Waren es iranische oder arabische Gelehrte?

Das goldene Zeitalter des Islam

Pârse & Pârse- In Anlehnung an unseren Artikel Das goldene Zeitalter des Islam (Another theft of Persian heritage) auf Pârse & Pârse haben wir diesen Essay von Dr. Touraj Nayernouri übersetzt, um ihn der Leserschaft zugänglich zu machen.

aus dem Englischen von Ardašir Pârse

Es scheint eine Binsenweisheit zu sein, dass in der modernen Wissenschaft, alle historischen Gelehrten, die in der griechischen Sprache schrieben als Griechen bekannt sind und all jene, die auf Arabisch schrieben als Araber bezeichnet werden. Es ist kurios, dass alle Gelehrten in allen mittelalterlichen christlich-europäischen Staaten, die in lateinischer Sprache schrieben, immer ihrem Herkunftsland zugeordnet wurden.

Verrät diese merkwürdige historische Tatsache irgendeine Form von kultureller Voreingenommenheit?

Der antike mediterrane griechische Sprachraum bestand aus einer ganzen Reihe von Kulturen, von Süditalien über Nordafrika bis nach Anatolien und dem westlichen Mesopotamien. Auch die Athener betrachteten sich als eigenständig, abgesehen von den Spartanern und Makedoniern, und sie waren untereinander immer im Krieg.

Moderne europäische Gelehrte ignorieren oft, dass diese Denker aus dem griechischen Sprachraum Begriffe frei von ihren ägyptischen, babylonischen und persischen Nachbarn ohne Erwähnung ihrer Bezugsquellen verwendeten und betrachten ihre Ideen als primär „griechischer“ Herkunft. Diese „hellenistische“ Befangenheit der Europäer hat eine komplizierte Wurzel, deren Erklärung den Umfang dieses Essays sprengt.

Tycho de Braeh

Tycho de Braeh

Von John Scotius (Scot Bedeutung Irishman) bis Thomas von Aquin (von Aquino bei Neapel), Adelard of Bath, William von Ockham, dem Dänen Tycho de Braeh, dem italienischen Galileo, dem Engländer William Harvey etc … bei allen, ohne Ausnahme war ihre Herkunft bekannt, obwohl sie ihre Werke in Latein verfasst haben. Niemand hat sie jemals als lateinische oder christliche Wissenschaftler, sondern unabhängig von ihrer  Religion oder Sprache, in der sie schrieben, bezeichnet.

Auch die Griechen waren durch ihre Polis oder den kleinen Inseln, von denen sie kamen, bekannt und gefeiert. Anaximander und Thales von Milet, Pythagoras von Samos, Archimedes von Syrakus, der Athener Sokrates und Plato etc ….Die Kuriosität bezogen auf „Araber“ oder „islamische“ Gelehrte braucht ein wenig Aufklärung:

Im Mittelalter und in der europäischen Renaissance, war Latein die lingua franca der Wissenschaft und der Philosophie, und alle Denker der ganzen Christenheit schrieben ihre Abhandlung in Latein.

Im Mittelalter, als die Europäer mit der islamischen Zivilisation in Berührung kamen, übersetzten sie viele Werke der Wissenschaft und Philosophie aus dem Arabischen ins Lateinische, vor allem in Toledo und Sizilien. Die islamische Welt von Spanien über Nordafrika bis in den Nahen Osten, bestand aus unterschiedlichen ethnischen Bevölkerungsgruppen. Die lingua franca der islamischen Welt war Arabisch, Griechisch war sie in der Ägäis und Latein im mittelalterlichen Europa. So wurden die Autoren, deren wissenschaftliche und philosophische Werke aus dem Arabischen ins Lateinische übersetzt wurden, fälschlicherweise als Araber bezeichnet, in der späteren europäischen Geschichte von der Renaissance bis in die Gegenwart.

Die wahren Araber der Halbinsel waren eine kleine ethnische Gruppe von Stämmen, die den Islam verbreiteten und sich in Teilen der islamischen Territorien, einschließlich in Teilen Nordafrikas, Andalusiens und dem Nahen Osten verbreiteten. Die Ägypter, die Syrer, Libanesen und Iraner betrachten sich nicht als Araber, obwohl sie fast alle Arabisch als ihre Sprache und den Islam als ihre Religion teilen. Die Iraner sprechen Farsi (Persisch), obwohl sie ihre wissenschaftlichen Werke während des goldenen Zeitalters der islamischen Wissenschaft in Arabisch (9. – 12. Jahrhundert n. Chr.) schrieben.

