Viagrastan: Ein unorthodoxes Spiel für afghanische Herzen und Köpfe

afghanische Mullas_Bildquelle AFPKabul – Vor mehr als drei Jahren, als die US-Truppen in Afghanistan begannen, die Taliban aus bewohnten Gebieten zu vertreiben, startete ein britisches Militär Wiederaufbau-Team in der Provinz Helmand eine Kampagne, um die  Loyalität der Dorfbewohner zu gewinnen. Das Team begann mit der Durchführung einer Umfrage in den örtlichen Moscheen in der Provinz und fand dort etwa 10.000 Mullahs und Muezzins, die mit ihnen verbunden waren. „Wir wussten, dass die Mullahs großen Respekt in der afghanischen Gesellschaft genießen, auch unter den Taliban, so haben wir uns entschlossen, so viel Unterstützung wie möglich für die alliierten Anstrengungen und die Regierung von den Imamen der Moscheen zu bekommen“, sagte ein britischer Berater über die Operation, der nicht genannt werden will, weil er nicht berechtigt war, mit der Presse zu sprechen. „Unser Ziel war es, den Mullahs verstehen zu geben, dass wir hier sind, um ihnen zu helfen und das Leben der Menschen zu verbessern.“


Um dies zu tun, begann das Team konzentriert seine Anstrengungen bei den 570 einflussreichsten Imamen, die in der Nähe von Taliban kontrollierten Gebieten predigten, in einer Operation die “Projekt Mullah“ genannt wurde. „Wir zogen aus und haben versucht zu den Imamen Beziehungen aufzubauen“, sagte der Berater. „Wir waren besorgt darüber, dass sie mit uns nicht zusammenarbeiten würden, doch sie taten es.“ Als Belohnung begann das Team den Imamen und ihren Moscheen Lebensmittel, Kleidung und Schuhe zu geben. Als die Mullahs um weitere Lieferungen baten, schien die Kampagne ein Erfolg zu werden. Bald versorgte das Projekt, die in Taliban kontrollierten Gebieten lebenden Imame und ihre Familien, mit Nahrungsmittel und Kleidung, und die Mullahs baten um  Medizin und Artikel, wie Seife und Haushaltswaren.

Es dauerte nicht lange, bis einige Imame anfingen sogar Team-Mitglieder ins Vertrauen zu ziehen und ihre ganz persönlichen Beschwerden, wie ihre sexuellen Schwächezustände offenzulegen. Die Antwort darauf war: Viagra. „Wir gaben zögernd Viagra ein paar Mullahs“, sagte der Berater. „Und nach ein paar Monaten forderten alle die Droge, und so begannen wir mit der Bestellung und Verteilung großer Mengen.“

Nicht alle Teammitglieder und britischen Kommandeure waren zufrieden mit der Viagra-Kampagne, egal wie beliebt sie die Alliierten bei den Mullahs machte, und wie viele Herzen und Köpfe für die Sache der Alliierten gewonnen wurden. „Einige Offiziere beschwerten sich darüber, dass wir nur mehr Taliban produzieren, also mehr Kinder geben würde, die aufwachsen würden, um Taliban zu sein“, ein anderes ehemaliges Team-Mitglied sagte: „Wir haben Viagra bis zum Ende des Jahres 2010 verteilt und bekamen, was wir wollten, gute Ergebnisse.“

Einige Mullahs, die Viagra bekamen, waren so hilfsbereit, dass das Team in der Lage war, vom Oberkommando der britischen Streitkräfte die Erlaubnis zu bekommen, ein Dutzend der kooperativsten Prediger auf eine Tour durch das Vereinigte Königreich mitzunehmen „Die Idee war ihnen zu zeigen, dass der Islam weit und frei in Großbritannien praktiziert wird“, sagte das ehemalige Teammitglied. Auf dem Weg nach England, machte die Gruppe in Dubai einen Zwischenstopp, wo die Mullahs sahen, wie muslimische Frauen in der Wüstenhitze mehr Haut entblößten, als es bei ihnen zuhause erlaubt ist. Während sie in London waren, waren sie überrascht zu sehen, wie viele britische Frauen, wegen dem kalten Wetter  mehr bekleidet waren, als diejenigen in Dubai. Die Mullahs waren wegen den kleinen Moscheen, die sich im Inneren des Verteidigungsministeriums und des Innenministeriums befinden, beeindruckt. Sie besuchten auch eine Reihe von Londoner Moscheen, in denen sie sich frei mit anderen Geistlichen und Gläubigen austauschen konnten.

