Der Fluch der neuen Weltordnung

ISIS-Landkarte

ein Kommentar von Ardašir Pârse

Eine neue Weltordnung wird schon seit langem angestrebt, von ganz verschiedenen Seiten, ganz gleich, ob von den westlichen Supermächten USA und Großbritannien, oder aber Russland, das auch nicht mit seiner imperialen Vergangenheit brechen will, China, oder von islamistischen sunnitischen Organisationen, die alle ihren Ursprung in der Muslimbruderschaft und ihren Zielen haben, ganz gleich ob Al Qaida, der Islamische Dschihad oder die ISIS, heute der IS. Im Titelbild sehen wir die Vorstellungen der muslimischen Extremisten, ihre Vorstellungen darüber, wie eine neue Weltordnung aus ihrer Sicht auszusehen hat. Schon F. William Engdahl, Wirtschaftsjournalist und Dozent, berichtete uns 1992 in dem von ihm erschienenen Werk „A Century Of War: Anglo-American Oilpolitics And The New World Order“ von den Plänen der USA für eine neue Weltordnung, welche Mechanismen dahinterstehen und wie dieses Ziel erreicht werden soll. Dr. Frederick Wills, der ehemalige Außenminister von Guyana schrieb zu diesem Buch: „…veranschaulicht die erbärmlichen Rekorde an Irrtum und Verbrechen, bei denen die Wenigen die Hebel ihrer Macht fast bis zum Zerbrechen überzogen. Ich empfehle das Buch allen, die wissen wollen, wie wirklich Weltgeschichte gemacht wird und welche Systeme hinter den politischen Kulissen täglich am Werk sind… Vor allem empfehle ich es Lesern in der Dritten Welt als einen glaubwürdigen Bericht, warum meine Generation der politisch Verantwortlichen nicht erreicht hat, was man vernünftigerweise hätte erwarten können.“ Stephen J. Lewis, Wirtschaftswissenschaftler und Finanzberater in London schrieb: „Wen es wirklich interessiert, wie die Weltwirtschaft heute funktioniert, der wird dieses Buch mit großem Gewinn lesen. Das Buch greift insbesondere die politischen Ziele Großbritanniens heraus – eine Spur in der neueren Geschichte, die bisher gewöhnlich übersehen wird.“ Nationaler US-Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski, berichtet uns in seinem Werk „Die einzige Weltmacht, Amerikas Strategie der Vorherrschaft“ ausführlich, wie und mit welchen Mitteln aus Amerikas Sicht, die Welt gestaltet werden soll. Es ist keine bessere Welt die uns erwartet, sondern eine Welt der zunehmenden Ausbeutung, Überwachung, Menschenverachtung und Verdummungsmaschinerie. Es ist eine Welt, in der vielleicht Karl Marx Vorhersage, der Verelendung des Proletariats, auf noch ganz andere Weise eintreten könnte. Helmut Schmidt kommentierte das Buch Brzezinskis mit den folgenden Worten: „Man muss dieses Buch zur Kenntnis nehmen, und man muss es ernst nehmen.“

Für die USA und Großbritannien sind extremistische, terroristische Organisationen durchaus Gesprächs- und Verhandlungspartner in einem geostrategischem Denken, in einer Welt der absoluten Kontrolle über jedes Individuum auf diesem Planeten. Brzezinski sagte zwar einmal: „Es ist einfacher eine Million Menschen zu töten, als sie zu kontrollieren. Den USA, ist aber diese Kontrolle heute im Zeitalter des World Wide Web und GPS sehr gut gelungen. Wer die Politik Amerikas heute bezüglich des IS, nur als ohnmächtiges, apathisches Verhalten Obamas sieht, kennt nicht die Mittel und Ziele, die hinter der anglo-amerikanischen Strategie stehen. Die anglo-amerikanische Strategie ist umfassend, brutal und rücksichtslos und beinhaltet geographisch nicht nur den Mittleren Osten, sondern auch Europa, wobei Großbritannien, der eingeweihte Komplize der USA ist.

