Iran: Unter dem Schleier sterben die Blumen (2014)

Bildquelle: IHR Jahresbericht Todesstrafe in Iran 2014

Jahresbericht über die Todesstrafe im Jahr 2014 in Iran:

Teheran – Mit 753 Hinrichtungen in Iran im Jahr 2014 finden wir im vergangenen Jahr die höchsten Hinrichtungszahlen der Islamischen Republik seit mehr als 15 Jahren vor.

Jahresbericht 2014 auf einen Blick

753 Menschen wurden im Jahr 2014 exekutiert, 10 % mehr als im Jahr 2013
291 Fälle (39%) wurden von offizieller Seite bekannt gegeben
49% (367) wurden wegen Drogendelikten exekutiert

32% (240) wurden wegen Mordes hingerichtet

53 Hinrichtungen wurden öffentlich durchgeführt, darunter waren mindestens 14 jugendliche Straftäter und mindestens 26 Frauen wurden hingerichtet. Mindestens vier Menschen wurden nach dem Erhängen wiederbelebt.

Bildquelle: IHR Jährliche Hinrichtungszahlen ab 2005

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Jährliche Hinrichtungszahlen ab 2005

Der vorliegende Bericht wird in einer Zeit veröffentlicht, während sich die diplomatischen Beziehungen zwischen der Islamischen Republik Iran und der sog. internationalen Gemeinschaft (USA und seine Vasallen) nach der Wahl von Hassan Rohani, zum Präsidenten im Juni 2013 deutlich verbessert haben.

Bildquelle: IHR Hinrichtungen in % nach Delikten

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Hinrichtungen in % nach Delikten

Bildquelle: IHR Hinrichtungen in % nach Delikten offizielle Angaben der IRI

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Hinrichtungen in % nach Delikten offizielle Angaben der IRI

Im Jahr 2014 gab es zahlreiche Treffen auf hoher Ebene zwischen den iranischen Behörden und Regierungen vieler westlicher Länder. Neben Besuchen von Hunderten von Politikern aus den westlichen Ländern, die ihr Geschäft in Iran schon förmlich riechen, haben EU-Spitzenbeamte und Außenminister von mehreren Ländern, darunter Norwegen, Schweden, Italien, Spanien und Österreich, Teheran besucht. Dutzende von Treffen auf hoher Ebene mit der iranischen Führung haben auf der internationalen Bühne vergangenes Jahr stattgefunden.

Bildquelle: IHR Monatlicher Überblick über die Hinrichtungen 2014

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Monatlicher Überblick über die Hinrichtungen 2014

Trotz eines hohen Maßes an Engagement von Iran Human Rights (IHR) und seiner gesammelten Daten die diesem Bericht vorliegen, war die Anzahl der Hinrichtungen im Jahr 2014 die höchste die in mehr als 15 Jahren veröffentlicht wurde. Darüber hinaus

Bildquelle: IHR Hinrichtungen in Iran vor und nach den Wahlen

Bildquelle: IHR
Hinrichtungen in Iran vor und nach den Wahlen

zeigt ein Vergleich der Hinrichtungsdaten in den 18 Monaten vor und nach der Wahl von Herrn Rohani einen signifikanten Anstieg bei der Anwendung und Vollzug der Todesstrafe nach der Wahl Rohanis zum Staatspräsidenten. Darüber hinaus gab es 2014 die höchste Anzahl der gemeldeten Hinrichtungen von Jugendlichen seit 1990. Daneben führten iranische Behörden Hinrichtungen gewaltfreier bürgerlicher und politischer Aktivisten fort, wie die Hinrichtungen der arabischen Lehrer, Hadi Rashedi und Hashem Shabani, der eine arabische kulturelle Gruppe mit dem Namen „Al-Hiwar“ (Dialog) angehörte, Gholamreza Khosravi, der angeklagt worden war, wegen wirtschaftlicher Unterstützung einer verbotenen Oppositionsgruppe und Mohsen Amir Aslani der angeklagt und ebenfalls zum Tode verurteilt wurde, wegen Beleidigung des Propheten und Häresie, sind nur einige Beispiele für diese gängige Praxis. Der iranische Oberste Gerichtshof bestätigte das Todesurteil für Soheil Arabi, wegen Beleidigung des Propheten auf Facebook und er ist in Gefahr, tatsächlich hingerichtet zu werden.

