Lehren aus der Vergangenheit für die Wahlen 2013 in Iran

Lehren aus der Vergangenheit für die Wahlen 2013 in Iran

Lehren aus der Vergangenheit für die Wahlen 2013 in Iran

von Šâhin Fâtemi

Erneut wiederholt sich die Tragikomödie der Wahlen in Iran, ein neuer Affront gegen die Heiligkeit der iranischen Nation. Wieder einmal wollen die dekadenten Passionsspieler des Mullah-Regimes einen Zirkus namens „Wahlen“ ihren ausländischen Meistern als Einlauf geben, damit der verwirrte US-Außenminister [John Kerry] sagen kann: „Der Iran hat eine gewählte Regierung.“ [1] Diese Aussage assoziiert den berühmten Satz „Mussolini ließ die Züge pünktlich fahren“. [2]

Ich wünschte, jemand würde den offenen Brief von Dr. Mohammad Maleki, der erste Präsident der Teheraner Universität nach der Islamischen Revolution, in dem er sein Leid klagt, über den Grad der Integrität und Klarheit bei den Mullah-Wahlen, dem US-Außenminister und seiner Kompanie übersetzen. Dieser ehrenvolle Akademiker, der etliche Jahre in den berüchtigten Gefängnissen des Regimes verbrachte, und heute immer noch unter Hausarrest steht, zählt zu den wenigen Menschen, die das Rückgrat hatten, ihre politischen Fehler in der Vergangenheit zuzugeben. Er fängt seinen Beitrag namens „Lehren aus der Vergangenheit für die Wahlen“ mit derselben Frage an, die dem Gewissen eines großen Teils der „revolutionären“ Intellektuellen zum Verhängnis geworden ist.

 Ein offener Brief von Dr. Mohammad Maleki nach den Wahlen 2009 in Iran

Dr. Mohammad Maleki

Dr. Mohammad Maleki

„In jenen Tagen, als ich und meine Freunde, als religiöse Intellektuelle, die erste Generation der Revolution zur Demonstration und Bemühung das Schah-Regime zu stürzen, unter dem Banner „Unabhängigkeit, Freiheit und Islamische Republik“ [esteqlâl, âzâdi, jomhuriye eslâmi] einluden und ermutigten, und mit verbundenen Augen die Führerschaft von einem Herrn Khomeini angenommen hatten, und niemals unser historisches Gedächtnis bezüglich der Rolle der Mullahs nach der Konstitutionellen Revolution bis damals (1979) genutzt hatten, wussten wir da etwa oder hatten wir jemals daran gedacht, was Herr Khomeini und seine geistlichen Anhänger unter den Begriffen Freiheit, Unabhängigkeit und besonders Islamische Republik im Sinne hatten? Ich, als jemand, der in dieser Revolution eine Rolle inne hatte, nach 33 Jahren, gestehe heute, NEIN!“

Dann fragt er [Maleki], in der Rolle als Staatsanwalt seines Gewissens, sich selbst: „Warum hatten wir, die Religiösen Intellektuellen, die Parolen akzeptiert und sind zu den Wahlurnen gegangen und wählten die Islamische Republik „kein Wort weniger, kein Wort mehr“? Seien wir ehrlich, warum? Und heute, nach über 33 Jahren, was ist unsere Antwort bezüglich dessen, was unser Volk und die erste, zweite und dritte Generation erlebt haben, außer zu sagen, wir waren blind, macht eure Augen auf, lernt aus der Geschichte und nehmt euch ein Beispiel daran, um die Vergangenheit als Wegweiser für die Zukunft zu benutzen, forscht besonders in den wahrheitsgetreuen und ehrlichen Quellen.“ Er fragt dann weiter: „Was glaubt ihr, in einem System, das sich gottesfürchtig und moralisch der Öffentlichkeit darstellte, wie die erste Volksabstimmung abgehalten wurde?“ Er schreibt weiter:

„Ich war bei der Volksabstimmung am 30.03.1979 der Zuständige für die Abstimmung im Wahllokal des Märtyrer-Krankenhauses im Stadtteil Tadschrisch in Teheran. Gegen Mittag kam ein Bekannter eilig vorbei, um seine Stimme abzugeben; er wohnte in unserem Viertel und war ein entfernter Verwandter, der auch ein Akademiker war und in einer Schule in Schemiran [ein Bezirk in der Hauptstadt Teheran] lehrte. Wir verlangten seinen Ausweis. Er lachte und sagte: „Ach was! Bis jetzt habe ich in mehr als einem Dutzend Wahllokalen gewählt“!! Ich und meine Frau und einige andere Zuständige des Wahllokals waren darüber schockiert. Wahrlich, sollten wir eigentlich nicht als Beschützer der Wahlstimmen des Volkes, nach dem Wissen über solche Wahlbetrüge, reagieren? Was war unsere Reaktion? Keine! Wir wollten um jeden Preis die Islamische Republik etablieren, aber den Preis dafür bezahlt jetzt die dritte Generation noch mit ihrem Blut. Lassen Sie mich mit Beschämtheit sagen, wir hatten während der Revolution, der Volksabstimmung und der Wahl des „Expertenrates“, mit dem ich mich im nächsten Brief befasse, und während der drei Jahrzehnte, durch die Kapitulation vor Gefühlen und Unwissenheit gehandelt und tragen große Schuld in uns; und die Last dessen, was die zweite und dritte Generation erlebte und erlebt, wird auf den Schultern derjenigen lasten, die vom ersten Tag an durch ihr eigenes Schweigen vor Lug und Trug das Fundament der Unterdrückung gelegt hatten; sie müssen heute vor Gott und seinen Geschöpfen zur Rechenschaft gezogen werden, warum sie bei diesen Straftaten entweder schwiegen oder dabei mitmachten. Nach drei Jahrzehnten müssen wir wegen unserer Taten, Gewissenlosigkeit und unseres Schweigens, jedem Rede und Antwort stehen; die Taten, die das Fundament aller anderen Wahlbetrüge, unter anderem der Wahl im Jahr 2009 wurden, bei der das Ergebnis eine Volksrevolte, sehr viel Blutvergießen, Menschen ins Gefängnis geworfen und gefoltert wurden, war. Schon heute, wenn wir uns mit der Verfassung der Islamischen Republik befassen, sehen wir allein im ersten Artikel der Verfassung die Folgen all der Betrüge, Falschheit, Straftaten, Zahlenmanipulationen und der Unehrlichkeit der Staatsführung dem Volke gegenüber:

Artikel 1:

Der iranische Staat ist eine Islamische Republik, für deren Errichtung das iranische Volk aufgrund seiner lang gehegten Überzeugung von der Geltung der Wahrheit und Gerechtigkeit des Qur’an nach dem Aufbruch seiner siegreichen Islamischen Revolution unter der Führung des würdigen religiösen Oberhauptes Imam Chomeini durch eine Mehrheit von 98,2% aller Stimmberechtigten bei einer Volksbefragung am 10. und 11. Farwardin 1358 (30. und 31. März 1979) gestimmt hat.

Links Ja, rechts Nein! Die einzige Alternative bei der ersten Volksabstimmung! Islamische Republik Ja oder Nein!

Links Ja, rechts Nein! Die einzige Alternative bei der ersten Volksabstimmung! Islamische Republik Ja oder Nein!

Die Verfasser und diejenigen (Mitglieder des Expertenrates), die diese Verfassung ratifiziert haben, müssten eigentlich genau definieren, woher diese Ziffer 98,2%, die in der Verfassung zu lesen ist, stammt!? Beachten Sie bitte, dass im besten Fall eine Mehrheit von 98,2% der „Wahlbeteiligten“ und nicht „Wahl- / Stimmberechtigten“ die genaue Definition sein sollte. Ist etwa die Art Platzierung dieser Zahl im Text der Verfassung nicht ein Zeichen der Täuschung und Unehrlichkeit, deren Keimlinge in wenigen Tagen nach dem Sieg des Volkes und dem Sturz des Systems [Schahs Regime] gepflanzt wurden, und nach drei Jahrzehnten haben wir ihre Frucht nach der letzten Wahl (2009) geerntet.

