Iran: Unter dem Schleier sterben die Blumen (2013)

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Jahresbericht über die Todesstrafe in Iran 2013

Mit mehr als 687 Hinrichtungen, ist die Zahl der Hinrichtungen in Iran im Jahr 2013 die höchste seit mehr als 15 Jahren. Mehr als 68% aller Hinrichtungen haben nach den Präsidentschaftswahlen vom 14. Juni stattgefunden.

Iran Human Rights (IHR) veröffentlichte seinen sechsten Jahresbericht über die Todesstrafe in Iran im britischen Parlament (House of Lords) am Dienstag, den 11. März. Der Bericht wurde mit Unterstützung der All-Parteien-Fraktionen (ECPM Ensemble contre la peine de mort) über die Abschaffung der Todesstrafe und gemeinsam im Namen der Menschenrechte gegen die Todesstrafe ins Leben gerufen.

Der sechste Jahresbericht über die Todesstrafe in Iran gibt eine Einschätzung, wie die Todesstrafe im Jahr 2013 in der Islamischen Republik Iran umgesetzt wurde.

2-Drugs-2010-2013-300x196Die Zahl der Hinrichtungen im Jahr 2013 ist unter Präsident Hassan Rohani, die höchste Zahl seit mehr als 15 Jahren, und der Trend setzt sich im Jahr 2014 fort. Die Zahl der öffentlichen Hinrichtungen bleibt nach wie vor hoch, und der Besitz und Handel von Betäubungsmitteln bleibt auch im Jahr 2013 der häufigste Grund für die Durchführung von Exekutionen. Darüber hinaus gibt es darunter mehrere jugendliche Straftäter, die hingerichtet wurden, und mehr als 40% der Hinrichtungen wurden entweder von den Behörden nicht bekannt gegeben, und wurden heimlich durchgeführt. Ethnische Minderheiten waren in der letztgenannten Gruppe überrepräsentiert. Viele von denen, die hingerichtet wurden, wurden in unfairen Prozessen verurteilt und Folter unterzogen, um erzwungene Geständnisse zu erhalten.

Der sechste Jahresbericht über die Todesstrafe in Iran wird zu einem Zeitpunkt veröffentlicht, in der die internationale Gemeinschaft ihre Beziehungen zu den iranischen Behörden verbessert und intensiviert. Nach der Wahl von Hassan Rohani, und der darauf folgenden vorläufigen Einigung über das Atomprogramm des Iran, haben mehrere hochrangige politische Vertreter aus verschiedenen EU-Ländern sich optimistisch geäußert,  oder besuchten den Iran und seine Vertreter.

Mahmood Amiry – Moghaddam, der Sprecher von IHR bemerkte: „Es ist paradox, dass die Beziehungen zwischen dem Iran und der internationalen Gemeinschaft sich verbessern, während sich die Zahl der Hinrichtungen in Iran erhöht. Die Wahl von Herrn Hassan Rohani zum Präsidenten des Iran, hat die Situation nicht verbessert. Eine Verbesserung der diplomatischen Beziehungen, sollte an konkrete Schritte der iranischen Behörden, in Bezug auf die internationalen Verpflichtungen, hinsichtlich des Einsatzes der Todesstrafe gebunden werden. „[…]“ Die Lage der Menschenrechte in Iran im Allgemeinen, und die Todesstrafe im Besonderen, muss auf der Agenda für den Dialog zwischen der internationalen Gemeinschaft und den iranischen Behörden ganz oben stehen.“

Einige Fakten

• Mindestens 687 Menschen wurden im Jahr 2013 in Iran hingerichtet, das entspricht einer Steigerung um 16% im Vergleich zum Vorjahr 2012;

• 388 Fälle, d.h. 56% wurden von den offiziellen iranischen Quellen berichtet;

• 458 Hinrichtungen, d.h. 68% wurden in den Monaten nach der Wahl von Herrn Rohani zum Präsidenten durchgeführt;

• 59 Hinrichtungen wurden in der Öffentlichkeit durchgeführt;

• 331 Menschen wurden wegen Anklagen bei Drogenkriminalität hingerichtet, d.h. 25% weniger als im Jahr 2012;

• 148 Menschen, die hingerichtet wurden, waren des Mordes (qisas) angeklagt, 8-mal mehr als im Jahr 2012;

• In 114 Hinrichtungsfällen waren die Gründe der Anklage unbekannt;

• Mindestens 30 Frauen wurden im Jahr 2013 exekutiert;

• Mindestens drei jugendliche Straftäter waren unter den Hingerichteten im Jahr 2013;

• Mindestens 299 Hinrichtungen in 21 verschiedenen Gefängnissen wurden entweder nicht offiziell angekündigt oder wurden heimlich durchgeführt. Wegen dem Fehlen von Details, wurden mehr als 130 weitere Hinrichtungen über die berichtet wurde in diesem Bericht nicht berücksichtigt.

