellung der politischen Kräfte zu haben, die alle dieses Ziel verfolgen. Ehrlich gesagt und ohne abzuschweifen, können wir keinen gesunden Dialog mit denjenigen führen, die immer noch das Ziel verfolgen, dass dieses System reformierbar ist. Es gibt viele Reformisten von gestern, die endlich eingesehen haben, dass sich dieses System auf gar keinen Fall reformieren lässt und heute stimmen sie dem, was wir vorschlagen, zu. Das heißt, würde dieses System sich von innen heraus reformieren, wäre all das nicht notwendig. Aber, es muss außerhalb dieses Systems nach einer Alternative gesucht werden, letztendlich auf der Basis der freien Wahlen; und wir müssen zulassen, dass das iranische Volk seine Vertreter frei wählen kann, und uns damit beschäftigen, wie die nächste Staatsform aussehen soll, und wie soll sie säkular aufgebaut werden; eine Verfassung muss geschrieben werden; über die Regierungsform [zentral, dezentral] Debatten geführt werden (unterschiedliche Debatten von Föderalismus bis zu anderen Formen); über all das sollte in einer verfassunggebenden Versammlung entschieden werden.

Das Einzige, was ich persönlich und nicht als ein Sprecher diesen Freunden (alle Strömungen, die Nationale Front, die Demokratische Partei Kurdistans, die Costitutionelle Partei Irans {CPI}, linke sozialistische Gruppierungen, Republikaner usw.) gesagt und vorgeschlagen habe, ist, wenn wir prinzipiell nach diesen Punkten handeln, kann niemand eine bestimmte Regierungsform als eine Bedingung aufstellen, um in diese Gemeinschaft [der Nationalrat] einzutreten; weil es heute nicht unsere Entscheidung ist, sondern es muss bei den Wahlen bestimmt werden. Es gibt aber eine Reihe elementarer Punkte, die als eine Einheit akzeptiert werden können, und wenn alle sich damit einverstanden erklären, dann kann diese Versammlung [der Nationalrat] gegründet und geführt werden. Natürlich mit dem Wissen, dass nicht alle unbedingt in den Zug an der ersten Station einsteigen; wichtig ist, dass überhaupt ein Zug ins Rollen kommt; ich spreche darüber eher aus der Sicht der Menschen im Inneren des Landes.

Natürlich würde das Ganze ohne die Billigung und Unterstützung von Innen keine Legitimität haben; und wir werden auch nicht behaupten, dass wir die Legitimität dazu haben, ohne dass wir bei unserem Vorhaben und unseren Aktivitäten die Unterstützung von Innen hinter uns haben, aber andere Behauptungen aufstellen. Wichtig ist, dass die Welt und das iranische Volk wissen, es gibt einen Mechanismus, der die Forderungen der Opposition im Inneren gegen das Regime nach außen überträgt und im Ausland die Rolle einer Stütze übernimmt, damit sie [die Opposition im Inneren] sich durch diesen Mechanismus das Gehör verschaffen kann. Wichtiger ist, etwas Zentrales zu haben, indem über alle Ideen diskutiert werden kann; es muss eine Aufgabenverteilung geben, und unterschiedliche Komitees müssen allen Aktionen im Inland und auf der internationalen Ebene durch die Überwachung und Beteiligung der Gruppierungen, die alle das Abkommen unterschrieben haben, durchführen; und dieser Nationalrat muss die Aufgaben dieser Komitees aufeinander abstimmen.

DW: Welche Rolle beanspruchen Sie für sich in diesem Nationalrat der Opposition?

Rezâ Pahlavi: Ich habe diesen Freunden [wie oben genannt] gesagt, meine Absicht ist nur dazu beizutragen, um diese Versammlung zu gründen, und ich werde dabei alles tun und helfen, wo ich kann. Ich beanspruche für mich keine Rolle, aber wenn von mir verlangt wird, als der Sprecher dieser Versammlung zu agieren und ihr Programm vorzustellen, würde ich gern das übernehmen. Denn es ist mir nicht wichtig, welche Rolle ich habe, schaffe ich bei dieser Sache einen positiven Schritt zu machen, denke ich, ich habe dann meinen Dienst geleistet. Es ist genau das, was diese Freunde von mir erwarten, egal, welche ideologische Sicht sie vertreten; und ich denke, dass viele von ihnen zu diesem Ergebnis gekommen sind, es gibt nicht viele, die die außergewöhnliche Situation, die ich habe, besitzen, um diese Aufgabe übernehmen zu können; jemand, der als eine Person international bekannt ist und auch eine Gruppe vertreten kann, ohne eine bestimmte Ideologie oder Organisation zu symbolisieren.

DW: Sie sind immer gegen einen militärischen Angriff. Ist das Gerangel in der Region zum Vorteil der Menschenrechtsaktivitäten in Iran?

Rezâ Pahlavi: Nein, ich denke, je mehr Gerangel, desto mehr ist das iranische Volk das eigentliche Opfer. Ich sage ganz ernsthaft, ich mache mir wirklich große Sorgen um mein Land. Nicht, weil vielleicht Israel das Land attackiert, sondern weil die Kultur „Sunniten gegen Schiiten“ und „der Iran gegen die arabische Welt“ verbreitet wird, mit allen möglichen Wortgefechten; auch nicht weil schon wieder die Insel-Frage (Tonbe Bozorg, Tonbe Kucak und Abu Musâ) gestellt wird, sondern, das eigentliche Problem ist, wenn Sie mal in den Iran gehen, werden Sie sehen, dass „der IRAN“ langsam in Vergessenheit gerät und es wird langsam zu einem Problem namens Âzarbâyjân, Kordestân und so weiter und sofort, d. h., als ob das ganze Land in Richtung einer Zerteilung marschieren würde.