Noch einmal möchte ich zu denen, die das nicht akzeptieren wollen, sagen, solange diese Verfassung und die Machtbefugnisse des obersten Führers [Valiye Faqih] über dem Gesetz stehen, sind freie Wahlen in Iran nicht durchführbar. Ein solches System, das dermaßen durch Korruption, Plünderung, Betrug und Unmoral infiziert ist, würde vielleicht, um Wähler zu gewinnen, und einigen wenigen Kritikern, die an den obersten Führer und die Verfassung glauben, etwas Freiraum erlauben, aber das System würde niemals zulassen, dass eine freie und faire Wahl abgehalten wird, damit die wahren Vertreter des Volkes die Möglichkeit bekommen sich für ihre Gesellschaft zu engagieren. Damit freie Wahlen stattfinden können, muss man nicht auf die Gnade des Regimes zählen und diese Gnade erwarten, sondern der Wille, einen Strukturwandel zu erreichen, muss stärker sein.“ [3]

Der Kern und die Weisheit in diesem Brief voller Leid eines Revolutionären von gestern und eines „sich Entschuldigenden“ von heute liegt in diesem Satz: „Ohne einen Strukturwandel sind „wahre und freie Wahlen“ in der Islamischen Republik unmöglich.“ Sowohl das System als auch seine Befürworter und Schönredner haben keinen Grund freie Wahlen abzuhalten. Ein Regime, das selbst weiß, dass es von der Mehrheit der Nation verhasst ist, und weiß, dass wenn die Nation eine Gelegenheit dazu bekommt, es stürzen wird, warum sollte es einen politischen Selbstmord begehen? Der Mythos der freien Wahlen in der Islamischen Republik, bewusst oder aus Unwissenheit, ist ein Fehler und irreführender Slogan für diejenigen, die den Iran retten und ihn wieder aufbauen wollen.

Anmerkungen des Autors:

[1]:

http://thecable.foreignpolicy.com/posts/2013/02/27/kerry_iran_has_an_elected_government

[2]:

http://europeanhistory.about.com/od/historicalmyths/a/Did-Mussolini-Get-The-Trains-Running-On-Time.htm

[3]: Dieser Brief wurde nach den letzten katastrophalen Präsidentschaftswahlen 2009 in Iran veröffentlicht

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4 Gedanken zu „Lehren aus der Vergangenheit für die Wahlen 2013 in Iran

  1. Der Brief ehrt diesen Mann, aber er war mit dafür verantwortlich, dass dieses Blutregime im Iran eingeführt wurde. Andererseits wäre er an mit Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Regimegegner betrachtet worden, hätte er diesen Wahlbetrügereien damals publik gemacht. Wie mit Regimegegnern verfahren wurde, ist bekannt.

    Der iranische Staat ist eine Islamische Republik, für deren Errichtung das iranische Volk aufgrund seiner lang gehegten Überzeugung von der Geltung der Wahrheit und Gerechtigkeit des Qur’an nach dem Aufbruch seiner siegreichen Islamischen Revolution unter der Führung des würdigen religiösen Oberhauptes Imam Chomeini durch eine Mehrheit von 98,2% aller Stimmberechtigten bei einer Volksbefragung am 10. und 11. Farwardin 1358 (30. und 31. März 1979) gestimmt hat.

    Der Briefschreiber stellt in seiner Kritik auf die „Prozentzahl der STIMMBERECHTIGTEN“ ab. Bei dem im Brief geschilderten Wahlverhalten völlig zu Recht. Aber allein in diesem Satz stecken noch mehr Lügen drin.

    „…für deren Errichtung das iranische Volk aufgrund seiner lang gehegten Überzeugung…“ Das ist die erste Lüge dieses Satzes. Wenn eine Religion einem Volk aufgezwungen wird, hat das nichts mit Überzeugung zu tun, sondern mit Diktat. Überzeugung kann nur geboren werden aus der eigenen Bestimmung des Weges, dessen verschiedenartige Informationen mir gleichwertig offenliegen.

