Irans ballistische Raketen stehen bei den Atomgesprächen unter keinen Umständen zur Debatte!

Foto: AFP Ein Bild vom 28. Juni 2011, die ballistische Rakete Ghadr, die veränderte Version der Shahab 3, die während iranischen Militärmanövern gestartet wurde.

Foto: AFP
Ein Bild vom 28. Juni 2011, die ballistische Rakete Ghadr, die modifizierte Version der Shahab 3, die während iranischen Militärmanövern gestartet wurde.

Dieser Artikel wurde ins Russische übersetzt

Ein Kommentar von Ardašir Pârse

Teheran„Iran wird die Diskussion um seine ballistischen Raketen, als Teil der laufenden Gespräche mit den Weltmächten, über eine endgültige Vereinbarung über das iranische Atomprogramm bremsen“, sagte der iranische Verteidigungsminister Anfang April 2014. Die Ausführungen von General Hossein Dehghan waren eine klare Abfuhr an die jüngsten Äußerungen der Atomunterhändlerin des US-Außenministeriums, Wendy Sherman, die sagte, „Irans ballistische Fähigkeiten, sollten als Teil einer umfassenden Vereinbarung mit dem Iran angesprochen werden.“

Deutlicher, werden Diplomaten nur noch bei Kriegserklärungen, denn diese zusätzliche Forderung bedeutet neben dem geforderten Aus für Irans Urananreicherung und Urankonvertierung, das Aus für den Schwerwasserreaktor in Arak, das Aus für Irans ballistisches Raketenprogramm zur Verteidigung des Landes und womöglich das Aus für Irans Raumfahrtprogramm. Frechheit siegt! – aber nur manchmal.

Würden deutsche Diplomaten, sich einmal die Mühe machen, ins Archiv des Auswärtigen Amtes zu gehen, um dort über die deutschen nuklearen Ambitionen in den 1960iger Jahren nachzulesen, dann wüssten sie, wie schwierig es für ihre Vorgänger war, und mit welch‘ harten Bandagen sie gekämpft hatten, um das Atomprogramm der noch jungen Bundesrepublik, samt nuklearer Teilhabe der deutschen Bundeswehr gegen den Atomwaffensperrvertrag und gegen die USA zu verteidigen, ein Atomprogramm, das im Übrigen weit umfassender war, als Iran es heute verlangt. Im Forschungsreaktor Garching II, des Kernforschungszentrums in Garching bei München, wird heute hoch angereichertes waffenfähiges Plutonium produziert, – trotz Atomausstieg, trotz vehementer Nichtverbreitungspolitik, und entgegen allen inständigen Bitten der USA auf Unterlassung.

Im Raketenprogramm des Iran sieht der Westen ein Problem, da ballistische Raketen nicht nur für konventionelle Sprengköpfe verwendet, sondern auch atomar bestückt werden können. Iran besteht darauf, dass sein Raketenprogramm keine Ambitionen hegt, Sprengköpfe atomar zu bestücken, und Iran besteht zu Recht darauf, dass Irans ballistische Ambitionen kein Thema bei den Atomgesprächen darstellen.

Die USA argumentieren, dass eine UN-Resolution, Iran jede Aktivität mit ballistischen Raketen, die als Träger für nukleare Waffen verwendet werden können, verbietet. Diese UN Resolution ist allein schon deshalb inakzeptabel, weil sie die Verteidigungskapazitäten des Landes enorm schwächen würde und jeder souveräne Staat der Erde das Recht hat, sich zur Verteidigung seiner Grenzen und seines Staatsgebietes angemessen zu bewaffnen, auch mit ballistischen Raketen. Eine solche Forderung verletzt die Integrität der souveränen Staaten, sie verletzt die Souveränität Irans.

Insbesondere, im Hinblick auf die enormen Distanzen bei Angriffen aus den Nachbarländern, kann Iran nicht auf ballistische Raketen in seinem Verteidigungsprogramm verzichten. Wir haben es im Nahen Osten nicht mit den selben geographischen Verhältnissen, des kleinen europäischen Kontinents zu tun. Allein der Iran ist fünf Mal so groß wie Deutschland, Würde man die iranische Landkarte auf die deutsche Landkarte legen, dann wäre Teheran in Stockholm und Shiraz in Neapel.

Die unterschiedlichen geographischen Dimensionen und die enorme Länge der Staatsgrenzen, erfordern daher andere militärische Fähigkeiten, als dies bei europäischen Staaten der Fall ist, deren militärische Kapazitäten, im Übrigen, in großen Teilen, umfassender und auch beinahe ausschließlich auf Angriffskriege und Aggressionen ausgerichtet sind. Und vergessen wir nicht, dass unsere Nachbarn in Iran nicht Österreich, Schweiz, Niederlande oder Belgien etc. heißen, sondern sie heißen, Türkei, Afghanistan, Pakistan, Irak, Saudi-Arabien, etc. ein Pulverfass, seit Jahrhunderten, allesamt instabile, fanatische Länder, mit einem hohen Maß an ethnischen und religiösen Konfliktpotenzial, so hat Saudi-Arabien mit seinem fanatischen wahabitischen Islam beispielsweise, seine ballistischen Raketen auf Iran und Israel gerichtet, wie Sattelitenaufnahmen beweisen.

