Nicht alle Iraner sind Kameltreiber, Hinterwäldler und Dorftrottel

Ein ernstes Wort von  Ardašir Pârse

Pârse & Pârse – Leider stellen wir immer wieder fest mit welcher Arroganz manche Kommentatoren davon ausgehen, dass wir Iraner nichts zu Wege bringen können und höchstens wie Affen kopieren können. Sie glauben wohl die einzigen Fähigkeiten der Iraner in einem Kameltreiber zu sehen, ganz abgesehen davon, dass Aussagen, die in diese Richtung gehen rassistisch, größenwahnsinnig und auch unwahr sind. Wir haben viele kluge Köpfe in Iran und außerhalb Irans. Viele kluge und namhafte Frauen und Männer  mit iranischen Wurzeln arbeiten heute in den USA, in Australien, in Kanada und in Großbritannien oder sonst wo auf der Welt in hohen Positionen und sind durchaus beteiligt an grossen Neuerungen in Technologie und Wissenschaft.

Was ist mit Iranern wie Dr. Hossein Eslambolchi [دکتر حسین اسلامبولچی], der Cheftechnologe, des US-amerikanischen Telekommunikationskonzerns AT&T, der über 1.000 Patente entwickelte und Preise erhielt, wie Präsident Obamas Wissenschafts- und Technologiepreis 2009? In den Fachzeitschriften ist er in aller Munde und wurde „Inventor of the Year“ in der New Jersey Inventors Hall of Fame im Jahre 2001. Was ist denn mit der Iranerin Frau Maria Khorsand [ماریا خرسند]? In Schweden ist sie die Mutter und Seele der IT Technologie und Bluetooth und nur unter ihrer Aufsicht und Mitarbeit konnte Bluetooth überhaupt entwickelt werden. Schauen wir uns den Iraner Farzad Nazem [فرزاد ناظم] an, 11 Jahre lang Chef-Technologe bei Yahoo, sein Privatvermögen wird auf 300.000.000 USD geschätzt, er steht auf den Plätzen der reichsten Iraner auf Platz 14. Was ist mit dem Gründer von e-Bay, auch ein Iraner, Pierre Omidyar [پی یر امیدیار]? Heute ist er mehrfacher Milliardär. Und was ist mit dem Iraner Omid Kordestani [امید کردستانی], dem Mitbegründer von Google? Sein Privatvermögen wird auf 1,3 Milliarden USD geschätzt, er ist einer der reichsten Einwohner Nord-Kaliforniens. Was ist mit dem preisgekrönten Direktor für Solarsysteme der NASA, Dr. Firouz Naderi [فیروز نادری]? Er ist auch verantwortlich für die langfristige strategische Planung, Koordination der Untersuchungen, Akquisition neuer Missionen und Entwicklung von Projekten im frühen Lebenszyklus bei der NASA, auch er erhielt mehrere Auszeichnungen und Ehrungen. Und was ist mit Professor Tofy Mussivand [توفی موسیوند], ein weltberühmter Kardiologe und Ingenieur in Kanada? Er schrieb über 250 Schriften und Bücher, entwickelte medizinische Ausrüstung und ist Direktor der Kardiovaskulären Abteilung der Universität Ottawa, im Herzinstitut (UOHI). Unter anderem ist er auch Ehrenmitglied der iranischen Akademie für medizinische Studien. Was ist mit dem Iraner Professor Lotfi Zadeh (Lotfali Askar-Zadeh) [لطفعلی عسکرزاده]? Mathematiker, Informatiker und Elektroingenieur und Professor für Computerwissenschaften der Universität Kalifornien, er war der Begründer der Fuzzylogik. Schon 1966 war er Sprecher auf dem Internationalen Mathematikkongress in Moskau. Was ist mit dem iranischen Wissenschaftler Dr. Abbas Farzaneh [دکتر عباس فرزانه], Diplomchemiker und Diplommineraloge und langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter in Lehre und Forschung an der Ludwig Maximilians Universität München,  der bahnbrechende Forschungsergebnisse im Bereich der Mineralogie und Kristallographie  im Fresenius‘ Journal of Analytical Chemistry  unter dem Titel Rapid determination of boron traces in silicate materials veröffentlicht hat und einige Patente entwickelt hat, wie jenes im Jahre 1971: Die Erfindung zur Modifizierung der Polyurethane für Adhäsionszwecke mit anschließender Patenterteillung in 15 europäischen und außereuropäischen Ländern? Wir könnten die Liste noch ewig fortsetzen, um dieser unerträglichen Arroganz etwas entgegenzusetzen.

