Iran-Israel: „False Flag Attack“ oder die nackte Wahrheit?

Foto: AFP  Lieutenant Benny Gantz bei einer Pressekonferenz am 05. März 2014 bei einem Briefing der Presse hinsichtlich der Ereignisse im Roten Meer

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Lieutenant Benny Gantz bei einer Pressekonferenz am 05. März 2014 bei einem Briefing der Presse hinsichtlich der Ereignisse im Roten Meer

ein Kommentar von Ardašir Pârse

Tel Aviv  – Trotz anhaltender sicherheits- und nachrichtendienstlicher Zusammenarbeit der USA und Israel, sieht Washington, Mitglieder der neuen iranischen Führung, als rationale Partner an. Das angebliche Abfangen von iranischen Waffen auf dem Schiff Klos C durch die Shayetet, die 13. Israelische Elite-Marinekommandoeinheit im Roten Meer, kam inmitten eines wachsenden Streites zwischen Jerusalem und Washington Israel entgegen. Die Zwietracht ist die fast unvermeidliche Folge des Interimsabkommens, das von Teheran und den Weltmächten im letzten November in Genf, mit dem Ziel der Eindämmung des iranischen Nuklearprogramms, unterzeichnet wurde.

Auch wenn die Sicherheits- und Nachrichten-Koordination zwischen den USA und Israel, weiterhin, wie gewohnt praktiziert wird, wie auch am vergangenen Mittwochabend klar wurde, als das Weiße Haus bestätigte, dass die gemeinsamen israelisch- amerikanischen Geheimdienstaktivitäten zur Identifizierung des Schiffes, das unter panamaischer Flagge fuhr, führten, entwickelt sich eine Diskussion in Jerusalem über Irans Absichten und die Art der Maßnahmen, die ergriffen werden sollen, um diese Absichten zu durchkreuzen.

Israel beanstandet in seiner Wahrnehmung, die übermäßigen Zugeständnisse von Washington, die im Interimsabkommen gemacht wurden, ohne ausreichende Gegenleistungen aus dem Iran. Aber das ist nicht Jerusalems einzige Sorge: Nicht nur, dass die US-Regierung bereit sein wird, noch mehr Zugeständnisse auf diesem Weg zu machen, sondern auch, dass Präsident Barack Obama und seine Berater überzeugt sind, dass die Charme-Offensive des iranischen Präsidenten Hassan Rohani eine echte Veränderung in Teherans politischem Ansatz widerspiegelt, und dass es in Zukunft möglich sein wird, die Sanktionen gegen Iran zu mildern, damit sie in den Club der gesetzestreuen Staaten durch die Hintertür erneut eintreten können. Tatsächlich ist die USA offenbar bereits aktiv auf der Suche für Bereiche einer Konvergenz der Interessen mit dem Iran, in der Hoffnung, ihn zu rekrutieren und auf US-Seite in Bereiche zu bringen, wo immer es den amerikanischen Interessen dient.

Die israelischen Zweifel begannen unmittelbar nach der Unterzeichnung des Genfer Abkommens. Die Hyperaktivität der US-Regierung, torpedierte die Verwaltung der neuen Gesetzesinitiative der amerikanisch-israelischen Öffentlichkeitsarbeit im Kongress, die heimlich von Israel unterstützt wird, denn sie versuchten gerade ein neues Bündel von Sanktionen gegen Iran vorzubereiten. Sie wurden von Washington, durch die den Iranern gemachten Zugeständnisse, zurückgeworfen. Jerusalem ist gleichermaßen skeptisch, wegen Washingtons beharrlicher Weigerung, über die Notwendigkeit, Iran an der Entwicklung von Atomwaffen zu hindern, mitzuwirken.

Ein gutes Beispiel dafür, wurde diese Woche von Staatssekretär John Kerry in seiner Rede auf der AIPAC-Konferenz gezeigt. Kerry erklärte, dass „kein Geschäft [mit dem Iran] besser sei, als ein schlechtes Geschäft“, aber im gleichen Atemzug erklärte er dem Publikum, den wahrscheinlichen Schaden für die USA, der sich bei einem militärischen Angriff auf iranische Atomanlagen ergeben würde. In jedem Fall ist eine US-amerikanische militärische Option, wenn es sie je gab, längst vergessen. Obama wird zu seinem Versprechen stehen: Er wird dafür sorgen, dass der Iran bis Januar 2017 keine Atomwaffen erlangen wird. Nicht weniger, aber sicher auch nicht mehr.