Aber die Team-Mitglieder, die die Mullahs begleitet hatten, wurden enttäuscht, als es schien, dass viel von der Gutmütigkeit, die in Helmand präsent gewesen war, verschwunden war, als die Mullahs mit den britischen Mullahs und den Gläubigen in den Moscheen interagierten. Die Helmand Mullahs sehen Juden und Christen immer noch als „Feinde des Islam“ und die Amerikaner und die Briten in Afghanistan als „Eindringlinge“, die vertrieben werden müssen an.

Als Ergebnis nach der Realisierung des Programms, als es schwierig war den Erfolg des Programms zu messen, wurde das „Projekt Mullah“ Ende des Jahres 2010 ausgesetzt. „Auch mit dem Viagra gewannen wir nie den klaren Eindruck, dass wir das westliche Bild unter den Helmand Mullahs verbessert haben“, sagte der Team Berater.Wir sind einfach nicht sicher, bei der Befriedung der Region erfolgreich gewesen zu sein.“ Auch Viagra, so scheint es, hat seine Grenzen.

Quelle: The Daily Beast

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4 Gedanken zu „Viagrastan: Ein unorthodoxes Spiel für afghanische Herzen und Köpfe

  1. Echte Freunde erkennt man in der Not.
    Ich finde es naiv, sich Freunde zu kaufen und dann überrascht nicht feststellen zu können, ob sie echt sind.
    Typisch Soldaten: Wie bei Raketen wollen sie feststellen, ob das Ziel verfehlt oder erreicht (getroffen) wurde.
    Gute Partnerschaften aber gehen anders: Ohne von oben herab, dafür mit Respekt vor dem anderen.
    Soldaten müssen dafür – denke ich – von allen gesellschaftlichen Gruppen am meisten umdenken. Sie sind fest eingebunden in Befehlsketten, Drohungen, Zwang und Gewalt. Das ist der Gegenpol zum Frieden (was sie allerdings nicht davon abhält, ihr dasein ‚Friedenssicherung‘ zu nennen).

    Diese Soldaten haben nun ein paar erste Schritte in Richtung Frieden gemacht. Etwas zweifelhaft zwar, sich Günstlinge züchten zu wollen (auf Kosten der Frauen wahrscheinlich, die dann um so mehr aushalten müssen), aber immerhin mit einem gewissen Dialog.

    Nur was für eine Chance haben wenige friedliche Maßnahmen inmitten eines über Generationen gewachsenen und immer noch weiter wachsenden Konflikts?

    ‚Ein bisschen Frieden‘, wie es Nicole ebenso einprägsam wie naiv einmal sang, geht meiner Meinung nach ebenso wenig, wie ein bisschen schwanger.

    Frieden gedeiht nur langsam, Gerechtigkeit ist dabei obligatorisch, und Vertrauen muss erst wachsen. Haß und Gewalt aber funktionieren sehr schnell. Schmerz und Wut können nicht nur treffsicher erzeugt werden, sondern auch durch Fahrlässigkeiten, oder gewohnheitsmäßigen Geringschätzungen und Demütigungen entstehen.

    Manchmal muss man KOMPLETT umdenken.
    Es müsste ein Neuanfang her.
    Er müsste von höchster Stelle ausgerufen werden.
    Und er müsste alle Zweifel ausräumen!

    Nicht nur die Frage, die dann wohl vom Gegenüber kommen würde:
    „Ja wollt ihr uns denn gar nicht mehr ausnutzen?“
    Sondern ebenso die Fragen die aus den eigenen Reihen kämen:
    „Wie soll denn die (Gegen-) Gewalt der dann nicht mehr Unterdrückten ausgeschlossen werden?“

    Wohl eher unwahrscheinlich, dass man einen Weg zum Frieden findet, solange man für Waffenentwicklung 1000 mal mehr ausgibt, als für Friedensforschung.