Edward Granville Browne

Edward Granville Browne

Professor Edward G. Brown gab eine Reihe von Vorträgen an der Universität Cambridge im Jahre 1921, die später als Buch mit dem Titel Arabian Medicine“ veröffentlicht wurden. In diesem Buch schreibt er: „Ich habe den Begriff „arabische Zivilisation“ dem Begriff „islamische Zivilisation“ bevorzugt verwendet aus Gründen, die ich unten angegeben habe. Da Latein die Sprache der Wissenschaft und Kultur in Europa während des Mittelalters war, und Arabisch die Sprache der Wissenschaft und Kultur in der islamischen Welt war, ist zu beachten, dass die Begriffe „arabische Wissenschaft“ oder „arabische Medizin“ nur bedeuten, dass in arabischer Sprache geschrieben wurde und das hat keine weitere Bedeutung. Die meisten dieser wissenschaftlichen Abhandlungen wurden von Iranern, Syrern, Juden und in geringerem Maße von Griechen geschrieben und nur eine unbedeutende Anzahl von ihnen wurden tatsächlich von Arabern geschrieben. „[1]

In den letzten Jahren haben verschiedene arabische und westliche Autoren irrtümlich viele iranische Wissenschaftler, die in arabischer Sprache in jenen Jahren schrieben, als Araber bezeichnet, ich möchte kurz ein paar iranische Astronomen [2], Mathematiker [3], und Ärzte [4], die der Welt bekannt sind, erwähnen, die oft fälschlicherweise als „Araber“ in der Welt der Literatur bezeichnet werden, um meine Beschwerde zu erläutern.

Bâbâ Reyhân Biruni

Bâbâ Reyhân Biruni

Khwarazmi [Xârazmi] (780 – 850 n. Chr.), von dessen Namen das Wort Algorithmus stammt, war ein Mathematiker, der das Hindu Zahlensystem in Europa eingeführt hat, das bekannt wurde als „arabische Ziffern“ und das Wort Algebra stammt von grundlegenden Operationen mit Gleichungen, die er beschrieb. Abu Rayhan Biruni [Bâbâ Reyhân Biruni] (973 – 1048 n. Chr.) war ein iranischer Universalgelehrter und ein Freund von Abu Ali Sina, berühmt als Avicenna in Europa (865 bis 925 n. Chr.), der zu Themen wie Astronomie, Mathematik, Physik, Anthropologie, Geschichte und Geographie schrieb. In seiner Astronomie erwähnt er, dass sich die Erde um ihre Achse dreht und diskutiert das heliozentrische Weltbild als philosophische Idee, er schreibt, dass die Bewegung der Erde, der Sonne und der Planeten betreffend Relativbewegungen ausführen, und die Berechnungen der Bewegungen der Planeten die gleichen Ergebnisse liefern, unabhängig ob das heliozentrische oder geozentrische Weltbild angenommen wird. Der dritte Astronom und Mathematiker, den ich erwähnen möchte ist Omar Khayam [Omar Xayyâm] (1048 – 1122 n. Chr.), der einen signifikanten Beitrag zur Algebra gemacht hat, aber im Westen besser als Dichter durch Fitz Gerald Übersetzungen seiner Vierzeiler bekannt ist. Von denjenigen iranischen Ärzten, die auch im Westen bekannt sind und die die europäischen medizinischen Lehrpläne für mehrere Jahrhunderte bis ins 19. Jahrhundert dominierten, und wieder als arabische Wissenschaftler von europäischen und modernen arabischen Autoren bezeichnet werden, möchte ich erwähnen, Ali Ibn Rabban Tabari [Ali Ebne Rabbân Tabari] (838 bis 870 n. Chr.), Zakariya Razi [Zakariyâ Râzi] (865 bis 925 n. Chr.), Ali Ibn Abbas Majoosi Ahwazi [Ali Ebne Abbâs Majusi Ahvâzi] (gest. 982 oder 994 n. Chr.) im Westen als Haly Abbass bekannt.