Amerika verließ schon seit langem seine „Achse des Bösen-Rhetorik“, und jetzt spricht Amerika über komplexe Manöver, unter den vielen rivalisierenden Lagern im Nahen Osten. Washington sieht in der neuen iranischen Führung einen rationalen Partner, insbesondere Rohani, mit dem die Zusammenarbeit möglich sein wird, – wenn nötig. Die Vereinigten Staaten, können auf die Hilfe der Iraner in einer Vielzahl von regionalen Problemen, in denen Teheran seinen Einfluss nehmen kann, zählen. Iran könnte zum Beispiel in der Lage sein, zur Stabilisierung der Lage in Afghanistan, nach dem Abzug der amerikanischen Truppen aus diesem Land, am Ende dieses Jahres, beizutragen, oder im Syrienkonflikt Einfluss nehmen. Teheran übt auch den größten Einfluss auf die schiitische Regierung im benachbarten Irak aus: Frieden im Nahen Osten kann es ohne dem Einfluss Irans nicht geben, das weiß Washington, und man will auch den russischen Einfluss im Nahen Osten abschwächen.

Vor allem ist Iran ein Spieler mit dem in Syrien gerechnet werden muss. Ohne die Unterstützung aus Teheran und Moskau für den syrischen Präsidenten Bashar Al Assad, hätte der syrische Präsident, der gegen Hunderte von Terrorgruppen, die ihn stürzen wollen, kämpft, kapitulieren müssen. Auch in der Schweiz, wurde in Bezug auf die Zukunft Syriens, die Möglichkeit eines kooperierenden Iran in den Gesprächen in Genf in Erwägung gezogen, ein Gedanke, der jedoch vor kurzem, nach dem Protest der islamistischen Terrorbanden, aufgegeben wurde. Die Zeichen einer Änderung in einer amerikanischen Annäherung an Syrien, sind in erster Linie in der steigenden Aktivität der beiden wichtigsten Rebellengruppen, die mit Al-Qaida verbunden sind, begründet: Al-Sham (ISIS) und Jabhat Al-Nusra. Der Direktor des US-nationalen Geheimdienstes, General James Clapper erklärte vor kurzem im amerikanischen Kongress, dass Rebellen-Organisationen, die unter der Schirmherrschaft von Al-Qaida in Syrien aktiv sind, Pläne entwickeln, um Terroranschläge in den USA zu verüben.

Die Amerikaner, genau wie andere westliche Länder, haben sich in letzter Zeit gefragt, was sie im syrischen Bürgerkrieg bevorzugen: einen Sieg der Assad-Iran-Hisbollah-Allianz oder einen Sieg der islamistischen Terrorbanden unter der Schirmherrschaft von Al-Qaida, die ein extremes sunnitisches, islamistisches Regime in diesem Land etablieren wollen, in direkter Fortsetzung dessen, was jetzt in Teilen des südlichen Irak geschieht.

Wenn die zweite Möglichkeit schlimmer als die erste ist, dann ist vielleicht Iran kein Gräuel mehr. Wenn ein noch größerer Satan plötzlich auftaucht, wird Washington nicht unbedingt eine punktspezifische Zusammenarbeit mit den Feinden von gestern ausschließen. In israelischen Augen, ist das ein törichter Versuch, sich mit dem kleineren Übel abzufinden: Für Jerusalem sind beide Lager gleichermaßen inakzeptabel.

Syrer als Tarnung

Die Aussagen von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Moshe Ya’alon, nach der Beschlagnahme der Waffen von der Klos C, zeigte den Israelis sofort, die Rolle des Iran in dieser Angelegenheit. Syrien ist für sie nur ein Nebenspieler. Zwar versorgt Damaskus den Gazastreifen mit Raketen, die für die Palästinenser nach einem langen und verschlungenen Weg bestimmt sind, aber der israelische Militärgeheimdienst vermutet, dass die Syrer von Iran, und vor allem zu Tarnungszwecken rekrutiert wurden. Der Versuch war, die wahren Hände hinter dem Versand zu verbergen, genau wie der Zement in den Containern an Bord dafür bestimmt war, die M-302-Raketen darunter zu verbergen.

Der Erfolg der Streitkräfte im Roten Meer, mit Hilfe des Mossad, wird jetzt zur politischen Neufassung stilisiert. Das Abfangen des Schiffes mit seinen Raketen, ob sogar möglicherweise als false flag attack, oder als die Wahrheit, wird von Jerusalem verwendet werden, um dem Westen zu erklären, dass man den Iranern nicht trauen kann: So wie in ihren Augen die Iraner weiterhin den Terrorismus unterstützen und Langstreckenraketen entwickeln, so werden die Iraner nicht zögern, die Weltmächte zu täuschen, um ihr Atomprojekt weiter zu verfolgen, so glauben sie.