General Dehghan sagte, dass das iranische Raketenprogramm mit den Atomverhandlungen nichts zu tun hat, und dass das iranische Raketenprogramm keine nuklearen Dimensionen hat. „Irans Raketen stehen unter keinen Umständen zur Debatte“, sagte er der halbamtlichen Nachrichtenagentur Fars. „Irans Raketen sind eine iranische Angelegenheit … wir werden keine Intervention – von niemandem – in dieser Frage annehmen.“

Teheran hat eine Reihe von Raketen entwickelt, von denen einige eine Reichweite von 2.000 Kilometern haben. Iranische Militärstrategen, sehen sie als strategische Ressource und als hohes Abschreckungspotential bei Angriffen, weil sie in der Lage sind, US-Basen, Saudi Arabien oder Israel im Falle eines Angriffs auf den Iran zu erreichen. Sie haben also einen rein defensiven Charakter, sie können nicht einmal europäischen Boden erreichen. Daher stellen diese Raketen weder eine Bedrohung für die USA, noch für die EU dar. Dennoch hielt die USA es für nötig, ein Raketenabwehrschild in Polen, gegen iranische Raketen zu installieren, Raketen, die Polen niemals erreichen könnten, und nebenbei bemerkt, direkt vor der Haustüre des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Das Pentagon veröffentlichte im Jahr 2012 einen Bericht, indem festgestellt wurde, dass Iran bedeutende Fortschritte in der Raketen-Technologie gemacht hat und stellte fest, dass Teheran seine Zielgenauigkeit und sein Schusspotenzial erheblich verbessert hat.

Iran und die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats plus Deutschland, erreichten einen vorläufigen Deal im November letzten Jahres, die Grenzen für das Urananreicherungsprogramm des Iran herabzusetzen und im Gegenzug eine Lockerung einiger Sanktionen festzulegen. Die Kern-Sanktionen blieben aber an Ort und Stelle – auch Maßnahmen, die auf Irans Ölexporte zielen, die Säule der iranischen Wirtschaft und des Finanzwesens und die nicht durch eine UN-Resolution gedeckt sind.

Die Gespräche werden für eine endgültige Einigung weiter fortgesetzt, die alle Möglichkeiten, für die Islamische Republik ausschließen sollen, ihre Fähigkeiten zu nutzen, um eine Atomwaffe zu bauen. Die westlichen Gedankengänge aber, Iran zu beschneiden und zu schwächen, gehen weit über die Urananreicherung hinaus. Die Gespräche sollen am 13. Mai 2014 fortgesetzt werden, und die Zukunft und der Umfang des iranischen Urananreicherungsprogramms wird der härteste Knackpunkt bleiben. Am Ende werden die Gespräche an diesem Punkt scheitern, weil eine Senkung der Anreicherungskapazität den USA und seinen Vasallen nicht weit genug geht.

Diplomaten teilten am Dienstag, den 8. April 2014 mit, dass die Vereinten Nationen noch einen IAEO Bericht veröffentlichen werden, der bestätigt, dass Irans Fähigkeit, eine Atombombe zu bauen, stark reduziert wurde, weil Iran die Hälfte des Vorrats an 20 Prozent angereicherten Uran gestreckt hat, welches nur noch einen technischen Schritt von waffenfähigen 90 prozentig angereicherten Uran entfernt war. Dieser Schritt war Teil der Verpflichtungen, die Iran im Rahmen des Interimabkommens zu erfüllen hatte und nun auch erfüllt hat. Doch kaum ging Iran einen großen Schritt auf die USA und seine Vasallen zu, kommen schon die nächsten Forderungen, nach Aufgabe des ballistischen Raketenprogramms, um die Verteidigungskapazitäten des Landes entscheidend zu schwächen. Nirgendwo, können in den immer dreister gestellten Forderungen westlicher Staaten, auch nur ansatzweise Forderungen, hinsichtlich der Einhaltung von Menschenrechten in Iran, dem Land das Weltmeister im Foltern, Steinigen und Hängen ist, in ihrem Forderungskatalog nachgelesen werden. Wo sind heute die Advokaten der Menschenrechte, wieso erheben sie die Menschenrechtsfrage nicht zum Bestandteil der Verhandlungen?