Es gab nie die Situation uns im wahrsten Sinne des Wortes Sorgen über die territoriale Souveränität unseres Landes zu machen, d. h., das iranische Volk hat nie selbst die Situation herbeigeführt. Irgendwann verlor das Land durch den Frieden von Turkmantschai [Qarâdâde Torkamâncây] einige Provinzen und Gebiete; oder sogar jetzt gibt die Islamische Republik freiwillig und einfach das Kaspische Meer ab. Leider hat die Islamische Republik, trotz all ihrer Aufgeblasenheit, selbst Situationen herbeigeführt, dass die Welt sich erlaubt zu sagen „Arabischer“ Golf und nicht „Persischer“ Golf (verzeihen Sie mir meine Ausdrucksweise). Aber, unser Problem ist nicht das, sondern es sind die Werte, die garantieren können, dass in Iran ein iranischer Bürger, egal ob Âzari, Baluc [Belutsch], Christ, Jude, Bahâi, Sunnite, Atheist, Heterosexueller, Homosexueller, Frau oder Mann, ein iranischer Bürger ist und zu diesem Land gehört; und im Moment sind sie alle ein Nichts in diesem Land! Außer denjenigen, die an das Regime gebunden sind und glauben. 90% des iranischen Volkes sind in jeglicher Form [wie oben erwähnt] außerhalb des Systems! Was soll daraus werden, dass ein schiitischer Ayatollah (Âyatollâh Borujerdi)im Gefängnis sitzt und gefoltert wird? Schauen Sie sich an, wohin das alles geführt hat!?

Das sind meine Sorgen als Iraner, und nicht die prozentuale Uran-Anreicherung der Islamischen Republik! Das ist der Punkt, warum ich mir große Sorgen um mein Land mache, und deswegen sage ich, dass das Problem frei von jeglicher Ideologie ist. Irgendwann werden wir endlich in der Zukunft unser Land befreien und die Staatsform wird entweder eine Republik sein oder eine parlamentarische Monarchie, und ich will auf gar keinen Fall Vermutungen stellen, was das Ergebnis sein wird, weil mir der Inhalt [Regierungsform] wichtig ist und nicht die Staatsform. Aber, Sie und ich wollen doch eines Tages als „Iraner“ in den Iran zurückkehren und da sollte der Streit eher um die Pläne und Projekte der Regierung geführt werden und es müssen Parteien gegründet werden. Einige haben sozialdemokratische Tendenzen, einige sind Liberaldemokraten und so weiter. Mit größter Wahrscheinlichkeit wird der Iran ein Mehrparteiensystem haben. In der Zukunft werden auch welche als Konstitutionalisten Mitglied einer anderen Partei werden, weil wir doch nicht jeden Tag die Staatsform zur Wahl stellen können! Ich habe schon meinen konstitutionalistischen Freunden gesagt: „Na gut, ihr wolltet die Monarchie, jetzt haben wir die Monarchie! Was dann?“, oder den Republikanern sage ich: „Stellt Euch mal vor, Ihr habt jetzt Eure Republik bekommen, was habt Ihr am nächsten Tag vor? Mit welchem Regierungsplan?“

Letztendlich sind heute die Freiheit, die Demokratie, die Menschenrechte unsere Prioritäten; auch die Priorität, dass unser Land nicht in Richtung einer Zersetzung und eines Bürgerkrieges marschiert. Angenommen es spielte Morgen ein auswegsloses Szenario und plötzlich würde ein Machtvakuum entstehen (Herr Khamenei ist ja krank und jeden Moment kann er sterben), oder es würde einen Putsch innerhalb des Regimes geben, wobei ein Teil der Revolutionsgarde an die Macht kommt und würde eine Art Diktatur wie von Hafis Assad werden; stellen Sie sich mal vor, die Frauen müssten nicht mehr den Hidjab und Tschador tragen, oder der Genuss von Alkohol würde erlaubt sein, das alles würde doch kein Problem in diesem Land lösen. Für einige Zeit können sie sich [die Machthaber] über Wasser halten, aber was dann? Warum so viel Aufwand und Verlust? Warum muss noch eine Generation zugrunde gehen? Würde überhaupt ein Iran existieren, um den wir, Sie und ich, streiten würden? Also, wo liegt die Priorität? Die Priorität liegt darin, dass wir selbst, das iranische Volk, uns mehr denn je organisieren und etwas tun! Wir können nicht unsere Hoffnungen auf die USA, Frankreich, Israel, China und Russland bauen.

Vor allem müssen wir lernen zu sagen, was wir wollen, wir müssen lernen richtig zu handeln, und wenn wir die Entschlossenheit zeigen, werden viele Probleme gelöst werden. Heute haben wir mit einem Volk zu tun, das geschwächt ist, unterdrückt ist, die Hoffnungslosigkeit und Depression wüten in diesem Land, wenn ich nicht die tausende Problemen nennen muss; man kann nicht davon reden, dass diese Menschen nicht geschädigt sind; aber sie halten sich irgendwie noch standhaft, mit der Hoffnung, dass alles sich ändert. Aus diesem Grund, ethisch und moralisch, muss jeder Iraner, dessen Herz wirklich für sein Land schlägt, es spielt keine Rolle, ob er dem linken, rechten oder republikanischen Lager gehört, die Priorität erkennen! Wir alle, nicht nur ich, wir alle müssen ferner an jede Ideologie und Glauben denken. Ich erwarte beispielsweise nicht von Ihnen, dass Sie Ihre Ideologie ablegen, oder mit einer anderen Gruppe koalieren, oder Ihre Organisation verlassen, nein, das will ich nicht, ich will nur zeigen, wo heute die Priorität liegt.

