Syrien: Der große Krieg ist unterwegs

Der große Krieg im Nahen OstenMuhammad Hassanein Heikal, der ägyptische Journalist: Der große Krieg ist unterwegs! Das Ziel: Die Umgestaltung des Nahen Osten

US-Beamte sagen, dass ein Militärschlag gegen Syrien ein begrenzter Angriff zum Zwecke einer Bestrafung von Bashar al-Assad sein wird; aber der Verlauf der Entwicklungen zeigt, dass Amerikas Ziele weit größer sind als das, was bisher in Medien veröffentlicht wurde. Der Ausschuss für Auswärtige Beziehungen des Senats stimmte am Mittwoch [05.09.13] mit knapper Mehrheit für einen begrenzten Militäreinsatz in Syrien.

Allerdings zeigen die Bewegungen und Transporte der amerikanischen Kriegsflotten, Israels Gefechtsordnung, die Einsatzbereitschaft und die Beteiligung der Türkei und Saudi Arabiens an den Angriffen auf Syrien, die Welle der Aufrufung aller bewaffneten syrischen Gruppierungen neben der Vielzahl der geschleusten Waffen jeglicher Art durch die Türkei nach Syrien, die Ausstattung einer neuen Armee von bewaffneten Anti-Regierungsmilizen in Jordanien durch Saudi-Arabien und ein Sammelsurium aus militanten Gruppen gegen die Hisbollah im Libanon genau das Gegenteil von dem, was Obama als „begrenzten Krieg“ deklariert: Es wird sogar ein sehr großer Krieg sein: Einerseits, um ein für alle Mal das syrische Regime zu stürzen und andererseits, um eine grundlegende Umgestaltung des Nahen Osten zu erreichen. All das ist die Folge des Plans, einen neuen Nahen Osten zu gestalten, in dem die Achsen der Bösen (die Regimes in Teheran, Damaskus und die Hisbollah) keinen Platz mehr haben würden.

Muhammad Hassanein Heikal, der berühmte ägyptische Journalist hat diesbezüglich einen Artikel geschrieben, der sehr außergewöhnlich ist. Heikal betont, dass der Krieg unvermeidlich ist, obwohl die genaue Zeit nicht zu bestimmen ist, was er als natürlich bezeichnet. Er schreibt in Bezug darauf, dass (aus amerikanischer Seite) der Achse der Bösen nicht erklärt werden kann, wann der Krieg beginnen würde. Die westlichen Streitkräfte brauchen Zeit, um ihren militärischen und aggressiven Einsatz zu formen; wobei die Macher des Krieges die Veränderung der öffentlichen Meinung brauchen, obwohl diese keine Rolle bei ihren Entscheidungen spielt. Sie konzentrieren sich eher auf die strategischen Kräfte und die korrekte und genaue Zusammenstellung dieser.

Heikal schreibt weiter: „Es beginnt in der Stunde Null, die große Offensive beginnt mit dem Abfeuern und Fallen von hunderten von ballistischen Raketen auf Flughäfen, Militärbasen, Kasernen, Lagerhallen von Munitionen und strategischen Waffen der syrischen Armee, wobei es wahrscheinlich ist, dass auch der syrische Präsident Bashar al-Assad ins Visier genommen wird. Die koordinierten Angriffe werden gleichzeitig von vierzigtausend gut bewaffneten Kräften in Jordanien, die sehr gut durch die amerikanischen Streitkräfte geschult und trainiert sind, begleitet, um durch Dera’a nach Damaskus zu marschieren, und genauso durch die Türkei nach Aleppo, Idlib und vielleicht auch Latakia bis zu den Alawitengebirge.“

Heikal wirft dann einen Blick auf die Entwicklungen innerhalb Libanons und schreibt: „In Libanon sind ca. eintausend Kämpfer in Arsal (im Osten Libanons Grenze zu Syrien) und ca. fünftausend man im Einelhelweh-Lager und anderen palästinensischen Lagern kampfbereit, um gleichzeitig in den Krieg zu ziehen, und natürlich darf bei dieser amerikanischen Militäraktion Israel nicht außer Acht gelassen werden.“