Im Bereich der militärischen Entwicklungen hat Nordkorea bereits nukleare Sprengköpfe, während Iran bestreitet diese bauen zu wollen. Der Iran hat aber Satelliten ins All geschickt, während Nordkorea nur behauptet, dies getan zu haben. Nordkorea hat Langstreckenraketen entwickelt, darunter eine, die Anfang April 2012 gescheitert war, während sich Iran auf Raketen mittlerer Reichweite konzentriert. „Der Iran ist in vielen Punkten ein größeres, anspruchsvolleres Land“, stellt Greg Thielmann, früher beim State Department und nun Senior Fellow an der Arms Control Association in Washington fest. „Sie haben viel mehr Ressourcen. Die Iraner haben eine Menge Raketentests durchgeführt. Nordkoreas Tests sind viel seltener.“

Obwohl Nordkorea in der Regel technisch und wissenschaftlich hinter dem Iran zurückliegt, und an schweren wirtschaftlichen Problemen leidet, konnte das Land vor mehr als zehn Jahren seine Mittelstreckenrakete Nodong aus sowjetischer Technologie an den Iran liefern. „Das war immer eine Geschäftsbeziehung seitens Nordkorea“, sagt Thielmann. „Der Iran wollte diese Raketen anpassen und sie zu ihren eigenen machen.“ Tatsächlich taten iranische Wissenschaftler und Ingenieure genau das. Sie stellten die Shahab-Flugkörper für Sprengköpfe auf Ziele in mittlerer Reichweite her.

Wir wollen das Thema mit einem Video abschließen, das interessante Auskunft über die iranischen Fähigkeiten bereits vor der Islamischen Revolution im Bereich der Entwicklungen in der Rüstungsindustrie an einem Beispiel der U-Boot Technologie gibt .

Mitte der 1970er Jahre unterschrieb seine Kaiserliche Hoheit Mohammad Rezâ Pahlavi für die Kaiserliche iranische Marine einen Vertrag, um bis zu drei U.S.-U-Boote der US-Marine zu erwerben. Eines dieser U-Boote namens Kooseh (Hai) [زیردریایی کوسه] wurde für 650.000 $ gekauft und ein zusätzliches 26 Millionen Dollar Budget für seine komplette Überholung mit iranischer Technologie genehmigt. Die kaiserliche iranische Marine schickte ihre besten Offiziere und Matrosen in die USA, so dass sie an einer U.S.-U-Boot-Schule ausgebildet werden konnten. Die iranischen Offiziere und Matrosen verbrachten mehr als 2 Jahre im Groton Connecticut Training, Seite an Seite mit US-Marineoffizieren.

Das U-Boot Kooseh sollte an die iranische kaiserliche Marine im Jahr 1978 ausgeliefert werden. Es wurde für seine Reise in den Iran mit seiner neuen iranischen Mannschaft, als die islamische Revolution stattfand, vorbereitet. Die neue islamische Regierung weigerte sich aber, das U-Boot trotz der Tatsache, dass es bereits vom Iran bezahlt worden war zu übernehmen. Die Besatzung musste das U-Boot der U.S. Navy ein Jahr nach der Revolution am 17.05.1979 zurückgeben und in den Iran ohne das U-Boot zurückkehren. Dieser einmalige Film zeigt die Zeremonie der Rückübertragung des Schiffes an die U.S. Navy und andere Aufnahmen von der iranischen Mannschaft im Inneren des U-Boots:

Die U.S. Navy wartete weiter das U-Boot für die Islamische Republik mit monatlichen Kosten in Höhe von rund 70.000 USD, und schließlich wurde das U-Boot als Teil der iranischen Vermögen im Ausland während der Geiselnahme bei der Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran beschlagnahmt. Das U-Boot wurde später stillgelegt und an eine Firma in Florida verkauft und heute dient es als Forschungsobjekt. Im Video ist kurz zu hören, dass das U-Boot zurückgegeben wird und es wird vorgelesen:“ „Am 17.05.1979 gibt die Islamische Republik Iran das U-Boot zurück“!