Außer der Sorge und dem Ziel, der Beseitigung der störenden friedlichen Nutzung der Kernenergie, und der Eliminierung des zur Verteidigung des Landes entwickelten ballistischen Raketenprogramms, scheint wohl für den Westler in der Islamischen Republik Iran alles in Ordnung zu sein.

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3 Gedanken zu „Irans ballistische Raketen stehen bei den Atomgesprächen unter keinen Umständen zur Debatte!

  1. Ja, das Manko, die heuchlerische Doppelzüngigkeit des Westens betreffend die Menschenrechte, wenn es um islamsiche Länder geht. Ich persönlich glaube, dass Iran selbstverständlich eine Atombombe baut, sie vielleicht sogar schon hat. Aber was wäre daran schlimm? Pakistan hat auch A-Bombe. Israel hat auch Atombomben und die übrigen Großmächte ebenfalls. Gleiches Recht für alle, außer für Deutschland, könnten wir jetzt denken.

    Die Welt wird es nicht verhindern können, dass der Iran auf Dauer Atombomben einführt, ob die Welt und da insbesondere der Westen und Israel das nun gut finden oder nicht. Da helfen auf Dauer auch keine Sanktionen. Denn der Fragevorwurf würde immer im Raum bleiben: Warum darf Israel eine A-Bombe haben und Iran nicht. Die gleiche Frage ist in Richtung Pakistan zu richten.

    Wenn wir davon ausgehen, dass Israel diese Bombe nur dann einsetzen würde, wenn es vernichtet werden würde und Israel ist größenmäßig ein Ministaat – eine A-Bombe würde möglicherweise schon ausreichen – eine A-Bombe in Iran oder Pakistan würde keinen Staat vernichten – wie sieht es aber mit den verqueren Gedanken von Mullahs oder anderen islamischen Fanatikern aus. Wie hoch oder niedrig ist da die Hemmschwelle, wenn „Mohammed“ nicht nur ein Schwert in die Hand bekommt, sondern eine A-Bombe?

    Da sind die Schwierigkeiten und auch wohl die Gefahren zu sehen. Israels Minigröße und von feindlichen Nachbarn umringt kann selbstverständlich eine Gefahr werden, aber nur, wenn es durch islamische Feindschaft unterzugehen droht.

    Wir hoffen, dass in Pakistan oder Iran Menschen sitzen, die diese A-Bomben nicht nutzen und sie nur als Abschreckungspotential ansehen. Aber wenn islamische Terroristen in Iran und Pakistan oder in möglichen anderen islamischen Ländern an die Regierungsmacht kommen, mag das möglicherweise anders aussehen?

    Da liegt wohl im Kern der Hase im Pfeffer.

    Nachdem die verheerenden Auswirkungen einer relativ kleinen A-Bombe in Hiroshima und Nagasaki bekannt geworden sind, dürfte diese Art von Bomben im Grunde in keinem Land mehr produziert werden dürfen. Aber die Realität sieht leider anders aus. Die Hüter dieser Waffen haben größte Verantwortung gegenüber der Menschheit. Wenn aber eine politische Religionsideologie diese Welt in höherwertige Gläubige und minderwertige Ungläubige religionsrassistisch so ausgrenzend einteilt und ich mir die Brutalität dieser Gotteskrieger, deren Taten jede Rationaltät vermissen lasen, ansehe, so habe ich persönlich kein großes Vertrauen in die Führer islamischer Staaten, denn genau diese Gotteskrieger können durch Putsch möglicherweise in der Zukunft an die Regierung stürmen und was ist dann?

    Der Westen, aber auch die anderen Großmächte, sollten sich endlich nicht nur in Sachen Menschenrechten eine glaubhafte Poltik zulegen, sondern auch ihre militärische Unterstützung für Islamisten überdenken.

    Denn dieser Menschentyp ist mit Vernunft unbeeinflussbar, weil seine Entmenschlichung durch den Koran als direktem Wort Gottes bereits weit fortgeschritten ist. Denn dieser Typ erwartet seinen Himmel, wenn möglichst viele Ungläubige dran glauben müssen. Dann kann er auch nach Abwurf einer A-Bombe über Ungläubige sagen, dass nicht er die Bombe warf, sondern sein Gott und somit im Vorhinein bereits von seinem Gott voll rehabilitiert wurde und somit auch keine Verantwortung für seine Tat übernehmen musste. Eine gefährliche Tür, die da zusätzlich zu den ohnehin schon Irren dieser Welt aufgestoßen wird.

    Damit will ich nicht sagen, dass die jetzige Mullahschaft im Iran soweit gehen würde. Das halte ich persönlich für ausgeschlossen. Aber wird dies in alle Ewigkeit so bleiben bei der Verschärfung der Polarisierung und bei der Radikalisierung, die der Islam zurzeit erfährt?

    Die Welt spielt offensichtlich zunehmend mit dem Feuer und das kann zur Vernichtung eines großen Teils der Menschheit führen.

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