Deutschland muss die EURO Zone verlassen

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Berlin – Es ist Zeit, dass Deutschland die Eurozone verlässt. Der Grund des Niedergangs der europäischen Wirtschaft ist nicht nur in Athen zu finden – er liegt auch in Berlin. Wann begreift man in der EU, dass vereinzelte exzessive Handelsbilanzüberschüsse in Gemeinschaften genauso schädlich sein können, wie Handelsbilanzdefizite? Wann begreift man, dass Lohnsenkungen oder Erhöhungen genauso wenig zu mehr Beschäftigung führen, wie Rentenerhöhungen? Letztere, sind die neuen Vorschläge aus Athen zur Rettung Griechenlands. Wann begreift man, dass der einzige Weg aus der Krise mehr Beschäftigung und höhere Produktivität bedeutet, aber auch das seine Grenzen hat? Neben China, steht Deutschland oberflächlich betrachtet sehr gut da, doch die exzessiven Handelsbilanzüberschüsse Deutschlands führen nicht nur zum Untergang der EU, sondern bergen eine erhöhte Kriegsgefahr. Die Gefahr droht dabei vor allem aus den USA, denn die USA will Deutschland in einen Krieg gegen Russland drängen, warum die USA das wollen, werden die folgenden Wirtschaftsstatistiken in diesem Artikel verdeutlichen.

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Im vergangenen Jahr erzielte Deutschland einen Rekord-Handelsbilanzüberschuss von 217 Mrd. € (246 Mrd. $), und dominiert an zweiter Stelle nach China den weltweiten Export. Und das machte Deutschland zu einem Lichtblick in einer ansonsten an Anämie leidenden Wirtschaft der Eurozone – ein „Wachstumsmotor“, wie der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble sagt. Deutschlands chronische Handelsbilanzüberschüsse stehen aber im Mittelpunkt der Probleme Europas und sind den USA ein Dorn im Auge; „weit weg von einer Ankurbelung der Weltwirtschaft, sie werden die Weltwirtschaft nach unten ziehen,“ schrieb Patrick Chovanec, Chefstratege und Geschäftsführer von Silvercrest Asset Management und außerordentlicher Professor an der School of International and Public Affairs der Columbia University. „Der beste Weg, diese perverse Situation zu beenden ist: Deutschland verlässt die Eurozone“, schrieb er.

Deutsche reagieren in der Regel bei solchen Vorhaltungen mit einer schmerzhaften Verwirrung. Wir haben Handelsbilanzüberschüsse, erklären sie geduldig, weil wir einfach viel konkurrenzfähiger und effizienter als die meisten unserer Handelspartner sind. Können Sie uns die Schuld dafür geben, fragen sie, wenn die Welt es vorzieht, überlegene deutschen Waren zu kaufen und nichts anzubieten hat, was wir im Gegenzug kaufen können? So lautet das deutsche Argument: „Der Rest der Welt muss nur seinen Haushalt in Ordnung bringen, und etwas mehr so wie Deutschland werden. In der Zwischenzeit, uns Deutsche bitte nicht hassen….“

b01-abb3-deutsche-leistungsbilanz-nach-regionenEntgegen dieses beliebten Statements aber, gibt es absolut keinen Grund, warum Wettbewerbsfähigkeit bedeuten soll, einen derartigen Handelsbilanzüberschuss zu betreiben. Bereits im Jahre 1817 wies der Ökonom David Ricardo darauf hin, „dass die optimale Grundlage für den Handel nicht der Vergleich ist, und keinen absoluten, Vorteil darstellt.“ Mit anderen Worten, selbst wenn ein Land in allem besser ist, sollte es exportieren was es am besten kann, und importieren was es weniger gut kann. Ein „alles an Bord“ Vorteil bedeutet nicht, dass es wirtschaftlich sinnvoll ist, alles selbst zu produzieren, geschweige denn, mehr zu verkaufen als im Gegenzug eingekauft wird. Oder, um es etwas anders auszudrücken, es gibt keinen inhärenten Grund, warum mehr verdienen nicht auch bedeuten kann, mehr auszugeben, für den Konsum der öffentlichen und privaten Güter, genauso wie Investitionen in die Zukunft der Produktionskapazitäten gemacht werden müssen.

