Die Spur von Patronenhülsen in Afrikas Kriegen führt in den Iran

die Kriegsführung in Afrika

Die Kriegsführung in Afrika

aus dem Englischen von Ardašir Pârse

Dieser Artikel wurde ins Russische übersetzt

Washington – Die ersten Hinweise erhielt man bereits in Kenia, Uganda und nun im Süd-Sudan. Ein britischer Armee Ermittler untersuchte Munition, die von Regierungstruppen und Milizen im Jahr 2006 verwendet wurde, er fand Kalaschnikow Patronen, die er zuvor noch nie gesehen hatte. Die Munition trug keinen Werkscode, was darauf hindeutet, dass der Hersteller eine Erkennung zu vermeiden versucht hatte.

Innerhalb von zwei Jahren hatten weitere Ermittler identische Patronen gefunden, die während der ethnischen Gewalt in Darfur zirkulierten. Ähnliche Munition tauchte dann im Jahr 2009 in einem Stadion in Conakry, Guinea auf, wo Soldaten auf regierungsfeindliche Demonstranten geschossen hatten, und mehr als 150 von ihnen töteten.

Seit sechs Jahren arbeitet eine Gruppe von unabhängigen Ermittlern an Ermittlungen im Waffenhandel, um die Quelle der mysteriösen Patronen auszumachen. Durch den Austausch von Informationen aus vier Kontinenten stellten sie fest, dass jemand im Stillen Gewehr- und MG-Munition in Regionen langwieriger Konflikte liefert und hatten es geschafft, Licht in das Dunkel zu bringen. Ihr einziges Ziel war es, das Rätsel zu lösen und keine bestimmte Nation darin zu verwickeln.

Als es zum Durchbruch der Ermittler kam, waren die Erkenntnisse für sie eine Überraschung. Der Hersteller war nicht einer der üblichen Verdächtigen Afrikas: Es war Iran.

Irans hergestellten Patronen aus dem Norden der Elfenbeinküste, von einem Typ in mehreren afrikanischen Ländern_Bildquelle - New York Times

In Iran hergestellte Patronen aus dem Norden der Elfenbeinküste, von einem Typ der in mehreren afrikanischen Ländern gefunden wurde_Bildquelle –  The New York Times

Iran hat einen gut ausgebauten militärischen Produktionssektor, hat aber seine schweren Waffen in der Vergangenheit nicht in Mengen im globalen Waffenhandel – wie seine Konkurrenten, einschließlich den Vereinigten Staaten, Russland, China und mehrere europäische Länder – exportiert. Aber seine jüngeren Ausfuhr Entscheidungen waren in diesem Fall signifikant. Während kleinkalibrige Munition weniger Aufmerksamkeit als strategische Waffen oder Waffen, die von internationaler Verurteilung gezeichnet sind, wie Landminen und Streubomben nach sich ziehen, sind sie ein grundlegender Bestandteil der organisierten Gewalt und sind jedes Jahr und in jedem Krieg an unzähligen Todesfällen und Verbrechen beteiligt.

Und in den letzten Jahren, seit Iran mit intensiver ausländischer Kontrolle wegen seines Atomprogramms und wegen der Unterstützung von Proxies im gesamten Nahen Osten konfrontiert wurde, wurde die staatlich hergestellte Munition durch geheime Netzwerke an eine lange Liste von Kämpfern verteilt, auch in Regionen, die unter einem Waffenembargo der Vereinten Nationen stehen.

Die Spur der Beweise, die durch die Ermittlungen aufgedeckt wurde, offenbarte iranische Patronen im Besitz der Rebellen an der Elfenbeinküste, der Bundestruppen in der Demokratischen Republik Kongo, der Taliban in Afghanistan und bei Gruppen, die Al Qaida im islamischen Maghreb und in Niger angegliedert sind. Alle ohne Kennzeichnung, die eine breite Aufmerksamkeit begründen, oder zu seinem Hersteller zurückführen könnten. Die Munition steht auf spektakuläre Weise in Verbindung mit staatlich geförderter Gewalt und bewaffneten Gruppen, die dem Terrorismus angeschlossen sind.

die Ansicht einer Patrone mit ihrem Projektil, deren Herstellung bis im Iran zurückverfolgt wurde_Bildquelle - The New York Times

die Ansicht einer Patrone mit ihrem Projektil, deren Herstellung bis in den Iran zurückverfolgt wurde_Bildquelle – The New York Times

Die Munition, die auf die weltweit häufigste Schusswaffe (Kalaschnikow) abgestimmt ist, wurde vor allem in Afrika entdeckt, woraus die Ermittler folgerten, dass unzählige Mengen an Munition an die Regierungen in Guinea, Kenia und an die Elfenbeinküste geliefert wurde und sich Hinweise darauf ergaben, dass sie auch in den Sudan geliefert wurde.

