SAVAK سازمان اطلاعات و امنیت کشور – Irans Geheimdienst unter dem Shah (1)

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Einleitung

Die Idee einen Geheimdienst in Iran zu etablieren entstand in Gesprächen mit den USA, Israel und Großbritannien, ein Jahr nach dem Fall Mossadeqs. Bereits unter Mossadeq wurde eine politische Polizei ins Leben gerufen. Es dauerte jedoch noch Jahre bis die Idee eines echten Nachrichtendienstes umgesetzt und schließlich Gesetz wurde. Ursprünglich waren die Amerikaner, die in Iran stationiert waren nicht in diese Pläne involviert. Erst später wurde Oberst Giroux von den USA zugeteilt, beim Aufbau einer solchen Organisation behilflich zu sein.

Amerikanische und britische Geheimdienstoperationen waren in inländische- und ausländische eingeteilt – das FBI und die CIA in den USA und das MI5 und MI6 in Großbritannien. Die neue iranische Organisation sollte sich ursprünglich dem türkischen Modell bedienen, in dem beide Funktionen in einer Institution umfassend zusammenliefen. Im ursprünglichen Konzept der vorgeschlagenen Organisation, war nur das Sammeln, Austauschen und Sichten von Informationen vorgesehen, die als wichtig für die nationale und internationale Sicherheit erachtet wurden um sie sich für militärische und zivile Institutionen zur Umsetzung anzueignen.

Bildquelle: Wikipedia.org Major General Teymur Bakhtiar

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Major General Teymur Bakhtiar

Die Gesetzesvorlage, den SAVAK (Organisation für Informationen und Sicherheit des Landes), zu etablieren passierte am 20. Januar 1957 den iranischen Senat und am 14. März 1957 das iranische Parlament. Zunächst war als Chef des SAVAK einer der Vertrauten des Premierministers vorgesehen. Des Shahs erste Wahl die neue Organisation zu leiten, traf auf eine zivile Person mit Namen Nasser Zolfaqari. Doch Zolfaqari lehnte den Posten mit der Begründung ab, dass diese Aufgabe eine umfangreiche Erfahrung in der Spionageabwehr erfordere, die er nicht hatte und vertrat die Auffassung, dass diese Aufgabe bei einem Offizier des Militärs mit nachrichtendienstlichem Background besser aufgehoben wäre. Daraufhin ernannte der Shah Major General Teymur Bakhtiar, Kommandant der kaiserlichen Garde und Administrator des Kriegsrechts, zum Kopf des SAVAK und Hasan Pakravan und Hasan Alavi-Kia, zwei Offiziere mit nachrichtendienstlichen Erfahrungen, als seine Stellvertreter. Pakravan leitete dabei zunächst die ausländischen nachrichtendienstlichen Operationen, während Alavi-Kia die inländischen leitete. Bakhtiar wurde dem Majlis am 04. April 1957 unter Manuchehr Eqbal’s ersten Kabinett vorgestellt. Unter Bakhtiar, Pakravan und Alavi-Kia war der SAVAK nun in der Lage durch eine Gruppe hochintelligenter Militärs und hochqualifiziertem zivilem Personal aufgestockt zu werden.

Oberst Gratian Yatsevitch, der in Iran als CIA Direktor in den späten 1950ern bis Mitte der 1960iger Jahre stationiert war bemerkte, „Es wurde allgemein zur Kenntnis genommen, dass der SAVAK es tatsächlich geschafft hat, dass ihm sehr qualifizierte und intellektuelle Offiziere zugewiesen wurden.“ Earnest R. Oney, der die Offiziere des SAVAK in ausländischer Spionageabwehr ausgebildet hatte und sich mit dem hoch qualifizierten zivilem Personal beschäftigt hatte, war derselben Auffassung.

Die Organisation

Die Organisation des SAVAK entwickelte sich allmählich zu neun verschiedenen Büros. Die zwei Hauptfelder, die ausländische und inländische Abteilung wurden getrennt betrieben, aber von den gleichen Gruppen bedient. Auslandsoperationen wurden hauptsächlich vom zweiten Büro betrieben, das auch Informationen gesammelt und analysiert hatte. Die Verantwortung für die Analyse wurde anschließend dem siebten Büro zugewiesen, die zur Quelle elitärer Mitglieder der Organisation wurde um in weite Felder verschiedener Angelegenheiten zu sehen, einschließlich der Untersuchung möglicher Trends der Weltwirtschaft und ihre Folgen auf die iranische Gesellschaft. Das achte Büro war zuständig für die Spionageabwehr. Nach Jahren wuchs SAVAK zu einer hervorragenden Organisation heran, die wichtige Informationen über den Ostblock und den Nachbarländern hatte. Sie sagte sogar die sowjetische Intervention in Afghanistan als erster Geheimdienst der Welt voraus. Bereits 1976 wurde der Shah davon unterrichtet dass Irak biologische und chemische Waffen herstellt und lagert.