Heute ist die Priorität die Freiheit. Heute müssen wir als Erste dem iranischen Volk das Recht auf eigene Souveränität zurückgeben, sodass alles von Anfang bis zum Ende durch die Wahlurne entschieden wird, und wir besitzen nicht mal dieses Recht! Zuerst müssen wir uns damit beschäftigen und der internationalen Gemeinschaft sagen: „Ihr müsst auf eine Zukunft mit „dem iranischen Volk“ bauen, denn wir werden auf jeden Fall in der Zukunft frei sein“. Es liegt in der Natur der Geschichte und ist unweigerlich. Vielleicht würde ich es nicht mehr erleben, obwohl, ich denke eher schon, aber angenommen doch nicht, das würde keine Rolle spielen und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Eines Tages wird die internationale Gemeinschaft dem iranischen Volk Rede und Antwort stehen müssen! Und wir können auch nicht auf die Hilfe anderer bauen. Kein Volk hat ohne Aufwand die Freiheit bekommen; die Freiheit hat ihren Preis und sie muss bezahlt werden; deswegen sage ich, dass wir alle für diese Freiheit zahlen müssen. Natürlich können wir den Aufwand viel niedriger halten und schneller die Freiheit erreichen, wenn wir für diesen Zweck uns einigen und einstimmig werden, denn dann würden wir schneller an unserem Ziel ankommen. Auf der ganzen Welt ist es so, wie Sie schon gefragt haben, das ist eine berechtigte Kritik, die nicht nur wir Iraner, sondern auch die Ausländer ausüben, dass die Opposition unter sich zerstritten ist, dass es keine Einigung gibt. Handeln wir nicht richtig, dann sind wir selbst schuld und die Welt trifft keine Schuld! Die Welt ist doch nicht verliebt in uns! Wir dürfen nicht aus Gutgläubigkeit denken, dass die westliche Welt mehr an uns und unsere Vorteile denken muss, als an ihren eigenen Vorteil! Auf gar keinen Fall! Wären wir [Iraner] an ihrer Stelle, hätten wir vielleicht genauso gedacht. Aber, die Welt besteht nicht nur aus Schwarz und Weiß; und wir dürfen auch nicht sagen, dass wir nur aus unserer Sicht denken und alle anderen haben kein Recht darauf an ihren eigenen Vorteil zu denken.

Wichtig ist die Frage, wie können wir unsere besten Vorteile erreichen, ohne dass wir dabei die Vorteile anderer in Gefahr bringen? Wollen wir nach diesem Schema handeln, müssen wir die Einsicht erlangen und uns fragen, was können wir Iraner tun, das nicht nur zu unserem Vorteil ist, sondern der Welt zeigen, sie solle sich um die Veränderungen in Iran keine Sorgen machen; denn der Iran ist nicht Ägypten, der Iran ist nicht Syrien, der Iran ist nicht Libyen, der Iran ist nicht wie die anderen Länder, die erst jetzt in den Tunnel hineinfahren, und ihr sagt, „was ist wenn die Muslimbrüder die Wahl gewinnen, was wird daraus werden?“ Nein, wir büßen schon seit 33 Jahren unter einem religiösen Regime, und wir wissen, wo das große Problem liegt; denn dieses Regime behauptet, wer von Säkularismus spricht, der ist gegen die Religion; nein, überhaupt nicht! Wir sind nicht gegen den Glauben anderer. Der Glaube und die Religion sind eine private Sache. Es ist das Recht jedes Menschen, ob er einen Glauben [eine Religion] hat oder nicht; wir sind absolut gegen keine Religion, wir sind gegen eine religiöse Herrschaft.

Wir wollen eine Regierungsform, bei der die Rechte aller Bürger garantiert sind und die Menschenrechte eingehalten werden; und darüber ist letztendlich das iranische Volk dasjenige, das entscheidet; denn wir können dem Volk nichts aufzwingen. Das ist die Forderung, die wir anstreben müssen und ich denke, dass wir uns selbst als „das iranische Volk“ darum kümmern müssen, und das selbst in die Hand nehmen, bevor alles zu spät ist, und andererseits der Welt zeigen und sagen, „es ist auch Eure ethische, moralische, ja sogar gesetzliche Pflicht, diese Forderungen zu unterstützen; denn Ihr seid die Mitglieder der Vereinten Nationen, Ihr könnt diesem Problem gegenüber nicht gleichgültig sein und handeln“, und das ist eine echte Prüfung, um zu wissen, welche Regierungen und welche Länder dieses Problem ernst nehmen.

DW: Die iranische Opposition besteht auch darauf, dass das Menschenrechtsproblem wichtiger sei als der Atomstreit. Wie kann auch die internationale Gemeinschaft davon überzeugt werden?

Rezâ Pahlavi: Nehmen Sie mal an, der Iran wäre damals [vor der Revolution], natürlich war das nicht das Ziel, ein Land, das die Atomtechnik erlangt hätte; dann hätte auch Israel kein Problem mit dem Iran von damals; weil Israel die Sicherheit hätte. Das Problem der internationalen Gemeinschaft mit diesem Regime besteht im Fehlen der Klarheit und Sicherheit. Übrigens, ich bin nicht für die Atomtechnologie, auch wenn sie nun unmilitärisch ist, geschweige denn militärisch; die Gründe dafür kann ich Ihnen auch nennen, aber sie würden den Rahmen dieses Interviews sprengen; es ist aber ein kompliziertes Thema, warum ich der Meinung bin, dass aufgrund unserer nationalen Vorteile die Atomtechnologie nicht zum Vorteil unseres Landes sein kann.