Von dort aus nahm sie ihren Weg in viele Gegenden auf dem Kontinent und wurde zu einem Instrument der Gewalt in einigen der hässlichsten Kriege Afrikas für brutale Regime. Und während einer breiten Umverteilung innerhalb Afrikas durch afrikanische Regierungen wurde die gleiche Munition auch anderswo, auch in einem aufständischen Waffenlager in Irak und auf einem abgefangenen Schiff, deren Ladung für den Gazastreifen bestimmt war, gefunden.

Irans Rolle bei der Bereitstellung von Waffen für Verbündete und für diejenigen, die ihre Feinde bekämpfen, ist schon seit langem bekannt. Über einige dieser Praktiken wurde zuletzt bei der Übertragung von Fajr-5 Boden-Boden-Raketen nach Gaza berichtet. Die Spuren in einer wachsenden Präsenz von Kleinwaffen Munitionsexporte warfen brennende Fragen  für die Waffenhandel Ermittler bezüglich ihrer Rolle in einem dunklen Munitionshandel auf die Liste der Forschungsprioritäten auf.

Fajr-5 Boden-Boden-Raketen in Libanon

Fajr-5 Boden-Boden-Raketen in Libanon

„Wenn man mich vor nicht allzu langer Zeit gefragt hätte, welche Rolle Iran im Kleinwaffen Munitionshandel in Afrika gespielt hat, hätte ich gesagt: „Kaum eine“, sagte James Bevan, ein ehemaliger UN-Ermittler, der seit 2011 Direktor der Conflict Armament Research ist, eine private Firma, die in England registriert ist, die konventionelle Waffen identifiziert und verfolgt. „Doch das hat sich geändert.

Die unabhängige Untersuchung zeigte auch die relative Leichtigkeit, mit der der Waffen- und Munitionsfluss über die Welt verteilt wird, ein Merkmal des Waffenhandels, das teilweise erklären könnte, wie der Iran die Kontrolle von Regierungen und internationalen Organisationen, einschließlich der Vereinten Nationen umgeht, die versucht haben, ihre Bankgeschäfte und den Verkauf von Waffen zu beschränken.

Die Vereinten Nationen, haben in einer Reihe von Resolutionen ebenfalls versucht, Waffenlieferungen an die Elfenbeinküste, in den Kongo und Sudan zu blockieren, allesamt Orte, an denen Ermittler iranische Munition vorfanden.

Munition aus anderen Quellen, darunter China, Russland, Ungarn, der Tschechischen Republik und anderen ehemaligen Ostblock Nationen sind in Afrika, zusammen mit der Produktion von afrikanischen Ländern im Umlauf. Warum Iran in den Markt einstieg, ist nicht klar. „Motive aus Profitstreben, sowie ein Versuch von Iran in Afrika an Einfluss zu gewinnen, können die Exporte erklären“, sagte Bevan. „Aber es bleibt noch vieles im Dunkeln verborgen.“

Weder die Regierung des Iran, noch seine militärischen Produktionsstätten Konglomerate, die Defense Industries Organization, antworteten schriftlichen Anfragen zu diesem Artikel.

Die Ermittler, die an der Untersuchung beteiligt sind – darunter mehrere ehemalige Experten der Vereinten Nationen und einer von Amnesty International – dokumentierten die wachsende Verbreitung von iranischer Munition, nicht aber die Mittel oder die Beteiligten, die tatsächlich die Bestände exportiert haben. Sie sind nicht sicher, ob die Munition direkt von der iranischen Regierung oder seinen Sicherheitsinstitutionen, oder einem vom Militär kontrollierten Unternehmen, oder durch Tarnfirmen im Ausland verkauft worden sind.

Das Logo von Defense Industries Organization

Das Logo von Defense Industries Organization

Aber die geheimnisvolle Quelle der Munition scheint unbestritten. Die Patronen wurden produziert, sagen die Ermittler, von der Munitions- und Metallurgy Industrie Gruppe, eine Tochtergesellschaft der Defense Industries Organization.