Das dritte Büro war zuständig für die Innere Sicherheit. Es wurde zum Emblem des SAVAK, es war jenes Büro das die meisten Leute heute meinen, wenn sie über SAVAK sprechen. Wie die anderen Geheimdienste auch, war dieses Büro hauptsächlich mit Operationen innerhalb der Landesgrenzen beschäftigt. Während der Zeit des SAVAK hat die linksgerichtete Tudehpartei in Iran viele Mitglieder und an Einfluss verloren, sie war der Hauptspion der Sowjets in Iran gewesen und blieb im Focus, sowohl der Iraner als auch der Amerikaner. Das Büro war nicht limitiert auf die Überwachung der linken Szene, ihre Aufgabe umfasste alle inländischen Aktivitäten, die der SAVAK als mögliche Bedrohung für das Land oder seine Regierung ansahen. Mit der Zeit deckte die Funktion des Büros ein weites Feld von Individuen, einschließlich derer, die in hohen Positionen dienten und beinhaltete das Sammeln von Informationen über diese Personen bezüglich ihrer Gewohnheiten und richteten sich damit auch gegen die Unterstützer des Shahs. Gholam Reza Afkhami beschreibt es in seinem Buch The Life And The Times Of The Shah auf S. 382 so: „Man muss erwähnen, dass dieses Büro erfolgreicher war gegen die Unterstützer des Regimes vorzugehen, als seine Feinde zu eliminieren.“

Zu Beginn machte jedes Büro seine eigenen Aufzeichnungen. Rechtzeitig wurde deshalb ein neuntes Büro eingerichtet um alle Aufzeichnungen der Organisation zu sichern. Es wurde zum Archiv des SAVAK von wo aus andere staatliche Organisationen im Ausland ihre Informationen erhielten, die sie benötigten. Es ist interessant, dass dieses Büro es nicht schaffte die Aufzeichnungen während der islamischen Revolution zu vernichten. Als Ergebnis erhielt der Geheimdienst der Islamischen Republik Iran VAVAK viele intakte, wenn auch nicht alle Aufzeichnungen.

Die anderen Büros waren verantwortlich für Administration, Budget und Ausbildung.

Die Rolle Israels

Die Beziehungen zu Israel blühten in jener Zeit auf. Israel hatte bereits Verbindungen zu iranischen Armeeeinheiten (G2) noch bevor die iranische Armee neu organisiert worden war. Diese Verbindung die rasch wuchs, nachdem die neue Militärführung unter Leutnant General Haj Ali Kia organisiert worden war, war wegen der gegenseitigen Interessen bezüglich der Eindämmung des arabischen Einflusses in der Region initiiert worden und nicht zuletzt wegen Irans Glauben an die nachrichtendienstlichen Fähigkeiten Israels.

Der Shah wies General Bakhtiar an, bei den Israelis diskret anzufragen, ob sie bereit wären die Iraner unter den Bedingungen Irans zu trainieren und auszubilden. Nach verschiedenen geheimen Bemühungen kam es schließlich zu einer israelisch-iranischen nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit, besonders in den Bereichen Überwachung und Abhörspionage. Mit der Zeit ebbte die Trainingsrolle Israels ab und die Beziehungen wurden in einem gemeinschaftlichen Komitee von Vertretern aus Iran, Israel und der Türkei formalisiert, die sich einmal jährlich in einer der Mitgliedsländer trafen. Die iranischen Geheimdienstler glaubten, dass die Israelis mehr Gemeinsamkeiten mit Iran aufwiesen als die Türken, wegen dem historischen Rückblick in die Zeit Kyros des Großen, der die Juden aus der babylonischen Gefangenschaft befreit hatte und weil die Türken hypersensibel in der kurdischen und armenischen Frage waren, wohingegen die Iraner mehr oder weniger auf der selben Wellenlänge wie die Israelis lagen, wenn es darum ging, woher die Bedrohungen für die nationale Sicherheit kamen. Darüber hinaus hielten die Iraner den israelischen Geheimdienst für weit besser als den amerikanischen. Major General Mansur Qadar, ein früherer Direktor des SAVAK bemerkte: „Die amerikanischen nachrichtendienstlichen Operationen und Methoden sind oberflächlich und es mangelt an Gründlichkeit. Die Israelis dagegen suchen und finden die Wurzeln und präsentieren die Quellen die den Feind nähren und die Gefahr die von ihnen ausgeht“ Iran und Israel vereinbarten, dass Iran die Gefahren in einem Radius von 150 km um seine Grenzen, insbesondere in Richtung seiner arabischen Nachbarn fokussieren sollte. Russland war weit weg und der Shah verbot jegliche Aktivität in der Türkei.