Handelsbilanzüberschüsse erfolgen, wenn ein Land sich dafür entscheidet, weniger aus dem Ausland einzukaufen als es verkauft, wenn es überschüssige Ersparnisse hat, die über ihren Inlandskreditbedarf liegen. Es verleiht die überschüssigen Ersparnisse im Ausland, finanziert damit die Fähigkeit eines anderen Landes mehr auszugeben als es produziert, und kaufen durch ein Handelsdefizit, die Überproduktion des Kreditgebers. Es ist richtig, dass ein hochproduktives Land das nötige Kleingeld überschüssiger Ersparnisse haben kann, während ein weniger produktives Land geneigt sein kann, anstatt Geld zu leihen, Einsparungen zu tätigen. Aber im Grunde, entstehen Handelsungleichgewichte nicht aus einem Wettbewerbsvorteil, sondern aus Entscheidungen darüber, wie viel gespart wird und wo die Einsparungen eingesetzt werden – zu Hause oder im Ausland.

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Ist es überhaupt sinnvoll, Handelsbilanzungleichgewichte zu fahren? Sicher nicht. Im 19. Jahrhundert, ermöglichte es Großbritanniens industrielle Revolution, große Erträge aus einem erhöhten industriellen Output, von deren Erträgen einiges in die Vereinigten Staaten investiert wurde, zu ernten. Das investierte Geld, das zu einer schnell wachsenden US-Wirtschaft führte, erzeugte höhere Renditen, als es zu Hause möglich gewesen wäre, während gleichzeitig ein Markt für in Großbritannien hergestellte Waren geschaffen wurde. Die potenziellen Produktivitätsgewinne machte das Ganze zunächst zu einem Win-Win-Spiel: Es machte Sinn für die Amerikaner sich Geld zu leihen und für die Briten es zu verleihen. Aber diese Wirtschaftshistorik zeigt auch noch etwas anderes, das einfach nicht vergessen werden darf: Einen Handelsbilanzüberschuss zu fahren bedeutet auch, die Finanzierung eines anderen Handelsbilanzdefizites und es bedeutet auch, dass in einem globalen Markt mit definierten Märkten, Marktanteile einem anderen weggenommen werden. Handelsbilanzungleichgewichte endeten bisher immer in einem Krieg.

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Die Krise der Eurozone wird Schuldenkrise genannt. Aber in Wirklichkeit hat Europa als Ganzes kein externes Schuldenproblem sondern ein internes Binnenmarkt-Problem: Deutsche Handelsbilanzüberschüsse und steigende Schulden in Europas Peripherie sind die zwei Seiten der Medallie.

Die gemeinsame Währung induzierte Deutschland, es an ihre Handelspartner der Eurozone, die das Geld verwendet haben, um deutsche Waren zu kaufen, zu verleihen. Bis zum Jahr 2007 hatte Deutschland einen Handelsbilanzüberschuss von 195 Mrd. €, drei Fünftel davon kamen aus dem Inneren der Eurozone. Berlin könnte das „Sparsamkeit“ nennen, aber es ist schwer zu argumentieren, dass die überschüssigen Ersparnisse in Deutschland, die ihre Banken durch das anti-europäische Verhalten der Merkel-Administration erhalten haben, gut investiert hatten. Die Deutschen geben sich weiter der Illusion von Wohlstand, Handel, eigener Arbeit (vom BIP reflektiert) und elenden Papierschuldscheinen, die nie zurückgezahlt werden können, hin.

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Normalerweise würde jedes Land seine eigene Geldpolitik verfolgen, die sich auf Wechselkursanpassungen, um die Nachfrage zu Gunsten derjenigen zu verschieben, die es sich nicht leisten können. Unter einer einheitlichen Währung, kann dies nicht passieren. Stattdessen wurden Europas Schuldner gezwungen, die Nachfrage zu senken, durch eine Kombination von Sparmaßnahmen und Schuldenabbau. Ihre Handelsdefizite mit Deutschland sind zwar zurückgegangen – aber durch weniger Import und nicht durch mehr Export. Alle der so genannten PIIGS (Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien) sahen ihren gesamten Handel mit Deutschland schrumpfen – im Falle von Griechenland und Irland, um mehr als ein Drittel. Das Ausbalancieren Europas als Ganzes geschah so auf Kosten des Wachstums der EU.

