Kein Kurswechsel in Iran mit Rohani

Teheran – Für viele mag das, was Hassan Rohani حسن روحانی, der neue iranische Staatspräsident am Vortag der Präsidentenwahl am 14. Juni auf seiner ersten Pressekonferenz gesagt hatte, wie Musik in den Ohren jener geklungen haben, die sich von Teheran künftig eine konziliantere Haltung wünschen. Doch schon jetzt ist erkennbar, dass es in den Kernfragen wie Menschenrechte in Iran, dem Syrienkonflikt und dem Atomkonflikt keine Zugeständnisse geben wird.

So sagte er bereits jetzt in Bezug auf das Atomprogramm, dass Iran seine Uran-Anreicherung nicht aufgeben werde. „Vor allfälligen Verhandlungen müssten die USA die nuklearen Rechte Irans anerkennen.“ Gleichzeitig kündigte Rohani aber größere Transparenz beim Atomprogramm an, was nichts anderes bedeuten wird wie ein neues Katz und Mausspiel zwischen der IAEA und der Islamischen Republik, wie schon damals unter dem ehemaligen Staatspräsidenten Mohammad Khatami. Im selben Atemzug sagte er nämlich der Öffentlichkeit, „dass das Programm ohnehin völlig transparent sei.“ Er selbst in seiner Eigenschaft als Atom-Chefunterhändler in den Jahren 2003 bis 2005 konnte nicht für wirkliche Transparenz sorgen, auch wenn die Urananreicherung kurzfristig eingestellt wurde.

Auch in Bezug auf den syrischen Bürgerkrieg und des iranischen Supports von Bashar al Assad gegen die islamistischen Rebellen war keine prinzipielle Änderung der iranischen Linie zu erkennen, so dass der Krieg zwischen dem Westen und dem Iran auf syrischen Boden fortgesetzt werden wird: „Staatschef Bashar al-Assad müsse bis zur regulären Präsidentschaftswahl 2014 im Amt bleiben“, sagte Rohani und verurteilte jegliche Einmischung von außen in den Syrien-Konflikt: „Wir sind gegen den Terrorismus, den Bürgerkrieg und ausländische Interventionen. Ich hoffe, dass mit der Hilfe der Länder der Region und der Welt wieder Frieden und Ruhe nach Syrien zurückkehren werden. Der Konflikt müsse vom syrischen Volk selbst gelöst werde“, sagte er.

Völlig unverbindlich streckte Rohani die Hand gegenüber dem Ausland aus: „Er hoffe, dass alle Länder die Gelegenheit für gute und freundschaftliche Beziehungen mit Teheran nützen würden, die sich mit seiner Wahl zum Präsidenten ergeben hätten“, sagte er. Rohani zählt nicht zum Lager der sog. Reformer, er selbst ist einer der Konstrukteure der Islamischen Republik und politisch eng mit dem ehemaligen Staatspräsidenten Ali Akbar Hashemi Rafsandjani verbunden.

ein Kommentar von Ardašir Pârse

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13 Gedanken zu „Kein Kurswechsel in Iran mit Rohani

  1. Wer regiert, oder revoltiert, muss auch sagen, was er überhaupt will.
    In Deutschland gibt es dafür das so genannte konstruktive Mißtrauensvotum, bei welchem ein Kanzler nur abgewählt werden kann, wenn sich auch eine Mehrheit für eine Alternative findet.

    In der Türkei wollte fast jeder der Demonstrierenden irgend etwas anderes. Auch die deutschen Türken waren gespalten.
    Erst jetzt, mit den stillen Protesten findet sich eine gewisse Einigung auf einen relativ kleinen gemeinsamen Nenner: Zivilisierte Umgangsformen, demokratische Grundrechte wie Meinungsfreiheit, ….

    In Syrien wurde das Land von außen mit Waffen vollgepumpt, ohne dass die Menschen überhaupt wussten, was für einen anderen Staat sie überhaupt wollen. Aber niemand dort hat die moralische Kraft, zu sagen, lasst uns doch erst einmal überlegen, was wir wollen, bevor wir schießen. Ich habe jetzt ein Video gesehen, wo mit einem selbstgebauten Mörser grob in ein anderes Stadtviertel geballert wurde, ohne überhaupt zu zielen.

    Obama kommt nach Berlin, und ich frage mich, was er bei uns will, wo es doch genug Probleme bei ihm zuhause gibt.

    Für Außenstehende ist es vielleicht noch schwieriger, zu erkennen, wer was will. Aber was ich noch viel schlimmer finde:

    Immer seltener interessiert es überhaupt.
    Es wird viel zu selten die Frage gestellt:

    Was willst du?

    Rohani übt sich nun erst einmal in der üblichen Rhetorik und versucht den Spieß gleich umzudrehen, das Ausland solle nun seine Chancen nicht verpassen…

    Auch dieser Artikel bringt mir da keine neuen Erkenntnisse.