Avicenna

Avicenna

Diese Gelehrten waren wie Khawrazmi und Biruni in Khawrazm geboren, ein Teil Groß-Khorasans im nordöstlichen Teil des iranischen Reiches (das heutige Usbekistan) und Khayam wurde in Nishapur geboren, (in Khorasan) und ist dort auch begraben. Von den Ärzten war Tabari aus einer jüdisch-iranischen Familie in Tabaristan (heute Mazandaran Provinz Nord-Iran); Razi wurde in Rayy geboren, eine alte Stadt südlich des heutigen Teheran wo er auch verstarb; Ahwazi wurde in Ahwaz, im südwestlichen Iran geboren und Avicenna war in Afshana nahe Buchara, wieder in Groß-Khorasan geboren worden. Viele dieser Gelehrten besuchten Bagdad, das Zentrum des östlichen Kalifats, und lehrten an einer der Institutionen dort, die meisten gingen in ihre Heimat zu einem späteren Zeitpunkt zurück.

Man kann sich fragen, warum sich dieses Vorurteil in die Welt der Wissenschaft in der Vergangenheit eingeschlichen hat und in den letzten Jahren weiter verkündet wurde. Iraner sind sehr empfindlich und nehmen Anstoß daran, als Araber bezeichnet zu werden, und es wäre hilfreich, wenn westliche und arabische Wissenschaftler diese scheinbar einfache Tatsache zu schätzen wissen könnten und dem Tribut zollen, und denjenigen Ehre gewähren, denen Ehre gebührt.

Quellen: [ Dr. Touraj Nayernouri MD FRCS, Iranian Or Arab Scholars[1] Browne EG. Arabian Medicine. UK: Cambridge University Press; 1921. [2] Nasr SH. The exact sciences. In: Frye RN, ed. The Cambridge History of Iran. Vol. 4; Chap.11. UK: Cambridge University Press; 1975: 387 – 392. [3] Ibid.: 379 – 386. [4] Elgood C. A Medical History of Persia and the Eastern Caliphate. Cambridge; Cambridge University Press; 1951.]

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17 Gedanken zu „Waren es iranische oder arabische Gelehrte?

  1. Das es sich um kulturelle Voreingenommenheit der Europäer handelt, glaube ich kaum. Aus dem Stegreif fällt mir ein wichtiger Unterschied zwischen Abend- und Morgenland ein. Während sich in Europa im Zuge der Renaissance die christliche Kirche sukzessive nationalisierte (Reformation), fand im Islam ein ähnlicher Prozess bis heute nicht statt. Immer noch dominiert in islamischen die Religion die Nation und wir erleben gerade einen Prozess, bei dem nationale Bindungen weiter gelockert werden. Dass die Europäer, in der Geschichte des Islam eher unbewandert, diese Religion als monolitischen Block wahrnehmen, wundert mich nicht, da es eine ganze Reihe einflussreicher islamischer Gelehrter es ja genauso sehen.

    • Bitte nicht vergessen, dass die europaeische Renaissance nur moeglich war, weil die Werke der iranischen, aegyptischen, juedischen und syrischen Wissenschaftler ueber Spanien und Sizilien nach Europa gelangt waren. Ohne diesen Tatbestand haette es keine Renaissance in Europa geben koennen. Man sollte auch nicht Renaissance mit Religionsreformation gleichsetzen. Nicht umsonst begann das Zeitalter der Renaissance in Italien, weil von dort aus die wissenschaftlichen und philosophischen Werke aus dem islamischen Raum nach Europa gelangten. Die Reformation von Martin Luther fand deshalb auch erst Anfang des 16 Jhd. statt, waehrend die Renaissance bereits im 15. Jhd. begonnen hatte und Voraussetzung fuer die Reformation der Kirche war. Und noch etwas: Der Islam stand den Wissenschaften bei weitem nicht so antagonistisch gegenueber wie die christliche Kirche, das sollte man zur Kenntnis nehmen. Immerhin ist jeder im christlichen Machtbereich, der diesen Unsinn von Religion nur im entferntesten in Frage stellte, auf dem Scheiterhaufen gelandet. Nicht einfach nur immer drauflos schreiben!

