Britin in Iran zu 20 Jahren Haft wegen Facebook-Beiträge verurteilt

Roya Saberi Negad Nobakht

Roya Saberi Negad Nobakht

Teheran – Eine Britin und sieben weitere Personen wurden von einem iranischen Gericht zu bis zu 20 Jahren Haft für „gepostete Anti-Regime-Propaganda“ auf Facebook verurteilt, berichtete der Daily Telegraph unter Bezugnahme auf eine Oppositionsseite am vergangenen Freitag.

Die Nachricht zeigt, dass auch Personen mit iranischen Wurzeln und Staatsbürgerschaften von Drittländern, keine Immunität innerhalb und außerhalb Irans genießen, und bei Kritik an der Islamischen Republik zu schweren Haftstrafen verurteilt werden können, wenn sie von iranischen Behörden gefasst werden. Es zeigt weiter, dass die sozialen Netzwerke, weltweit, von iranischen Sicherheitsbehörden, insbesondere die darin enthaltenen politischen Beiträge und Kritiken an Religion, dem islamischen System und dem obersten Führer des Landes, durch Iraner im Exil, die in den meisten Fällen auch die Staatsbürgerschaft ihres Gastlandes besitzen, überwacht, registriert und verfolgt werden, und zu Verhaftungen mit anschließenden Verurteilungen zu schweren Strafen führen können.

Roya Saberi Negad Nobakht wurde Opfer ihrer Facebook Beiträge. Bei einem Besuch im iranischen Shiraz im letzten Herbst wurde sie für Kommentare, die sie auf ihrer Facebook-Seite geschrieben hatte, festgenommen, und war in der vergangenen Woche zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden, schrieb die Website Kaleme.

Kaleme, die keine Quelle angab, schrieb, dass die Urteile vor zwei Wochen gefällt wurden.

Frau Nobakht, die „am Boden zerstört ist“, ist britische und iranische Staatsangehörige und lebte mit ihrem Mann laut Medienberichten in Stockport, Großbritannien.

Die Times berichtete, sie sei nur eine Hausfrau, und sie sei keine Aktivistin.

Sie sagte, sie würde lieber sterben, als dort für 20 Jahre ins Gefängnis gehen. Sie wurde gefoltert und die Bedingungen im Gefängnis sind schrecklich. Sie steht unter großem Druck. Sie haben ein Geständnis erzwungen, das besagt, dass sie sich negativ gegenüber der Islamischen Republik Iran geäußert habe.

Kaleme schrieb, dass acht Angeklagte wegen Beleidigung der Behörden und Irans obersten Führer, Ayatollah Ali Khamenei, Anti-Regime-Aktivitäten, Gotteslästerung und Verbreitung von Lügen angeklagt wurden.

Es gab keine offizielle Bestätigung der Islamischen Republik der Gerichtsentscheidung und es war nicht möglich, den Bericht unabhängig zu überprüfen.

Der Zugang zu Facebook – zusammen mit anderen Seiten, die von iranischen Behörden als unislamisch, unmoralisch oder schädlich für die islamischen Establishments angesehen werden, sind in Iran durch einen massiven Filtermechanismus behindert.

Aber technisch versierte Iraner haben es geschafft, die Beschränkungen zu umgehen.

Die gemeldeten Festnahmen, kommen inmitten einer laufenden Auseinandersetzung über Internetfreiheit in Iran zwischen Gemäßigten, die von Präsident Hassan Rohani unterstützt werden, und Hardlinern.

Rohani argumentiert gegen die Ängste der Hardliner, die das Internet und seine sozialen Netzwerke als eine große Gefahr für die kulturellen und religiösen Werte der Islamischen Republik darstellen, er sagte, „man muss die Technologie, des Fortschritts wegen umarmen.“

Anfang dieses Monats, legte er sein Veto gegen einen Plan ein, der vorsieht, WhatsApp zu verbieten, um die Umsetzung der Rahmenbedingungen von einem zuständigen Hardliner- Ausschuss für Web-Zensur zu verhindern.

Aber sein Anstoß für soziale Freiheiten hat die Konservativen, die die Herrschaft über mehrere Schlüsselinstitutionen, einschließlich der Justiz innehalten, verärgert.

Eine Woche zuvor verhafteten die Behörden sechs junge Iraner wegen Tanzen in einem Video zum Hit „Happy“ des US-Sängers Pharrell Williams, das wie ein Virus verbreitet wurde.

Die sechs wurden später auf Kaution freigelassen.

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6 Gedanken zu „Britin in Iran zu 20 Jahren Haft wegen Facebook-Beiträge verurteilt

    • Mein lieber Henry, in der Tat ist es traurig. Man wird überall verfolgt und registriert, und bei Gelegenheit landet man auch ins Gefängnis dafür, dass man in freier Welt von seinem Recht „Meinungsfreiheit“ Gebrauch macht! Soviel zu Meinungsfreiheit!

  1. „…Es gab keine offizielle Bestätigung der Islamischen Republik der Gerichtsentscheidung und es war nicht möglich, den Bericht unabhängig zu überprüfen.“

    Offensichtilch halten die werten Blogbetreiber es für möglich, dass so etwas geschieht. Und das reicht mir für die Glaubwürdigkeit der geschilderten Tatsache aus.

    Das Fazit also ist: Werte Blogbetreiber, fahren Sie nie in Ihr Heimatland zu Besuch. Das könnte so enden wie mit der bedauernswerten Roya Saberi Negad Nobakht.

    Das ist das beste Beispiel, und im Grunde eine Bilderbuchdemonstration, wie Islam (und nicht nur der Iran) zur Meinungsfrehiheit steht. Die Zensur, die die Unfähigkeit der islamischen Eliten zur Selbstkritik mit solchen Aktionen – natürlich auf Kosten anderer – nur unterstreicht, dient nur der Bestandswahrung von Blasphemiegesetzen in islamischen Ländern.

    Wenn wir zur Kenntnis nehmen müssen, welche drakonischen Strafen im Iran verhängt werden, wundert mich die traurige Story nicht.
    Denken und beten wir für alle Menschen, die aufgrund ihres Glaubens oder ihrer politischen Einstellung sich aufgrund von religös-scharianischen Unrechtsurteilen hinter Gittern befinden.

    Treten wir Menschenrechtsorganisationen bei und versuchen, etwas für diese Menschen zu tun.

    • Werter Bazillus,

      leider stimmt dieser Artikel und Frau Saberi Negad Nobakht befindet sich nun mehr als 200 Tage in Haft und die Frage, die die iranischen Menschenrechtsaktivisten stellen, ist, warum hat erst jetzt die britische Regierung (das Außenministerium) auf die Verhaftung einer britischen Staatsbürgerin reagiert!! Der Ehemann sagte, dass seine Frau wohl in Facebook sich über das Regime geäußert habe, dass „dieses Regime übertrieben religiös sei“! Dafür muss sie nun büßen!!!

      • Werte Fartab Parse,

        unglaublich! Nur auf die Äußerung hin, dass „dieses Regime übetrieben religiös sei“. Wow! Das ist ein Hammer. Ja, es gibt kaum etwas Devoteres und Feigeres als EU-Staaten, so auch GB.

  2. Mit Verlaub,diese „britische Hausfrau“ hatte natürlich Auftraggeber,ähnlich den Pussy Riots oder Femen.Es wird finanziell ihr Schaden nicht sein,es sei denn,dass sie naiverweise sich verkalkuliert oder zu gutgläubig war.

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