  2. Pingback: Viagrastan: Ein unorthodoxes Spiel für afghanische Herzen und Köpfe « kopten ohne grenzen

  3. Typisch Militär. Danke, werter Jockel für die stimmige philosophische Analyse.

    Praktisch: Der Erfolg von ausgerechnet „Viagra“ ist die Vermehrung der unseligen Geisteshaltung, die gerade Staaten, die Millitär in Afghanistan stationiert hat, zu Todfeinden erklärt. Der Erfolg ist eine Vermehrung der unseligen Frauenunterdrückungsmaschinerie von islamsichen Gesetzlichkeiten, die wieder zusätzlich neues Mädchenelend bringt.

    Ich bin da ein wenig „radikaler“. Wie kann Gewaltlegitimation aus den Köpfen von Menschen verschwinden, wenn sie genau diese in ihrem „heiligen Buch“ als göttliche Aufforderung und somit als göttliche Gottesbilddimension finden und empfinden?

    Mit solchen billigen Lockangeboten und den lächerlichen Versuchen, Freundschaft auf einen Zweck herunter zu brechen schafft man weder echte Freundschaft noch wirkliche Nähe. Denn diese „Freundschaften“ sind nicht von echter Menschenwärme und seelischer inniger Wahrheit getragen, sondern von berechnendem Nutzen. Diese politischen, wirtschaftlichen und anderen „zweckdienlichen“ Freundschaften zerbrechen daran, dass diese Freundschaften auf Sachdienlichkeiten beruhen in dem Erkennen, dass hier das Denken und Handeln von Menschen durch solche Gesten gesteuert, kanalisiert werden soll. Im Grunde nur peinlich.

    Und wieder meine These: Wer den Islam und die muslimischen Menschen, die selbstverständlich wie alle Menschen liebenswert sind und leider durch ihre Religion zu deren Opfer werden, wirklich reformieren will, muss das islamische Gottesbild aufbrechen und versuchen, dieses dem Gottesbild Jesu ähnlicher werden zu lassen, muss die Taten des Propheten als ungöttlich einstufen, weil sie – sofern sie von religiös motivierter medinensischer Ausgrenzungsgewalt geprägt sind, erkannt werden mussen. Nur wenn Religionsdenken sich nach „Liebesregularien“ in Bezug auf Gott und j e d e m Menschen ausrichten, kann eine Religion als positiver Gesellschaftskitt ihren wichtigen Dienst leisten.

    Wer jedoch angesichts der islamischen Dogmen diese Religion als von „Gott“ als gleichwertig zum Christentum oder Zoroastriertum inspiriert ansieht, hat schon verloren. Somit sind Religionen nicht gleichwertig. Jede Religion, in der außer Notwehr Gewalt als Stilmittel des Religionserhalts- und -erweiterungsstrebens angesehen wird, ist eine für Menschen schädliche Religion, von der Karl Marx sagte, dass sie Opium für das Volk sei (obwohl er diese Äußerung für alle Religionen unter der Sonne getätigt hat) . Wenn Nazigrößen dieser Relgion positiv gegenüberstanden, sollte in einem Land, welches diese armseligen Würstchen hervorgebracht hat, deren heutige Politiker sich im Kampf gegen „Rechts“ förmlich konkurrierend überbieten zumindest echte Skepsis an den Tag gelegt werden.

    http://www.christundwelt.de/themen/detail/artikel/herrn-hitlers-spaete-liebe-zum-islam/

    http://antiislam.wordpress.com/2010/11/18/zitate-zum-islam-hitlerhimmler-nationalsozialismus-und-islam/

    Nun bin ich mal wieder vom Thema vollends abgekommen. Sorry.

  4. Pingback: Afganistan: Cuando Viagra se convierte en un instrumento diplomatico, para ganarse a los Mullahs « NUEVA EUROPA- Nueva Eurabia

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