Deutlich zu erkennen ist die mangelnde Disziplin der Soldaten der neu gegründeten Islamischen Republik im Vergleich zu den Streitkräften seiner Kaiserlichen Hoheit Mohammad Rezâ Pahlavi. Nach dem militärischen Gruß sehen wir Küsse, ein abscheulicher islamischer Brauch in einer Armee, denn ein Offizier darf niemals seine Soldaten küssen. Seine Kaiserliche Hoheit hatte viel Geld in seine Offiziere und Soldaten und in die militärische Forschung investiert. Das U-Boot wurde mit iranischem Know How und Technologie damals modernisiert und wenn die Mullahs heute russische Kilo Klasse U-Boote aufrüsten und modernisieren und überholen, dann ist es im Wesentlichen eine Weiterentwicklung  jenes Know Hows, das man sich vor der Revolution angeeignet hat. Die Islamische Republik profitiert heute noch von den Strukturen, die seine Kaiserliche Hoheit geschaffen hat. Und wenn die Islamische Republik auch hin und wieder auf russische, chinesische oder nordkoreanische Technologie zurückgreift, heißt das noch lange nicht, dass die Iraner dazu unfähig wären einen eigenen technologischen Fortschritt zu schaffen, so haben sie erst vor Kurzem Tarnkappentorpedos entwickelt. Sie schaffen den technologischen Fortschritt heute auch x-fach in der Welt im Ausland, wo sie ihre Dienste der Forschung und Entwicklung des Westens aber auch der westlichen Industrie zur Verfügung stellen.

12 Gedanken zu „Nicht alle Iraner sind Kameltreiber, Hinterwäldler und Dorftrottel

  1. Das ist unfair. Damals hatten die Iraner das goldene Zeitalter des Islams gestaltet, vor dem Islam hieß es auch von den Griechen, wir wären Barbaren, und heute macht der Westen immer noch weiter! Heute wie in der vorislamischen und nachislamischen Zeit sind die Iraner hoch auf der Liste der Erfinder, Wissenschaftler und erfolgreichen Menschen, aber weil nun ein paar Affen seit 33 Jahren im Iran regieren, kommt es dem Westen wie gerufen, uns Iraner herablassend anzusehen! Gott sein dank, dass nicht alle so denken.

    Danke Bruderle, es hat mir sehr gut getan in der Seele, mein Patriotismus ist wieder ganz oben. Es lebe Iran und die Iraner!

  2. Nein, nein, nicht nur „Kameltreiber, Hinterwäldler und Dorftrottel“.
    Und bei all den Wissenschaftlern und Koryphäen gibt es ja auch noch ein paar Torks.
    Auch wenn sich einige Azari nennen, die echten Torks kommen aus Deutschland und sorgen für Hygiene. Und meine bescheidene Quellenforschung (tork.de) sagt: Aus Mannheim.

    Wer den König liebt, muss auch lieben, wen der König liebt (vergleiche 1. Johannes 4 20)!
    Es ist nicht ohne Schwierigkeit, ein nicht ganz homogenes Volk zu lieben:
    Seufz!

    Kritik zu ertragen. –
    Das Berechtigte zwischen den Verletzungen zu finden. –
    Den Andersgearteten anzunehmen. –
    Hinter dem Visir das menschliche Antlitz zu sehen. –
    Seufz!

    Sind wir nicht alle Menschen?
    Sind wir nicht alle: Immer noch ein bisschen Kind?
    Sagen wir nicht alle: „Das ist mein vollster Ernst“ und können uns trotzdem irren?
    Seufz!

    Wer sagt denn „Kameltreiber, Hinterwäldler und Dorftrottel“?
    Hab ich da ne Quellenangabe verpasst?
    Aber die Welt ist nun mal so, dass man sie allein mit schönen Worten nicht vollständig beschreiben kann. Es gibt ne Menge Schiet.
    Die liebe Fartab sagte ja selbst schon „Lamm“.
    Auch das verletzte ein bisschen, obwohl Fartab ausdrücklich dazu geschrieben hatte, dass sie das nicht wollte. So prallen festgefahrene Meinungen aufeinander, der Ton wird rauh und die Zoroastrische Maxime: ’nimm nur das allerbeste!‘ wird immer schwieriger.

    Wenn Behrouz sagt „Deshalb werde ich diesen König ein lebenslang verachten.“, dann ist das eine festgefahrene Meinung. Er hat geurteilt und begründet (siehe Vorartikel).

    Wenn der Prinz zum König wird und sein ganzes Land regiert …
    … dann wird er es nicht weniger lieben als jetzt, inklusive der Iraner, Behrouz EINGESCHLOSSEN.
    Er wird ihn lieben, wie man ein bockiges Kind lieben muss.
    Er wird ihn annehmen, wenn er Einsicht zeigt.
    Darin bin ich mir sicher, denn ich las bereits von ihm, dass er sogar an die denkt, denen die Mitarbeit im jetzigen Regime ‚eher eine Lebensnotwendigkeit‘ ist.
    Wieviel mehr wird er die schätzen, die jetzt schon in Opposition sind!
    Er hat es sogar beziffert: 95% seiner Wünsche wären darin erfüllt.