Hinrichtungen in den letzten 9 Jahren

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Die obige Grafik zeigt die Zahl der jährlichen Hinrichtungen auf der Grundlage der von Amnesty International (AI) und IHR seit 2005 veröffentlichten Berichte. Die Zahlen in den grünen Spalten zeigen Hinrichtungen die bestätigt wurden, sowohl offizielle als auch inoffizielle. Die roten Säulen zeigen die Anzahl der gemeldeten Fälle, die nicht bestätigt wurden und wegen der Mängel an Details, nicht im Jahresbericht enthalten sind. Die Zahl der Hinrichtungen im Jahr 2013 war höher als in den Vorjahren und ist wahrscheinlich eine der höchsten seit den frühen 1990er Jahren.

Monatsübersicht der Hinrichtungen im Jahr 2013

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Die obige Abbildung zeigt die monatlichen Schwankungen in der Zahl der Hinrichtungen im Jahr 2013. Die Zahl der offiziellen (grün) und inoffiziellen (orange) Hinrichtungen sind in der zweiten Jahreshälfte deutlich höher. Die Hinrichtungszahlen sind besonders stark im März, das iranische Neujahr, und im Juni vor den Präsidentschaftswahlen angestiegen (siehe unten).

Exekutionstrends vor und nach den Präsidentschaftswahlen

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Diese Grafik zeigt die Zahl der Hinrichtungen in den sechs Monaten vor und nach den Wahlen. 68% aller Hinrichtungen im Jahr 2013 wurden nach der Wahl unter Hassan Rohani durchgeführt. Das Verhältnis ist ähnlich (60:40), auch wenn nur die offiziellen Zahlen berücksichtigt werden.

Empfehlungen an die Vereinten Nationen

• Die Erneuerung des Mandats des Sonderberichterstatters in Iran;

• Die Ernennung einer Erkundungsmission, um die Berichte von geheimen Hinrichtungen, vor allem die Exekutionen von Ahwazi arabischen Gefangenen, zu untersuchen;

• Die Durchsetzung eines Verbotes öffentlicher Hinrichtungen;

Empfehlungen an die internationale Gemeinschaft

• Das Thema Todesstrafe ist an die Spitze der Tagesordnung bei jeglichem Austausch mit den iranischen Behörden setzen;

• Die Forderung gegen iranische Behörden Verfahrenstransparenz zu leisten und faire Prozesse zu garantieren;

• Rufen Sie die iranischen Behörden auf, ein Moratorium für Hinrichtungen umzusetzen und fordern Sie die sofortige Einstellung öffentlicher Hinrichtungen;

• Fordern Sie die Einhaltung des Übereinkommens über die Rechte des Kindes, durch den von Iran im Jahr 1991 ratifizierten Übereinkommens, das die Hinrichtung von Jugendlichen in Bezug auf ihr Alter, wenn die Straftat als Minderjähriger begangen wurde, berücksichtigt wird, und nicht ihr fortgeschrittenes Alter, zur Zeit der Exekution verwendet wird.

• Fordern Sie einen sofortigen Stopp der Diskriminierung von ethnischen und religiösen Minderheiten;

• Fordern Sie aus den Ländern die die Finanzierung der UNODC internationalen Programme betreiben, die gegen den internationalen Drogenhandel kämpfen, die Schaffung einer Strafjustizkommission in Iran als Bedingung für Spenden, um die Transparenz der Verfahren und ein Moratorium für Todesurteile derjenigen zu garantieren, die wegen Drogenhandel verurteilt wurden.