Destabilisierung der ganzen Welt und die Vernichtung Jugoslawiens

Jugoslawien Bildquelle: weltkarte.com

Jugoslawien
Bildquelle: weltkarte.com

Eine restaurierte Welt ist eine Studie und wäre ein wirkliches Fest, so wie es Fürst von Metternich, dem österreichischen Kanzler, brillant gelungen war, die internationale Ordnung, eine Balance der Kräfte, durch ein Labyrinth von Allianzen im frühen neunzehnten Jahrhundert zu erreichen, wenn man globale Stabilität wirklich erreichen will. Was tut man aber, wenn man Destabilisierung erreichen will? Dann greift man zu subtilen Mitteln, um dieses Ziel zu erreichen, man unterstützt Terroristen, Separatisten und Extremisten und macht sie sich zu Nutze – und es funktioniert. Es half zum Zusammenbruch der UdSSR durch Destabilisierung seiner Südflanke in den islamischen Teilrepubliken, es half in Iran zur Demontierung einer ganzen Nation, durch die Einsetzung Ayatollah Khomeinis und Absetzung des Shahs, mit dem 1. Golfkrieg in Folge, und auch Europa wird gerade erneut destabilisiert – nicht zum ersten Mal. Auch der Krieg in Jugoslawien war eine Folge von Destabilisierung, der im Juni 1991 begann und den friedlichen Übergang osteuropäischer Länder in eine Marktwirtschaft ins Chaos stürzte. Ende Juni 1991 fuhr US Außenminister Baker nach Belgrad, er weigerte sich mit Vertretern Kroatiens und Sloweniens zu sprechen und erklärte öffentlich, „dass Washington keine sich unabhängig erklärende Teilrepublik Jugoslawiens diplomatisch anerkennen wird.“ Daraufhin brach der Krieg erst aus, denn die serbisch dominierte Bundesarmee unter Slobodan Milosevic erhielt damit grünes Licht aus den USA für ihre Angriffe auf Slowenien und ihren Krieg gegen Kroatien und die Vernichtung der Muslime in Bosnien und die USA verlängerten die Kriegshandlungen am Balkan durch nicht Anerkennung der Souveränität Sloweniens, der die restlichen europäischen Staaten blind folgten. Die FAZ schrieb damals am 7. Januar 1992: „Hinter der europäischen Ablehnungsfront, treten immer stärker die Vereinigten Staaten hervor.“ Die FAZ schrieb weiter: „Die slowenischen und kroatischen Politiker fragen sich nach den Ursachen dieser amerikanischen Haltung. Sloweniens Außenminister Rupel schrieb einen Brief an den amerikanischen Außenminister Baker und fragte ihn nach den Gründen des amerikanischen Antislowenismus. In Ljubljana kommen Politiker immer mehr zu dem Schluss, dass Baker im Sommer dem Bundesministerpräsidenten Marcovic nicht nur freie Hand für seinen Armeeeinsatz gegen Slowenien gelassen hat, sondern ihn dazu direkt ermutigt habe. Ebenso wird vermutet, hätten die Vereinigten Staaten offenbar lange auch keinen Einwand gegen den Krieg gegen Kroatien gehabt. Was vorher britische Diplomaten nur privat flüsterten und dann öffentlich zu dementieren suchten, dass die Ablehnung der Unabhängigkeit einzelner Republiken und die Schaffung irgendeines neuen Jugoslawiens, ein Kampf gegen die deutsche Machtzone auf dem Balkan sei, kann man heute mehr oder weniger offen in angelsächsischen und auch anderen Zeitungen lesen.“ Genau wie schon 80 Jahre zuvor, Großbritannien seine Beziehungen zu Serbien nutzte, um den Balkan in die von 1912 – 1914 andauernden folgenschweren Balkankriege zu stürzen. Hier bediente man sich wieder der Serben als Instrument der Destabilisierung Mitteleuropas, mit dem Ziel der Schwächung Deutschlands, das am meisten dadurch wirtschaftlich betroffen war.

