Wahlen in Iran: Gnadenschuss für Sa‘id Dschalili?

Said Dschalili

Said Dschalili

Bis vor kurzem sah es so aus, als sei Sa‘id Dschalili der vom Religiösen Führer auserkorene Nachfolger für Präsident Ahmadineschad. Inzwischen scheint sich das Blatt zu wenden. So weist die iranische Webseite Peiknet (www.pyknet.net) heute, den 10. Juni 2013, auf eine Meldung hin, die der Klub Junger Journalisten (Baschgahe Chabarnegarane Dschawan) unter Berufung auf ein Interview mit Sa‘id Dschalili verbreitet hat. Der Klub Junger Journalisten ist der staatlichen Radio- und Fernsehgesellschaft Seda wa Sima zugeordnet und steht unter der Kontrolle der Pasdaran, die derzeit die Hauptmacht im Staat ausüben.

Laut der Meldung soll Sa‘id Dschalili als Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats den damaligen Richter Sa‘id Mortasawi angwiesen haben, die Demonstranten, die nach der Wahlfälschung von 2009 von der Straße weg verhaftet wurden, in das berüchtigte Kahrisak-Gefängnis einzuweisen. Inzwischen wurde gegen Sa‘id Mortasawi angeblich wegen seiner Rolle um die Folterungen in Kahrisak ein Verfahren eingeleitet. Ohne Namen zu nennen, soll Sa‘id Mortasawi dabei erklärt haben, er haben Anweisung „von oben“ erhalten, die Inhaftierten nach Kahrisak zu schicken. Peiknet berichtet weiter, dass Sa‘id Dschalili seinerseits Druck auf den Richter ausgeübt haben soll, der für das Verfahren gegen Sa‘id Mortasawi zuständig ist, dieses Verfahren einzustellen.

Auch wenn die Folterungen im Kahrisak-Gefängnis im Interesse der Pasdaran-Führung erfolgten, ist doch erstaunlich, dass diese nun mit dieser Veröffentlichung einen ihrer Kandidaten demontieren. Das gibt im Iran Gerüchten Auftrieb, dass möglicherweise Ali-Akbar Welajati zum Favorit fürs Präsidentenamt aufgestiegen ist. Sichere Vorhersagen sind nicht möglich. Aber eins ist klar. Da das Volk bei diesen Wahlen nichts zu sagen hat, dient der Wahlkampf in Wirklichkeit als Entscheidungsgrundlage für die Machthaber, welchen Kandidaten sie am Schluss durchsetzen wollen.

Quelle: Ali Schirasi

2 Gedanken zu „Wahlen in Iran: Gnadenschuss für Sa‘id Dschalili?

  1. Die heiße Phase des Wahlkampfs zwischen den Kandidaten, die sich möglicherweise gegenseitig demontieren? Ob sich diese Art von Hitze auf das Wahlverhalten des Wahlvolks auswirken wird? Denn echte Alternativen scheint es eh nicht zu geben.

  2. Wäre schade. Ich bin dafür, dass er gewählt wird. Mein Favorit 😀 Schön wäre es ja, wenn er gewählt werden würde, der mit seinem „Gebetsfleck“ auf dem Kopf. Ein radikaler, der schön das Regime repräsentiert. Je schlechter und schrecklicher, desto besser. Aus der Scheisse heraus können sie ja sowieso nicht mehr, also braucht es einen, der die Situation noch einmal ( was sowieso passieren wird) verschlechtert damit auch die Menschen in den hintersten Ecken endlich raffen, dass so ein System nicht funktionieren kann. Qalibaf, der blauäugige Hornochse und Velayati, welcher es nicht einmal zu Stande bringt ein Hafez Gedicht zu sagen, sind natürlich weitere solche Kandidaten.
    Dieses Regime kann nur noch auf sein Ende warten, da helfen auch keine 100 Salawâte.

    MfG
    Pedrâm

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