Hier lesen Sie den ganzen Bericht in Englischer Sprache:

Rapport-iran-2014-GB-030314-bd-e

Frühere Berichte auf P & P:

Unter dem Schleier sterben die Blumen 2012

Unter dem Schleier sterben die Blumen 2011

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7 Gedanken zu „Iran: Unter dem Schleier sterben die Blumen (2013)

  1. Ja, es ist schrecklich, was die Willkür anrichtet – überall dort, wo Menschen ihre Macht und Kraft dem Unrecht geben, oder indirekt Unrecht auch mitmachen. Und in solchem Unrechtsgeschehen regiert immer auch die Lüge. Erstens, weil Menschen doch Gnade vor Recht ergehen lassen sollten – wir sind doch wirklich alle allzumal Sünder; aber, das soll nötige Strafe nicht in Abrede stellen, aber gerecht und menschenwürdig muß sie sein – und zweitens, allzuleicht wird nicht wirklich zu Ende gedacht. Und, was dem rechten Urteilen alles entgegensteht, auch das wird leider mitgemacht. Um aber konkret zu sein: Es wird z.B. nicht richtig ermittelt; und Menschenfurcht spielt eine große Rolle; und die Maßstäbe sind oft ungleich; und vorgefasste flache Denke und Amtsmißbrauch bestimmt das Urteil; und, es ist keine wirkliche Gottesfurcht im Leben der Richter und deren Herren; und, es besteht ein grundsätzlich falsches Weltbild; und wahrscheinlich usw.

    A b e r GOTT : SEIN Handeln und SEIN WORT, daß bedenken so viele nicht, auch hier in diesem Forum oder Blog. Dabei hat ER klar geredet, z.B.: ´Wer Menschenblut vergießt, durch den Menschen wird sein Blut vergossen`, siehe 1. Mose 9, Vers 6. Unrecht wird also auf den Kopf des Unrechttuenden zurückkommen. Nur ist GOTT zuerst oft und nochmal und nochmal geduldig. Bedenke, lieber Leser, mehr als tausend Jahre war ER geduldig mit den Menschen vor der Sintflut; und 400 Jahre war ER auch nach der Sintflut z.B. geduldig mit den gottlosen Völkern in Kanaan, um auch hier Beispiele zu nennen, bevor ER Israel durch`s Meer ziehen ließ: Um sich einen ewigen NAMEN zu machen, siehe Jesaja 63, 12; und noch öfters steht es so geschrieben in der in mehr als 3000 Sprachen übersetzten Bibel, damit ein jeder Mensch aufmerkt – um Gottesfurcht zu bekommen, was GOTT so wichtig ist. Denn ER ist es ja, der regiert und letztendlich handelt. Zu dieser Erkenntnis sollen wir ja kommen und kann auch ein jeder Mensch kommen. Die Frage ist also nur, wie lange noch tut ein Böser Unrecht. Ernstes Gebet der Gottesfürchtigen wird aber auch in solchen Schrecknissen helfen. Denn es steht: ´Es geschieht alles um euertwillen`, 2. Kor. 4, 15. Darum die schrecklichen Verwüstungen auf der Welt, durch all die Jahrhunderte und auch heute.
    Ja, wer will betend und mutig und gebeugt und der Treue verpflichtet in GOTTES WORT schauen und die Wahrheit erkennen nach Joh. 17, 3. MfG, Michael Sack

  2. Der Westen hat kläglich versagt.
    Er hat sich von Rohanis Charmoffensive einfach nur an der Nase herum führen lassen.
    Wäre der kleine A nicht so krass gewesen, wäre wohl niemand anhand der Fakten, die Rohani abliefert auf die Idee gekommen, dass darunter irgend etwas akzeptables sein könnte.

    Man hätte mit der Menschenrechtssituation anfangen müssen zu verhandeln.
    Es ist dumm zu glauben, dass ein Staat, der sich seinen eigenen Bürgern gegenüber wie ein Schlachter aufführt, auf internationaler Bühne verbindlich, fair und korrekt sein würde (außer es ist gerade mal opportun).

    Wer willkürlich tötet, lügt auch!

    Was sollen dann überhaupt Verhandlungen?

  3. Nun bewahrheitet sich wohl, dass Herr Rohani nur das Gewand geändert hat, aber im Kern diese Mullahregierung substantiell gleich geblieben ist. Die werten Blogbetreiber haben dies vorausgesehen.

    Werter Jockel;
    die USA hat in dieser Frage ohnehin kläglich versagt, weil es dort noch immer die Todesstrafe gibt. Aus diesem Grunde wird die USA am wenigsten für die Veränderung gerade in dieser Frage tun.