800px-Henry_A__Kissinger,_U_S__Secretary_of_State,_1973-1977Vor mehr als 50 Jahren, schrieb Henry Kissinger, Amerikas bekanntester Politikwissenschaftler, ein äußerst umstrittener Diplomat und Berater für die nationale Sicherheit der USA sein erstes Buch. Kissinger war ein begeisterter Fan des Westfälischen Friedens von 1648, der auf den Prinzipien der internationalen Ordnung, die auf souveräne Staaten und Reiche basierte und dem Dreißigjährigen Krieg folgten. Aber auch das Chaos kann als Ordnung gesehen werden, wie wir es seit einem Jahrhundert im Mittleren Osten tagtäglich erleben müssen.

Vor zwei Jahren, warnte Kissinger, vor den Folgen des initiierten Arabischen Frühlings und vor der Intervention in die inneren Angelegenheiten eines Staates, genauso wie dieses Online Magazin dies bereits im Jahr 2011, noch vor Kissinger getan hat und die geopolitische Strategie Amerikas in einer 5-teiligen Reihe den Lesern dieses Magazins präsentiert hat. „Bei einer Reaktion auf eine menschliche Tragödie, müssen wir darauf achten, nicht eine andere auszulösen“, warnte er die Leser der Washington Post. „Bei Ermangelung eines klar definierten strategischen Konzeptes, kann eine Weltordnung, die Grenzen erodiert und zu internationalen Bürgerkriegen führt, nie zur Ruhe kommen“, fuhr er fort. Aber ebenso kann eine Weltordnung bei Ermangelung der Berücksichtigung geographischer, historischer, ethnischer und religiöser Aspekte beim Aufsetzen von Scheindemokratien, wie es im „Arabischen Frühling“ der Fall war, und deren Protagonisten in den USA, Großbritannien, Katar, Saudi-Arabien und in der Türkei sitzen, ebenso wenig zur Ruhe kommen.

Vergangene Woche veröffentlichte Kissinger seine neueste Arbeit, „Weltordnung: Reflexionen über den Charakter der Nationen und den Lauf der Geschichte. Er vergleicht dort den Mittleren Osten heute mit Europas Religionskriegen des 17. Jahrhunderts, vergisst aber dabei die Beteiligung westlicher Staaten, allen voran den USA, an der heutigen dramatischen Situation im Mittleren Osten. „Nationale und internationale Konflikte verstärken sich gegenseitig. Politische, konfessionelle, ethnische, territoriale, ideologische und traditionelle nationale Interessen führen zu Auseinandersetzungen“, schrieb er in einem Auszug für die Sunday Times.

„Wenn die Ordnung nicht hergestellt werden kann, riskieren weite Gebiete in Anarchie und den Formen des Extremismus zu verfallen, die sich auch in andere Regionen ausbreiten. Die Welt, sagt Kissinger, „erwartet von Amerika und anderen Ländern die Schaffung einer neuen regionalen Ordnung aus der Position heraus, eine globale Sicht einzunehmen.“ Ja, das erwartet die Welt von Amerika, doch Amerikas Interessen sind nicht von so edler Natur, wie Kissinger uns glauben machen will. Man gewinnt heute den Eindruck, je mehr die USA interveniert, umso katastrophaler entwickeln sich die Zustände auf der Welt. Wir haben bereits die zweite Enthauptung eines US-Bürgers durch den IS gesehen und noch immer lässt die richtige Antwort Obamas, nämlich die völlige Vernichtung des IS, auf sich warten und beschränkt sich auf Nadelstichangriffe und er weigert sich weiterhin beharrlich Irak erneut zu besetzen. Warum wohl? Bedient er sich des IS zur Durchsetzung US-amerikanischer Interessen? Wenn ja, dann sind die beiden ermordeten US-Bürger und die paar vergewaltigte und ermordete Christen im Irak, in den Augen der USA, nichts weiter als Kollateralschäden. Dies ist ein guter Moment, bei Kissingers Anliegen, was immer man auch über seine eigene Vergangenheit, hinsichtlich der Eingriffe in Kambodscha zum Beispiel denkt, seinen Blick auf die Welt betrachten zu können.

