Eine unheilige Allianz gegen Iran: Die pakistanisch-saudische Liaison

Nawaz Sharif میان محمد نواز شریف‎

Nawaz Sharif  نواز شریف‎

ANALYSE

Riad الرياض – Der Mittlere Osten hört nie auf die politische Weltbühne zu überraschen, vor allem überrascht er immer dann, wenn man es am wenigsten erwartet. Dieses Mal ist Saudi-Arabien an der Reihe, denn die Luftangriffe des Königreiches im Jemen haben begonnen, das könnte eine dramatische Wendung der Ereignisse im Mittleren Osten zur Folge haben, eine neue Kriegsgefahr gegen Iran droht und Pakistan folgt mit blindem Gehorsam.

Als der pakistanische Premierminister Nawaz Sharif نواز شریف‎ Anfang März nach Riad reiste, zogen in Pakistan einige die Augenbrauen hoch. Der pakistanische Premierminister kam, um den neu gekrönten König zu treffen und Beziehungen mit alten Freunden am königlichen Hof wieder aufleben zu lassen. Es gab Gerüchte, dass die Saudis pakistanische Hilfe gegen den iranischen Einfluss in der Region suchten, aber der Ministerpräsident blieb hart und gab zu diesem Thema ein schwaches „Nein“ an Pakistans Gönner in Riad. Nach Erhalt von 1,5 Mrd. USD, als Freundschaftshilfe aus Saudi-Arabien zu Beginn seiner Amtszeit, spielte Sharif nun den Unnachgiebigen. Der neue Premierminister hatte scheinbar es geschafft, 1,5 Mrd. USD zu empfangen, ohne jemals öffentlich regionale Interessen der Saudis zu vertreten.

Der Emir von Katar machte sich dann schnell auf seinen Weg nach Islamabad, um Gespräche über Milliarden-Dollar-Investitionen und die Förderung der Handelsbeziehungen mit Pakistan zu führen. Als der Emir Pakistan wieder verließ, traf das erste Tankschiff aus Katar mit verflüssigtem Erdgas (LNG) ein, die erste derartige Lieferung, war somit der Beginn eines 22 Mrd. USD- Deals. Mit dieser Transaktion wurde etwas zusammenbraut, aber es war zunächst schwer, die Signale die aus Islamabad kamen zu deuten.

Erst als die Saudis die Bildung einer Koalition und die Initiierung der Luftangriffe in Jemen, gegen die von Iran unterstützten Houthi-Rebellen ankündigte, fügten sich die Teile des Puzzles zu einem Bild zusammen: Pakistan hatte eine Entscheidung verzögert und extrahierte damit ein besseres Angebot von seinen Gönnern, und ist nun auf dem Weg in einen regionalen Konflikt verwickelt zu werden, der mit einem extravaganten Einsatz von Proxies verbunden ist.

Mit dem Eintreffen einer pakistanischen Delegation in Riad am 1. April, war es so gut wie sicher, dass ein Deal zwischen den beiden Ländern erreicht worden war. Die offizielle saudische Nachrichtenagentur war die erste, die offen legte, dass eine Reihe von Ländern, darunter auch Pakistan, den Wunsch geäußert haben, an der Operation teilzunehmen. Pakistans Sprecher des Außenministeriums, Tasnim Aslam, wiederholte, „dass die Teilnahme der Saudis an einer Koalition gegen die jemenitischen Rebellen derzeit geprüft werde.“ Sharif gab den KO-Schlag, sagten hochrangige Teilnehmer bei einem Treffen in Islamabad, als er sagte, „dass jede Bedrohung der territorialen Integrität Saudi-Arabiens eine starke Reaktion aus Pakistan evozieren würde.“ Alle drei Quellen hätten auch einfach die Wahrheit sagen können, nämlich dass Pakistan bezahlt wurde um großzügig seine Zustimmung den Saudis und ihren Verbündeten beizutreten zu geben, um eine angebliche „iranische Bedrohung“ im Jemen entgegen zu wirken. Berichte haben bereits bestätigt, dass Pakistans Marine weiterhin die Luftangriffe in Jemen unterstützen wird.

Es wurde erwartet, dass die Delegation die Details der Transaktion glätten würde, den Dollar-Betrag vereinbaren würde, und pflichtbewusst eine unbekannte Anzahl von Truppen senden würde, um der saudischen Monarchie zu dienen. Doch die im Entstehen begriffene Demokratie und ihre Sprachmedien in Pakistan schufen ein Hindernis für die Regierung. Die Oppositionsparteien in Pakistan forderten eine Allparteien-Konferenz einzuberufen, um die Entwicklungen in Jemen zu besprechen, und der Ministerpräsident reagierte auf die Forderung mit einer gemeinsamen Sitzung des Parlaments, die am 6. April stattfand.

Die Debatte war so wichtig, dass sogar Imran Khans politische Partei, die pakistanische Tehreek-e-Insaf, ihren monatelangen Boykott des Parlaments beendete. Als Ergebnis der Parlamentsdebatten über die Politik des Landes in Bezug auf Jemen wird der iranische Außenminister kommende Woche in Islamabad erwartet. Diese laufenden Entwicklungen brachten Sharif in eine schwierige Situation, denn er muss jetzt einen Weg finden, die saudischen Wünsche zu erfüllen, während er gleichzeitig die Opposition zu Hause beschwichtigen muss und Iran im Nacken sitzen hat.