      • Ich bin kein Historiker und möchte keinen Streit vom Zaune brechen. Aber ich kann ihnen versichern das die angebliche Wissenschaftsfeindlichkeit des Christentums eine wohlfeile Lüge seiner Feinde ist. Wer die Werke der Kirchenväter liest, begreift das sehr schnell. Nur muss man sie halt lesen. Die Masse tut das hierzulande nicht mehr, so haben Antichristen leichtes Spiel. Es sei an der Stelle genug dazu gesagt.

        Wenn der Einfluss der arabischen Welt auf das Abendland so groß gewesen ist, wie Du behauptest, also es ohne ihn keine Renaissance gegeben hätte, so erstaunt es mich um so mehr, warum eine ähnliche Modernisierung des Glaubens in der islamischen Welt bis heute ausgeblieben ist. Folgt man Deiner Logik, dann hätten die „Araber“ an der Spitze des menschlichen Fortschritts gestanden und nicht die Europäer.

        Auch hier wird viel behauptet, was sich durch historische Tatsachen nicht belegen lässt, zumindest andere Interpretationen ebenso schlüssig sind.

        Indes, ich will weder die islamische, noch die persische Kultur kleinreden. Ich verstehe zuwenig davon. Eine Kultur kann man weder aus Büchern lernen, noch an Universitäten studieren. Kultur muss man leben, von Kindheit an, sonst werden Sitten, Gebräuche und Vorstellungen immer Fremde bleiben. Es reicht allerdings schon, wenn man füreinander Respekt entwickelt und den meinen haben sie, trotz alledem.

  2. Ich schätze, dass die Sprache „arabisch“, in der diese wissenschaftlichen Werke dieser Herren abgefasst wurden, als wissenschaftlicher „Block“ von den Europäeren verstanden wurde und diese unter der arabischen Wissenschaft subsumiert wurde. Ich glaube weniger, dass damit alle Iraner, Juden oder Wissenschaftlier anderer Nationalitäten in ihrer Bedeutung herabgesetzt werden sollte. Erschwerend kommt noch hinzu, dass „arabisch“ mit „Islam“ gleichgesetzt wurde und möglicherweise ja auch leider der Realität entspricht. Avicenna z. B. war überzeugter Muslim, der der Scharia anhing, kein Wunder, wurde er als Kind korangemäß unterwiesen. Somit wurden diese Persönlichkeiten dem Islam zugeordnet und dem „goldenen islamischen Zeitalter“ zugeordnet. Der Islam war nun einmal die prägende Gesellschaftsordnung in Arabien in Persien und anderen Ländern. Sie wurden gewaltsam dem Islam einverleibt. Da der Gott des Islam sich nun einmal die „arabische Sprache“ als himmlische Sprache ausgesucht hatte, kam es für die Europäer nicht mehr auf die Herkunft der Länder der Wissenschaftler an, sondern sie schrieben alle Wissenschaft aus dieser Zeit dem „goldenen Zeitalter des Islam“ zu und der „Islam“ war in der Vorstellung der Europäer „Mekka und Co.“ arabisch. Der Begriff des „goldenen islamischen Zeitalters“ spricht in diesem Zusammenhang Bände.

    Prüft man den historischen wissenschaftlichen Wert des einzelnen Menschen und verortet seine Herkunft, so kommen dann ganz andere Ergebnisse zutage wie der Artikel auf diesem Blog

    https://parseundparse.wordpress.com/2012/01/20/das-goldene-zeitalter-des-islam/

    beschreibt.

    Der Schlüssel zu diesem europäischen Verständnis liegt letztlich in der Sprache, in der diese Sprache zugrunde liegenden Religion begründet. Den Europäern erschient der Nahe Osten insgesamt als monolithärer Block. Da schmückte sich der islam wohl bei näherem Hinschauen mit fremden Federn – im Grunde wie so oft. Denn auch Avicenna eckte mit seiner Philosophie wohl mit Vertretern des orthodoxen Islam an. Wäre er nicht ein so genialer Arzt seiner Zeit gewesen, wäre er wohl im Kerker gelandet.