Der Nato-Gipfel vergangene Woche in Newport in Süd-Wales, fand vor dem Hintergrund der Krise in der Ukraine statt. Wladimir Putin, der zur „Eigenstaatlichkeit“ für den Osten der Ukraine aufgerufen hat, meinte damit, seinen Beratern zur Folge, wirklich eine Art von Bundesverfassung im Sinne des Föderalismus für die Ukraine. Wo liegt nun das Problem der USA und der EU? Haben sie ein Problem mit Föderalismus? Das Problem liegt in der EU-Osterweiterung, denn man sieht die zukünftigen Außengrenzen der EU an der Außengrenze Russlands und auch die Krim, innerhalb der EU, hatte man dabei wohl miteinkalkuliert. Nun, wollte die russischsprachige Bevölkerung der Ost Ukraine, sich genau wie die Krimbevölkerung, durch demokratischen Volksentscheid, sich dem ihr näherstehenden Russland und nicht der EU und den USA annähern und dieser Disput mutierte in einen Bürgerkrieg in der Ost-Ukraine und die dummen Sanktionen der EU führen uns heute an den Rande eines Krieges mit einem neuen, selbstbewussten imperialen Russland oder zumindest einem neuen kalten Krieg, wie in alten Zeiten vor dem Zerfall der UdSSR. Ein neuer Block ist im Begriff sich zu festigen, nicht nur Russland, sondern auch ein schiitisch-islamischer Block, bestehend aus Iran, Syrien, Süd-Irak und dem Libanon ist bereits entstanden und an Russland, China und Indien ökonomisch und militärisch gebunden.

Die Schaffung der EU als Teil geostrategischen, anglo-amerikanischen Denkens

EU Flaggen Bildquelle: Berlin.de

EU Flaggen
Bildquelle: Berlin.de

Die Beeinflussung und Manipulation anderer Volkswirtschaften durch eine Freihandelsdoktrin bildete schon seit 150 Jahren das Wesen britischer Wirtschaftsstrategie, in den internationalen Beziehungen. Heute setzt die USA zusammen mit Großbritannien diesen Kurs nur fort. Auf ihren Wunsch hin entstand erst die EU. Die von den USA protegierte Europäische Union, als Teil seiner geostrategischen Politik, sollte Europa, und vor allem die Kontinentalmächte Frankreich und Deutschland massiv wirtschaftlich schwächen, denn sie tragen die Hauptlasten der EU. Trotz der chamäleonartigen Wandlung anglo-amerikanischer Wirtschaftsstrategien auf die globalen wirtschaftlichen Verhältnisse, blieb sie im Kern immer „der absolute Freihandel“ Adam Smiths, eingesetzt als Waffe gegen die souveräne, nationale Wirtschaftspolitik rivalisierender Mächte. Heute sind die Produktionsstandorte Europas, auch in Deutschland, in Frage gestellt. Wir erleben eine regelrechte Flucht des produzierenden Gewerbes nach Asien und einen regen Transfer technischen Know-Hows aus Europa nach China, begleitet von einer Kapitalflucht aus Europa. Wir erleben heute in der EU Kostenexplosionen, die mit den Einkommen nicht mehr kompatibel sind, fingierte Arbeitslosenstatistiken und schöngerechnete Inflationsraten, der EU-Bürger erstickt in erdrückenden Steuerlasten, während er verdummt, von den Medien belogen und von Nachrichtendiensten abgehört und ausspioniert wird. Nach der Bildung der EU fand ein Ausverkauf der Industrien, insbesondere in den östlichen und südöstlichen Mitgliedsstaaten statt, und viele dieser Staaten sind faktisch Konkurs und werden nur noch künstlich, als Fass ohne Boden, am Leben gehalten, solange es noch geht. Das Zinsniveau der EZB liegt bei nahezu Null, sie hat nun keine weitere Möglichkeit mehr sinnvoll auf die Volkswirtschaften der EU Einfluss zu nehmen und ihr bleibt in Zukunft nur noch das „Gelddrucken“, das zu einer noch höheren Inflation führen wird, kaschiert im Deckmantel Geldscheine nur auszutauschen und dabei stillschweigend die Geldmenge zu erhöhen – zuerst der 5 EURO Schein, jetzt der 10 EURO Schein und morgen? Die EZB wird künftig alle faulen Kredite übernehmen, wurde vor kurzem beschlossen, die am Ende der Steuerzahler zahlen muss. Amerikas Kriege, Wirtschaftsstrategien und Zündeln in der Welt, überflutet die EU mit Flüchtlingen aus dem Mittleren Osten und den Krisengebieten dieser Welt, deren Ströme kaum mehr bewältigt werden können, mit vielen ethnischen Problemen, die in der Zukunft ihre Triumphe feiern werden – eine weitere Schwächung Europas, vor allem Deutschlands.