Bildquelle: IHR Geographische Verteilung öffentlicher Exekutionen. In der Provinz Fars wurden die meisten Menschen hingerichtet

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Geographische Verteilung öffentlicher Exekutionen. In der Provinz Fars wurden die meisten Menschen hingerichtet

Dieser Bericht wirft die Frage auf, ob die Anwendung der Todesstrafe ein Diskussionspunkt im bilateralen Dialog zwischen dem Iran und den Ländern, die sich als die wichtigsten Förderer der Abschaffung der Todesstrafe in der internationalen Szene geben, war. Denn wenn die Todesstrafe ein wichtiges Thema in den Gesprächen gewesen war, warum sind dann die Hinrichtungszahlen zur gleichen Zeit gestiegen, seit die diplomatischen Beziehungen zunehmend florierten? Und was noch wichtiger ist, welche konkreten Maßnahmen will die sog. internationale Gemeinschaft ergreifen, um diesem Trend entgegenzuwirken?

Bildquelle: IHR Offizielle und inoffizielle Hinrichtungen seit 2008

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Offizielle und inoffizielle Hinrichtungen seit 2008

Mahmood Amiry-Moghaddam, der Direktor und Sprecher von IHR sagte: „Trotz der Verbesserung der Beziehungen zwischen der internationalen Gemeinschaft und dem Iran hat sich die Situation der Todesstrafe während der Präsidentschaft von Hassan Rohani wesentlich verschlechtert. Dieser Trend kann nicht fortgesetzt werden. Beschränkung der Anwendung der Todesstrafe ist eine der Top-Anforderungen in jedem Dialog zwischen der internationalen Gemeinschaft und Iran. Es ist an der Zeit, zu zeigen, dass die Menschenrechte auch aus diesen Dialogen profitieren.“

Bildquelle: IHR Hinrichtungen wegen Drogendelikten

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Hinrichtungen wegen Drogendelikten

Der vorliegende Bericht wurde nur wenige Tage vor Verabschiedung von Irans UPR im Menschenrechtsrat (HRC) herausgegeben. Zur selben Zeit hat die öffentliche Opposition gegen die Todesstrafe in Iran zugenommen. Es gibt in Iran eine fortlaufende offene Debatte über die Frage der öffentlichen Hinrichtungen. Des Weiteren sehen einige iranische Beamte eine Notwendigkeit von Veränderungen im Anti-Drogen Gesetz als dringend notwendig, um die Hinrichtungszahlen für Drogendelikte zu senken. Weitere Änderungen der Rechtsvorschriften in Bezug auf die Todesstrafe für jugendliche Straftäter, wurden ebenfalls erwähnt. Zur selben Zeit formiert sich in Iran eine Bewegung der Vergebung, in der die Familien der Mordopfer zunehmend den Einsatz der Todesstrafe als ungeeignete Strafe anprangern.

Bildquelle: IHR Geographische Verteilung der Hinrichtungen 2014

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Geographische Verteilung der Hinrichtungen 2014

Raphaël Chenuil-Hazan, der Geschäftsführer der ECPM sagte: „Die diplomatischen Beziehungen und die UPR geben gute Möglichkeiten, um die Situation der Todesstrafe in Iran zu verbessern. Aber es erfordert einen stärkeren Willen der internationalen Gemeinschaft und der iranischen Gesprächspartner, insbesondere der Europäischen Union und ihrer Mitglieder.“

Bildquelle: IHR Liste berichteter Exekutionen von Jugendlichen 2014

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Liste berichteter Exekutionen von Jugendlichen 2014

Bildquelle: IHR Liste exekutierter Frauen 2014

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Liste exekutierter Frauen 2014

Insgesamt und rückwirkend gesehen hat das Jahr 2014 die traurigste Bilanz hinsichtlich der Anwendung der Todesstrafe in Iran in den letzten 15 Jahren eingenommen. In den letzten 10 Jahren ist sie stetig gestiegen.

Den gesamten Bericht lesen Sie hier: Rapport_2014_BDEF02

Unter dem Schleier sterben die Blumen 2011

Unter dem Schleier sterben die Blumen 2012

Unter dem Schleier sterben die Blumen 2013

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