    „..Wahrheit und Gerechtigkeit des Koran…“
    Diese Worte sind in sich schon eine Lüge. Die Wahrheit und Gerechtigkeit des Koran, soweit er wörtlich zu nehmen ist, beschränkt sich eben nicht auf alle, sondern nur auf die, die durch ihren Glauben nach außen hin Vorteile nutzen, d. h. dadurch keine Repressalien erdulden zu müssen, wie wir am Umgang mit Homosexuellen, Christen, Bahais, Zoroastriern und anderen Minderheiten feststellen können. Oder aber es ist die Wahrheit, weil die koranische Gerechtigkeit das Gegenteil von echter Gerechtigkeit darstellt.

    „.. Unter Führung des „WÜRDIGEN???“ religiösen Oberhauptes Imam Chomeini…“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Ruhollah_Chomeini (ich weiß, Wiki ist immer eine zweifelhafte Quelle, aber wenn die schon das Kapitel über Kampf gegen Regimegegner so aufarbeiten, ist das nur das Minimum dessen, was dort geschehen ist) Von den Aussprüchen Chomeinis über Sex mit Kindern und Tieren weiß ich zwar, ob sie der Wahrheit entsprechen, kann ich nicht sagen. Wenn sie der Wahrheit entsprechen, offenbaren sich Abgründe, die diesen Herren moralisch, eben „unwürdig“ ins Bodenlose stürzen lassen würden.

    Letztlich ist dieser Brief ein Eingeständnis der eigenen Schuld. Er ist ein Eingeständnis des völlig falschen Weges, des Weges in die Diktatur und des Weges des immerwährenden Wahlbetruges. Da dies so ist, kann die Richtigkeit eines jeden hohen Wahlergebnisses für die Mullahregierung jederzeit zu Recht angezweifelt werden.

    Leider ist festzustellen, dass die Lüge instrumentalisierenden Charakter im Islam hat. Wie kann der Islam anders sein, als der Gott, der als Listenschmied im Koran auftritt, da ja niemand listiger ist als dieser Gott. Somit ist die Lüge praktisch Stilmittel dieser Religion, eine Lüge, die sich bis in die Seelen der Menschen einnisten kann, die dann das Böse zu Gutem erklärt, Ungerechtigkeit zu Gerechtigkeit und in der Lage ist, Hass als Menschenliebe hinstellen und verkaufen zu können wie dieser Satz des Herrn Chomeini so aufschlussreich dokumentiert: „Wenn ein Verderber, der Untaten begeht, verhaftet und getötet wird, muss er dafür dankbar sein, denn würde er leben, könnte er noch mehr Untaten begehen und er würde im Jenseits noch größere Strafen erleiden müssen.[88][89]“

    Die perfekte Legitimation für Verfolgung, Mord und Totschlag. Wenn aber der Gott des Islams der beste Lügner ist, also der beste Aushecker von Listen, die zielführend für islamische Zwecke eingesetzt werden, so hat Jesus solche Wesen als „Vater der Lüge“ bezeichnet. In der christlichen Mythologie ist der „Vater der Lüge“ Luzifer selbst. Wenn Gott nicht in der Lage ist, die Menschen davon zu überzeugen, dass eine wahrlich göttlich-liebende Religion nur mit Wahrheit und nichts als der liebenden Wahrheit ausgefüllt und verkündet werden kann, so ist dieser Gott eine Charikatur seiner selbst. Wenn die Stilmittel einer Religion gegen das natürliche Gewissen handelt und das Gewissen der Menschen so verbiegt, dass Menschen es z. B. toll finden wie im Alten Rom an Hinrichtungen – möglichst in Begleitung ihrer eigenen Kinder – augenfällig teilzunehmen, so ist die Verrohung von göttlichen Gefühlen von Menschen die Folge und leider auch das Ziel dieser Religion. Damit disqualifiziert sie sich selbst.

    Fazit: Wenn einer einen Diebstahl begeht, bitte sofort töten, denn wenn er nicht getötet werden würde, würde er ja weitere Diebstähle begehen. Eine Logik, die in tiefste Seelenabgründe führt.