    Berouz Gründe kann man relativieren, ganz ausräumen wird man sie nicht.
    Nach christlichem Verständnis werden auch nicht gute und schlechte Taten gegeneinander aufgewogen. Gute Taten sollten normal sein und keiner besonderen Erwähnung wert. Sie bringen selbst in Massen keine Waage aus dem Gleichgewicht. Und es geht nicht um ein akzeptables Maß: weder von Fehlern, noch von Bosheit.
    So etwas lehrt nur der Islam!

    Jeder Fehler und jede schlechte Tat ist eine zu viel.
    Und ich kann mir z. B. weder vorstellen, dass es Verfassungsvorschriften gab, wie ein Staatsoberhaupt seinen Sohn nennen müsste, noch dass es mit heutigem Wissen diese Namensgebung ‚Mohammad‘ gegeben hätte. So etwas kann ich im Momment nur als Fehler verstehen. Im allgemeinen lehrt uns die Geschichte: Fehler haben Folgen. Böse Fehler haben schlimme Folgen. Man braucht etwas ‚besonderes‘, der Kurs braucht Korrektur.
    Und ein falscher Kurs kann so lange falsch bleiben, wie auch eine offene Rechnung offen bleiben kann. Dies bringt mich nun zu dem christlichen Bild: dass eine Schuld bezahlt werden muss. Nur all zu oft können wir unsere Schuld gar nicht mehr gut machen. Dann brauchen wir etwas besonderes, einen Helden, der das ausgleicht, was wir nicht können. Jemand der seinen Kopf für andere hin hält – ein dummes Schaf. Und dieser biblische ‚Tork‘ (im Sinne von Tissue) schafft den Schiet aus der Welt (Jes 1,18): „… Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden …“
    Dieser Tork ist gar nicht so dumm. Er denkt nur anders. Er ist väterlich, ja königlich. Wer IHN kennt, erkennt auch die, die sind wie er sehr schnell.

    • Werter Jockel, ich danke Dir für den Kommentar. Ich werde bald etwas über die Pahlavi Könige schreiben und ein für alle mal das klar stellen, dass an diese Könige, die den Iran im wahrsten Sinne des Wortes aufgebaut haben, ausgeübt wird, und einige bleiben halt „bockig“ zu dem, was jemals man ihnen als Lüge und Unwahrheit in den Kopf gesetzt hat und diese haben dann nicht den Mut ihre Gedanken und unnötige Bockigkeit zu revidieren, denn dafür sind sie sehr stolz und aus falschem Stolz denken sie, wenn sie alles, was sie glaubten, nun revidieren, dann leugnen sich als Mensch! Es gab mal Kommunisten in der Schah Zeit, die heute wortwörtlich gesagt haben: „Ich habe Scheiße (sorry) gefressen, gegen diesen Mann auf die Straße zu gehen“! Sie haben den Mut gehabt zu revidieren, was für sie damals ihr Ziel war. Dieser Behrouz hat sich schon als jemanden gegeben, der sogar bei dieser hässlichen Revolution mitgemacht hatte und dafür muss ich ihn eigentlich verantwortlich machen und ihn zur Rede stellen, was ihn bewegte auf die Straße zu gehen?

      • Was ihn bewegte, hat er ja geschrieben: „Ich gehörte selbst zu denen, die allein wegen Freiheit auf die Straße gingen.“
        Damit verbunden ist zumindest sein Zeugnis als Zeitgenosse, dass er sich vorher unfrei gefühlt haben muss.
        OK! Er hat so ziemlich jedem damit einen Bärendienst erwiesen.
        Freiheit muss man wohl schon genauer definieren, als das, was kommen muss, nur weil man auf die Straße geht.
        Ich gewann aber den Eindruck, dass trotzdem etwas Wahres dran sein muss. Zumal er auch längst nicht der einzige war.

        Die Frage der Schuld wird zu einer Frage der Deutung.
        Seinen gefühlten Leidensdruck kaufe ich ihm ab.
        Den Vorwurf einer gewissen Schah-Mullah-Nähe ebenso und auch einige Mitverantwortung bei Einzelfällen.
        Diese Punkte zusammen mit den anderen, die ich mir nicht zu eigen machen möchte, beDEUTEN für ihn die Rechtfertigung seiner Schah-Verurteilung.

        Sehr umfassend und an vielen Stellen begründest du (und ihr) die Schah-Unterstützung. Hier ist der Umfang so groß, dass ich annehme: Es steht nicht wirklich zur Diskussion, jedenfalls nicht mehr als es der Kronprinz selbst tun würde.