    • Werter Bazillus, mache bitte nicht den Fehler, Avicenna als Muslim und dann auch Schiite zu bezeichnen, denn zu seiner Zeit waren die Iraner erstmals Sunniten, erst vor 500 Jahren und nach der Gewaltherrschaft der Safawiden durch die Schwert-Gewalt wurden sie Schiiten! Avicenna war selbst verfolgt von der sunnitischen Herrschaft und ein absoluter Gegner des Islams. Er hatte Bücher, die bis heute als Blasphemie abgestempelt werden.

      • Werte Fartab Parse,
        stimmt es denn nicht, das Avicenna als Muslim aufgewachsen ist und seinem Glauben trotz Verfolgung letzllich treu geblieben ist? Was blieb einem Kind, welches den Koran auswenig aufsagen konnte und welches im Islam (ich hab ja nicht behauptet, dass er Schiit war) aufgewachsen und erzogen wude, denn anderes übrig? War er denn Apostat? Dass er verfolgt wurde, heißt ja nicht, dass es sich von seinem Glauben losgesagt hatte. Ist dieses sein Lossagen vom Islam bekannt und gesichert? Das würde mich echt interessieren. Die Kritik am Islam, die er durch seine Bücher verfasst hat, sind ja nicht unbedingt als persönlicher Abfall vom Islam zu werten (aus der Sicht der Orthodoxen natürlich schon). Oder hat er den Islam in Bausch und Bogen als Religion zutiefst abgelehnt. Hat er die scharianischen Gesetze explizit abgelehnt? Das würde mich wirklich interessieren.
        Aber das ist ja gerade das Dilemma, dass solche hervorragenden Geister nicht individuell von außen wahrgenommen wurden, sondern als Angehörige des islam und darum ja auch dieses irreführende Verständnis in Europa.

        • http://www.onmeda.de/lexika/persoenlichkeiten/avicenna.html
          Sowohl Avicenna als auch Averroes, ebenfalls ein islamischer Gelehrter, kamen immer dann mit der islamischen Orthodoxie in Konflikt, wenn sie nach „Vernunft“ riefen und sie in ihren Werken als Leitschnur ihrer hochstehenden Gedanken. gebrauchten und dem freien Gedanken Raum gaben. Dann gerieten sie in islamische Verfolgung. Ob sie aber ihren persönlichen Glauben aufgegeben haben, lässt sich wohl nicht klären.

          http://www.spektrum.de/alias/avicenna/ein-muslim-im-kirchenfenster/829408

          Schon damals kam Avicenna als Muslim rüber. Im Mailänder Dom wurde er als Muslim in einem Kirchenfenster dargestellt. Das ist eben genau das Dilemma. Er wurde als hochgeachteter und hochgelehrter Muslim wahrgenommen.

          Wenn der Islam sich heute mit diesen Geistesgrößen in der Weise schmückt, dass der Islam schon immer zu Europa gehört habe, dann sollte man diesen Geschichtsfälschern einmal die Behandlung dieser Geistesgrößen seitens der islamischen Herrscher vorhalten. Sie waren Geistesgrößen trotz des Islam. Sie waren Menschen, die mit den Antworten des Koran eben nicht zufrieden waren. Sie haben den Islam reformieren wollen. Aber stattdessen wurden sie verfolgt und abgelehnt. Sie als Koryphäen der Geistesgrößen des Islam zu präsentieren, ist schon mehr als gewagt. Wer vom Islam verfolgt wurde, kann sich nicht später damit brüsten, dass diese islamisch Verfolgten, in der Wissenschaft den Islam je vertreten zu haben.

          Ganz meine Meinung, aber sie wurden als Muslime wahrgenommen von den Europäischen Gelehrten, auch nachträglich, ob wir das gutheißen oder nicht. Und genau das ist der Grund, weil der Islam sich ja ständig als Einheit (Umma) präsentiert, die er ja bei genauem Hinsehen auch nicht ist. Der Islam besteht nun einmal aus Fälschung der Geschichte und religiösen Lügen.

          Aber formell kann der Islam mit Avicenna und Averroes angeben, weil sie wohl nicht persönlich dem Islam als Gesamtglauben den Rücken gekehrt haben. Leider.