    Allein 4 Lügen stecken in einem Satz. Das ist schon eine gewaltige Negativleistung in einer Verfassung. Die anderen Sätze mag ich mir dann auch erst gar nicht antun.

    Ergänzung:
    In diesem Satz kommt der Begriff „Republik“ vor.
    Als Staatsform versteht man darunter (seit der römischen Antike und insbesondere der Französischen Revolution) in erster Linie das Gegenmodell zur Monarchie.
    Dies ist m. E. aber keine echte Lüge, denn diese Republik wurde mit dem Attribut „islamisch“ versehen. Und der Islam ist vom islamischen Gott angefangen bis hinunter zum letzten Gläubigen und noch tiefer hinabsteigend zum letzten ungläubigen Dhimme eine Monarchie, in der das Gehorsamsprinzip Gottes oberste Priorität genießt. Der Begriff „islamische Republik“ ist in sich somit schon eine Farce. Dies nur, um sich nach außen den Anschein geben zu können, dass Wahlen stattfinden. Wie diese aber ablaufen in solchen „Monarchierepubliken“ hat uns der Autor des Briefes höchst eindrucksvoll dokumentiert.

    • Werter Bazillus, danke für weitere Analyse! Du siehst also, wie viele Lügen in einem Artikel der Verfassung stecken, wobei der Autor des Briefes nur eine einzige davon erwähnt hat, und nach seiner Schilderung als Wahlzuständige weiß man nun, wie die Wähler mehrere Male gewählt haben!!! Wenn Du Zeit hast, kannst Du die Verfassung richtig einstudieren, um zu sehen, wie magendrehend die Lügen sind!

  2. Der Spiegel schrieb schon vor 30 Jahren über die Islam Gefahr:

    Die Renaissance des Islams unter den Moslems in der Bundesrepublik ist erst im Kommen – aber mit Macht. „Die religiösen Dogmatiker sind auf dem Vormarsch“, sagt Yilmaz Karahasan, Ausländer-Referent bei der IG Metall. Und der Schwerpunkt der Bewegung liegt im Ruhrgebiet.

    Adolf Schmidt, der Vorsitzende der IG Bergbau und Energie, sah schon 1979 schwarz für den Kohlenpott, weil „die Hodschas immer stärker werden“.

    Und nun lassen sie zum Gebet auch noch fünfmal am Tag den Bohrhammer fallen und weigern sich, mit den deutschen Kollegen nackt in die Waschkaue zu steigen.

    „Das Ausländerproblem ist ein Türkenproblem“, sagt der Mülheimer Bundestagsabgeordnete Thomas Schröer (SPD). Und die Hodschas haben die Mauern noch höher gemacht. Die Türken, sagt Gewerkschaftsboß Adolf Schmidt, dürfen vor Ort „nicht die Überzahl haben“. Sonst ist Zoff im Pütt.

    Die türkischen Pässe der Gastarbeiter tragen alle den Vermerk: „Gültig für alle Länder, ausgenommen Saudi-Arabien.“ Linke dürfen, wenn sie wollen, mit dem Segen ihrer Regierung nach Moskau reisen, Moslems aber nur ausnahmsweise nach Mekka. Soviel Angst haben die Militärs in Ankara vor der Sprengkraft des Islams.

    Über das kleinislamische Schisma hinweg spannt sich eine Brücke gemeinsamer Grundwerte. Der wichtigste: Türkün türkten baska dostu yoktur – ein Türke kann nur eines Türken Freund sein. Mit diesem Credo gehen sogar die meisten linken Klubs konform

    Integration? „Wissen Sie, wir sind sehr dankbar für die Gastfreundschaft, die wir hier in der Bundesrepublik genießen dürfen“, sagt Sami Becelikli, der Hodscha von Gelsenkirchen-Resse, „kein Volk in Europa ist so tolerant wie die Deutschen.“