        Behrouz‘ Revolution bezeichnest du nun als ‚hässlich‘, während du dir aber gleichzeitig eine ’schöne‘ und natürlich möglichst friedliche Revolution wünschst. Auch da kann ich mich anschließen.
        Aber es bleibt doch Deutung: Dass Behrouz es vorher hätte wissen sollen.
        Entsprechend, wie Behrouz es deutet, dass sich der Schah seine Fehler hätte überlegen sollen.

        Und nun finde ich die Frage spannend, wie man den, der eine ganz andere Grundeinstellung hat, gewinnt. Und Behrouz hat wohl so eine ‚andere‘ Grundeinstellung, die über die konkreten Kritikpunkte hinaus geht. Er sagte: „Einen Diktator nimmt man doch nicht in Schutz!“ und „Diktator bleibt … Diktator!“
        Und diese Grundeinstellung ist ja ebenso weit verbreitet, wie auch mit zahlreichen Negativ-Beispielen begründbar.

        Schamsi wollte ich für die Vorbereitung seines Artikels darauf hinweisen, dass man in einer Monarchie doch auch tunlichst an Schutzmechanismen denken sollte. Ich meine, bei Schamsi in dieser Frage wohl eine grundsätzliche Zustimmung gefunden zu haben, aber Konkretes müsste er wohl noch liefern.

        Das können dann auch Argumente werden, die Menschen wie Behrouz umstimmen.
        Ich glaube, dass es gar nicht so einfach ist, hier gegen den allgemein verbreiteten Demokratie-Wahn anzustinken.
        Dieses Problem ist ja jetzt auch in Ägypten und in Syrien.
        Deshalb wohl lässt sich Schamsi Zeit und wir müssen uns darauf freuen.
        Aber wenn die Argumentation ordentlich zuende geführt wird, wird doch die richtige Position gestärkt. – Andernfalls wird Zweifel genährt.

        Ein König braucht die Liebe seiner Leute!
        Wer kann mehr berufen sein, diese Liebe zu entfachen, als ihr die ihr euch so sehr zu ihm bekennt?
        Bekommt ein Berouz noch eine bessere Chance, jemanden zu finden, der ihm alles richtig erklärt?

        OK, ich kenne nicht den Text, den er von sich gab, bevor ihr ihn editieren musstet. Es ist auch euer Blog und der hat eure Regeln.
        Zeit ist immer ein Problem. Und bei der Abwägung Klasse über Masse gebe ich auch gerne der Klasse den Vorzug.
        Shitstorm kann zum Problem werden, da ist es vielleicht schon mal besser, den Anfängen zu wehren.

        Aber Berouz klang nicht nach Shitstorm und auch nicht so wie Roland.
        Er klang interessant und Argumenten zugänglich.
        Er war noch neu hier und hätte vielleicht Geduld verdient.
        Ich weiß nicht, ob man da 33 Jahre zählen soll. Es ist nur all zu menschlich, in Denkmustern gefangen zu sein und den springenden Punkt regelmäßig auszublenden. Manchmal muss man wachgerüttelt werden, manchmal muss man wach rütteln. Nicht jeder ist ein Saulus, für den es auf die harte Tour richtig war, so hart, dass er gleich zu Boden ging (Apostelgeschichte 22, 7).

        Ich selbst brauchte übrigens auch ein bisschen Zeit, um eure Einstellungen nachzuvollziehen.

  3. http://www.cicero.de//berliner-republik/amir-kassaei-iranischer-werbezar-deutsche-sind-zu-weich/49722

    Noch eine iranische Koryphäe.

    Aber ich glaube, die werten Blogbetreiber haben es nicht nötig, iranische „Denkstars“ in Masse zu präsentieren. Sie haben hinlänglich die Größe der persischen Kultur hier auf dem Blog beschrieben und werden sie auch weiter beschreiben, was auch richtig ist. Das Problem ist halt wie bei vielen Dingen der Islam. Jedes Land, in dem der Islam die bestimmende Religion ist, gerät schnell in den Ruf, mit Wissenschaft wenig am Hut zu haben. Darum die Überschrift des Artikels. Aber in jedem Volk gibt es sie und sie haben sogar ihre Existenzberechtigung. Auch Hinterwäldler und Dorftrottel gibt es nicht nur im Iran, sondern auch in jeder Gesellschaft, auch hier. Die Hinterwäldler und Dorftrottel dieser Welt werden nicht aussterben, sonst hätte die „denkende Klasse“ doch nichts mehr zu tun. Ja, es muss sie offensichtlich geben, Menschen, die mit Brot und Spielen zu besänftigen sind.