Auch Washington soll vom maritimen Betrieb gewusst haben und auch wie er vorbereitet wurde. Aber schon bald wird der israelische Geheimdienst der Welt „genauere Informationen“ über die Waffen, die beschlagnahmt wurden, präsentieren – und darüber, wer ihrer Ansicht nach hinter dem Schmuggel steckt. Iran und Syrien werden zweifellos jede Verbindung zu dem Schiff leugnen, aber ihre Dementis werden keine hohe Glaubwürdigkeit bei der internationalen Gemeinschaft genießen. Somit würde auch ein false flag attack seinen Triumph feiern und Iran und Syrien würde es unmöglich sein, das Gegenteil zu beweisen.

Der endgültige Bestimmungsort der Waffen soll aber die Organisation des Islamischen Jihad in Gaza gewesen sein. Das ist keine vernünftige Einschätzung, angesichts der Kluft zwischen der Hamas und Syrien, und, zwischen der Hamas und dem Iran im Bürgerkrieg in Syrien. Das, und dass es sich hierbei um sunnitische Terroristen handelt,  macht eine iranische Beteiligung eher unwahrscheinlich.

In jedem Fall erleiden die Waffenschmuggler nach Gaza eine schwere Zeit, seit Ägypten in Rafah seinen Druck erhöht hat, die Tunnel in denen Waffen in den Gaza geschmuggelt werden, zu entdecken. Erst vergangene Woche hat ein Gericht in Kairo die Hamas in Ägypten verboten – ein weiterer Beweis für die enorme Spannung zwischen Ägypten und den Gaza-Regimes. Der Druck der Regierung der Generäle in Kairo bringt die Hamas aus dem Gleichgewicht – und das ist auch ein sensibler Punkt, trotz der relativen Ruhe, die sich dort in der letzten Zeit durchgesetzt hat .

Das Abfangen eines Schiffes vor der sudanesischen Küste im Roten Meer war eine ergänzende Operation einer ganzen Serie von Luftangriffen der israelischen Luftwaffe auf die syrisch–libanesische Grenze im vergangenen Jahr. In beiden Regionen war Israel weit von seinen Grenzen aktiv, um Waffentransfers, die, aus Israels Sicht schwerwiegende Folgen gehabt hätten, unschädlich zu machen. Seine Politik ist, einzugreifen, wenn ein Versuch des Waffenschmuggels entdeckt wird, um Elemente aus einer Auswahl von fortschrittlichen Waffen, vor allem Langstreckenraketen und Munitionsbasen in der Nähe von seinem Staatsgebiet zu infiltrieren. Das ist die Natur der israelischen Armee (IDF), die eine solche Kampagne, schon vor dem Aufkommen des Arabischen Frühlings, entwickelte. Erste Angriffe im Sudan wurden bereits zu Beginn des Jahres 2009 durchgeführt, aber offenbar wurden diese Angriffe seit damals, unter dem Deckmantel des allgemeinen regionalen Chaos erweitert.

Grenzbombardierungen

Israel erhielt eine weitere Erinnerung an die Komplexität der neuen Situation, am selben Tag, als die Klos C im Roten Meer abgefangen wurde, als Israel einen Versuch, eine Bombe an der Grenze zu Syrien zu platzieren, vereitelte.

IDF Generalstabschef Benny Gantz sagte letzten Monat, dass die Alarmglocken für Israel Mitte 2011, wegen der Verschlechterung der Lage an der syrischen Grenze zu läuten begannen, als die palästinensischen und syrischen Demonstranten zweimal versucht hatten, einen Zaun an den Golan-Höhen, am Nakba-Tag, den die Palästinenser den Tag der „Katastrophe“ der Gründung des Staates Israel im Jahre 1948 nennen, und dem Naksa-Tag, der den Krieg von 1967 markiert, niederzureißen.

Die israelische Armee hat ihren Einsatz entlang der nördlichen Grenze seitdem stark intensiviert. Die israelische Armee baute den alten Zaun wieder auf, stationierte hochwertige Kräfte dort, und seit kurzem etablierte sie auch eine neue lokale Gebiets-Brigade, die spezialisiert in Routine- und Sicherheitsaktivitäten ist. Diese Aktivitäten haben sich vergangene Woche bewährt, und es ist davon auszugehen, dass es in Zukunft mehr Versuche geben wird, Terroranschläge zu verüben, die von sunnitisch-islamistischen Rebellenorganisationen, die jetzt 80% der Fläche Syriens, östlich der Grenze zu Israel beherrschen, durchgeführt werden. Somit bleibt eigentlich die Frage offen, wenn die aufgebrachten Waffen für den Islamischen Jihad in Gaza, als sunnitische, extremistische Terrorgruppe, bestimmt waren, wer war dann der wahre Absender?

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