Weihnachten ist Šabe Yaldâ

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Dein Anblick jeden Morgen ist ein Neues Jahr, Jede Nacht wo du abreist ist der Vorabend von Yaldâ.
(Sa’di)
نظربه روی توهربامداد نوروزیست
شب فراق تو هر شب که هست یلداییست
(سعدی)

Šabe Yaldâ [شب یلدا],Šabe Celle [شب چله], Julfest oder auch Weihnachten genannt, ist ein altiranisches Fest, das auch heute noch trotz des Argwohns und der Behinderung der islamischen Fremdherrscher in Iran von vielen Iranern gefeiert wird.


Mithra Gott des Lichtes und der Güte

Der Vorabend von Yaldâ hatte schon immer eine große Bedeutung im iranischen Kalender. Es ist der Vorabend der Geburt Mithras, des Sonnengottes, der das Licht und die Güte symbolisiert. Yaldâ ist ein syrisches Wort und bedeutet Geburt und in der altiranischen Mythologie bedeutet dieser Tag der Sieg des Sonnengottes über die Mächte der Finsternis.

Eine Jungfrau gebärt Mithra in jener Nacht. Während der achämenidischen Epoche war Mithra der Sonnengott, die höchste Gottheit neben Ahura Mazda, dem Gott aller Güte und Anahita [Ânâhitâ], der Göttin des Wassers und der Fruchtbarkeit. In der sassanidischen Epoche wurde der Zoroastrismus Staatsreligion, doch die Bedeutung von Mithra blieb ungebrochen. Heute wie damals ist Šabe Yaldâ in Iran genau wie im christlichen Kulturkreis Weihnachten ein klassisches Familienfest.

Der Ursprung des Weihnachtsfestes

Die Nacht vom 21. auf den 22. Dezember ist die längste Nacht des Jahres und an dem Tag, der heute dem 25. des Monats Dezember entspricht, wurde nicht nur im antiken Iran sondern auch bei allen anderen indo-germanischen Völkern die Geburt des Sonnengottes Mithra gefeiert, da von diesem Tag an die Tage immer länger werden und das Licht allmählich über das Dunkle siegt. Die Römer übernahmen später den Mithrakult (Mithras) von den Hellenen, der zuvor schon von den Hellenen an der kleinasiatischen Küste von den Persern übernommen worden war.  Die Hellenen glaubten Helios lenke den Sonnenwagen, gezogen von vier Pferden über den Himmel. Während vieler Jahrhunderte gab es einen beträchtlichen Einfluss dieser iranischen Religion auf Europa: In Deutschland z.B., in der Nähe von Hamburg und in Teilen Italiens findet man heute noch alte mithraistische Altäre. Die viertägige Versetzung zum 21. Dezember des Yaldâfestes ist aufgrund von verschiedenen Berechnungsunterschieden erklärbar. Schon im antiken Iran gab es nachweislich ein großes Interesse an astronomischen Zyklen und es war, wie auch in anderen Hochkulturen allgemein üblich, ein göttliches Wesen als die Quelle aller Naturkräfte anzusehen. Da die Präzession scheinbar  die  gesamte  Fixsternsphäre  bewegt, musste  der  ihr zugrunde liegende Gott mächtiger als die Götter der Sterne und Planeten sein. So ist der Kult um diesen ab mindestens Mitte des 2. Jahrtausends „neu entdeckten Gottes“, der die größte Macht über den gesamten Kosmos hatte, vor Jahrtausenden entstanden.  Um 2000 bis 1500 v. Chr. erreichten die Arier auch den indischen Subkontinent und auch sie verehrten dann den Sonnengott mit demselben Namen Mithra.

