Todesflug: Iran Air Flug 655

Airbus A300 von Iran Air wie er auf Flug 655 eingesetzt wurde - Grafik: Wiki Commons

Am 03. Juli 1988, vor genau 25 Jahren, wurde ein Airbus Flug Nr. 655 der Iran Air in einem verbrecherischen, terroristischen Akt von der US-Armee am Persischen Golf abgeschossen. 290 Menschen fanden den Tod. Erinnern wir uns zurück.

http://www.austrianwings.info/2013/07/vor-25-jahren-abschuss-von-iran-air-flug-655/

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9 Gedanken zu „Todesflug: Iran Air Flug 655

  1. Es war weder ein verbrecherischer, noch ein terroristischer Akt, es war, wie im obigen Text beschrieben ein doppelter Irrtum (menschlich und technisch). Ich war selbst Radar Operator bei der Armee. Wenn Du ein „feindliches“ Ziel in solch kurzer Entfernung mit über 300 Knoten Geschwindigkeit identifizierst, dann hast Du für Gegenmaßnahmen nur noch maximal 5 Sekunden Zeit. Es heißt dann nämlich, die oder wir! Also wirst Du deine Raketen abfeuern. Es kommt noch dazu, daß der Airbus in einer, für ein Verkehrsflugzeug ungewöhnlicher Höhe flog (ca. 4.000 m) und deshalb durchaus mit einem Kampfflugzeug verwechselt werden konnte. Auf Wikipedia steht: „Auf der zivilen Notfunkfrequenz wurden drei Kontaktversuche unternommen, wobei sich die iranische Besatzung nicht angesprochen fühlte, da sie im Cockpit eine andere Geschwindigkeit ablas als das von der USS Vincennes angerufene „unidentifizierte iranische Flugzeug“.“ Wenn ich Pilot einer iranischen Maschine bin und bei einem solchen Anruf eines Kriegschiffes nicht reagiere und zumindest nachfrage, bloß weil ich eine andere Geschwindigkeit fliege, dann habe ich sicherlich eine Mitschuld an diesem Desaster.

    • Ganz so ist es nicht, denn das Flugzeug, wie auch in diesem Artikel steht, war eindeutig als Passagierflugzeug identifizierbar, das hat nichts mit der Hoehe die ein Flugzeug fliegt zu tun. Dieses Flugzeug wurde absichtlich abgeschossen. Ein weiterer Hinweis dafuer, dass es sich um einen terroristischen Akt gehandelt hat ist die Vergabe von Orden an die Idioten der US Armee. Man haette sie rauswerfen muessen, fuer ihre Dummheit. Abgesehen davon, operierte die USS Vincennes (CG-49) widerrechtlich in iranischen Hoheitgewaessern. Sie hatte dort nichts verloren. Das bewaffnete Eindringen in das Hoheitsgebiet souveraener Staaten allein ist schon ein terroristischer,Akt, zumal nicht einmal eine Kriegserklaerung vorausgegangen ist. Das bezeichnet man als Staatsterrorismus.

      • Und wo wir dabei sind, haben die USA sich bis heute für ihre einseitige Kriegserklärung gegen Vietnam nicht entschuldigt! Einfach rein marschieren in ein Land, einfach sich nehmen, einfach Kriege führen, einfach tun und machen, weil man die USA heißt! Und weil wir ein paar barbarischen Mullahs an der Macht haben, dürfen wir uns nie beklagen und beschweren, denn sonst heißt es, wir sind Amerika feindlich. Diese beschissene Doppelmoral!

      • Höhe und vor allem Geschwindigkeit hat sehr wohl etwas mit der Identifizierbarkeit eines Flugzeuges zu tun. Verkehrsflugzeuge fliegen normalerweise nicht in 4000 m Höhe. Das war dem kurzen Hupfer von Teheran nach Dubai geschuldet. Ich habe also ein schnell fliegendes Ziel in 4000 m Höhe, das sich sehr schnell nähert. Wenn das Transpondersignal „friend“ squawked und das Waffensystem Aegis „foe“ identifiziert, dann hast du als Kapitän ein Problem, das du in Sekunden lösen musst. Der Pilot reagiert nicht auf meine Funkanrufe. Als Kapitän hätte ich da auch geschossen.

