Kanon – Dâd

Dâd_Kanon_Qânun_قانون

Dâd_Kanon_Qânun_قانون

Die Pârsi Sprache ist eine schöne und melodische Sprache; eine Sprache, deren Aussprache herrlich klingt. Sie ist eine mächtige Sprache, die in der Lage ist neue Wörter zu erschaffen! Leider wurde die Pârsi Sprache im Laufe der Jahrhunderte durch die Eroberungszüge der Fremden stark verändert, sodass wir mit jeder Invasion unzählige Wörter aus den Fremdsprachen der Okkupanten übernommen haben, auch wenn wir dafür selbst reich an Wortschatz waren; siehe den Artikel „Wohin gehen wir?“

Eines dieser Wörter ist „Qânun“ [قانون], das aus dem Alt-Griechischen „Kanon“ (κανών) entnommen wurde. Laut Duden bedeutet Kanon: Maßstab; Richtschnur; Regel; Liste der anerkannten bibl. Schriften. In der Zeit der Abbasiden, als die arabischen Herrscher für sich die Kultur und Wissenschaft der Iraner entdeckt hatten, wurden viele Übersetzungen der alten Pârsi Texte in Auftrag gegeben; um sich ein „Goldenes Zeitalter des Islam“ zu erschaffen. Im Zuge der Übersetzungen wurden auch einige der lateinischen und alt-griechischen Wörter ins Arabische entnommen, die dann an die arabische Sprache angepasst wurden und anschließend ins Persische übernommen wurden! Eines dieser Wörter ist „Kanon“, das in Arabisch als قانون [Qânun] importiert wurde, ungeachtet dessen, was dieses Wort in der alt-griechischen Sprache bedeutet. Unglücklicherweise wurde dann das Wort „Qânun“ anstatt des persischen Wortes „Dâd“ [داد] übernommen, natürlich nicht mit der ursprünglichen Bedeutung des Wortes im Alt-Griechischen. Im Gegenteil zu „Kanon“, das etwas Himmlisches, außerhalb der menschlichen Macht darstellt, ist „Dâd“ etwas, was absolut irdisch und menschlich ist und den Gerechtigkeitssinn im Menschen beschreibt. „Dâd“ kommt aus der avestischen Sprache [dâ] (geben; richten; Gerechtigkeit walten), in Avestisch [dâta], in Pahlavi [dât] (Gerechtigkeit waltend; richten), in Alt-Persisch [dâta] (Gerechtigkeit waltend; Befehl; Erlass).

„Dâd“ hatte einen besonderen Platz in der iranischen Kultur und wurde sehr respektiert, sodass die Legitimation der persischen Könige in der Antike dadurch gemessen wurde! Der erhabene Ferdowsi dichtet über das Ende des Königtums von Fereydun:

Fereydune farrox ferešte nabud
Ze moško ze anbar serešte nabud

Be dâdo daheš yâft ân nikuyi
To dâdo daheš kon, Fereydun toyi

Die deutsche Übersetzung:

Fereydun, ein gesegneter Engel war er nicht
Von Moschus und Ambra* war er nicht

Erhabenheit erlangte er durch Edelmut im Tun
Walte Edelmut, dann wirst auch Du zum Fereydun

 ©Fartâb und Ardašir Pârse

*[keine göttliche Herkunft]

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s