Ich nenne Ihnen einige Gründe; als Erstes, ist, meines Erachtens, Iran ein Land, das auf natürliche Weise in der Region, wegen der strategischen Lage, des Vorhandenseins der natürlichen und menschlichen Ressourcen, den natürlichen Vorteil seiner Nachbarländern gegenüber besitzt; alle Nachbarn, sogar die Türkei. Warum sollten wir durch die Atomisierung, aus militärischer Sicht, diese natürlichen Vorzüge verlieren wollen, wenn alle andere sie nicht besitzen. Denn Saudi Arabien, Ägypten und andere Länder würden auch danach streben [Atomtechnologie], um mit uns mithalten zu können, dann würden wir diese natürlichen Vorzüge verlieren. Zweitens, als die Welt sich noch im Kalten Krieg befand, in dieser Welt der Zweimächte, fing Iran unter der Herrschaft meines Vaters an, am Ende der 60ger, mit dem Atomprogramm; einige der Spezialisten fragten meinen Vater: „Wir wissen, dass Pakistan auch damit angefangen hat, sollen wir das auch bei unserer Planung berücksichtigen?“ Die Logik meines Vaters war dann: „Was nutzt uns das? Angenommen würden wir auch [dadurch] ein paar Raketen [mit Atomsprengkopf] besitzen, wir sind doch nicht in der Lage es mit ein paar Tausend Raketen der Sowjetunion aufzunehmen!“ Damals war die Sowjetunion unsere größte Bedrohung. Alle Iraner wissen, dass wir Saddam Hussein auf die unatomare Weise in Schach halten konnten, sodass er sogar das Abkommen von Algier im Jahr 1975 unterzeichnete; bis zur Zeit der Revolution konnte das, was als Gefahr für den Iran bezeichnet wurde, noch unter Kontrolle gehalten werden, bis dieses Regime [die Mullah-Herrschaft] an die Macht kam.

Kaschmir ist der eigentliche Streitpunkt zwischen Pakistan und Indien und hatte mit dem Iran nichts zu tun; Israel war ja auch nie eine Bedrohung für den Iran, dass wir sagen, „weil Israel die Atombombe hat, müssen wir auch diese besitzen!“ Drittens, ich denke nicht, dass ich als Iraner nachts besser schlafe, wenn ich weiß, dass wahrscheinlich die Hälfte der Länder in der Region, die meistens undemokratisch sind, eine Rakete in meine Richtung zielen; ich würde doch keinen ruhigen Schlaf haben, wenn ich weiß, dass vielleicht diese Länder auch nur eine einzige Rakete besitzen! Viertens, sind die Versorgung und die Wartung von Atomenergietechnik enorm kostspielig und ihre Wartung und Betreibung sind für Länder wie unseres nicht rechtfertigend. Letzten Endes bin ich der Meinung, dass ein demokratischer Iran in der Region für eine stabile Basis sorgen würde, durch die eine vernünftige und gerechte Lösung für beiden Seite des Streites (ich meine die Palästinenser und Israelis) erreicht werden könnte; um einen wirklichen und dauerhaften Frieden in der Region zu erlangen, könnte auf der Basis des vorgeschlagenen Friedensvorschlags vom saudi-arabischem König Abdullah, der damals der Kronprinz war, gebaut werden; die Mehrheit der Welt akzeptierte diesen Friedensvorschlag, darunter auch Israel, das mit einigen Punkten einverstanden war; aber unter den heutigen Bedingungen kann Israel das nicht durchführen. Schließlich könnten wir den Frieden erreichen und die Lage in der Region so ändern, dass wir eher eine strategische Zusammenarbeit haben, militärisch und unmilitärisch, sodass die gesamten Kosten für alle Länder der Region, darunter auch Iran, reduziert werden, und anstatt für militärische Institutionen und Ausrüstungen zu zahlen, woanders die Kosten übernommen werden, wo es einen Mangel gibt; wie zum Beispiel die soziale Gerechtigkeit, die Lage und Situation der Arbeiter, verschiedenen Vorsorgen und Versorgungen.

Und der letzte Grund, warum ich persönlich mit der Atomenergie ein Problem habe, nicht aus militärischer Sicht gesehen, ist, dass es eine bewiesene Tatsache ist, dass die Atomenergie sehr schwer zu kontrollieren ist; besonders wenn die Technologie, die jetzt der Iran besitzt, die Sorte von Tschernobyl ist! Der Iran ist ein Erdbebenland mit sehr hoher Bevölkerung und die Erreichbarkeit des Wassers in den Regionen mit wenig Bevölkerung ist schwieriger und passt überhaupt nicht zusammen. Jetzt könnte die Frage gestellt werden, warum hatte man denn damals [vor der Revolution] damit angefangen? Vielleicht war der Grund dafür, dass wir damals im Erdöl nicht nur eine Sorte „Verbrennungsmaterial“ gesehen hatten [der Schah wollte das Erdöl im eigenen Land verarbeiten und die Erzeugnisse exportieren]. Aus diesem Grund hatte auch der Iran damals den Atomwaffensperrvertrag (NPT) unterzeichnet; und mit der Nutzung des Reaktors in der Stadt Buschehr [Bušehr] sollte in den Jahren 1981 oder 82 begonnen werden, das heißt, vor ca. 30 Jahren, und bis heute nach sehr hohem Kosten, können wir nicht mal 1 Megawatt Strom durch die Atomenergie produzieren!

