Iran – Israel: Israel ignoriert die ausgestreckte Hand Irans

1051958384

Dieser Artikel wurde ins Russische übersetzt

Teheran – Israel fürchtet seine Rechtfertigung für einen möglichen Angriff auf den Iran zu verlieren und befürchtet, dass die USA Hassan Rohanis sanften Tönen verfallen. Es ist bedauerlich, dass Premierminister Benjamin Netanyahu und Präsident Shimon Peres sich nicht die Mühe machten, auf die Rosch Haschana Grüße von dem iranischen Präsidenten zu reagieren. Stattdessen wählte Netanyahu den Weg weiterer Bedrohungen und verunglimpfte Rohanis Geste. Vielleicht auch verständlich, denn wer das Wesen der Islamischen Republik kennt, darf durchaus auch den sanften Tönen gegenüber misstrauisch sein. Es gibt keinen Zweifel daran, dass Iran nach seinen Taten und nicht nach seinen Worten beurteilt werden muss, aber auch im Zustand der Feindseligkeit zwischen den beiden Ländern ist es nicht überflüssig – und vielleicht sogar von Vorteil – ein gewisses Maß an Höflichkeit und Benehmen zu wahren.

Das einzige Land in Syriens Nachbarschaft, das nicht seine Militärs in Alarmbereitschaft versetzt hat, ist Iran. Während die Armeen der Türkei, Jordaniens, des Irak und natürlich Israels ihre Muskeln spielen lassen, Truppenbewegungen durchführen und Teams für chemische Kriegsführung an der syrischen Grenze stationieren, vermittelt Iran den Eindruck, dass der drohende Angriff auf Syrien nicht militärisch stattfinden wird. Zwar ist der Iran kein Land, das unmittelbar bedroht ist, zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt, aber es ist auch gar nicht sicher, dass der syrische Präsident Bashar Al Assad weiterhin Irans nationale Interessen und seine Position in der Region schützen kann.

Es gibt eine wachsende Zahl an öffentlichen Äußerungen in Iran nach dem Motto „Wir glauben, dass die Regierung in Syrien schwere Fehler gemacht hat, die leider den Weg für die Situation im Land geebnet und geschaffen haben, um missbraucht zu werden“, wie der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif  Berichten zufolge letzte Woche in einem Interview mit der Aseman Weekly sagte. Nach einem anderen Bericht, machte Ala Al-Din Boroujerdi, der Vorsitzende des Parlamentarischen Ausschusses Irans für Nationale Sicherheit und Außenpolitik,  Al-Assad deutlich, dass „Iran keinen Deal mit dem Westen gemacht hat, um ihn zu stürzen, aber er machte auch klar, dass Iran nicht an einer militärischen Kampagne ihn zu verteidigen, teilnehmen wird.“

Der iranische Professor und Kommentator Sadegh Zibakalam, der für die reformistische Zeitung Etemaad schreibt, stellte das Dilemma mit Syrien aus einer neuen und originellen Sicht dar. Wenn Syrien vom Westen angegriffen wird, schrieb er, werden die Beziehungen zwischen Syriens Verbündeten und dem Westen so kalt und dunkel werden, dass der neue iranische Präsident Hassan Rohani keine Chance haben wird, einen Abbau der Spannungen und eine Verbesserung der Beziehungen mit dem Westen zu erzielen. Unter solchen Bedingungen würde Rohani sich sitzend neben Offizieren wiederfinden, während Entspannungspolitik mit dem Westen nicht nur von der Tagesordnung gestrichen sein wird, sondern Rohani sich aus dem Amt entfernt wiederfinden wird, schrieb Zibakalam.

Mohammad Ali Subhani schrieb im Bihar, dass die iranische Regierung zuallererst die Verantwortung für das iranische Volk wahrzunehmen hat und ihre Versprechen und Verpflichtungen gegenüber ihren eigenen Bürgern zu erfüllen hat. Daher sollte sie nicht von einer gemäßigten Politik abweichen und sollte nicht zulassen, dass Ereignisse in Syrien Einfluss auf die inneren Angelegenheiten Irans haben.

Und wenn der iranische Verteidigungsminister General Hossein Dehghan sagt, dass es keine Notwendigkeit gibt, Truppen oder Waffen nach Syrien zu schicken, und der Iran nicht die Absicht habe, dies zu tun, da Syrien keine Hilfe braucht, dann ist es möglich, den Schluss entgegen den bisherigen Darstellungen zu ziehen, in denen ein Angriff auf Syrien als ein Angriff auf den Iran gesehen wurde, nämlich dass eine neue narrative Entwicklung in Iran im Gange ist: Syrien ist nun eine Last geworden.