Die Grenze zwischen Syrien und dem Irak, die von Großbritannien und Frankreich vor 98 Jahren künstlich in den Wüstensand gezogen wurde, wird verschwinden, das steht fest. In Syrien herrscht die Kontrolle über das Territorium heute nur noch geteilt, Terrorgruppen aus dem Westen, von westlichen und arabischen Staaten hochgerüstet und finanziert, deren Kämpfer Briten, Deutsche, Franzosen oder Niederländer muslimischen Glaubens sind, bekriegen sich gegenseitig und kämpfen gegen syrische Regierungstruppen, gegen die Hisbollah und die iranischen Revolutionsgarden. Irak wird von verschiedenen religiösen oder ethnischen Gruppen dominiert, Sunniten oder Schiiten, Kurden, die bald ihre Sezessionsbestrebungen umsetzen könnten und den Irak von der Landkarte verschwinden lassen werden.

Dschihadisten aus Europa und anderswo, mit US-amerikanischen Waffen ausgerüstet, gelangen über die türkische Grenze, mit dem Segen des NATO Partners nach Syrien, wo die Assad-Regierung von Russland und Iran unterstützt wird. Gleichzeitig überschreiten extreme und gewalttätige islamistische Gruppen die Grenzen in Ost-, Nord- und Westafrika, um die Weltordnung zu verändern.

Die israelische Regierung hat unterdessen, Anspruch auf fast 1000 Hektar Land erhoben – die wohl größte Aneignung von palästinensischem Land in den letzten 30 Jahren – in der besetzten Westbank in der Nähe von Bethlehem, um Fakten durch Grenzverschiebung zu schaffen. Die Welt ist aus den Fugen geraten.

David Cameron verwendete eine harte Sprache am Montag vor einer Woche im House of Commons, er beschrieb den israelischen Schritt als „völlig beklagenswert“, bevor er scheinheilig neue Anti-Terror-Maßnahmen und Vorschläge vorstellte, um potenzielle britische Dschihadisten am Verlassen Großbritanniens zu hindern, denn der IS ist ihnen längst entglitten. Camerons Ton gegen den Terrorismus, war dennoch eher weniger Schrill, als seine frühere Rhetorik, nach dem Propaganda-Video, das einen Briten zeigt, der den amerikanischen Journalisten, James Foley ermordete, Cameron spielte den Entsetzten über Washingtons Reaktion.

Aber auf seine eher nüchternen Beamten hörend, darunter Staatsanwälte, die nach Warnungen der Liberaldemokraten und ehemaligen leitenden Offiziere des MI6 ihren Einfluss geltend machten, sprach Cameron über die Notwendigkeit, harte Maßnahmen zu ergreifen, und Geduld zu haben. Cameron sprach von spezifischen und zielgerichteten Maßnahmen und Ermessensspielräumen. „Alles hängt natürlich davon ab, wie sie angewendet werden, insbesondere durch die Polizei, sagte er. Geschaffener Terrorismus zur jedweden Rechtfertigung der absoluten Überwachung der britischen Bevölkerung.

Es ist merkwürdig, dass zum Zeitpunkt der Globalisierung, der Freizügigkeit des Arbeitsmarktes, der Finanzmärkte, des Handels, im Zeitalter sozialer Medien, Musik und Mode, der Dschihadismus ungehindert seine Triumphe feiert – und während eine enge internationale Zusammenarbeit – wie Cameron behauptet – wichtig ist, im Kampf gegen den Terrorismus und seinen Ursachen, zeitgleich eine scheinbar wachsende Zahl von Menschen in den Staaten der EU unabhängig werden wollen und die EU verlassen wollen, so in Schottland, genauso wie in England, die UKIP Unterstützer, die dieses Ziel teilen, oder Norditalien, das sich von Süditalien und der EU trennen will, oder die Basken in Spanien u.a..