    Ich denke, wir müssen die Lebensstation, die Lebensentwicklung eines jeden einzelnen Menschen ernst nehmen, um ergründen zu können, wie er sich hat zu einer Koryphäe und wie er sich hat zu einem Hinterwäldler entwickeln zu können, selbst zu unsachlichen KOmmentatoren. Ursachenforschung ist hier angesagt. Das Problem ist, dass keiner vom Gegenüber weiß, welche Lebenserlebnisse er hat verarbeiten müssen, um so zu werden wie er geworden ist. Das wichtigste Kriterium ist das Maß an Ausbildung und Bildung im Sinne von Belesenheit. Diese Bildung, sofern sie vorhanden, kann dann noch im Sinne von intelligenter kalter Berechnung, den anderen vor den Kopf stoßend von oben herab (wie diese Kommentatoren) oder sie auch in Herzensbildung verpackt und mit diesem Wissen demütig nach außen nicht beleidigend präsentiert werden. Da ist jeder Kommentator halt anders. Deshalb ist es immer gut, den anderen als unsterbliche Seele zu sehen und ihm so zu begegnen. Dieses Bewusstsein kann dazu führen, den Menschen in einen größeren transzendenten Rahmen der Ewigkeit zu sehen. Dann werden seine Fehler, die er begeht zwar nicht ausgelöscht und die Folgen dieser Fehler werden nicht vermindert, aber diese Sichtweise relativiert etwas und wir dürfen solche Kommentare und deren Erzeuger etwas gelassener sehen.

    Werte Blogbetreiber, lassen Sie sich von solchen Kommentatoren nicht so aus der Reserve locken. In dieser Frage steht ihr über den Dingen. Ihr braucht nichts zu beweisen. Die Geschichte spricht für sich, die iranischen Koryphäen sprechen für sich. Für ein gewisses „Beleidigtsein“ ist kein Platz. Und der Ärger, der aus diesem Artikel spricht, scheint diesen Kommentoren nur in die Hände zu spielen. Denn sie haben ihr Ziel erreicht, Euch zu provozieren. Denn wer diesen Blog liest und behauptet, im Iran gäbe es vorwiegend Hinterwäldler und Dorftrottel, die es eben überall auf der Welt gibt, der hat diesen Blog nicht wirklich gelesen, der hat es auf reine Provokation abgesehen. Fallen Sie da nicht drauf rein.

    • Hervorragend werter Bazillus, ich hätte es kaum besser sagen können!
      Auf die Herzensbildung kommt es an. Damit behandelt man den anderen würdig und nicht von oben herab, auch wenn man sich für stärker, schlauer oder reicher hält. Die Wichtigkeit der Würde hatten auch unsere Gründer-Väter erkannt. Sie steht in unserem Grundgesetz an erster Stelle; und steht dabei als Grundrecht sogar noch über der Gesetzgebung!
      Deshalb erlaube ich mir, hier einmal den Art. 1 unseres GG in Gänze zu zitieren:

      (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
      (2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
      (3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

      Sicher waren unsere Gründer-Väter inspiriert von der Abscheulichkeit der gerade erfolgten nazi-herrschaftlichen Entwürdigungen des Menschen und dem Jüdisch-Christlichen Geist ihrer Erziehung. Jesus hat die Würde eines jeden nämlich auch schon begründet (Matthäus 25,40): „Und der König (Jesus, im Endgericht) wird antworten…: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“

      Nur eine ‚unsterbliche Seele‘ brauchten dafür weder Jesus, noch unsere Gründungsväter.
      Mit dem Sterben des Menschen muss nämlich nicht das Andenken an ihn verloren gehen;
      auch nicht das (übrigens dokumentierte) Wissen, welches Unrecht er erlitten hat;
      und nicht die Möglichkeit, ihn wieder aufzuwecken und ihn als Zeugen sprechen zu lassen.

      • Werte Freunde Bazillus und Jockel,

        Eure Worte sind ehrlich und aufmunternd. Mein Kollege Ardašir und ich gehören auch zu der Sorte Amir Kassaei, die nie aufgeben und immer besser sein wollen! Das ist das Schicksal dieser „verbrannte Generation“, die sich egal wo auf dieser Erde befindet, zu etwas gebracht hat und es ist uns auch bewusst, dass ohne die Hilfe Deutschlands, die ja nicht selbstverständlich war und ist, wir nicht soweit kommen könnten! Wir geben jeden Tag etwas davon zurück, was uns aus humanitären Gründen gegeben wurde.