Zum Schluss schreibt Heikal: „Ich weigere mich von Wahrscheinlichkeiten und Szenarien zu sprechen, sondern wie gesagt, es gibt nur ein Szenario (im amerikanischen Angriff auf Syrien). Niemals wird dieser Krieg begrenzt sein. Es wird ein Krieg sein, der mit einer Rakete beginnt und sein Ende wird nicht weniger als die Umgestaltung des Nahen Osten sein; wenn wir nicht sogar von der gesamten Veränderung der Weltordnung sprechen.“

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7 Gedanken zu „Syrien: Der große Krieg ist unterwegs

  1. Der Artikelinhalt – so scheint mir – ist überzeugend. Die USA haben kein Interesse an einer kurzen Bestrafung Syriens. Für Syrien wird es einen Rundum-alle-Fronten-Krieg geben, den Syrien nicht gewinnen kann. Nicht umsonst hat die Türkei an der Grenze aufgerüstet. Die einzige Unbekannte sind Russland und China in diesem zynischen Menschenabschlachtungsgipfel, der sich da anbahnt. Die gesamte Infrastruktur Syriens, soweit überhaupt noch vorhanden wird zunächst wie in US-Angriffen üblich, dem Boden platt gemacht. Aus der Asche Syriens erwächst eine „veränderte Weltordnung“ des Nahen Ostens, aber auch Europas und der Türkei. Wir wissen nur noch nicht, welche. Wie gesagt: Die Rolle Russlands ist da noch unbekannt. Die treffen sich jetzt in Russland, um den Restbären zu besänftigen und ihm zu versprechen, dass die Auflösung des Marinestützpunktes auch nach der US-Invasion nicht gefährdet ist. Russland wird eine Beruhigungs- und Stillhaltepille versprochen und wie ich annehme, wird dieses Versprechen auch gehalten. Die USA, Obama, Saudi-Arabien und die von ihnen finanzierten islamistischen Terroristen, die die USA in Afghanistan so bekämpft hat, sind nach dem O.-Bückling vor den Hütern von Mekka echte Partner im Geiste. Von den Lemmingen Frankreich und GB ganz zu schweigen, die alleine innenpolitisch ja garnichts mehr auf die Reihe bekommen und sich nur noch in Kriegsszenarien flüchten können, um an die alten Kolonialisierungserfolge anzuknüpfen, bevor sie von innen heraus endgültig in absehbarer Zeit in ihrer jetzigen Form zerfallen.

    Die ganze Aktion dient weder der Bestrafung des Giftgasanschlages (das wäre ja noch ein nach außen hin zu tranportierendes moralisches Ziel), sondern der endgültigen Zerschlagung der jetzt bestehenden Verhältnissie im Nahen Osten. Die Hisbollah wird möglicherwiese vernichtet werden. Der Irakkrieg war nur eine vorbereitende Episode des Chaosstiftens. Mir scheint, dass dieser Waffengang allein der Schwächung der Position Irans dient und nichts anderem. Syrien war seit der Agenda Bushs, nämlich Syrien der Achse des Bösen auf der Antenne der USA, weil Syrien sich der USA nicht beugen wollte, sondern Russlands Liebling war. Sie brauchte nur noch einen Vorwand, um dort militärisch eingreifen zu können, damit die Zustimmung und die Akzeptanz für diesen Krieg, wieder einmal auf Lügen aufbauend, größer wird. Ich habe bei allen Kriegsmaßnahmen der USA und seiner Vasallen im Nahen Osten bislang nur die Schaffung von Chaos erlebt. Der kommende Kriegsgang bringt für die USA große Vorteile:

    1. Europa wird dem Flüchtlingsstrom aus Nordafrika und jetzt aus dem Nahen Osten geflutet mit der Türkei als Transferland und fällt als Dollarkonkurrent aus (ob es dazu einen Krieg in Syrien gebraucht hätte, wage ich zu bezweifeln)
    2. Iran wird zusehends geschwächt aus diesem Krieg hervorgehen. Ds jetzige Verhalten der Allianzen (Türkei, Jordanien, Libanon/Israel, insbesonder Saudi Arabien) spricht Bände.
    3. die USA werden sich in Syrien einen Militärstützpunkt nach dem anderen gestatten, um näher am Geschehen zu sein. Für Iran wird es nach diesem Krieg echt eng werden.
    4. Syrien wird wie der Irak in mehrere Teile zerfallen. Die Kurden sind die Nutznießer, sowohl in Irak als dann auch in Syrien.
    5. Die Christenflucht wird nach dem Einzug eines wahabitisch-sunnitischen Islam in Syrien, der als neuer Verbündeter der USA installiert werden wird, als Kollateralschaden betrachtet wie in der Türkei, in Arabien und überall in der islamischen Welt.
    6. Die Westmächte trauen sich gerade nicht umsonst zu diesem Zeitpunkt, einen Krieg hier von außen in Syrien anzuzetteln, nachdem bekannt geworden ist, dass das Mittelmeer um Zypern/Griechenland/Türkei von Erdgasvorkommen nur so strotzt.

    Zumindest fällt der Zeitpunkt der geplanten Invasion auf.

    Im Grunde war der Giftgasanschlag nur ein willkommener Anlass, in die konkreten Planungen dieser Kriegsphasen einzutreten. Nur meine bescheidene Einschätzung. China wird sich still verhalten und das Chaos hinterher dazu nutzen, Aufbauhilfe zu leisten, wie sie es geschickt und überall in Afrika und dann eben auch in Syrien tun. Putin und der Iran sind die einzigen unberechenbaren Joker in diesem Spiel der Menschenvernichtungsmaschinerie. Ich befürchte das Schlimmste.

    • Ach, ich habe Israel ganz vergessen. Für Israel mag sich dieser Angriff ebenfalls lohnen. Wenn die USA ihren Daumen direkt in Syrien dauerhaft verankern können, ist die Position Israels gestärkt. Deshalb wird Israel sich still verhalten, wenn es klug ist. Tritt Israel in diesen Krieg mehr als aktiv ein, wird es sich im Islam noch einen schlechteren Ruf erarbeiten.
      Iran wird seine Bemühungen um die Erlangung einer A-Bombe jetzt noch intensivieren.

      Es kommt m. E. auf den Widerstand an, den Syrien gegen die US-Invasionstruppen leisten kann. ob dieser Krieg ein noch blutigerer wird wie er jetzt schon ist. Die Nachschubwege der Waffen aus Russland werden dann auf jeden Fall versiegt sein. Assad kann nicht gewinnen.

  2. werter bazillus – super zusammenfassende darstellung und analyse des syrien-dramas!!
    der typ von übersee benützt womöglich alte strategiepläne, um sie nach syrien (u.iran?) GEGEN israel zu verwenden: möglicherweise ist ihm die schaffung der „zwei-staaten“-lösung (als erste stufe der zerschlagung israels?) noch mehr „herzensangelegenheit“ als die „blitzkriege“ gegen syrien (bzw. „entatomisierung“ irans)?!
    bush hätte niemals die christen in nahost zuliebe islamistischer regime geopfert, da bin ich überzeugt.

    • jedenfalls nicht NACH dem desaster in irak. was man in irak eventuell noch nicht genau abschätzen konnte, nimmt man in syrien billigend in kauf – und die öffentlichkeit ist geblendet von dem zerrbild des assad-clans, der aus seiner medialen teufelsrolle seit beginn der ersten demos nie mehr herauskam.
      wer hat den von beginn an am lautesten nach dem sturz assads geschrien-und liess die offensichtlichte unterstützung schon lange vor den usa anlaufen?!…
      der endgültige plan zur zerschlagung syriens im laufe des arabischen frühlings wurde von niemanden so wie vom kranken mann am bosporus gefordert: in reden

      • …liess er immer wieder mal das historische recht der türkei auf syrien anklingen.
        möglicherweise reissen sich jetzt alle beteiligten akteure um das filet-stück syrien. jeder will in irgendeiner weise beute machen und schleust rechtzeitig geld, waffen und leute als räuberhorde in die schlacht, um hernach ansprüche geltend zu machen. arabisch-türkische clan-wirtschaft, sozusagen.
        drei jahre hat ober-obi noch zeit, die welt gemäss seinem weltbild umzugestalten.
        .

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