Auch eine „Zwei-Staaten-Lösung“ für Israel und Palästina, so wie sie diskutiert wird, ist nicht ganz das, nach was es aussieht, da die porösen Grenzen sicher unter israelische Kontrolle über palästinensischem Luftraum fallen würden. Alte nationale Grenzen werden tatsächlich zunehmend irrelevant. Das Konzept der nationalen Souveränität erodiert heute. Selbst Wladimir Putins imperiale Bestrebungen bekommen das zu spüren.

Die Frage ist, wie man auf die Herausforderung von Kissinger und anderen reagieren soll, die neue Grenzen schaffen wollen, nicht, um die Zusammenarbeit zu fördern, sondern um ihre eigenen sektiererischen Glaubensbekenntnisse gewalttätig den Menschen aufzudrängen oder wie die USA und Großbritannien wirtschaftlich-politische Macht über die Menschen ausüben oder ganze Regionen von den Weltmärkten als Konkurrenten ausschalten oder wie Russland Territorialgewinne realisiert.

john-locke Bildquelle: wikipedia

John-Locke
Bildquelle: wikipedia

Eine „neue Weltordnung“, die im 21. Jahrhundert umgesetzt werden soll, kann nicht auf die Errichtung neuer anti-nationaler staatlicher Strukturen, dem Aufzwängen von Scheindemokratien oder Marionettenregierungen, oder dem Aufzwängen von sektiererischen Glaubensbekenntnissen und Grenzziehungen durch militärische Aktivität und auch nicht durch Wirtschaftskriege und aufgezwungenem Liberalismus erreicht werden, sondern eine neue Art von Allianzen ist genauso gefragt, wie ein neuer Nationalismus. auf dessen Fahnen kein anderes Wort – weder eine Ideologie, noch eine Religion – als der Name des Landes stehen darf. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Welt verändert werden muss, aber nicht im Interesse einzelner Großkonzerne, Banken und Ölgesellschaften, die 80% der Weltwirtschaft beherrschen, nicht durch absolute Überwachung der Menschen durch Nachrichtendienste, wie in schlimmsten Zeiten der Diktaturen des vergangenen Jahrhunderts, sondern im Interesse der Menschen, die global nicht nur eine neue Weltordnung brauchen, sondern auch eine völlig andere Umverteilung der Ressourcen, die Aufgabe der wirtschafts-philosophischen Ideen von Adam Smith und John Locke, andere Wertemaßstäbe in den Gesellschaften und andere Ziele, ganz gleich ob im Osten oder im Westen, im Norden oder im Süden.

4 Gedanken zu „Der Fluch der neuen Weltordnung

  1. Wieder eine exzellente analytische Arbeit von Ardasir. An dieser Stelle ein großes Lob für den unermüdlichen persönlichen Einsatz! Hier sollte jeder Leser dafür sorgen, dass dieser Text verbreitet wird.

  2. Wie immer eine umfassende und wirklich brilliante Analyse. Herzlichen Dank!

    Man gewinnt heute den Eindruck, je mehr die USA interveniert, umso katastrophaler entwickeln sich die Zustände auf der Welt.

    Für mich ein Zentralsatz des Artikels, der auch für Jedermann nachvollziehbar ist.

    Druck und Chaos erhöht Gegendruck. Ich glaube, dass die USA sich übernehmen werden.

    Da, wo sie unseelig tätig waren, in Afghanistan, Syrien, Lybien, Irak, welches Chaosauswirkungen auf den gesamten Nahen Osten hatte, welches offenisichtlich gewollt ist, so glaube ich, wird das Ansehen der USA nicht steigen. Der große Satan, wie die USA neben Israel als kleinem Satan, genannt wird, wird ihren Einfluss zunehmend verlieren, zumindest auf Dauer. Allianzen brechen. Türkei – Israel, Türkei Ägypten. Ägypten – USA

    Und die USA hat am Erdölgeschäft mit Irak noch nicht profitiert.