        Noch etwas! In meinem Land werden die Iraner, die ja in Deutschland studiert und zu etwas gebracht haben, wenn sie im Iran sind, sehr hoch angesehen, weil die Menschen da der Meinung sind, dass nur die deutsche Bürokratie, Disziplin und Genauigkeit das beste ist, was jemals das Land nach Mullahs aufbauen kann!

      • Werter Jockel,
        erstmal danke für das unverdiente Lob.
        Es ist schwer, mich in dieser Frage verständlich auszudrücken, weil ich es mit Sicherheit nicht vermag, um auszudrücken, was ich meine. Also Versuch:

        Wenn ich mir bewusst mache und einübe, den Menschen als Seelengeschöpf Gottes anzusehen, besser ausgedrückt zu betrachten, dann sehe ich ihn irdisch lebend bereits als unsterblich an (wie Matthäus 10, 28 : Fürchtet Euch nicht vor denen, die den Leib töten, aber die Seele nicht töten können, usw.). Ich weiß, wenn ich Streit mit einem Menschen habe, kann ich ihn nur als solchen ansehen, als streitbaren, möglicherweise echten Unsymphat. Im Nachhinein kann ich ihn aber als Kind Gottes, als unsterbliche Seele ansehen und kann das Geschehen gelassener betrachten. Es bedarf wohl der intensiven Übung dieser Sichtweise, denn diese Sichtweise gibt dem Menschen die Würde wieder, die Gott ihm ohne Vorbedingung geschenkt hat, jedem von uns, egal welchen Glaubens, welcher Ideologien, welcher Art er ist. So können der ungerechte Chef, die keifende Ehefrau, der aufsässige Jugendliche, usw. immer in diesem Licht gesehen und eingeordnet werden, auch wenn es noch so schwer fällt und dann fällt unser Urteil vielleicht ein wenig milder aus. Wenn ich sage, der Mensch ist verstorben, so gilt er gemeinhin als nicht mehr existent. Wenn ich sage, dass dieser Mensch als Seele, als Geschöpf Gottes gestorben ist, weiß ich, weil ich glaube, dass er weiterlebt, denn nach Jesu Worten kann die Seele ja nicht getötet werden. Somit macht das fürbittende Gebet für Verstorbene Sinn.

        Ich meinte aber eher dem irdisch lebenden Menschen als unsterbliche Seele zu begegnen zu wollen und zu können ist eine Herausforderung, die wir uns bewusst machen sollten, um im Umgang miteinander menschenfreundlicher umgehen zu können. Wenn wir die Seele als Bestandteil des Menschen als den wichtigsten, also als den überlebenswichtigen, letztlich den ewigen Teil ansehen, werden wir miteinander möglicherweise bereits im Alltag anders, nämlich „würdiger“, freundlicher, konzilianter und vertrauensvoller umgehen können. Vielleicht ist das Ausdruck dieser Herzensbildung, in jedem Menschen das Geschöpf Gottes, dessen „Gottes-Ebenbild-Funken“ ja m. E. die unsterbliche Seele ist, sehen zu wollen, denn können ist wirklich in manchen Fällen sehr schwer. Training ist hier angesagt.

        Denn Sprache drückt ja auch viel aus. Bei Verstorbenen ist man geneigt zu sagen, dass der Verstorbene in unseren Herzen bleibt. Damit bekunde ich aber letztlich die Endlichkeit der Seele. Wenn ich, der an den Verstorbenen denkt, nicht mehr lebe, lebt der Verstorbene auch nicht mehr, denn das „andenkende Herz“ ist ja nunmehr auch verstorben. Und wenn ich keine Nachkommen habe oder Freunde, dann denkt keiner mehr an mich und somit mache ich ein Weiterleben nach dem Tode abhängig vom Andenken Lebender. Oder wenn ich einen kranken Freund habe, denke ich, dass dieser erkrankt ist. Diese Krankheit greift aber nicht nur den Körper an, sondern hinterlässt auch möglicherweise noch schrecklichere traumatische Folgen der Seele. Warum spreche ich dann nicht gedanklich immer die Seele selbst an. Denn die seelischen Leiden sind die Leiden, die nur schwerlich heilen wollen. Suizidgefährdete, Suchtkranke und natürlich auch politisch und religiös Verfolgte und Diskriminierte sollten wir als verletzte Seelen ansehen. Dann können wir vielleicht eher ins Herz schauen. Bestes Beispiel ist möglicherweise die Vergewaltigung. Das Opfer hat möglicherweise keinerlei oder nur geringen körperlichen Schaden davongetragen, die Seele ist jedoch erschüttert bis zum Lähmung. Ehekrise: Würde der andere eher als Geschöpf Gottes, als unsterbliche Seele angesehen werden, die wir verletzt haben und die uns verletzt hat, würde möglicherweise eine Lösung des Konflikts eher möglich sein, weil wir das große Ganze eher im Blick hätten als nur letztlich die nach außen irdisch wichtig erscheinenden Dinge des Lebens.