Die Führung

Bildquelle: Wikipedia.org General Hasan Pakravan

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General Hasan Pakravan

Formell war der Chef des SAVAK ein Proxy des Nachrichtendienstes des Premierministers. In der Praxis erhielten die Premierminister Informationen vom SAVAK nach dem need-to-know-Prinzip. Sie wurden regelmäßig über die Aktivitäten der Linken, religiöser Gruppierungen und anderen Organisationen informiert, die der SAVAK beobachtete, aber sie wussten wenig über die Methoden und Techniken ihrer Operationen. Sie wurden generell nicht über aktuelle Spionageoperationen informiert bis sie vollendet waren und entsprechende Informationen vom Shah freigegeben wurden. Die Qualität und Quantität von Informationen, die der jeweilige Premierminister erhielt, waren abhängig vom Verhältnis des jeweiligen Premierministers zum SAVAK. Der Shah empfing den Chef des SAVAK zweimal wöchentlich um seinen Bericht entgegenzunehmen. Die Männer die er auswählte um sie zum Chef des SAVAK zu machen, waren alle ihm gegenüber loyal, aber auffallend unterschiedlich im Charakter, in ihrer Haltung und intellektueller Begabung. Bakhtiar war ein intelligenter aber auch harter Soldat, tapfer, aber gefühllos im Detail, er strebte danach Freunden zu helfen und Feinde zu vernichten, ein Schürzenjäger war er und empfand sich als unwiderstehlich, während er selbst nicht widerstehen konnte. Er war ein tapferes Vorbild mit Vorliebe für die Gefahr und Grausamkeit. Er war von sich selbst überzeugt und ehrgeizig und er glaubte er verdiente das höchste politische Amt das Iran anzubieten hatte, vorzugsweise mit dem Shah und notfalls auch ohne ihn.

Bakhtiar wurde am 15. März 1961 von seinem Stellvertreter General Hasan Pakravan

General Nematollah Nasiri

General Nematollah Nasiri

abgelöst, der in vielerlei Hinsicht das Gegenteil von ihm war – intellektuell, politisch moderat, vom Charakter her human, familienorientiert, gewaltlos. Diese Eigenschaften werden Pakravan sowohl im privaten wie beruflichen Leben von vielen Seiten attestiert. Seine Amtszeit als Chef des Savak war eine völlig andere als Bakhtiars Amtszeit. Die Organisation des SAVAK wurde nun rationaler, gesetzestreu und fair. Er wurde von General Nematollah Nasiri, als dritten und letzten Chef des SAVAK in der letzten Periode vor den Wirren der islamischen Revolution abgelöst. Nasiri war von seinen Vorgängern weit entfernt, er war blind und taub, ein friss oder stirb Mensch, weder intellektuell noch mit Ambitionen, weder gut noch schlecht, nur loyal, der Typ von Mensch, der bereitwillig am Leben teilnimmt um seinen Kaiser zu schützen oder zu gefallen. Er wurde zum Chef des SAVAK ernannt als Dr. Amir Abbas Hoveyda sein erstes Kabinett im Januar 1965 zusammenstellte und verblieb in dieser Position für 13 Jahre.

Quellen: ((Atlantik Monthly 2003; Kubark Manual ; Gholam Reza Afkhami, The Life And The Times Of The Shah; David Frost; Interview mit seiner Kaiserlichen Hoheit Shah Mohammad Reza Pahlavi; Alfred W. McCoy: Foltern und Foltern lassen. 50 Jahre Folterforschung und -praxis von CIA und US-Militär. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2005; Wolfgang Neskovic (Hg), Der CIA Folter Report, Januar 2015; Alinaghi AliKhani, Assadollah Alam, The Shah And I, The Confidential Diary of Irans Royal Court 1968 – 1977)

2. Teil

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