    Ausländerfeindlichkeit, sagt Sami, habe er in Deutschland noch nicht erlebt.. „Was meinen Sie, was in der Türkei los wäre, wenn wir bei unseren Arbeitslosen zwei Millionen Deutsche im Lande hätten. Die dürften sich nicht mehr auf die Straße wagen. Jedenfalls können türkische Männer bärtig aufs Amt gehen und die türkischen Frauen Kopftücher und Schleier tragen. In der Türkei ist beides verboten.“

    Wessen Nähe Sami lieber sucht, das zeigt ein Blick in seine Photokiste. Ein Bild zeigt ihn im Kreise afghanischer Mudschahidin, ein zweites mit Kalaschnikow im Arm neben einem iranischen Mullah.

    Daß sie ausländerfeindlich ist und gegen alles „Untürkische“, hindert die islamische Bewegung in der Bundesrepublik dennoch nicht daran, sich revolutionäre Impulse aus dem islamischen Ausland nutzbar zu machen – ebenso wie Gaddafis Geld.

    Gewiß, von Milli-Görüs-Hodschas hört man selten, daß sie öffentlich das Hohelied des deutschen Führers singen wie der Prediger von der Nurcu-Bewegung in der Bottroper Moschee, der die Hitler-Forschung um die These bereicherte, der Gröfaz sei in den letzten Tagen in der Reichskanzlei zum Islam übergetreten.

    Aus einer Dortmunder Moschee war zu vernehmen, der dortige Hodscha habe seine Koranschüler davor gewarnt, sich mit Christenkindern einzulassen, weil einst allen Christen die Hälse abgeschnitten würden. In einem Flugblatt des „Vereins für Koran-Schulen“, der Milli Görüs nahesteht, wurde vor allzu freundlichen nichtmoslemischen Mitmenschen gewarnt, weil in der Regel doch „dahinter ein häßliches Kommunistengesicht, ein christlicher Missionar oder ein jüdischer Agent auftaucht“.

    Die schlechtesten Noten kriegt die SPD-nahe „Arbeiterwohlfahrt“ (Awo). „Ihre Unterbringungsheime“, so heißt es in dem Mahnschreiben, seien „Brutnester für Prostitution, Heroinhöhlen, Herbergen für Lesbierinnen“. Die Awo habe „junge Mädchen dem Schoß der Mutter entrissen und sie dem Sumpf der Leidenschaften zugeführt“.

    Durch die Koranschulen auf deutschem Boden sind deutsche Demokraten in eine Front mit den Gegenreformatoren von der türkischen Militärregierung gedrängt worden. „Die Koranschulen verhindern die Integration“, sagt Herr Okutan. „Wer sein Kind in die Koranschule schickt, schadet ihm, weil er es zwingt, Fremder zu bleiben“, schreibt der Sozialdemokratische Pressedienst.

    Stures Surenpauken ist nicht das Schlimmste. In den Koranschulen werden den Kindern auch mit Hilfe des Rohrstocks atavistische Grundwerte des Islams eingetrichtert, die selbst in den meisten islamischen Ländern nicht mehr gelten: absoluter Gehorsam der Schüler gegenüber dem Lehrer, Gehorsam der Frau gegenüber dem Mann, Haß auf „alles, was nicht von Allah kommt“. Und die Deutschen sind natürlich nicht von Allah.

    Nicht alle lösen den Konflikt der konkurrierenden Kultureinflüsse so reibungslos wie Familie Gülsen. Die zwölfjährige Sehure ging daran zugrunde. Sie war als Kleinkind nach Deutschland gekommen, und sie wollte als Deutsche leben, einfach weil sie ihre türkische Heimat nie gesehen hatte… Sehure mußte in der Schule das verhaßte Kopftuch tragen und alle Kontakte zu ihren deutschen Freundinnen abbrechen.

    Am 20. Mai 1982 fanden die Eltern ihren Abschiedsbrief auf dem Küchentisch: „Allah wollte es so“, schrieb sie. „Ich küsse eure Hände, ich küsse die Augen von Elif, Adife und Sedat.“ Sehure hatte sich auf dem Dachboden mit ihrem Kopftuch erhängt.

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14018269.html

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