        Die Sichtweise auf den Menschen insgesamt in dieser Weise ändern, wäre möglicherweise ein Schritt in eine Welt, in der gegenseitige Rücksichtnahme in diesem Blickwinkel Lebensziel sein könnte. Vorsichtig mit mir selbst und dem anderen umgehen. Die Seele wie ein rohes Ei behandeln, weil diese Seele Bestandteil der unsterblichen Schöpfung Gottes ist.

        Ich weiß nicht, ob meine Intention verstanden wurde, mein Ausdrucksvermögen ist hier recht dürftig, was ich nachzusehen bitte.

        • Werter Bazillus,
          wenn Sie die ‚unsterbliche Seele‘ als gedankliches Vehikel nehmen, um die Würde des Menschen zu transportieren, dann ist das sicher ein guter Zweck.
          Doch stiftet dieser Begriff – so glaube ich – mehr Verwirrung, als dass er der Menschenwürde förderlich wäre. Ich glaube dass Jesus hier, in Matthäus 10, 28 (wie die Bibel auch sonst öfter mal) nicht ganz so deutsch-wortwörtlich verstanden werden sollte, und auch nicht leicht in die Richtung abweichend, wie Sie es tun.

          Ich verstehe es so:“Fürchtet euch nicht vor denen, die eurem Seelenheil nichts anhaben können.“
          Ich glaube, Jesu Hauptstoßrichtung in seinem Satz sollte das „Fürchtet euch nicht“ sein und die ‚Randelemente‘ wurden nicht ganz ‚politisch korrekt‘ ausformuliert. Ungefähr so, wie sich auch kaum ein Christ oder anderer Monotheist daran stößt, wenn von einem Fußballgott gesprochen wird. Aber zugegeben: Auch bei mir steckt persönliches Verständis, sprich: Deutung mit drin.

          Ich tue dies, damit ich ein besser zuende gedachtes Gesamtverständnis, zusammen mit einigen anderen Bibelstellen durchhalten kann, und darunter sind auch welche, die das Thema nicht nur am Rand streifen.

          Mit ‚Andenken‘ hatte ich mich übrigens missverständlich ausgedrückt. Ich meinte es gar nicht auf Angehörige oder lebende Menschen beschränkt, sondern hatte es umfassender im Sinn: Eher so etwas wie das kollektive Gedächtnis aller Beobachter des Universums (Engel und so), oder auch konservierte bzw. wiederhergestellte Erinnerung, von Zeitzeugen, nach der Auferstehung.

          Ich denke, es geht um etwas unzerstörbares, unanhabbares (s. o.), unantastbares, unveräußerliches (lt. GG), etwas nicht eliminierbares, oder wie Sie es nennen unsterbliches, was wir beide meinen, und wo wir gar nicht so weit auseinander liegen.

          Und wenn man den Menschen als Gedanken Gottes versteht, wie es Jürgen Werth es so schön formuliert hat
          http://www.juergen-werth.de/index.php?node=21
          dann ist es auch klar, dass Gott sich seine Ideen nicht von lumpigen Mördern nehmen lässt.

  4. Pingback: Amir Kassaei: „Die Deutschen sind zu weich mit Migranten“ | Online-Magazin Pârse&Pârse پارسه و پارسه

  5. na nun bleibt doch einfach mal ein bischen locker. Kameltreiber waren wichtige Leute sie haben nicht nur Waren über die Seidenstraße transportiert, nein auch wichtige Kulturgüter. Heute fahren sie LKW, steuern Flugzeuge und Schiffe.
    Das alte persische Reich, meine Hochachtung, wurde durch die damalige Schlauen und Gewaltätigen zerstört. An diesem Mechanismuss hat hat sich bis heute nichts geändert. Es waren nie die Völker, es waren immer die „intelligenten“ Führer Könige, Kaiser, Despoten, Diktatoren und Demokraten die das Blut der Bevölkerung, für ihre Interessen, vergossen haben. Mit dem Versprechen nun wird es besser.
    Bruderle, Kopf hoch ein jeder von uns ist einmalig und ein vorübergehender Gast dieser Welt und abgerechnet wird nach unseren Taten.
    Grüße
    Manfred

    p.s. die Dummheit ist recht gleichmäßig über diese Welt verteiltes Gut.

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