Entstehung des Weihnachtsfestes im Christentum

Für die christlich-abendländische Kultur bedeutsam ist die Übereinstimmung des Sol-Feiertags am 25. Dezember mit dem christlichen Weihnachtsfest. Sol war dann der spätere Name des römischen Sonnengottes der Spätantike. Als das Christentum aus dem  Judentum geboren wurde und seinen Eroberungszug gen Europa startete, musste der christliche Klerus feststellen, dass es ihnen an rituellen Kalenderdaten mangelte: So etwas macht eine Religion immer attraktiv, vor allem aber ist so  etwas nötig, um eine Religion zu institutionalisieren. Zwar versuchte jahrhundertelang der christliche Klerus, dieses aus ihrer Sicht heidnische Fest, das tief in den Menschen verwurzelt war, zu unterbinden bis schließlich die indogermanischen Feste, u.a. auch das iranische „Mithrakana“ oder eben Šabe-Yaldâ für das Christentum modifiziert wurde. Das genaue Geburtsdatum von Jesus von Nazareth ist nicht bekannt und das Datum des 25. Dezembers wurde auch erst im vierten Jahrhundert unter Kaiser Konstantin I festgelegt.

Es liegt daher nahe, dass zur Festlegung des Datums der Geburt Jesu das Fest der Geburt des iranischen Sonnengottes  Mithra, das die Römer einst von den Hellenen in Kleinasien übernommen hatten, die es ihrerseits von den Persern übernommen hatten, eine Rolle spielte. Von manchen Religionswissenschaftlern werden sogar Parallelen zwischen dem Mithraismus und dem Christentum und insbesondere zwischen der Figur des Mithra und Jesus von Nazareth aufgeführt. Die meisten Religionswissenschaftler sind heute überzeugt, dass das Christentum viele Riten und Inhalte aus dem Mithraismus übernommen hat:

  • Als „Sol invictus“ wird Mithra in der Ikonographie mit einem Strahlenschein um den Kopf dargestellt, vergleichbar dem Heiligenschein in der christlichen Ikonographie
  • die Mithraisten glaubten ähnlich wie auch später die Anhänger des Zoroastrismus an Himmel und Hölle, an ein Jüngstes Gericht, eine Auferstehung der Toten und der Wiederkehr Mithras zur endgültigen Überwindung des Bösen.
  • Da Mithra als Sonnengott angesehen wurde, war der Sonntag („dies solis“) der ihm geweihte Tag.
  • Die vier größten mithraischen Feste fanden alle zur Sommer- und Wintersonnwende und zur Frühlings-Tagundnachtgleiche und Herbst-Tagundnachtgleiche statt (vgl. Weihnachten, Ostern).
  • Der höchste Priester des Mithrakults wurde „Papa“ genannt und trug als Amtszeichen eine rote phrygische Mütze die „Mitra“, der Vorläufer der Bischofsmütze, ein rotes Gewand, einen Ring und einen Hirtenstab.
  • Die unbefleckte Empfängnis

Nicht umsonst wird  in den skandinavischen Ländern Weihnachten „Jul“ genannt, denn die Skandinavier haben die indo-germanischen Feste besser erhalten als die südlicheren Gebiete Europas. Jul ist nichts anderes als das altiranische mithraische Fest der Mittwinternacht, das auf noch unbekannten Wegen nach Skandinavien gebracht wurde. Wenn auf der Nordhalbkugel der Erde am 21. oder 22. Dezember die Sonne die geringste Mittagshöhe über dem Horizont erreicht, dann ist Mittwinter oder Yaldâ. Zur Wintersonnenwende erreicht die Sonne dann im Jahreslauf ihren tiefsten Stand in Bezug auf den Meridiandurchgang.

Zu diesem Zeitpunkt herrscht der kürzeste Tag und die längste Nacht, weil der größere Teil der täglichen Sonnenbahn unterhalb des Horizonts liegt. Nahe den Polarkreisen gibt es zur Wintersonnenwende sogar einen Tag ohne Sonnenaufgang. Schon in vorchristlicher Zeit wurde Jul deshalb zur Mittwinternacht durch Opfer gefeiert. Das Flateyabók berichtet uns, dass die Heiden das Julfest feierten um Odin zu preisen.