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Die Euro-Zone ist in einer Falle gefangen. Die Länder mussten sich in zwei getrennten Richtungen bewegen, aber unter einer einheitlichen Währung, können sich die EURO-Länder nur im Gleichschritt bewegen. Ein Europa, das im Rahmen seiner Möglichkeiten überleben will, bedeutet, dass Deutschland, nicht seinen den EURO-Ländern aufgezwungenen Sparkurs weiter durchsetzen darf, sondern als treibende Kraft die dringend benötigte Nachfrage in den anderen EURO-Ländern schaffen muss, durch Lockerung der Geldpolitik – und einen schwächeren Euro – nur diese Maßnahmen leiten interne Ungleichgewichte in Europa nach außen. Der deutsche Handelsüberschuss mit den USA explodiert (bis 49 Prozent von 2007 bis 2013), und Defizite mit China und Japan sind zusammengebrochen (von negativen 71 Prozent auf negative 78 Prozent). In der Zwischenzeit wandelte sich die Handelsbilanz Deutschlands im Handel mit Brasilien und Südkorea vom Defizit zum Überschuss.

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Seit 2012 ist nahezu das gesamte Netto BIP-Wachstum in der Eurozone, auf Jahresbasis, durch Nettoexporte zustande gekommen. Es ist zweifelhaft, ob es sinnvoll ist sich auf die Amerikaner zu berufen, mehr Schulden anhäufen – und das Risiko einzugehen den Weg von Griechenland einzuschlagen und das eine gute Strategie ist. Oder wie die USA bei steigenden Handelsbilanzdefiziten grundlos Kriege in der Welt zu führen, denn ab dem exponetiellen Anstieg des US Handelsbilanzdefizits stiegen die globalen US-Aggressionen von Jugoslawien bis Afghanistan rund um den Globus an. Europas Handelsdefizit mit China zu verbessern macht mehr Sinn. Doch in der Praxis hat dies weniger mit der Erschließung des chinesischen Massenmarktes als dem Verkauf von Maschinen und Luxusgütern in Chinas kreditfinanzierten Investitionsboom zu tun, das auf die Aufrechterhaltung eines übergroßen Handelsbilanzüberschusses mit den USA besteht. Das Problem ist nicht was fair ist, sondern das was nachhaltig ist. Und die Amerikaner nehmen in der Welt der Verbraucher einen traurigen Platz ein, durch Kreditaufnahme, das über ihre Verhältnisse leben, das Geld dann irgendwo auf dem Planeten zu stehlen und immer weiter so zu machen und das ist sicher nicht nachhaltig.

Also, was ist zu tun? Die beste Lösung ist für Deutschland, den Euro zu verlassen. Die Erfahrung des 1985 Plaza Accord bietet Ermutigung. Ein stärkerer Yen spielte damals kaum eine Rolle in Japans strukturellen Handelsbilanzüberschuss. Denn Japan kann für Japan Denken, in einer Gemeinschaft wie die EU muss man an alle denken oder die EU verlassen.

Im vergangenen Jahr waren deutsche Politiker mehr bereit, zu versuchen die Nachfrage durch eine Erhöhung des Mindestlohns, Senkung des Rentenalters und die Erhöhung Renten zu steuern, das selbe was Griechenland vergangene Woche für sich forderte, Dinge die funktionieren können, aber die Gefahr in sich bergen, der Produktivität zu schaden und keine dringend benötigte Beschäftigung bringen. Seltsamerweise verweigern die gleichen Politiker, die Steuern und öffentlichen Ausgaben zu senken. Im Jahr 2014 führte Deutschland  seinen ersten ausgeglichenen Bundeshaushalt seit 1969, sogar ein Jahr früher als geplant. Für die meisten Deutschen, riecht ein Vorschlag dahingehend, dass man die Haushaltsdisziplin entspannen könnte, eher nach griechischer Art von Verschwendung, aber es gibt noch einen anderen Weg, um darüber nachzudenken. Die überschüssigen Ersparnisse sind schon da; die Frage ist nur, wohin damit?

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Deutschlands Wachstum und sein Verhalten erzeugt nachhaltig Handelsungleichgewichte, innerhalb und außerhalb der Eurozone. Für Deutschland und für die Welt, ist es letztlich ein schlechter und auch ein gefährlicher Handel am Rande eines Krieges mit Russland, den sich weder Deutschland, noch die EU leisten kann und in dem die USA der große Gewinner sein würde und ihre Handelsbilanzdefizite im Kriegsfalle endlich korrigieren kann. Nicht in die US-Falle tappen Frau Dr. Merkel!

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