          • Werter Bazillus, bei Gelegenheit werden wir auch über Aviccena berichten. Zum Vergleich reicht es, wenn ich sage, dass es wie in der Inquisitionszeit in Europa gelaufen ist. Es gaben auch viele oder einige der Gelehrten, die sich von der Kirche verabschiedet hatten oder andere Ansichten hatten. Einige waren wie Giordano Bruno oder auch wie Galilei. Aviccena hatte seiner Zeit Zutritt zu einigen alten persischen Büchern über die alte persische Religion, und der Verstand, von dem er auch gesprochen und geschrieben hatte, bezog sich auch auf die alte Lehre von Zarathustra. Es gaben Gelehrten, die um diese Lehre zu bewahren, sie als islamische Lehre verkörperten und eine andere „vernünftige“ Seite des Islams zeigten. Einige haben Orden und Sekten gegründet, um diese Lehre und die von Mazdak und Mâni (Manichäismus) aufrechtzuerhalten. Heute kennen wir sie als einige der Sufi-Orden. Wichtig ist zu wissen, dass nicht alle Gelehrten in dieser Zeit überzeugte Muslims waren, sondern weil sie nun den Koran auswendig lernten und ihn interpretierten, wussten sie um diese Religion! Vor Jahrhunderten waren auch nicht viele über den Islam aufgeklärt und dachten, dass alle Gelehrten auch Muslimen waren! Aber, bei Gelegenheit!

  3. Voraus schicken möchte, dass ich die altpersische Kultur und Zivilsation sehr schätze. Ichatte bereits beruflich und privat mit Iranern zu tun.

    Ich möchte doch noch einige Bemerkungen zur Renaissance hier loswerden.Über diese Thematik gibt es im Westen eine unüberschaubare Zahl an Primar-und Sekundärquellen, dass man gar nicht glauben kann, dass noch ein neuer Standpunkt erscheinen könnte.
    Die Behauptung ohne den Werken der persischen, ägyptischen, jüdischen und syrischen Wissenschaftler hätte ies in Europa keine Renaissance gegeben, ist, um es einmal sehr euphemistisch ausdrücken, sehr gewagt.Interessanterweise haben Sie die griechischen Klassiker und deren Nachfolger komplett vergessen.

    Petraca, Boccacio und Giooto im 14.Jahrhundert haben die Grundlagen dafür gelegt, was sich dann ab Anfang des 15.Jhdt, des Quattrocento,immer stärker in Erscheinung trat.Petraca ermunterte seine Bekannten, nach verlorenen Manuskripten der griechischen und römischen Antike zu forschen, antike Inschriften zu kopieren und antike Münzen zu sammeln. Er hat nicht nur die Welt der Klassik entdeckt, sondern hat auch, an Stelle des Übernaürlichen, das Natürliche in den Mittelpunkt menschlicher Interessen gerückt.

    Ein weiters Merkmal der Renaissance waren die Humanisten, die Entdeckung der Perspektive in der Malerei sowie einige neuartige Bautechniken in der Architektur und die atemberaubenden
    Werke der Bilderhauer.Die Errichtung der Platonischen Akademie in Florenz an der Plato und der Neuplatonismus gelehrt war in philosphischer Hinsicht eminent wichtig für Philosphie und Literatur.

    Zum Schluß meines kleinen Beitrages möchte ich Ardaschir Parse doch bitten, wenigsten je einen Namen und ein Werk der erwähnten iranischen, ägyptischen, jüdischen und syrischen Wissenschaftler zu nennen, welches für die Enstehung der Renaissance in Europa unabdingbar ist. Ohne dessen Existenz und seiner Übersetzung eine Renaissance in Europa nicht denkbar gewesen wäre.

    • Um Missverstaendnisse zu vermeiden sei gesagt, dass die Renaissance durch das Wissen im islamischen Machtbereich, das nach Europa gelangte eingeleitet wurde, danach nahm es seine eigene Entwicklung! Eigentlich habe ich wenig Lust zu diskutieren, weil die Zeit fehlt, ich werde ihnen jetzt aber 2 nennen:

      Den juedischen Philosophen Solomon Ibn Gabriel: „Die Lebensquelle“
      Der Iranische Arzt und Philosoph: Abu Ali Ibn Sina: „Kanon der Medizin“

      Es gibt Hunderte!!!