Sicherlich ist dieses Thema eher abweichend, aber dennoch wichtig zu erwähnen. Denn damit Populismus zu betreiben und zu versuchen, mit dem nationalen Stolz zu spielen, ist ein Spiel mit den Gefühlen und ohne jegliche Logik; dieses Spiel wird die Welt in die Irre führen und sie würde denken, die Atom-Geschichte wäre für uns Iraner eine Ehrensache. [Das Mullah-Regime versucht ständig und durch Propagandaparolen das in die Köpfe der Iraner zu pflanzen, dass die Atom-Energie „das gute Recht der Iraner sei“] Wenn Sie mit den Iranern, die in Iran irgendwie sich ein Gehör verschaffen, sprechen würden, würden sie sagen, „unsere Probleme liegen woanders, unser Problem ist nicht die Atom-Technologie und die Uran-Anreicherung. Wir haben enorme Massenarbeitslosigkeit, eine Menge Betriebe und Produktionsstätten sind geschlossen, Unmengen von Produkten aus China haben unsere Märkte für sich monopolisiert, unsere gesamte Industrie und Produktion ist dadurch vernichtet. Schaut her, was die Russen uns im Moment antun?“ Wir dürfen nicht vergessen, dass das iranische Volk sehr schlau ist! Als das Regime [bei seinen Demonstrationen und Veranstaltungen] vom Volk verlangte, es soll die Parole „Nieder mit den USA“ geben, schrie das Volk: „Nieder mit China“; oder als es verlangt wurde zu sagen: „Nieder mit Israel“, schrie es: „Nieder mit Russland“. Das Volk hat das erkannt und begriffen; aus dem Grund denke ich, dass wir die Rhetorik des Regimes hinter uns lassen müssen und es auch klar und deutlich der Welt verkünden; ich denke, die Israelis wissen, dass „Iran“ keine Gefahr darstellt, die Gefahr ist das Regime der Islamischen Republik! Niemand anderer ist der Feind des iranischen Volkes, das Problem ist das herrschende Regime und nicht das iranische Volk.

Jedenfalls sind diese genannten Punkte, meines Erachtens, die eigentlichen Probleme. Die Gespräche in Bagdad waren auch fruchtlos, so wie ich darüber erfahren habe. Es überrascht mich nicht! Das grundlegende Problem besteht darin, die Welt erkennt es immer noch nicht, dass mit diesem System, nach den herkömmlichen Normen dieser Welt, die eine Reihe von Erwartungen und Werte sind, kein Zusammenleben möglich ist. Ehrlich gesagt, besteht die Feindseligkeit dieses Regimes der freien Welt gegenüber nicht darin, dass es vielleicht die Visage eines Amerikaners nicht ertragen kann, nein, die Feindseligkeit beseht darin, dass dieses Regime alle festgelegte Normen wie Menschenrechte, Freiheit und so weiter nicht für relevant hält und sie akzeptiert; die Existenz des Regimes ist abhängig vom Fehlen dieser Normen. Wie kann dieses Regime mit der Welt zusammenleben? Angenommen, das Regime hört schon Morgen mit seiner Uran-Anreicherung auf, würde auch seinen Terrorismus aufhören zu existieren? Würde sein Terrorismus ein Ende haben, würde es nicht seine Ideologie in die Welt exportieren? Egal, wie Sie dieses Regime in Schach halten wollen, muss es irgendwie anders für Unruhe sorgen; denn seine Existenz ist abhängig vom Export und der Verbreitung seiner Ideologie und würde es nicht mehr tun, würde es seinen Tod bedeuten. In Iran hat dieses Regime schon längst verloren, und jetzt kämpft es gegen Euch (Ausland), und die Welt denkt anscheinend, es seien nur unsere (Iraner) Probleme!

Zu guter Letzt, das sind die Themen und Probleme, über die die Welt mehr wissen und unterrichtet werden muss; aber größtenteils ist alles abhängig davon, wie die Iraner sich organisieren und auf der anderen Seite, wie die Freiheitskräfte mehr in diese Richtung [Einigung] schreiten; denn würden sie sich nicht einigen können, dann haben sie nichts für ihr Land getan, und damit geben sie der Welt den Vorwand zu sagen: „Es gibt keine andere Lösung und wir sind gezwungen, entweder mit diesem Regime zusammenzuleben oder geheime Abkommen zu treffen und weiterhin Handel zu betreiben“.

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16 Gedanken zu „Das Interview der Deutschen Welle mit dem Kronprinzen Rezâ Pahlavi (2)

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  2. Hört sich ja sehr vielversprechend an. Nur dass natürlich gut analysierte Probleme noch längst keine gelösten Probleme sind. Und es gibt ja auch noch mehr, als das hier angesprochene, z. B. wie mit der Scheinopposition zu verfahren ist. Jedenfalls spricht er sich in vielen Punkten für eine mir ausgesprochen angenehm erscheinede, umsichtige und durchdachte Herangehensweise aus.
    Ich wünsche ihm den besten Erfolg.

    • Werter Jockel, er hat doch im Interview gesagt, dass er und andere „echte“ Opposition schon mit der Scheinopposition keinen Dialog führen! Nur die westliche Welt führt mit solchen Scheinoppositionen Verhandlungen und macht die groß in den Pressen und Medien, damit die Europäer glauben, sie sind die Vertreter des Volkes hier!

      • Er fordert vom Ausland, Stütze der Opposition zu sein, also muss auch das Ausland in die Lage versetzt werden, die Böcke von den Schafen trennen zu können.

          • Es muss klar sein, dass ein Light-Islam keine Mehrheit fände, und deshalb (zum eigenen Vorteil) dorthin keine Hoffnungen gesetzt werden sollten.

            Es kann dagegen kaum klar gemacht werden, dass ein Light-Islam für den Iran ebenso verwerflich ist, und deshalb vom Westen verhindert werden müsste. Hierfür fehlt uns ja auch im eigenen Land die Einsicht.

            Es ist für uns auch nicht erkennbar, welche Oppositionellen verdeckt mit dem Regime verbandelt sind.

            • ’schulligung Jockel,
              das siehst Du meiner Meinung nach etwas zu negativ.

              Es ist für uns auch nicht erkennbar, welche Oppositionellen verdeckt mit dem Regime verbandelt sind.

              Jeder Mensch, der sich auch nur halbwegs informiert, weiß sehr schnell, mit wem er redet. Auch und grad bei „uns“ in Deutschland und Europa. Viele wollen es nicht sehen, um sich ihre Lebenslüge von der angeblich sozialverträglichen Politik nicht eingestehen zu müssen.