    Wir sollten uns nicht ablenken lassen, und diese Frage nicht aus den Augen verlieren.
    Wenn er ein Menschenfreund sein will, dann braucht er auch nicht auf das Ausland zu warten, um z. B. Folter und Todesurteile abzustellen.

    ROHANI MUSS LIEFERN!

    • Weter Jockel, das ist eben das Ding! Das Ding ist, weitere 4 Jahre Zeit zu kaufen und diese Regierung ist an die Macht gekommen, um fürs Ausland schmackhafter zu sein und nicht für das Land, indem es Folter und Todesurteile gibt!

      • Diesen Gedanken hatte ich anfangs auch, aber jetzt finde ich es eigentlich egal für was man auf die Strassen geht. Hauptsache die Regierung wird gestürzt. Den wenn Rohani seine Versprechen nicht einhaltet so wird genau dies mit einer Wahrscheinlichkeit von 5% passieren. Mehr Vertrauen habe ich momentan leider nicht in unserem Volk. Ich bevorzuge natürlich eher die Reform als die gewaltsame Revolution, jedoch bin ich ziemlich sicher, dass Rohani eine weitere Marionette dieses Systems ist und nicht soviel Potenzial und Autorität besitzt, um sich gegen Khamenei und damit auf die Seite des Volkes zu stellen. Die Schnauze weit aufreissen haben die schon immer gut gekonnt.
        Ich bin noch optimistisch und sehe eine Zukunft für den Iran. Die Gelegenheit für eine Veränderung ist momentan perfekt. Die WM-Qualifikation hat den Startschuss für eine Bewegung gegeben. Diese Bewegung ist diesmal nicht traurig und hoffnungslos, denn die Menschen haben im Gegensatz zur Revolte vor 4 Jahren positive Bewegungsgründe. Sie sind vereinter und fröhlicher. Sie haben einen Funken Lebensgefühl wieder gefunden. Das Beste ist ausserdem, dass diese indirekten Proteste in denen gegen Khamenei protestiert wird (Zitat: „Diktator, Ayatol, befreie Mussavi), von der Regierung nicht aufgehalten werden kann, da offiziell der Sieg Rohanis und die WM-Qualifikation gefeiert wird.

        • Immerhin sind bei den Straßenjubeln von gestern Abend einige verhaftet und es gab auch Ausschreitungen, wobei die jungen Menschen sich wieder woanders sammelten und wieder Parolen gaben. Und noch dreister war es heute Nachmittag, als den Frauen der Eintritt in die Âzâdi Stadion verwehrt wurde! Mehr als die Hälfte der Bevölkerung sind Frauen, aber sie durften neben den Männern nicht an die Feierlichkeiten zur Quali 2014 teilnehmen! Die Toren waren für sie verschlossen! Und da kann man mir nicht von Reformen erzählen! Ich bin sauer und scheiße auf diejenigen, die mit diesen Mullahs noch verhandeln wollen und ihnen Gratulationswünsche schicken! Wir werden sehen!

          • Ja dies habe ich auch mitbekommen. Ich hoffe nur, dass unser Volk in der Melancholie des Moramezuns in einem Monat nicht erstickt. Sie sollten jeden Tag so auf die Strassen gehen, was will schon die Regierung tun. Die Staatskasse ist leer. Und ohne Geld so auch keine Basijis und Pasdaran, denn die kommen nur raus weil sie mit Geld unterstütz werden. Ich habe auch bemerkt, dass die Fragen welche Rohani gestellt wurden, sorgfältig ausgesucht wurden (also diese die nicht gepasst haben, aussortiert wurden).
            Für den persisch-Sprechenden hier im Blog empfehle ich VOA. Dieser Kanal ist sehr aufschlussreich und dokumentiert die Lage sehr genau, dabei sprechen sich verschiedenste Menschen über dieses Thema und die Situation aus. Was nicht zu empfehlen ist, ist BBC. Die sind eher pro-islamisch und behandeln das Thema nicht breit genug.
            Fartâb jân, ich habe wieder mal einen wunderbaren Sänger und Dichter für dich.
            Ich hoffe du kennst ihn noch nicht. Er ist spitze sag ich dir. Er spricht mir aus der Seele. Viel Vergnügen! http://www.youtube.com/watch?v=ytyvz1I_LTQ

            Liebe Grüsse
            Pedrâm

            • Ich danke Dir für den Clip! Sehr mächtige Worte! Ich kenne ihn nicht. Oh ja, bevor ich das vergesse! Mach bitte nicht den Fehler VOA für gut zu halten, dass ist BBC nach amerikanischer Art! Sie verdummen und sind genauso nâmardo jâkeš wie Radion Farda und BBC und Deutsche Welle! Alle sind yeki az yeki bišaraftar! Sorry wegen meiner Wortwahl!