      Die Wissenschaftler in allen Bereichen aus dem islamischen Raum, darunter auch Juden und Christen deren Werke ins Lateinische uebersetzt wurden und ueber Sizilien und Andalusien ihren Weg nach Zentraleuropa nahmen, ergaeben eine lange Liste, waehrend man in Europa bis zur Renaissance so gut wie nichts vernahm, von ein paar griechischen Werken mal abgesehen, von denen auch die Haelfte Plagiate waren. Wenn Sie es interessiert googeln sie selbst, weil mir fehlt dazu die Zeit. Die westliche Welt weiß, dass die persischen, aegypyischen, syrischen und juedischen Wissenschaftler das Wissen besaßen und wir muessen hier eigentlich keine nennen, weil sie bekannt sind. Der Europaeer gibt nicht gerne zu, dass man in Europa noch hinter Bäumen pisste und kackte, waehrend wir über Abwasserkanäle und Toiletten verfuegten! Der Grund weshalb die islamische Welt ins Stocken kam liegt daran, weil dann ein Idiot namens Imam Mohammad Ghazali der Auffassung war, dass alles Wissen Blasphemie sei und er hatte dann bei den Machthabern großen Einfluss und ab da erst starb das Wissen im alten Orient! Abgesehen davon hatte Mitteleuropa nichts zum Wiedergebaeren aus der Antike, wie koennte es dann eine Renaissance geben? Allein der Begriff ist eigentlich falsch.

  4. „… bei allen, ohne Ausnahme war ihre Herkunft bekannt, obwohl sie ihre Werke in Latein verfasst haben. Niemand hat sie jemals als lateinische oder christliche Wissenschaftler, sondern unabhängig von ihrer Religion oder Sprache, in der sie schrieben, bezeichnet.“
    Wie wahr, Ardesir!

  5. Also ich kann damit super leben, wenn Wissenschaftler im Altertum aus fernen Ländern kommen als wir noch auf dem Donnerbalken gesessen haben. Es ist doch toll, dass Menschen – egal, welcher Nationalität sie angehörten, überhaupt freie Gedanken geäußert haben und wissenschaftliche Studien getätigt haben. Dass Kriege, Eroberungen, aber auch Handel und völkischer Austausch immer zur Erneuerung und zu Wissensvermehrung auch in anderen Ländern beigetragen haben, scheint außer Frage zu stehen. Mir ist es egal, ob Beethoven Deutscher war. Auf seine Musik kommt es an. Und sie ist für alle Menschen geschrieben. Es ist toll, dass jemand die Waschmaschine erfunden hat. Diese Erfindung ist ebenfalls für alle da. Es ist wunderbar, dass der persische Arzt Avicenna so ein wissenschaftliches Mulittalent war. Natürlich darf eine Nation stolz sein auf einen Sohn oder eine Tochter aus ihren Reihen, die durch echte Leistung berühmt wurden. Letztlich jedoch ist es doch so, dass die Wissenschaft, die Kultur oder die Kunst immer Menschen inspiriert hat, Großes zu leisten. Der menschliche Verstand verbunden mit unstillbarer Neugier schafft so etwas.

    Selbstverständlich ist es legitim, festzustellen, dass eine Erfindung oder jene wissenschaftliche Arbeit aus den Reihen der Perser, der Griechen, der Ägypter oder anderer Völker kommt. Diese Arbeiten wären alle letztlich unwichtig, wenn sie nicht für alle Menschen Nutzen gebracht hätten.

    Was aber überhaupt nicht sein darf ist, dass Geschichtsklitterungen und Unwahrheiten, aber auch Auslassungen und Vernachlässigungen betrieben werden, aus fahrlässiger Nachlässigkeit mag ja gerade noch angehen, aber aus Bosheit oder mit Fälschungsabsicht durchgeführt, wie dies durchaus aus religiösen und politischen Motiven heraus geschieht, ist schon eine echte Lüge und das muss sich niemand gefallen lassen und muss auch richtig gestellt werden.