            • An Zuhause:
              Ja, mit Glück hab ich raus gekriegt, dass du ein Deutscher bist.
              Nur bei den anderen, evtl. erst noch auftretenden Oppositionsgruppen innerhalb des Nationalrates wird das nicht so einfach sein.
              Was mitschwingt, ist die Frage, ob wir nicht können oder nicht wollen und das ist auch ein bischen eine Schuldfrage: An wem es liegt, dass es so schlecht weiter geht. Dass der Westen hier die Pflicht der Mithilfe hat, dürfte nach dem Interview des Prinzen nicht mehr fraglich sein.

              Die Auffassung, dass dieses ‚Unterscheiden‘ als Aufgabe von Iranern zu sehen wäre, scheidet glaube ich auch ziemlich schnell aus. Es würde die beklagte Zerstrittenheit unter den Oppositionsgruppen nur intensivieren und verlängern.

              Aber zu diesem Thema habe ich seit heute morgen zwei weitere Erkenntnisse:

              Erstens glaube ich, dass man das Vorhandensein von ‚üblen‘ Gruppierungen zunächst noch aushalten sollte, und man dies auch aushalten kann. Andernfalls würde man auch – eben weil die perfekten chirurgischen Eingriffe nicht möglich sind – auch die erwünschte Opposition beschädigen. Hierauf kam ich in Erinnerung des Gleichnisses Jesu ‚vom Unkraut unter dem Weizen‘. Dort fragten die Jünger Jesus, ob sie das vom Feind gesäte Unkraut unter dem Weizen nicht schon so früh wie möglich ausreißen sollten. Die Antwort war: Nein.

              Auf den zweiten Punkt kam ich beim Nachlesen (Matthäus 13, 24-30), den Vers 30 gebe ich mal mit meinen Worten wieder:
              „Um die Zeit der Ernte herum: Sammelt das Unkraut zuerst, bindet es zunächst in Bündeln und verbrennt es später, aber den guten Weizen führt seiner Bestimmung zu: In die Scheune.“
              Übertragen erkenne ich Empfehlenswertes:
              „Um die Zeit der Wahl herum: Nehmt die Beweissicherung auf, gegen alle Scharlatane, die schlimm kriminell gehandelt haben, um ihnen später den Prozess machen zu können, aber die gute (jetzt noch) Opposition führt zu ihrer Bestimmung: Ins Parlament bzw. an die Macht.“

              Ich war zuerst überrascht, dass mit dem Unkraut angefangen werden sollte (weil ja auch mein Bibelwissen regelmäßig verblasst), aber, wenn ich nach Ägypten schaue um so mehr beeindruckt: Dort wurde nur Mubarak der Prozess gemacht, alle anderen gingen leer aus.

              Anmerken muss ich an dieser Stelle:
              Ich mag keine willkürliche Schnelldeuterei mit Bibeltexten, die man macht, wie es einem gerade passt, und dann noch anderen verbindlich auflegen will. Ein Erkennen muss immer persönlich und freiwillig geschehen, am besten, man verbindet es mit möglichst allen anderen Überlegungen und Erkenntnissen, die man hat, und zwar nicht nur aus der Bibel.

  3. „…Jedenfalls ist unsere Bemühung, auf der Basis eines gemeinsamen Nenners, eine politische Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Kräften, unter der Beibehaltung ihrer organisatorischen und ideologischen Unabhängigkeit, ins Rollen zu bringen, und nach dem Ziel dieses nationalen Rates, das einstimmig die Veranstaltung der freien Wahlen im Iran ist, eine Aufstellung der politischen Kräfte zu haben, die alle dieses Ziel verfolgen.

    Eine gute und idealistische Zielvorgabe, die sich noch konkret anhört, die in die Forderung nach freien Wahlen gipfelt. Dieses allgemeine Einüben demokratischer Richtlinien und Modelle muss aber doch erst einmal offensichtlich in der zerstrittenen Opposition wieder neu gelernt werden. Ideologien müssen entkleidet werden. Denkverbote darf es nicht geben. Aus einer großen Diskussion soll dann das Zentrale, die Verfassung mit ihren Organen erwachsen.

    „…Wichtiger ist, etwas Zentrales zu haben, indem über alle Ideen diskutiert werden kann; es muss eine Aufgabenverteilung geben, und unterschiedliche Komitees müssen allen Aktionen im Inland und auf der internationalen Ebene durch die Überwachung und Beteiligung der Gruppierungen, die alle das Abkommen unterschrieben haben, durchführen; und dieser Nationalrat muss die Aufgaben dieser Komitees aufeinander abstimmen.“

    Ohne Zweifel ist beim Prinzen bester Wille vorhanden und seine Motive sind ehrenvoll und auch begrüßenswert.

    Mir fehlt jedoch das Konkrete in dieser überaus schwierigen Situation. DAs Schwierigste, so meine ich, klingt durch, dass die regimekritischen Kräfte vereinigt und auf den gemeinsamen Mindestnenner gebracht werden sollten basierend auf den allgemeinen Menschenrechten. 90 % des iranischen Volkes sind außerhalb des Systems, sagt der Prinz. Wenn das so ist, müssten diese 90 % doch etwas gegen dieses REgime unternehmen können. Es wird nicht getan aus Angst vor Repressalien dieses Systemmachthaber.

    Allerdings zerstreut er meine Bedenken im Hinblick auf die Fähigkeit des iranischen Volkes, dieses Regime stürzen zu können, nicht wirklich. Diese 90 % müssten somit als Opposition unter einen Hut gebracht werden. DAs sind bei ca. 80 Mio Bürgern ca. 72 Mio Bürger in unterschiedlichster Zusammensetzung. Rechnen wir dann noch die Oppositionellen ab, die meinen, das Regimesystem erneuern zu können, denen der Prinz letztlich eine Absage wegen Erfolglosigkeitsaussicht (völlig Recht hat er hier) und veranschlagen wir diese mit weiteren 10 %, sind wir bei 64 Mio.