Der Baumschmuck zur Wintersonnenwende, galt auch im Mithra-Kult als Ehrung des Sonnengottes im antiken Iran vor viertausend Jahren. Der Stern an der Spitze des Baumes galt als Symbol für Mithras Geburt. Während heute die Christbaumkugeln die verbotenen Äpfel des Paradieses symbolisieren sollen, symbolisieren die Kerzen am Baum, das Licht und  die Geburt des iranischen Sonnengottes Mithra. Auch in nördlichen Gegenden Europas wurden im Winter schon früh Tannenzweige ins Haus gehängt, um bösen Geistern das Eindringen und Einnisten zu erschweren und das Grün gab Hoffnung auf die Wiederkehr des Frühlings.

Das  Weihnachtsfest sowie der leuchtende Tannenbaum sind  iranischen Ursprungs. Dieses Fest wurde und wird von vielen Iranern seit Jahrtausenden gefeiert und einst mit viel Wein begossen.

Wir wünschen allen Lesern ein frohes Fest!

کریسمس و شب یلدا فرخنده باد

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21 Gedanken zu „Weihnachten ist Šabe Yaldâ

  1. Auch hier sieht man die enge Verwandschaft von Europäern und Iranern !
    (Weihnachten) das Julfest ist auch ein Altgermanisches Fest aus der Zeit vor der Christianisierung ( mit entsprechungen auch bei Slawen Kelten und Griechen) auch das Germanische Julfest wurde mit einem Tannenbaum gefeiert und es lief soweit überlieferungen vorliegen durchaus ähnlich wie das Iranische ab!
    Schöne vollständige Beschreibung siehe hier!

    http://www.asentr.eu/f_jul.htm

    Gruß Andre

    • Verehrter Andre, ich möchte mich bei Dir bedanken, dass Du ständig unsere Artikel verlinkst und auch mal hier kommentierst. Dir wünsche ich auch schon fröhliche Weihnachten und frohes Yaldâ Fest.

      • Danke Ardašir für diesen Beitrag, der vielleicht zu weiteren “ Bewusstseinserweiterungen “ einladen dürfte / könnte etc. … :-).

        Andre schreibt :

        > Auch hier sieht man die enge Verwandschaft von Europäern und Iranern !
        (Weihnachten) das Julfest ist auch ein Altgermanisches Fest aus der Zeit vor der Christianisierung ( mit entsprechungen auch bei Slawen Kelten und Griechen) auch das Germanische Julfest wurde mit einem Tannenbaum gefeiert und es lief soweit überlieferungen vorliegen durchaus ähnlich wie das Iranische ab!

        Danke Andre für “ Copy und Paste “ eines Teils Ihres Kommentars nun, der inhaltlich auch meiner Sicht entspricht.
        —-
        Fartâb und Ardašir, “ Pârse & Pârse “ ich sage ganz einfach Danke für Ihre Gedanken und wirklich lesenswerten Beiträge.

        Frohe Weihnachten – ein schönes Yaldâ Fest – all meine Wünsche hier 🙂

        • Verehrte Klara, auch ich bedanke mich für Ihr Lob und Pârse & Pârse wünscht sich weiterhin im nächsten Jahr Ihrer Erwartung gerecht zu werden und in diesem Sinne wünsche ich Ihnen auch Frohes Weihnachts- und Yaldâ Fest.

        • Danke Klara fuer das Kompliment.

          Fuer Leser wie Sie, verwenden wir unsere gesamte Freizeit, unser Wissen und unsere Faehigkeiten, um ein reales Bild Irans, seiner Geschichte und Kultur und das seiner Nachbarstaaten zu praesentieren. Wir halten hier nichts von Hasspredigten, kritisieren aber hier jeden, der sich schuldig macht an den weltweiten Entwicklungen und da ist es uns voellig egal, ob es sich um Moslems, Juden, Christen, Amerikaner, Deutsche oder Marsmenschen handelt. Wir sind ein Aufklaerungsblog und werden auch weiterhin niemanden schuetzen. Unser Ziel hier ist es den Nahen Osten begreifbar zu machen und die weltpolitischen Zusammenhaenge offenzulegen. Auch von der Geschichte und Kultur unseres Landes zu erzaehlen, haben wir uns auf unsere Fahne geschrieben. Bleiben Sie uns erhalten, denn wir sind stolz, dass diejenigen Kommentatoren, die hier regelmaessig kommentieren, dem gewuenschten Niveau entsprechen, denn nur solche wuenschen wir uns.