Die meisten der auf der Welt hergestellten Munitionstypen tragen Werkscodes oder Logos, die als Headstamps bekannt sind, die den Produktionsstandort und das Herstellungsjahr einer Patrone erklären. Im Laufe der Jahre haben die Regierungen und private Ermittler enzyklopädische Headstampschlüssel gesammelt, deren Markierungen eine einfache Verfolgung bis zum Hersteller der Munition generiert.

Insbesondere in Fällen für die Identifizierung von Munition für Kalaschnikow-Sturmgewehre, für mittlere Maschinengewehre und Scharfschützengewehre und für schwere Maschinengewehre. In jedem Fall trugen die Patronen keine Headstamps, die auf den öffentlich zugänglichen Datensätzen aufgelistet sind. Die Headstamps waren einfach nur Kaliber Markierungen und typischerweise zwei Ziffern, die das Jahr der Herstellung wiedergeben.

Ebenso offenbarten weder die Holzkisten noch die Verpackung der Munition in grünen Plastiktüten oder in schlichten Kartons den Produktionsursprung, als diese Gegenstände mit der Munition gefunden wurden. All die Munition teilt eine einzigartige Kombination von Eigenschaften, einschließlich des Headstamps des Kalibers in einer bestimmten Schriftart, die Legierung des Kugelmantels, und drei Vertiefungen, wo Primer für Patronenhülsen angebracht worden waren. Diese Merkmale weisen auf einen einzigen Hersteller hin.

Im Laufe der Jahre sammelten die Ermittler viele Daten. Sie sammelten Proben von benutzter und unbenutzter Munition in militärischen Konflikten und erfassten deren Eigenschaften. Sie arbeiteten mit anderen Spezialisten und tauschten ihre Funde aus. Einige Quellen waren vertraulich, andere nicht. Mike Lewis, ein ehemaliges Mitglied der Sachverständigengruppe der Vereinten Nationen für den Sudan, dokumentierte die Anwesenheit der Munition im Conakry Stadion Vorfall während der Untersuchung für Amnesty International.

Eine Probe – aus Afghanistan – wurde von der New York Times gefunden, die Munition wurde von den Taliban verwendet, sie zeigte Bevan im Jahr 2010 ein Bild eines damals nicht identifizierbaren Patronen-Headstamps. Als dann die Daten zusammengestellt waren, kam der Durchbruch in einem bald veröffentlichten Bericht der Ermittler als „Cross-Case-Analyse“

Die Munition, die von Taliban benutzt wird_Bildquell - The New York Times

Die Munition, die von Taliban benutzt wird_Bildquelle – The New York Times

Ende 2011 erhielt Bevan den Frachtbrief für 13 Container von den Behörden in Lagos, Nigeria, aus dem Jahr 2010. Das Dokument zeigt, dass die Behälter aus dem Iran stammen und den Inhalt als „Baumaterial“ deklarierten. Aber, wie die Ermittler in ihrem Bericht festgestellt haben, fanden sich in der Fracht hinter Steinplatten und Dämmstoffen versteckt Waffen, einschließlich der gleichen Munition, die sie in den Krisenregionen vorfanden. Die verantwortliche Reederei hatte ihren Sitz in Teheran, in Irans Hauptstadt.

13 Container von den Behörden in Lagos, Nigeria werden untersucht, aus dem Jahr 2010_1

13 Container aus dem Iran von den Behörden in Lagos, Nigeria werden untersucht, aus dem Jahr 2010_1

13 Container von den Behörden in Lagos, Nigeria werden untersucht, aus dem Jahr 2010_2

13 Container aus dem Iran von den Behörden in Lagos, Nigeria werden untersucht, aus dem Jahr 2010_2

Freigegebene Dokumente der Freedom of Information Act von Matthew Schroeder, einem Waffenhandel Analysten der Federation of American Scientists zeigten später, dass das amerikanische Militär Munition identifiziert hatte, die in den gleichen Materialien wie die iranische Munition verpackt war. Schroeder teilte seine Dokumente mit Bevan. Dies lieferte dann diese Verbindung.

Letztlich bemerkte Bevan, dass der Iran begrenzte technische Details seiner Patronen, einschließlich der Geschossgewichte veröffentlicht. Einige dieser Gewichte sind atypisch. Ende 2012 hatte er Proben auf einer Feinwaage gewogen, die das bestätigten.

In wiederholten Interviews hat Bevan deutlich gemacht, dass er und seine Kollegen nicht Fürsprecher für ein militärisches Vorgehen gegen den Iran sind. Als die Untersuchungen der Munition begannen, wussten sie nicht, oder erwarteten nicht, dass die Beweise auf Teheran hinweisen würden. Er stellte ferner fest, dass die in Iran hergestellt Munition, vielleicht nicht unmittelbar von Iran an einige der Kombattanten geschickt worden war.