    Die westlichen Medien sind nur auf Atom-Frage aus und das iranische Volk taucht in solchen Artikeln nicht als irgendeine oppositionelle Größe auf. Hilfe in Sachen Meinungsumschwung hin zum iranischen Volk ist hier nicht gegeben. Die inneren Schwierigkeiten sind einfach kein Thema, obwohl diese aufgrund des unseligen Wirkens des Regimes unübersehbar groß sind.

    Letztlich bleibt der Prinz jedoch unkonkret, weil er selbst wahrscheinlich nicht weiß, wie ein diktatorisches Regime von Islamisten, die jedes freie Denken im Keim ersticken wollen, ihr eigenes Volk trotz Ölreichtums in Armut und Not gestürzt hat, wie die werten Blogbetreiber selbst vor nicht allzu langer Zeit selbst geschrieben haben:

    Die Frage, die man sich ständig stellen muss und sich im Kopf einnistet, ist, wo wäre Iran heute, wenn es keine islamische Revolution gegeben hätte? Warum verbreiten selbsternannte Nahost Experten wie Herr Wisnewski nur Lügen über unser Land und den Menschen? In Iran haben wir allein 7 Mio. Drogenabhängige, die aus der Perspektivlosigkeit des islamischen Staates heraus entstanden sind. Wir haben eine Unmenge von Strassenkindern und Kinderprostitution, in denen reiche saudische Beduinen iranische minderjährige Mädchen zum abartigen Sex missbrauchen, es ist ein regelrechter Sextourismus entstanden. Herr Wisnewski, wir von Pârse und Pârse werden Sie jetzt eines besseren belehren. Jemand wie Sie sollte nicht über Iran schreiben, Sie haben keine Ahnung, was dort vor sich geht. Wussten Sie nicht, dass in einer durchschnittlichen iranischen Familie die Menschen zwei Jobs ausüben müssen und auch die Frauen arbeiten müssen, um sich zum Brot noch ein paar Reiskörner leisten zu können? Warum zeigen Sie nicht die Wirklichkeit?

    Dieses „in Armut stürzen“ ist diesem Regime jedoch offensichtlich ein Anliegen. Arme Menschen können sich nicht so gut wehren. Sie sind mit ureigenen und permanenten Existenzaufrechterhaltungsmaßnahmen beschäftigt. Wer Armut im Sinne von Existenzangst, die wir uns hier im noch reichen Deutschland gar nicht mehr vorstellen können, zu erleiden hat, hat keine politischen Ambitionen. Der muss sehen, dass er den nächsten Tag überlebt. Das ist der politische Wille dieses Systems. In einem armen und abhängigen Volk kann sich sich so ein Regime, welches ein Unterwerfungsgehorsamsprinzip vertritt und verlangt, wie ein Eitergeschwür bilden und halten und sich immer weiter aufblähen. Dieses Eitergeschwür diktiert den Körper (das iranische Volk). Welche Diagnose und welche Therapie stellt da der Arzt, hier der Prinz? Geht es mit homopathischen Mitteln, mit der härteren medizinischen Gangart „Antibiotika“ oder muss dieses Geschwür operativ entfernt werden?

    Der Prinz bevorzugt die homopathischen Mittel, höchstens Antibiotika ohne zu wissen, ob diese Medikationen gegen dieses üble Geschwür überhaupt noch anschlägt. Das Immunsystem des Regimes scheint gegen diese Behandlungsmethoden resistent. Das Immunsystem des Regimes ist mit dem Virus „religiöse Gewaltrechtfertigung“ infiziert und dieser Virus ist extrem resistent gegen alle demokratischen, die allgemeinen Menschenrechte zugrundelegenden Angreifermedikamente.

    Wie gesagt: Ein ehrenvoller Mensch, bis auf die Knochen ehrlich und respektabel ist dieser Prinz. Es wäre ihm wirklich zu wünschen, dieses Regime mit friedlichen Mitteln aus dem Sattel heben zu können. Die Frage bleibt: Ist das iranische Volk in einer Notwehrsitution gegenüber dem Regime? Die meisten „arabischen Lenze“ in der Region wurden blutig geführt. Syrien ist jetzt dran. Wie die Hilfe des Westens aussieht, sehen wir ja gerade.

    Eine Frage an die werten Blogbetreiber:
    Wie werden denn Oppositionelle, die offen gegen das Regime verbal antreten behandelt? Ich schätze, dass diese armen Mutigen dem Galgen oder der Zelle zum Opfer fallen. Wie in dieser Situtation im Inneren eine Opposition gebildet werden kann, bleibt mir ein Rätsel, höchstens im Geheimen. Falls die Opposition öffentlich agieren kann, was ich nicht glaube, da ja viele Iraner geflüchtet sind aus dem Land, eben weil sie keine Oppositionsarbeit betreiben können, wäre das Regime doch schon lange weg vom Fenster, oder? Wie will der Prinz dann von außen mit demokratischen Werten, die den allgemeinen MEnschenrechten dienen, in einem religionsdiktatorischen Land friedlich punkten?

    Artikel aus Handelsblatt:
    Stille Proteste treffen auf Gewalt und Tod
    12.06.2011, 22:24 Uhr

    Zum Jahrestag der umstrittenen Präsidentenwahl im Iran hatte die Opposition zu stillen Protesten aufgerufen. Dabei soll es zu Gewalt und Festnahmen gekommen sein. Unterdessen starb ein inhaftierter Dissident.

    Teheran/BerlinIranische Sicherheitskräfte sind nach Darstellung von Oppositionellen in der Hauptstadt Teheran mit Gewalt gegen Demonstranten vorgegangen. Dabei seien auch Elektro-Schocker eingesetzt worden, berichtete die Internet-Seite Sahamnews am Sonntag. Der Seite Kaleme zufolge wurden Hunderte Demonstranten festgenommen.