Die Wahl von Hassan Rohani  zum Präsidenten hatte ein klares, großes und vereinbartes Ziel: Das Beenden der Sanktionen gegen den Iran könnte zu einer Rückkehr zu einer umfassenden wirtschaftlichen Tätigkeit führen, ohne dabei seine eigenen Interessen aufgeben zu müssen. Inbegriffen in den Begriff „Interessen“ ist die Möglichkeit seine Nukleartechnologie weiterhin zu entwickeln. Das sind zwei gegensätzliche Prinzipien, aber Rohani ist bestrebt, den Widerspruch durch Diplomatie zu lösen – eine neue Form des Dialogs mit dem Westen, auf der Grundlage von neuen und beruhigenden Vokabeln, das schließt die Anerkennung der Tatsache des Holocaust, Neujahrsgrüße an die Juden, die Wiedereröffnung der Aktivität der britischen Botschaft in Teheran und dem Anvertrauen der nuklearen Verhandlungen dem Auswärtigen Amt und seinem neuen Führer Zarif, anstelle des Obersten Nationalen Sicherheitsrates ein.

Diese Änderungen werden im Westen als kosmetisch angesehen, und der Westen verlangt Beweise für Irans ernste Absichten. Aber auch Kosmetika können strategisch sinnvoll sein, vor allem, wenn sie die Unterstützung des Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei haben.

Der erste wichtige internationale öffentliche Test für Rohani kommt in diesem Monat, wenn er seine erste Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen halten wird, eine Rede, in der die Welt erwartet, zu hören, wie Iran den neuen Wind aus Teheran konkret zum Ausdruck bringen will. Niemand wird von Rohani erwarten, dass er eine iranische Absicht ankündigt, die besagt, dass Iran die Urananreicherung in seinen Nuklearanlagen einfrieren oder die weitere Entwicklung der Nukleartechnologie stoppen wird. Aber eine Ankündigung von „voller Transparenz“ – darunter unter anderem UN Inspektoren den Zugang zur Anlage Parchin und anderen zu gewähren, der bis jetzt verwehrt wurde – wäre mehr als nur ein Signal eines strategischen Wandels der Politik. Geforderte weitere Auflagen der USA und Israels, die außerhalb der IAEA Vereinbarungen liegen, wie die Kontrolle des iranischen Raketenprogramms wird es aber keinesfalls geben.

Bisher geben die Aussagen von Rohani und seines leitenden Stabes keine Hinweise auf praktische Pläne die Urananreicherung einzufrieren oder zu reduzieren; noch weniger wahrscheinlich ist, dass Khamenei Rohani mit einer Reihe von Konzessionen ausstattet, die dies Rohani ermöglichen würde. Dennoch ist die Abwesenheit aggressiver Erklärungen, die den ehemaligen iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad charakterisierten – wie „Iran werde niemals auf sein Recht zur Urananreicherung verzichten“ – und nicht zuletzt den Diskussionen, dass Zarif mit der EU-Außenministerin Catherine Ashton einen frühen Zeitpunkt für eine Sitzung der P-5 plus 1–Gruppe vereinbaren soll, könnten ein deutliches Zeichen für mehr als nur kosmetische Diplomatie sein.

Diese Veränderungen warten auf eine Antwort aus dem Westen. Es ist daher bedauerlich, dass Premierminister Benjamin Netanyahu und Präsident Shimon Peres sich nicht die Mühe machten, auf die Rosch Haschana Grüße von dem iranischen Präsidenten angemessen zu reagieren. Stattdessen wählte Netanyahu den Weg weiterer Bedrohungen und verunglimpfte Rohanis Geste. Vielleicht auch verständlich, denn wer das Wesen der Islamischen Republik kennt, darf durchaus auch gegenüber den sanften Tönen misstrauisch sein. Israels Angst vor dem Verlust seiner Rechtfertigung für einen Angriff auf den Iran und die Angst, dass die USA möglicherweise mit den sanften Tönen Rohanis in eine Falle tappen treibt sie zum Wahnsinn. Es gibt keinen Zweifel daran, dass Iran nach seinen Taten und nicht nach seinen Worten beurteilt werden muss, aber auch im Zustand der Feindseligkeit zwischen den beiden Ländern ist es nicht überflüssig – und vielleicht sogar von Vorteil – ein gewisses Maß an Höflichkeit und Benehmen zu wahren.