          Auch Ihnen frohe Weihnachten und ein schönes Yaldâ Fest!

  2. Night of the winter solstice / Nacht der Wintersonnenwende / شب چله = یلدا

    Congratulations on the night of the winter solstice / Schabe chelle(Yalda)
    Herzlichen Glückwunsch zur Nacht der Wintersonnenwende / Schabe Tschelle (Yalda)
    شب چله(یلدا) بر همه ایرانیان فرخنده باد

  3. Pingback: Fröhliche Weihnachten, חג חנוכה שמח oder Merry Kwanzaa? | Pârse & Pârse پارسه و پارسه

  4. Pingback: Meine armenischen Landsleute, Shenoraavor Nor Dari yev Pari Gaghand | Pârse & Pârse پارسه و پارسه

  5. Pingback: Frohe Weihnachten! | Online-Magazin Pârse&Pârse پارسه و پارسه

  6. Dagegen wird beim Islam der Mond-also die Dunkelheit verehrt.Wird die Dunkelheit nicht bei allen Völkern mit dem bösen in zusammenhang gebracht?

  7. Ich wünsche den Blogbetreibern ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten und gesunden Rutsch in das neue Jahr 2014. Möge es endlich Frieden in den islamischen Ländern geben. Hoffen wir, dass viele Muslime erkennen, dass echte Friedfertigkeit zu Jedermann eben nicht im Koran zu finden ist.

    • Ich habe bei meinen Weihnachtswünschen die Leser dieses blogs vergessen. Hiermit hole ich das nach und wünsche allen Lesern hier auf dem blog ebenfalls ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen aufrechten und gesunden Rutsch in eine hoffentlich friedvolleres neues Jahr 2014.

  8. Pingback: Šabe Yaldâ 2014 شب یلدا فرخنده باد | Online-Magazin Pârse&Pârse پارسه و پارسه

  9. Danke,ein sehr schöner Artikel.Die kathol. Kirche hat aus den 4 indogerm. Jahresfesten christl. Feste gemacht: WSW,TNG,SSW,TNG..Die Indogerm. und Germ. hatten einen Kalender ( Himmelsscheibe von Nebra,der älteste Kalender ).Die Sonne ist im deutschen weiblich,denn sie ist das Leben,der Winter( schwarz )ist die Mittwinternacht,die am 60. Breitengrad beginnt-die Sonne verschwindet scheinbar…Deshalb war die Wintersonnenwende das Fest der Wiedergeburt,Auferstehung,,,,was man überall in der indogerm. Mythologie findet (Unterweld,Hades…) Tod und Wiedergeburt des Christentums waren also nichts neues.Die Symbolik des Sonnenjahres findet man auf alten Felsgravuren im geteilten Kreis ,oder dem Kreis mit Kreuz,der die Himmelsrichtungen N,S,O,W. zeigt, das findet man schon im Neolithikum,vielleicht schon vom Neandertaler.Der Norden war heilig,weil man sich zur Ortung auf den Polarstern bezog,um die Himmelsrichtungen festzustellen,denn sonst wäre eine Wanderung,der Handel und die Seefahrt unmöglich gewesen.Seit der Bronzezeit gabs Handel von der Nord-u. Ostsee bis über die Seidenstrasse nach China…der Sonnenwagen ist ein Symbol für das Sternbild des Großen Wagens,(das als Beispiel )……Mithras konnte von Römern zu den Germanen gebracht werden ,weil sie ihn unter anderen Namen kannten, Es gibt in Thüringen in Goseck ein 6.900 Jahre altes Sonnenobservatorium,das man wieder aufgebaut hat.
    In diesem Sinne feiern wir alle das Julfest,das Fest des neuen Lichtes…

  10. Pingback: Navidad en Persia:Šabe Yaldâ | NUEVA EUROPA- Nueva Eurabia

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