    Oppositionelle Internetseiten hatten zum Jahrestag der umstrittenen Präsidentenwahl 2009 zu stillen Protesten aufgerufen. Laut Oppositions-Websites folgte eine große Menge dem Appell. Gleichzeitig seien zahlreiche Polizisten und Sicherheitskräfte aufmarschiert. Augenzeugen berichteten, Angehörige der berüchtigten Basidsch-Milizen seien mit Stöcken bewaffnet gewesen.

    Die Opposition wirft der Regierung vor, die Wahl gefälscht zu haben, um den Sieg von Präsident Mahmud Ahmadinedschad sicherzustellen. Die Regierung hat die Wahl dagegen als die beste seit der Revolution von 1979 bezeichnet. Die beiden Gegenkandidaten Ahmadinedschads stehen seit Februar dieses Jahres unter Hausarrest.

    Unterdessen starb ein seit der Wiederwahl Ahmadinedschads inhaftierter Dissident nach einem Hungerstreik. Der Journalist Resa Hoda Saber habe einen Herzinfarkt erlitten, berichtete die iranische Agentur ISNA.

    Der 54-Jährige hatte seinen Hungerstreik vor zehn Tagen im Evin-Gefängis von Teheran begonnen, um gegen den ungeklärten Tod der Dissidentin Haleh Sahabi zu protestieren. Sie war Anfang Juni bei der Beerdigung ihres Vaters, des Oppositionellen Esatollah Sahabi, ums Leben gekommen. In Oppositionskreisen hieß es nach einem Bericht der britischen BBC, sie sei von Polizisten geschlagen worden.

    Esatollah Sahabi war im Alter von 81 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Er war in den 1970er Jahren ein Mitbegründer der liberalen Freiheitsbewegung FMI. Mehrfach wurde er inhaftiert, insgesamt verbrachte Sahabi 15 Jahre hinter Gittern.

    Ahmadinedschad hatte sich bei den Wahlen am 12. Juni 2009 nach offiziellen Angaben klar gegen den gemäßigten Kandidaten Mir Hussein Mussawi durchgesetzt. Die Opposition sprach dagegen von Wahlfälschung.

    Bei den monatelangen Protesten, die von den Sicherheitskräften niedergeknüppelt wurden, starben zwischen 30 und 80 Menschen. Tausende Demonstranten wurden festgenommen. Die Gerichte verurteilten über 100 Oppositionsanhänger zu langjährigen Gefängnisstrafen, zudem wurden acht Dissidenten zum Tod verurteilt. Mussawi steht seit Februar unter strengem Hausarrest.

    Soweit der Artikel.
    Welche psychischen Auswirkungen dieses Verhalten des Regimes auf einen Großteil der Bevölkerung hat, ist absehbar und verständlich. Poltitsche Ambitionen werden so im Keim erstickt.

    Selbst bei stillen Protesten wird der Knüppel aus dem Sack gelassen und Wahlfälschung betrieben. Diesem Regime ist m. E. mit demokratischen Mitteln leider, leider, leider nicht beizukommen. Ich wünsche dem Prinz alles erdenklich Gute.

    Wie gesagt, nicht dass ich falsch verstanden werde. Ich rufe nicht nach und wünsche mir keinerlei Waffengewalt oder Gewalt überhaupt. Ich wäre sehr erfreut, wenn der Plan des Prinzen aufgehen würde. Aber ich bin Realist genug, da echte Zweifel anzumelden.

  4. Ich vestehe nicht wie man einem Mann wie Mohammed nachfolgen kann, und ich kann es nicht verstehen, warum es im Iran überhaupt noch jemanden gibt der den Islam verteidig (bis auf die Mullahs und den Helfershelfern).

    Haben denn die Iraner vergessen, was die Araber bei der Eroberung Persiens alles angerichtet haben?

    • Du, wenn Du diese Frage einen Deutschen stellst, der zum Islam konvertiert ist, und er Dir die Antwort gibt, er möchte, will und das ist seine freie Wahl und sein gutes Recht, auch wenn Du und ich nach unserer Erfahrung mit dem Islam ausgetreten sind, dann kannst Du es auch verstehen, warum es noch Iraner gibt, die diese Religion haben! Vergiss bitte nicht, dass wir 1432 Jahre darunter gelitten haben und es sind unzählige Generationen gewesen, und die permanente Gehirnwäsche! Es wird daher mindestens zwei oder drei Generationen dauern, bis man sagt, im Iran gibt es nur ein paar tausend Muslimen! Alles braucht Zeit, und vielleicht werden wir, Du und ich, diese Zeit nicht mehr erleben. Glaube Du an das Gute und das Positive und handle danach.

        • Âfarin bar to! Kâmrân jân, die Amerikaner sind dermaßen religiös und haben etliche Kirchen und Richtungen und gehen meisten der Amerikaner wirklich Sonntags zur Kirche! Das, was die Christen, egal ob Katholiken oder Protestanten, in Deutschland nicht tun! Aber, genau diese Amerikaner wollen keine religiöse Macht haben, es heißt nicht, wenn sie religiös sind, wollen sie auch eine Regierung haben, die die Religion und Staat nicht voneinander trennt!

          Die Aufklärung ist im Gange, enorm sogar, im Iran sind die Menschen wirklich wach gerüttelt, sogar die, die sich Muslimen nennen und nie diese Mullahs wollen und akzeptieren, leiden darunter und sagen, dass die Religion eine absolut private Sache ist; das beste Beispiel ist doch dieser Âyatollâh Borujerdi, der absolut gegen Velâyate Faqih und eine religiöse Herrschaft ist und dafür büßt er schon seit Jahren unter unmenschlichen Umständen und sein Vater wurde sogar ermordet!

  5. Pingback: Iran: Segunda parte de la entrevista con Reza Pahlavi, el Príncipe heredero de la Corona « NUEVA EUROPA- Nueva Eurabia

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