    Also ich persönlich sehe in diesen Leistungen an erster Stelle die Leistung eines individuellen Menschen. Wenn dieser Muslim oder Christ, BAhai oder Zoroastrier war, spielt doch erst einmal kaum eine Rolle. Diese Leistung sollte zuerst ihm persönlich zugeschrieben werden. Ich interessiere mich dann für diesen Menschen persönlich, nicht für dessen oder deren Nationalität, der er entstammt. Ich persönlich würde Deutschland eher weniger mit Beethoven in Verbindung bringen. Ich bewundere diese Leistung dieses Menschen als Individuum. Dass er zufällig Deutscher mit niederländischen Wurzeln väterlicherseits war, ist für mich relativ unwichtig. Nur wenn jemand behauptete, dass er Franzose, Grieche oder Däne war, würde ich säuerlich reagieren.

    Will damit sagen, dass erst Falschbehauptungen die Nationalität und die Herkunft dieser Menschen, die Großes geleistet haben, erst wichtig machen. Ich bin Herrn Avicenna genauso dankbar, dass er ein großer Wissenschaftler war Aristoteles, Pythagoras, allen persischen, wie jüdischen und britischen Wisstenschaftlern und späteren großen Gelehrten wie Madame Curie, Einstein und Co. Ich interessiere mich da nicht oder weniger, welcher Nationalität sie entstammten. Das sollte unverkrampfter im Umgang miteinander gesehen werden.

    Wie geschrieben: Erst wenn Falschbehauptungen die Runde machen, sollte Wert darauf gelegt werden. Darum verdient der hier veröffentlichte Artikel völlige Zustimmung, weil es diese historischen Fälschungen und Falschbehauptungen mit unzulässiger Zielsetzung sind, die diese Fragen zu Recht erst nach oben kochen.

    In diesem Fall nehme ich doch auf meinen eingangs geshriebenen Kommentar Bezug. Falls es boshafte Geschichtsklitterung mit dem Ziel sein soll, den Persern in ihrem Ansehen zu schaden, muss das richtiggestellt werden dürfen. Aber die Gründe, dass diese (aus europäischer Sicht) boshafter Natur sein sollen, wage ich im Moment noch zu bezweifeln. Sprache und Religion (letztlich Religion, die arabisch als göttliche Sprache bestimmt) trugen m. E. dazu bei, dass alle großen Wissenschaftlicher aus Nahost unter dem Begriff „arabische Wisschenschaft“ und „islamische Blütezeit der Wissenschaft“ subsumiert wurde. Das ist allerdings ein Phänomen, welches sich lohnt differenziert betrachtet zu werden. Gerade der Islam als Religion hat die Eigenschaft, sich alles einzuverleiben, ob zu Recht oder zu Unrecht. Das darf nicht sein.

    • Danke werter Bazillus, Du hast verstanden, worum es uns bei diesem Artikel geht! Es geht darum, dass seit einigen Jahren „massiv“ versucht wird (mit Petrodollars), für Araber durch die westliche Welt eine Identität geschaffen zu werden und das auch auf Kosten uns Iraner! Und wenn ich das auch schreibe, kann das auch beweisen. Bald werden wir darüber berichten! Es geht darum, dass wir seit Jahren brutal unterdrückt werden und auch im Ausland versucht man mit allen Mitteln uns unserer Würde, Geschichte und Kultur mit Füßen zu treten und sie zu berauben. Allein die Türkei hat bei UN und UNESCO von uns beraubt und für sich beansprucht und weil wir keine Regierung an der Macht haben, die sich für das Land und seine Geschichte und Kultur interessiert, im Gegenteil wird alles Iranische systematisch vernichtet und das Arabische mit Gewalt befestigt, haben wir leider keine richtige Vertreter, die es rechtlich anfechten können und Du kannst Dir dann unsere Wut im Bauch vorstellen, wie es ist, jeden Tag ein Stück Deiner Identität zu berauben!

  6. Genau so wie hir in Deutschland, Mann saght zu alles orientalische türkisch.obwohl die türken das meiste von andere Volker haben, oder aus andere Länder nach Europa exportiert werden.

  7. Pingback: » Arabische Gelehrte - FreidenkerInnen Region Winterthur

  8. Mir fehlt besonders die Erwähnung der Zwanges der arabischen Welt durch die islamische Invasion. Die Perser haben nicht nur arabisch gesprochen, sie MUSSTEN arabisch sprechen, arabische Namen und Schrift annehmen und wurden zum Islam gezwungen, während ihre ursprünglichen Tempeln der Zoroastrier zerstört wurden. Deshalb u. a. distanzieren sich Perser immer von Arabern!

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