        • Das letzte Wort habe ich hier. Wer lesen kann ist im Vorteil, das Flugzeug war nicht von Teheran nach Dubai unterwegs, sondern von Bandar Abbas nach Dubai, daher auch die relativ geringe Flughoehe im Persischen Golf bei einem nur 28 minuetigem Flug. Ich zitiere nocheinmal aus dem Text und damit ist alles andere leeres Gesabbel: „Obwohl der Airbus einen zivilen Transpondercode verwendete und damit eindeutig als Passagierflugzeug identifizierbar war, meldete ein Teil der Computersysteme auf dem US-Kriegsschiff, dass es sich um eine F-14 der iranische Luftwaffe handle“. Ich glaube dazu gibt es nichts mehr zu sagen. Es war einfach Absicht um einen Krieg zu provozieren. Als Pilot muss ich auch nicht auf widerrechtliche operierende Kriegsschiffe in meinem Hoheitsgebiet reagieren. Und jetzt wiederhole ich mich nocheinmal: Die USS Vincennes (CG-49) operierte widerrechtlich in iranischen Hoheitgewaessern. Sie hatte dort nichts verloren. Das bewaffnete Eindringen in das Hoheitsgebiet souveraener Staaten allein ist schon ein staatsterroristischer Akt, zumal nicht einmal eine Kriegserklaerung vorausgegangen ist. Zufaellig gibt es ein internationales Recht an das sich die USA offenbar nicht halten muss. Waere ich Oberbefehlshaber der iranischen Armee gewesen haette ich die USS Vincennes (CG-49) versenkt.

          Ausserdem moechte ich einmal Ihr Gejammer hoeren, wenn iranische Kriegsschiffe vor Hamburg auf deutschem Hoheitsgebiet deutsche Passagierflugzeuge abschiessen.

          • Ich glaube, wir müssen hier die unterschiedlichen Perspektiven berücksichtigen.
            Raimund konzentrierte sich auf die Perspektive des Radar Operators auf der Vincennes und sagte, dass sein Handeln verständlich wäre.
            Dem stimme ich zu.

            Das Problem ist ein anderes:
            Schon vorher war eine Eskalation im Gange.
            1. Angefangen dabei, dass die Vincennes gar nicht dort hätte sein dürfen, wie du zu Recht schreibst.
            2. Fortgesetzt damit, dass der Iran daraufhin Schnellbote schickte.
            Hierzu hätte es vielleicht auch Alternativen gegeben. Mit dem Schicken von bewaffneten Schnellboten ist auch klar, dass die nächste Eskalationsstufe möglich ist:
            3. Es entbrannte ein Gefecht.

            Mir geht es nun darum, dass man nicht einfach sagen kann, nur der eine ist schuld!
            Ich stimme sehr wohl zu, dass ohne den ersten Schritt auch alle anderen Eskalationsstufen nicht passiert wären.
            Hier nehmen sich die USA in der Tat ein Recht heraus, das sie nicht haben!

            Alle anderen Beteiligten hatten in Folge dessen ab sofort die Aufgabe, mit diesem Unrecht irgendwie umzugehen.
            Du nimmst das Unrecht, welches nach der Eskalation natürlich noch größer war (unschuldige Ziviltote) zum Grund, die Vincennes zu versenken. Das wäre auch nur wieder eine weitere Eskalation.

            Du schreibst: ‚als (ziviler) Pilot muss ich nicht auf widerrechtlich operierende Kriegsschiffe reagieren‘.
            Auch dieses sehe ich anders:
            Ich habe lange über über Grundsätzliches von Schuld und Folgen siniert, weil ich in Gottes Schule auch den Blick aus der Opferperspektive genießen durfte.

            Es mutet unverfrohren an, dass derjenige (der Täter), der an anderen (den Opfern) schuldig wird, diese damit auch noch in bestimmte Verlegenheiten bringt, woraus sich für die Opfer sogar noch Verpflichtungen ergeben.

            Besonders das Opfer möchte natürlich Gerechtigkeit und nicht noch zusätzliche Plfichten.
            Ich bin zu dem Schluss gelangt, dass es für zivilisierte Menschen aber leider in der Tat so ist, dass sie mit dem Erleiden der ‚Erstschuld‘ auch noch die Verpflichtung aufgeladen bekommen, damit irgendwie angemessen umzugehen.