Während Pakistan seine eigenen Interessen wahrnehmen muss, wird die Debatte in Pakistan als Druckmittel verwendet, um mehr Zugeständnisse und Dollars von den Saudis zu extrahieren. Letztlich werden finanziellen Zwänge auf der einen Seite und die Notwendigkeit seine Gönner bei Laune zu halten auf der anderen Seite, Pakistans Engagement in den Konflikt weiter hinein führen. Wie wichtig dieser Beitrag ist, bleibt abzuwarten, aber man kann weitere Marine-Ressourcen und Kampfjets erwarten, und irgendeine Form von Sondereinsatzkontingent um der Koalition beizutreten.

Zuflüsse in Milliarden Dollarhöhe, einem Vorzugs-LNG Deal mit Katar, und das Versprechen für weitere Zuschüsse ermöglicht es Sharifs Regierung ihre Versprechen der wirtschaftlichen Entwicklung Pakistans zu halten. Saudi-Arabien und Iran, immer in einem Kampf zwischen zwei Regionalmächten mit einer Spaltung zwischen zivilisatorischen und sektiererischen Linien verwickelt, führen auch zu dramatisch kurzfristigen und langfristigen Herausforderungen für Pakistans Sicherheitsinteressen.

Die Gewalt gegen Schiiten und Minderheiten in Pakistan ist bereits außer Kontrolle geraten, eine politische Entscheidung, um militärische Kräfte gegen Dollar zu tauschen gießt innenpolitisch sicherlich Öl ins Feuer, deren Flammen das Land bald erfassen könnten. Es wird auch zu einer scharfen Reaktion Irans kommen, die sicherlich zu – für Pakistan –  unangenehmen Antworten entlang der gemeinsamen Grenze in Belutschistan führen wird. Iran wird alles in seiner Macht tun, um Pakistan für seine Allianz mit den Saudis entsprechend verdient zu bestrafen. Sektiererische militante Organisationen – sowohl extremistisch schiitischer als auch sunnitischer Art – werden die hart erkämpften Erfolge Pakistans gegen die Militanten im eigenen Land in den letzten Monaten gefährden.

In einer Zeit, in der interne Probleme irreparable Schäden in Pakistan verursachen, ist die Entscheidung, eine Anti-Iran Allianz mit Saudi-Arabien zu gründen daher vollkommen sinnlos. Iran braucht seine militärische Kraft in einem Krieg an der Westfront, den er gegen den einst von den arabischen Staaten, der USA und NATO ins Leben gerufenen IS bündeln muss. Für Pakistan, signalisiert diese unheilige Allianz mit einem der brutalsten islamischen Staaten der Welt und wichtigsten US-Verbündeten eine Fortsetzung des bisherigen Trends, in denen das Land seine strategischen Interessen einfach wie eine Hure an den Meistbietenden verkauft: so z.B. als pakistanische Piloten saudische Flugzeuge gegen jemenitischen Streitkräfte im Jahr 1969 flogen oder General Zia ul-Haq wegen Milliarden von Dollar an Hilfe für die Mudschaheddin Kräfte gegen die Sowjets in den 1980er Jahren aushalf. Sharifs Regierung in Pakistan wird einfach nur ein weiteres Kapitel dieser Tradition aufschlagen.

Ohne finanzielle Unabhängigkeit kann eine Nation, keine unabhängige Außenpolitik verfolgen. Angesichts Pakistans konsequenten Bedarfs an ausländischer Finanzierung, um die Wirtschaft über Wasser zu halten, kann Pakistan seinen radikal-islamischen Gönnern nicht, nein sagen, wenn sie gerufen werden. Dieses Mal wird ein Parlament und kein Diktator in Pakistan diese Entscheidung treffen. Dies ist das einzige positive Ergebnis aus der politischen Situation dieser unheiligen Allianz dreier Terrorstaaten (Saudi Arabien, Katar, Pakistan)

In den letzten Tagen konnten sichtbare Zeichen der Spannungen zwischen Iran und der Saudi geführten Koalition erkannt werden. Iran sandte einen Zerstörer und ein Versorgungsschiff an den Golf von Aden in die Nähe der jemenitischen Küste. Die iranische Marine hat nun zwei Kriegsschiffe in diesem Konflikt im Einsatz. Mitglieder der saudischen Koalition wurden in den Gewässern vor der Küste von Aden tätig, in dem sie eine Blockade implementiert haben. Dies ist die erste iranische Militärpräsenz in der Nähe des jemenitischen Krieges. Außenminister John Kerry reagierte auf die Nachrichten von gestern und sagte: „Iran muss anerkennen, dass die Vereinigten Staaten nicht zu sehen werden, dass die Region in offener Kriegsführung über die Linien der internationale Grenzen hinaus und in anderen Ländern destabilisiert werden.“ Dass ausgerechnet die USA ein solches Statement abgeben, die permanent in der ganzen Welt ohne UN Mandat Krieg führen, sollte eigentlich bei jedem Irritationen und Befremden hervorrufen. An anderer Stelle verweigerten saudische Beamte einem iranischen Flug mit 260 Pilgern, die auf dem Weg nach Mekka waren, in saudischen Luftraum einzutreten.

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