    http://www.zeit.de/2010/12/Irak-China-USA

    Eine Meinung unter vielen, wie es zum Irakkrieg kam, nämlich ausschließlich um den Dollar zu verteidigen, ist hier zu lesen:
    http://wirwollenkeinenkrieg.wordpress.com/2014/04/22/war-der-krieg-der-usa-gegen-den-irak-tatsachlich-ein-krieg-gegen-europas-aufstieg-zu-einer-ernsten-konkurrenz-der-usa-wie-der-australische-schriftsteller-geoffrey-heard-bereits-uber-den-irak/

    Das Verhalten der USA provoziert m. E. lediglich Gegendruck der Blöcke. Die EU als devote Hämorrhoiden der USA gibt dabei sowohl im Jugoslawienkonflikt und Nahen Osten als auch jetzt in der Ukraine-Politik eine mehr als zweifelhafte Haltung ein. Die Rückkehr der kalten Krieger steht unmittelbar bevor. Russland und China, ein Block, der nicht gerade Interesse daran hat, nach der Pfeife der US-Regierung zu tanzen, werden sich angesichts der Ukraine-Provokation des Westens stärker denn je verbünden.

    Inwieweit die Abkehr vom US-Dollar, die Russland vorantrieb, gediehen ist, entzieht sich meiner Kenntnis.
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/08/10/gegen-den-dollar-russland-trifft-die-achilles-ferse-der-amerikaner/

    Steht die Neue Weltordnung möglicherweise in direktem Zusammenhang mit der Verteidigung des US-Dollars?
    Ist es für die USA im Grunde von Vorteil, wenn die durch islamische Regeln selbst verursachte und vom WEsten durch Militärinterventionen verursachten Flüchtlingsströme Europa destabilisieren? Ich bezweifle dies. Ich glaube auch nicht, dass ein auf Dauer islamisches Europa den USA von Vorteil sein würde.

    M. E. ist die EU, die ähnliches Denken eines großen Europastaates auf seine Fahnen geschrieben hat, ebenso zum Scheitern verurteilt. Das Chaos kann sich revidieren, wenn sich Europa auf seine alten Werte besinnt, die es offensichtlich zugunsten des Materialismus und der Heuschreckenpolitik und -finanzgebahren aufgegeben hat. Ethnische Grenzen der Sprache und der gewachsenen Kultur köntmten sich am Ende als särker erweisen als ein von den USA künstlich aufoktroyiertes gefordertes On-World-Verhalten, natürlich unter den Vorgaben der Finanzwelt der USA.

    Ich habe im Grunde nichts gegen eine „Eine-Welt-Ordnung“, wenn sie nicht finanzpolitisches Interesse und wirtschaftspolitisches Machtinteresse einer Nation oder eines Blocks ausschließlich als Ziel definiert.

    Eine Einheit in Vielfalt wäre die beste Option für eine Welt, die immer kleiner erscheint und doch unerreichbar ist. Was allerdings geistig eliminiert werden muss, ist jegliches ideologisches, religiöses Streben nach Vormachtstellung auf Erden.

    Da sind nach wie vor die drei Kategorien im Spiel, die meinen, sich nicht beschränken zu müssen.

    Der Konkurrenzkampf oder Machteroberungskampf zwischen dem

    Atheismus-Kommunismus-Sozialismus-Materialismus-(seit der Ukraine auch wieder der Teilfaschismus)-Block
    Islam-Block
    Heuschreckenkapitalismusblock.

    wird das Hauptübel der Menschheit bleiben.

    Vor allen Dreien ist größtmögliche Vorsicht geboten. Inwieweit die Bewohner der Erde es schaffen, die soziale Marktwirtschaft im wahresten Sinne des Wortes als Gesellschaftsprinzip der Erde einführen und erhalten zu können, bleibt der Standhaftigkeit der einzelnen Nation vorbehalten.

    Weltpolizisten, die nur da tätig werden, wenn es ihre eigene Interessen betrifft, sind letztlich out. Der IS ist letztlich die Ausgeburt der jahrzehntelangen verfehlten US- und EU-Politik, aber auch, und das bitte ich nicht zu vergessen, die Politik des Islams selbst.

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