            Zum Beispiel muss ein ziviler Pilot, dem seine Passagiere ihr Leben anvertrauen, sehr wohl alles Menschenmögliche tun, um ihr Leben nicht zu gefährden. Ich bin mir sicher, dass sie niemals gedacht hätten, dass sie dies gar nicht bräuchten, weil sie ja nicht eine solche Pflicht hätten, – wenn sie nur den Ernst der Lage erkannt hätten. Aber sie ahnten natürlich nichts böses und waren logischer weise mindestens überrascht.

            Eine andere Möglichkeit, den Abschuss zu vermeiden, wäre es gewesen, vor dem Entsenden der Schnellbote die weitere Eskalation voraus zu sehen und das fragliche Gebiet von Zivilisten frei zu machen.
            Auch bei diesem Gedanken kann man sich natürlich empören, und sagen, dass man Aufgrund des unberechtigten Eindringens der USA doch nicht eine solche Pflicht habe, und wenn man bei solchen Übergriffen immer solche Umstände machen würde, sich nicht adequat zur Wehr setzen könne. Aber man kann auch fragen, wie eine Regierung denken sollte, die ihre eigenen Bürger liebt.

            ——–

            Automatische Eskalation?

            Viele Menschen werden darauf konditioniert, sich (angeblich) ‚passend‘ und wirksam zu wehren.
            Soldaten machen es sich zum Beruf, mit Gewalt und Gewaltandrohung die Siegerseite zu garantieren.
            Inginieure von Waffentechnik grübeln darüber nach, wie Schadensmechanik noch effektiver werden kann.
            Taktiker üben sich darin, wie man Situationen günstigst ausnutzt.
            Demagogen züchten Verblendung, Wut und Empörung von Massen heran.
            Kapitalisten steuern die halbe Welt aus dem Hintergrund heraus und verdienen noch daran.
            Geheime Thinktanks koordinieren die Trends und sorgen dafür, dass die Einflussreichen noch mächtiger werden.

            Den (lt. Raimund) überforderten Radaroparator möchtest du wegen Dummheit entlassen sehen.
            Er hat aber genau so funktioniert, wie er es sollte, und wie er ausgebildet wurde.
            Die militärische Maxime ist stets, im Zweifel lieber den anderen zu töten.
            In diesem System ist es nur folgerichtig, wenn er dafür einen Orden bekommt.
            Also böse formuliert: Er war so dumm, wie man es wollte!

            Man muss also das System, dem er dient, in Frage stellen!
            Ein System, dass Jahrzehnte braucht, um kleinlaut ‚zu Bedauern‘, finanziell zu entschädigen und noch länger (bis heute ausstehend), sich ordentlich zu entschuldigen.

            Aber das fragwürdige System heist nur deshalb USA, weil diese Macht z. Z. ‚zufällig‘ die größte ist.
            Ungeteilte Macht bekommt dem Menschen nicht gut.
            Das ist für mich der gemeinsame Nenner, den die USA sogar mit den Iranischen Mullahs teilen.

            Es bleibt die Frage an den Einzelnen, wie weit er sich in solche Machtsysteme eingliedern will.
            Die Soldaten konnten nicht einzeln entscheiden (per Manschaftsbefragung), ob das Schiff in fremdes Hoheitsgebiet eindringen sollte.
            Sie sind gefangen auf dem Trip, den andere für sie festlegen.
            Sie werden zwar stark trainiert, hochwirksam Handeln zu können, aber gleichzeitig in ihrem Handlungsspielraum extrem beschränkt.
            Sie werden fähig gemacht, große und größte Schuld auf sich zu laden, aber ihre Fähigkeit Schuld zu vermeiden, wird ihnen entzogen.
            Im Zivilrecht bezeichnet man Schuldunfähige übrigens als unzurechnungsfähig.

            Die fraglichen Systeme züchten sich also Heerscharen Unzurechnungsfähiger und potentiell Gewalttätiger heran, und diesen sollen wir einfachen Leute auch noch dankbar für die ‚Garantie unserer Sicherheit‘ sein.

            Schon krass.
            Da bevorzuge ich lieber das System der Liebe.
            Das sehe ich als beste Möglichkeit, solche (fast schon) automatischen Eskalationen zu vermeiden.

            • Ich lass das so stehen, weil man durchaus so sinnieren darf, auch wenn die Praxis sich daran nicht orientieren wuerde.

        • „Problematisch an den offiziellen Definitionen von ‚Terror‘ und „Terrorismus“ ist weiterhin, dass sich aus ihnen zwingend ergibt, die USA als führenden terroristischen Staat zu begreifen.“

          – Hybris, S. 227

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