„Auch im Hinblick auf wiederholte Verletzungen durch den Iran denke ich, dass wir weniger hart urteilen müssen“, sagte er. „Denn ein großer Teil der Fälle, und vielleicht in der Mehrzahl dieser Fälle wurde die Munition in Afrika von afrikanischen Staaten übertragen.“

Bevan und seine Kollegen sagten, dass ihre Erkenntnisse auf die Notwendigkeit für weitere Ermittlungen hinweisen, um Fakten, auf die politische Entscheidungen sich stützen, sammeln zu können.

© Pârse & Pârse

Quelle: New York Times

8 Gedanken zu „Die Spur von Patronenhülsen in Afrikas Kriegen führt in den Iran

  1. Necla Kelek:Und es wird immer schlimmer. Iranische, türkische, deutsche Studentinnen erzählen mir, dass sie sofort gemobbt werden, wenn sie z. B. über Familienstrukturen forschen wollen: Für Fragestellungen wie „Sind Ehrenmorde symptomatisch? Gibt es Zwang zur Ehe, woher kommt das historisch?“ finden sie keine Professoren.

    Gebt nicht auf und tretet den degenerierten deutschen Professoren in den Arsch!Am besten ihr sagt sie wären Nazis dann schämen sie sich und sage nichts mehr.Alle anderen Diskussionen kann man mit denen vergessen.
    http://diepresse.com/home/leben/mensch/1334649/Necla-Kelek_Sarrazins-Gegner-haben-ihr-Ziel-erreicht?from=gl.home_leben

  2. Kann gut sein das Gaddafi die Munition auch verteilt hat,denn dat hat ja so gut wie jeden Rebellen unterstützt!Hauptsache Chaos anrichten…

    • Das denke ich nicht, denn er hatte vor Jahren mit terroristischen Aktivitäten aufgehört und alle verursachten Schäden getilgt und reichlich bezahlt, so dass wenn er hier in Europa war, für ihn den roten Teppich gelegt wurde. Außerdem er hatte auch selber Munition herstellen und diese verkaufen können.

  3. Mein Dreck, dein Dreck, … Dreck ist von uns allen da.
    Ältere Semester erinnern sich jetzt vielleicht an eine Deo-Werbung in Deutschland.
    Sollten Patronenhülsen nicht vielleicht auch einen grünen Punkt bekommen?

    Genug des Zynismus, aber solche seltenen Berichte wie dieser hier, kochen die Wut in mir noch gleich einmal richtig auf. Weil sie zeigen, wie sehr mit zweierlei Maß gemessen wird. Kümmern sich die einen darum, dass die Umwelt nicht auf eine bestimmte Art verdreckt wird (sondern auf eine andere), und dass für diesen anderen Weg alle (Verbraucher) die (umgelegten) Kosten zu tragen haben, was allen einen kleinen Preis für einen noch kleineren Vorteil abnötigt, können die anderen ungefragt riesige Schäden, – wie menschliche Tragödien – provozieren und produzieren und daran noch köstlich verdienen. Schadenersatzpflicht nach dem Verursacherprinzip wird im Kleinen durchgezogen und im großen machen alle die Augen zu.

    Bemerkenswerter weise wurde bei ganz großer Schuld, wie dem Holocaust, der Weg der Wiedergutmachung aber gefunden, – wobei wir (in der Weltgemeinschaft) jetzt die Schwierigkeit haben, es anzusprechen, ob, dass oder wann es auch mal wieder gut sein könnte, was natürlich nicht ohne die Seite der Opfer geschehen kann.

    Ich finde, der Zusammenhang zwischen Unrecht, Gewalt und Wiedergutmachung sollte viel öfter beleuchtet werden, und zwar so oft, bis dieser tatsächlich selbstverständlich ist. Krimis, die wir schauen, hören da auch fast immer vorher auf. Der Weltgemeinschaft sollte klarer werden wie wenig sich der böse Weg doch lohnt. Auch wenn alle Einzelnen denken mögen: ‚ist doch klar‘, führt diese allen klare Erkenntnis leider doch nicht zu klaren Konsequenzen. Beim Grünen Punkt muss schon der Hersteller die Kosten abführen, die später mit dem Produkt entstehen, mit einkalkulieren und zurückverdienen.

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