    Aber hat der Westen in der letzten Zeit etwas anderes getan als gerade in Sachen „Menschenrechten“ zu enttäuschen? Die Frage von der Einhaltung von Menschenrechten taucht für den WEsten doch immer nur nach alter Kalter-Kriegs-Manier gegen CHina und Russland auf.
    Selbst jedoch halten die USA an der Todesstrafe fest.
    Laut Zeit http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-12/todesstrafe-usa-giftspritze:
    In den Vereinigten Staaten sind in diesem Jahr 39 Menschen hingerichtet worden. Das sind vier weniger als 2012, berichtet das Death Penalty Information Center aus Washington. Dem „Jahresbericht Todesstrafe“ zufolge wurden 16 Hinrichtungen in Texas, sieben in Florida und sechs in Oklahoma ausgeführt.

    Nach Angaben des Informationszentrums wurden 2013 in den USA 79 Menschen zum Tod verurteilt. Das sind zwei mehr als 2012. In den 1990er Jahren wurden in den Vereinigten Staaten jährlich mehr als 250 Personen mit dem Todesurteil bestraft.

    Der leichte Rückgang der Hinrichtungen sei zum Teil auf „technische“ Probleme zurückzuführen, hieß es in dem Bericht. Mehrere Bundesstaaten hätten die für die Exekution per Giftspritze nötigen Substanzen nicht erwerben können. Die Mittel werden in Europa produziert, einige Regierungen haben jedoch den Export in die USA zur Vollstreckung der Todesstrafe verboten.

    Zwar haben diese Straftäter in den USA ein Verfahren hinter sich, welches im Iran wohl nicht immer die Grundlage für die Vollstreckung eines Todesurteils ist.

    Werter Michael,
    ich habe das AT versucht zu lesen, bis ich zu der Stelle kam, als Gott den Juden den Auftrag gab, die gerade dort ansässigen Midianiter im Land, wo Milch und Honig floss, einschließlich Frauen und Kinder zu töten. Da war für mich zunächst einmal das AT „gestorben“. Die Todesstrafen des AT durch Gott sind wohl im Levitikus Gang und Gäbe, vgl. 20 1- 27. . Erst das NT mit JESUS als Vorbild stellt diese Todesstrafen mittels der Ehebrecherin zurecht infrage. Das Gottesbild des AT ider ersten fünf Bücher des Moses st wohl den archaisch-patriarchaischen Umständen geschuldet, die damals herrschten. Macht über Leben und Tod sollten damals wohl das Gottesbild prägen und wurde zur Allmacht Gottes hochstilisiert, ein völlig falsches Gottesbild, welches leider 600 Jahre nach Christus der Islam willig für seine Ausbreitungszwecke reaktiviert und übernommen hat, weil er mit der Nächstenliebepredigt des Jesus nichts anfangen konnte, wie auch, wenn er die Macht übernehmen will.

    Also so geduldig ist dieser Gott des AT nicht und er begeht Unrecht ohnegleichen mit einigen seiner Anordnungen. Nun wissen wir, dass das AT nicht in Befehlsform wie der Koran gehalten ist, sondern die Bibel ist narrativ aufgebaut und so bleibt immer Raum zur Interpretation.

    Also in dem Gott des AT lässt sich schwerlich ein liebender Gott zumindest nicht bis die Juden in ihr „gelobtes Land“ eingezogen sind, erkennen. Erst Jesus hat wohl dieses Gottesbild seines Vaters von seinem miesen Rache- und Strafgottimage befreit, also hat er nicht nur die Menschen, sondern auch seinen Vater, den Gott des AT „erlöst“. Dies wird leider nur zu wenig beachtet, meines Erachtens.

    Die Todesstrafe ist also durchaus alttestamentarisch legitimiert. Aber selbst die Juden halten sich nicht mehr an diese Vorschriften.Es hat – und das wurde auch unbedingt erforderlich – eine Religionsevolution innerjüdisch stattgefunden. Heute werden Ehebrecher nicht mehr gesteinigt in Israel.
    Israel:
    Regierungsform: Parlamentarische Republik
    Todesstrafe: Nein, Ja, Todesstrafe noch im Militärgesetz
    Abschaffung : 1954
    Letzte Hinrichtung: 1962

    Am 31. Mai 1962 wurde das Todesurteil gegen den Österreicher Adolf Eichmann, Leiter des Referates „Judenangelegenheiten, Räumungsangelegenheiten“ im deutschen Reichssicherheitshauptamt wegen „Verbrechen gegen das jüdische Volk“ vollstreckt. Dies war die erste und einzige Hinrichtung, die in der Geschichte des Staates Israels vollzogen wurde.

    Also wird in Israel keine Todesstrafe mehr verhängt.

    Das AT ist somit beim Thema Todesstrafe wenig hilfreich.

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