            • Mir spricht er auch aus der Seele. Seine Worte gehören in die Kirchen, und auf Business-Parkett und Parteitage.
              Ob er ansonsten gut ist, ist mir heute egal. Erst einmal macht er mir Mut.

  2. Dorud,
    Fartâb jân in dieser Sache teile ich nicht deine Ansicht. Ich weiss nicht, ob du VOA regelmäßig verfolgst, aber die sind ziemlich neutral. Ich meine jetzt spezifisch den Nachrichtendienst und nicht die christlichen Sendungen. Vor allem die Menschen, welche befragt werden, gehören einem breiten Band von Typen an. Ich teile fast jedes mal ihre Meinung. Man sieht, dass sie Ahnung haben von der Politik. Natürlich sammle ich meine Informationen nicht nur auf einer Quelle. Das wäre äußerst dumm. Youtube, Facebook, euer Blog und allgemein das Internet bieten die Möglichkeit an sich seine eigene Meinung darüber zu bilden. Ich kann es verstehen, dass amerikanische Iraner eine andere und meist dümmere Mentalität haben als europäische Iraner. Das ist jetzt wirklich nicht zu übersehen, aber trotztdem dieses Vorurteil habe ich gegenüber Voice of America nicht. Das sieht man einfach, wenn man es mit anderen Quellen vergleicht. BBC war schon immer der Propaganda Kanal schlechthin. Aber ja jedem das Seinige. Du hast vielleicht eine andere Erfahrung gegenüber diesem Kanal. Ich will hier sowieso nicht Werbung machen, aber ja war nur eine Vorschlag.

    2. Jockel, du bist doch Deutscher oder? Hast du FOADs Lied durch die Untertitel verstanden oder bist du jetzt doch Perser oder verstehst sogar so gut persisch? 🙂 Ich würde auch seine anderen Songs dir empfehlen so wie: „Choice“.

    Mit freundlichem Gruss
    Pedrâm

    • Ich bin normaler Deutscher und protestantischer Christ.
      Ich brauchte die Untertitel und hab die Bilder genossen.

      Was mir besonders gefiel, war, dass er einen umfassenden Bogen schlägt zur Selbstveratwortung des Menschen in und aus allen Bereichen. Und auch, dass man mal über den eigenen Tellerrand hinaus schaut. In religiösen Kreisen sind politische Thesen schnell tabu, – und umgekehrt. Ich denke, es ist genau im Sinne des Sängers, wenn wir viele Stimmen zulassen, und alle guten Elemente zusammensetzen. Pauschalisierungen finde ich da nicht so schön. Sie führen zu Vorurteilen und eingefahrenen Standard-Verständnisweisen, die, – im Extremfall – auch wieder so etwas wie eine selbstgemachte Religion oder Ideologie sein können.

      Hinweise können auch schon mal sinnvoll sein, aber man muss ja nicht gleich ein Dogma draus machen.

  3. Ich glaube, einen fundierten Artikel über Herrn Rohani gefunden zu haben, der die werten Blogbetreiber in allem bestätigt:

    http://haolam.de/artikel_13771.html

    Ich glaube der Verfasser des Artikels hat fundierte Kenntnisse.
    Also, werter Jockel und auch an meine Wenigkeit gerichtet: Hoffnungshoffnungen wieder einpacken und den üblichen iranisch-politischen Alltag wie gehabt, erschauernd weiter verfolgen.
    Da dieser Artikel wohl von einem israelischen Autor verfasst ist, geht er besonders auf die Atompolitikhaltung des neuen Präsidenten ein.

    Schwäche des Artikels ist m. E. die nichtkritische Haltung zum Westen. Denn diese Schwäche des Westens ist ausgewiesen vorhanden.

    • So, werter Bazillus, jetzt hast Du auch die Bestätigung von einem anderen Autor bekommen, und ich danke auch für Deine Ehrlichkeit! Wir werden sehr bald auch ausführlicher über Rohani berichten, damit ihr wisst, was für einen Verbrecher Rouhani in der Vergangenheit war und jetzt ist! Wir schreiben die Wahrheit und ja die Wahrheit kann auch unangenehm sein, und dabei verschonen wir auch die westliche Welt und ihre Politik nicht.

      • Werte Fartab Parse: Ich habe keinerlei Problem damit, zuzugeben, dass ich völlig daneben lag. Es ist wirklich wahr: Eine islamische Mullah-Kopfbedeckung im Iran ist gleichzusetzen mit dem Mullahchef und somit angelehnt an den Romantitel: „Im Westen nichts Neues“ analog: I“m Iran nichts Neues“. Leider sind auch die kleinen Träume für den Iran zerplatzt wie eine Seifenblase. Einmal mehr erweisen sich Mainstrempresse und -TV als die großen Info-Looser der iranischen Wirklichkeit.
        Selbst kleine Wunschträume sind mir nicht vergönnt. So ist leider das Leben.

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