Advertisements

7 Gedanken zu „Iran – Israel: Israel ignoriert die ausgestreckte Hand Irans

  1. Dieser Artikel gefällt mir, weil er der Hoffnung eine Chance gibt. Ich sehe es auch so, dass nun Israel an der Reihe ist.

    Die Gelegenheit der leichten Rechtfertigung von Angriffen ist ja kein Wert an sich, und das sollte auch Israel erkennen.
    Sie ist nur Spielkarte eines kalten Krieges. Ohne Frage sieht sich Israel seit langem darin befindlich und es gibt ja auch genug Gründe anzunehmen, dass die Freundlichkeit nur gespielt ist.

    Aber man muss sich stets auch fragen, wie das denn aussehen soll, was man sich eigentlich wünscht!
    Andernfalls degradierte man sich selbst und verfiele in Erstarrung.
    Man gäbe die Möglichkeit auf, mitzugestalten; das kreative Moment.

    Und dieses ist das Göttliche, das im Menschen verblieben ist, so es denn zur Suche nach dem Guten verwendet wird.
    Gott will nämlich den freien Menschen, der nicht, – wie neulich Obama – in Sachzwängen steckt und nicht bomben muss, nur um seine eigene Glaubwürdigkeit zu verteidigen.

    • Werter Jockel,
      vielleicht haben Deine Hoffnungskommentare der Vergangenheit nach der Wahl Rohanis wirklich nicht so an der Realität vorbeigezielt, wie wir anderen dachten. Das wichtigste positive Signal aus Teheran ist die Anerkennung des Holocaust. Damit hatte ich nicht gerechnet. Es mag ein taktischer Zug sein, aber einer, der mit der Wahrheit übereinstimmt.

      Syriens Regierung steht wohl zunehmend allein da. Nunja, mal sehen, welche Überraschungen die iranische Regierung noch zu bieten hat. Auf die Hilfe Irans kann Assad zumindest nach außen hin nicht mehr rechnen.

      Auf jeden Fall führen Unhöflichkeiten mit Sicherheit nicht zu einem Konsens. Israel sollte angesichts der Wendung des Iran in Sachen Holocaust versuchen, umzudenken. Dieses Umdenken würde allerdings erheblich erleichtert werden, wenn die Regierung Teherans auch Taten folgen lassen würde.

      Nichtsdestotrotz sind Unöflichkeiten nicht dazu geeignet, Streit aus der Welt zu schaffen.

  2. edited by Ardašir Pârse

    Ich habe leider keine Ahnung und war nicht in der Lage den Artikel zu Ende zu lesen. Daher habe ich auch nichts verstanden. Am Schluss wollte ich Ardašir Pârse weis machen, dass Saudi Arabien die Schutzmacht Israels ist, obwohl nachweislich Riad seine Raketen in Richtung Israel stationiert hat. Der islamistischte Staat der Welt, Saudi Arabien, ist fuer mich Idiot ein verlaesslicher Partner zum Schutz Israels. Die Boesen sind die Iraner, die guten die Saudis. Ich bin genauso bloed wie die deutschen Politiker die angeblich Saudi Arabien als Schutzmacht Israels sehen.

  3. edited by Ardašir Pârse

    Als rechtsradikaler Vollidiot, der sich gerne Krieg fuer andere herbei wuenscht, habe ich Ardašir Pârse als „rückgratlosen Zionistenbückling“ beschimpft, daher hat er mir wieder nicht erlaubt meinen Unsinn hier zu posten. Um meine Bloedheit zu heilen postete mir Ardašir Pârse einen Link, der meinen Unsinn widerlegt:

    https://parseundparse.wordpress.com/2013/07/20/saudi-arabien-bedroht-iran-und-israel-mit-raketen/#more-12991

  4. In den englischen FARSI NEWS war doch zu lesen das Rohani dementierte einen Twitter account zu haben,also auch kein grüße.

    Solche Meldungen haben ungefähr soviel Wahrheitsgehalt wie die angebliche baldige Zerstörung der Al Aqsa durch Juden,das hat schon der alte Hitlerfreund der Großmufit von Jerusalem damals verbereitet.

    Wenn so was kommt kann man davon ausgehen das es zu 99,9% eine Lüge ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s